täuscht. Wenn heute im Reich auf das kleine Hessen rühmend hmgewiesen wird, sei es in allgemein politischer, sei cS tu sozialpolitischer Beziehung, dann gebührt daran dem bisherigen obersten Staatsbeamten ein hoher Anteil. Aus dem reichen Kranz der in Rothes mehr als siebenjähriger Mmifler- tätigkcit beschlossenen Gesetze seien hier, die gestrigen Angaben ergänzend, erwähnt: die Staatssteuerreform vom Jahre 1899; die Festsetzung der einjährigen Budgetperiode (1900); du- Bildung eines Ausgleichsfonds (1904); das Gesetz betr. Umwandlung und Ablösung von Rcallasten und Dienstbarketten (1899); das Faselgesetz (1901); das Gesetz über die Ausführung des Reichsgcsetzes betreffend Schlachtvieh- und Fleischbeschau (1903); das Gesetz betreffend Dicnstgehalte und Hinterbliebenenfürsorge der Staatsbeamten (welches die jahrzehntelange Ungerechtigkeit in der Unterscheidung von widerruflich und unwiderruflich angestcllten niederen Beamten beseitigte und damit eine Gleichstellung dieser Kategorie mit den mittleren Beamten in bezug auf ihre Pensionsansprüche herbeiführte), das Gesetz über die Neuregelung der Gehalte der Volkäschullehrcr (1901), das RegentschastSgesetz. Die Nebcnbahnpolitik wurde unter dem Ministerium Rothe auf festeren Boden gestellt, deffen Fundamentierung weitere Sicherung erfahren sollte. Wenn dem Ministcrpräsideitten im Verein mit dem Finanzminister Dr. Gnauth cm Erfolg in der geplanten Reform deS Gemeindesleuerwesen? nicht be- schieden war, so darf ruhig gesagt werden, daff das Maff, in welchem Rothes Gesundheitszustand in dem jüngsten widerlichen Kampfe litt, ein Gradmesser fein kann dafür, wie viel dem Staatsminister an dieser Reform, ebenso wie an der gleichfalls gescheiterten Erstrebung des direkten Wahlrechts gelegen war.
Rothe war ein streng konstitutionell denkender Staatsmann, fremd aller Popularitatshascherei, gleich verbindlich gegenüber jeder politischen Ueberzettgung, dabei ausgestattet mit einem an Diplomaten gemahnenden Takt. Nttr keine inneren Konflikte! Und wo sie aus nichtsachlichen Gründen doch entstanden, ein vorsichtiges, kluges Lavieren.
Drahtlich ttrirb uns noch gemeldet:
R. B. D a r m st a d t, 30. Jan. Zu der heutige nJ5 i tz - ang der 2. Kammer waren die Mitglieder Staats Ministeriums in schwarzer Klediung am Regierungstiscb erschienen. Die Abgeordneten waren fast vollzählia erschienen. Nachdem fick sämtliche Anwesende erhoben hatten, hielt Präsident Haas mi! tränen erstickter Stimme dem verstorbenen Staatsminister Roth einen tiefempfundenen warmherzigen Nachruf, den das HauS ir liefern Schweigen anhörte. Er schilderte darin die großen urt vergeßlichen Verdienste des' Ministers um W Hessenland und führte weiter aus, Fürst und Land hatten mit feinem Heimgane einen unersetzlichen Verlust erlitten. Die Kammer soll zu ihrer, Teil dazu beitragen, daff das von dem Verstorbenen Erstrebt erreicht werde. Rothes Andenken werde immerdar ir Aller Herzen fortleb-en. Tie Kämmer beschloß sodann, das den Hinterbliebenen des verstorbenen verdienstvollen Staatsmannes durch dos Präsidium das herzliche Beileid der Volksvertretung ausgesprochen werden solle. Nachdem der Präsident noch mit- geteilt hatte, daß die Beisetzung Rothes am Donnerstaa vormittag 11 Uhr stattfinden werde und die Erwartung au5 gesprochen hatte, daß die Kämmer vollzählig an der Trauer feier teilnehmen werde, wurde die Sitzung geschlossen. — Die nächste Sitzung findet Mittwoch vormittag 9 Uhr statt.
