Ausgabe 
24.11.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 277 Viertes Blatt.

156. Jahrgang

Samstag 24. November 1806

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.

DieLietzener ZamiNenblStter- werden dem .Anzeiger viermal rvöchenilich betgelegL Der WMC tanöelrt erscheuu monatlich einmal.

Rotationsdruck imb Verlag der Brühl'schen UnwersttalLdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Cxvedilion u. Druckerei: Ccbulstr.7.

Teü Nr. bl. Telegr.-Adr.; Anzeiger Dietzen.

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.

Arc Aeier

dcs Keöurlstags S. K K. des Kroßherzoqs wurde, wie in ganz Hessen, auch in Gießen unter herzlicher Anteilnahme der Bevölkerung begangen. Tie öffentlichen Ge­bäude und zahlreichen Privatgebäude wiesen Flaggenschmuck auf, die staatlichen Bureaus waren geschlossen und in den Schulen fanden besondere Schulfeiern statt.

In der Stadtkirche wurde um 10 Uhr ein gemeinsamer Festgottesdienst der Zivil- und der Niilitärgemeinde ab­gehalten, bei dem Pfarrer Euler die Festpredigt hielt. In der katholischen Kirche fand aus Anlaß der Geburtstagsfeier um 9'/, Uhr Militärgottesdienst statt.

Die militärische Feier wurde am Freitag abend durch einen Zapfenstreich der Negimentsmusik eingeleitet. Heute früh 7 Uhr erfolgte großes Wecken und um 8 Uhr ertönte vom Stadtkirchenturm ein Choralvortrag der Negimentsmusik. 9ln den Festgottesdienst schloß sich um 11 Uhr ein NcgimentS- appell auf dem Hof der Zeughauskascrne an.

Tie Beamtenschaft und die Bürgerschaft vereinigten sich am Nachmittag zu einem Festessen im Gesellschaftshaus. Im Verlauf desselben ergriff Geheimerat Prooinzialdircktor Dr. Breidert das Wort zu folgender Ansprache:

Im raschen Laufe des Lebens darf am Geburtstage Halt gemacht, eine Pause, em Augenblick der Ruhe eingehallen werden, der einen Blick gcftaitet auf den zurückgeteglen Weg. 91 m Geburts­tage des Landesherrn blicken wir zurück auf tue Entwickelung des Landes in dem nun vollendeten Jahre. Uiid da können wir mit großer Genugtuung feststellen, wie unter der gerechten und wohl­wollenden Leitung eines reich begabten, hochgesinnten und groß denkenden Fürsten unser Heimatland blüht und gedeiht. Wisjenschail und Kunst, mächtig gefördert, sachgemäß und tatkräslig angewandt, dienen dem Volkswohl, zur Hebung der Bolksbildung, zur Besserung der wirtschaftlichen Lage aller Teile des Landes. So unter günfugen Bedingungen in den Daseinskampf gestellt, fehlte Hessen nur eins: Der Erbel Und jetzt ist er gekommen! Der Prinz ist geboren, der Thron­folger, von den, wir hoffen und erwarten, daß er fernem hohen Vater gleich auch dereinst sein Beltes geben wirb zum Wohle des Hessenlandes, zum Wohle des Hessenoolles! Und darum herrscht Freude, darum erschallt lauter Jubel in dem ganzen Lande, der gerade heute kräftigen Widerhall weckt überall, wo Hessen sich zusammen sinden.

Lassen Eie unS in diese Freude, in diesen Jubel einstimmen lassen Sie uns unseren guten und herzlichen Wünschen, unseren treuen Gesinnungen für den Grobherzog, die Großherzogin und den Erbgroßherzog Ausdruck geben durch den Ruf: Seine Königl. Hoheit der Großherzog lebe hoch!

Die Festversammlung stimmte begeistert in den Hochruf ein. Folgendes Telegramm wurde nach Darmstadt ab» gesandt:

Seiner Königlichen Hohell dem Großherg Darmstadt.

Die zur Feier des Geburtsfestes Eurer Königlichen Hoheit versammelten Vertreter der Landesuniversiiät, des ÖisizierSkorps, der Geistlichkeit, der Behörden von Stadt, Kreis und Provinz und der Bürgerschaft übersenden in Treue untertänigste Glück­wünsche.

Jin Auftrag: Breidert.

