Nr. 229 Wertes Blatt.
1T6. Jahrgang
Samstag 29. September 1906
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.
Die „Giehener FamillenblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätZdruckerei. R. Lange, Gießen.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
politische Lagesschan.
Die fortdauernde Steigerung der Fleischpreise schreibt die „Nationallib. Kvrresp." drückt auf alle Schichten sehr hart. Ein Ende dieser Kalamität ist vorerst leider gar nicht abzusehen. Tic Gründe, welche zu der schwer em- psundenen Fleischverteuerung gcjührt, liegen aus verschiedenen Gebieten. Eine dieser Ursachen läßt sich vielleicht auf die einfache Formel zurücksühren: die Bevölkerung hat in starkem Grade zugcnommen; die V i e h pr o d u kt i o n hielt mit diesem Zuwachs der Bevölkerungszifser n i ch t g l c i ch e n S ch r i t t. Zudem ist tatsächlich durch gesteigerte Lebenshaltung der unteren Klassen auch der Fleischkonsum ein größerer geworden. Angesichts der immer weiter steigenden Fleischpreise und der Unmöglichkeit für die deutsche Biehprodultion, den Bedarf an Fleisch zu decken, muß aber doch immer wieder die Frage nach Vieheinfuhr aufgeworfen werden. Dagegen erhoben sich diejenigen Stimmen, welche durch eine schrankenlose Vieheinfuhr die Einschleppung von Viehseuchen befürchten. Man muß es dem landwirtschaftlichen Minister v. Podbielski zum Verdienst anrechnen, daß seine energischen Maßnahmen Deutschland jetzt so ziemlich viehseuchenfrei machten. Indes erfordert die zwingende Fleischnot doch eine dringende Abhilfe, die ernstlich und mit allem Nachdruck ins Werk gesetzt werden muß. Minister v. Podbielski kann diesmal diese Frage.nicht mit leichter und billiger Jovialität von sich abweisen. Eine vorsichtige Oeff- nung der Grenzen zur Vieheinfuhr scheint geboten. Um die Einschleppung von Seuchen zu verhindern, ließe sich leicht die Errichtung von Schlachthäusern an dnr Grenzen in Erwägung ziehen."
Soweit die offizielle nationallib. Parteiäußerung. Bemerkenswert ist, was der rhein. Oberpräsident Freiherr von Schorlemer bei einem Festessen anläßlich der landwirtschaftlichen Ausstellung in Eleve dieser Tage sagte:
„Wenn wir (Landwirte) Schutz beanspruchen, dann müssen wir auch zeigen, daß die Forderung (der Grenzsperre) begründet ist. Wir stehen in einer Zeit von hohen Vieh- und Fleischpreisen, und sehen damit einer ernsten Zeit für die Landwirt- s ch a f t entgegen. Denn ich kann nicht sagen, daß wir bisher allen Ansprüchen der Konsumenten genügt haben. Es ist daher unsere Pflicht, möglichst viel und gut zu produzieren und dafür zu sorgen, daß allen Anspräazen von Produzent und Konsument Rechnung getragen wird. Um das zu erreichen, ist ein engerer Zusammenschluß der Landwirte nötig, als er bisher in der Nheinprovinz bestand."
Frhr. v. Schorlemer ist selbst Großgrundbesitzer und von verschiedenen Seiten als der Nachfolger Podbielskis im preuß. Landwirtschaftsministerium genannt worden.
Die Arbeiterschaft und die Verteuerung der Lebenshaltung.
