Ausgabe 
29.9.1906 Viertes Blatt
 
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Hausen zu benennen. Noch gestern hat der Einsender selber einen Mitfahrendcn auf eine solche Verwechslung aufmerksam machen müssen.

[] Kirchhain, 26. Sept. Im Auftrage des Kaisers bestellte das Landratsamt bei dem Photographen Spohr in Neustadt einige Ansichten des dortigen, von dem Ritter Hans von Dörnberg im Jahre 1489 erbauten sogenannten Junker Hanscnturm, auf den der Kaiser bei seiner Vorbeifahrt aufmerksam wurde.

Vermischtes.

"Glück und Ende eines Millionärs. Dieser Tage starb in München ein Mann, der in der Frank­furter und Offenbacher Gesellschaft einstmals eine große Rolle gespielt hat. Ein geborener Russe, kam er anfangs der achtziger Jahre nach Offenbach und lernte dort eine sehr reiche Witwe kennen. Diese verliebte sich in den schmucken jungen Ruffen und heiratete ihn. Außer einigen Millionen brachte sie ein gutgehendes Geschäft mit. Aber bald wurden die Bedürfnisse beider gesteigert. Teure Pferde und eine 'große Dienerschaft wurden zugelegt und große Gesell­schaften, Feste und Reisen veranstaltet. Noch ausgangs der achtziger und anfangs der neunziger Jahre konnte man bei den Rennen am Forsthaus das schöne russische Dreigespann bewundern. Natürlich mußte bei einem derartig luxuriösen Leben das Vermögen allmählich zusammenschmelzen. Als die Gattin starb, gab es eine Vermögensauseinandersetzung, bei der für die Kinder aus ihrer ersten Ehe keine großen Glücks­güter mehr herauskamen. Der nunmehr verwitwete Russe zog nach Frankfurt und suchte sich, so gut cs ging, zu er­nähren. Eine frühere Geliebte, die der Russe in seiner Glanz­periode reichlich mit Geld bedachte, zeigte sich dadurch er­kenntlich, daß sie ihn nunmehr selbst mit Mitteln unterstützte. Doch es hielt den Lebemann nicht lange in Frankfurt. Er siedelte nach München über, wo er bis zu seinem Tode eine kleine Flaschenbierhandlung betrieben haben soll. Im Alter von 53 Jahren ist er jetzt von seinen Sorgen erlöst. An­erkannt muß werden, daß der Verstorbene für die Armen und Bedrängten stets ein warmes Herz und eine offene Hand zeigte und manche Träne gestillt hat.

* Der neueste Eisenbahnunfall. Ein von Triest nach Wien abgelassener Personenzug ist in der Station Judendorf (Steiermark) infolge falscher Weichenstellung auf einen Güterzug aufgefahren. Drei Reisende wurden schwer, acht leichter verletzt.

* Ein verschwundener Pfarrer so schreibt man aus Paris ist wiedcrgesunden. Er ist nicht er­mordet worden, er ist nicht verunglückt, er hat auch nicht an der Börse gespielt und fremde Gelder veruntreut, er hat seinen Sprengel Chatenay einfach verlassen, um sich von seinem Pricstergelübde der Keuschheit und Ehelosigkeit lossagen zu können. Seit 14 Tagen hat er in Brüssel unter dem Namen Drecourt gehaust, und mit ihm lebte eine kleine, lebhafte brünette Dame, die er als seine Frau bezeichnet hatte, die aber in Wirklichkeit Fräulein Frömont ist, die Schullehrerin von Cha­tenay, mit der ihn seit drei Jahren zarte Bande verknüpfen, und der zuliebe er dem geistlichen Beruf Valet gesagt hat. Der abtrünnige Geistliche hat die Brüsseler Berichterstatter gebeten, möglichst wenig Lärm zu machen, da er nur den einen Wunsch habe, vergessen 51t werden.

