Ausgabe 
31.7.1906 Erstes Blatt
 
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alsdann dorthin überführt. Tas Gefängnis in Darmstadt geht mit diesem Zeitpunkt ein und wird nach der Zellen­strafanstalt Butzbach verlegt. Der hier im Bau begriffene 'Zellenflügel ist für das ebenfalls eingehende Männergefängnis von Mainz bestimmt. Die mit Zuchthaus bestraften weiblichen Ge­fangenen von Marienschlotz sollen alsdann nach Mainz über­führt werden. An hessischen Strafanstalten kennt man als­dann nur noch für männliche Gefängnisstraflinge die Zellen- strafanstalt Butzbach, für männliche Zuchthaussträflinge das Landeszuchthaus Marienschloß und für weibliche Gefangene beider Strafarten die Strafanstalt Mainz. Das Gefängnis für jugendliche Gefangene bleibt nach wie vor mit dem Pro- vinzial-Arreslhaus in Darmstadt vereinigt. Geplant iit auch, die militärische Bewachung der Strafanstalten cingehen zu lassen, es würde alsdann eine bedeutende Vermehrung der Ge­fangen-Aufseher stattfinden und gute Aussichten für ge­eignete Militärs vorhanden sein. Die Gefangen - Aufscher­stellen sind Militäranmärtern vorbehalten. Das Vorführen der Gefangenen zu gerichtlichen Terminen ist ebenfalls in die Hände der Gefangen-Aufseher gelegt worden, seither hat dies die Gendarmerie besorgt. Für die hier in Betracht kommenden Aufleher soll eine andere Uniformierung eingeführt werden und zwar ähnlich wie die der Gendarmerie. Was die Zu­sammenlegung der Strafanstalten anbelangt, so ist dies jeden­falls eine bedeutende Ersparnis in Verwaltungskostcn und eine Vereinfachung und Erleichterung der Dicnstgeschäfte.

** Der Ver'ein ,Stolze. Schrey" an dem Realgym­nasium und der O b e r - R e a l s ch u l e feierte am 28. Juli auf dem Windhof sein 2jährigcS Stiftungsfest, wozu Angehörige der Mit­glieder, sowie der Stolze-Schrcysche Verein am Gymnasium eingeladcn waren und auch zahlreich Folge leisteten. Die Begrüßung sprach der 2. Vorsitzende Ober-Primaner Ä. Hofmann. Der 1. Vorsitzende Ober- Primaner Otto Lenz hielt eine Ansprache, in der er die Entwicklung der Stenographie und unseres Vereins kurz behandelte, (der Verein zählte im Gründungsjabre 18, jetzt 43 Mitglieder), und auch die Verdien ste Gabels- bergers in durchaus toleranter Weise anerkannte. Ein schönen künstlichen Genuß bot der Gast Herr Fritz Schaaf vom Gymnasium durch einen Violinvortrag dar. Den Höhepunkt dcS Abends bilbeteu zwei Theater- stücke und das nachfolgende Tänzchen.

Lich, 26. Juli. In der hiesigen Kirche wurde heute ein Missionsfest verbunden mit der 200jährigen Jubelfeier der ersten deutsch-evangelischen Mission in Indien abgehalten. Die Kirche war dicht gefüllt. Später fand auf dem Hardtberg eine Nachfeier statt. Diese, sowie der Festgottesdienst wurden besonders verschönert durch den Posaunenchor und den Kirchengesangverein aus Klein-Linden. Festprediger waren Stadtpfarrer S c r i b a - Erbach und Missionar Gehring aus Indien.

(t.) Grün berg, 30. Juki. Bei einer heute abgehal­tenen Konkursversteigerung im Rappen wär auch ein Bäuerlein aus der Umgegend, um sich einige billige Sachen zu steigern. Unter anderem steigerte er mich ein halbes Dutzend Kragen zrt 1,20 Mk. Freudestrahlend brachte er sie nach Hause. Wer seine Frau rief beim Erblicken: Ei, dös sei jo Papierkrage, do koscht e Stick nor 5 Pfg.!" Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

sm. Mücke, 29. Juli. Als Nachfolger des am 1. Ang.» von hier zur Betriebs-Inspektion Wetzlar versetzten allseitig beliebten Bahnhofs-Vorstehers Eise ist der seit drei Jahren hier stationierte Eisenbahn-Assistent Karpf zum Bahnhofs- Verwalter ernannt worden.

