regtment Nr. 179, Herzschuß: Reiter Friedrich Fincke, geboren zu Nowka, früher Infanterieregiment Nr. 74, Kopfschuß; Reiter Adolf Lietz, geboren zu Oberstem, am Typhus gestorben. Unteroffizier Friedrich Meyer, geboren in Neukrug, früher Infanterieregiment Nr. 128 rft an Skorbut gestorben. Am 4. Mai bei Nooisvley verwundet: Oberleutnant Ernst Meliers, geboren zu Kuestrin, früher im Jägerbataillon 4, (Quetschwunde am linken Unterarm. Weichteilschuß im Gesäß).
Nach einer Depesche aus Kapstadt wurde Morenga, der dort mit einem halben Dutzend Anhängern oon der Kap-Polizei eskortiert eintraf, sofort in das T o k a i - Gefängnis gebracht, wo er bis zur Herstellung des Friedens in der deutschen Kolonie verbleiben wird. Die Kap-Regierung weiß nichts von einem angeblichen Gesuch aus Berlin nm Auslieferung Morengas.
Hauptmann Ni gm a nn meldet ausJringa (Ostafrika), daß bis jetzt 7 Hauptanstifter der Aufständigen des Bezirkes auf der Station festgesetzt worden sind. Es fehlt dort nur noch ein Rädelsführer. Zahlreiche kleinere Unterwerfungen mit Waffenabgabe finden dauernd statt. Insgesamt haben sich bisher 900 waffenfähige Männer freiwillig unterworfen. Aus Mahenge wird berichtet, daß die Jumben in der Ulanga-Ebene sich zum größten Teil unterworfen haben. Ebenso schreiten die Unterwerfungen in dem Sultanat Jtakarra und Kiberege fort. Offener Widerstand wird nur noch in der Landschaft Mgende geleistet. Die aufständigen Jumben, Ukurumzina und Kllangwana des Bezirks Dkrogoro sind am 15. gehängt worden.
Aas parlamentarische Kurland.
Petersburg, 27. Mai.
Schon um 1 Uhr hatte zahlreiches Publikum die Plätze auf den Tribünen der Duma eingenommen. Die Sitzung beginnt pünktlich um 21/4 Uhr. Goremykin beginnt mit leiser Stimme die Erklärung her Regierung auf die Dumaadresse vorzulesen, was 25 Minuten in Anspruch nahm. Die Erklärung besagt im wesentlichen folgendes: Die Regierung erklärt ihre volle Bereitwilligkeit, zu der Bearbeitung der von der Duma angeregten fragen, soweit dieselben nicht den Rahmen der ihr zugestandenen gesetzgeberischen Initiative überschreiten, ihre volle Unterstützung zu leihen. Diese Unterstützung wird die Regierung auch hinsichtlich der Abänderung des Wahlrechts an den Tag legen, obgleich sie dafür hält, daß diese Frage nicht der sofortigen Beratung unterliegt, da die Duma erst ihre Tätigkeit beginnt, und daher noch nicht über das Bedürfnis nach einer Abänderung Klarheit geschaffen werden konnte. Mit besonderer Vorsicht verhält sich der Ministerrat gegenüber der von der Duma angeregten Frage hinsichtlich der unaufschiebbaren Befriedigung der Bedürfnisse der San dbcvölkerung, der Gleichstcllung der Bauern mit den übrigen Klassen, der Befriedigung der Bedürfnisse der Arbeiter und der Frage der Ausarbeitung des Gesetzes über den obligatorischen Volksunterricht, der Heranziehung der vermögenden Klassen zur Steucrpflicht usw. Nicht geringe Bedeutung nrifct der Ministerrat den angeregten Gesetzen, betr. die Unantastbarkeit der Person und des Gewissens, bctr. die Preß-, Versammlungs- und Vcreinssreiheit bei: jedoch hält er es für nötig, bei der Ausarbeitung solcher Gesetze die Verwaltung mit wirffamen Mitteln auszurüsten, damit die Regierung dem Mißbrauche der gewährten Freiheiten Vorbeugen bezw. entgegenwirken