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04/07/1906 Zweites Blatt
 
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Erscheint täglich außer Sonnlags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mir dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen« blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze 7, Redaktion 112

Verlag u.Exped.-LE51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Zweites Blatt

15(5. Jahrgang

Mittwoch 4. Jnli 1906

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

General-Anzeiger

Bezugspreis: monailicb7bPl.,viertel- jährlich Mk. 2.20; durch 2lbhole- u. Zwergstellen nwnallich 65 Pf.; durch die Post 9)112. viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich für den polit. und allqem. Teil: P. Witiko' für .Stadt und fianb* und Gerichtssaal*- Ernst Heß; für den An- zeigeirteil: Hans Beck.

Die Heutige Yumrner umfaßt 10 Seiten.

Hin Schalten der Kergangenyeit.

Man schreibt uns aus Paris:

Wieder beschäftigt man sich bei uns in Frankreich mit dem einstigen Kapitän der Artillerie Dreifus, um den bei­nahe ein Bürgerkrieg entstanden wäre. Es steigen Erinner­ungen an die alte Zeit in dem Gedächtnis der Mitwelt auf, und man gedenkt des schweigsamen, ernsten und überlegten Angeklagten von Rennes, gedenkt seines damaligen Vertei­digers, des untergegangenen Lab ort, gedenkt man Zolas, dem ein Stärkerer die Feder aus der Hand genommen, ge­denkt man des Obersten Picquard, des Generals Ater ei er, des Kriegsministers Zurlinden und all der Männer, deren Ramen damals Klang hatten. Nüchtern und farblos liegen die Meldungen vor uns, die einst ganz Europa aufhorchen ließen, es werden keine Memeide mehr geschworen, niemand schneidet sich mehr den Hals durch, und Esterhazy sitzt in irgend einem arnrseligen Londoner Winkel und bestätigt jedem, der es wissen will, daß er das Bordereau geschrieben hat und daß diecette Canaille de D. sich keinesfalls auf Dreifus bezogen haben kann, weilcette Canaille eben nicht zu den Manovern abging.

Es ist sonnenklar, daß Dreyfus seinerzeit daS Verbrechen nicht begangen hat, dessentwegen man ihn wie ein wildes Tier in Fesseln legte und nach der Teufelsinsel brachte. Er war der Sündenhock für einen anderen Verräter. So un­sympathisch dieser einstige Hauptmann aller Welt mit Aus­nahme einiger weniger Phantasten beim Renner Prozeß und nach dem Urteilsspruch und nach der Begnadigung erschienen ist, so unsympathisch mag er seinen nationalistisch gesinnten Kameraden gewesen sein. Er war Jude das machte ihn verhaßt. Er war Jude das hat ihn gerettet.

Zwer Dinge hat her Treysusprozeß in Rennes seinerzeit gelehrt: einmal die ungeheure Macht der Alliance Js- i aelite, die eine ganze Welt mit dein goldenen Zauberstab in Bewegung setzen kann, wenn sie will und wenn es sich um eines ihrer Mitglieder handelt, zum andern den Rück­gang des französischen Nationalismus, der sich mit der Affäre", wie sie lange Jahr schlechtweg hieß, das eigene Grab geschaufelt hat. Es ist nicht festzustellen, wer mit gewaltsameren Mitteln gearbeitet hat, die französischen Nationalisten oder die Alliance. Mer es muß gesagt werden: die Alliance hatte doch wenigstens das Recht für sich; es galt Klarheit zu schaffen, galt einen Unschuldigen dem Leben und der Welt und seiner Familie wiederzugeben. Und wenn die Alliance ihre Fäden im Geheimen spann, die Nationalisten schworen ihre Meineide in der Oeffentlich- keit, hantierten mit einer Ungeniertheit, die unbegreiflich erscheint. Wie unglaublich klang doch seinerzeit die Mel­dung von der ungeheuerlichen Beeinflussung der Richter in Rennes sie hat sich völlig be­wahrheitet.

