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Erstes Blatt
156. Jahrgang
Dienstag 6V.Januar 1906
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Die Keutige ^lummer umfüfit 8 Leiten.
Christians Nachfolger, König Friedrich Vm., ist geboren am 3. Juni 1843 in Kopenhagen. Er war 1864 während des deutsch-dänischen Krieges Leutnant in Nordjütland. Später Generalinspekteur der dänischen Armee, hat er bereits mehrfach für seinen greifen Vater die Negcnt- schaft geführt. Er ist Vater von 8 Kindern. Ter älteste Sohn, der jetzige Kronprinz Christian, wurde geboren am 26. Sept. 1870 zu Charlottenlund und ist vermählt seit 1898 mit der Prinzessin Alexandrine von Mecklenburg- Schwerin. Durch sie steht er seit der Verheiratung des deutschen Kronprinzen mit der Prinzessin Cäcilie in verwandtschaftlichen Beziehungen zum deutschen Kaiserhause.
Politisch hat das Verhältnis zwischen Dänemark und Deutschland seit dem Besuche Kaiser Wilhelms in Kopenhagen sich wesentlich gebelfert, und der jetzige König -und unser Kaiser sollen freundschaftliche Sympathien für einander empfinden. Auf Befehl des Kaisers fällt denn auch der Ball am 31. Januar im königl. Schloß wegen des 'Ablebens des Königs von Dänemark aus.
itim scheint es nicht bekannt zn sein, daß die Arbeiter von heute an Solidaritätsgefühl und sozialem Empfinden wahrlich viel mehr besitzen, als viele Kreise des sog. Mittelstandes« An Gerichtssprachen, sofern sie Arbeiter betreffen, zaust und zerrt der „Vorwärts" mit besonderer Vorliebe, und seine Anhängerschaft tuts ihm nach, leider nicht immer ganz ohne Grund. Es ist ein beliebtes Mittel des vierten Standes, im Kampfe gegen die bestehende Ordnung Bestrafte seiner Partei zu Märtyrern zu stempeln« Sudermann laßt dagegen die doch wohl kaum zimperlichen Arbeiterseelen vor dem Worte „Mörder" zusammenschrecken wie hysterische Jungfern vor einer lächerlichen Maus. Und obendrein schiebt er feinen Biegler noch in ein Milieu, dessen Mitglieder zum Teil doch mit den Strafgesetzen auf gespanntem Fuße stehen oder doch standen! Denn der patriarchalische Steinmetzmeister Zarncke, ein Ueberguter nach der üblen Unart Ohorns, der nur die Farben schwarz und weiß kennt, bepflanzt seinen Arbeitshof gern mit treuer Zuchthauskundsckaft, um sie in Seelenknr zu nehmen. Das ist ja recht nett von diesem beneidenswerten Optimisten, und Sudermann findet so Gelegenheit, £eiitd)en, die Gorki eigentlich erst recht litteratursähig gemacht hat, in der breiten Allireskomanier oder treffender: in der derben Steinmetzknnst des Volksstückschreibers mit, Witz und Behagen zu schildern. Ter Hyperphilanthrop aber über* autivortetwichtige Schlüssel einem Berufsverbrecher, dem Gegenspieles zum Zufallsverbrecher Biegler, dessen Sinn statt nach Sandstein und Marmelstein, nach Edelstein steht und der darum, wie Z. sehr wohl weiß, zu seines Prinzipals ftirtein Teilnehmer ward. Dafür gehört Z., bei Lichte besehen, unter RiirateL Ein lebensvoller Menschenfreund dagegen hätte uns als Muster vorgesührt werden können. Wieder also zeigt S. da? Gegenteil von dem, was er hatte zeigen sollen, legt er doch die Unvernunft humanen, edelfinnigen Bestrebens dar! Und an den Genossen Bieglers, an denen auch nur gar wenig aus innerem Leben her-ausgewachsen ist, viel mehr aus Reflexion, aus nüchterner, verstandesmäßiger Erwägung, zeigt er uns, wie ein „Bestrafter" eine edlere und anständigere Gesinnung haben^kann als ein Unbescholtener. Um des Beweises dieses stein- alten Satzes willen schuf er nach bewährtem Kontrastrezept einen bösen Buben, Göttlingk, einen rüden Muskelprotz und Weiberhelden, einen Röcknitz int Steinmetzkittel. Doch als es burd) diesen zu einer großen Unfatlskatastrophe kommen, als der vom Krahn losgelassene Steinblock ein paar Menschen erschlagen soll, wie wir das schon bei Philippi einmal befürchteten, da — welche Wendung durch Cudermaitns Fügung — tüirb nur Staub aufgewirbelt, im eigentlichen wie int übertragenen Sinne. Wir sehen, baß S. unS auf5 neue genarrt, daß er v'.el Lärm um nichts gemacht hat. Er ist, wie schon in anderen Stücken, der Tragik aus dem Wege gegangen. Biegler und Lore, die Verlorene des Stückes, werben nicht zu Stein, im Gegenteil, ihre int Grunde weichen Seelen, die fich willen- und widerstandslos mit dem Fuße stoßen ließen, werben nun wieder sie selbst. Beide nehmen nun ihr Geschick in die eigene Hand.