Am Abend finden in verschiedenen Lokalen der Stadt die Mannschaftsfeiern der Garnison statt und auch die militärischen Vereine feiern Großherzogs Geburtstag durch besondere Festveranstaltungen.

Aus Darmstadt wird uns über die dortige Feier drahtlich gemeldet: Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck. Im Lauf des Vormittags fand im Neuen Palais Gratula- tionskour statt. Die militärische Feier bestand aus einem gemeinsamen Zapfenstreich der Regimentsmusikcn am gestrigen Abend und großem musikalischen Wecken am heutigen Vor­mittag. Hieran schlossen sich Festgottesdienste in der evang. Stadtkirche und der kath. Pfarrkirche. Um 12 Uhr fand große Paroleausgabe für die gesamte Garnison statt.

Am Mittag veranstaltete die Technische Hochschule einen besonderen Festakt, bei dem Professor Dr. Kautzsch die Festrede über das ThemaDer Sieg der malerischen Tendenz in der bildenden Kunst dcs 19. Jahrhunderts" hielt. An den Festakt schloß sich eine Auffahrt des Aus­schusses und der Chargierten dcs Studentenverdandes.

Folgende Auszeichnungen wurden u. a., wie uns aus Darmstadt drahtlich gemeldet wird, verliehen:

Das Komturkreuz 1. Klasse dcS Verdienstordens Philipps des Großmütgien: Oberpostdirektor Geh. Oberpostrat Ko» belt in Darmstadt, dem Präsidenten des Oberlandcs- gerichtS Adolf Lippert in Darmstadt.

DaS Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erhielten die Ministerialräte Wilh. Best und Karl Aug. Weber.

Tas Ehrenkreuz dess. Ordens: Geh. Oberbergrat Braun in Darmstadt und der Prof, an der Techn. Hoch­schule Geh. Hofrat Dr. Staedel in Darmstadt.

Tas Ritterkreuz 1. Klasse dess. Ordens: Postdircktor Gg. Schott zu Alsfeld; der Professor am Prediger-Se- mrnar zu Frieoberg Dr. Karl Eger, Kommerzienrat Wilh. Gail zu Gießen, der Direktor der Realschule zu Butzbach K a r g, der fürstliche Kammerdirektor K 0 r e l l zu Büdingen; den Oberlehrer am Gymnasium zu Büdingen Prof. Dr. Kost, der Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen Ernst Kutsch, der ordentliche Professor der Rechte an der Lan­desuniversität Dr. Alex Leist zu Gießen; die. Oberlehrer am Realgymnasium und der Realschule zu Gießen Professor Hch. Müller und Professor Dr. August R 0 e s ch e n, der ordentliche Professor der Anatomie an der Landesuniver­sität Dr. Hans Strahl zu Gießen; der Oberlehrer am Gymnasium zu Laubach Dr. Wetzel, der Oberlehrer an der Augustinerschule zu Friedberg Prof. Dr. Wie seh ahn, Pfarrer K. O. Wissig zu Bad-Nauheim, der Direktor des Prediger-Seminars zu Friedberg Dr. Karl Wurster; ^Bürgermeister Stahl zu Friedberg; der Fürstlich Jsen- Iburgische Forstmeister Cbr. Müller zu Büdingen, Prof. L) l b r i ch in Darms:adt, Landgerichtsdireltor Rudolf Prae- AoriuS zu Gießen.

Das Ritterkreuz 2. Klasse dess. Ordens: Der Fürst!. Asenburgische Oberamtmann und Gutspächter Chr. Grebe

nt Aulendiebach, der KrciSgeomcter Ar>olf Hcrneck zu Alsfeld, der Hauptlehrer Philipp zu Foicdbcrg, der Stal .» verordnete W a l l e n f e l s zu Güßen, Rentner O. S ch m i d t und Bauunternehmer Ty. Mörschel zu FRcdberg.

Das Silberne Kreuz dcSs. Ordens mck der Krone: die Lehrer Böckner zu Heuchelheim, Bohl zu Schlitz, Bal. Wagner zu Großen-Äufeck und Herm. Weyl zu Wicseck.

