Ausgabe 
30.4.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Erstes Blatt

Montag 3V. April 1906

0

Gerücht, der passiert und

156. Jahrgang

Steiflliäuser

17 Siu« Säue 17

Kaiser nahe, er habe bereits Friedberg werde jeden Augenblick hier eintreffen, be-

Ncuc Attentate u. a. in Rußland.

In Petersburg fand cm Attentats»ersuch auf den Oberst R i e in a n vom Semenowschen Leibgarde- Regiment statt, der bei der Niederwerfung deS Moskauer Aufstandes die Strafexpedition gegen die Angreifer der Bahn­strecke leitete und Bauern, Arbeiter und Eisenbahner nieder- schiesicn ließ. Slm Freitag wünschte den Oberst ein als Offizier verkleideter Unbekannter zu sprechen. Die Uniform war aber so fehlerhaft, daß sie die Aufmerksamkeit des wacht­habenden Unteroffiziers erregte, der den Oberst darüber unter­richtete. Der Unbekannte wurde verhaftet. Er trug einen geladenen Revolver bei sich und gab zu, in der Absicht ge­kommen zu sein, Rieman zu ermorden. Der Verhaftete ver­weigerte die Namensnennung. In Odessa wurde der Polizeioffizier Pogrebnoi durch vier Revoloerschüsie getötet. Der Täter entkam. Gleichzeitig schleuderte eine Frau eine Bombe gegen den Offizier Poltaw- tschenko, die aber nicht traf. Die Täterin wurde von Kosaken mit Säbeln niedergehaucn, sie schleuderte aber, am Boden liegend, eine zweite Bombe, wodurch zwei Schutzleute verwundet wurden.

In Tschenstochow wurde auf den Wagen des Poli­zeien eiste rs eine Bombe geworfen, durch welche dieser und der Kutscher leicht verwundet wurden. Dec Wagen wurde zertrümmert. Ter Attentäter ist unbekannt.

Es hat den Anschein, daß zur Verfolgung der in Warschau verhafteten deutschen Sozialistin Rosa Luxemburg ganz besondere Gründe vorliegen. Von Petersburg wurde cüx Mitglied deS Gendarmeriekorps, Baron Medern, mit einem Geheimbefehl nach Warschau entsandt. Wie verlautet, ent­hält der Befehl eine Instruktion für das Kriegsgericht, vor welches die Verhaftete gestellt werden wird.

NeuerdmgL werden rvicder, wie vor dem Kriege, viele der Spionage verdächtige Leute unter den in Wladi­wostok eintreffenden Japanern bemerkt. In den letzten Tagen sind dort wiederholt bei den Festungswerken Ver­haftungen vorgenommen worden. Zehn von den Verhafteten waren damit beschäftigt, Skizzen anzufertigcn und Notizen zu machen. Ein unbewaffneter Soldat versuchte in der Nähe der Festung einen Japaner zn verhaften, wurde aber nut einem Revolver bedroht; der Japaner entfloh.

1,20 -85

1- -M

l.ö) -v

W' -7$Ö

1,10

1,10

?3) 1.K

Ser Kaiser will am 2. Mai auf dem Töberitzer Uebungsplatz bei Berlin die Bataillone deS ersten Ckirbe- regiments besichtigen. Ebenso gedenkt dec Kaiser am 3. Mai Bataillonsbesicytigungen vorzunehmen> nm 3. Mai abends nach T onaucschingen ab^ireifcn. Die Kaiserin verbleibt vorläufig in yomburg.

§ie Heutig- Lummer umfaßt Seiten

Aer Kaiser in Hießen.

Wir verbreiteten am Samstag abend folgendes Ertra- blatt unter allen unseren städtischen Lesern:

Gießen, 28. April. Wie uns von amtlicher Seite mit- -geteilt wird, trifft Se. Mnjestiit der Kaiser am 1. Mai, von Houiburg kommend, um 9 Uhr im Automobil auf dem Exerzier- platze zu Gießen ein. Se. Majestät wird zur Anfahrt voraussicht­lich., bie Frankfurter Straße, die Südanlage, Earteustraßc und die Griinberger Ltraße benutzen. Se. Maj. steigt auf dem Exerzierplatz zu Pferde und besichtigt sein Regiment. Rach der Besichtigung des Regiments wird Se. Maj. em Frühstuck beim Lffizierkorpö in der Zeughaus-Kaserne einnehmen. Die Weiterreise Sr. Maj. erfolgt um 1 Uhr nachm vom hiesigen Bahnhof im Sonderzug nach Potsdam.

