Ausgabe 
3.5.1906 Zweites Blatt
 
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Nach der Maifeier in Frankreich.

Paris, 2. Mai.

Man wird sich im Zager derRoten" wohl kaum einer Täuschung darüber hin geben können, daß eigentlich die ganze wob l v o r B er c itc t c Mai-Demonstration wirkungslos verpufft ist. Die paar tausend .Hasen - firße, welche eine zweite Kommune befürchteten und .Hals über Kopf aus Par io entflohen, hätten ruhig zu Hause bleiben können. Tic Zahl derer, bereit Verhaftung auf­recht erhalten wurde, beläuft sich auf 173. Davon sind 35 vorbestraft und 50 Ausländer, welche sofort ausgewicsen werden . Tie Zahl der verwundeten Polizeiagen- ten beläuft sich auf 13. Eiu Polizeiinspekteur und drei Munizipalgardisten wurden gleichfalls verletzt. Ter Zustand des Politzeiinspekteurs, der am Auge verletzt wurde, gibt zu Besorgnissen Anlaß. 12 verhaftete Kund geb er finb gleichfalls verwundet und befinden sich in Verpflegung. Kurz nach Mitternacht verursachte eine Anzahl Personen eine neue Kundgebung. Die Polizei schritt ein, worauf auf sie geschossen wurde. Ein Polizist wurde verwundet, drei Kundgeber ebenfalls verletzt. Streikende zertrümmerten einen Kiosk und zerschlugen die Umzäunungen der Baume.

Viele Arbeiter beabsichtigen heute abend die Arbeit nach Verlauf von acht Stunden zu verlassen, und die Arbeitgeber sind entschlossen, diese Arbeiter nicht wieder einzustellen. Mehrere große Arbeitersyndilate haben für heute den Genc- valausstand beschlossen.

Die Komplottangelegenheit beschäftigt noch immer die Behörden und die Presse. Das BlattRcpn- blique" berichtet, der Kriegsminister habe den Befehlshaber das 6. Armeekorps aufgefordert, den General Riel über seine politischen Beziehungen zum Gr afen Beaure­gard zu befragen. Das BlattLanterne" versichert, daß beim Owafen Beauregard eine Korrespondenz zwischen ihm und Niels beschlagnahmt worden sei. In dem einen Brief erhält General Niels Kenntnis von dem Wortlaut eines Vortrages, den der Graf Beauregard hälten wollte und in welchem die Wied er aufrichtun g des Kaiser­reiches mit allen Mitteln angestrebt werden sollte. General Niels beglückwünschte den Wortlaut des Vor­trages. Es wurde nodi hin zu gefügt, daß ev. eine Volks­abstimmung durch einen Gewalt st reich ver- ursacht werden müßte, damit Pr i n z D i kt o r Na p o l e o n zum Kaiser der französischen Republik ernannt werden könne.

Russisches.

Ein kaiserl. Ukas, betreffend die V e r s e tzun g des Grafen Witte in den Ruhestand, soll heute, Donnerstag, nach offiziöser Petersburger Meldung, veröffentlicht werden. Als Nachfolger Wilte's bezeichnet man in gut unterrichteten Kreisen heute nur Goremykin. Man glaubt, daß dieser die Politik Wfttc's fortsetzen werde. Witte genießt nach 'wie vor das volle Vertrauen des Kaisers und tritt lediglich wegen Störung seiner Gesundheit zurück, die durch die außerordentliche Arbeitsüber­lastung hervorgerusen" ist. Er hat sich jetzt entschlossen, sich Ruhe zu gönnen, da er nicht imstande ist, sich neuen Anstreng­ungen zu mrteräehen.

Die Demission ist veranlaßt durch den Gegensatz der Politik des Ministers des Innern Durnowo zu der des Grafen Witte. Insbesondere ist dieser mit der Zusammenstellung der neuen Reichsgrundgesetze durch Durnowo, die zum großen Teile das kaiserl. Manifest vom 17. Oktober illusorisch machen, nicht cin- verstanden.