In Mainz, dessen Ehrenbürger Staatsminister Rothe war fand gestern eine Trauer sißung der Stadtverordneten-Ver sammlung statt.
politifebe Tagesschau.
Tie Diäten gesichert.
„Es ist erreicht, so kann der Reichstag von den Diäten sagen. Soviel steht fest, daß die Entschädigung nicht länger vom Bundesrat ablehnend beschieden wird. Nur die Form dieser Entschädigung scheint noch zweifelhaft zu fein. Während heute mehrere Zeitungen zu melden wissen, daß einPausch-alevonZOOOMarkfürdieSession quf den Abgeordneten entfallen soll, mit Rückwirkung für die laufende Session und entsprechendem Abzug für jeden lAnwesenheitstag, nimmt der häufig offiziöse „Lokalanz." an, der Gesetzentwurf werde, gemäß den wiederholten Reichstagsbeschlüssen, Anwesenheitsgelder in Höhe von 20 Mark für jeden Tag einführen. Vielleicht werde in dem Regierungsentwurf vorgeschlagen werden, die An- wesenheitsgelder nur etwa für 8 Monate zu bewilligen, um eine zu lange Ausdehnung der Tagungen zu verhindern.
*
Ter arme Sieger.
Für Rußland war, wie man weiß, der Krieg mit Japan der Anfang vom Ende, der Anlaß und die Gelegenheit zur Revolution. Aber nicht nur dem Besiegten und schmählich aus Asien geworfenen Rußland ist der Krieg schlecht bekommen, auch der Sieger leidet bitter Unter den Nachwehen des Krieges. Aus Tokio kommen Nachrichten von surchtbaren Hungersnöten und von einer totalen Verarmung ausgedehnter Gebietsteile. Es fehlt den Leuten nicht nur an Brot, sondern auch an dem allernötigsten für die Zukunft, am Saatkorn. Wenn nicht schleunigst geholfen wird, dann besteht eine Riesengefahr für das Land. Wer aber soll helfen? Tie Regierung natürlich, .über die Regierung befindet sich in. einer keineswegs angenehmen Lage. Ihre Kassen sind leer und lassen sich sehr schwer füllen. Ter japanische Kredit ist zwar nicht erschöpft aber es hält schwer, Anleihen unterzubringen, wenigstens Anleihen in der Höhe, wie sie Japan augenblicklich brauchte. Man hat übrigens diese Krise seit langem vorausgesehen, und die japanische Regierung hat schwere Befürchtungen schon zu Beginn des vorigen Sommers gehegt, und daraus allein erklärt sich die damalige Friedensbereitschaft des siegreichen Staates. Japan war am Ende seiner Kräfte schon damals angelangt, es ist Zctzt ganz erschöpft und — die Politik Englands feiert einen Triumph über zwei unangenehme Konkurrenten im Osten! Japan hat sich allzuviel zugetraut, als es sich in das Kriegsabenteuer stürzte. Und es hat England zu sehr vertraut, wie es jetzt zu seinem Schaden zu spät erkennen muß. Tas erhoffte Eingreifen Englands ist ausgeblieben und Japan sieht sich pttcht nur um den Preis seines so teuer erkauften sSi eg es betrogen, zum größten Teil wenigstens, es ist auf Jahre hinaus latym gelegt durch die bittere Krise, die as im Innern jetzt durchzumachen hat. Wenn cs nicht gelingt, die nötigen Mittel aufzutreiben, wird die Fähr- lichkert derart wachsen, daß Japan seine Suprematie im iOsten wohl vielleicht behaupten, aber unter keinen Um- Mnden betätigen Fann. Diese Erkenntnis ist für das auf* -strebende Land bitter, aber für den Weltfrieden ist die Tatsache nicht unerfreulich, so hart daä klingt,
parlamentarisches.
