Ausgabe 
30.5.1906 Erstes Blatt
 
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Debatte mit 27003600 Mk. genehmigt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde dem 1. Vorsitzenden, Stadtv. L. Petri II., eine prachtvolle goldene Uhr für seine 20 jährige ersprießliche Tätigkeit in der Sektion überericht; Herr Töinn hielt dabei eine herzliche Ansprache, in der er die Uneigennützigkeit und Pflichttreue hervorhob, mit der Herr Petri seit dem Bestehender Bcrufsgenossenschaft das Amt des Vorsitzenden in ehrenamtlicher Weise versieht. Er schloß mit dem Wunsche, daß Herr Petri noch lange in bewährter Weise die Geschäfte der Sektion fördern möge.

Wetterau - Lahngau - Sängerbund. Am Sonntag nach Pfingsten findet in Großen-Buseck ein Sängertag deS neugegrundeten, besonders für die länd­lichen Gesangvereine der Wetterau und Lahn, sowie der an­grenzenden Gebiete gedachten Sängerbundes statt. Auf diesem Sängertag werden die in Großen-Linden und Leihgestern be­gonnenen grundlegenden Satzungen für den Bund weiter be­raten, u. a. auch der Beitrag für das laufende Geschäftsjahr bestimmt. Da der Beitrag bei einer größeren Anzahl Bundes­vereine ganz bedeutend erniedrigt werden kann, so wäre es sehr empfehlenswert, wenn sich Vereine, die dem Bund bei­treten wollen, vor diesem Sängertag zur Beteiligung anmelden würden. Anmeldungen sind zu richten an den 2. Bundes­vorsitzenden Konrad Velten in Lang-Göns. Es ist bereits eine erfreuliche Beteiligung und Unterstützung bei der schonen Sache festzustellen sowohl von den jetzigen Bundesvereinen als auch von einzelnen Sangesfreunden, die dem Bunde als Mitglisder beigetreten sind bezw. ihren Beitritt in sichere Aussicht gestellt haben.

Der Kaninchenzucht-Verein vonGießen und Umgegend hält am 30. Juni und 1. Juli d. I. seine zweite Lokal-AuS st ellung auf Lonys Bierkeller ab. Es werden ca. 100 Kaninchen aller Rassen ausgestellt.

Rödgen, 28. Mai. Nachdem von verschiedenen Seiten Geldspenden für den Bau einer Kleinkinderschule bewilligt worden sind, hat der Gemeinderat den Bau be- schlossen. Der Saal soll auch zu Vergnügungen benutzt werden. Das Gebäude kommt in die Nähe der Kirche zu stehen und noch im Laufe dieses Sommers soll mit den Maurerarbeiten begonnen werden.

§ Lollar, 30. Mai. Zum Gesang-Wettstreit derLiedertafel" werden umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Die Proben der vereinigten Lollarer Vereine haben begonnen, die Ausschüsse arbeiten fleißig an der Ausgestaltung des Festes, überall herrscht emsige Tätigkeit. Das Ehren­mitglied des Vereins, Kammermusiker Louis Kümmel aus Darmstadt, hat seine Mitwirkung bei den Konzerten des 23. bis 25. Juni zugesagt. Lollar dürfte, wenn die Wetter- Kommission gut arbeitet, zu Johanni recht viele Besucher von nah und fern in seinen Mauern sehen.

Butzbach, 29. Mai. Ein ärmlich gekleideter Junge suchte gestern bettelnd Mitleid zu erregen, indem er vorgab, vereinnahmtes Geld für verkaufte Butter verloren zu haben. AlS er heute immer noch von Haus zu Haus zog und die widersprechendsten Angaben über Name und Herkunft machte, nahm sich die Polizei seiner an und stellte fest, daß er von Gießen entlaufen ist und Ludwig Becker heißt.

---- Heldenbergen, 28. Mai. Gestern hielt die Spar- und Leihkasse ihre Generalversammlung ab. Der Umsatz belief sich auf Mk. 750000. 23 Prozent Dividende kommen zur Auszahlung. Als besoldete Mitglieder des Auf­sichtsrats wurden Philipp Grix und Max Spei er, als Vorstand Theobald Meininger gewählt.

