tzvurs, her einen „schwachen Schein von Berechtigung" habe, nämlich £11 dem, die Verössentlickung der Denkwürdigkeiten seines Vaters hätten unsere auswärtige Politik kompromittiert und das moralische Ansehen des deutschen Volkes vermindert, indem sie dem K'ultuA des deutschen Natio- nalhelden des Fürsten Bismarck Abbruch getan hätten. „Darüber möchte ich mich offen aussprechen, sagte der Prinz. Der erste Vorwurf ist so schwer, wie er u n 6 e g rü ndet ist für reden, der eine Ahnung von auswärtiger Politik hat." Der, Prinz sagt Les Weiteren, er habe die östreichische und die russische Presse genau verfolgt und das gerade Gegenteil sei der Fall. Er fügt hinzu, daß der Reichskanzler Fürst v. Bülow in einer Unterredung mit ihm am 13. Oktober in Homburg auch nickt die leiseste Andeutung gemackt habe, und auch nickt im gering- ft en darüber beunruhigt gewesen sei. Das Verhalten des Reichskanzlers war für den Prinzen eine deutliche Antwort auf die gegen ihn gerichteten Insinuationen. Die falsche Beurteilung und der Lärm, den die Memoiren hervorgerufen haben, sei um so auffälliger, als sie gar keine Enthüllungen enthielten. Der Prinz sagte zum Schluß: „Ein selbstbewußtes großes Volk muß die Wahrheit vertragen können. Ich bin fest davon überzeugt, daß, wenn erst einige Zeit vorübergegangen sein wird, man einsehen wird, daß die jetjt so viel angefeindete Veröffentlichung der Memoiren meines Vaters eine gute Tat war und daß dieser Appell an den kritischen Sinn des deutschen Volkes nicht nur berechtigt, sondern auch nützlich war."
Der russische Minister des Aeuhern v. Iswolsky, der am Sdmstag in Berlin eintraf, wird vom Kaiser empfangen werden und eine Unterredung mit dem Reichskanzler .Fürsten Bülow haben. Am Sonntag abend fand bereits in der Berliner russischen Botschaft ein Diner statt, zu welchem sämtliche Minister und Botschafter geladen waren.
Herr von Iswolski macht in seinem neuen Amte seine Aufwartung. Kaiser Wilhelm kennt ibn persönlich von Kopenhagen her, wo er mehrere Jahre als diplomatischer Vertreter Rußlands tätig war, und man erzählt sich von ihm, daß er für Deutschland freundliche Gesinnungen hege. Man kann nur wünschen, daß der Besuch zu einer weiteren Annäherung Rußlands ay Deutschland führt. Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, daß Rußland zur Abwechselung mal wieder Deutsckland an» pumpen möchte, und in diesem Falle hätte man in Berlin ein vorzügliches Mittel zur Hand, um Rußland zur Liebe zu zwingen. (Siehe auch die „Polit. Wochenschau".)
Deutscher Reich.
Berlin, 28. Oft Der Kaiser beauftragte den Prozessor Frehse mit der Herstellung einer Büste des verstorbenen Geheimrats Hintzpeter für die Nationalgalerie.
— Der „Nordd.Allg. Zig.* zufolge besuchte am Samstag die Kaiserin die Fürstin Bülow und deren Mutter Donna Laura Minghetti.
— Wie eine hiesige Korrespondenz aus Potsdam meldet, steht die Veröffentlichung der Memoiren des Prinzen Friedrich Karl von Preußen in Aussicht.
— Die Berliner Morgenblätter melden: Eine Sitzung des Staatsministeriums am SamStag nachmittag beschäftigte sich mit den zur Bekämpfung der Fleischteuerung zu treffenden Maßnahmen. Der fünfstündigen Sitzung wohnte bis zum Schluffe der Reichskanzler bei, der den Vorsitz .führte, ferner auch Graf Posadowsky und Staatssekretär v. Tirpitz.
— Im Reichstage hat im vergangenen Sessionsabschnitt eines der jüngsten Mitglieder das große Wort geführt, Herr Erzberger. Er hat 260 Reden gehalten. Nach chm kommt (der Berliner würde sagen: eine Weile gar keiner) Dr. Müller-Sagan mit 152 Reden und Dr. Arendt mit 103 Reden.
Detmold, 28. Okt. Nach einer von der Negierung unternommenen Zusammenstellung ist der ländliche Grundbesitz im Fürstentum Lippe in der Höhe von rund dem fünften bis sechsten Teile seines Wertes mit Hyp o- thekenschulden belastet.
