Ausgabe 
31.8.1906 Zweites Blatt
 
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Konstantins pel, 30. 2lüg. Da die Pforte sich durch die bulgarischen Manöver, sowie durch die Truppen- jcnbungcn nach den Punkten, wo sich letzthin Grenzzwischenfälle ereignet haben, beunruhigt fühlte, unternahm sie entsprechende Schritte in Sofia, verstärkte gleichfalls die Besatzung an den in Frage stehenden Punkten und befahl den Grenztrnppcn be­sondere Wachsamkeit an. ,

Newyork, 30. Aug. Wie derNewyork Herold" aus Rio de Janeiro meldet, ist dem Kongreh ein Gesetzentwurf vor­gelegt worden, in welchem beantragt wird, daß den Ländern, die jährlich vier Millionen Sack brasilianischen Kaffees zoll­frei einführen, eine Ermäßigung von 20 Prozent des be­stehenden Ausfuhrzolls gewährt werden soll. Die Länder, die 3 Millionen Sack Zucker einführen, sollen eine Ermäßigung von 10 Prozent erhallen. Für die Länder, die Zoll auf Kaffee legen, erhöht sich der Ausfuhrzoll um 10 Prozent. Die Gesetzes- Vorlage, die für die Vereinigten Staaten günstig ist, werde als direkte Folge von Roots Besuch angesehen.

Tanger, 30. Aug. Das Gerücht über die Reise des Sultans nach Rabat scheint sich zu bestätigen. Die Kcnds 'von Süd-Marokko erhielten den Auftrag, sich,in Rabat zu ver­sammeln. Die Bewohner dieser Stadt schassen bereits große ^Vorräte von Lebensmitteln an, um den Sultan festlich bewirten -zu können.

Tripolis, 30. Aug. Eine französische Expedition in Stärke von 150 Mann mit 2 Geschützen und Reservetruppen von 300 Mann verließ Temassinin, um nach der Oase Djanct zu marschieren. _

Melbourne, 30. Aug. Der Präsident des Mniisterrates, Deakin, brockte im Wgeordnctenhause einen Antrag ein, nach welchem die Z ö l l e auf a u s l ä n d i s ch c W a r e n um 10 Proz. erhöht werden sollen, während gewisse britische Produkte, die auf britischen Schiffen in den australischen Bundesstaaten cin- geführt werden, eine Vergünstigung in derselben Höhe genießen. -Es handelt sich dabei um Munition, Dynamit, Lunten, Holz- tvarcn, Fahrräder, Taschenuhren und andere Uhren, Stiefel, Gas- und Oelmotorc, Turbinen, Farben, in Essig eingemachte Waren (Pickles), Mobiliar, Schmiedcwaren und plattierte Waren.

Aus StaOt uno tdno.

Gießen, den 31. August.

** Personalien S K. H. der Gr^ßhernoa haben dem Diplomingenieur Gust. Stöckle zu Darmstadt zum Assistenten bei der Großh. Dampfkeffelinspektion ernannt. »Dem israelitischen Religionslehrer Abrab. Kaufmann in Schotten wurden die Rechte eines definitiv angestellten Volks­schullehrers erteilt.

" D'aS Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen durch Ent­schließung S. K. H. des Großherzogs dem Mitgliede der freiw. Feuerwehr zu Gvoß-Biebcrau, Ioh. Phil. Daub.

" Erledigt ist die Stelle des Bezirksassistenten bei der Bezirkskasse Worms.

"'Die evangelische Landessyuode für das Groß­herzogtum Hessen soll Mitte Oktober zusammcntreten. Auf ihr sollte nach der seinerzeit vom Oberkonsistorimn abgegebenen Erklärung auch der Fall Korell zur Erörterung kommen.

"Die Wahlen zur hessischen Landivirtschafts- kämm er sollen, wie verlautet, am 14. und 15. September stattfinden.

"Eine Versammlung der Feld sch ätzen des Kreises Gießen findet Sonntag, den 2. September, vorm. 10 Uhr, in Lonys Bierkellcr statt.