(fc.) Dortelweil, 30. Juli. Der Milchführer Friedr. Buß vomGronauer Hofe" geriet am Samstag abend imGasthaus zur Linde" mit einigen hiesigen jungen Burschen in einen Wortwechsel, der sich auf der Straße fortsetzte. Plötzlich zog Buß ein D o l ch m e s s e r und stieß es dem 22jährigen Schlosser Rudolf An g e l st e i n mit großer Wucht in den Hals. Der Gestochene, ein Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich Angelstein, starb nach wenigen Minuten, da die Schlagader getroffen war. Ein Knecht des Landwirts Hensel, der mit Angelstein befreundet war und ihm zu Hilfe kommen wollte, erhielt einen ge­fährlichen Stich in die rechte Armhöhle. Buß wurde noch in der Nacht von den beiden Vilbeler Gendarmen, die vom hiesigen Bürgermeister telephonisch hierherberusen waren, festgenommen. Er hatte sich den Dolch erst kurz vorher gekauft und soll dabei geäußert haben:Den Bachschuster (Spitzname für die Familie Angelstein) krieg' ich noch einmal!" __________

Vermischtes.

Eine blutige Eifersuchtsszene hat sich in Charlottenburg abgespielt. Dort versuchte die 22 Jahre alte Kausmannsfrau Martha Lewin ihren Hauswirt, ben 50jährigen Rentner Rud olf Daniel, durch Revolverschüsse zu toten. Die Frau, die mit ihrem Manne sehr unglücklich lebte, hatte eine tiefe Zuneigung zu Daniel gefaßt. Am Vormittag war zwischen den Eheleuten ein heftiger Streit entstanden, später suchte Frau Lewin Herrn Daniel auf. Vorher hatte sie in der Nachbarschaft eine Flasche Rotwein gekauft und zu Hause ausgetrunken. In der Wohnung des Daniel, deflen Frau und Familie verreist sind, machte ihm Frau Lewin einen Liebesantrag, der aber abgewiesen wurde. Sie geriet darüber in größte Erregung, zog einen von ihr mitgebrachten Revolver und schoß ihn zweimal in das Gesicht des Daniel ab. Im Hause glaubte man allgemein, daß es sich um einen Selbstmordversuch de? Hauswirts handle, der auch seinerseits die Frau Lewin nicht bezichtigte. Daniel wurde nach dem Charlottenburger Kranken­hause gebracht, wo der Arzt Dr. E. hinter den wirklichen Sachverhalt kam und der Polszei Anzeige erstattete. Frau Lewin ist wegen versuchten Mordes verhaftet worden.

* Die ideale Ehe einerLehrerin. Weite Kreise Berlins beschäftigen sich, der dortigen Lokalpresse zu­folge, mit der Scheidungsaeschichte einer Ehe, die ein Lehrer und eine Lehrerin geschlossen hatten. Die Mutter des Lehrers hat sich jetzt selber über diese seltsame Ehe geäußert. Es war das Gerücht verbreite^ daß der Lehrer, der sich akademischen Studien widmen wollte und in der Kollegin, die ihm die Hand zum Ehebunde reichte, eine fördernde Stütze sah, auf deren Wunsch sich verpflichtet hätte, diesen Bund nur als eine geistige Ehe zu betrachten. Dieses Gerücht bezeichnete die Mutter alsMärchen". Sie frage die gesamte Männerwelt, ob einer aus ihren Reihen, der gesund und jung sei und seine Sinne beisammen habe, auf eine solche Bedingung hin ein Mädchen als seine Gattin heimfuhren werde. Nun gebe es ja unter den Mädchen sonderbare und schwärmerisch veranlagte Na­turen, die von einer nur geistigen Gemeinschaft träumen. Wer selbst solche Mädchen wüßten, daß sie sich mit der Heirat auf einen sehr realen Boden stellen, und gingen daher keine Ehe ein. Jene aber habe sich doch mit einem

