130. Jahrgang
Erstes Blatt
SM
Die tzeuLige Kummer umfaßt 12 Seiten.
Die Beschlußfassung über die §§ 13,
ungen angenommen.
Die nächsten
14 und 15 wird dann zunächst aufgesetzt.
Nr. 76
• tätlich
außer SonnlaqS
Lern Gießener Anzeiger werden im Weckfel mit dem ksesfischen Landwirt die Lietzener Hamilien- blätter viermal in der Wörde de,gelegt.
Roialwnsdruck il Verlag der Brü b l'fchen Unwers.-Bucd-u. Ttein- bntderti. R. Sange. UedalUon, Ömebttton und Druckerei:
Lcholstraße 7.
Redakk,on 113
Verlag u.Exped.e^SSbl Adresse für DeoelMen:
Anzeiger «ießeu.
Amtlicher Teil.
Berichtigung.
In der im gestrigen Kreisblatt veröffentlichten Milchoerkaufsordnung für den Kreis Gießen ist ein Druck- fehler unterlaufen. Im ersten Säße muß es auf der dritten Zeile nicht KriegSordnung sondern .KreiSorbnung' heißen.
Die vom Reichskanzler eingebrnc'tc Vorlage wegen Gewalw- ung einer Entschädigung an die Reich stagSmrtglie- d e r ist im preußischen St a a t sm in ifler i n m in kommissarischen Verhandlungen eingehend beraten norden. Diese Ver- handlungen sind abgeschlossen. Die 4Zorlage ist im Endwurfe sestgcstellt. Am Samstag dieser Woche wird fie dem Staatsministerium zur cndgiltigen Beschlußfassung vvrgelegt werden Es steht zu erwarten, dem "nach Zustimmung' des Bundesrats eine Vorlage in kürzester Frist an den Reistag
parlamentarifdKS.
sd. Darmstadt, 29. Dtärz. Die Wahl dcS ?lbg. Ullman n (Vilbel) beschäftigte den Wahlprüfungsausschuß der 2. Kammer. Es wurde festgestcNt, daß nur die Wahl- männerwahlen in Großkarben gesetzwidrig stattfanden, sodaß neue Wahlmänner dort zu wählen sein dürften. DaS hat aber auf daS Wahlergebnis keinen Einfluß.
Berlin, 29. März. Die Budgetkommission des Reichstages verhandelte in vertraulicher Beratung über die Anträge Götz v. Olenhusen (Ztr.) und Dr. Becker-Köln (Ztr.), die verbündeten Regierungen zu ersuchen, bei den handelspolitischen Verhandlungen mit den Verein. Staaten dafür zu sorgen, daß der deutsche Zucker mit dem kubanischen, wie überhaupt mit Rohzucker, auf amerikanischem Markte gleichgestellt werde. Die Etats der Steuern, der Neichsbank und der Reichsschuld wurden genehniigt. Bem, Kapitel Pensionsbezüge wird der Antrag Erzberqer ange- noinmen, die geforderten Summen abzusetzen, weil es nicht Brauch der Budgetkommission sei, über eine Summe Beschlüsse zu soffen, die durch ein vorliegendes besonderes Gesetz (Militärpensionsgesetz) dieser Regelung unterliege.