" Die Löscheinrichtungcn der Stadt Gießen haben durch Anschaffung einer neuen mechanischen Leiter für die Freiwillige Gailsche Feuerwehr eine Be­reicherung erfahren. Kommerzienrat Gail hat nach sorg­fältiger Prüfung bewährter Fabrikate eine Magirussche Patentleiter von 14 Meter Höhe gestiftet, die am Donnerstag abend der Wehr übergeben wurde. Die sofort vorgenommene Prüfung des Gerätes und die Unterweisung der Mannschaft ,Lurch einen Vertreter der Firma Magirus (Ulm) ergab, daß »die Wehr nunmehr ein ebenso praktisches wie leicht und sicher All handhabendes Rettungsgerät besitzt. Die Belastung der tausgezogenen Leiter mit vier Feuerwehrmännern bezeugt die Festigkeit des Materials. Die Leiter beansprucht wenig Raum, sodaß sie in jeder engen Gasse oder dem kleinsten Hofraunl ^ausgestellt werden kann. Transport und Bedienung erfordern '-nur drei bis vier Mann. Eig iveitcrer Vorzug der Leiter Jl't, daß sie, auf die ganze Länge ausgezogen, in wagerechte Lage gebracht, z. B. bei Hochwasser als Brücke benutzt werden kann. Auch sonstige Verbesserungen gegenüber älteren Leitern erhöhen die Brauchbarkeit des Gerätes bei Feuersgesabr.

**ZudemManöverunfallinGroß-Umstadt, der sich, wie wir noch in einem Teil der gestrigen Ausgabe melden konnten, gestern vormittag zutrug, wird uns noch gemeldet: Vor dem 'Aibrücken der Truppen ließ Vizewach­meister Wiener die Batterie laden. Nach Beendigung hes Ladens wartete der Vizewachtmeister die vorschrifts­mäßige Meldung, daß gesichert sei, nicht ab, sondern zog, bevor die Sicherung vorgenommen war, an der Mzugs- ckurbel. Tie Ladung, eine sog. Manöverkartufche, ging los und traf den vor der Geschützmündung stehenden Kanonier Wagenbach aus Burkhardsfelden ;(Sr. Gießen) in den Unterleib. Wagenbach wurde zerrissen jund war sofort tot. Die Sektion der Leiche findet heute nachmittag statt. Gegen Wiener, der allein als Täter in Betracht kommt, ist die Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung bereits eingeleitet.

** Königs. Preuß. Klassen-Lotterie. Die Ziehung der 3. Klasse der 215. Lotterie findet am 7. und 8. September statt. Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muß unter Vor­legung des Loses 2. Kl. bis zum 3. September, abends 8Uhr, bei dem zuständigen Einnehmer geschehen, wenn das Anrecht auf das seither bezogene Los nicht verloren gehen soll.

P. Schlitz, 30. Aug. Die zu der demnächst in Oppen- heinr stattfindenden Hauptversanunlung der Hessischen Gewerbevereine von hier zu entsendenden Vertreter sind beauftragt, dahin zu wirken, daß die nächste Haupt­versammlung in unserer Stadt abgehalten wird. Für unsere heimische Jndustie, deren Erzeugniffe bei dieser Gelegen­heit sehr schön ausgestellt werden könnten, würde die Ver­wirklichung des Antrages ein großer Sporn sein.

p. Aus dem Kreise Wetzlar, 30. Aug. Die am Montag bei uns aufgegangene Hühnerjagd zeitigt, wie wir auS Jägerkreisen vernehmen, gute Erfolge. So starkeKetten" traf man in den letzten Jahren nicht an. Auch das Reh­wild, das infolge Lungenseuche so große Einbuße erlitt, ist wieder auf dem Plane. Freund Lampe ist in besonders großer Stückzahl vertreten. Schon vor mehreren Tagen zogen 'zwölf Störche über unsere Gegend dem Süden zu.

fc. Frankfurt a. M., 31. Aug. (Telegr.) Bis Mitt­woch abend hatten sich 99 Proz. der hiesigen Milch- händler durch Unterschrift verpflichtet, den Milchauf- schlag eintreten zu lassen. Gestern abend hat auch die

Firma H. Kleinböhl erklärt, auS kollegialen Gründen den Aufschlag vornehmen zu wollen.

h. Griesh eim, 30. Aug. In den Ma in weid en häuslich eingerichtet hatten sich zwei auswärtige Burschen von 16 und 17 Jahren. Sie hatten sich daselbst eine Hütte gebaut und lebten von Diebstahl und Bettelei. Scharfschieß- übangen, die sie mit einem Terzerol auf Mainschiffe und am Ufer beschäftigte Fischer anstellten, führten zu ihrer Ver­haftung.

