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4.4.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 80

trfdietnt tLgktch außer SonnragS.

Den, Gießener'Anzeiger werden im Weclncl mit dein ff ej fischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal tu der

Woche beiqdcflL

Rotationsdruck il Ver- Icq der Brüh l'lchen Unwen.-Buch-u. Stern- bmcfpret. 9t. Longe. Rebaknon. (Srpeoitixm und Druckerei:

Echulstrabe 7, Redaktion 113

Verlag u.Erveb.e^H-51 Lldreße für Teoeicken:

Rn-eiger «ießen.

Erstes Blatt 156. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger w -66/

Amts- und Anzeigeblatt für den Mets Gießen

Are Heutige Plummer umfaßt 12 Seiten.

Minister von KuSde.

Eine in hohem Maste bcforgniScrregenbe Verschlim- m c ru n g ist in dem Befinden des feit fast einem Jahre schrnerkranken Ministers der öffentlichen Arbeiten einge­treten, die leider eine ganz nabe bevorstehende Katastrophe wahrscheinlich macht. jixn: v. Budde hatte sich im Sommer vorigen Jahren einer schweren Operation unterziehen müsjen, die indessen, was den beteiligten Aerzten vorher bekannt war, eine Heilung des Patienten nicht herbeisichrcn tonnte, da der Minister an Krebs leidet. Herr v. Budde ist sich der Unheilbarkeit seines Leidens nicht beivußt, er erledigte bis in die letzten Tage mit bewunderungswür­diger Energie alle wichtigen Arbeiten seines RessortS und arbeitete u. a. an großzügigen Tarifreformen und an um­fassenden Maßnahmen zur Erhöhung der Betriebssicherheit der Eisenbahnen. Tas Hauptaugenmerk richtete Herr v. Budde, der zweifellos einer der tüchtigsten preußischen Eis-'nbahuminister gewesen ist, aus die Berücksichtigung der strategischen Bedeutung der Bahnen, wobei ihm seine Tätig­keit tut Großen Generalstabe, sowie auch als Chef der Eisendahnabteilung im Kriegsminifterium sehr zu statten kam. Auch schon bei seinem Eintreten für die Kanalvorlage hatte er ja mehr den strategischen Wert der geforderten Wasserstraßen im Auge. Die Verabschiedung des stark ver- stammelten Gesetzes brachte ihm die Verleihung des Echlvarzen Adlerordens nickt gerade zur Freude älterer Miuisterkollegen, die noch nicyt im Besitze dieser ljöchsten preußischen Dekoration sind. Kaiser Wilhelm hat besonders viel von Herrn v. Budde gehalten und verkehrte auch gern im Hause des Ministers, dem in der letzten schweren Zeit seine anmutige Gattin, die man in Berlin die schönste der .. . .;iiftcrfrauen nennt, aufopfernd zur Seite stand. Drei Kinder in jugendlichem Alter gaben dem glücklichen Fa- milienleben Inhalt und Freude. Die lange Krankheit des Ministers und der in letzter Zeit leider zur traurigen ( ewißheit gewordene bevorstehende Ausgang seines Leidens hoben naturgemäß zu der Notlvendigkeit geführt, an einen hfolger aus seinem wichtigen Posten zu denken. Man glaubte eine zeitlang, aus einen Militär verzichten zu können, weit Herr v. Budde in strategischer Hinsicht auf Jahre hinaus alles getan hat, was überhaupt zu tun ist, während mim sich von der Tätigkeit eines besonders begabten Tech- : :'.> Gutes Versprach. Augenblicklich scheint man aber doch lutcber mehr an einen General zu denken. Wie dieN. G. C." hört, werden als Kandidaten genannt General- leutnant v. Beseler, Chef des Ingenieur- und Pionier- lorps, Generalleutnant z. T. v. Schubert, der früher c' '.ifdll» den Verkehrs truppen an gehörte und zuletzt die Eist'nbcchnbrigade kommandierte.

eneralieutnant v. BefEler, ein Bruder des (noch nicht nooilttierten) Justizministers, ist einer der hervorragendsten Offiziere des Heeres. Er kam bereits für die Nachfolge des Grasen Schliessen als Chef des Generalstabes der Armee ernstlich in Betracht, ist von eminenter Arbeitskraft und stirer, aber leidenschaftlicher Betätigung für die Sache, in seiner Art, sich mitzuteilen, bagegen äußerst zurück­haltend.

