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31.7.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Dienstag 31. Juli 1906

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10. Juli, 1.15 Uhr. ix. Lahmerer. .

»rvorragend bewähr! bei Brechdurchfall öarmkatarrh Diarrhoe etc.

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In einem

Rückblick auf die Wahl in Hagen-Schwelm

derKöln. Ztg." stellt Professor F. Moldenhauer, der

zweiter Fernsprechanschluß hergerichtet und

politische Sagesschart.

Ein begehrter Minister.

Ein Besuch, den der preußische Finanzminister Frhr. d. Rheinbaben bei der Familie Krupp in Esten ab- staitete, wird in Jndustriekreisen als Bekräftigung der Mög­lichkeit des Uebertritts des Ministers in eine leitende Stelle des Krupp'schen Riesenunternehmens an­gesehen. Wir glauben nicht an eine Amtsmüdigkeit des im besten Mannesalter stehenden Finanzministers, wenngleich bekannt ist, daß dem Frhr. v. Rheinbaben, der in seiner hervorragenden kaufmännischen Befähigung an Miquel er­innert, wiederholt aus der Großindustrie Anträge unterbreitet worden sind, verlockend genug durch die Aussicht auf ein das Ministergehalt um ein Vielfaches übersteigendes Einkommen. Doch Frhr. v. Rheinbaben hat bisher abgelehnt, ob in der Erwartung, als Staatsmann noch höher zu steigen wer kann es wissen? Ein Finanzmann von seiner Be­fähigung wäre nicht leicht unter den preußischen Verwaltungs» beamten aussindig zu machen.

Der Kaiser trifft übrigens am 9. August auf Villa Hügel zum Besuch der Familie Krupp ein. Er wird eine ausgedehnte Besichtigung der Krupp'schen Werke in Esten und . Rbeinhausen vornehmen.

Aus Stadt uno üanOe

Gießen, den 31. Juli.

Bei der Güterabfertigung Gießen ist ein

unterlegene nationalliberale Kandidat, mit anerkennenswertem Freimut die unzweifelhafte, un§ längst bewußt gewordene Tatsache fest, daß das Verhalten der national­liberalen Fraktion in der preuß. SchulunterhaltungS- gesetzfrage und in der Reichs - Finanzreform den Hauptanteil an der nationallib. Niederlage in Hagen-Schwelm trägt. Von Anfang der Wahl-Ver­sammlungen an mit sich steigender Heftigkeit, als erst die Gegner ihre treffliche Position völlig auszunutzen begannen, ist, so erzählt Prof. M., der Vorwurf erhoben worden, die nationalliberale Partei sei ja nur Regierungspartei und wage überhaupt keine Opposition mehr zu machen, und dieser Vor­wurf kam nicht nur von den Gegnern, die ihn gegen die ganze Partei erhoben, sondern auch aus nationallib. Reihen, die sich gegen die Fraktionen wandten. Prof. M. selber konnte keinen größeren Beifall finden, als wenn er in der Beurteilung der von den Freisinnigen so heftig befehdeten Kolonialpolitik auf die schweren Fehler hinwies, die hier unzweifelhaft gemacht worden sind, und davon sprach, daß ein liberaler Mann unbedingt dagegen seine Stimme erheben müsse. Es ist, so führt Prof. M. fort, un­zweifelhaft, daß der Zuwachs der freisinnigen Stim­men aus den nationalliberalen Reihen stammt. Die Hauptschuld an dem bösen Niedergang der nationallib. Stimmen ist also keine lokale gewesen, sondern liegt in dem Mißmut gegen die Schul- und Finanzreformpolitik der nationalliberalen Fraktionen. Der Heißhunger nach einer entschiedeneren, liberalen Politik, wie er in Eisenach gekennzeichnet wurde, ist, wie Prof. M. sehr richtig sagt, nicht gestillt und wird immer stärker werden sein und unser Wunsch ist es, daß zu richtiger Zeit die rechten Mittel dazu angewandt werden mögen, ehe es zu spät wird.