— Die Steuerkommission beS Reichstag cs fetzte die Berati>ng der 'Zigaretten st euer fort und beschloß, unter Annahme eines Amendements Held, den § 7 folgendermaßen zu soffen: Wer gewerbsmäßig Zigaretlen- tabak, Zigaretten, Zigarettenhülsen oder Blättchen Herstellen will, hat dies vor der Eröffnung des Betriebes unter Bezeichnung der Erzeuqniffe, deren Herstellung beabsichtigt ist, der Steuerbehörde schriftlich anzuzeigen und gleichfalls eine Beschreibung der Betriebs- und Lagerräume, sowie damit in Verbindung stehender oder unniittelbar angrenzender Räume vorzulegen. Die gewerbsmäßige Herstellung von Zigarctien- tabak und Zigaretten darf nur in angemclbetcn Betriebs- räumen erfolgen. Sodann wurde einstimmig eine ZentrumS- refolution angenommen, welche den Bundesrat ersucht, über die Herstellung von Zigaretten durch Heimarbeit auf Grund der Gewerbeordnung Bestimmungen zu erlaffen. Staatssekretär Frhr. v. Stengel bemerkte, er glaube erklären zu können, daß der Bundesrat diese Resolution prüfen und soweit sich das Bedürfnis ergibt, im Intereffe der Zigaretren- arbeiter in der Ausführung der Gewerbeordnung weitere Be- stiinmungen zu treffen, alsbald daS erforderliche verordnen werde. Die §§ 8 bis 12 werden mit unerheblichen Acndcr-
von ^Nationalitäten zu erfolgen haben, wie dies im Programm der Konferenz vorgesehen war. Die beiden Entwürfe wurden an einen Redortionsausschuß überwie,cn, mit dem Auftrage, einen endgiltigen Text hcrzustellen. Die engl. Delegation hat ein Projekt vorgelcgt, das sich auf die Schaffung einer Kommission von Zolltaxatoren bezieht, denen die Aufgabe zusallen soll, jedes Jahr den Mittel- wert der Waren festzusetzen und danach den Zollsatz zu bestimmen. Ferner bezieht sich der Entwurf auf die Schaffung eines Zollausschusses zur Ueberwachung der Steuermaßregeln, um den Dienst zu verbessern und dadurch em besseres ©teuerer trägni 3 zu erzielen. Das Projekt ist ebenfalls dem Redaklionskomitee* überwiesen.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Man erwartet in parlamenlarisclnm Kreisen, daß der Etat des Rt-icl'skan-lers in der zweiten Hälfte der nächsten Wock-e auf die Tagesordnung des Reichstags gesetzt wird, da fern Grund mehr ersichtlich sei, die große Debatte über auswärtige Politik biS nach den Osterferien, also nm nahem einen Monat, binnii53iiidneben. Cs dürste in der Tat auch an Interesse der Negierung liegen, die Oefsentlichkest über bic Bedeutung des in Algeciras Erreichten baldmöglichst aufzunüren. Weiterlnn scheint uns Grund ui der Annahme rorzuliegen, daß Fürst Bülow sclwn um Rußlands willen des Eisen roirb ictimieben wollen, so lange es heiß ist, d. h., daß er olpic Verzug vor der dentselxn Volksvertretung dem Grafen Lambsdory die Antwort zu erteilen wünscht, die diesem von Rechts wegen gebührt rvnqen der beleidigenden Veröffentlichung der bekannten Marokko- Rote im deutschseindlicksten aller französischen Blätter, im ..Tcmps". Mit einer Beschwerde des deutschen Botschafters in Petersburg darf diese Herausforderung Deutschlands auch nicht abgetan sein
Deutsches Rcich.
Berlin, 29. Mai. Der Kaiser besichtigte im Reuen Königlichen Opernthcater in Gegenwart des ChefS des Zivilkabinetts und bc§ Geh. OberbauratS v. Ihne die Entwürfe für ein neues Opernhaus in Berlin.
— Die „Rordd. Alla. Ztg.' schreibt:
In einer Reihe von Blättern werden wieder einmal sogen. K r i s e « g e r ü ch t e verbreitet. Es ist nicht nötig, alle Einzelheiten dieser aiis ganz willkürlichen und fatschen Vorans- sctzlingen Müßenden Angaben zu widerlegen. Wir beqnüacn uns, zwei Behauptungen herauszugreisen : In der „Deutschen stieichsztg * lesen wir: „Wir waren in der Lage, zuerst mitzuteilen, daß der Kaiser zum Fürsten Bülow geäußert habe, er möge n u r sc> l b st a il ch a b t r e t e n , wenn er nicht die Schaffung eines selbständigen Kolonialanues erreiche. Diese Aeutzerung ist antheniiich." Tiefe Aeußerung ist im Gegenteil drei e rs u n d e n. Ter Reichskanzler hat ans dem Munde des Kaisers nie derartiges gehört. In demselben Artikel heißt es weiter unten wie solgt: Als der E r b p r i n z Ern st von der Regentschaft frei rourbe, sagte der Kaiser zum Reichskanzler: „Ernst erziehen wir uns alS künftigen Reichskanzler!' Auch hier handelt es sich um eine Erfindung, die aus völliger Unkenntnis der in Frage kommenden Verhältnisse und Personen bervorgegangen ist. Wir hoffen, daß diese Festslellungen dazu beitragen'werden, alle politisch ernstcii Blätter von der Beteil,gnng an dem Unstlg abzuhalten, der mit sogenannten Krisengerüchten
gelangt j^rch den Oberpräsidcnten von Jagow vertretene Aktion zur Befestigung und Stärkung des deutschen ländlichen Besitzstandes in Westp re u ß e n hat zunächst ihren Abschluß durch Gründung einer deutschen Bauernbank für Westpreußen gefunden.