Der Kaiser in Gießen! Das ist unsere freudig erwartungs­volle Losung seit Tagen und Wochen. Längst warf der gerüchtweise schon vor dem Osterfeste und daun von Tage zu Tage immer wieder angckündigtc Kaiserbesuch seine Schatten voraus. Am Donnerstag der vergangenen Woche machten sogar einige Schulen einen freien Vormittag, weil das

1106

> Auslese Mill n alter rry , Gold deira ,, alter, laga >, aller

Nr. 100

Erscheint täglich

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Samiliem blätter viermal in der I

Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brühl 'sehen Umvers.-Buch-u.Stem- druckerei. 0t Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7, Redaktion 113

Verlag u.Exved^^Säl Adresse für Deoeschen:

Anzeiger Gießen.

stimmte Formen annahm. Auch nach auswärts waren durch über­eifrige Reporter falsche Gerüchte verbreitet worden, und so waren denn aus der näheren und weiteren Umgebung unserer Stadt, selbst aus Wetzlar, Herborn und anderen benachbarten preußischen Orten, Leute herbeigeströmt, um den Kaiser zu sehen. Alle unsere täglichen Versicherungen, daß solchen Ge­rüchten kein Glaube beizumessen sei und daß unsere Leser sich auf uns verlassen könnten, daß wir rechtzeitige Meldung von dem Kaiserbesuch machen würden, waren in den Wind geredet.

Nun also wissen wir's bestimmt: der Kaiser kommt! Zur Besichtigung seines stolzen Regiments, indem jcit dem unvergeßlichen Gnadenakte des Jahres 1891 der sjtarne Kaiser Wilhelms II. für alle Zeiten untrennbar fort» leben wird, wird der Kaiser Einkehr bei uns halten. Ein -.militärischer Festtag, ein Festtag des Volkes in Waffen, aber auch ein Fest der gesamten Bevölkerung, die ihn, den bisher noch nie in ihren Mauern gesehenen Herrscher i i j Reiches, freudigen Herzens grüßt.

Im Juni 1903 sah ihn wohl mancher von uns beim frankfurter Wettsingen, wie er mit gespannter Aufmerksam­keit in die Welt der Töne versunken, sinnend zu den Sängern blickte und zum Schlüsse an die Dirigenten der Gesangvereine im Fürstenzimmer der Festhalle eine geistreiche Ansprache über das Volkslied und die Pflege des VolkSgesangeS hielt und die Herausgabe einer Sammlung sämtlicher deutscher Volkslieder ankündigte. Im vorigen Frühjahr aber reiste mancher Gießener nach dem nahen Wiesbaden, um dort den Kaiser zu sehen bei der großen Parade zu Ehren der anwesen­den Königin-Mutter von Italien, oder bei den Festspiel­abenden im Hoftheater. Die meisten Herzen eroberte er sich ober dort, wenn er, in der schmucken Uniform seiner schwarzen Husaren, mit kleiner Suite einen Frühritt in die im Lenzschmucke prangenden Wälder des Nerotals unternahm und aus den Händen schöner Frauen mit gewinnendem Lächeln und ritter- lichenr Tanke heiteren Auges immer neue Rosenbuketts ent­gegennahm. Er selber pflegte aus jedem Strauße eine der köstlichen Blüten für sich zu nehmen und die übrigen unter seine Begleiter zu verteilen. Gebräunt von der Sonne des Südens sah man ihn damals in prachtvoller körperlicher Kraft, und tausende Herzen, auch die vieler enthusiastischer Ausländer, schlugen ihm dort entgegen.

Morgen schaut ihn zum ersten Male die Stadt Gießen. Sie sieht ihn an der Spitze seines Regiments. In dem neuesten Vehikel modernen Individualverkehrs wird ihn die Heide droben vor der Stadt erblicken, die, wenn nicht bunte mili- tärische, oder jeweils auch sportliche Schauspiele auf ihr sich abspieleu, in stiller Abgeschiedenheit zwischen waldigen Hügeln träumt.