Die Petersburger Sicherheitspolizei kennt nicht den Aufent­haltsort Gapons, hat aber Grund anzunehmen, daß er lebt und sich in Finland aufhält.

Aus Kiew wird gemeldet, daß in der Wohnung des Klein­bürgers Rjabow eine Haussuchung stattfand. Als nach langem Klopfen endlich 'geöffnet wurde und Gendarmen inib Sckmtz- laute eintraten, fielen seitens der Bewohner Schüsse. Eine Frau warf eine B-o m b e. Durch die Schüsse wurden ein Gendarmerie- vffizier und ein Schutzmann verwundet. Von den verhafteten zwei Frauen ist eine die Tochter des Leutnants Schmidt.

In Siedlee wurde eine Bombe in der Näh« des Ge­bäudes der Kreditgesellschaft geworfen, in welchem die Duma- wahlen statffindcn sollten. Die Urheber des Anschlages, zwei Juden, wurden nach einem Z-euergefeckt mit den Wächtern ver- hastet. In Dwinsk wurde m der Realschule eine Bombe geworfen, durch welche ein Schüler schwer und mehrere leicht verletzt wurden.

Neue Verluste in Südwestafrika.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Der int Gefecht bei Witmund am 20. April verwundete Leutnant Friedrich Schlüter, geboren zu .Hannover, früher Ins.-Regt. Nr. -12, ist in der Nacht vom 26. zum 27. April in der Krankensammel- ftcfic Wasserfall an Blutvergiftung gestorben. Ter Reiter Wilhelm Brausendorf ist an Nierenentzündung gcstorbcn.

Die .Hundepeitsche des Pau Korfanty.

Seit einiger Zeit herrscht in den leitenden Kreisen der Polenführer im deutschen Osten bittere Fehde. Wojciech Korfanty, Reichstagsabgeordneter für Kattowiß-Zabrzc und früherer Redakteur desOwrnoslaz." in Kuttowitz, hatte einem Kattowitzer Kaufmann Naweus Ezaplicki das in den Augen der Polen unverze ihlichc Verbrechen vor- geworfen, daß dessen Frau bei Deutscheu ihre Einkäufe mache und überhaupt mit Deutschen verkehre. Daraufhin hatte Ezaplicki den Spieß umgedreht und in einem Ein gesandt imGornoslazak" die Behauptung auf­gestellt, Frau Korfanty sei vor ihrer Verheiratung Verkäuferin in einem deutschen Geschäft in Beuthen gewesen, und sie fahre noch jetzt des öfteren nach Veuthen, um in diesem (Geschäfte Einkäufe zu machen. Unter den Polen erregte diese Veröffentlichung ein gewisses Aufsehen, und zumal Korfanty raste in echtem Polenzorn. Wie er Rache übte, darüber erzählt ein Kaktowitzer Blatt das folgende:

Kvrfankv schwur dem Leiter deSGornoslazak", Piechulek, Rache. Er beschloß, den Verleumder seiner Haus- < h r e (?) öffentlich zu z u ch ti gen , lauste sich eine H u it d c - peitsche und begab iich in Begleitung seines Bruders ins Cafe Monopol, um dort sein Vorhaben auszufützrcn. Da aber Piechulek nickt erschienen war und es inzwischen spät nachmittags geworden war, entschloß sich K'orfantu, seinenpolitischen Freund" und früheren Mitarbeiter im Geschästshause desGornoslazast" aufznsuchen. Dort traf er den Bruder des vermißten Redakteurs Kowalczyk und den gesuchten Piechulek vor. Unter dem Vorwande, daß er den letzteren in einer persönlichen Angelegenheit allein sprechen ivvlle, ging er in Begleitung seines Bruders-mit Piechulek in dessen Privatwohnung. Der Bruder Korfantvs verriegelte die Tür, während der Mgcordnete .Herrn Piechulek dreimal aus- fordcrte, die seine Frau betreffenden Behauptungen Czavlickis zu widerrufen. Piecbulck verweigerte dies entschieden, kehrte den feindlichen Brüdern verächtlich 'den Rücken und sah gelang­weilt zum Fenster hinaus. In diesem Augenblick versetzte ihm Korfan 1 y einige Hiebe mit de-v Hündcpcitsche. Piechulek drehte sich entsetzt um und rief dem Angreifer im vber- schlefischen Rustikalton zu:Pieroni c, co robis'z!" (Du Donner weiter, was machst DuDie Korsantys entfernten sich so schleunig, daß Piechulek nur itod» Zeil fand, ihnen ein Photo- graphiealbum die Treppe hinunter nachzuwerfcn, jedoch ohne zu treffen, so daß die Bilder des Albums auf den Hausflur flogen. Die geschilderten Vorgänge spielten fick nm Montag ab. Am Dienstag früh dampfte Korfanty nach 'Berlin, um an