Das silberne Kreuz dess. Ordens: Landwirt Andreas L e p p e r zu Zell (Kr. Alsfeld), LreiSstraßenmeistcr Rohrer zu Gießen, der Werkmeister an der Zellenstrasanstcut Butz- bach F. Dern, die Hochbau-Auss-her Phil. 8!ahn .zu Gießen und Gg. Schäfer zu Friedberg, der Pfandmcister Gg. Johann zu Gießen, der Gradier- und Werkmeister Pyil. S t u r m f e l § und Siedmeister Chr. Kögel zu Bad» Nauheim, dem Bürgernreister Hch» M 0 s ch e r 0 s ch zu Burggräfenrode.

Den Charakter als Geheimerat erhielten die Ministerialräte Dr. Gg. Best und Frhr. v. Biegeleben; land zu Altenburg (Kr. Alsfeld).

den Charakter ai5 Geh. Krrchenrat der ordentl. Professor der Theologie an der Landesuniversität Dr. Gust. Krüger;

den Charakter als Hofrat der ordentl. Professor der romanischen Sprachen an der LandeSuniversität Dr. Dietrich Behrens;

den Charakter als Professor der Musikdirektor an der Landesuniversität Gustav Trautmann;

den Charakter als Sanitätsrat dxr prakt. Arzt Dr. Franz Baur zu Bad-Nauhcim;

den Charakter als Kommerzienrat Fabrikant Heinrich S ch a f f st ä d t zu Gießen;

den Charakter als ^ey. Justizrat Oberamtsrichter Wilh. Süffert zu Bad-Nauhcim;

den Charakter als Ju.lizraL Landgerichtssekretär Ernst Löwer zu Gießen und Rechtsanwalt Hermann Katz zu Gießen;

den Charakter als Rechnungsrat: Rendant Joh. Müller in Gcünberg;

den Charakter ms Rendant die Bezirkskasfierer Gg. Phil. Klein zu Gießen, Joh. Friedr. Rinn er zu Vilbel und Hch. Spa ar zu Alsfeld;

den Charakter als Rcgierungsrat der Direktor der Kanzlei der 2. Kammer Schenk.

den Charakter als Ockonomierat Gutspächter Enge-

Deutsches Reich.

Berlin, 23. 9loo. Die Vorbereitungen zu einem an­geblichen Bom den-Alt en tat haben zu einer Aufsehen er­regenden Verhaftung geführt, welche die Berliner politische Polizei an der russischen Grenze vorgenommen hat. ES handelt sich um den Sohn des Moskauer Groß-In- dustriellen Jagolkowski. Der 23 jährige junge Mann hat bis Juni d. Js. in Berlin eine elegante Wohnung und lebhaften Verkehr mit zwei Freunden gepflogen, die mit ihm in Berlin studierten. Den Freunden war es gelungen, sich einer Verhaftung dadurch zu entziehen, daß sie schwimmend über den Grenzfluß entkamen. JagolkoivZki selbst befindet sich zur Zeit im Untersuchungsgefängnis in Thorn. Er dürfte in nächster Zeit vor das Reichsgericht kommen. Der Vater des Verhafteten hat der deutschen Behörde eine nach Hundert­tausenden zählende Summe als Kaution angebotcn, damit der Sohn auf freiem Fuß belassen werde.

DerVerl. Lok.-Anz.* hat die Mitteilung gebracht, daß der Herzog von Cumberland für sich und sein HauS der Ansprüche auf Braunschweig wie Hannover ent­sagen werde. Die9L G. C." ist von zuständiger Seite in Gmunden ermächtigt, diese Meldung für völlig unbe­gründet zu erklären.