Manne ein eigenes Heim eingerichtet. Sie sei doch Lehrerin und lehre die Kinder aus der Bibel das Wort:Seid fruchtbar und mehret euch!" Sie sei daher mit dem vollen Bewußtsein von dem Wesen der Ehe vor den Wtar ge­treten. Was sie dann aber veranlaßt habe, sich dem Gatten zu versagen, darüber habe der Sohn sich niemals aus­gesprochen. Scham und Zartgefühl hielten ihn wohl davon zurück. Aber seine Andeutungen hätten von dem Schleier so viel gelüftet, daß eine Laune der Natur es seiner Gattin versagt hatte, ein wirkliches Weib zu sein. Eine Bestätigung dafür, daß dies die Lösung des Rätsels sei, habe sic durch den Arzt erhalten, der die Dame von Kindheit an gekannt und ihr erklärt habe, er habe dieser Heirat verständnislos gegcnübergestandcn. Wie sie trotzdem auf den Gedanken gekommen sei, eine Ehe ein­zugehen? Nun, weil sie lieber eine selbständige Hausfrau werden als ewig Lehrerin bleiben wollte. Vielleicht habe sie sich auch wirklich mit der Hoffnung geschmeichelt, ihr künftiger Gatte, der bisher nur seinem Berufe, seinen Büchern und seinen Studien gelebt, werde sich mit ihr als seiner Wirtschafterin begnügen und nicht die Augen zu ihr als seiner Frau erheben. Wer nun hatte er nicht mehr seinen Studien und Büchern allein, sondern auch seiner Gattin leben wollen ein berechtigtes Verlangen, dem ein tragisches Geschick die Erfüllung versagt habe.

* Von deutschen Universitäten. In der Münchener Jugend" wird erzählt: In eine Studentenkneipe hat sich ein alter Herr verirrt, der nun znsehen muß, wie die über­mütigen Musensöhne die junge, hübsche Kellnerin in die Wongen und Arme kneifen, sie kitzeln und streicheln. Schließ­lich sogt er lachend zur ihr:Sie sollten in ein Panoptikum gehen, Therese."Worum?" front die Kellnerin erstaunt. Weil Sie ein Naturwunder sind. Man behauptet immer, die Frau sei uns Männern ein Rätsel. Sie aber sind hier von allen begriffen worden!" Sitzt do mit sorgenvoller Miene ein Rechtskandidat im Boh"hofrestaurant der alten Musenstadt H. Zufällig erscheint auch Professor 3E., der bei den Studenten beliebte Lehrer des Rechtskandidaten, und er­kundigt sich teilnahmsvoll nach deflen Sorgen.Ja, Herr Professor, ich soll in 4 Wochen in dos Referendar-Exomen steigen, und in meinem Kopfe ist olles eine große Wüste." Aber, mein Lieber", erwidert Professor 3E.,in einer Wüste gibt es doch auch Oasen."Die gibt es auch bei mir, Herr Professor, aber wenn die Kamele bei der Prüfung nur die Oasen sinden wollten."

* Kleine Tageschronik. Am 29. Juli wurde inGschwend (Cberbm)ern) ein Bauer von drei Burschen überfallen, seiner Bar­schaft beraubt und ermordet. Dem 10jährigen Sohn des Bauern gelang es, noch rechtzeitig zu entfliehen. Schulinspektor Prof. Ponsani in Rom erhob gegen seine Gattin und den Fürsten Ata ssi m o, als deren Verführer, die Ehebruchs- klage. Die Gattin des Inspektors, eine Mutter von vier kleinen Kindern, war dem Manne unlängst ausgerückt, nm eine Charge im Harem des Fürsten anzunehmen. Als Zeugen figurieren eine ganze Anzahl von Herren und Damen der Aristokratie. In Saar- b r n den geriet der Vorsteher der Bahnhossgüterabfertigung, Schwarze, zwischen die Räder eines Schnellzuges und st a r b nach kurzer Zeit. Im Pioratal wurde der Pfarrer Rudolf Steiner aus Rueti, Kauton Zürich, t o t aufgesunden. In Lenzburg (Schweiz) wurde die 56jährige Frau des Zahn­arztes Sommerhalder am Frühstückstisch von ihrer 24 Jahre alten Tochter Rosa erschossen. Man glaubt, die Tochter habe in einem Anfall von Geistesumnachtung gehandelt. In Paris entstand auf der Untergrundbahn, wahrscheinlich infolge Kurzschlusses, ein Bra n d. Verschied-ne Passagiere, welche die Flammen bemerkten, wurden von Panik ergriffen und ivodtcn flüchten. Nur mit großer Mühe gelang es, sie zu beruhigen und zu überzeugen, daß keine Gefahr vorhanden war. Der Artillerie- Kommandant Schelzer ist in dem Dorfe Alex (Frankreich) von einem Felsen ab gestürzt und wurde vollständig verstümmelt ausgefunden. In Berlin stürzten von dem Oberbau in der Ausstellungshalle des Zoologischen Gartens die Arbeiter Sawelsky und Hoska beim Abrüsten infolge Abrutschens eines Balkens, welchen sie mit mehreren Arbeitern seitwärts schieben wollten, in die Tiefe. Sawelsky erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot; Hoska wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Beim Rennen in Köln erlitt der Herrenreiter L ü d e durch einen Sturz mit dem Pferde einen Bruch d e s S ch l ü s s e l b e i u § und erhielt außerdem eine große Fleischwunde am Leib durch einen Tritt des Pferdes. Bei einem Rennen in Verden an der Aller stürzte der Leutnant v. Heyden vom Garde-Regiment zu Fuß mit seinem Pferde. Er erlitt einen Bruck) des Rückrats und schwere Verletz­ungen am Kopfe, so daß er schwerlich mit dem Leben davoukornrnen wird. In E m den streifte die Maschine eines Schnellzuges beim Bahnhof das Gespann des Viehhändlers Stein. Das Hinter­teil des Wagens wurde zur Seite geschleudert. Der Kutscher und zwei Mitiahrende wurden schwer verletzt, einer davon hat sich bereits verblutet, dem Zweiten ist das rechte Bein abgefahren worden, der Dritte, ein Kind, ist mit leichteren Verletzungen davon- gekommen. In Hannover hat sich ein schweres Arito­mo b i l - U n g l ü d ereignet. Bei einer Spazierfahrt rannte eine Automobildroschke gegen einen Baum, wodurch der Benzinbehaller explodierte. Der Chauffeur wurde aus der Stelle getötet und von den Insassen, drei Unteroffizieren, einer lebensgefährlich, bic beiden anderen schwer verletzt.