Doch verweilen wir nicht bei diesen alten Geschichten. Der Dreyfusprozeß war eine öffentliche Krankheit, wie der Hexenwahn und der Flagellantismus. 9hm soll auch die letzte Schuld von dem Exkapitän genommen, soll Treyfus auch von dem Schein eines Verdachtes gereinigt werden. Das Kriegsgericht in Rennes hat ihn verurteUt, die Re­gierung begnadigte ihn sofort. Wer Gnade ist kein Recht, und der Exkapitän verlangte sein Recht, verlangte, daß man ihm die Achselschnüre wieder anheftete, die man ihm einst von der Uniform riß. Jetzt wird das Verlangen des schwer geprüften Mannes sich erfüllen, ob es bei dem neuen Prozeß mit ganz rechten Dingen zugccht, das freilich ist eine andere Frage, die wir glücklicherweise nicht zu ent­scheiden brauchen. Es würde auch sehr schwer sein, den loirklichen Tatbestand, der durch den Parteikampf verschleiert wurde, sestzustellen, da ja die Zeugen fehlen, wenigstens die Hauptzeugen. Aber es handelt sich auch kaum noch darum, Licht zu schaffen, sondern eben nur um die Rehabilitierung des Exkapitäns.

Daß diese Rehabilitierung jetzt ohne weiteres möglich erscheint, das zeigt das völlige Darniedcrliegen des Natio­nalismus'. Die Kreise, auf die der Name des Hauptmanns .einst gewirkt hat nne ein rotes Tuch auf ein bekattntes Tier, regen sich nicht mehr. Die Offiziere werden nichts daran finden, wenn der Kapitän wieder die Uniform seines Regi­ments trägt. So hat sich die öffentliche Meinung in sieben Jahren in Frankreich geändert. An die Stelle des natio­nalistischen und chauvinistischen Hasses ist das Republikaner- tum gerreten mit seiner starken sozialistischen Durchsetzung. Ein Bankmakler hat Kriegsminister werden können warum soll nicht ein Treyfus wieder Dienst tim? Tas ist der Lauf der Welt: Krieg um ein Phantom, Entfesselung aller Leidenschaften für und gegen ein Prinzip nach wenigen Jahren gehört die ganze Geschichte der Vergangenheit an. Und darum ereifert man sich . . .!

politische Tagösschart.

Der Zentrumsabg. Prinz Arenberg

rst in Norderney erngctrosfen und hat beim Fürsten Bülow tn dessen Villa zweifellos wohl auf besondere Einladung

- Wohnung genommen. Eine bedeutsame Nachricht! Die Namen Prinz Arenberg und Erzberger nebeneinander­stellen, heißt das Einst und Jetzt in der Stellung der aus­schlaggebenden Partei zur K o lo n ia l p o l i ri k kenn­zeichnen. Vom Prinzen Arenberg, dem Vorsitzenden der Abteilung Berlin-Charlottenburg der deutschen Koloninl- gesellschast, dessen Einfluß im Zentrum vor dem Auftauchen ocs Abg. Erzberger eine Mehrheit in der Fraktion für nichtige koloniale Forderungen zusammenbrachte, vom