Die „Kons. Korr." schreibt:
In der Arbeiterpresse wird seit einiger Zeit auf die Mehrheitsparteien des Reichstages als auf die Ilrhebcr der Lebens- mittel- und Lebenshaltungs-Verteuerung über alle Maßen. gescholten. Soweit die neuen Reichs steuern etwa eine Steigerung von Lebensmittelpreisen hervorgerufen haben, geschieht das mit Unrecht; denn die neuen Reichseinnahmen waren in erster Linie erforderlich, um die wachsenden Kosten der lediglich den Arbeitern zugute kommenden Sozialreform zu decken. Wir wollen hier nicht untersuchen, welche anderen Faktoren außerdem noch auf die Erhöhung der Lebensmittel-, Wohnungs- usw. Preise ein- roirien. Es muß jedoch einmal darauf hingewiesen werden, welchen Einfluß, auf diese Entwickelung gerade die Besser- stellung der Arbeiterschaft ausübt. Wenn man die in ihren Gesamtbeträgen ungeheuren Summen in Betracht zieht, um welche die Arbeitslöhne gestiegen sind und die von Staaten, Kommunen und Arbeitgebern aufgebracht werden müssen, um die in Deutschland allein bestehenden z i a l po l itis ch en Anforderungen zu decken, so muh man sich doch sagen, daß sie anderweitig aufgebracht werden müssen. Aus nichts entstehen doch diese ungeheuren Summen nicht. Dadurch sind die Herstellungskosten aller Erzeugnisse gesteigert, die Mieten erhöht, die Steuern vermehrt — ja, wer soll denn das schließlich tragen? Es ist ganz natürlich, daß diese allgemeine Erhöhung der Produktionskosten wieder einzubringen versucht wird und daß dies die Lebenshaltung der ganzen Bevölkerung verteuert, selbstverständlich also auch die der Arbeiter. Wie kämen denn gerade die Arbeiter dazu, daß sie von dieser Verteuerung verschont bleiben? Was Steuern, Schulgeld, die neuen Auflagen im Reiche usw. betrifft, sind ja den Arbeitern ohnehin ganz wesentliche Zugeständnisse gemacht worden. Aber das müssen sich doch auch die Arbeiter selbst sagen, daß die erhöhten Löhne, die noch immer gesteigert werden, allgemein auf die Kosten der Bedürfnisse zum Lebensunterhalt kräftig ein- wirken müssen. Wenn beispielsweise die „Agrarier es wären, die die Summen einstrichen, um die die Lebensmittelpreise gestiegen sind,, dann müßten sic ja alle zusammen schon Millionäre geworden sein. Aber wie weit entfernt sind sie davon! Es ist also an der Zeit, auch einmal die Arbeiterschaft als einen die allgemeine Leoenshaltung verteuernden Faktor in Betracht zu ziehen.
Hier gesteht also die „Konservative Korresp." zu, daß das, was den Arbeitern vom Parlament aus der einen Seite gegeben wird, ihnen auf der anderen Seite wieder genommen wird.
Wegen Meineids von den Geschworenen verurteilt.
(Schluß.) Gießen, 27. 9.
In der Nachmittagssißnng wird in der Zeugenvernehmung fortgefahren. Der Gefangenenaufseher Plath von Schlitz bekundet, daß die in Rede stehende Frage des Assessors Braun dahin ging: „Sind Sie vorbestraft?" und wurde sie von dem Angeklagten schnell mit Nein beantwortet. Schwab hat im Hast- lokal immer erklärt, er habe Nein geantwortet, wisse aber nicht, daß die Frage sich auf seine Vorstrafen bezogen hat. Auf Befragen des Verteidigers erklärt der Zeuge, er wisse nicht, daß Calmann Schwab bei seiner Vernehmung erregt gewesen sei, bemerkt hat er davon nichts, es könne ja möglich sein, daß dies bei der langen Vernehmung dec Fall gewesen ist. Auf Antrag des Verteidigers konstatiert der Vorsitzende, daß Schaub, der sich der Körperverletzung gegen den Angeklagten schuldig gemacht haben soll, mehrfach wegen liebertretung, Beleidigung, Hausfriedensbruchs, Diebstahls, Körperverletzung vorbestraft ist.