W i e S b a d e n, 30. Aug. Ein aufregender A u t o m o b i l- unfall ereignete sich ain Sonntag abend in Eltville. Der Elektrotechniker Stecher und deffen Kollege Fleischmann mit ihren Damen kamen auf einem geliehenen Automobil in charfem Tempo die Leergasse heruntergefahren. Ohne das Tempo zu mäßigen, fuhr der Führer mit einer scharfen Kurve um die Ecke. Dabei ging das rechte Hinterrad in Trümmer. Das Gefährt kam jäh zum Stillstand und sämtliche Insassen wurden herausgeschleudert. Wunderbarerweise sind sämtliche Insassen außer einigen Hautabschürfungen ohne Schaden davongekommen.

h. Maxau, 30. Anglist. Heute vormittag ist in der Mechtersheimer'schen Holz - Imprägnier-Anstalt und Holz- Handlung Groß feuer auSgebrochen, das sich auf das ganze Anwesen ausdehnte, sodaß das ganze Etablissement als ver­nichtet anzusehen ist. Die Feuerwehren der umliegenden Ort­schaften wurden alarmiert. Als Die Hagenbacher Feuerwehr den Brandplatz bereits erreicht hatte, wurde dieselbe durch einen Feuerreiter zlirückgerufen, da inzwischen in ihrer Ge­meinde zwei Schelmen und ein Wohnhaus in Brand geraten waren.

Vermischte».

* Berlin, 30. Aug. Als gestern mittag 12 Arbeiter ans einem Gerüst im Zuschauerraum des neuen Schiller- Theaters in Eharlottenburg herumhantierten, stürzte das Gerüst plötzlich unter lautem Krach zusammen. Während es einem Teil der Arbeiter gelang, sich an den Seitenpfosten festzuhalten, stürzten die anderen in Die Tiefe und erlitten mehr oder minber schwere Verletzungen. Der Zustand deS einen ist bedenklich.

* Berlin, 30. Aug. Ein Ingenieur in Ober-Schöne- weide hatte mehrere Bekannte z-u einer Spazierfahrt mit seinem 20 Personen fassenden Motorboote eingeladen. Beim Füllen der Benzinbehälter erfolgte plötzlich aus noch mcht aufgeklärter Ursache eine heftige Explosion, die das Fahrzeug völlig zertrümmerte. Ter Ingenieur erlitt erhebliche Brandwunden im Gesicht und an den Händen, während seine Gäste, die das Boot noch nicht betreten hatten, unverletzt blieben.

* München, 30. Aug. Bei den Brigadeübungen des 1., 6. und 7. bayr. Ehevauleger-Regiments in der Gegend von Straubing in Niederbayern haben sich mehrere schwere Unglücks fälle ereignet. Einem Chevauleger wurde der Brustkorb eingedrückt, ein anderer verlor durch einen Lanzenstich ein Auge und ein Wacht­meister erlitt einen Schenkelbruch. Auch beim ersten schweren Reiterregiment ist vor einigen Tagen ein Reiter durch Abstürzen vom Pferde verunglückt und darauf ge­storben.