— Für die durch ben Tob des Berliner Stadtschulrats Dr. Zwick notwendig gewordene Landtagscrsatzwahl im Wahlkreise Berlin 3 werden die Sozialdemokraten Bebel als Kandidaten aufstellen.
__ Das Herrenhaus setzte heute die Eiatberatung fort. Beim Etat des FinanzministeriuniS erklärte Minister v. Rhcinbaben, daß die Einkommensteuer um 50 bis 60 Prozent erhöht werden muffe, wenn die Reichsfinanz- reform scheitere.
B r c m c n, 29. März. Die Bürgerschaft stimmte der Errichtung einer Klc i nh an delskammcr zu und setzte deren Bestehen auf vorläufig 6 Jahre fest. Den gesetzlich wahl-
jährlich Mk. 2.20. durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Alk. 2.— menet- jabvL auSschl. BeNellq. Annahme von rlnzefgea fiiT die Dagesnuuuner bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pi* aufwärts 20 Pfg.
Verantwortlich bur den polit und aüaem. Ted P. Wittko. üfr „Sradt und Land' und „Gerichtssaal'. Ernst Heß. nit den Anzeigenteil: Hans Beck.
Mußland.
Die konstitutionctte demokratische Partei trug einen vollständigen Sie cf bei den Wahlen der städt. Wähler des Distriktes Petersburg davon. Die Liste d'er Partei ging in ihrem ganzen Umfange durch.
Von 114 wahlberechtigten Fabriken Warschaus ist nur in 8 die Wahlmännerwahl vollzogen worden. In allen übrigen Fabriken haben sich die Arbeiter der Wahl enthalten. In den Landgemeinden des Kreises Warschau ist die Wahlmännerwahl unter geringer Beteiligung der Wähler vollzogen worden.
In Charkow wurde'versucht, die Wolgakamabank zu berauben. ES gelang, vier von ben Räubern zu verhaften ; die übrigen entkamen. Die vier Verhafteten sind Schüler des Realgymnasiums und der technischen Schule. Im ganzen sollen eL ihrer fünf bis zehn gewesen fein. Als die in der Bank anwesenden Schutzleute feuerten, suchten die Ucbeltäter das Weite, wobei einer von ihnen verwundet wurde.
irachstehenden Bericht.
Das Referat des Herrn Ingenieur Frerich von Berlin bot folgendes anschauliche Bild der in Frage kom-« tuenden Verhältnisse:
Das zahlreiche Erscheinen am heutigen Abend, wo über die Errichtung einer elektrischen Straßenbahn hier verhandelt werden soll, zeigt am deutlichsten, baß bet Verkehrs- und Bürgerverein bas Richtige traf, wenn er wegen biefer Frage sich mit maßgebenben Kreisen in Verbinbung setzte und daS Zustandekommen der heutigen Versammlung ermöglichte. Diesem lebhaften Intereffe, welches die hiesige Bürgerschaft dem Zustandekommen eines derartigen modernen Verkehrs- institutS entgegenbringt, haben meine Kollegen und ich ihr Hiersein zu verdanken. Wenn ich bei meiner Ankunft noch nicht so lebhaft für diese Frage interessiert gewesen wäre, so hätte daS Intereffe, dem man hier in Gießen auf Schritt und Tritt begegnet, vollauf genügt, auch ben interesselosesten Menschen voll unb ganz mit in diese Jbee hineinzu- ziehen. Fragen wir nnS, woher biese Begeisterung,
woher biese innige allgemeine Anteilnahme an biefer Frage. Warum ist gerabe augenblicklich bie aufge