Berlin, 29. Jan. Die Kommission bc5 Abgeordnetenhauses für die Steuergesetze begann die Beratung der Ein komme nsteuergese tzn ovelle. Zn § 1, der unter anderem Ausdehnung der subjektiven Einkommensteuerpflicht auf die Gesellschaften mit beschränkter Haftung vorsieht, lag eine Reihe von Anträgen vor. Vielfach Zustimmung fand der freikonservative Antrag, die Gesellschaften mit beschränkter Haftung an sich zwar zu besteuern, aber den auf die Gewinnanteile solcher Gesellschaften entfallenden Steuerbetrag eines Steuerpflichtigen unerhoben zu lassen. Einige Redner sprachen sieh zustimmend zu dem konservativen Anträge au5, der entgegen dem geltenden Recht die Konsumvereine mit offenen Läden auch dann von der Einkommensteuerpflicht ausnehmen will, wenn fie die Rechte juristischer Personen nicht haben. Von freisinniger Seite wurde der Antrag der Quotisierung der Einkommensteuer angeregt. Der Finanzminister wies darauf hin, daß namentlich in einem Staate mit vielen großen Staatsbetrieben, deren Erträge schwankend seien, die Quotisierung großen Bedenken unterliege. Es würde auch schwierig sein, etwaige Erhöhungen der Steuer den Beschlüßen des Land- lages zu unterwerfen.
Berlin, 29. Jan. Die BudgetkomMission des Abgeordnetenhauses beriet den Justizetat. Hinsichtlich der Hilfsrichterstcllen wurde hervorgehoben, daß es fast schon als Hilfsrichterunwesen zu bezeichnen fei. Die Vermehrung der Richter stellen und die Enlastung der Oberlandesgerichte fei unbedingt erforderlich. Von Seiten des Justizministers wurde als wesentliches Mittel zur Entlastung der Oberlandesgerichte empfohlen, eine wesent- l i cf) e Erhöhung der Summe für amtLgerichtliche Prozesse eintreten zu laßen. Beim Titel Ministergehalt wurde die Frage der Dienstaltersstufen und der Entschädigung für Schössen und Geschworene angeregt. In der Breslauer Angelegenheit, betr. ein Lied, das Unfreundlichkeiten gegen die Juden enthalten sollte, erklärt der Minister, daß Untersilchunq eingeleitet ist und falls Ungehörigkeiten zu Tage träten, das Erforderliche veranlaßt werden würde.
Dresden, 29. Jan. In der Zweiten Kammer crflärte Justizminister Otto auf eine Anfrage über den Stand der Arbeiten in ber Reichstagskommission zur Reform der Strafprozeffordnung, daß sich die verbündeten Negierungen darüber geeinigt hatten, das Schwurgericht in einer bisherigen Kompetenz bestehen zu lassen. Die Kammer beschloß, um dem Richtermangel abzuhelfen, möge eine besondere etatmäßige Richter klasse mit 3000 Dl k. Gepalt gebildet werden.
Die neueste südtvestasrikanische Verlustliste.
Em Telegramm aus Windhuk meldet: Am 10. Januar bei Tochas verwundet: die Reiter Hinrichsen und Bay. Am 12. Januar bei Karibik) verwundet: die Reiter Strachle, Paul Reumann. — An Krankheiten gestorben: Leutnant Georg Rekfeldt, geb. zu Grumsdorf, früher im Ulaneu-Regiment Nr. 8 im Feldlazarett Lüderitzbucht an Herzschwäche nach Typhus. Reiter Wilhelm Gerhardt, geb. zu Schwabsburg, früher im Infanterie-Regiment Nr. 116, am 23. Januar im .Feldlazarett Lüderitzbucht an Herzschwäche nach Typhus. Reiter Michael Moser an Typhus.
Ausland.