Generalleutnant Konrad v. Schubert hat eine vorzügliche Karriere gemacht, wobei mit ins Gewicht fiel, haß er ein Schwiegersohn des Freiherrn v. Stumrn-Halberg ist. Den Adel erhielt er erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit. Exzellenz v. Schubert war schon als Nachfolger des Ministers v) Thielen in Aussicht genommen, solange noch zweifelhaft war, ob Herr o. Budde ferne glänzend dotierte Stellung als General­direktor der Loeweschen Waffcnfabriken gegen ein Minister­portefeuille vertauschen würde. General v. Schubert ist zurzeit Mitglied des Hauses der Abgeordneten.

Als dritter des mit ihm aber noch nicht geschloffenen Kreises der Kandidaten wird der Landrat des Kreises Teltow v. St üben rauch genannt, der bei seinen Vorgesetzten, bis zum Kanzler hinauf, einen großen Stein im Brett hat und beim Kaiser sehr beliebt ist. Es werden indessen sicherlich bis zur Stunde der Entscheidung noch mehr Kandidaten auf= tauchen. _____________________________________

Aus Südwestasrita.

Wenn es zutrifft, daß die Regierung die durch den Krieg geschädigten Farmer d w e st a f r i ka s in vollem Umfang schadlos halten und zu diesem Zweck dem Reichstag im Mui eine Nachtragssord erung von 10 Millionen Mark unterbreiten will, so liegt hier eine Eenderung des Regierungsstandpunktes vor. Herr Tr. Srübel wollte den Farmern nur eine teilweise Entschädigung zubilligen, weil ein rechtlicher Anspruch auf Schadloshal- tuug nicht besteht, und dieser Auffassung pflichtete der Reichstag bei. Als Höchstbetrag der noch zu erwartenden Au'.vendungen zugunsten der Farmer wurden damals von der Regierung 6 Millionen genannt. Tas Zentrum wird kaum geneigt sein, die volle Entschädigung zuzugestehen. Avg. Erzberger, der einen gewissen Einfluß in der Partei erlangt hat, wollte schon damals die Entschädigungsfrage abgeschlossen wissen, während Llbg. Dr. Spahn einen wohl­wollenderen Standpunkt vertrat.

Ueber den Ueberfall auf den Transport des Leutnants Keller sind nähere Berichte eingegangen. Dar­nach wurde der Ueberfall von einer etwa 100 Mann st arten Hottentottenbande ausgeführt. Der an der Spitze reitende Offizier und 10 Reiter fielen sofort. Die sechs liebe rieb enben unterhielten ein Feuergefecht bis zum Abend, konnten jedoch nicht verhindern, daß die Bespannung und der Wagen abgetrieben wurden. Am nächsten Morgen er­neuerten die Hottentotten ihren Angriff, doch,

kurz darauf traf eine Abteilung des Hauptmanns von Rappard auf dem Gefechtsfelde ein. Der Gegner war hier­durch völlig überrascht und zog ab. Sechs tote Hottentotten und zahlreiche Blutspuren bekundeten die feindlichen Verluste.

Kolouialdebatlen im englischen Unterhaus.

London, 3. April.