den Reichstagsvcrhandlungcn teilzunehmen. Vorher hatte er die Posener polnischen Blätter van diesen Vorgängen unterrichtet. Piechulek übersandte dem Kvrsanty durck zwei Herren aus der Kattowitzer polnischen Gesellschaft eine D u el l f o r d e r u n g. Die Kartellträger, welche Korfanty iu seiner Wohnung nickt mehr antrafen, erhielten einen Brief des letzteren ausgehändigt, worin er es entschieden n b I c b n t, fick mit Piechulek zu schlagen, da dieser bereits von einem Kaufmann int Kattowitzer Süd park geobrfeigt worden sei."

Die Aufregung in der oberschlesischen polnischen Gesell­schaft ist keine geringe. Die Mehrzahl nimmt gegen Kor­fanty Partei und schilt ihn einen Feigling, darunter auch ein Teil seiner politischen Freunde. Die Folgen des Skan- dales sind auch in politischer .Hinsicht nicht ab zu sehen. Piechulek bleibt nun aber nichts anderes übrig, als Kor­fanty wegen Körperverletzung zu verklagen, und das will er auch tun. Man lv-ird also in der nächsten Zeit das ergötzliche Schauspiel genießen können, daß sich ztvei edle Polen vor Gericht gegenüb ersteh en, um darüber zu streiten, wessenHausehre" mehr verletzt sei und ob mau bei solchen Beleidigungen lieber zur Hundepeitsche oder zur Pistole greifen soll.

In den deutschen Kreisen Oberschlesiens hofft man, daß die polnische Fraktion im Reichstag und preußischen Landtag dem 2lbg. Korfanty den Stuhl vor die Tür setzen wird. Da Feinfühligkeit nicht gerade eine Eigenschaft des Pan Korfanty" ist, muß bezweifelt werden, ob er einer Aufforderung seitens des Parteivvrstcmdes, die Mandate nieder zulegen, Folge geben würde. Es besteht seit geraumer Zeit zwischen Korfanty und der Mehr­zahl der anderen polnifchcn Parlamentarier eine gewisse Entfremdung. Die Polen sind zwar im ganzen politisch radikaler geworden, können aber den starkgalizischen" Ge- iflogenheiten Korfantys keinen Geschmack abgewinnen. Das gilt namentlich Von der^ greisen Fürsten Radzimill, einem vollendeten Kavalier, der dereinst Korfanty alsBanner-- träger" des Polentums in Oberschlesien hoffnungsfroh be­grüßte. Nebrigens würde bei Ersatzwahlen in Oberschlesien das Zentrum schwerlich beit Polen bic Manbate abringen können, benu iu her Wühlarbeit gegen das Zentrum hak Korfanty sich erfolgreich betätigt und mehr geleistet als die anderen polnischen M'georduetcn.

Zur Rcichstagsstichwahl in Darmstadt.

Von R oßd o rf bei Darmstadt wird folgender Aufruf von Anhängern der Vereinigten Liberalen für Rechts­anwalt Dr. Stein verbreitet:

An die Wähler des Herrn Ps arrcr Ro r c (I! Die im GasthausZum Darmstädter Hoff zu Roßdors versammelten An- bänncr der Kandidatur Korcll bitten alle Wähler des Herrn Korcll, bei der Stichwahl ani 4. Mai ihre Stimme Herrn Dr. Stein geben zu wollen.