DieBert. Korr." veröffentlicht die Ergebniffe der Konferenz in Sachen der Weingesetzgebung, woraus heroorzuheben ist: Der Vorschlag, die bestehende Sonder­gesetzgebung über den Wein zu beseitigen und Wein aus­schließlich dem Nahrungsmittelgesetze zu unterstellen, fand keinen Anklang. Bezüglich der Kellerbehandlung wurde ge- wünscht, daß diejenigen Verfahren, welche gestattet fein sollen, im Gesetze oder in ergänzenden Bekanntmachungen des Bundesrats erschöpfend aufgezählt würden. Die Mehrheit der Versammlung befürwortete ein Verbot des Verschnitts von Weißwein mit Rotwein und event. die Einführung des Deklarationszwanges für solche Verschnitte. Hebet die Frage, ob eine räumliche und zeitliche Beschränkung des Zuckerwasserzusatzes sich empfehle, waren die Auf- fassungen geteilt. Tie Grenzzahlen für den Gehalt an Extraktstoffen und Mineralbestandtcilen wurden für unent­behrlich gehalten, so lange nicht ein brauchbarer Ersatz ge­sunden sei. Einhelligkeit herrschte darüber, daß eine ein» heitliche, in allen Teilen de§ Reiches nach den gleichen Grundsätzen zu handhabende Kellerkontrolle durch fach- männisch gebildete Beamte anzustreben sei. Die überwiegende Mehrzahl sprach sich für die Anstellung von Kontrolleuren im Haiiptauite und für Einräumung weitgehender Befugnisse an diese Beamte auS. Uebcr den Wert der Vorschrift einer Lagerbuchführung waren die Dieinungen geteilt. Die Ein- führung einer Weinsteuer fand nur in der Form einer Ab- gäbe zur Deckung der Kontrollkosten oder in Form einer Besteuerung der Weinvermehrung vereinzelte Befürworter. Fast ohne Widerspruch be!tagte man, daß sich bezüglich der Herkunftsbenennung des Weines Mißstände durch zu weit» gehende Verwendung von örtlichen Bezeichniingen als Gattungs­namen bemerkbar gemacht hätten.

Die Han delsvertrags-Ver Handlungen mit Spanien sind abgebrochen worden. Bei der Frage des WemzolleS ergaben sich Schwierigkeiten, über die man nicht hinweg kommen tonnle. Uni es nicht zu einem Zollkriege mit Spanien kommen zu lassen, zog man e§ vor, die auf den Abschluß eines Tarifverirages gerichteten Verhandlungen ab- zudrechen und zu versuchen, mit Spanien auf einem anderen Wege zu einem monus vivendi zu kommen.

Der deutsche Fleischeroerband hat, wie die

Deutsche Fleiicheiztg. muteilt, an den Reichslanzler, die Ministerien sämtlicher Bundesstaaten sowie die Senate der freien Städte eine Petition gerichtet, in der er erneut um Erleichterung der Vieheinführung petitioniert und auf daS entschiedenste von der Errichtung von Grenzschlacht­häusern abiät und befürwortet, die Einfuhr nach allen öffent­lichen Schlachthüfen frei zu geben. Die Petition wurde mündlich bei der Uebergabe vom VerbandS-Vorsitzcnden sowie durch zwei Vorstandsmitglieder erläutert

Kiel, 23. Nov. Der Kais er vollzog heute die 53er» cidigung der Rekruten. Nach der Dercidigung hielt er eine Ansprache an die Rekruten.

Erfurt, 23. Nov. Die Stadtverordnetenversamm­lung beschloß einstimmig, den städtischen An gestallt en und Arbeitern Ruhegehälter und Hinterbliebenen' fürsorge zu gewähren.

Ka110 w 1 tz, 23. Rov. Am Bußtage wurde in Birken- Hal ein poln. Agitator und Sokolistcnführer, oer Kaufmann Klimzcsch, wegen Aufhetzung von Kindern zum Schul streik verhaftet und in das Gerichtsgesäng- nis zu Myslowitz gebracht. Unter den Polen herrscht in­folgedessen große Aufregung und Bestürzung. In Birken- thal streiken 20 Schulkinder.

Ausland.

Luxemburg, 23, Nov. Tie Erkrankung des Großherzogs gibt Anlaß zu ernsten Besorgnissen. Es handelt sich um einen Gehirnschlag, infolgedessen er völlig gelähmt und bewußtlos wurde.

Paris, 23. Noo. Deputiertenkammer. Marine­minister Thomson verspricht, daS Unterfeebootrocfen weiter zu entwickeln, ohne daß er jedoch zu weitgehende Verpflicht­ungen übernehmen wolle, da die Unterseeboote noch nicht l e 1 st n n g S f ä h i g genug seien. Die 3Jtarineoermaltung sei bestrebt, Tauchboote mit großem Aktionsradius und hoher Schnelligkeit 311 erhalten. Thomson fügte hinzu, daß das von der Kammer genehmigte Marmeprogramm gewissenhaft in den Grenzen der vorhergesehenen Ausgaben ausgeführt werde. Die Kammer nahm mit 393 gegen 112 Stimmen die Tages­ordnung an, welche die Erklärungen des Marineministers billigt und das Vertrauen zur Regierung ausspricht, daß sie die Flottenneubauten gemäß den Bestimmungen des Finanzgesetzes von 1905 auSführen werde.