Prinzen Arenberg, dem langjährigen Berichterstatter der Budgetkommission für den Kolon ialctat, hat man in der Oeffentlichkeit seit geraumer Zeit nichts mehr gehört. Er war bedenklich erkrankt und infolgedessen gezwungen, dem Reichstag fernzubleiben. Ob der Regierung die schweren Niederlagen im Parlament Reichskolonialamt, Eisen­bahnbau, Farmerentschädigung erspart worden wäre, wenn Prinz Arenberg seinen Einfluß hätte geltend machen können, diese Frage ist schwer zu beantworten. Hatte doch selbst ein so besonnener Atann, wie der Zentrnmsführer Dr. Spahn, der anfänglich gegen die Richtung Erzberger Stellung nahm, am Ende von der oppositionellen Ström­ung sich fortreißen lassen. Ter Unmut im Zentrum war eben unaufhaltsam gestiegen, wozu die nicht gerade ge­schickte Taktik der Regierung ihr Teil beitrug. Jetzt be­ginnt ja die Spannung nachzulassen, Fürst Bülow hat Untersuchung und Säuberung im Kolonialamt in die Wege geleitet, und daß dabei gründlich verfahren wird, ist ersichtlich aus der Meldung derVoss. Ztg.", weitaus der größte Teil der Räte der Kolonialabteil­ung werde aus derselben a u s s ch e i o e n. Eine Radikal­kur, wie man zugeben muß, noch nicht dagewesen im deut­schen Vaterlande, schmerzhaft und keingtuhmesblatt" sür die Beamtenschaft. Hoffentlich verjagt das Ergebnis des gegen den Bieberacher Wzeiger von der Kolonialverwal- tung angestrengten Prozesses das letzte bedrohliche Gewölk. In der öffentlichen Meinung ist bereits eine Gegenströmung gegen das Verdächtigungssystem Erzberger und seiner Mit­arbeiter im Anzuge, auch linksstehende. Zeitungen wenden sich gegen das beschämende Wühlen in Skandalgcschichten. Hoffentlich wird bei dieser Sachlage das Beisammensein des Fürsten Bülow mit dem Prinzen Arenburg zum Vor­boten einer neuen, aus uneingeschränktes Vertrauen zwi­schen Regierung und Volksvertretung sich gründenden Aera. Möge die Brandung den am Strand von Norderney Wan­delnden nicht von neuen Konflikten zuraunen, sondern möge sie verhallend murmeln von ohne Wiederkehr ge­wesenendie Brandung, von den Rosen der Abcndgtut bestreut"!

Die chinesische Regierung

läßt cs bei keiner Gelegenheit an feierlichen Versicherungen fehlen, daß sie handelspolitisch mit allen Staaten in an» genehmen Beziehungen zu leben wünscht, und demgemäß auch die Interessen der internationalen weißen Kaufmannschaft ge­bührend berücksichtigt. Das ist die Theorie. In der Praxis fühlen sich jetzt englische, deutsche und amerikanische Kaufleute zu Beschwerden an die Pekinger Regierung veranlaßt wegen Begünstigung der japanischen Ware nein fuhr in die Mandschurei, wodurch derfreie Wett­bewerb unmöglich und dieoffene" Tür illusorisch gemacht werde. DieRationalztg." sieht hierin einen Keim zu ernsten Differenzen, es ist indessen wohl anzunehmen, daß, wenn die Sache in diesem Sinne sich entwickeln sollte, die Japaner Sorge tragen werden, einen Keil zu treiben in die Einigkeit der Weißen. Aus den Erfahrungen mit dem Konzert der Mächte" bei den Wirren des Jahres 1900 wissen sie, wie leicht eine internationale Aktion zu durch­kreuzen ist, und die Chinesen wiffen es ebenfalls. Es gibt eben eine Regierung, die stets geneigt ist, in Ostasien als Außenseiter" sich zu betätigen: die Washingtoner. Nun sollen zwar, wie gesagt, auch amerikanische Kaufleute sich beschwert haben über die handelspolitische Bevorzugung Japans in der Mandschurei. Doch damit dürfte sich die Pekinger Regierung in der bewährten Weise abfinden, indem sie die Bemänge­lungen und Abänderungsvorschläge zur Kenntnis nimmt und zu den Alten legt. Mittlerweile gibt Japan, unter dessen nicht abzuweisendem Druck China handelt, in Washington geeignete Erklärungen mit dem verbündeten England wird sich'eine Verständigung noch leichter erzielen lassen, obwohl die Londoner Presse fürs erste eine scharfe Sprache führt, und die Sache ist zur allgemeinen Zufriedenheit in dem Sinne erledigt, daß die Gelben einen Konflikt mit den Weißen in ihrer Gesamtheit nicht mehr zu besorgen brauchen, da von den Beschwerdeführern allein Deutschland übrig bliebe, zu dessen erneuter Isolierung man sich bann wohl mit viel­sagendem Lächeln beglückwünschen wurde.