Stadt und Kreis Gießen grüßen den Kaiser, in dessen sicher und starker Persönlichkeit uns Gewordenes, Gegenwärtiges, Werdendes gleich eindrücklich entgegentritt; Gewordenes, Gegenwärtiges, Werdendes jubelt ihm zu, und nur auf die Dauer Lebensunfähiges mag grollend abseits stehen. Die halbe Flasche Sekt im Leibe, die nach Bismarcks bekanntem Wort dem Deutschen fehlt, tut dem großen Michel wahrlich not. Natürlich irt das bildlich gemeint. Neben der Pedanterie auch ein bischen Initiative, neben der Gründlichkeit auch ein bischen Entschluß­freudigkeit, das muß dem Deutschen immer wieder beigebracht irjcrben.* Wir gehen nicht gern in einen Kampf; haben uns unsere Führer aber erst in die Gefechtsfront gebracht, dann entlodert d.cr Furor Teutonicus und es wird ganze Arbeit getan. Früher einmal erstanden diese Führer dem Volk, und die Fürsten standen abseits. Heute gehören wir man muß im gewisser Weise sagen: leider zu den saturierten Nationen. Mur zu viele unter uns legen Taler auf Taler und trinken jfjQC Bier. Sonst begnügen sie sich mit Abgestandenem. Nur nicht überschämneu, heißt die Parole. Selbst die erbittertste Wahl man denke nur an die..letzten Darmstädter Tage ysht dem Volte nicht mehr so an die Nieren, wie vor an­nähernd 60 Jahren eine einzige Rede eines begeisterten oder

iwonieNi

Mann M 5 $*«*'?* ® Kaplau^5^-^

HB

JU-ÄSSl

y^JciKniaOn!

uiÄwtiilc

c. piSn 2

. Prinur

ybeci:eil

Sw« SQUtten "-Echt

Wer ber

©Pie

!>». Ä

2.

Dentschev Reichstag.

89. Sitzung v o m 28. A p r i l 1906.

Präsioent Gras Balle st rem erösfiict die Sitzung mit der Beratung des Au^omob ilba f tpsl ichtgesetzes.

Abg. Prinz Sch ö na i cb-Ea r ol at b iul.) oanll dem Staatssekretär des Reidisjustizamts für die Vorlegung dieses Ge­setzes. Die Bestimmung, daß der Betriebsunternehmcr und nicht der Chauffeur für den angerichteten Lclxrden haftbar sein soll, ist ebenso gerechtfertigt, wie die Gleichstellung des Antomobil- betriebcä mit dem Eisenbahnbetriebe. Die Zahl der Unfälle ist bei dem ersteren sogar noch größer als bei dem letzteren. Die Bildung non Zwangsgeiwsienschaften tarnt einer späteren Novelle rorbehalten bleiben, damtt auch die leistungsfähigen Betriel^- untermehmer ihrer Haftpflicht gegenüber dem Geschädigten gerecht werden können. Die Schädigungen durch Automobile haben sich in letzter Zeit in so besorgniserregender Weise vermehrt, daß endlich etwas geschehen muß. Redner beantragt die Verweisung der Vorlage an eine Kommission.

Abg. Gröber (Ztr.) begrüßt den Gesetzentwurf von ganzem] Herzen. Seine Partei erblicke allerdings im Automobil einen sehr erwünschten technischen Fortschrllt, es> sei aber mit Ge­fahren für die Allgemeinheit verbunden. Bei höheren Geioalten müsse freilich die Haftpflicht fortfallen, im allgemeinen aber müsse der Aulomobilbesitzcr sür jeden Schaden aufkommen, wie das Gesetz es will. Er hoffe, daß aus der Kommissionsberatung ein brauchbares und gerechtes Gesetz hervorgehen werde.

Wg. Stadthagen (Svz.) erklärt, der Gesetzentwurf habe einen großen Fehler, nämlich den, daß er die Zwangsgenosjensckast nicht vorsieht, die nötig sei, damit der Verletzte oder Beschädigte einen sicheren Rückhalt habe, an wen er sich wegen der Haft­pflicht halten könne. Ter Automobilverkehr nehme immer mehr zu, um so nötiger seien Zwangsgenossenschaften. Wenn Deutsch­land demokratischer den Wert des Einzelnen^ anerkennen würde, so würde auch der dem Einzelnen zugefügte Schaden in größerem Maße ersetzt werden, als dies jetzt auch nach dem vorliegenden Gesetz geschehe. Die Automoblle gefährdeten den freien Berkes auf den Straßen. ^>ie nahmen auch diese für die Besitzenden in Anspruch, denen ohnehin schon der größte Teil der Erde gehöre.