Vorn ersten Akte an zerrt Sudermann an unseren Nerven, und langsam, ganz allmählich naht er mit der Gänsehaut, um fi- schließlich für sich zu behalten. Nttr ein einziges Beispiel von dem Vielen, wie er mit Unwahrscheinlichkeiten operiert: Lore, die, roll
heit würde die Verteuerung des PoftanweisungsverkehrS den Handwerker empfindlich treffen, da er nicht, wie dis großen Geschäfte, in der Lage sei, sich des fteuerfreien Giroverkehrs zu bedienen. An einem Zählenbeispiel wirb die starke Belastung des Handlverks näher dargelegt, danach hätte ein mittlerer Schuhmachereibetrieb für das Jahr 1903 zu bezahlen gehabt, an Qutttungsstempel 66,90 Mk., an Frachtur runden stempel 22,25 M, im ganzen 79,15 Mb., was, da die von dem Betriebe zu zahlende Gewerbesteuer nur 36,80 Mk. beträgt, eine Erhöhung seiner steuerlichem Belastung um zirka 215 Proz. bedeutet.
Aas Schulwesen in Hessen, n.
(Schluß.)
Werfen wir nun zunächst einen weiteren Blick auf dis Leistungen, die der hesfifche Staat für das Volksschulwcsen aufzubringen bat, so ergibt fick nach dem Staatsvoraitschlag für 1906 'darüber folgendes: Tas Kapitel „V o l k s s ch u l w e f e n" verzeichnet in der Einnahme das Meine Wörtchen: „Nichts". In bec Ausgabe werben dagegen zunächst an Gehalt für 21 Kreisschul- infvektore.l 92 600 Mk. verlangt und für Tienstzulagen an dis Volksschullehrer nach Maßgabe des Gesetzes vom 2. Januar 1901, die Gehalte der Volksschullehrer betr.: 1725 000 Mk., d. i. 45 000 Mark mehr als im Vorjahre. Tiefe Dienstzulagen des Staates sind in den letzten Jahren durchschnittlich um 38 100Mk. gestiegen; die erhöhte Forderung für das Jahr 1906 ist in Rückficht auf die tetc Zunahme der Zahl der definitiv zu besetzenden Lehrerstellen erfolgt. An Zulagen für Lehrer, Schuloerwalter re. an besonders ungünstig gelegenen Orten sind, wie in den Vorjahren, 10 000 MK eingestellt, für Vergütung an Katecheten 12 500 Mk., für Vergütung bei Vertretungen in Krankheitsfällen re. 60 000 Mk., 10 000 Mk, mehr als im Vorjahr. Hierzu wirb von der Regierung bemerkt,
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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in keiner Weise auf einer Begebenheit, sondern ist frei von ihm erfunden. Sehr richtig sagt Dr. Hans Landsberg in seiner verständigen Subermann-Broschure (Berlin, Gose und Tetzlasst:
„Er arbeitet nicht nach Modellen, um sie in allen Gnzel- heiten zu reproduzieren, sondern er nimmt nur einzelne Züge von den Gestalten des wirklichen Lebens und übertragt sie auf freigeschaffene Figuren. So strebt er üb-roll nach typischer Darstellung, der sich alles Individuelle untcrütbiten muß." Ja, wir begegnen auch hier der bekannten sorgsältigen Zeichnung von Typen, die ffft allesamt ein Svielball sind einer in jedem Akt auf eine Reihe von Küallcssekten zugespitzten Situation. Wir sehen, Sudermann batte seine künstlerische Freude an diesen Typen und diesem Milieu. Wer das Ganze zerflattert. Es fehlt die cinft, in der „Schmetterlingsschlacht", im „Glück im Winkel" und besonders in der musterhaft knappen Tragödie „Fritzchen" zu bemerkende gerade, feine Linie. Wir lernen eine langatmige dialogisierte Erzählung kennen, von der man die Hälfte streichen könnte, ohne daß Wesentliches verloren ginge, obwohl gerade die besten literarischen Blüten am üppigen Episodenmackwerk prangen. Dem Finale fehlt cs vollends an zwingender Konseguenz.