Solche Gedanken werden nahegelegt durch die noch im laufenden Monat fällige Reise eines der gewandtesten japan. Diplomaten, des Barons Komura, über Amerika nach England, wo er als neuer Botschafter in London sich vorstellen ivird. Bei seinen Konferenzen mit den amerifan. Staatsmännern bleibt die handelspolitische Situation und Entwickelung in Ostasien sicherlich nicht unerörtert, und in diesem Zusammenhang erscheint die Erinnerung zeitgemäß, daß die Unterstellung, der Boykott amerikanischer Waren durch die Chinesen sei von deutscher Seite angestiftet, in der japan. Presse aufrechterhalten wird.

Tie Mandschurei bedeutet die erste Etappe auf dem kommerziellen Siegeszug Japans durch das ostasiatische Fest­land, und deshalb ist die gegenwärtige handelspolitische Streit­frage auch für Deutschland von Belang, wenngleich die Mand- schurei als Absatzgebiet für deutsche Waren weniger in Betracht kommt. Der Tag ist vielleicht nicht mehr fern, an dem der internationale wirtschaftliche Wettbewerb im fernen Osten verschärfte Formen aunimmt. Es erscheint nach alledem fraglich, ob ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und China zusiande kommt, zu dem die Vorverhandlungen bereits eingcleitet sind. Von deren aussichtsvollem Fortschreiten hat bisher nicht das mindeste verlautet.

Tie Haltung des sozialdemokratischen Parteivorstandes, besonders Bebels, m der M ässe n streirfrage hat nicht nur sachliche Bedeutung, sondern zwingt auch mit Bezug auf den persönlichen Charakter dcS Parteiführers zu Schlüssen, die das sonst von ihm herrschende Bild in wesentlichen Zügen verändern.

Die Erklärung des Parteivorstandes enthält die be=t zeichnende Stelle:

Als dann aber dieEinigkeit" durch ihre Jndis-, kretion und ihre Angriffe auf Bebel die Angelegenheit in die Oessentlichkeir vrachte, war dieser gezwungen, aus der Reserve herauszutretcn und so wie geschehen zu ant­worten."

Diese Worte passen zu der sonst von Bebel immer an sich und an der Partei gerühmten Offenheit und ihrem Mute gegenüber der Kritik der Gegner wie die Faust aufs Auge. Der Tapfere erweist sich als Bramarbas.

Das ganze Verhalten Bebels in der Frage des Massen­streiks enthüllt Doppelzüngigkeit. Nach außen, gegen das Gros der Parteigenossen, spielte Bebel die Nolle des eifrigen Propagandisten für den Massenstreik. Im kleinen Zirkel' aber vertritt er den Standpunkt, daß die Partei den Streik nicht bloß nicht fordern dürfe, sondern sogar zu verhindern suchen müsse. Allem Anschein nach hat schon die Rede Bebels in Jena sich nicht mit seiner wirklichen Auffassung gedeckt, sondern es handelte sich um ein Brillantseuerwerr, bei dem eineVKanonade vorgetäuscht wurde.