E m m erich, Lehrer; Heß, Lehrer; K. Münkler.

Der Vorstand des kürzlich gegründeten liberalen Vereins in Groß-6)erau ist gleichfalls nach eingehenden Erörte­rungen und Erklärungen des Sxcmbibntcn Dr. Stein schließlich darüber einig geworden, daß der Parteivorstand der Vereinigten Liberalen für die KandidaturDr. Stein in Groß-Gerau eintreten wird, nachdem alle dort anwesenden National­liberalen und Mitglieder der anderen mit ihnen vereinigten Parteien erklärten, in einer Stichwahl, in welche eventl. der Kandidat der Vereinigten im Jahre 1908 gelangt, selbstver- kändlich geschlossen für diesen zu stimmen und sich nicht etwa der Abstimmung zu enthalten.

Auch sonst mehren sich die Stimmen aus dem Lager der Vereinigten Liberalen, die für die Unterstützung des national- liberalen Bewerbers in der Stichwahl cintrcten, sowohl im Wahlkreis wie außerhalb desselben. Insbesondere haben sich, wie wir schön mitteilten, mehrere fifbrenbe Zeitungen ber Frei­sinnigen dahin ausgesprochen, daß die Stichwahlparole des Wahl­ausschusses der Kandidatur Korell ein politischer Fehler war, so namentlich dieFreie deutsche Presse", dasBerl. Tagebl." und dieVoss. Ztg". Somit gewinnt cs immer mehr den An- schein, daß die freisinnige Wählerschaft in ihrer Mehrheit sich für den bürgerlichen Kandidaten entscheiden wird, was für eine spätere Einigung des gesamten hessischen Liberalismus von größter Bedeutung sein würde. Angesichts der Ver­bitterung, bic der Wahlkampf in Darmstadt in die liberalen Kreise getragen hat, ist es überhaupt endlich an der Zeit, daß eine Verständigung der liberalen Parteien für sämtliche hessischen Wahlkreise getroffen wird. Allerdings müßte die Verständi­gung so sein, daß beide Teile mit Kandidaturen berücksichtigt werden und insbesondere auch die nationalliberale Partei sich i'tr die Unterstützung freisinniger Kandidaten erklärt. Denn während z. B. bei den letzten Wahlen die freisinnigen Wähler der Wahlkreise Gießen, Alsfeld und Offenbach energisch für die nationallibcralcn Kandidaten cingctrcten sind, unterstützten die Nationalliberalen in Bingen-Alzey in der Stichwahl das Zentrum gegen den Freisinn. Allerdings ohne Erfolg, denn die Wahlparole der Führer wurde nur sehr wenig befolgt, ein Beweis dafür, daß die liberalen Wähler vielfach mehr Gefühl und Verständnis für die Notwendigkeit des liberalen Zusammenschluffes haben als diexFührer.

Aus Sta-t und Lund.

Gießen, den 3. Mai 1906.

** Der Umbau des Gebäudes a m Br 'aubplatz, bas bis zum Herbst 1904 bic Universitätsbibliothek be-, herbergte, ist nunmehr vollendet, und es haben jetzt mehrere Universitätsiustitute Besitz davon ergriffen. Im Erdgeschoß befindet sich zunächst das geodätisckc und mathe- ma tks ch -ph Ys i ka lis ch e I n st'i t u t (Direktor Professor Fromme) mit 5 Mu men, nämlich dem Auditorium, bem Direktorzimmcr, bem Laboratorium unb 2 Sämmluugs- zimment, sod-auu das botanische Auditorium mit bent Ein­gang vorn botanischen Garten aus. Das erste Stockioerk wirb, wie von uns in' ausführlicherer Notiz schon mitgeteilt würbe, vorn botanischen Institute (Direktor Prof. Hansen) eingenommen, das auch noch im zweiten Stock­werk bic nach dem Brandplatz gelegenen Zimmer inne hat. Den anderen Teil des zweiten Stockwerks nimmt das g c o - graphische Institut (Direktor Prof. Sievers) ein. Es enthält einen Zcicheusaal, ein Auditorium, einen Lefcsaal und das Dire'Üorzimmcr.