Leipzig, 27. Okt. In der heutigen Schlußsitzung des Vorstandes der Deutschen Kolonial-Gesellschaft wurde WormS als Ort der nächsten Vorstandssitzung und Generalversammlung gewählt. Als Zeit der Zusammenkunft wurde der Mittwoch nach Pfingsten bestimmt.
München, 27. Okt. Der Verein für Gründung alkoholfreier Gasthäuser in München ist in Konkurs geraten.
— Das Kind der Gräfin Montigno so, die 3^/zjähr. Prinzessin Anna Monika Pia von Sachsen, wird gutem Vernehmen nach wahrscheinlich der Fürstin Hohenlohe-Bartenstein, der Schwester der Gräfin, eine Zeitlang übergeben werden, um so seinen Uebergang an den sächsischen Hof vorzubereiten.
Ausland.
Brüssel, 27. Okt. Die liberale Linke der Kammer und deU Senats beschloß, einen Gesetzentwurf einzubringen betreffend Einführung des allgemeinen und gleichen Stimmrechts für die Provinzial- und G e m e i n^de r a tsw a h l e n.
Paris, 28. Okt. Der Minister des Auswärtigen Pichon machte einem Redakteur Mitteilungen über die auswärtige Politik. Der Minister erklärte u. a.: In einer Demokratie wie die unsrige regiert die öffentliche Meinung. Frankreich wird her russischen Allianz treu bleiben und auch dem guten Einvernehmen mit England und Italien. Was die übrigen Nationen betrifft, so wollen wir sympathische oder höfliche Beziehungen mit allen, niemanden bedrohen und auch niemandem hindern. Ich hatte gelesen, daß die Uebernahme der Geschäfte durch dias jetzige Käbinett Krieg bedeutet. Ich weiß nicht, ob es der Mühe lohnt, eine solche Lä cherlich keit zu widerlegen.
Rom, 29. Okt. Der Papst ließ der Gemahlin des Staatssekretärs von Tschirschkh sein Bild mit folgender eigenhändiger Widmung überreichen: „Der geliebten Tochter Maria von Tschirschky und all den lieben Ihrigen mit dem Wunsche beä besten Wohlergehens erteilt von Herzen den apostolischen Segen. Pius X."
Wien, 28. Okt. Die Schönererpartei bereitet einen Dring- richkeitsantrag vor, eine Adresse an den Kaiser zu richten, bittend, hie in der Wiener Hofburg verwahrten Reichs- kleinodien an Kaiser Wilhelm als den berufenen Vertreter des deutschen Gesamtvolkes sowie des Bundesrates zur Verwahrung in Berlin zu übergeben.
Budapest, 28. Okt. Gestern trafen die Särge mit den Gebeinen des in der Verbannung gestorbenen ungarischen Nationalhelden Rokoezy und seiner Gefährten mit Sonder- Mg an der Landes'grenze in Orsowa ein. Ministerpräsident Wekerle hielt eine Ansprache. Heute traf der Sonderzug unter hem Geläute der Kirchenglocken hier ein. Nachdem die Särge auf Galawagen gehoben worden waren, setzte sich der feierliche Zug, geführt vom Staatssekretär Grasen Hadik und vier Herolden zu Pferde, in Bewegung und hielt durch die festlich geschmückten Straßen seinen Einzug in die Stadt. Im Zuge gingen die Minister, die Mitglieder des Magnatenhauses und des Abgeordnetenhauses usw. Im Stesansdome begann dann der vom Kardinal zelebrierte Gottesdienst.
Tanger, 28. Okt. Raisuli würd'' als Pascha iw Ar zila eingesetzt. Aus den Straßen .ArzUas liegen Tote. Viele Häuser wurden Riehergebrannt
Wieder ein Aomöen-MLentat in Aeterslurg.
Am 27. Oktober vorm. 1112 Uhr wurde int Zentrum Petersburgs auf eiyen geschlossenen Wagen mit Geldsummen her' Goubernementsrentei ein Bombenattentat ausgeführt. Es wurden mindestens zwei Bomben geschleudert. Selbst auf weite Entfernung mürben zwei Detonationen gehört. Zwei G-endarmen und eine Passantin sowie auch die Pferde wurden verwundet. In mehreren Käufern sind die Scheiben zertrümmert worden. Die den Wagen begleitenden Gendarmen gaben einige Salven ab. Das Haus, aus dem vermutlich die Bomben geworfen toirrbeii, wurde von Militär umstellt. Der Wagen blieb unbeschädigt.