X Laubach, 28. Mai. Man beabsichtigt die Ver­legung deS hiesigen Postlokals aus dem Mönrigschen Hause in der Hainstraße nach dem alten Amtsgerichts­gebäude in der Friedrichstraße. Da letzteres Gebäude Eigentum der Stadt ist, beschäftigte man sich in der heutigen Gemeinderatssitzung mit Abschluß eines Mietvertrags mit der Postbehörde. Er wird erst im Frühjahre nächsten Jahres perfekt werden. Mit dem Bau desneuen Amts­gerichtsgebäudes soll nach Pfingsten begonnen werden. Die Erd- und Maurerarbeiten werden an Maurer Georg Rühl hier, die Zimmerarbeiten an Georg Franz hier zu 8530 Mk., die Spenglerarbeiten an die Spengler Döll und Kreut er übertragen werden.

A Büdingen, 28. Mai. Indem Basalt st ein bruch am sogenannten Stöffel trug sich ein schwerer Unglücksfall zu, der ein Menschenleben kostete. Mehrere Arbeiter waren mit Steinbrechen beschäftigt, als sich oberhalb schwere Fels­massen lösten und zwei Arbeiter verschütteten. Der Arbetter Schmidt war sofort tot, der andere trug lebens­gefährliche Verletzungen davon.

Darmstadt, 29. Mai. Gestern verschied nach langem mit großer Geduld ertragenen Leiden der Großh. Ministecialrevisor bei der Buchhaltung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Hch. Friedr. Rühl zu Darmstadt. Rühl stand infolge seiner Charaktereigenschaften und seiner Fachkenntnisse bei seinen Vorgesetzten und seinen Kollegen in großem An­sehen. Auch in Turnerkreisen war Rühl eine bekannte, stets gern gesehene Persönlichkeit. Die Erde werde ihm leicht. Der Verstorbene war geborener Gießener. Der bis­herige Sekretär bei der diplomatischen Vertretung in Darmstadt, Jägermeister Dubenski, ist zum Ministerresidenten für Hessen und Sachsen-Koburg-Gotha ernannt worden.

R. B. Darmstadt, 30. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Großes Aufsehen erregt hier der Selbstmord des Lehrers Joh. Theodor Schwamb, der bei einer Witwe in der Alicestraße wohnte. Als er gestern früh auf wiederholtes Pochen keine Antwort gab, öffnete man die Tür und fand den Lehrer mit einem Schuß im Kopf tot auf dem Sofa. Der Unglückliche lebte in geordneten Verhältnissen. Er hatte wohlhabende Eltern und war mit einer Lehrerstochter ver­lobt, die er in Kürze zu heiraten gedachte. Ueber den Beweg­grund zu der Tat ist nichts bekannt.

sd. Darmstadt, 29. Mai. Wie nunmehr feststeht, war der bereits gemeldete Ausbruchsversuch der vier jugendlichen Gefangenen im Darmstädter Ge­fängnis für Jugendliche seit längerer Zeit geplant. Er sollte bereits am vorigen Samstag stattfinden. Die vier in Betracht kommenden Sträflinge hatten die Sache beschlossen und Gotta die Ausführung des Hauptteils des Planes über­nommen. Er war früher Taglöhner und stammt aus Bür­stadt. Er wurde Anfang vorigen Jahres wegen Einbruchs- diebstahlS zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, sodaß er sich

etwa l1/? Jahre in dem Gefängnis befindet. Der Ober­aufseher Platz kannte ihn ziemlich genau und hatte keinerlei Mißtrauen gegen ihn, sodaß er ruhig die Zelle betrat. DaS Befinden des Platz ist relattv günstig, es steht jedoch noch dahin, ob er mit dem Leben davonkommen wird. Platz ist 51 Jahre alt, er ist seit 25 Jahren Gefangenenaufseher. Justizminister Ewald hat einen ausführlichen Bericht über die Angelegenheit eingefordert, der im Laufe des heutigen Tages auSgearbettet und ihm übersandt worden ist. Es steht zu erwarten, daß der Minister Maßnahmen trifft, um derartige Vorkommnisse für die Zukunft zu verhüten.

Mainz, 28. Mai. Aus Furcht vor einer gering en Strafe hat sich heute Vormittag ein junger Soldat erschossen. Am Pulvermagazin 7 stand der aus Köln gebürtige Musketier Schneider von der 7. Kompagnie des 117. Infanterie-Regiments Posten und hatte sich dabei hingesetzt was verboten ist. Hierbei traf ihn eine Patrouille, die ihn melden mußte. Als Schneider später abgelöst werden sollte sagte er:Warte einen Augenblick", setzte das Gewehr an die Brust und drückte, ehe man ihn hindern konnte, los. Das Geschoß drang ihm in die Brust, so daß der Tod sofort eintrat.