** Di e E n t c i g u un g von 6) c Tän b c zwecks Ver­breiterung des als Zufuhrstr c zu m tc r- bahuhof in Gießen mitbcnutztcn Mittelweg wurde vöu S. K. H. dem Großherzog dem preußischen Staate, vertreten durch die köuigl. pr. Eisenbahudirertiou zu Frankfurt, gestattet. Die Frist zur Stellung des Antrags auf Einleitung des Euteignungsvcrfahrens nürd auf sechs Monate festgesetzt und läuft Ende Oktober ab.

Gießener Freie Studentenschaft. Für das Sommersemester 1906 ist wiederum die Gründung von mehreren Abteilungen ins Auge gefaßt. In der heute abend

9 Uhr imCafe Ebel" anberaumten Generalversamm­lung, zu der alle Nichtkorporierten willkommen sind, soll die Neuwahl des Präsidiums stattfinden. Wie an anderen Universitäten wird hoffentlich auch eine Arbeits- und Bücher­abteilung derFreien Studenten" ins Leben gerufen werden können.

Hesssch - Thüringische Staatslotterie. In der heute begonnenen Ziehung der 6. Klasse siel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 30687, Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 25743 45990 48133 51903 54707 93608, Ge­winne von je 2000 Mk. auf Nr. 9019 19058 32825 33668 38053 46010 46322 57091 61135 68711 70572 79965 80481 82844 83279 85515 87757 87848 88923 97527, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 290 473 2252 2583

4946

11925 12177 13039 13622 13952 13775 14472

14666

15335 16694 22848 23476 24937 24967 27045

27121

27848 28773 29410 30295 30367 32501 32753

32972

35837 42745 43324 44332 44472 46196 26241

48548

49272 49517 49925 49925 50237 51945

54064

54661 54847 55289 55426 58109 58467

58723

58874 59811 60815 62072 64476 65159

67151

67860 68129 68276 69292 69718 70248 71101

71712

72097 72489 73198 73690 74236 76660 79834

80386

81119 82604 86845 87601 87698 87740 87761

88240

88886 89067 90504 92280 94255 94360 94513

95727

96575 96989 98526 98747 99301 99391 99492

99587.

(Ohne Gewähr.)

Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder

hält am 23. Mai, dem Tage vor Himmelfahrt, ihre Haupt­versammlung in Worms ab. Das Protektorat hat S. K. H. der Großherzog übernommen.

"Steuerfreiheit der Landeshypothekenbank. Die hessische Landeshypothekenbank war von der Stadt Alzey zur K o m m unal steuer herangezogen worden, weil sie in dem Besitz einer Anzahl Grundstücke ist, die sie int Zwangsweg erworben hatte. Der Provinzialausschuß von Rheinhessen entschied auf Reklamation, daß die Hypothekenbank auf Grund des Art. 5 des hessischen Hypothekengesetzes von allen StaatS- und Kommunalsteuern befreit sei. Die Annahme der Stadt Alzey, daß sich die Steuerfreiheit der Hypothekenbank nicht auf den Besitz an Grundstücken beziehe, da diese nichts mit den Geschäften der Hypothekenbank zu tun hätten, sei irrig; bic Hypothekenbank habe diese Gnmdstücke erwerben müssen, um sich schadlos zu halten. Die Erwerbung stehe also mit dem Hypothekengeschäft der Bank in engster Ver­bindung. (Frks. Ztg.)