Das für die Rentei bestimmte Geld befand sich in drei Ledertaschen; zwei Taschen, deren eine 36 000 Rubel in Gold, die zweite 368 000 Rubel in Kredit- billeten enthielt, wurden von den Uebeltätern geraubt, während es gelang, die dritte, 229 400 Rubel in Wertpapieren enthaltende Tasche einem der Flüchtenden zu entreisien. Bei der Verfolgung wurde einer der Räuber, durch Säbelhiebe, ein anderer durch Schläge mit dem Gewehrkolben getötet. Die Räuber hatten offenbar in einer Bierhalle dem Transport aufgelauert. Es hatten sich etwa 20 Personen in der Bierhalle befunden; zwei davon wurden bei der Haussuchung in diesem Gebäude verhaftet. Bei dem Kampfe wurden sechs Personen verwundet. Nach anderer Meldung wurden 315 00 0 Rubel in Gold von einer Dame weggeschleppt, die entkam. 214 000 Rubel in Papiergeld und Wertpapieren wurden auf der Straße liegen gelassen und später von Kellnern der benachbarten Restaurants gefunden. Der Wagen wie auch her Kutscher blieben unversehrt, dagegen wurden beide Pferde getötet. Im Landauer auf derselben Stelle, wo er durch die Explosion zum Halten gebracht wurde, wurden noch zwei Bomben gesunden, die nicht explodiert waren. Die Polizeiposten sind überall verstärtt, die Schutzleute mit Gewehren versehen.
9(u§ amtlicher Darstellung geht hervor, daß ein Uebel- tätcr, der festgenommen wurde, ein junger Mann ist, der in Studentenuniform gekleidet war. Er raubte, als er sich mit seinen Genossen sofort nach der Explosion auf den Wagen stürzte, eine Geldtasche mit Wertpapieren und flüchtete gleich den anderen Räubern. Als er sich verfolgt sah, schleuderte er eine Bombe, durch deren Explosion er selbst verwundet wurde und warf bann, als ihm die Polizei dicht auf den Fersen war, die Tasche, die alsbald aufgefunben wurde, weg. Außer ihm rourben noch vier Personen festgenommen. Bei dein Vorfälle wurden, wie gemeldet, zwei Verbrecher getötet. Eine Frau wurde schwer verwundet; zwei Gendarmen wurden leicht durch Bombensplitter, ein dritter ebenfalls leicht durch einen Schuß verletzt.. Auch ein Franzose, dessen Persönlichkeit nicht festgestellt wurde, ein Zollbeamter und ein Hausdiener wurden verwundet. Eine Frau ist ihren Wunden erlegen.
Wie die polizeiliche Untersuchung ergeben hat, wurde das Attentat von Sozial-Revolutionären verübt. Das geraubte Geld sollte zur Verübung neuer Gewaltakte benutzt werden. Die am Tatort aufgefundenen Bomben sind finnischen Ursprungs.
Der Polizei kam der Ueberfall nicht ganz unerwartet, da sie vor mehreren Tagen die Banken warnte und ihnen mittellte, daß aus Moskau und Warschau eine Gruppe von Räubern eingetroffen sei, die einen Anschlag auf irgend ein Institut planten. Trotz dieser Warnung siel die Negierung dem Anschläge zum Opfer. Die Bombenwerfer nutzten übrigens sehr geschickt den Augenblick der Verwirrung unter den Gendarmen. Ein solcher Raubanfatl in einer Stadt, über die der verstärkte Schutz verhängt ist, steht wohl einzig in seiner Art da.
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Im Kreise Stawropol töteten mit Gewehren bewaffnete Räuber einen Steuereinnehmer, seinen Begleiter und einen Postknecht und entkamen mit 35000 Rubel, die sie dem Steuereinnehmer abgenommen hatten. — In Kasan explodierte eine Bombe, wodurch zwei Personen int Hause und zwei weitere, welche gerade das Gebäude betraten, getötet wurden. — Im Dorfe Kat0wka wurden einem Gutsbesitzer 40000 Rubel geraubt. Die Räuber entkamen.
In einem Interview mit einem Redakteur erklärte Gorki in Neapel: Das Volk werde nicht ruhen, bis es die Freiheit habe. Tolstois Predigten könnten die Begeisterung nicht ersticken. Stolypin sei schwach und eine Marionette des Zaren. Jrn nächsten Frühjahr werde die Freiheit in Rußland einziehen.
Wegen des polnischen Schulftreiks sollen heute, Montag, in Berlin Besprechungen zwischen den beteiligten Ressorts und dem Ministerpräsidenten stattfinden. Die Lage in der Provinz Posen hält man in Negierungskreisen für außerordentlich ernst.