In Beantwortung einer Anfrage, in der die Abhal­tung von Konferenzen zwischen den Gouverneuren Deutschlands, Englands und Frankreichs in Westafrika zum Zwecke der Verhinderung der Einfuhr ton Waffen und Spirituosen und zwecks Abschaffung der Sklaverei angeregt wurde, erklärte der Unter­staatssekretär der Kolonien, Churchill, die Gouverneure der englischen Kolonien in Westafrika seien bei verschiedenen Gelegenheiten mit den deutschen und französischen Gow- u ein euren zusammengekommen, um Angelegenheiten von gemeinsamen Interessen, inie es die erwähnten sind, zu besprechen. Tie Zusammenkünste hätten sich als sehr vor­teilhaft erwiesen und die britische Regierung erhoffe, daß sie auch fernerhin von Zeit zu Zeit stattsindeu werden. Cathcart-Wason fragt an, ob es angesichts der Tatsache, daß England, Deutschland und Frankreich die Gebiete in West- asnka zur Ausbreitung der Zivilisation in Besitz genommen haben, möglich sein würde, falls es in Europa zu Feind­seligkeiten kommen iverde, durch Vertrag zu verhüten, daß diese Feindseligkeiten nach Westafrika übergreifen. Ter Staatssekretär des Auswärtigen, Grey, erwiderte hierauf:Ich fürchte, daß es nicht möglich ist, durch einen Vertrag eine Sicherheit dafür zu erlangen, daß irgend ein Gebiet einer kriegführenden Macht durch den Krieg nicht in Mitleidenschaft gezogen würde. Es ist zu hoffen, daß diese Erwägung jede Station dahin beein­flussen wird, daß sie,beim Frieden bleibt." In Beantwor­tung einer anderen Anfrage erklärt Grey, die Truppen des ftoiigoftaateS hielten noch einige Häfen des Distrikts Bahr-el-Gazal besetzt. Mit der Kongoregierung wurden gegenwärtig Unterhandlungen gepflogen.

gtuijiauo.

Petersburg, 3. April. DieRußkoje Gossudarest- wo" erklärt die Meldung des BlattesRuß", nach welcher die Leichname des Leutnants Schmidt, sowie der drei erschossenen Matrosen ausgegraben und ins Meer ge­worfen worden seien, für unrichtig.

Petersburg, 3. April. TiePetersb. Telegr.-Ag." veröffentlicht folgende Meldungen: Moskau: In einer lebendigen Hecke bei einem Haufe in der Tonstraße wurden heute zwei Bomben entdeckt. Mitau: Mit Re­volvern bewaffnete Räuber überfielen heute die Station Pfalzgraben und bemächtigten sich der Kaffe. Riga: Heute wurde in dem F^) r t Ust - Twinsk der Urheber eines gegen höhere Polizeibeamte in Libau gerichteten An­schlages hingerichtet. Torpat: Die Provinzialbehörde bat angeordnet, daß in die besondere Kommission, die oeauftragt ist, eine Anzahl von lokalen Reform-Pro­jekten unter Leitung des stellvertretenden Gouverneurs auszuarbetten, zwei bäuerliche Vertreter gewählt wer­den sollen. Tiflis: Sechs bewaffnete Leute griffen gestern in der Nähe von Tiflis einen Postwagen an, töteten den Postillon und den Kutscher und ver­wundeten den Wachmann, der die Post begleitete. Die Post blieb unversehrt. Die Räuber werden verfolgt.

Moskau, 3. April. Bei den Vorwahlen für die Klaffe der städtischen Wähler des Moskauer Kreises erfocht die konstitutionell-demokratische Partei einen glänzenden Sieg. Sämtlich? 8 Wahlmänner gehören dieser Partei an.

Odessa, 3. April. Der Ministergehilfe Iswolsky kommt hierher, um die Tätigkeit der Rektoren und Pro­fessoren der Universität wegen der Oktober-Vorgänge zu untersuchen. Die Lehrer werden angeklagt, einen be­waffneten Aufstand veranstaltet zu haben.

Riga, 3. April. Der livländische Landtag be­schloß, in Birkenruhe bei Wenden ein klassisches Gymnasium mit deutscher Unterrichtssprache zu gründen. ___________

Ausland.

Haag, 3. April. Der hiesige Korrespondent derFrkf. Zig." meldet, daß Rußland heute den Mächten das Pro­gramm der zweiten Friedens-Konferenz überreicht hat. Die Konferenz findet in der zweiten Hälfte des Juli statt. Das Programni ist ziemlich allgemein gehalten.

Paris, 3. April. Königin Alexandra von Eng­land ist gestern über Calais in Pans eingetroffen und so­fort nach Marseille weiter gereift. König Eduard hat Biarritz verlassen und reift mittelst Separatzuges nach Marseille, wo das Königspaar sich trifft und an Bord seiner Yacht sich begeben wird.