für den

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das Lied:Jesu, meine Freude". Rach dem Gesang des Chorals:Eine Herde und ein Hirt" sprach Missionar Geh-, ring-Erlangen über 1. Brief Pauli an Thinrotheus 1, 15, Daran anschließend berichtete er über seine Tätigkeit bei' den Tamulen in Indien, wo er 27 Jahre gewirkt hat. Nach einer halbstündigen Pause, in der die Festgästss von der gastfreien Bevölkerung des Ortes bewirtet wurde, nahm die Feier mit dem Massenchor der PosaunenSiehe, das ist Gottes Lamm" ihren Fortgang. Direktor Dr. Wurster- Friedberg predigte über Mathäus 13, 8:Etliches fiel auf ein gut Land und trug Frucht. . ." und munterte zup weiteren Gründung von Posaunenchören und Jugend- vereinen auf. Dann sang der gemischte Chor den Psalm! 129. Missionar Gehring uiib Pastor Kuhlo hielten weitere Ansprachen. Den Schluß bildete der Gesamp-Po- saunenchor:Seht! Er kommt mit Preis gekrönt" undi Judas Makkabäus" von Händel. Es wurden Kollekten er-, hoben für die Leidiger und Baseler Mission. Zahlreiche Missionsschriften wurden verkauft. So nahm denn das erste oberhessische Posaunenfest dank des günstigen Wetters einen sehr schönen, würdigen Verlauf.

Der vatikanische Korrespondent derJirdöpendance Beige" berichtet, daß die Ernennung des neuen Jesuitengenerals erst im September erfolgen werde. Die meisten Aussichten habe ein Deutscher, jedenfalls werde kein Franzose gewählt werden. Die Jesuiten würden sich alle Mühe geben, die Gunst des deutschen Kai-' sers zu erringen. Die Gesamtzahl der Jesuiten beträgt gegenwärtig la 514. Davon entfallen 1420 auf Deutsch­land, 3088 auf Frankreich, 3414 auf Spanien, Portugal und Amerika, 1922 aus Italien, 2754 auf England, Schotti land und Irland und der Rest auf Oesterreich-Ungarn, Holland und Polen.

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Der elektrische Wagen eichstagsabgeord. rmV in bester Gesund.

Meere herrschte eine icht? außergewöhnliches, vrgekomiuen. Im Jnd. außerordentlich heftig, Verspätung hatte.

Nr. 177

Erscheint täglich außer Sonntag«.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischea Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Duch-u.Stem- druckerei. 9t Lange. Redaktion, Grpebttto« und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion 112

Berlag u.(£gpeb.e<951 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Airche rrnd Schule.

0 Lang-Göns, 29. Juli. Unter zahlreicher Be­teiligung der Posaunenchöre und Geistlichen Oberhessens, sowie der Bevölkerung fand heute Hier das 1. Bun des feft des Oberhessischen Pos aunenchor-Berbandes, verbunden mit einem Missionsfest, statt. Bereits vormittags Waren die Posaunenchöre eingetroffen, um gegen mittag auf dem schön gelegenen Festplatz vor der Kirche die Haupt- probe unter Leitung des Pastors Kuhlo-Bielefeld abzuhalten. Unter den ca. 200 Bläsern befanden sich die Posaunenchörc aus Gießen, Klein-Linden, Dutenhofen, Lützellinden, Ebs­dorf, Holzheim, Lang-Göns, Friedberg, Ehringshausen, Rechtenbach und Stockhausen bei Lauterbach. Scl)on diese Probe hatte zahlreiche Zuhörer herbeigelockt. Um 2 Uhr begann das Fest; eingeleitet tvurbe es durch den Gesamt­chor der PosaunenPreis und Anbetung" von Rink. Nach dem gemeinschaftlichen Gesang:O daß ich tausend Zungen hätte" hielt Pastor Kuhlo-Bethel die Festpredigt über .Sprüche Salomonis, 30. Kapitel. Pastor Lublo blies dann

27. Juli in Betrieb genommen worden. Der erste dient zur Vermittlung von Gesprächen die Güterversanbangelegen» Heiken einschl. Wagenbestellungen, der zweite solchen die Güter em p f a n g s angelegenheiten betreffen.