* Erne Bauernhochzeit. Hoch her ging es auf einer Bauernhochzeit in Oerdinghausen bei Hoya. Ucber 350 Haushaltungen waren eingeladen und die Zahl der er­schienenen Gäste betrug etwa 1000. Zu deren Bewirtung waren 900 Pfund Schweinefleisch herbeigeschafft, und da man befürchtete, daß es nicht reiche, wurde noch am Hochzeitstage ein zweihundertpfündiges Schwein dazu geschlachtet. Daneben wurde noch die Kleinigkeit von 1500 Pfund Rindfleisch und über 250 Hühner angerichtet. Gebacken wurden mehr als 300 Butterkuchen. Da die Schar der Gäste in Häusern natürlich nicht unterzubringen war, hatte man fünf große Zelte errichtet.

* Gebt auf die Kinder acht! Eine von der Uni­versitätsklinik in Breslau geführte Statistik ergab, daß unter 233 Fällen von Augenverletzlingen, die Erblindung zur Folge

hatten, 20 Prozent durch Leichtsinn der Kinder veranlaßt waren. Die Gegenstände, mit denen bei Spielen die Augen verletzt wurden, waren Messer, Gabeln, Bolzen, Scheren, Licht, Zündhütchen, Pulver, Zirkel, Bleifedern und Stahl­federn. Durch Bosheit wurden etwa 12 Prozent der Er­blindungen verursacht und zwar mit Faustschlägen, Steinen, Stangen, Peitsche und Stock. Auch Spielbälle und Schnee­bälle, die mit Wucht das Auge treffen, sind oft Ursache einer völligen Erblindung. Die VerletzunqStabellen sind wahre Sündenregister. Der alte Vers:Messer, Gabel, Scher' und Licht, nehmen brave Kinder nicht", kann gar nicht oft genug gepredigt werden. Von 939 Personen, die ein Auge in der Kindheit verloren hatten, waren in Paris 343 durch Schießen und durch Explosion von Zündhütchen verletzt worden.

Die Alsfelder Zwctschenernte«

Man schreibt uns:

Die diesjährige Zwetschen ernte von Alsfelv uiid Um­gebung ist außergewöhnlich groß zu nepnen, sodaß an einen Konsum in der geschlossenen Hauswirtschaft nicht mehr gedacht'werden konnte, vielmehr zum Export ge­schritten werden mußte. Wie es das Praktischere war, wurde der Versand nicht durch den Einzelnen bewerkstelligt, son­dern durch Händler, die die Zwetschen an einem vorher bekannt gemachten bestimmten Tage an der Bahn in An­kauf nehmen wollten. Tags zuvor konnte man daher in den Gärten eifrige Hände damit beschäftigt selM, die zum Brechen schwer beladenen Bäume ihrer Bürde zu entledigen. Dienstag und Mittwoch d. W., welche Tage zum Versand bestimmt waren, hörte man auf dem ehrwürdigen Pflaster, unseres lieben Städtchens Handwägelchen und Leiterwagen rasseln, auf «d enen das in Körben und Säcken verstaute Obst von Alsfeld und den umliegenden Ortschaften zur Bahn gebracht wurde. Auf dem hiesigen Güterbahnhof konnte man dann namentlich am Dienstag einem regen Treiben zusehen, dichtgedrängt standen hier Wägelchen und Wagen, von denen der jeweilige Besitzer immer gern zuerst seine Ware abgesetzt hätte, und so stark war dieses Drängen, daß die Anwesenheit zweier Gendarmen notwendig war, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Händler na'hnren dann vor dien Waggons die Zwetschen in Empfang, um sie nach der Wägung in diesen zu verstauen. Der Preis für den Doppelzentner war durchschnittlich 3,50 Mk., doch sand sich späterhin auch ein Abnehmer zu 4 Mk. aus Friedberg. In ganzen wurden bis zum Dienstag abend 6 Waggons mit zusammen 1200 Zentner verladen, denen sich am Mittwoch noch drei weitere Waggons anschlossen. .Von hier aus nahmen dann die Zwetschen größtenteils ihren Weg nach Württemberg und Baden, um dort in den Schnapsbrcnnereien einem schmackhaften Endziel entgegen- zugehen. Wäre nicht vor einigen Tagen über unsere Gegend ein starker Regen niedergegangen," der einen Teil der Zwetschen zum Aufspringen brachte, wodurch sie zum Ex­port untauglich wurden, dann wären wohl auch noch weit größere Quantitäten zum Versand gekommen. Jedenfalls aber war durch die reiche Ernte dem kleinen Mann ein netter Nebenverdienst gewährt und der reiche Grundbesitzer klimpert auch ganz gern mit dem ZwetschengeL im Westentäschel.