Noch an eins sei zur Charakteristik Bebels erinnert. Herr Kollmann hat fein Vermögen, das mehrere hundert­tausend Mark betrug, Bebel vermacht, der sich im Reichstag seiner angenommen hatte, und Bebel hat davon bekanntlich den größeren Teil für sich behalten. Bebel sagt, Kollmann sei ein politischer Gegner gewesen und habe ihm das Ver­mögen zum Dank für gute private Ratschläge vermacht. Wenn Kollmann den Rat Bebels so hoch bewertete, so spricht dies für die behauptete Störung feiner geistigen Kräfte. Wahrscheinlich ist allerdings, baß dieGegner­schaft" sich auf ein Nichtaussprechen der Anhängerschaft beschränkt und daß Kollmann das Vermögen der ihm in mancher Hinsicht sympathischen Partei vermachen wollte. Als den dlögg. Eugen Richter und Albert Hänel im Jahre 1884 ein Parteifreund eine Summe von, irren wir nicht, zirka 100000 Mark testamentarisch vermachte, haben diese beiden Manner sich keinen Augenblick besonnen, das Geld in den Parteifonds abzuführen und es ist nicht einmal viel Aufhebens von der Angelegenheit gemacht worden. So handelten Richter und Hänel; Herr Bebel aber handelt anders!

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. Juli 1906,

" DaS Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Arheilgen, Wilh. Benz IV., Heinrich Repp, Karl Günther, Peter Kunz II., Philipp Stun3 I., Peter Weigand II., Jak. Hechler L, Philipp Nebelacker, Peter Lücke r IV., Hch. Schunk, Gg. Haller, Phil. Ruhl I., Gg. Wagenknecht.

** Heb ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Otto Rceg aus Neu-Jsendurg eine Lehrerstelle an der Schule zu Gustavsburg, Gemeinde Ginsheim.

** 2 4 süddeutsche Handelskammern, darunter die in Darmstadt, Frankfurt a. M., Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Offenbach a. M., Straßburg i. E., Stuttgart, Wiesbaden, Ludwigshafen und Worms, haben soeben eine geharnischte Erklärung gegen die Schiffahrtsabgaben er­lassen.

** Der Turnverein Gieß en begeht, wie bereits früher mitgeteilt wurde, sein 60jähriges Jubiläum in den Tagen vom 4. bis 6. August aufOswalds Garten". In­folge vertraglicher Uebcrcinfimft mit der Leitung des Lahntal­sängerfestes werden die Festbauten auch für daS Turnvereins­jubiläum Verwendung finden. Das bis jetzt vorgesehene Programm läßt ein schönes Turn- und Volksfest erhoffen, und insbesondere dem turnerischen Teil darf mit großem Interesse entgegengesehen werden. Ein farbenreiches Fest- spiel wird die Geschichte der Leibesübungen in Deutschland vor Augen führen und insbesondere den aktiven Turnern des Vereins Gelegenheit bieten, ihr turnerisches Können zu zeigen. Ein Musterriegen-Wetturnen wird für die Turner des Gaues Hessen stattfinden, während für die übrigen auswär­tigen Turngäste ein Riegenturnen außer Wettbewerb vorge­sehen ist. Die von den Vereinsdamen gestiftete neue Vereinsfahne wird infolge der von S. K. H. dem Groß­herzog erteilten Erlaubnis u. a. das hessische Wappen tragen, eine Auszeichnung, die bis jetzt in Hessen noch keinem Turn­verein verliehen wurde.

** Verkauf der Solms-Braunfelser Gruben im Kreise Wetzlar. Der Vormund des minderjährigen Fürsten Georg Friedrich Solms-Braunfels hat für den Fürst­lich Colms-Braunfelsschen Grubenbesitz die Offerte der Firma Sirupp (sechs Millionen 9)1 arf) angenommen. Die Eisenwerke Buderus hatten nur 5s/4 Millionen geboten, während das Konsortium Deutscher Kaiser und Schalter Grubenverein feine geringere Offerte nicht iveiter verfolgt hat. Die Bieter gaben ihre Höchstgebote geheim ab, d. h. feiner wußte, was der andere geboten hatte. Nunmehr ist noch die Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes und die Zustimm­ung der Agnaten erforderlich, um den Kauf perfekt zu machen. Ein Teil der Agnaten kam am Samstag im Plenarsaal des Franks ' ter Oberlandesgenchts zu einer vorberatenden Sitzung