" Bei dem Heimatspfl egc- und Volkstrachten- fest zu Butzbach wird, wie uns aus Kurhessen geschrieben wird, auch die einzig schön.buntfarbige Tracht der Mar­burger Gegend vertreten sein. In den Orten des Ebs- dorfer Grundes z. B., wo noch ein an alter Sitte und Kleidung zäh festhaltender Bauernstand sitzt, ist man eifrig bemüht, um bei dem Feste würdig vertreten zu sein. In dem gestrigen Bericht über die Sitzung des Trachtenfest- Ausschusses sind zwei sinnentstellende Druckfehler enthalten, die der freundliche Leser schon selbst bemerkt haben wirb. Kreisrat Fey sagte in der Einleitung seiner Rede:Das Fest gelte nicht realen Gütern (nicht: idealen Gütern, wie es in dem Bericht heißt), sondern dem Schutze idealer Güter. Ferner erfolgte die Bewilligung von 500 Mk. für das Fest vom Kreis Friedberg, während vom Kreis Gießen (wie auch in dem Bericht gesagt wurde) die Bewilligung eines Beitrages erwartet wird.

" Nachträgliches vom Kais er besuch. Bevor der Kaiser sein Pferd in der Kaserne bestieg, überreichte ihm die jüngste Tochter des Garnison-Verwaltungs-Jnspektors Rösing er einen Rosenstrauß, den der Kaiser freundlich dankend mit einigen Scherzworten evtgegennahm. Aus einem Orte, den Se. M. der Kaiser auf der Fahrt hierher berührte, wird uns mitgetcilt, daß die meisten Leute den Kaiser nicht erkannt hatten und nach der Vorüberfahrt der vier kaiserlichen Llutomobile immer noch auf das eigentliche Kaiserautomobil warteten. Die? gab einer jugendlichen Dorf- schönen Veranlassung zu den nachfolgenden originellen Versen:

Heute, am 1. Mai,

Fährt Kaiser Wilhelm II. vorbei, ........im Festesfchmucke steht, DaS sieht Jeder, der vorübergeht. < Wir sind an die Frankfurter Straße gegangen Unb erwarten ihn mit freudigem Verlangen, Ta plötzlich, was istS dort, nm Waldessaum? Ein Automobil er kommt macht Raum!

Jetzt kommt es näher, bas Signal ertönt Ob brinnen wohl ist Seine Majestät? Rasch geht es vorüber, es folgen noch drei Ist beim wirklich Kaiser Wilhelm vorbei? Nur Wenigen war es vergönnt ihn zu sehn Trum viele nun auch nach Gießen gehn. Tort ist er zu sehen, srcunblich unb mild, Ein echtes Hohenzollernbilb.

Gott schütze unfern Kaiser Unb segne ihn immerdar Erhalt ihn uns im Frieden Noch manches gnädge Jahr.

() Al l c n do r f Lba., 2. Mai. Der Gemeind erat iat beschlossen, hier einen Tierarzt anzustellen. In ber Annahme, baß;iit vorkommenden Fällen ein Tierarzt resp schnelle tierärztliche Hilfe von größtem Nutzen sei, hofft man, baß sich einem solchen hier und in ber Hin­gegen b reichliches Arbeitsfclb bietet. Um bic. Stelle ein­träglich zu gestalten, bezahlt die Gemeinbe ein ansehnliches Fixum

r. Londorf, 2. Mai. Die Bewohner ber Unter gaffe würben heute nacht kurz nach 12 Uhr durchs laute Hilferufe, welche aus bent Dcuberschcn Haufe kamen, erschreckt. Die beiben Bewohner bes Hauses, BÄvc. Deuber und deren! Tochter, bic int 2. Stock schliefen, wollten einen Ein - brecher im Haufe wahrgeitoimmm haben. Einige ^badjr bunt, die bald bas ganze Hans durchsuchten, fanden jedoch nicht s V e r d a ch t i g> c >s vor.

h. Worms, 2. Mai. Ein warnendes Beispiel für Reservisten gibt nachsteli-enbcs kriegsgericht­lich es' Urteil. Infolge von Misschreitungen bei einer Koutrollversammlung verurteilte das Kriegsgericht der Hess. Dipision den Reservisten Reinhard zu sieben Jahren Gefängnis.

Selters, 1. Mai. Im benachbarten Klvsterwald töteten 4 rusfi f ch. e A r b e i t e r ein Re h unb verscharrten! es, um es abcnbS abzuholen. Sie waren dabei beobackitet worden und wurden abends von zwei, Gendarmen, und.