worfene Frage so brennend? Gießen ist gerabe jetzt auf einem Punkte angelangt, in bcm in ber Entwickelung bet Stabt ein neuer Markstein errichtet wirb. Die Frage bet städtischen Kanalisation ist über kurz oder lang gelöst, unb damit muß auch bie Regulierung des Straßcstpfla'ters unb teilweise Reupflasierimg vorgenommen werben. Es drängt sich ba jebem bie Frage unb ber Wunsch auf: Können wie nicht jetzt zugleich mit ober im Anschluß an bie infolge der Kanalisation notwendig werdenden Reperaturen des Pflasters für die Schienenanlage einer Straßenbahn Vorsorge treffen? Auf diese Frage möchte ich an anderer Stelle in meinen Ausführungen noch näher zu sprechen kommen. Zunächst wollen wir hier untersuchen, ob auch noch andere Gründe augenblicklich vorliegen, die dazu angetan sind, bie Straßenbahn- dezw. Verkehrs-Frage auf bie Tagesordnung zu setzen. Wie biefer Tage zu hören war, ist in allernächster Zeit ein größerer Kostenaufwand notwendig, nicht, um die Art des augenblicklichen Verkehrsinstituts zu ändern oder wesentlich zu verbessern, sondern lediglich, um dieses primitive Verkehrs- inftitut in ber bisher existierenben Weise zu erhalten. DaS alte Wagenmaterial müsse burchweg erneuert unb bie alten Wagen durch neue ersetzt werden, wenn ber Betrieb im bisherigen Umfange aufrecht erhalten werben solle. Diese Er- nenerung würde eine plötzliche Ausgabe von ca. 20 000 Mk. erforbern. Rechnet man bie Abschreibungen so, baß nach Verlauf von 5 Jahren bic Summe burch bie Einnahmen gedeckt ist, so wäre aus den Einnahmen jährlich eine Rücklage zu machen von ca. 4000 Mk. Hierzu kommt noch ber Zuschuß ber Stadt zur Deckung beS Fehlbetrages von runb 4000 Mk., macht also eine jährliche Zubuße von feiten ber Stadt für bie nächsten 5 Jahre von runb 8000 Mk. Dabei ist angenommen, baß auch für bie nächsten Jahre mit bcm- selben Defizit zu rechnen ist, wie baS im letzten Jahre bec Zoll war. — Wofür macht nun die Stabt biese Ausgaben? Für die Pcw^iere, die dank ihrer kräftigen Konstitution im stände sind, ben OiMibus in seiner heutigen Gestalt zu benutzen. Von ocrschied^cxl^ite konnte man in benletzten Tagen hören, baß man die wei'Mten Wege in der Stadt lieber zu Fuß zurücklegen würde, als sich der Tortur einer Onmibusfahrt auszusetzen. Ich muß gestehen, daß ich nach ben Fahrten, bie ich per Omnibus wachend meines Hierseins gemacht habe, die Ansicht sehr begreiflich finde. Wenn man, durch Zufußtaufen ermüdet, glaubt, bi? weitere Streck? per Omnibus sitzend oder stehend znrürklrgen zu können unb dabei besser fortzukommen, ist man in großem Irrtum befangen: yMoer unb eunaiieter. als mau ben Wagen bestieg, verläßt man dieses BelMl Wenn man sich daher scheut, für em derartiges veraltetes Verkshrsmstitut noch namhafte Summen aufzuwenden, so ist diese Furcht unb Scheu sicherlich nicht unberechtigt. Tas, was man hier in diesen Tagen von verschiedenen maßgebenden Seiten immer und immer wieder hörte, roai/bic lieberjeugung: die Zustände können nicht so bleiben^/lvie sie sind, entweder;
getrieben wird.
— Die „Rordd. Allg. Ztg.' meldet:
itgebrac :c Bor läge wegen Gew ä Iwan die Rcich'stagSmitglie-
Gietzener Anzei
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Freitag 30. März 1906
Bezugspreis» monallich7bPf^menel-
dcrcchtigtcn Frauen ist daS aktive Wahlrecht ein- geräumt worden.