*Kuu^t und Wissenschaft.

Professor Habich, der in diesen Tagen von Darm­stadt nach Stuttgart übersiedelt, hat vorher noch verschiedene Ar­beiten vollendet, barunter auch solche sür S. K. H. den Großherzog. Er hatte einen Marmorsarkophag sür Ludwig IV. in Arbeit, der vor einigen Tagen uoHeubet und ins Mausoleum auf der Nosenhöhe übergesührt worden ist. Auf dem Sarkophag ist die wohlgelungene Statue des verstorbenen Großherzogs zu sehen. Schöner italienischer Marmor ist für das Grabmal verwendet. Auch das Grabdenkmal für das Priuzeßchen ist fertig. Es wird unter einer mächtigen alten Eiche im Parke der Nosen­höhe Platz findeit. Ein mächtiger Engel beschützt das niedliche Grabmal des Fürstenkindes, das ja besonders beliebt war und bekanntlich ein Denkmal im Herreugarten besitzt. Von den weiteren Arbeiten Habichs sei noch die Hessenglocke erwähnt, eine vom hessischen Landesverein des beutscheu Flottenvereins gestiftete Glocke iür das SchiffHessen". Sie wird jetzt zum drittenmale bei Hamm in Frankental gegossen, die beiden letztenmale war der Guß nicht ganz tadellos.

. Hoftheater und Warenhaus. Aus Kassel schreibt man: Wie ein Gerücht wissen will, soll die Warenhaus- sirma Tietz das Kgl. Hoitheater für 2 Millionen Mark auf Abbruch erworben haben, um auf diesem außerordentlich günstig gelegenen Grundstück nach Fertigstellung des Hostheater-Neubaues ein Waren­haus zu errichten.

Auf dem 7. Denkmalsvflegetag zu Braun­schweig gab der Vorsitzende Prozessor v. Occhelhäuser-Karlsruhe 11. a. bekannt, das; auf Vorstellung des Vereins für Denkmalspflege die preußische Negierung beschlossen habe, da§ Königl. O p e r n - Haus zu Berli n wieder in seiner früheren G e st a l t her- zustellen und bestehen zu lassen. Für den Neubau eines Opern­hauses soll ein anderweitiger Platz in Aussicht genommen werden. Ministerialrat Freiherr von Biegelebeu aus Darmstadt äußerte sich über den Mißstand, daß Leuten, die nicht fachkundig ausgebildet seien, wie Handwerker ober Verwaltungsbeamte, mit architektonischen Aufgaben betraut werden und regt an, überall, wo es erforderlich erscheint, durch eine höhere Instanz auf die Gemeinden in künstlerischem Sinne einzuwirken. Dann wünschte er, daß die Presse zur Mitwirkung bei den Aufgaben der Denk­malpflege in anderer Weise als bisher herangezogen werde. (Diese Bestrebungen werden bei der die Heimat und ihre Künste liebenden Presse weiteste Unterstützung finden. Bisher ist sie allerdings von den Denkmalspflegern überhaupt kaum zur Mitwirkung in Anspruch genommen worden. D. Ned. d. Gieß. Anz.)

Die ,,N. Fr. Pr." veröffentlicht interessante Mitteilungen über den großen Plan des Professors Wald st ein von der Uni­versität Cambridge, der dahingeht, Hereulanum auszu- groben. Nach diesem Projekte sollen sich alle zivilisierten Staaten znsammentun, um das große Werk zu unternehmen. Die jähr­lichen Kosten werden mit 1 Million Franks beziffert. Besonderes Interesse bringt dem Unternehmen Kaiser Wilhelm entgegen. Der Kaiser hat Professor Walbheim im Sommer 1904 in Berlin empfangen.