() Frankfurt a. M., 29. Mai. Eine internatio­nale Zei tu n gs a u s stellun g ist am Sonntag in der früheren Weißfrauenschule eröffnet worden. Sie ist in erster Linie historisch interessant. Sie umfaßt deutsche Zeitungen vom 16. Jahrh. (!) bis in die neueste Zeit, sowie recht merk­würdige Preßerzeugnisse Asiens und Afrikas. Der in verschie­dener Hinsicht für den Laien lehrreiche, technisch gediegen her- gestellte Katalog weist ca. 500 Nummern auf. Der Magistrat, Archive und Museen haben zum Teil recht wertvolle Besitz­tümer für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Private haben ebenfalls ausgestellt. Besonders instruktiv sind auch für Kunstfreunde die ausgestellten Erzeugnisse mehrerer hervorragender Schriftgießereien, die ein farbenreiches Bild geben von dem augenblicklichen hohen Stande der Buchdruck­technik und ihrer künstlerischen Produktion.

§ Marburg, 28. Mai. Betreffs deS schon viel er­wähnten Niesenkonku rses des verschwundenen Universitäts­buchhändlers Schramm begannen heute vor dem Amts­gericht die Verkaufsterviine der auf dessen Namen stehenden Häuser. Es hatten sich hierzu auch eine Anzahl auswärtiger, bei der Sache interessierter Herren eingefunden. Bei dem Schrammschen Wohnhaus am Schloßberg, der sog.Wolfs­burg", blieb ein Herr Griens aus Biebrich mit 44100 Mk., und bei dem neuen Niesengeschäftshaus in der Marktgasse Rechtsanwalt Kraft aus Büdingen mit 223 000 Mk. Höchst­bietender. Die letzten Hypothekenbesitzer fallen natürlich aus.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Seit dem 24. d. M. wird die 34jährige! Gräfin Wanda von Lüttichau, die sich in einem Sana­torium in H o f h e i m im Taunus befand, vermißt. Die Dame, die in Berlin mit ihrer Schwester wohnte, hatte vor einigen Wochen schwer nervenleidend das Sanatorium ausgesucht, um lsicr Erholung zu suchen. Am Donnerstag verließ die Gräfin die An­stalt, um spazieren zu gehen, kehrte jedoch nicht wieder zurück. Es gelang bisher nicht, den Verbleib der Kranken zu ermitteln. Gräfin Wanda Lüttichau wurde 1872 zu Koblenz geboren; sie ist eine Tochter des 1893 verstorbenen Landrats Grafen Bernhard Lüttichau.

Vermischtes.

* Die Oberprimaner des Königlichen Gymnasiums in Danzig haben sich einen kecken Scherz erlaubt. Sie telegraphierten, nachdem ihnen vom Direktor eine abschlägige Antwort erteilt worden war, direkt an den Kaiser nach Prökelwitz, ob sie zum Stapellauf des LinienschiffesSchlesien" frei haben könnten. Eine be­jahende Antwort traf umgehend durch den Oberpräsi­denten ein. (Der arg brüskierte Herr Direktor wird wenig erbaut gewesen sein über den Bescheid, der keinesfalls ohne Einvernehmen mit ihm hätte erfolgen sollen. D. R.)

* Belehrung der Kinder über die Feuers­gefahren. Einen sehr zeitgemäßen Erlaß hat der Landes­schulrat für das Königreich Böhmen an alle Schulleitungen herausgegeben, die darin angewiesen werden, die Kinder über die Verwendung der leicht entzündlichen Stoffe: Spiritus, Petroleum und Benzin zu belehren und ihnen folgende Punkte, die auch in den Kreisen der Erwachsenen mehr als in Wirllichkeit geschieht, beachtet werden sollten, dringend ans Herz zu legen: 1. Man gieße nie Spiritus (Weingeist oder Alkohol) in eine Flamme oder auf einen staick erhitzten Gegenstand. Beim Gebrauche von Schnell­siedern lasse man den letzten Rest von Brennflüssigkeit verbrennen oder warte mit dem Nachgießen, bis sich der Spiritusbehäller des Kochapparats hinlänglich abgekühlt hat. 2. Bei Verwendung von Lampen (Spiritus-, Petro­leum- und Ligroinlampen) gieße man nie das Brenn­material in das Lampenreservoir, ohne vorher die Flamme auszulöschen. Selbstverständlich muß darauf gesehen werden, daß der Docht genau den Dimensionen des Brenners ent­spricht. 3. Man gieße niemals zur Belebung des Feuers Petroleum oder Spiritus in Kohlenbecken oder Herde usw., wenn sich diese in Glut befinden. 4. Man gieße niemals Benzin oder Ligroin in Gegenwart einer offenen Flamme in ein Gefäß; ebenso hüte man sich, mit Benzin Reinigungs­arbeiten bei einer offenen Flamme vorzunehmen. Es empfiehlt sich vielmehr, zu solchen Reinigungsarbeiten statt des Benzins den nicht explosiven Tetrachlorkohlenstoff oder wenigstens das weniger explosive Gemenge von Benzin und Tetrachlorkohlenstoff zu verwenden. 6. Wird in irgend einem Raum Gasgeruch wahrgenommen, dann bringe man in diesen kein offenes Licht, sondern sperre sofort die Hauptleitung ab und erstatte in der nächsten Gaswachstube die Anzeige von dem Gebrechen. 6. Ist Sviritus zufällig in Brand geraten, so lösche man die Flammen mit viel Wasser; brennt Petroleum, dann ersttcke man den Brand mit Asche oder großen feuchten Tüchern, keineswegs aber verwende man Wasser, da dieses die Gefahr nur erhöhen würde. 7. Bei der Verwendung trag­barer Azetylenlampen öffne man das Karbidreservoir erst dann, wenn die Wasserzufuhr abgesperrt wurde und das im Reservoir noch vorhandene Azetylen durch den Brenner entwichen ist.