Eine Sitzung der Stadtverordneten-Ver- sammlung finbet Donnerstag, 2. August, nachm. 4 Uhr, mit folgenber Tagesorbnung statt: 1. Mitteilungen, 2. Baugesuch bes Johann Georg Pfaff für bie Goethestraße, 3. Baugesuch bes L. Lüter für bie Wolkengaffe, 4. Gesuch bes Gustav Bergen, Hofmannstraße 4, um Belastung bes An­schlusses seiner Abottgrube an ben Kanal, 5. Entwässerung beS Grundstücks von Dr. Zinßer an ber Goethestraße, 6. Ent­wässerung ber stäbtischen Kaserne, 7. Gesuch deS August Schmibt um Erlaubnis zur Anbringung eines Firmenschildes am alten Schulhause in der Neustadt, 8. Erbauung einer Gewerbeschule, 9. Sperrung der Bismarckstraße für den Fähr­verkehr, 10. Prüfung der Rechnung für 1904, 11. Herstellung eines gepflasterten UebergangS in der Rodheimerstraße, 12. Genehmigung von Rechnungen, 13. Unterhaltung ber Gebäube be§ Realgymnasiums und ber Oberrealschule, 14. Beschaffung von Schläuchen unb Gurten für bie Feuer­wehr, 15. Löhne ber Arbeiter beim Elektrizitätswerk, 16. Be­bauungsplan für das Gelände zwischen Mittelweg und Veterinärklinik, 17. Gesuch des Otto Sieck um Schankerlaubnis für Hammstraße 14.

Hessische Lehrerwünsche. In dem Entwurf der neuen Landgemeindeordnung hat die hessische Regierung eine Bestimmung des alten Gesetzes belassen, wonach Volks- schullehrer zn Mitgliedern des Gemeinderats nicht wählbar sind. Das bedeutet eine Zurücksetzung der Volksschullehrer gegenüber den seminaristisch gebildeten Lehrern höherer Lehranstalten, die das passive Wahlrecht zum Ge­meinderat schon besitzen. Der Vorstand des Landeslehrer­vereins wird deshalb an bie Regierung unb die Kammern Eingaben richten, in denen um Beseitigung dieser Ausnahme­stellung ber Volksschullehrer gebeten wirb. Die Lehrer, bie im Nebenamte an den Fortbildungsschulen wirken, erhielten bisher dafür ein Entgelt von 1 bis 2 Mk. für die Stunde. Sie wünschen aber jetzt allgemein eine Honorierung mit 2 Mk. Der LandeSlehrerverein wird demnächst eine Eingabe in diesem Sinne an die Regierung gelangen lasten.

» Eine aufregende Szene spielte sich in der Wetz­steingaste zwischev zwei Fuhrleuten ab. Auch ihre beiden Frauen beteiligten sich am Streit und eine große Menschen­menge sammelte sich an. Schutzleute erschienen und verhafteten den einen Streitenden.

* lieber das Kaiser-Kornet-Quartett, welches morgen im Neuen Saalbau konzertiert, berichtet bie ,Karlsk>. 3tg/:

Gestern konzertierte das in seiner Art gegenwärtig wohl einzig dastehende Kaiser-Kornet-Quartett von ber Berliner Hokoper, das sich auch hier ungeteilter Anerlennung unb stürmischen Beifalls zu erfreuen hatte. Die kunstvollendete Art, mit welcher bie Herren ihre prachtvollen Instrumente beherrschen, zeichnet sich vor allem durch große Reinheit in der Intonation, sowie durch fein nuancierte Vortragsweise besonders aus, unb wir werden das Quartett stets gern in Karlsbad wieder begrüßen.