Her m a n n Bahrs neuestes DramaDer Faun" beginnt in der neuesten Nummer der Berliner WochenschriftD i e Schaub ü h n e" zu erscheinen.

Zur Feier des 25jährigen Bühnenjubiläums des bekannten Schauspielers W. D i e g e I m n n n in Frankfurt ist für den 12. OktoberNathan der Weise" angesetzt.

Arbeiterbewegung.

Hana u, 28. Sept. In einer Versammlung der Gold- und Silberarbeiter wurde in Sachen der Lohnstreitigkeiten fol­gende Resolution angenommen: Die Arbeiter autorisieren ihre Ver­treter auf Grund der bis jetzt mit den Arbeitgebern getroffenen Vereinbarungen weiter zu verhandeln und zum Abschluß zu kommen. Bewilligt wurde bis jetzt die neunstündigeArbeits- z e i t ohne Kürzung des bisherigen Wochenlohnes, eine allge­meine Lohnerhöhung von 10 p E t. nur den bisherigen Wochenoerdienst, von 20 pCt. für die ersten zwei über die übliche Zeit hinausgehenden Arbeitsstunden und von 50pCt. für jede fol­gende Ueberstunde. Für Sonntagsarbeiten sind 100 pCt. zu ver­güten. Alle unverschuldeten Versäumnisse wie Kontrolloersamm­lungen, kurze militärische Dienstleistungen usw. bürten nicht ab­gezogen werden. Die Arbeiterkommission wird beauftragt, mög­lichst noch weitere Zugeständnisse zu erzielen. Die kürzlich be­schlossene A r b e i t § f ii n b i g u n g u n t c r b I e i b t.

H ö ch st a. M., 28. Sept. Em Teil ber streikenden Schreine; beabsichtigt in Nied ein größeres Anwesen zur Errichtung einer Genossenschaftsschreinerei zu kaufen. Die Kapitalien sollen gezeichnet sein.

B e r l i n, 28. Sept. Die V e r t r a u e n s m ä n n e r w a h l e n bei der Großen Berliner Straßenbahn brachten Dem Zentralverb and der Transport- uub Verkehrs- a r bei ter Deutschlands eine empfindliche Niederlage. Von 40 Mandaten errang ber Zentralverbanb nur 12 gegenüber 26 im Vorjahr, während sich die Kandidaten des Vereins der Angestellte,; der Straßenbahn mit 28 Mandaten Mehrheit behaupteten gegen 14 Mandaten bei den Wahlen im Jahre 1905.

Große Streiks stehen m E n g l a n d bevor. Inner­halb 14 Tagen werben 30 000 Ko h l en ar b eiter streiken um höhere Löhne zu erlangen. Heute (Samstag) wollen 10 000 Eisern arbeitet in ber Umgebung von Glasgow bis Arbeit nieber- legen.

Nahrung für Kmder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseitigtiDiarrhoe, BrcchdurchFaH, Dsrmkatarrh.

5i" der Entwicklung ober beim Lernen zurückbleibenbe Kinder, sowie blut­arme, sich rnattfühlenbe und tterböfe überarbeitete, leicht erreg­bare, frühzeitig erschöpfte Erwachsene gebrauchen als Kräftigungs­mittel mit großem Erfolg Dr. Hommel's Haematogeu.

Der Appetit erwacht, die geistigen und körperlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Gesamt-Nervensystem gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echteDr. Hommel'ö" Haematogen und lasse sich keine der vielen Nachahmungen mtf- reben.

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Unterricht in allen weiblichen Arbeiten: Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weiß- und Buntsticken, Kleidermachen, Bügeln und Kunstwaschen, sowie allen modernen Arbeitest.

Beginn des Unterrichts Dienstag, den 9. Oktober.

Aufnahme der Schülerinnen Montag, den 8. Okt., morgens 10 Uhr, im Schullokale.

Anmeldunflen für die Kochfchule werden selbft- verstärrdliÄ auch bis zum 8. Oktober noch angenommen.

Vorherige Anmeldungen nimmt entgegen und nähere Auskunft erteilt

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