Pfarrer Stock, der den Angeklagtenscit sieben Jahren kennt, erklärt, er kenne ihn als einen reellen Mann. Es sei ihm von Schwab keine schlechte Tat bekannt, von der Vorstrafe habe er erst heifte Kunde erhalten. In Grebenau heiße es wohl manchmal, der Mann sei nicht der beste, aber eine Tatsache, daß dem so sei, fönne niemand angeben.
Bürgermeister Ebel von Grebenau ist über den Leumund des Schwab der gleichen Ansicht. Dasselbe etwa bekundet Landwirt Hrch. Köhler von Grebenau.
Die Zeugen Rechtsanwalt Fischer und Clarenaar bezeugen das vom Rechtsanwalt Reh bekundete Vorkommen int Ainwaltszimmer. Fischer ist der festen Ansicht, er habe klar And deutlich von einem Prozeß Müller und keinesfalls von einem
Prozeß Grünewald gesprochen. Tic im Zimmer anwesenden Kollegen Katz und Reh waren jedoch der Meinung, er habe den Namen Grünewald ausgesprochen, während die Kollegen Dr. Rosenbaum und Tr. Engisch auch Müller gehört haben. Beide Anwälte bezeugen, daß es sehr häufig vorkommt, daß sich Menschen bei Gericht verhören oder sastch hören.
Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen und wird den Geschworenen die Frage wegen Meineids vorgelegt.
Der Anklagevertreter Gerichtsassessor Tr. Hetzel führt aus, wie verhältnismäßig einfach im vorliegenden Strafsall die Feststellung der Schuldsrage liege, denn die Geschworenen haben nur allein zu prüfen, ob der Angeklagte wissentlich falsch die Frage beantwortet hat. Daß die Aussage deS Calmann Schwab objektiv falsch war, darüber ist sich wohl jedermann klar, aber dies reicht nicht hin, um den Angeklagten schuldig zu sprechen, es müsse hierzu sestgestellt sein, daß die Aussage wissentlich salsch unter Eid abgegeben sei. Der Staatsanwalt erklärt, der Angeklagte kann die Frage nach seinen Vorstrafen' nicht salsch verstanden haben. Die vielen Zeugen haben des Assessors Braun. Frage richtig verstanden und es sei nicht zweifelhaft, daß der Angeklagte wissentlich die Unwahrheit unter Eid ausgesagt. Das Motiv der Tat sei naheliegend. Der Meineid ist nicht aus Gehässigkeit geleistet. Der Angeklagte hat aus Eigenliebe, um sein Reuommö nicht zu gefährden, die Vorstrafe totschweigen wollen. Aus den gesamten vorliegenden, in der Beweisaufnahme zutage getretenen Umständen würden die Geschworenen zu dem Schluß kommen, daß sie ein Schuldig sprechen müssen. Die Betrugsvorstrafe des Angeklagten beweise ja, daß man es mit einem
Menschen zu tun hat, der wenig wahrheitsliebend ist; ein Disputierer, ein Rechthaber soll Schwab sein und dies in Ver
bindung mit den ganzen Umständen, beweise, daß der Eid wissentlich falsch, abgelegt ist.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Katz plädiert in längerer Rede für Freisprechung seines Klienten, es gehe nicht an, einen Menschen wegen eines so schweren Verbrechens, das mit mindestens 1 Jahr Zuchthaus geahndet wird, bei so mangelnden Beweisen für schuldig zu erkennen, würde dies geschehen, so müsse man annehmen, daß es mit der Rechtssicherheit der Bürger schlecht bestellt sei. Es sei zu prüsen, ob es wahr sei, was der AngeÜagte behauptet, daß er die Frage des Assessors Braun nicht richtig verstanden haben muß und so lange der Beweis nicht erbracht ist, daß dem nicht so ist, kann man den Angeklagten nicht verurteilen. Der Fall int Anwaltszimmer spricht eine beredte Sprache, er ist für den vorliegenden Fall lehrreich, darum habe er ihn unmittelbar durch die Beteiligten zur Kenntnis der Geschworenen bringen wollen. Es sei ganz und gar undenkbar und auch nicht erklärlich, warum der Angeklagte salsch geschworen haben soll. In eindringlicher Weise stellt der Verteidiger den Geschworenen vor, daß jeder in die gleiche Lage des Angeklagten fonunen könne, denn es sei eine Erfahrung des täglichen Lebens, daß häufig sich ein Mensch verhöre. Die Geschworenen hätten die Pflicht, auch int Zweifelsfall auf Freisprechung zu erkennen. Dabei versichert er, dpß nach seiner Ueberzeugung der Angeklagte unschuldig sei.