UttrVeL'sitäts-NachvrLhten.

D i e Festsetzung einer Altersgrenze s ü r Univerfitätsprosessoren soll derDeutschen Medizin.

Wochenschrift' zufolge in Preußen nicht erfolgen, ba auf eine Umfrage des Kultusministeriums die akademischen Senate sich dagegen ausgesprochen haben.

H a n n o v e r, 25. Mai. Anläßlich des 7 5jährigen Be­stehens der Technischen Lochschule land ein Festakt statt, dem die staatlichen und städtischen Behörden, Vertreter sämt­licher deutscher technischer Hochschulen, der Universität Göttingen u.a. beiwohnten. Der Rektor der Hochschule teilte die Verleihung der Würde eines Dr. inq. an mehrere auswärtige Herren mit.

Gerichtssaal.

Worms, 29. Mai. In der Privatklage des Rechts­anwalts Hans Soldan gegen den Redakteur derWormser Ztg." Hans v. Trützf ch ( er wegen Beleidigung wurde heute das Urteil verkündet. Der Angeklagte v. Trützschler wird wegen Vergebens gegen § 185 zu einer Geldstrafe von 50 Mark, im Nichtbeilreibungssalle zu 5 Tagen Gesängnis und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Außerdem ist durch einmaligen Abdruck das Urteil an der Stelle des Leitartikels binnen einer Woche nach Rechtskraft Öffentlich in derWorms. Ztg." bekannt zu machen. Die Beleidigungsgeschichte ist aus früheren Mitteilungen bekannt. In der Urtestsbegründung ist gesagt: Es bedarf keiner Ausführung, daß der betreffende Artikel derWorms. Ztg.' Beleidigungen und Ehrenkränkungen des Herrn Soldan enthält. Den Angaben des Angeklagten, den Artikel zur Abwehr gegen aus Freiherrn v. Heyl gerichtete Angriffe vettaßt zu haben, sowie lediglich auf die frühere Affäre Soldan-Schaver anspielen zu wollen, schenkt das Gericht Glauben. Es ist nicht der Ansicht des Privatklagers, daß es sich um fortgesetzte Beleidigungen des Herrn Soldan bandle, fonbern es sieht die beganoene Beleidigung als eine einmalige an. Aus diesen Gründen, und da der Artikel int Anschluß und Zusammen­hang mit der Gutfleisch-Versammlung erschien, glaubte das Gericht dem Aiigeklagten.den Schtitz des § 193 (Wahrung berechtigter Interessen) nicht versagen zu können. In der Form und Fassrma ist jedoch die Beleidigiing des Herrn Soldan unverkennbar, deshalb wird auf eine Geldstrafe, wie angegeben, erkannt. (W. Vztg.)

h Frankfurt a. M, 29. Mai. Vor dem Schöffengericht kam die früher mehrfach erwähnte Saarbrückener Affäre, die sich zwischen dem Violinisten Adolf Redner und dem Eellisten Professor Rudolf Becker abgespielt hat, als Prioatbeteidigungsklage Redner contra Becker zur Verhandlung. Ailf Vorschlag des Vorsitzenden kam es zum Vergleich. Beide Parteien erklärten, daß sie durch ein Mißverständnis in einen Wortwechsel geraten sind, den sie beide bedauern. Professor Becker erklärt weiter, er bedauere insbesondere, daß er sich in der Erregung zu Tätlichkeiten gegen Rebner habe hinreißen lassen, und über­nimmt die Kosten. Die Klage wurde hierauf zurückgezogen.