Zunächst ist der Steinmetz Biegler, der „Held", kein Mörder, wie ihn unbegreiflicherweife ein schneidiger Berliner Kriminalkommissar nennt, der doch im Strafgesetzbuch einigermaßen Bescheid wissen müßte, sondern ein Totschläger, also überhaupt kein Verbrecher, sondern ein Unglücklicher, der in der Notwehr den Mann einer proletarischen Potivhar erschlug und dem weniger rigorose Geschworene, als sie Sudermann sich denkt, mildernde Umstände un» bedingt zugefprochen hätten. Dadurch schon nahm E. seinem Problem einen sehr wesentlichen und ungemein anregenden Teil, nämlich den Versuch des Sichhocharbeitens nach entehrendem Verbrechen, der Besserung in der wiedererlangten Freiheit; denn das Temperament, dem B. zum Opfer fiel, läßt sich nicht bessern, höchstens zügeln. Geif-iß^aber bleibt des Interessanten noch genug. Selbst diesen nur gering Schuldigen, so behauptet nun Sudermann, ächtet die Menge. Gerad aus dem Zuchthaus doch kommt er heraus. Ist das durchaus glaublich? Für gewisse Kreise trifft das nur zu sehr zu. Dann aber hätte S. einige Stufen höher greifen muffen in der Gesellschaft. Und der parfümierte Schaffer von „Sodoms Ende" und dem noch schwüleren „Blumenboot" hätte besser daran getan. In ein anderes Milieu hätten Honigmädchen- Hymnen auf Amselschlag :c. allenfalls gepaßt. In der Fusel-Atmosphäre eines Steinmetzhofes machen sich Bemerkungen wie „Gebären ist Gottesdienst" re. abgeschmackt. Ganz richtig aber ist es, daß S. dem Biegler, als dieser dasselbe noch einmal tun will, waS ihn auf Jahre der Freiheit beraubte, die allgemeine Hochachtung seiner Arbeitsgenofsen zurückgibt, sodaß der verkannte Edelsinn auf einmal in wirkungsvoller Beleuchtung erscheint. Dadurch jedoch widerlegte Sudermann sich selbst und er narrte seine Hörer, da dieselben Leute aus demselben Anlaß Biegler vorher mieden. Ob Steinmetz, Dramatlker ober Glockengießer oder sonst was, immer wird eS einzelne geben, die ihn lieben, sofern er ihnen seelisch nahe kommt, trotz düsterster, zwei'elhastester Vergangenheit. Das sagt ja auch Sudermann. Aber
Befähigungsnachweis im Baugewerbe.
'Stuf der am 25. d. M. in Berlin ab gehaltenen Sitzung! des geschäftsfü hrenden Ausschusses des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages wurde hinsichtlich des Gesetzentwurfs betr. Wanderung der Gewerbeordnung (Befähigungsnachweis im Baugewerbe) folgender Beschluß gefaßt:
Der 'Ausschuß des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages betrachtet den vorliegenden Wänderringsent- Wurf zur Gewerbeordnung nicht als eine Lösung der Beschlüsse der früheren Handwerks- und Gewerbekammertage betr. den Befähigungsnachweis im Baugewerbe, hält ihn aber für einen Schritt auf dem Wege zur Besserung der Verhältnisse im Baugewerbe unb' würde ihm zustimmeu können, wenn 1. die Bestimmung über die Absolventen der Bangewerkschulen gestrichen wird, 2. die Entscheidung über die Zuverlässigkeit der Baugewerbe treib end en Kollegial-Behorden übertragen wird, in denen Sachverständige aus dem Baugewerbe Sitz itni> Stimme haben müssen, 3. im Gesetz als Bauhandwerkev Maurer, Zimmerer und Steinmetze bezeichnet werden. Hinsichtlich des Titels „B äuge Werks meistes sollen Schritte eingeleitet werden, daß in allen deutschen Bundes-- staaten die Führung dieses Titels von dem Bestehen der Meisterprüfung abhängig gemacht wird.
Nr. 25
Erscheint täglich außer ©onniaqS.
Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien, blätter Diermal in der Woche beigelegt.
Notationsbruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Ervedmon und Druckerei:
Schul st raße 7.
Redaktion 112
Verlag u.Grpeb. &^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße».
Gegen die QuitLrmgsfieuer.