kann. Jnbezug auf die Lösung der Agrarfrage mit Hilfe der Apanagen-, der Kabinetts-, der Kloster-- und der Unterrichtsländereien und der zwangsweisen Enteignung des Privatgrundbesitzes, wozu auch der Privatgrundbesitz der Bauern gehört, hält es der Ministerrat für seine Pflicht zu erllären, daß eine derartige Lösung unbedingt unzulässig ist. Die Regierung kann das Besitzrccht nicht einem nehmen und dem anderen zugestehen. Das Recht des privaten Grundbesitzes bestreiten hieße überhaupt das Recht des Privatbesitzes bestreiten. Die Unantastbarkeit des Eigentums bildet in der ganzen Welt und auf allen Stufen der Entwicklung des bürgerlichen Lebens den Echte in des Volkswohlstandes und einen Grundpfeiler des Staatslebens. Die übrigen von der Duma erwähnten Gesetze betreffen die Verantwortlichkeit der Minister und die Beseitigung des Reichsrates. Bei diesen Vorschlägen es beivenden zu lassen, hält der Ministerrat sich nicht für berechtigt. Was endlich die Fürsorge der Duma für die Feststellung von Gerechtigkeit und Recht in Armee und Flotte betrifft, so erllärt die Regierung, daß im Heere diese Grundlagen unerschütterlich sind und jetzt die Sorge des Führers darauf gerichtet ist, die materielle Lage des Militärs aufzubessern und Mittel ausfindig zu machen zur umfangreichen Verwirklichung darauf hinzielender MaßnalMen. Zu der angeregten Aufhebung der Ausnahmegesetze und Beseitigung der Willkür von Amtspersonen übergehend, findet der Ministerrat, daß sie völlig zum Gebiete der Staatsverwaltung gehören, auf welchem der Duma nur das Interpellationsrecht zusteht.
Des Ministerpräsidenten Gesamtauftrcten blieb eindruckslos. Er endigte unter eisigem Schweigen.
In der nun folgenden Debatte greifen alle Redner unter oft donnerndem Beifall das Ministerium scharf an. R o di tsche w, vor Auftegung zitternd, führt aus: Die Minister müßten sich moralisch verantwortlich fühlen vor dem Volke, das betrogen sei. Die Revolution komme mit Riesenschritten heran. Die Minister sollten gehen! So enden alle Redner. Um 4 Uhr tritt eine kurze Vertagung ein. Nach Wiedereröffnung erklärte der Rektor der Universität Odessa, Schtepkin: Die Erklärung der Regierung habe den Gemäßigten das Mittel aus der Hand genommen, das allein geeignet war, das Land zu beruhigen. Als Rektor könne er behaupten, daß die Arbeiten in den Universitäten jetzt nicht ausgenommen werden. Der Rechtsanwalt W i n a w e r weist der Regierung nach, sie habe nicht den Mut gehabt, alle brennenden Fragen zu berühren . Justizminister S ch t e g l v - witvw suchte die Regierung zu verteidigen. Da er das nicht ungeschickt machte, ertönten sogar einige Beifallsrufe, jedoch von den Kadettenbänken ertönte energisches Zischen. Grcdeskul antwortete ihm. Am interessantesten war die Rede des Führers der Oktober Partei, des Grafen Heyden, aus der deutlich hervorging, was niemand erwartet hatte, daß nämlich die Oktober- Partei nunmehr energisch nach links abs-ckwenke. Der Antrag der Kadetten und der Arbeitergruppe, dem Ministerium das Mi^ trauen auszudrücken, wird angenommen. Der Beschluß der Duma, in dem die sofortige Entlassung des Ministeriums und die Ersetzung durch ein Ministerium, das das Vertrauen der Dumamehrheit genieße, verlangt wird, wird mit allen gegen 7 Stimmen angenommen.