Im Ministerrate teilte Bourgeois mit, daß er im Namen der Negierung an RLvoil ein Glückwunsch­telegramm richtete. Der Ministerrat billigte einstimmig das Vorgehen des Ministers des Auswärtigen. Barthou be­richtete sodann über seine Reise nach dem Departement PaS de Calais und skizzierte seine Antwort auf die Inter­pellation Basly belr. die Katastrophe in Courri er es. Kriegsminister Etienne wird in der Kammer zur Kenntnis bringen, daß die Regierung bereit ist, eine Reform der Kriegs­gerichte zu beraten, dahin gehend, daß die Kriegsgerichte ihre Enlfchcidungen zukünftig werden begründen müssen.

Nom, 3. April. (Kammer.) Auf Anfrage erklärte der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Discalea: Die Nachricht, ,Deutschlar^> erhielt besondere Konzession

Mittwoch 4. April ISO«

VezagSpretSr

monallich75Pi., vieriel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigüellen monatlich 65 Pi.; durch diePosl 'Dir.2. vienel- jährl. auSschl. Bellellq. Annahme öos Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenvreiS: lokal 12'ßfN auswärts 20 Big.

Verantwortlich <ür d?n oolit. und allgem. Teil: B. Wittko, *ür .Stadt und Land' und .Gerichtsjaal'. Ernst Heß, für den An­zeigenteil: Hans Beck.

von der Pforte zum Fischen von Schwämmen und setzte eine wissenschaftliche Expedition nach Tripolis mS Wdrk", ist vollkommen unbegründet.

Der flüchtige ehemalige Unterrichtsminister Nasi ist in seinem alten Wahlkreise Trapani wieder einstimmig zum Abgeordneten gewählt worden. Nasi wird be­kanntlich wegen großer Unterschlagungen im Ministerium ge­richtlich verfolgt.

Washington, 3. April. IM Reprasentanten- häufe brachte Davison einen Antrag ein, nach dem der Ausschuß des Repräsentantenhauses für Mittel und Wege während der Parlamentsferien über die Verhältnisfe des Handels zum Zwecke einer Revision deS Zolltarifs eine Untersuchung anstellen soll.________________________

Das Unglück von (LourriöreS und die französischen Ausstände.

Paris, 3. April. In der heutigen K a in m e r s i tz n n g brachte Basly, der zugleich Bürgermeister von LenS ift, feine bereits angemeldete Interpellation übet daS Gruben­unglück t u Courtieres em. Et jagte, daß die Feuersbrunst infolge der Nachlässigkeit der BergwerlsgeseUjchast ausgcbrochen sei, die zugelassen habe, dajz sich altes Holz in der Grube ait> sammelte, anstatt dieses zu Tage zu fördern. Er machte der Ge- jellfchait den Vorwurf, daß sie die Arbeiter habe emjahren lafjen, bevor die Feuersbrunst gelöscht gcrrejeu sei. Der Bericht der dele­gierten der Bergarbeiter fah btefe Gefahr voraus, aber die Gesell­schaft trug dem feine Rechnung.

2 ens, 3. April. Die Nachforschungen in der Grube S a l l a u m i n c s wurden auch in bet letzten Nacht und heute morgen unter der Leitung von Ingenieuren sottgejetzt. Sie er­gaben jedoch fein Resultat, da feine lebenden Wesen durch die Rettungsmannschaften angeirofsen worden sind. Die Ingenieure fanden, dag die Galerien dieses Teiles des Grubengebteles erheblich Itävfer durch bie Explosion gelitten hatten, alS in Schacht 3. Tie Leicheti, die in diesem Teile des Bergwerkes gefunden wurden, waren sämtlich schrecklich verbrannt. Tie Bevölkerung von Sallau- mines ist noch immer sehr aufgebracht gegen die Ingenieure, sammelt sich an den^ Einfahrten der Schächte an und veranstaltet Kundgebungen. In Schacht 2 bei Billy-Monngny ist man mn dem zutage Fördern verbrannter oder überhitzter Kohlen beichäsugt, beten Fortschaffung fast beendigt ist. dre Ingenieure bejchä'ugen sich mit der Frage, ob sie nicht von neuem den Kampf gegen den Branbhetb in den zerstörten Galerien auszunehmen haben werben, in bie man wegen bet Ansammlung von (Sojen noch nicht ge­langen tarnt. In bet 30 'Meter-Galerie ist man nut ber Aus­besserung ber Holzverschalung beschäftigt, um leichter bie Leichen, Die man in Schacht 3 gchtnben hat, zutage fördern zu können.