Die Geschworenen sprachen nach 10 Minuten dauernder Beratung ein Schuldig aus.
Der Staatsanwalt wies darauf hin. daß zwar auf Zuchthaus zu erkennen sei, aber weitgehende Milderungsgründe bei Ausmessung der Strafe zu berücksichtigen feien. Zuerst dessen Alter, seine geringfügige Vorbestrasung, die schon lange zurückliege, der Umstand, daß der falsche Eid nicht aus Gehässigkeit und nicht nach langer Ueberlegung hin, sondern rasch geleistet tvorden sei. Aus diesen Gründen beantragt der Anklagevertreter auf die geringste, gesetzlich zulässige Strafe von 1 Jahr Zuchthaus zu erkennen, dem Angeklagten zwei Monate der Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe abzurechnen, dem Angeklagten sind die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre und die dauernde Eidesunfähigkeit abzusprechen. Der Angeklagte, der während der ganzen Verhandlung äußerlich vollkommen ruhig geblieben ist, erklärt noch, er sei nicht schuldig und habe sonst nichts vorzubringen.
Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten, wie bereits gestern mitgeteilt wurde, nach dem Anträge des Staatsanwalts.
Aus S»aot uno Luus.
Gießen, den 29. Sept.
** Reife Erdbeeren! Wir leben jetzt in einer feit- fernen Zeit. Morgens fast winterliche Kälte, dichter Nebel, fast Nauhreif; tags (bis heute, wo der Nebel leider anhält) Heller warmer Sonnenschein, der hinauslockte in den mit den köstlichen Herbstfarben sich schmückenden Wald. Da ist nun gestern jemand hinausspaziert in den Schiffenberger Wald und auf dem Rückwege sprach er bei uns vor, um uns mit einer seltenen, wundervoll aromatischen Gabe zu erfreuen. War es vorgestern ein Zweiglein reifer Kirschen, das uns auf denNedaktionstisch gelegt wurde, — gestern war es ein Sträußchen lieblich duftender Walderdbeeren! Gibts noch mehr der späten Sommerfrüchte?
•* Neuheit für Postwertze:chenfammler. Seit einigen Tagen geben unsere Postämter die früheren mit einer 2 Psg.-Marke bedruckten blauen Stadtpostkarten, welche für den jetzigen Gebrauch noch nachträglich mit einer 3 Psg.- Marke bedruckt sind, aus. Der Vorrat, über den für Gießen die Post verfügt, ist nicht groß und so werden die Karten bald vergriffen fein.