Der geschchstsführende Ausschuß des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages hat in einer Eingabe an den Reichstag sich gegen die ^Besteuerung der Quittungen und Frachturkurchcn ausgesprochen. Tie Eingabe führt aus, daß durch diese Steuern das Handwerk in seinen Konkurrenzverhältnissen gegenüber den Großbetrieben in Handel und Gewerbe einseitig ungünstig beeinflußt wurde, denn, während der Käufer von fertigen Handwerksartikeln im Warenhaus oder im Spe- zialgeschäft meist sofort bar bezahle, bestehe der größte Teil des Umsatzes in Handwerksbetrieben in der Anfertigung der Waren auf Bestellung und nur in den seltensten Fällen würde die Forderung bei Ablieferung der Ware beglichen, meist erst nach einiger Zeit. Ter Geschäftsverkehr im Warenhaus erfordere also nicht die Ausstellung einer Quittung, da der Käufer in den Büchern des Geschäfts nicht geführt werde. Tagegen würde bei Anfertigung der Ware auf Bestellung der Kunde als Schuldner in die Geschäftsbücher eingetragen, und man könnte es nur recht und billig finden, wenn er die Erledigung seiner' geschäftlichen Beziehungen in Gestalt einer Quittung bescheinigt haben wolle. Jnsonder-
des hannöverschen Prätendenten, des Herzogs Ernst August von Cumberland. Durch die Ehen der Großkinder des verstorbenen Königs haben jetzt fast alle europäischen Höfe schwere Trauer, denn zu nahezu allen trat die dänische Königsfamilie in verwandtschaftliche Beziehungen.
In der allerletzten Zeit erlebte der greise Herrscher noch die Freude, seinen Enkel auf den norwegischen Königsthron kommen zu sehen. Tie Regierung König Christians war liberal im besten Sinne des Wortes, fortschrittlich in jeder Beziehung. Man ehrte und liebte ihn als Landcsvater, er genoß als Nestor aller europäischen Fürsten Hobes Ansehen. Sein Leben war gesegnet, sein Haus blüht und gedeiht. Er war gut als König toie als Mensch — Ehre seinem Andenken!
Kießerrer Weaterverein.
Stein unter Steinen.
Schauspiel ht 4 Akten von Hermann Sudermann. (Buchausgabe bei Cotta in Stuttgart.)
„ , ES ist wohl in erster Linie die?lufgabe des Theatcrvereins, stlne Mitglieder mit den markanteren neuen deutschen Bühnenstücken bekannt zu machen, die unser Theater ohne die Jnanspruch- mihme auswärtiger Darsteller von Ruf seinem Publikum vorzn- fe&en nicht imstande wäre, von denen aber die deutsche Welt allenthalben spricht oder doch ein paar Monate, vielleicht nur cm paar Wochen oder gar mir Tage lang eifrig sprach. So ist drnn schon dadurch die gestrige Aufführung von Sudermann's ..Stein unter Steinen" gerechtfertigt, das sogar den Deutschen Londons bereits int Dezember v. I. geboten worden ist.
Jemaiid hat einmal Gerhart Hauptmann den Dichter des Ä itleids genannt. Sudermann ging wohl mit diesem Drama darauf aus, den gleichen Ehrentitel sich zu erringen. Es scheint :rme ursprüngliche Absicht getoefeit zu sein, die erbarmnngst- laurbigcn Leiden des verzweislungsvollen entlassenen Straf- sscnmgenen niitleidweckend uns vorzuführen, eines int Grunde 'mm Menschen, der wieder ein nützliches Mitglied der Gesell- s^ost^zu werden den fefleii Vorsatz Seit, und die Mitleids- und Verständnislosigkeit eben dieser „Gesellschaft"' sowie die damit drrbundenen mangelhaften sozialen Einrichtungen zolaiich an- •Linagen. Richard Voß, Viktor Hugo n. a. taten das bereits. Tiich „Die rote Robe" von Vrieux klang aus ähnlicher Tonart. Doch dos tut nichts. Ein großer Dichter hat diesen Stoff '^ch nicht behandelt. Er hätte daraus Großes schaffen können: der ^reigewordene, der ins Leben hineinplatzt, menschlich be- deiitungsvollen Problemen nachjagt und schließlich als „Gv- sei.djneter" an der starren Harte der vomrteilsvollen, mißgünsti- gert, dünkelhaften Welt voll pharisäisch grausamen Hochmuts jernriirbt oder an seiner inneren Schwäche zu Grunde geht: lder der sich in verzweifeltem Kämpfe durch Hoffnung und [Horcht durch Arbeit und Liebe emporringt zu neuer Men- shirwvürde; oder der neuer Versuchung anheimfällt, oder sich m seinen unbezwingbaren Gewissensängsten, verfolgt von der sb eichenden grauen „Frau Sorge", die den Hörer miipeinigen mißte, selbst zu Tode foltert usw. usw. Ferner die Menschen bei knr Arbeit, wie sich in das Alltagsleben die Fäden von Charakter
Schicksal verspinnen, wie selbst bei der heißen, mühevollen Arbeit, beim Schweiße um das tägliche Brot die Vorurteile nicht Mvinden, obwohl wir doch jeden, ganz gleich, was in seiner Ver- ctragenIfcit geschah, imt seiner ehrlichen Arbeit willen achten joniten. Aus dieser Fülle von Motiven hätte ein Dichter eines W erwählt und zu Ende geführt.