Eine Jubiläumsausstellung in München. Die zur Einführung des Ausstellungsparkes auf der Theresien- HSHe für das Jahr 1907 ursprünglich geplante elektrische Aus­stellung ist wegen der Kürze der Vorbereitungszeit fallen ge- laffen worden. Dagegen soll, wie dieMünch. R. Nachr." erfahren, auf dem genannten Terrain im Jahre 19 0 8 eine großzügige, weitumfassende Jubiläumsausstellung anläßlich des 750jährigen Bestehens der Stadt München veranstaltet werden. Es ist beabfichtigt, für diese Ausstellung, die Kunst, Kunstgewerbe, Handel und Industrie in gleichem Maße um­fassen und bei der namentlich der angewandten Kunst der ihr gebührende Platz eingeräumt werden soll, neue und originelle Formen zu wählen. Das Protektorat über diese Ausstellung wird, wie man hört, der Prinzregent übernehmen. Es hat sich bereits ein Komitee gebildet, das die erste Vorbesprechung pflegen und sich nächstens mit einem Aufruf an weitere Kreise wenden wird.

* Trient, 30. Aug. Bei den Manövern der Trienter Garnison stach der Leutnant Kreiml vom 2. Landes- Schützen-Regimcnt den Soldaten Bertv'lli nieder. T-ieser hatte den Leutnant ersucht, austreten zu dürfen, um einen Trunk zu nehmen, was ihm aber nicht gestattet wurde. Darauf schleuderte der Soldat seine Feldflasche im Zorn ins Wasser. Der Leutnant irurde sofort vom Dienst ent­hoben und eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet.

* Reue Erdbeben-Nachrichten. Nach einer De­pesche desNewyork Herald" aus Tacna (Chile) sind dort und in Arica heftige Erdstöße, die sich bis zur Grenze von Peru erstreckten, verspürt worden. Tie Panik sei un­beschreiblich. Die Bevölkerung nächtige auf öffentlichen Plätzen. Der erste Stoß währte 30 Sekunden.

*Wie der Kaiser im Manöver lebt. Kaiser Wil­helm bezieht in der Regel nur Quartier, wenn auch die Truppe unter Dach und Fach die Nacht verbringt, sonst biwakiert er, wie sie, es sei denn, daß Rücksichten auf ferne Gesundheit einmal eine Ausnahme fordern. Bei den diesmal bevorstehenden großen Herbstübungen wird fast durchweg biwakiert werden, um die Kriegsmäßigkeit der Manöver, soweit es geht zu steigern. Der Kaiser läßt dann auf sorgfältig ausgesuchtem Platz sein transportables Haus ausstellen. Nach einer sinnreichen Konstruktion werden die Wände aus dicht ineinander greifenden Holzteilen zusammengefugt, und ebenso die einzelnen Zimmer von einander geschieden. Der Fußboden ist mit Bohlen bedeckt und mit Teppichen belegt. Auß?r dem Schlafzimmer, neben dem der Baderaum liegt, verfugt der Kaiser über ein geräumiges Arbeitszimmer, in dem auch gespeist wird und ein Empfang abgehalten werden kann. Einige Vor- und Nebenräume vervoll­ständigen die Appartements: von der Fahnenstange weht die Kaiserstandarte. Vor dem Wohnhause des Kaisers pfleg! ein mächtiges Wachtfeuer angelegt zu werden, um das sich die Herrn der Umgebung des Kaisers und seine Gäste versammeln. In diesem Kreise, in dem der Kaiser selbst meist bis Mitternacht verbleibt, herrscht echte, ungezwungene Manöverstimmung, so­bald der Dienst erledigt ist. Abends unternimmt Kaiser Wil­helm oft einen Rundgang zu den Lagerfeuern der Truppe und sieht belustigt den munteren Biwaksspäßen der Soldaten zu. Auch der jüngste Offizier, der in später Stunde zum kaiserlichen Wachtfeuer mit dienstlicher Meldung kommt, wird gastfrei aus­genommen: er erhält aus dem kaiserlichen Küchenwagen zu speisen, und ein Glas Punsch oder echtes Bier wird ihm am Feuer gereicht. Dicht bei der Wohnung des Kaisers ist der Auto- m o b i l p a r f untergebracht. Ter Kaiser erhebt sich morgens in aller Frühe: nach dem auf englische Art zubereiteten, kräf­tigen ersten Frühstücke, der Hauptmahlzeit des Tages für ihn, sieht er die eingegongöten Meldungen durch, um bann

sogleich seinen Kraftwägen zu besteigen, die Stellungen abzu- fahren und gemeinsam mit dem Chef des Generalstabes der Armee die Leitung des Manövers zu übernehmen. Inzwischen wird sein Haus abgebrochen, sorgsam verladen und in die Nähe des Standortes gefahren, wo voraussichtlich nach derSchlacht" die neuen Biwakplätze ausgesucht werden. Geschickte Hände rich­ten es. hier dann des Abends in kurzer Zeit wieder auf.