©riinberg, 28. Sept. Das dem Andenken des Generals v. Reden gewidmete Denkmal hat feine Aufstellung an der linken Seite der Stadtkirche gesunden. Eine daneben in die Kirchenmauer eingelassene Tafel trägt folgende die Bedeutung des Denkmals erklärende Inschrift:
„Ernst Friedrich von Reden, hannoverfcher Generalleutnant der Kavallerie, geboren 1713, wurde am 21. März 1761 bei Atzenhain in einem Treffen gegen die Franzosen, deren Führer Herzog von Broglie war, verwundet. Er starb zu Grünberg noch am selben Tag und wurde im Chor der alten Stadlkirche beigesetzi. Sein Grabdenkmal wurde hier von neuem ausgestellt im Jahre 1906 durch den Urenkel des Generals Gottfried von Sieden/
Das Denkmal, nach dem ,©r. Anz." eine wehklagende Frauengestalt darstellend, wird die Vorübergehenden nicht allein an einen tapferen Kriegsmannn erinnern, der im Kampfe gegen den Erbfeind fiel, sondern auch an die Ställe, in der es feine erste Aufstellung gefunden hatte, die in der Inschrift erwähnte alte Stadtkirche, einst eins der schönsten Denkmäler der Kirchenbaukunst, das infolge unverzeihlicher Saumseligkeit in Trümmer sinken mußte.
— Bad-Nauheim, 26. Sept. Bis zum 20. Sept, sind 27 19 2 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 1806 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 27. Sept. 1906 372 377 abgegeben.
k- Friedberg, 28. Sept. An der großen Eisen- bahnbrücke über das Usatal nordöstlich der Stadt wurden seither umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten ausgeführt, die eine dreimonatliche Bautätigkeit erforderten. Es galt in erster Linie, die Brücke gegen Niederschläge durch Betonierung und, Asphaltierung zu sichern, da seither das Wasser von oben in und durch das Mauerwerk drang und schwerer Schaden drohte. Die Brücke ist jetzt auf derOstscfte abgedichtet und entwäffert; die Westseite folgt im Frühjahr. — Zwei wichtige Projekte werden in nächster Zeit die Stadt beschäftigen, die Erbauung einer Turnhalle und eines Volks bad es. Zu letzterem ist das Baugelände schon angekaust, auch hat ein Herr 50 000 Mk, gestiftet.
P. Schlitz, 24. Sept. Wie aus Oppenheim gemeldet wird, hat die Hauptversammlung der hessischen Gewerbevereine beschlossen, die nächste Hauptversammlung 1907 in Schlitz abzuhalten. Der hiesige Gewerbeverein hat sich hiermit eine Aufgabe gestellt, die viele Mühe machen wird, jedoch im Jnceresse der Stadt freudig zu begrüßen ist. — Zu den in den nächsten Tagen statt- sindenden Wahlen in die Landwirtschaftskammer hat der landw. Bezirksverein für den Wahlbezirk Lauterbach-Schlitz Herrn A. F. Rodemer in AngerSbach als Kandidaten aufgestellt. Mit dieser Kandidatur ist man hier nicht einverstanden und man beabsichtigt den Mühlenbesitzer Karl Goppel hier zu wählen.
P. Schlitz, 27. Sept. Im Bade Salzschlirf verunglückte gestern in einer Lehmgrube der Mühlenbesitzer W. Otterbein (Bögenmühle). Er wollte mit feinen zwei Pferden eine Fuhre Lehm holen; bei dem Loshacken lösten sich überhängende Erbmassen und verschütteten den O. bis zum Halse. Obwohl rasche Hilfe zur Stelle war, gab der Schwerverletzte infolge Lungenverblutung nach einigen Stunden seinen Geist auf. Ottcrbem war ca. 37 Jahre alt und seit einem Jahre verheiratet.
w. Aus dem Kleebachtal, 26. Sept. In erfreulicher Weise hat der Taunusklub in seiner am Sonntag abgehaltenen Generalversammlung zu Wetzlar auch für die Erschließung derckTropfsteinhöhle bei Oberkleen die erforderlichen Mittel bewilligt. Nach der von SDlitgliebern der wissenschaftlichen Kommission bc5 Stamm-Klubs an Ort unb Stelle vorgenommenen Besichtigung erscheint bie Erschließung ber Höhle wohl angezeigt, unb eS dürfte dadurch ein Unternehmen zur Ausführung gelangen, das der Wissen- schaft und der Bevölkerung nur zum Vorteil gereichen wird. Selbstverständlich soll vor Verwendung der Mittel für den gedachten Zweck erst eine fachmännische Autorität gehört werden.