* Aenderungen im hessischen Gefängnis- wesen. Der vor einigen Jahren begonnene neue Zellen­flügel am Landeszuchthaus Marienschloß ist bis zum April n. I. beziehbar. Die zurzeit in der Zellenstrafanstalt Butzbach Strafe verbüßenden Zuchthausgefangenen werden

. Gegen die Landflucht der Lehrer.

Manschreibt uns aus einem b enachbarten preußischen Orte: «

Wenn es zutrifft, daß die Schlacht bei Königgrätz der preußische Schulmeister gewonnen hat, so muß man sagen, daß sich der preußische Staat dem intellektuellen Urheber des Sieges vor Sadowa sehr wenig dankbar erwiesen hat. Denn sowohl die pekuniäre wie die gesellschaftliche Stell­ung einer sozial so hochwichtigen Persönlichkeit, wie es die des Bolksschullehrers ist, läßt in Preußen sehr viel zu wünschen übrig. Dies hat sich in dem Erlasse des preußischen Kultusministeriums gezeigt, wonach zur Ver­hinderung der Landflucht der Volksschullehrer die Regier­ungsbehörden den Gehaltserhöhungen der städtischen Lehrer in den Weg treten sollen. Man sollte es nicht für möglich halten, daß zu diesem Zwecke in der gegenwärtigen Zeit der allgemeinen Verteuerung der notwendigsten Lebens­mittel die Regierung gegen die Beschlüsse städtischer .Ver­waltungen ihr Veto einlegt. Es ist aber so geschehen und zwar in Haynau, Hamborn, Wetter, Schüttorf usw. Un­längst sprach in dieser Angelegenheit eine Deputatton des Lehrervereins von Dortmund bei dem Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff vor, der den Herren eröffnete, daß die kgl. Behörde nicht in der Lage wäre, einer Er­höhung des Grundgehaltes über die jetzt noch als äußerste Grenze zu bezeichnende Höhe von 1500 Mark zuzusttmmen. Die Erhöhung des Einkommens in einer an­deren Form würde sie auf Antrag in wohlwollende Er­wägung ziehen. Ein Grundgehalt von 1500 Mk. für einen Beamten, dem eine der verantwortungsvollsten Aufgaben im Staate anverttaut ist, nämlich die Jugend zu braven, tüchttgen Menschen und guten Staatsbürgern zu erziehen! Nur der außerordentlichen Pflichttreue, Entsag­ungsfreudigkeit und unerschütterlichen vater­ländischen Gesinnung unsererLehrerschaft ist es zu verdanken, daß die Sozialdemokratie bei ihr noch nicht Wurzel fassen konnte! Aber beschämend ist es für Preußen, daß beispielsweise in Oesterreich die Volksschullehrer bedeutend besser bezahlt werden und eine ganz andere gesellschaftliche Achtung genießen. Ein Wiener Blatt hält denn auch den österreichischen Jugendbildnern den besprochenen Erlaß des Kultusministers als Exempel entgegen und ruft triumphierend aus:Was sagen unsere alldeutschen Preußenschwärmer zu dieser Art der Verhin­derung des Rechtes der Lehrer auf Freizügigkeit?"

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Eichener Anzeigers General-Anzeiger v

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Amlr- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen MW __________________ zeigenteil: HanS Beck.

Air heutige Dummer umfaßt 8 Stilen.

Hlochmaks die Immunität.

Der Berliner Untersuchungsrichter will die Mamlstttpte sind Schriftsachen des Abg. Erzberger, bie er zur Durch- icht aus dem Reichstag heim genommen hat, trotz Ver­sprechens nicht roieber herauSgeben, unb ber Staatsanwalt ließ Erzberger sogar sagen, baß eventuell bie Papiere be­schlagnahmt werden dürsten, da sie gewichtiges Material für die Kolonialuntersuchung enthielten. Das gibt Herrn Erz­berger Anlaß zu flammendem Protest unter höflicher Bezugnahme aus ben § 30 ber Reichsoerfassung.