gllSM ous den StMksanilsreMeru der Steht Meßen. Aufgebote.

Juli: 19. Johann Baptist Hecht, Vizefeldwebel in Germers- Herm, mit Margarete Zöcklein dahier. 20. Alfred Zippel, Rech- ruingsamtsexvedient in Eisenach, mit Anna Schoolmann dahier. 23. Theodor Loos, Kauimamr dahier, mit Ottilie Müller Hierselbst. 24. Heinrich Großharis, Fnhrrnann dahier, mit Christiane Droß Hierselbst. Wilhelm Schuchardt, Taglöhner dahier, mit Elisa- bethe Narz hierfelbst. Oswald Steuer, Haushofmeister in Langen­selbold, mit Johanna Wigandt Hierselbst.

Eheschließungen.

Juli: 21.'Heinrich Appel, Spengler unb Installateur dahier, mit Auguste Paff Hierselbst. Michael Baumann, Fuhrmann dahier, mit Johanna Eidmann Hierselbst. Wilhelm Guntzert, Kaufmann in Wien I, mit Luise Blodner dahier.

Geborene.

Juli: 13. dem Sergeanten Georg Dietrich Scheuer ein Sohn, Willy Ludwig August. 16. dem Küfermeister und Wirt Peter Minke eine Tochter. 18. dem Fuhrmann Jost Bergener eine Tochter, Amanda. dem Dienstmann Philipp Blum ein Sohn. 19. dem Pferdeburschen Friedrich Wilhelm Sommerlad ein Sohn, Friedrich Wilhelm. dem Wagnermeister Heinrich Spieß ein Sohu. 20. dem Gxoßh. Landgerichtsrat Ludwig Neuenhagen ein Sohn, Berthold Eduard Robert Richard. 21. dem Schlosser Ludwig Größer eine Tochter. dem Küfer Ludwig Weiurich eine Tochter, Marie. 25. dem Taglöhner Karl Mandler eine Tochter, Maria Frieda.

Gestorbene.

Juli: 20. Emma Kathinka Staffel, 2 Jahre alt, Tochter des Zimmermanns Christian Staffel dahier. 21. Ida Schmidt, 21 Jahre alt, ohne Beruf dahier. 22. Heinrich Keller, 42 Jahre alt, Erd­arbeiter dahier. 23. Elisabethe Kamm, 18 Jahre alt, Dienstmädchen dahier. 24. August Wilhelm Klenk, 19 Jahre alt, Kaufmann dahier. 25. Werner Schwendy, 6 Jahre alt, Sohn des Oberleutnants Fritz Franz Schwendy dahier. Wilhelm Löber, 2 Jahre alt, Sohn des Bädermeisters Wilhelm Christian Löber dahier.

lüinft unö Wissenschaft.