Dieser Beschluß hat in Regierungskreisen, weil erwartet, keine Ueberraschung hervvrgcrufen. Man ist der Ansicht, daß selbst wenn der Zar ein anderes Kabinett aus Mitgliedern der Duma berufen sollte, dieses ebenfalls die zu weit gehenden Forderungen der Duma absolut nicht bewilligen könnte. Weiter ist man überzeugt, daß die gegenwärtigen Elemente der Duma es nicht auf einen Konflikt mit der Krone werden ankommen lassen, sondern bestrebt sein werden, mit der Regierung ein Kompromiß einzugehen, damit die drohenden Gefahren beschworen werden. Die Entlassung der Minister hängt ausschließlich von der freien Entscheidung des Kaisers ab.
Die Rede des Justizministers war der Ausdruck seiner persönlichen Ansichten und aus seiner eigenen Initiative hervov- gegangen. Der Abgeordnete von Charkow Namens Lionow hat sein Mandat niedergelegt, weil er cinsah, daß „seine Gegenwart nicht am Platze sei inmitten so hervorragender Männer, die eche so vornehme und gelehrte Sprache reden". Etwa 20 Bauern
abgeordnete sind in ihre Bauerndörfer zurückgekchrt, um ihre Aecker wieder zu bebauen. /■
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Gegen den Gcneralgvuvcrneur von Tiflis, der mit dem Polizeimeister in einem Wagen fuhr, wurde ein Bombenanschlag verübt. Der Gcneralgouverneur und der Polizeimeister blieben jedoch unverletzt, während ein Kosak getötet wurde. — Nach Meldungen aus Odessa zieht der Matros c n - Au s st a n d alle Hafenstädte des Kaukasus und der Krim in Mitleidenschaft. Der gesamte Sck>iffsverkehr auf dem Schwarzen Meer ist lahmgelegt. — In Riga wurde der öster- reichyche Staatsbürger Gustav von Schuttenbach in seiner Wohnung ermordet aufgefunden. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. Zahlreiche deutsche Pastoren Kurlands erhielten Drohbriefe, man werde alle Landpastoren erschießen. Der Pastor Grüne wurde von Revolutionären ermordet, Pastor Seeberg in Doblen verwundet. — In Petersburg kam cs vor dem Hause eines patriotischen Vereins, auf dem cnglisck>en Prospekt, wo schon seit einigen Tagen llcinere Reibereien stattsandcn, zu einem blutigen Zusammenstoß, wobei 6 Arbeiter erschossen wurden. Die Straße wurde sofort abgesperrt.
Wie jetzt bekannt gegeben wird, sind in 36 'Kreisen von 24 Gouvernements etwa 25 Millionen der Bevölkerung durch die letzte Mißernte betroffen: jetzt sind in diesen Gegenden! Hunger, Skorbut und Typhus ausgebrochcn. in vielen -Ortschaften wurden int Frühjahr die Felder überhaupt nicht bestellt: alles schreit nach Brot. Das Stroh von den Dächern wird zu Viehfutter verwandt, das Vieh krepiert in Massen. Eine große Agrarbewegung ist bereits in den Gouvernements Charkow und Poltawa im Gange. Die auf den Gütern patrouillierenden berittenen Landschaftspolizistcn werden von den Bauern mit dem Tode bedroht: infolgedessen! reichen sie ihren Abschied ein. Die Gutsbesitzer sind schutzlos.
Der c hcmaligc Ober pro kurator des heiligen Synod P o b - jedonnoszew erhielt von Revolutionären die Verständigung, daß er von ihnen zum Tode verurteilt worden sei. Infolgedessen wird die Wohnung Pobjedonnoszews von der Polizei aufs schärfste bewacht.
Aus Stafct uud Land.
Gießen, den 28. Mai 1906.