Nun ist in der bayerischen zweiten Stänbekammer ans Ministermund ein Wort gefallen, baS uns zu benken gibt. Herr v. Frauenborfer, berVerkehrsminister, hat in Bezug auf einen sozialdem. Abgeordneten, der völlig ungerecht­fertigte Beschuldigungen gegen einen höheren Beamten vor­brachte, gemeint, die A b ge ordneten sollten sich doch auch darüber klar sei, daß bie Immunität ihnen nicht nur bie Unantastbarkeit zusichett, sonbern ihnen auch gewiße Pflichten auferlegt. Der Minister hält es also, mit Recht, für ver­werflich, unter bem Schutz ber Immunität anberen Leuten, die diesen Schutz nicht genießen, kurzerhand und ohne sich Informationen einzuholen, die Ehre abzuschneiden.

Man hat sich in letzter Zeit daran gewöhnen müssen, daß im Reichstag wie in den Einzellandtagen, auch bei uns in Hessen, mit Beschuldigungen nicht immer vorsichtig um­gegangen wurde. Man hat tüchtige Männer in angesehener amtlicher Stellung ohne genügende Gründe angegriffen, hat Dinge behauptet, die man aus trüben Quellen sich hatte zusammenttagen laßen, ohne gründliche Kritik und Selbst­kritik, hat schwächliche Behörden dazu gedrängt, daß solche Männer um Amt unb Brot gebracht würben. Vom Minister­tische aus konnten mancherlei Geschichten unb Geschichtchen klar- unb richtiggestellt werben, was aber ben öffentlich schroff unb hart Beschuldigten zuweilen nicht mehr hat nützen können.

Das sind Gepflogenheiten, bie mit guten Sitten wahrlich nicht im Einklang stehen. Die Ehre ber Abgeorbneten in Ehren, aber andere Leute, bie nicht zu ben Erwählten bes Volkes gehören roie biesesErwählen" manchmal vor sich geht, darüber weiß man EinigeS! haben auch ihre Ehre! Ihnen diese Ehre rauben von einem Platze aus, ber ben Ehren- xäuber vor jeber gerichtlichen Verfolgung schützt, ist unebel, zumal ben Angegriffenen jebe Verteidigung abgeschnitten ift Sollte nach .berühmten" Mustern Erzberger in dieser Hinsicht ein absolut untadeliges Gewißen haben?

Die Enthüllungen Erzbergers waren an sich begrüßungs­wert, da sie Material zum Eingreifen gegen Mißstände boten, die unerträglich geworden waren. Es kann dem Abgeord­neten aber der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er bei ber Erhebung seiner Anklagen nicht mit ber Grünblichkeit vor­gegangen ist, die wünschenswert gewesen wäre. Wir wollen nicht sagen, daß Erzberger seine Immunität mißbraucht hat, aber er hat die Grenze des Mißbrauchs gestreift, unb barum kann man ihn persönlich nicht einmal wegen bes Mißgeschickes, bas ihm vom Untersuchungsrichter bereitet würbe, sonderlich bedauern. Womit man sündigt, wird man bestraft bas trifft hier zu einem Teil wenigstens zu.

Man wirb sich im Anschluß an bie Erzbergeraffare auch im Reichstag eingehenb mit ber Jmmunitätsfrage befassen. Vielleicht ergibt sich bann auch einmal die Gelegenheit, den Boten des Volkes vor Augen zu halten, daß bie Immunität zwar ein schönes Recht ber Abgeorbneten ist, an bas niemand tasten darf, daß aber dieses Recht durch niemand mehr herab- gewürdigt werden kann, als durch die Leute, 'bie es miß­brauchen, um aus sicherem Port Pfeile gegen Wehrlose ab­zuschießen. Und wenn eine recht grünbliche Herz- unb Nieren­erforschung daraufhin von jedem einzelnen Abgeordneten vor­genommen würde, dann hätte das Vorgehen des Berliner Landgerichtsrats Schmidt gegen den Abg. Erzberger eine sehr gute Folge gehabt.

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