Der „Dziennik Poznanski" meldet, daß auf Befehl des Kaisers dem Kultusminister täglich telegraphischer Bericht erstattet werde. Den Polizeibeamten ist zur strengsten Pflicht gemacht worden, Personen, die in Schulen einzu- dringen oder sonst vor Schulen die Ruhe und Ordnung zu stören versuchen, festzunehmen.
Der Kirchenboykott der polnischen Katholiken in Berlin schlug vollkommen fehl. Nachdem der Kirchenbesuch in den ersten Wochen etwas nachgelassen hatte, erreicht er jetzt wieder die frühere Höhe.
In Lojewo, Kreis Hohensalza, wurden in das Schlafzimmer des Lehrers Duczmal zwölf Flintenschüsse abgegeben, die ihr Ziel verfehlten.
IColottialpofh
Berlin, 28. Okt. (Amtliche Meldung.) Auf der Verfolgung der am 12. Oktober zwischen Holpan und Sandpnets geschlagenen Hottentotten überfiel HauptmannSiebert am 23. Oktober eine starke Bande nordwestlich von K 0 u ch a n a S mit der 3. Kompanie des 2. Feldregiments und der 8. Batterie. Nach einstündigem Gefecht floh der Gegner und ließ 4 Tote, 10 Gewehre und 30 Reittiere zurück. Viel Gerät und Munition wurde erbeutet. Hauptmann Siebert setzte die Verfolgung fort. Am Nachmittag wurden die Hottentotten nochmals eingeholt und nach dreistündigem Kampf auseinandergesprengt. Auf deutscher Seite waren keine Verluste.
Die Einweihung der Handelshochschule Berlin fand am Samstag statt, eine Schöpfung des Aeltestenkollegiums der Berliner Kaufmannschaft. Das Gebäude erhebt sich im Zentralpunkt des Berliner kaufmännischen Lebens, an der Spandauerstraße. Ein Flügel des Gebäudes ist dem Physik, sowie dem chemischen Laboratorium eingeräumt. Die Aula ist für etwa 500 Personen berechnet. Außerdem sind besondere Rätlmlichkeiten für ein handelswissenschaftliches, ein rechts- und volkswirtschaftliches, ein geographisches, ein sprachliches Seminar usw. und für die damit verbundenen Sainmlungen vorgesehen.
An der Feier nahm als Vertreter des Kaisers der Kronprinz teil, ferner erschienen unter anderen die Minister Delbrück, Graf Posadowsky, Breitenbach, v. Einent, der Ober- präsidcnt v. Trott zu Solz, Reichsbankpräsident Dr. Koch.
Der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Jastrow hielt die Festrede über „Kaufmannsbildung und Hochschulbildung", in der er den akademischen Charakter der neuen Hochschule und ihre engen Beziehungen zum praktischen Wirtschaftsleben zum Ausdruck brachte. Die Handelshochschule werde auf die allgemeine Bildung das größte Gewicht legen. Sie betone aber ferner in einem Maße, wie dies noch keine bisherige Handelshochschule getan habe, daß sie die Heranbildung der jungen Leute in erster Linie auf die praktische Kaufmanns- lehre begründen wolle, die wenn irgend möglich, dem Besuch der Handelshochschule vorausgehen solle. Mit warnten Worten an die Begründer der Handelshochschule, die Aeltesten der Katismannschaft von Berlin, an die Kollegen und namentlich an die studierende Jugend, der eine enge persönliche Fühltmg mit ihren Lehrern so leicht wie nur irgend möglich gemacht werden sollte, schloß der Redner.
Hieraus ergriff der Handelsminister Delbrück das Wort. Neben den Atlsgaben und Problemen, vor die uns die gewaltige wirtschaftliche Entwicklung des Deutschen Reiches gestellt hat, steht obenan eine Ausgestaltung unseres Volkes. Ich kann versichern, daß die Staatsregierung und ich bestrebt sein werben, Hand in Hand mit dem Rektor und dem Lehrkörper der Hochschule darauf hinzuarbeiten, daß diese die bestehenden Einrichtungen des Staates ergänzend, und aufbauend auf den bewährten praktischen Ueberliefcrungett unseres Kaufmannsstandes die gesteckten Ziele auf einem Wege erreicht, der der Weltstellung unseres Handels, seiner Bedeutung für unsere innere wirtschaftliche und soziale Entwickelung und unserer wirtschaftlichen Schlagfertigkeit nach außen Rechnung trägt, zu in Wohle und zur Ehre unseres Vaterlandes.