* König Alfons'von Spanien will sich in Eng -i l an d an f auf en- Auch die Ferien der Könige haben ein Ende, und nicht ohne Tränen verlief der Abschied, den König Al­fons XIII. und die Königin Viktoria Eugenie von Spaüien jetzt von England nach einem Aufenthalte genommen haben, der aus einer fast ununterbrochenen Reihe van Unterhaltungen und Festen bestand, denen aber jede Steifheit fehlte, wie sie die Etikette von Madrid mit sich bringt. Die junge Königin hängt zärtlich an ihren brittschen Verwandten und zumal an ihrer! Mutter, der Prinzessin Henrv von Battenberge. Es ist daher be- greiflick, daß sie und ihr Gemahl den Wunsch empfinden, in jedem Jahre, die Heimat der Königin, gewissermaßen auf Urlaub, zu besuchen. Und es ist ebenso begreiflich, daß ihnen der Ge­danke gekommen ist, sich ein eigenes Heim dort zu erwerben, wo die Prinzessin Henry, die von ihrer Mütter, der Königin Viktoria Osborne Cottage erbte, die Sommermonate zubringt. Der König Mfons hat, wie aus London berichtet wird, vor seiner Rückfahrt nach Spanien Unterhandlungen angeknüpft, um einen der präch­tigsten Sitze der Insel Wight zu erwerben: Norris Castle, das an Osborne stößt und feit längerer Zeit Eigentum der Familie Rüssel ist. Früher gehörte es deren Oberhaupte, dem Herzoge von Bedford, und vor 60 Jähren gaben sich die Königin Viktoria und der Prinzgemahl Albert alle erdenklicke Mühe, Norris Castle dem Herzoge abzukausen. Der hinterließ es seiner Witwe, und von ihr kam es an Deren Neffen, den Lord Ampthill, den ältesten Sohn des früheren britischen Botschafters in Berlin und derzeitigen Gouverneur von Madras. Lord Ampthill soll seit längerer Zeit im Gegensätze zu seinem Oheime nach einem Käufer für dieses Schloß suchen, das viel kostet und nichts einbringt. Es wird abzuwarteu sein, ob dieser Käufer sich jetzt in der Person des jungen spanischen Monarchen eingestellt hat. Aber es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die öffentliche Meinung Eng­lands die Aussicht sehr sympatlüsch berührt, den König Alfons demnächst als englischen Schloßherrn und Mitbürger begrüben zu dürfen.

* Ein Ho chzeitsschma us. In einem Dorfe Thürin­gens und an einem wundervollen Sommertage war'S, als dort eine Hochzeit gefeiert wurde. Kind und Kegel waren in der Kirche. Das Haus des Bräutigams lag still in der Sonne, und nur drei Ziegen, die ab und zu meckerten, ver­rieten, daß hier noch lebende Wesen weilten. Als die Hoch­zeiter zurückkamen, tönte ihnen auS dem Obergeschoß lautes und freudiges Gemecker entgegen. Die Brautmutter ließ so­fort nachsehen. Angstvolle Rufe von oben:Du licroec ©ntt, du Hemer Gutt! Och du grußer, hemmelscher Vohder!" Da­rauf die Hausfrau:Wos is?"De Zicken hum denn ganzen Zwätschenkuchen abgeläddert! Und wirklich: ein ganzes Kuchenfeld war total verwüstet. Das Gebäck war auf Blechen und Brettern am Fußboden neben einander ge­ordnet worden. Die Ziegen, drei Prachtexemplare, die stets frei umherliefen, waren die Treppe hinaufgestiegen und ins Küchenzimmer gelangt. Dem Pflaumenkuchen hatten sie die kreisfleckige Kahlheit" beigebracht, und die ganze große Fläche erweckte den Anschein, als habe sich dort ein halb Dutzend unnützer FaunSbengel getummelt: überall Abdrücke von Bocksfüßen,'s tiet nescht, 's tiet nescht," sagte die Brautmutter,de Zicken wulln ooch wos vunn der Hochztch hunn I"