Heinrich von Treitfchke. Ein Gedenkblatt zu seinem zehnjährigen Todestage von Erich Mards. 1 Mk. (Winter in Heidelberg). Der Verfasser will das Gedächtnis diesesGroßen"

im deutschen Volke und besonders bei der deutschen Jugend wach­erhalten. Mit hinreißender Wärme entwidelt Erich Mards neben dem Lebensgang Heinrich von Treitschkes die politische Geschichte von Deutschlands großer Zeit. Wie ein Wahrzeichen und eine B e s cb ä m u n g für all den s k e p t i s ch e n und zersetzen- d e n K l e i n m n t, für all das unsichere phantastische Tasten unserer T a g e r a g t die in siegesgewisser Mannhaftig­keit machtvolle Persönlichkeit in unsere Zeit hinein.Was er war, das bleibt uns immer ein Trost und eine Erhebung und was er vor allem verfocht, wie nötig haben wir es noch jeden Tag: jenen eisernen und doch so lebensvollen Gedanken seines Deutschtums, seines politischen Willens und seines Macht- und Staatsgesühls. Er wird sie auch heute noch und lange noch verkünden: er hat das Recht auf eine Unsterblichkeit des Wirkens, weil er die stärksten Kräfte großer Tage rein und mächtig in seinem Wesen irrig, und- deshalb herübertragen darf in die Zukunft; weil er einer von denen ist, die ihrem Volke unversiegbare Quellen zuführen aus dessen eigenster und echtester Tiefe en,vor." Freunden Treitschkes wird die vorliegende Schrift eine willkommene Erinnerung sein und bei denen, die ihn weder aus feinen Schriften noch persönlich- kannten, wird sie das Interesse, für den großen Historiker und Politiker zu wedeu besonders geeignet sein.

Man schreibt aus Bayreuth: Wie mit Bestimmtheit gcsaat werden kann, sind die Fe st spie le für nächste- Jahr gesichert. 1907 findet auch da- 25jährigeParfifal"-Jubiläum statt. Es wird dann wiederTristan" derRing" undParfifal" gegeben werden. Der Großherzog von Hessen trifft am 13. August zum zweiten Rina"'Cyclus hier ein.

Universitäts-Nachrichten.

Unterm 28. Juli ist vom RegierungSrat des Kantons Basel der n. o. Professor an der Universität Königsberg i. Pr. Dr. Hermann Schöne zum ordentlichen Professor der griechischen Sprache und Literatur an der Basler Universität ernannt worden. Er tritt dort an Stelle von Prof. Dr. Alfred Körte, der bekanntlich BethL- Lehrstuhl in Gießen übernimmt.

Zum Rektor der Universität Leipzig wurde für das Studien­jahr 1906/07 der Professor der speziellen Pathologie und Therapie und Direktor der Medizin. Klinik, Geh. Medizinalrat Dr. Heinrich Cursch- mann, ein geb. Gießener, gewählt, der bekanntlich am 28. Juni' seinen 60. Geburtstaa beginn.

Handel nnd verkehr, Volkswirtschaft.

Stockheim, 29. Juli. Aus dem soeben au-gegebenen Ver­waltungsbericht der Aktien -Zuckerfabrik Büdingen in Stock­heim ist zu ersehen, daß im verflossenen 22. Geschäftsjahre 428380 Zentner Rüben mit einem Kaufpreis von 383899 Mk. 64 Pfg. zur Verarbeitung kamen. Diese wurden auf 2717 Morgen geerntet; also pro Morgen 158 Zenter gegen 166 Zentner int Vorjahre. Hergestellt wurden:

29 312 Zentner Kristallzucker verwertet mit 11.04 Mk. pro Zentner

23 53H Rohzucker 9.63

10 818 Melasse 2.54

Die Durchschnittsverarbeitung betrug pro Tag 5950 Zentner. Nach dem bestimmungsmäßigen Abschreibungen ergab sich noch ein Verlust von 38997 Mk. 48 Pfg., welche auf dir niedrigen Zuckcrprcise und die er­schwerte Verarbeitung der mit großen Mengen Schmutz behafteten Rüben zurück zuführen ist. Der Verlust wird aus der Rücklage gedeckt. 2)te, Generalversammlung findet am 30. August nachmittags 3 Uhr in dem Arbeitswohnhause der Fabrik zu Stockheim statt.

Märkte.