London, 28. Januar. Tas Befinden König Eduards soll neuerdings zu wünschen übrig lassen. Vorgestern traf zu Windsor Dr. Ernst Otto aus Marienbad ein, wo der König schon seit mehreren Tagen die Besuche des Hausarztes und seines Chirurgen empfängt. Der König leidet an Atmungsbeschwerden, wozu seine Kvrpulenz viel beiträgt.
Paris, 29. Jan. Die Kammer nahm heute eine Vorlage au, nach welcher landwirtschaftlichen Genossenschaften Vorschüsse aus Staatsmitteln gewährt werden können.
Rom, 29. Jan. Auf den Grafen von Turin, einen Vetter des Königs, wurde ein Attentat verübt. Ein Unbekannter schleuderte Steine gegen den Wagen des Grafen, die die F-ensterfcheiben zertrümmerten. Ter Gras wurde leicht verletzt.
— Heute nachmittag kam cs bei dem Begräbnisse eines int Jrrenhause gestorbenen Republikaners zu wüsten Szenen. Tie Polizei hatte angeordnet, daß der Lcichen- zug hinter der österreichischen Botschaft hergeführt werde. Als der Zug in deren Nähe kam, sprang ein Anarchist auf den Bock, lenkte die Pferde ab, um vor die Fassade der Botschaft zu kommen und dort eine antiösterreichi- sche Demonstration zu erregen. Die Polizei widersetzte sich. Darauf gebrauchten die Bannerträger die Fahnenstangen als Waffen und hieben auf die Polizisten ein, wobei sie mehrere verwundeten. Eine Kompagnie Infanterie stellte die Ordnung wieder her.
Mord und Meuterei in Rußland.
Am Samstag wurde Graf Fred von der Wege Lambsdorf, Besitzer des Gutes Bresilgcn in Kurland, zwei Werft von seinem Gute auf der Fahrt von Tuckum ermordet. Er war zur Besichtigung des Gutes, das er schon im Dezember verlassen hatte, hin aus gefahren. Ter in seiner Begleitung befindliche Karl Roenne, Bcvollmächi- tigter von Kaiwen, wurde schwer vettvundet; der unbekannte Täter ist entkommen.
Neber die Meutereien
in Wladiw ostok wird noch gemeldet: Tie unzufriedenen Elemente unter den Truppen brennen und plündern die Stadt in allen Richtungen. Verzweifelte Kämpfe zwischen den Meuterern und den verläßlichen Truppen finden statt. In den Straßen ereigneten sich fürchterliche Szenen. Die Leichen der Kämpfer liegen tagelang auf den Straßen. Die Meuterer brachten einen Eifenbahnzug, der militärische Verstärkungen nach Wladiwostok bringen sollte, zum Entgleisen, wobei 35 0 Soldaten ums Leben kamen. Ein anderer Militärzug wurde in die Lust gesprengt. Die Ges amt Verluste in Wladiwostok beziffern sich aus ungefähr 3000 M ann. 500 Verwundete sind in Krankenhäusern uni er gebracht. Nach anderen Meldungen verlautet, daß sich Wladiwostok in den Händen der Meuterer befindet, sodaß General Lincwitsch gezwungen ist, eine 'Armee zur Wiedereroberung der Festung zu entsenden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 30. Januar 1906.
L. U Landes-Universität. Der außerordentliche Profeßor für Ohrenheilkunde, Prof. Dr. Leu tert, hat den an ihn ergangenen Ruf nach Königsberg abgelehnt.
** Aus b e in Bureau des Stadttheaters. Auf die heutige Volksvorstellung die Jacobys und Carl Laufs Posse „Pension Schöll er" bringt, sei auch an' dieser Stelle hiugewicsen.