Sudermann, der Mann im Bart, der elegante, ohne feinste UcreS undenkbare große Faiseur — Poseur war er schon als TWtkr Realschulsekundaner — packte das Thema auf seine Weise - al. Zweifellos hat er eifrige Studien in Vereinen^sür entlassene Gtnafiefangene gemacht. Doch die Fabel des Stückes basiert, Wk ® sich selbst einem Journalisten acgc- jcr geäußert hat,
Komq ßhristlan von 9äicm<irß f.
Wir erhielten am Montag nachmittag folgende Drahtnachricht:
Kopenl-agen, 29. Jan. Nachdem der König heute vor- wittag die gewöhnliche große Montags-Audienz erteilt hatte, suhlte er sich miide und ging zu Bett, um vor der Tafel zu ruhen. Die Kaiserin-Mutter von Rußland, seine Tochter, begab sich um 3 Uhr zum König, der sich nicht wohl suhlte. Sie rief die Mitglieder der königlichen Familie zusammen, von denen sich auch einige einfanden. Um 3.40 starb der König still und ruhig.
So hat denn der Nestor der Monarchen der Welt, der „Großvater Europas", ein müder Greis von 88 Jahren, einen sanften Tod gehabt. Christian IX., vierter Sohn Herzog Wilhelms von rÄhleswig^Holstein-Sonderburg-Glücksburg, war am 8. April 1818 zu Gottorp geboren. ^Er hatte in Bonn studiert und war dann dänischer Offizier geworden. !848 bis 1850 war er der einzige schleswig holsteinische Prinz, der in dänischen Diensten blieb, während die übrigen alle zu Preußen standen. So ward er 1851 von Rußland, und 1852 von allen Großmächten als dänischer Thronfolger anerkmrnt. 1863, nach dem Tode seines greisen ‘3etter5, des kinderlosen Königs Friedrich VII., des rücksichtslosen Unterdrückers des Teutschtums in Schleswig-Holstein, Her indes in Tänemark als Schöpfer einer demokratischen Verfassung sehr beliebt geivesen war, trat er die Regierung Dänemark an. Drei Tage darauf schon bestätigte "er die l og., Eiderdänische Verfassung, durch die Schleswig dem Königreich völlig einverleibt werden soNte. Ties führte 1834 ichm deutsch-dänischen Kriege, dessen für Tänemark bekannt- ! ich höchst unglücklicher Verlauf ihn zur Mtretung der Orer Herzogtümer an Preußen und Oesterreich nötigte.
Seit dieser Zeit hat König Christian sich in der äußeren Politik wenig mehr betätigt. Er hat sich ausgesöhnt sowohl mit Preußen, wie mit dem Hause Hohenzoltern, hat seinen Frieden mit aller Welt gemacht.
Im Jahre 1898 erlebte er den schwersten Schlag seines kingen Lebens. Seine um ein Jahr ältere Gemahlin, -'uifc, geb. Prinzeß von Hessen-Kassel, wurde ihm lamals durch den Tod entrissen, eine bedeutende Frau, He auch in der Politik Europas wiederholt eine Rolle ccspielt hat. Sechs Kinder waren dieser Ehe entsprossen, He durch ihre ehelichen Verbindungen mit einer Reihe eiuropäischer Monarchenhäuser dem Könige Christian den e ben erwähnten Beinamen eines „Großvaters von Europa" $ eben. Der älteste Sohn, der jetzige König Fried- 1 ^ch VIII. von Tänemark, heiratete die Prinzessin Luise v.cm Schweden. Der zweite Sohn Georg wurde König von e^iechenland im Jahre des RegierungZantritts seines L-aters; er ist vermählt mit der Großfürstin Olga von Rußland. Prinz Woldemar heiratete die Prinzessin Marie von Orleans. Prinzessin Alexandra, die älteste Tochter Christians, ist die Gemahlin König Eduards von England, und die zweite Tochter, Dagmar, die Witwe des Zaren Merander III., und Thyra, "die jüngste Tochter, Gattin
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