Gießen, 31.Juli. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenrnarkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St.78Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänfeeier 0000Pfg., Enteneier 7 Psg., Käse pr. Std. 68 Pf., Käsematte 2 Std. 56 Psg. Erbsen v. Pfund 22Pfg., Ginfen p. Pfund 32Psg., Tauben pr.Paar0,801,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Td., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0000 Pfg., Ochseufleisch pr. Psg«: 7886 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70^72 Pfg., Schweine» fleisch pr. Pfund 8094 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund. 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8084 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,007,00 Pik., Zwiebeln vr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aeptel per Pfund 00 bis 00 Pfg., in Körben 00 Md., Nüsse '100 Stück 00-00 Psg., Birnen per Pfd. Mk. 0.000.00, Kirschen per Pfd. 3040 Pfg., Weißkraut per Stück 00 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marktzeit 71 Uhr.

A Grünberg, 26. Juli. Der gestrige Jakobimarkt war vom Wetter begünstigt und hatte einen Auftrieb von 35 Stück Rindvieh und 825 Schweinen. Die Preise für Rindvieh waren hoch, desgleichen auch die Preise für Schweine. Doch hatten die Ferkelpreise gegen seither etwas nachgegeben. Es wurde bezahlt für 1. Qualität, ca. 10 Wochen alte 75 bis 80 Mk., ca. 8 Wochen alte 65 bi- 70 Mk., und ca. 6 Wochen alte 45 bis 50 Mk. das Paar. Wegen des starken Auftriebs blieb ein. großer Teil der Ferkel unverkauft. Der Krämermarkt war ganz, gering: doch waren die Alsfelder Schuhmacher anwesend.

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 30 Juli 1906.

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Jleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweilte

50 Kg. Schlachtgewicht 8183 Mk.

V, Kg. Schlachtgeiv. 9598 Pf.

76-00

Getreidepresse in Mannheim

V, Kg. 78-86 Psg.

V, 8084 '/, 80-86

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 19.2000.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.

Roaaeu 100 Ka. 17.5000.00 Mk. Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers. mitgeteilt von der Bank filr Bandel und Industrie. Glessen.

Frankfurter Börse. 31. Juli. 1.15 Uhr.

3^®/0 Beichsanleihe . . 99.25 3% do. . . 87.40 3J4e/o Konsols .... 99.80 3% do 87 40 3X°/0 Hessen 98.30 3^®/n Oberhessen . . .. 4 % Oesterr. Goldrente. . 100.30 4l/8 ?n Oesterr. Silberrente 100.50 4% Ungar. Goldrente . . 95.20 4% Italien. Rente . . . 103.50 3% Portugiesen Serie I . 70.00 3% Portugiesen III 70.75 4}russ.Staatsanl. 1905 86.40 4%°',, japan. Staatsanleihe 94.80 4 % Conv. Türken von 1903 95.20 Türkenlose . . . . ..

4% Griecb. Monopol-Anl. 54.20 4 % äussere Argentinier . 90.50 3°/0 Mexikaner .... 68.80 4^% Chinesen .... 98.40

Aktien:

Bochum Guss 242.85 Buderus E. W . . . ..

Tendenz: unentschieden.

Elektriz. Lahmeyer . . . 143.50 Elektriz. Schuckert . . . 129.50 Eschweiler Bergwerk . . 251.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 222.80 Hamburg-Amerik. Paketf. 157.70 Harpener Bergwerk. . . 209 25 Laurahiltte 229.00 Nordd. Lloyd 126.30 Oberschles. Eisen-Industrie 125.00 Berliner Handelsges . . 167.70 Darmstädter Bank . . .139 40 Deutsche Bank . . . 236 75

Deutsch-Asiat. Bank . . 175.50 Diskonto-Kommandit. . . 182.10 Dresdner Bank . . . 156.75 Kreditaktien 209.40 Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn . . . 119.00

Gotthard bahn.

Lombard. Eisenbahn . . 34 00 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.90 Prince-Henri-Eisenbahn . 138.75

Berliner Börse, 31. Juli. Anfangskurse.

Cauada E. B 164.20

Darmstadter Bank . . . 139.00

Deutsche Bank .....

Dortmunder-Union C. . . 85.10

Dresdner Bank .....

Tendenz: ruhig.

Harpener Bergwerk. . . 209.60

Laurahütte

Lombarden E. B. ....i

Nordd. Lloyd 126.10 Türkenlose

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