** Warnung vor Betrügern. Zwei Amerikaner, vertreiben in letzter Zeit außer Kurs gesetzte 100- und 50; Dollar-Roten aus dem Jahre 1864 in Deutschland. In Stuttgart brachten sie bei einem Wirt für 730 Mk. unter. Der eine Betrüger ist 55 Jahre alt, der andere 41 Jahre. Beide spielen Gentlemen und sind gut gekleidet. Ein weiterer Betrüger, angeblich Oesterreicher, 20 Jahre alt, sucht Leute auf, die Geld auf Hypotheken suchen. Er verspricht Geld zu verschaffen, wenn der Geldsuchende sich bei ihm in einer. Lebensversicherung versichert, läßt sich die erste Prämie bezahlen, um bann zu verschwinden. In einer Stadt Süddeutschlands wußte er sich auf diese Art in kurzer Zeit einige Tausend Mark auszuschwindeln. Also Vorsicht.
**Sanitätsverein. Die am Montag abend im Restaurant Mbvld abgehaltene Generalversammlung war trotz ber Wichtigkeit ber Tagesordnung nur schwach besucht. Aus benr Jahresbericht dürfte interessieren, daß ber Verein 548 Mitglieder, 28 weniger als im Vorjahr, zählt. Die Einnahme betrug 4740,56 Mk., während 4682,92 Mk. verausgabt wurden. Der Durchschnitt einer zum Verein gehörenden Familie besteht aus 3,5 Köpfen. — Der wichtigste Punkt ber Beratung bestaub in dem Bericht betreffend die Verhandlungen mit den Vereinsärzten resp. deren Vertretung. Bekanntlich haben die Aerzte ihre Tätigkeit gekündigt und sollten die Verhandlungen dazu führen, eine neue Vereinbarung zustande zu bringen. Der Vorsitzende Bräuti- g a m brachte den von ber ärztlichen Dertragskommission vorgeschlagenen Vertrag zur Verlesung. Danach sind von ber ärztlichen Behaublung Familien-Mitglieber ohne besonderes Entgelt Kinder über 18 Jahre ausgeschlossen, fie können jedoch gegen ein Jahreshonorar von 2 Mk. pro Kopf eingeschlossen werben. Jinpf- ung, Leichenschau und Geburtshilse kann den Mitgliedern nur gegen Extrahonorar gewährt werden. Das Honorar wird pro Familie von jährlich 7 Mk. auf 12 Mk. erhöht, doch sollen; Familien, bereit Haushaltungsvorstand einer Krankenkasse angehört, nur 10 Mark zahlen. In ber Versammlung entspann sich eilte lebhafte Debatte über bic Forderung. Man mißbilligte es, baß ein so erheblicher Honoraraufschlag von 7 auf 12. Mk. in einer Zeit verlangt wirb, wo ber kleine Mann und ber Mittelstand so wie so schon schwer sein Auskommen findet. Man verttat die Ansicht, daß die Aerzte wohl mit einer Honorarerhöhung von 7 auf 10 Mk. zufrieden fein könnten und man auf dieser Basis weiterverh.andeln sollte. Es wurde darauf hingewiefen, baff, wenn die Aerzte aus 12 Mk. bestehen wollten, es profitabler fei, als Selbstversicherer der Ortskrankenkasse beizutteten und in der niedrigsten Klasse mit ca. 15 Mk. pro Jahr sich gegen Krankheit zu sichern. F-erner wurde verlangt, daß ber Vertrag auf 5 Jähre abgeschlossen wird, da man sonst in zwei Jahren wahrscheinlich wieder neue Vereinbarungen zu treffen haben würde. Die Versammlung beschloß schließlich, die Bedingungen der Aerzte anzunehmen, jedoch als jährliches Honorar nur 10 Mk. pro Familie zu bewilligen und nur einem Vertragsabschluß auf fünf Jahre zuzustimmen. Der Vorstand wurde ersucht, auf diese Basis hin mit ber ärztlichen Vertragskommission zu verhaubeln und ivenn keine Einigung zu erzielen sei, zwei Vereinsärzte von außerhalb zu engagieren. Ein nxiterer Antrag, den Verein ev. aufzulösen, würbe zurückgezogen, nachdem bet Vorsitzenbe erklärte, baß er glaube, bie hiesigen Aerzte würben eS nicht zum Aeußersten kommen lassen. Ferner würbe beschlossen, beit jetzigen Vorstand, so wie er besteht, solange im Amt zu belassen, bis die Aerzte-- angelegenheit ihre Erledigung gesitnden hat. Die von den Aerzten gewünschte freie Aerzte wähl wurde. schließlich von der Versammlung acceptictt, wenn die Verteilung des Honorars an die einzelnen Aerzte, durck eine von den Aerzten zu errichtende Stelle besorgt wird, da ber int Ehrenamt wirkende Vorstand die Arbeit nicht übernehmen kann.