Tte Zahl ber ausständigen Bergleute beträgt heute 43 619 Mann, bie Zahl ber arbettenben Bergleute 10 607 Mann.

Die heute Vormittag erfolgte Verhaftung von sieben M a n i f e st a n 1 e n riet unter ben Ausständigen eine Erregung hervor. Eine kleine Barrikade von Steinen, die sie errichtet hatten, würbe von Genbarmen und Militär wieder beseitigt. Nach Ver­treiben von der Barrikade sammelten sich d:e Ausständigen wieder an, um zum Bürgermeister zu ziehen und die Freilassung ihrer Kameraden zu fo bern. Ter Bürgermeister telegraphierte darauf an den Staatsanwalt von Bethune und ersuchte ihn, die gegen die feftgenommenen Ausständigen erhobenen Anschuldigungen genau zu prüfen. Infolge des Kohlenmangels beginnt man in Lens und Bethune, bie Koks-Bereitung einzu st eilen.

Aus unö Land.

Gießen, 4. April 1906.

Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde berfür ben minderjährigen Grafen Georg Friedrich zu Solrns-Laubach von der Gräsin Mutter auf bie 1. Lehrerstelle an ber Ge°- rneinbeschule zu Laubach präsentierte Lehrer Lnbwig Döll zu Melbach. Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gerneindeschiile zu Dietzen­bach. Mit ber Stelle kann ein Teil des Orgamstenbienstes oerbunben werden.

* Zu welchen Folgen ein Zuvielfordern von Zeugengebühren führen kann, zeigt folgender Fall: Ein junger Arbeiter aus Steinberg war von dem Großh. Unter­suchungsrichter hier zu Steinberg vorm. 11 Uhr als Zeuge vernommen worden und verlangte 4 Mk. Zeugengebühr für ben ganzen Tag, da er einen Ersatzmann habe einstellen müssen unb am Nachmittag nicht mehr arbeiten könne. Diese gleich unwahrscheinlichen Angaben stellten sich bei näherer Oiachfarschung als unwahr heraus unb ber Arbeiter hatte sich gestern vor dem Großh. Schöffengericht Gießen wegen Be- trugsoersuchs zu verantworten. Er würbe für schulbig erkannt unb in eine Ge'lbstrafe von 15 Mark, eoent 3 Ta ge Gefängnis verurteilt.

"Vortrags-Abende. Unter vorgesetzter Bezeich­nung hat die rühmlichst bekannte Klavierlehrerin Fräulein Emma Sander am letzten Samstag unb Sonntag zwei interessante musikalische Abende veranstaltet. Konnten diese auch als Abschluß eines verflossenen Schuljahres gelten, so unterschieden sich dieselben jedoch von den »jetzt üblichen, sehr gutziiheißenden musikalischen Prüfungen. Es wurden nicht lediglich Schüleroorträge geboten, sondern Irl. Sander selbst und einige Tarnen, bie wohl bereits früher ihr musika­lisches Abiturlentenexamen abgelegt, hatten sich in ben Dienst ber schönen Sache gestellt. Dadurch gestalteten sich die Abende vielseitiger, anregender für die Hörer, und Gesangs-, Jnstrumentalvorträge, letztere auch aus 2 Clavieren ausgeführt, erschienen in angenehmer Abwechselung. Recht beachtens­werte Leistungen wurden dabei geboten, aber selbst bie be­scheidensten brachten ein Abgerundetes auf ihrem Gebiete. Den schönen, iveichen Anschlag, das geistig Erfaßte ber gestellten Aufgabe, Vorzüge, bie die Lehrerin auszeichnen, hatte biefe mit päbagogischem Geschick auf ihre Schüler übertragen. Darum kargten benn auch die Hörer nicht mit ihrem Beifall