Die geeinigte Sozialistenfraktion beschloß, daß jeder Abgeordnete von der Diätenerhöhung 100 FrcS. per Monat der Partei zuwende. Die eine Hälfte dieser Summe soll der Zentralkasse zufließen, die andere kommt den Föderationen zu gute.

Wien, 23. Nov. Das Herrenhaus macht Miene, die Wahlreform zu vereiteln. Es soll in die Vor­lage die im Abgeordnetenhaus crbgelehnte Pluralität cingefügt werden. Die Vorlage müßte dann an das Ab­geordnetenhaus zurückgereicht werden. Dort würde sie ent­weder verworfen, oder es würde bei einer neuerlichen Ab­stimmung die Pluralität angenommen. Im ersteren Falle müßte nach dem alten Wahlrecht, inr letzteren mit der Pluralität neu gewählt werden. In beiden Fällen aber wäre es mit der Ruhe in Oesterreich und im Parlament vorbei. Obstruktionen und Demonstra­tionen würden kein Ende nehmen.

Konstantinopel, 23. Nov. Durch eine Explo­sion wurde der Ches der Geheim Polizei Pebim, oer an der Stelle vorüberfuhr, ganz leicht verwundet. Bisher ist noch nicht aufgeklärt, ob die Bombe geworfen wurde oder ob sie beim Transport explodierte. Die Ex­plosion erfolgte nahe bei der armenischen Apotheke, wo zahlreiche Armenier wohnen. Eine Dlutspur führte zur Verhaftung eines Armeniers. Die Fenster der nächstge­legenen Häuser Nmrden beschädigt. In der Nacht fanden massenhafte Durchsuchungen von Häusern und Verhaftungen von Armeniern statt. Die Abreise mit den gestrigen Eisen- bahnzügen wurde schließlich fast völlig sistiert.

Aus S,aor uuo Ratto,

Gießen, den 24. November 1906.

*' Eine kleine interne Feierlichkeit spielte sich heute vormittag in den Räumlichkeiten des nahezu vollendeten Neubaues der Bn'ihlschen Universitäts-Druckerei ab. Seine Kömgl. Hoheit der Großherzog hatte geruht, dem seit dem 10. April 1871, also seit länger denn 35 i/i Jahren, in der Offizin deS Gießener Anzeigers als Tischler, Galvano­plastiker und Stereotypeur tätigen Herrn Georg Hoß das ,Allgemeine Ehrenzeichen für treue Arbeit" zum heutigen Festtage zu verleihen. Herr Hoß, geb. 1844 m Gießen, der Sohn eines selbständigen Gießener Tischler­meisters, war schon in früheren Jahren als Stütze feines Vaters, der stets die Tischlerarbeiten in der Brühlschen Druckerei auSführte, im Betriebe deS Gießener Anzeigers tätig. Sein nimmermüder Fleiß und seine unbedingte Zu­verlässigkeit veranlaßten den damaligen Besitzer der Brühlschen Druckerei, Pietsch, den wackeren jungen Mann ganz in daS Geschäft zu ziehen, und er hat in den langen Jahren seiner Tätigkeit, die von Jahr zu Jahr neue und größere An­forderungen an ihn stellte, als em Muster der Treue und An­hänglichkeit und der Arbeitsfreudigkeit sich gezeigt. Besonders ehrenvoll war c5 für H. Hoß wie für das Geschäft, in dem er tätig , daß der Herr Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert heute vormittag in Begleitung des KreiSamtSbiireauvorstehers Herrn Sch iffnie erschien, um in Gegenwart des gesamten zahlreichen Personals der Firma die ehrenvolle und wohl­verdiente Auszeichnung ihm mit kurzer, freundlich beglück­wünschender Ansprache zu überreichen, in der er aus führte, bas diese Auszeichnung zugleich eine Ehrung der ganzen Firma bedeute und der Hoffnung Ausdruck gab, daß eS ihm eine besondere Freiide sein würde, dieselbe landesfürstliche Auszeichnung recht oft noch Angestellten der Brühl'schen