§ Herchenhain, 26. Sept. Bekanntlich hat sich die hiesige Sektion des Vogelsberger Höhenklubs, eine der stärksten, vom Hauptverein abgezweigt. Zum Präsidenten des neu- gegründeten „Verkehrsverein Vogelsberg" wurde Lehrer Gaul-Siechenhausen gewählt.
§ Ruppertenrod, 27. Sept. Wie ungemein rentabel die Obstbaumzucht ist, lehrt so recht augenscheinlich der Betrag, der bei den diesjährigen Obstoersteigerungen erzielt wurde. Obgleich die Obstbäume in unserer Gemarkung allgemein vollhängen, so war doch der Preis für Aepfel recht hoch. Für die Obsternte an ber Kreisstraße Ober-Ohmen— Ruppertenrob—Mücke würbe ein Erlös von ca. 400 bis 500 Mk. erzielt, bie Gemeinbeobst-Versteigerung ergab ben Betrag von 325 Mk. Wenn man bazu in Erwägung zieht, baß bie Obstbaumzucht, insonberheit an ben Kreisstraßen, noch recht jung ist, so leuchtet die Rentabilität derselben von selbst ein.
X Lauterbach, 27. Sept. Wie schon früher erwähnt findet in der Zeit vom 11.—14. Oktober im Felsenkeller zu Lauterbach die diesjährige Obstausstellung des Ober- Hess. Obstbauvereins statt, die dazu dienen soll, die Lust am Obstbau zu wecken bezw. noch zu vergrößern. Die zum Teil kalten und nassen Böden, sowie die zugigen falten Lagen bringen es mit sich, daß nicht alle Obstarten und Sorten in ben Kreisen Alsfeld unb Lauterbach gebeihen, wenngleich auch nicht verschwiegen werben barf, baß bezüglich der Pflege der Bäume noch viel zu wünschen übrig bleibt. Trotzdem wächst an sonst geeigneten Stellen unserer Vogelsberger Streife ein Obst, das sich mit vielem anderen ruhig messen kann, wenngleich auch die Färbung nicht immer so intensiv ist, wie in wärmeren Gegenden. Man denke nut an die schönen Goldparmänen und Geflammten Cardinäle rc., die fast in allen Orten gu finden sind. Die Ausstellung, zu der schon viele Anmeldungen eingegangen sind, wird nun zeigen, was in den letzten Jahren bezügl. der Pflege der Bäume und der Sortenauswahl gegen früher besser geworden ist. Außerdem wird der Oberhess. Obstbauoerein als solcher einige Sortimente, die den Verhältnissen angepaßt sind, zu- sammenstellen, aus denen ersehen werben kann, welche Sorten speziell für rauhe Ldgen, Feldpflanzungen, Gärten, für Einmachzwecke, Weinbereitung re. geeignet sind, und kann nur jedem Landwirt und Gartenbesitzer empfohlen werden, das Gebotene genau zu studieren, um für die Praxis Nutzen daraus zu ziehen.
Mainz, 28. Sept. Zwischen den Brauereien und den Vertretern des Gastwirte-Verbandes schweben soeben Unterhandlungen, die voraussichtlich zu einer Verständigung mit ber Arbeiterschaft und Aufhebung bes Bierboykotts führen. Es soll ben Arbeitern in sämtlichen Brauereien eine Lohnerhöhung unb ben Bierzapfern eine kleine Entschädigung für jeben Hektoliter Bier gewährt werben.
--- Werdors (Kreis Wetzlar), 26. Sept. Weil der Name hiesiger Haltestelle an ben an gleicher Bahnstrecke gelegenen Ort Herdorf anllingt, wodurch schon öfters Mißverständnisse unb Irrtümer hervorgerufen worden finb, würbe es sich empfehlen, bie hiesige Station Werdorf-Berg-