Abg. Schicken (kvns.) steht der Vorlage sympathisch gegen­über. Seine Fraktion halte an der Bildung einer Zwangsgenossen- lad/ft seft, die hafte, wenn der Schuldige nickst zu erreichen sei. Seine politischen Freunde hielten die Haftung des Unternehmers für berechtigt. Der Bedeutung der Automobil-Industrie sei seine Partei sich voll und ganz betauüt. Sie befürchte aber für sie von dem Gesetz keinerlei Störungen. Tas Gesetz ivolle nur die Ausschreitungen im Automobilverkehr treffen.

Abg. Tr. M u g b a n (fr. Bp.) wendet sich gegen die Ausnahme- Bestimmungen, nach Denen u. a. Chauffeure nicht unter dieses! Gesetz fallen und erhofft eine Aendernng dieser Bestimmung in der Kommission. Daß eine Zwangsgenossenschast nicht int Gesetz vorgesehen fei, bedauere auch er.

Staatssekretär Dr. Nieb erdin g will hier nicht auf einzelne vorgebrachle Punkte eingehen, da der beste Ort dafür ja die Kommission sei. Gegenüber dem Abg. Mugdan erklärt der Staats- ctretär, die verbündeten Regierungen hätten eigentlich gerade die Absicht gehabt, die Frage auf Grund der Zwangsgenossen­schaft zu regeln. Nur der Umstand, daß ein abgeschlossenes

eWr

geistreichen Patrioten. Gegenüber der Politik wie der Kunst, die beide einst die Themata waren, während sie heute eins sind unter der mannigfachen Zahl

bedeutungsloser Tagesfragen ja allem und jedem gegen­über sind wir behäbig geworden. Und wenn wir keinen Mann hätten, der uns die berühmte halbe Flasche Sekt bringt, ' wir müßten einen erfinden. Der Philister freilich mag nicht : das stete Gedrängtwerden. Und doch können wir dankbar ' dafür fein, daß das moderne Kaisertum dem Naumannschev

Traume von einem sozialen Kaisertum erheblich näher ge­kommen ist als zu Wilhelms I. Zeiten, daß Wilhelm II.

! nicht nur eine Cozialreform im Sinne der Wohltätigkeit 1 landesväterlich zu gewähren gewillt ist, sondern schon im 1 Jahre 1890 als seine oberste Pflicht erkannte, die soziale

Bewegung in die nationale Politik hineiuzuziehcu.

Das Ausland begreift unseren Kaiser vielfach besser als allzuviele unter uns. Tas lehrte erst dieser Tage aufs neue die vortreffliche Bostoner Rede des amerifan. Prof. Peabody, die wir tun Samstag Wiedergaben. Wir haben einen Kaiser von so erstaunlicher Vielseitigkeit der Interessen und des Wissens, daß er auf einer Reihe hete­rogener Gebiete schier fachmännische Arbeit zu leisten s.chig scheint. In unserer neuen Zeit, die sich nur allzu sehr m Wissens- und Berufsfächer und -Fächleiu zersplittert, ist universale Bildung ein Phänomen. Und sie ist umso wertvoller, wenn ihr Eigner an rageiibfier Stelle sich be­findet und obendrein die halbe Flasche ec ft im Leibe hat, die seinem Volke fehlt. Bringt er doch Bewegung in die Massen; er feuert an, er erweckt Widerspruch. Und das Er­gebnis ist überall regeres Leben. Man frage in Essen, Hamburg, Bremen, Berlin, Wiesbaden; die Männer, die wacker wirken am Webftuhle der Zeit, wissen alle von des Kaisers Anregungen Erstaunliches zu reden. Biele Ernst­hafte unter uns freilich schmähten angesichts jedes neuen Auftrages, der Berliner Künstlern Hundertrausende zu Ver­dienen gibt, oder angesichts mancher Rede und manches Telegrammes, die wie Steine hineinsaufen in fest ge­gründete Anschauungen, Ueberzengungen und Einsichten. Wer auf das große Weltgetriebo mit den Augen des lachenden Philosophen, des objektiven, unbeteiligten, hell- blickendcu ästhetischen Kultur- und Zcitbetrachters schaut, dem geht doch immer wieder das Herz aus ob dieser frischen und ganz eigenartigen impulsiven Persönlichkeit. Höchstes Glück der Erdenkender ist doch die Persönlichkeit", sagt Goethe einmal und dieses Glück ist dem Kaiser-Wilhelm int höchsten Grade zugemessen. Der Dichter fährt fort:

Jedes Sehen sei zu sichren. Wenn man sich nickt selbst vermißt Alles könne man verlieren. Wenn inan bliebe, was man ist.