Der Minister gab daraus Ordensverleihungen bekannt. Verliehen wurde u. a. die Krone zum Roten Adlerorden 4. Klasse dem Stadtälteslen Kaeinpf, der Kronenorden 3. Klaffe dem Stadtrat Dr. Maximilian Weigert in Charlottenburg. Ferner erhielt der Architekt Professor Wilhelm Cremer den Charakter als Vaurat.
Es folgten Begrüßungsansprachen von feiten deS Herrn Oberbürgermeisters Kirschner-Berlin, deS Oberbürgermeisters Schustehrus-Charlottenburg, des Geh. Rates Prof. Dr. Diels namens der Universität, des Rektors der Technischen Hochschule, Geh. Rat Grantz, des ProfefforS Blondel-PariS namens der ausländischen Hochschulen, des Studiendirektors Eckart- Köln namens der deutschen Handelshochschulen sowie des Geh. Rats Zweininger, Handelskainrnerprasidenten aus Leipzig.
Die Zahl der Studierenden beträgt bisher 139. Unter diesen befinden sich 13 Ausländer.
Aus S.ast uns tano.
Gießen, den 29. Oktober 1906.
* Die Petition gegen die Fleischteuerung, die in der letzten Versammlung des Bürgervereins beschloffen wurde, liegt zur Unterschrift auf in der Expedition deS Gießener Anzeigers, in den Expeditionen der anderen hiesigen Blätter, ferner in den Papierhandlungen von Ernst Balser (Müusburg), Julius Hoos (Bahnhofstraße), Wilhelm Klee (Marktstraße), H. Kühn (Seltersweg), Louis Ockel (Neustadt), C. Steinhäuser (Neuen Bäue), Karl Volk (Grünberger Straße), Zigarrenhandlung Daniel Heil Nächst (Lindenplatz), Kolonialwarenhandlting Jakob Häuser (Ludwigstraße), Friseur- geschaft Stier (Neuen Bäue), im Gesellschaftshaus und in der Lesehalle.
* * Auszeichnung. Dem Präsidenten der Ober- rechnungskammer, Ewald zu Darmstadt, wurde vom Kaiser der Rote Adlerorden 2. Klaffe verliehen.
* * Milchküche für Säuglinge. Der Plan, in unserer Stadt wie in vielen anderen Städten eine Stelle zu schaffen, wo einwandsfreie Säuglingsnahrung verabfolgt wird, ist nunmehr seiner Verwirklichung näher gerückt. Eine in der Bürgerschaft veranstaltete Sammlung hat ca. 12000 Mk. ergeben. Die Stadt ist bereit, in dem ehemaligen Weber- schen Hause an der Kirchstraße Räume für die geplante Einrichtung kostenlos zur Verfügung zu stellen, die sich wegen ihrer zentralen Lage vorzüglich für den Zweck eignen. Ein Teil der Geber hat sich bereit erklärt, jährliche Beitrage zu dessen Unterhaltung zu gewähren, damit die geschaffene Einrichtung sozial wirken kann.
* • Seine Bootstaufe und die Einweihung seines Bootshauses an der Lahn beging am gestrigen Sonntag der am 1. August hier neu gegründete Ruderklub Hassia 1906. Die Feier, zu der auch Gäste von auswärts, besonders Frankfurt, erschienen waren, nahm einen schönen Verlaust Um 3 Uhr fand sich die Festverfammlung im neuen Bootshaus ein. Schriftführer Dechert hielt die Begrüßungsrede, der Verbandsvorsitzende Werm-Frankfurt weihte das Bootshaus und taufte das neue Boot. Er betont, daß der Verein unter günstigen Anzeigen gegründet worden sei und bereits im Oktober-Rennen zu Frankfurt seine Feuertaufe durch die Erringung eines dritten Preises glänzend bestanden habe. Mit einem Hipp Hipp Hurrah auf Mannschaft und Boot schloß der Verbandsvorfitzende. Das Boot ist ein Vierer von 2,75 Meter Länge, es erhielt den Namen Union. An die Einweihung schloß sich eine Nachfeier im Restaurant Nolandseck, der Maschinenbauer-Gesangverein trug hierbei mehrere Gesänge vor. Im nächsten Frühjahr soll hier der VerbandStag stattfinden, an den sich eine Auffahrt der VerbandSvereine aus Frankfurt, Offenbach, Mainz, Oberrad 2C. schließen wird.
p. Klein-Linden, 28. Okt. Heute werden es vierzig Jahre, seitdem unsere Kirche ein geweiht wurde. Ihre Erbauung fand mitten in dem Kriegsjahr 1866