Bordeaux, 29. Mai. Frau Eanaby, die angeklagt war, durch gefälschte ärztliche Unterschriften sich in Apotheken Gift­stoffe verschafft zu haben, um ihren Gatten zu töten, von dem Verbrechen des versuchten Gartenmordes freigesprochen, wegen Fälschung aber zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Zuhörerschaft, meistens Damen, nahm das Urteil mit lautem Widerspruch auf. Alan hatte eine strengere Strafe erwartet.

Arbeiterbewegung.

Hannover, 29. Mai. Die aus ständigen Former- und Gießerei-Arbeiter haben heute die zwischen beit Kommissionen bezüglich der Lohnfrage vereinbarten Bedingungen bis auf einige nebensächliche Punkte angenommen. Der acht- wochige Kampf in der Metall-Industrie kann damit als beendet gelten, sodaß die für den 27. Juni angedachte A u § s p e r r u n g nicht in Kraft treten dürfte.

Berlin, 29.Mai. Von demVereinDeutscherArbeit- geber- Verbände wird mitgeteilt, daß er in seiner Ausschuß­sitzung vom 28. ds. die Konstituierung der als Rückver­sicherungs-Instanz gedachten Gesellschaft de? Vereins deutscher Arbeitgeber-Verbände zur Entschädigung bei Arbeitsein st ellungen vorgenommen hat.

Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.

Neue Marburger Stadt-Anleihe. Trotz Einladung an alle Großbanken wurden nur nachfolgende bret Gebote auf Mk. 500 000 Marburger Stadt-Anleihe abgegeben und zwar auf 3V.proz. Anleihescheine bot die Gruppe S. I. Werthauer jhn. Nächst in Kassel, S. Wertheim Marburg, Vorschußvereiil Marburg 96.83 Proz., die Gruppe Maurer & Plaut in Kassel, L. Pfeiffer in Kassel, Leopold Plaut & Co. in Kassel, Menke Eichel­berg & Sohn in Marburg 96.56 Proz., ferner bot die Firma Baruch Strauß Marburg, Gießen, Frankfurt a. M. auf eine 4 proz. Normalanleihe den Kurs von 100.31 Proz.

Sport.

Die Verlagsbuchhandlung von Theod. Thomas in Leipzigl sandte uns eine unsere Gegend darstellende Universalrad^ f portierte. Die Chausseen treten auf der Karte klar hervor, bie Entfernungsziffern sind in Kilometern angegeben und die Stellen, an denen der Radfahrer Vorsicht üben muß, sind be­zeichnet. Walder, Gebirge, Landstraßen, Eisenbahnen, Flüsse, Seen, Schlosser usw. sind angegeben. Die Schrift auf der Karte ist so deutlich, daß man sie während der Fahrt beguem lesen tann. Die Karte liegt in Taschenformat in biegsamer eleganter .Kalikodecke vor und ist zu dem Preise von 1,50 Mk. zu beziehen. Der Druck ist sauber und das Papier zähe, sodaß sie in jeber Hinsicht als brauchbar sich erweist.

WöckknMt WnW brr (tcbrefnlir in dtt'Ltadt Eikßen

21. Woche. Vom 20. bis 26. Mai 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 iinkl. 1600 Marm Militär.) Sterblichkeitsziffer: 8,81 %0, nach Abzug von 1 Ortsfremden: 7,08 %to.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr

Tuberkulose der

ßungen 1 1 --

Lungenentzündung 1 (1) 1 (1)

Herzfehler 2 2

Aneurysma___1__________1________________

Summe 5 H)' 5"(1) ' "

Au m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte ft raufe kommen.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 28.29. Mai + 22,4° C.

Niedrigste 28.-29. = + 10,8° G.

Mai 1906

Barometer aut 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

>

g

E? 5 f TS 2

Z

Windstärke

Wetter

29.

2,s

749,3

22,6

11,6

57

NW

4

Sonnenschein

29.

9"

748,4

17,4

12,4

84

still

still

KlarerHimmel

30.

7

748,0

14,0

10,0

85

WSW

4

Bed. Himmel

Für Blutarme, Nervöse I984

Dr. Klopfer-Glidin

In Apotheken, Drog. Wissenschaft!. Literatur kostenfrei. Dr. Volkmar Klopfer, Dresden-Leubnitz.