Zu bleiben, was er ist, eine sich selbst ganz Uhb gar gehörende Persönlichkeit, die die Richtschnur ilMes Handelns in der eigenen Ueberzeuguug und in dem eigenen Pflicht­gefühl findet; einen als nicht volthaltig erkannten Gedanken entschlossen aufzugeben und sich mit neuen Gedanken zu erfüllen, wenn die Zeit sie hervorgebracht hat, das ist ein Eharakterzug des Kaisers. In allem, waS er tut, zeigt er, daß er ein Hohenzoller ist, und doch gleicht er feinem der Hohenzollerubllder, die sich in unsere Herzen ein­ig eprägt hoben, bis in die Einzelheiten. Er ist eine Persön­lichkeit.

Des Hcffenstammes Art ist es nicht, von dem Alten leichtherzig sich abzuwendeu und dem Neuen raschen Sinnes zuzujubeln. Wohl hatte im vorigen Jahrhundert auch Hessen den Unfegen partikularistischer Enge Als aber das Land int Kampfe gegen Frankreich mit den übrigen dem führenden deutschen Staate sich anschloß, als dieser ötant dem alten Sehnen jedes ganzen Deutschen glanzvolle Erfüllung brachte, als der alte Kaiser und sein Kanzler der Allmutter Ger­mania die Lorbeerkrone ums Haupt flochten und sie zur Fürstin machten int Rate der Völker, da tat Hessen mit voll deutscher Freude und deutschem Stolz.

Und morgen jubelt die führende Stadt hessischen Geistes dem .Hohenzoller zu, der sich schnell das .Herz der Hessen- Darmstädter zn erobern Verstand, wie er doch selbst dem Herzen der freilich immer noch ein wenig lviderstrebeuden benachbarten Kurhessen näher und näljcu tritt. Bei uns int Groß Herzogtum Hessen gab es zu keiner Zeit auch nur einen, der sich aus dem von immer neuen kräftigen Lüsten durchwehten, lichtglänzenden Bau des neuen Reiches zurück- sehnt nach der alten Zersplitterung der deutschen Stämme, nach der dumpfen Enge der Vergangenheit. Freudig be­kannte sich stets und bekennt sich heute bei uns die All­gemeinheit zu den hehren Zielen, die das größere Vater­land uns steckt und zu denen des Kaisers hochgemuter Ge­dankenflug die Bahn weift. Des Kaisers Verständnis für jedes Volkstum, das in deutschen Landen sich regt, trägt dazu nicht unwesentlich bei, daß auch die Hessen innerstem Drange gemäß in freudigem, freiem Zusammenwirken des Stammes mit der Nation sieh ausleben. Und so schlagen jetzt, da der Kaiser uns naht, die Herzen ihm entgegen, der uns in seiner leuchtenden Persönlichkeit die Freude an der Vergangenheit, die Kraft der Gegenwart, die Hoffnung , auf die Zukunft vereint empfinden läßt. Darum verbinden . fick) in dem Jubel der Menge, in dem die Gefühle der ganzen Großh. Provinz Oberyefsen Ausdruck finden, die Ruse:

Gruß und Heil dem Kaiser! <

* i

Auf den von der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigen- 1 teil veröffentlichtenAufr u f" sei auch an'dieser Stelle besonders aupnerffam gemacht. Der Aufforderung zur \ 2 ch m ü cku u g der vom Kaiser berührten Straßen gewiß ungesäumt Folge geleistet werden.

jussficdenW ',-xS.S

SA-'

Ca, e*

lobeii

ctlMwehre, W Mu,Patronen erisl jen in grober Au-m . Reinig

WchuhaudliG !- t Lclteröwca

Äinebr Beite» Haarwasser (fecMi) jifloiL aepriiilL^' |

46]

letta A J; o vtalia »so

deaupvoizüql.) l'- J m 1903er - -

_ BezugSpretS:

JBöfiSSr w monatlich76^1,Diertel*

Gietzener Anzeiger W

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe« MW

________ __ nciqcnteil: Hans Beck.