* Kleine Tageschronik. Der SchoonerA e o l u s" ist in der Nordsee mit 6 Mann Besatzung untergegangen. Der SchoonerHellmut h" ist auf der Fahrt von Wisby nach Oskarshamm leck geworden und gesunken. Der Kapitän ertrank. Der Schifsskoch starb auf dem Meere treibend vor Er­schöpfung, der Steuermann wurde gerettet. Der mit 36 Berg­leuten besetzte Förderkorb auf Schal der Zeche Mont Cenis bei B o-ch um geriet in den Sumpf. Sämtliche Bergleute wurden verletzt, darunter drei schwer. Ob das Unglück auf schlechtr Seilführung zurückzuführen ist, konnte bisher nicht festgestellt werden. Das U n i v e r s i t ä t s g e b äu d e in Groningen (Holland) mit seinen wertvollen naturhistorischen Sammlungen ist gestern abend gänzlich nieder gebrannt. Nur ein Teil des Archivs und der Gemälde wurde gerettet. Der 78 jährige Richard L u c i aus Scheid ist bei T o m m c l s in Graubünden in einen Abgrund gestürzt. Seine Leiche wurde gefunden. Eine große Feuersbrunst ist in den Gemeinde- Waldungen von Pra ausgebrochen und hat eine große Ausdehnung genommen. Feuerwehrleute, Truppeuabteilungen und Polizisten von Genua bekämpfen das Feuer. Infolge Ueberfahrens des Haltesignals stieß beim Einfahren in den Bahnhof in Hannover der von Minden um 2 Uhr ein­treffende Perfonenzug mit einem Rangierzuge zusammen. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, der Zugführer und ein Packmeister verletzt. Aus Schacht 2 der Zeche Zollern kam der Steiger Heinrich Becker bei Castrop durch Einatmung giftiger Gase ums Leben.

Sport.

Bei dem Paris-Frankfurter Achterrennen, das nächsten Sonntag ausgerudert wird, ist Jean Kirch-Gie­ßen, zweiter Vorsitzender des Teutschen Ruderverbandes, Schieds­richter: Dr. Alex. Otto-Höckst, Zielrichter: Erich Prätorius-- Sttaßburg, Starter. Die Pariser Mannschaft hat ein Gesamt­gewicht von 585 Kilo, ihr Steuermann ist 35 Kilo schwer. Das Gesamtgewicht der Frankfurter Ruderer ist 618 Kilo, ihr Steuer­mann wiegt 51 Kilo.

WöiOnWk MkkW brr Todesfälle in der Stadt Eießen

34. Woche. Vom 19. bis 25. August 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29 500 (inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 31,72 %0, nach Abzug von 6 Ortsfremden: 21,14 °/oo.

Kinder

Es starben an:

Zusammen: Erwachsene:

im

vom

Tuberkulose

4(1)

1. Lebensjahr:

3(1) -

2.15. Jahr 1

Arteriosclorose

1

1

Bronchitis

1(1)

KD

Schlaqfluß

1

1

Darmkatarrh

3

1

2

Blinddarm­entzündung

KD

1(1)

Darmverschluß

1(1)

1(1)

Gallensteinen

1

1

Krebs

Kl)

1(1)

Lebensschwäche Altersschwäche

1

1

Kl)

1(1)

Rhachitis

1

1

Unbekannten

Krankheiten

1

1

Summe 18(6) 10(5) 3 5(1)

A n m.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gevracklr kraule fomincn.

Landwirtschaft.

ö" Nidda, 31. Aug. Die G r n m m e t e r n t e hat hier und in der Umgegend ihren Anfang genommen. Infolge der häufigen Regenlälle während des Sommers läßt die Quantität nichts zu wünschen übrig, die Qualität ist von dem guten Einbringen bei günstiger Witterung abhängig. Des reichen Futterjahres wegen