—5>77 gSiüT einer ctckirilchen St' aß-nbahn beschäftigte gestern abend eine vom Bürge rvercin unb dem Verkehrsverein einberufene Bürger-Versammlung im Caf6 Leib, die aus allen Kreisen der Einivohnerschaft außerordentlich zahlreich besucht war. Insbesondere waren die Mitglieder der Stadtverwaltung unb auch daS Offizierkorps des Regiments sehr gut vertreten. Rach dem Referate des Ingenieurs Frerich von der Allsi. Elektrizitätsgesellschaft in Berlin entwickelte stch eine lebhafte Debatte, an ber sich die Herren Oberbürger^ meister Mecum, Oberingenieur 5)aas-Berlin, Ingenieur Stamm-Frankfurt, die Stadwv. Kirch, CXibriel unb Krumm und Professor Dr. Sommer beteiligten. Es herrschte grundsätzliche Uebereinftimmung, daß der Bau einer elekt.rischen Bahn dringend zu wünschen sei, unb die Mehrzahl der Redner gaben ihre Geneigtheit zu raschester Inangriffnahme der Vorarbeiten zu erkennen.
Als Resultat der Verhandlung ist die einstimmige Ln- nahme einer die umgehende Vornahme der Vor- arbeiten für den Bau der elektrischen: Straßenbahn befürwortende Resolution zu betrachten, die an anderer Stelle im Wortlaut mitgeteilt wird.
Heber die Verhandlungen selbst verweisen wir auf de«
Paragraphen werden mit unwesentlichen Aendcrimgen genehmigt. § 26 wird zurückgestellt. § 27, Schlußvorschrift, wird angenommen. Hierauf geht die Diskussion zu § 13 zurück. Der Paragraph wirb mit bcm Amcnbcment Helb angenommen, welches lautet: Bei ben Fabriken sind die Steucrbcamtcn befugt, von morgens 6 bis abends 9 Uhr sofortigen Eiiilaß zu verlangen, falls die Fabrik geschloffen ist. § 14 wirb angenommen. In § 15 wirb Absatz 2 auf ben Antrag Helb bahiki abgeänbert, baß zur Anzeige nur verpflichtet sein soll, wcr als Verkäufer Kenntnis von unvor- fchri'tsmäßiger Verpackuna usw. erhält.
Marokko.
AlgeciaS, 29. März. (Havas.> (Offizielles K o m m u n i q u e e der heutigen Nachmittagssitzung der Konferenz.) Bei Fortsetzung der Beratung ber Staats- bankfraao entschied sich die Konferenz dahin, daß die Zahl der B a n k z e n s o r e n auf vier festgesetzt und bie Staatsbanken von Frankreich, Sv an i en England unb Deutschland aufgefordert werden sollen, diese zu ernennen. Auf einen Vorschlag Sir A. Nieolsons beschloß die Konferenz, dem diplom. Korps iy Tanger ein Votum zur Prüfung vorzulegen, das dahm geht, bie Einfuhr alkoholischer Getränke zu beschränken und bie .Herstellung von solchen in Marokko zu verbieten. Die Konferenz nahm bann von der endgiltigen Fassung des auf die Steuer bezüglichen Vorschlages Kenntnis und stimmte demselben zu. In dieser Fassung ist auch die Erhebung des Zoll zuschlag es berücksichtigt, der sich auf 21/2 Prozent des Wertes beläuft und auf alle nach Marokko eingeführte Waren Anwendung finden soll. Dieser Zollzuschlag soll zur Ausführung ton Arbeiten, die im allg. Interesse der Schiffahrt unb des Handels von Marokko liegen, bestimmt sein. Das Programm der Arbeiten und bie Reihenfolge, in welcher sie zur Ausführung kommen sollen, wird von der marokkanischen Regierung int Einverständnis mit dem dipl. Korps bes^ilossen, jedoch soll das Programm der Arbeiten, welche in den an die französischen oder spanischen Besitzungen grenzenden (Gebieten vorzu- uehmen sind, unmittelbar und misschließlich zwischen dem Maghzen unb den beteiligten Mächten festgesetzt werden. Der deutsche und der ö st e r.-n n g^r i f d) e Delegierte legten bezüglich der staatlichen Leistungen unb der staat lichen Arbeiten Entwürfe vor, in welchen der Grundsatz aufgestellt wird, daß bic Adjudikationen ohne Bevorzugung