•• Zu dem bedauerlichen Selbstmord eines Schülers geht uns von der Direktion des Großh. Gymnasiums nachstehende Klar- b-zw. Richtigstellung zu: Der Schüler unseres Realgymnasiums F. V. E. aus Grünberg, der sich am vorigen Freitag abend in seinem elterlichen Hause eine Kugel in selbstmörderischer Absicht beigebracht hat und seiner Verwundung erlegen ist, hatte am Donnerstag mittag beim Weggehen nach dem Schlüße dc§ Unterrichts einige GaShähne auf den Gängen, nicht in einem Klaßenzimmer, unseres Neubaues geöffnet. Daß er damit eine Schädigung eines Lehrers bezweckt haben sollte, ist nach der ganzen Sachlage durchaus unwahrscheinlich. Der Gasgeruch wurde mehrere Stunden spater von einem Lehrer beim Betreten des HauseS bemerkt; von ihm wurden bie Hähne wieder geschloßen. Der Pedell ist in der fraglichen Zeit überhaupt nicht in dem Neubau gewesen, hat also auch durch das Einatmen ansgeströmten GascS nicht ohnmächtig werden können. Von ber Ausweisung deS Schülers V. E. oder von ber Stellung eines Strafantrages bei Gericht konnte um so weniger die Rede sein, als die Untersuchung von feiten ber Schule nach gar nicht abgeschloßen war.
•• Ein gar seltsames Glück widerfuhr einem Herrn in unserer Stadt, ein Glück, das Staunen und Neid bei vielen. Lesern dieser Zeilen erregen wird. Saß da ein Herr in aller Gemütsruhe im (Safe Krämer und schlürfte behaglich seinen gewohnten Nachmittagskaffee. Um sich noch mehr das Dasein zu versüßen, ließ er sich eine Tafel Cohlerschokolade kommen. Als er das Täfelchen aus feiner irdischen Hülle löste, glitzerte, ihm plötzlich ein Goldregen entgegen: 2 Zwanzigmarkstücke aus echtem Gold lagen auf der Schokolade und lachten vom Sonnenschein beschienen ihrem Entzauberer zu. Dem Herrn ist eine sogenannte „Glückstasel* ber Schokoladenfabrik in die Hände gefallen. Der Schreiber dieser Zeilen ist nicht ber glückliche Finder, sondern ein Bruder Studio, der die Sache mit angesehen und sofort bie günstige Gelegenheit benutzte, den Glücksvogel nm die Hälfte deS Fundes anzupumpen, welchem Wunsche auch mit Freude entsprochen wurde.
♦* Ter Landesverband hessischer Bürger- iH A ist er hielt am Montag in Frankfurt seine Haupt- vcrsammlung ab. Ter Verbandsvorsitzende M e tz ge r- Langen gab einen Bericht über bie Tätigkeit des Vorsitzenden. Darauf hielt Rechtsanwatt Sandmann-- Hungen einen Vortrag über Entwürfe der revidierten hessischen Ver- waltungsgesetze, insbesondere der Lanvgemcindeordnung. Nach einem geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung! der Städte- und Landgemcindegesetzgebung feit 1821 gab der Redner einen speziellen Kommentar zu dem neuen Entwurf der Landgemciirdeordnuirg, der in der nächsten Landtags- feffimt in der Kammer verhandelt werden wird, und der gelegentlich der Hauptversammlung der hessischen Gemeiude- rechner hier ausführlicher besprochen wurde. Bezüglich der Proto tollierung der JmmobiliarveräußerungsverträK»