• • Der Landesausschuß der freisinnigen Partei für das Großherzogtum Hessen faßte bei seiner Tagung am Sonntag in Frankfurt a. M. folgende R e s o l u t i o n:
Der Landesausschuß des freisinnigen Landesvereins für daS Großherzogtum Hesien erblickt in d e m Z u s a m m e n s ch l u ß aller e n t s ch i e d e n L i b e r a 1 e n die einzige Möglichkeit zur wirksamen Bekämpfung der wachsenden Reaktion und zur Stärkung d e s L i b e r a l i s m u s. Ticse.E i n i g u n g darf jedoch niemals unter Preisgabe liberaler Grundsätze erfolgen. Die Unterstützung von Kandidaten anderer Parteien wird darum lediglich nach deren Stellungnahme zu einer ernsthaft liberalen Politik zu beurteilen sein. Aus diesem Gesichtspunkt heraus billigt der Landesausschuß die von dem Wahlausschuß der vereinigten Liberalen bei der Dar nist ä d t e r R e i ch s t a g s w a h l eingenommene Haltung und die von ihm ausgegebene S t i ch w a h l p a r o l e.
* * In Audienz empfangen wurde am Samstag von S. K. H. dem Groß Herzog u. a. der Rektor der Schillerschule in Friedberg Balser.
* * D i e Dien st bezirke der Großh. Amtsanwälte in Oberhessen sind vom 1. Juli ab wie folgt verteilt: Zum Bezirke des Amtsanwalts gehören die Amtsgerichtsbezirke: in Alsfeld: Alsfeld, Grünberg, Homberg, Laubach;in Büdingen: Allenstadt, Büdingen, Nidda, Ortenberg, Schotten; in Friedberg: Bad Nauheim, Friedberg, Vilbel; in Gießen: Butzbach, Gießen, Hungen Lich; in Lauterbach: Herbstein, Lauterbach, Schlitz, Ulrichstein.
** Herman Schiller-Ehrung. Sonntag vormittag um 11 Uhr fand in der Aula des hiesigen Gymnasiums die Enthüllung der Gedächtnistafel für Herman Schiller statt. Profcsior Kornemann aus Tübingen, bekanntlich ein früherer Schüler und Mitarbeiter Schillers und Verfasser des schönen und gehaltvollen Nachrufs des „Gieß. Anz.^ kurz nach dem Tode des hervorragenden Pädagogen, dankte im Namen des Ausschusses für eine Schillerehrung dem Großh. Ministerium und der Direktion des Gymnasiums für das Entgegenkommen, das sie den Wünschen des Ausschusses gegenüber bewiesen hatten; er nahm sodann die Enthüllung vor und übergab das Denkmal dem jetzigen Leiter der Anstalt. Geheimerat Schädel feierte die Verdienste seines Vorgängers um das hiesige Gymnasium. Professor Messer hielt sodann eine Gedächtnisrede auf Schiller, in der er ein Bild seiner Persönlichkeit und seines Wirkens entwarf. — Die Gedächtnistafel selbst, ein Relief aus weißem Marmor, von dem Leipziger Künstler Lehnert ausgeführt, wurde allseitig als ein vorzüglich gelungenes Kunstwerk anerkannt.
* * Verband hessischer historischer .Vereine. Vertreter von 10 hessischen GeschichtSvereinen gründeten am Samstag in Frankfurt einen Verband der Ge- schichts- und Altertumsvereine iin Großherzogtum Hessen. Mit der Leitung der Verbandsgeschäfte wurde der Darmstädter Verein beauftragt.
* * Besitzwechsel. Bauunternehmer Aug. Sch epp e l- inann verkaufte sein Hans Noon st raße 30 an W. U brich zum Preise von 28 700 Mk.
b. Friedberg, 28. Mai. Bei der Reparatur des Hauses Kaiserstraße 30 wurden für Altertumskenner sehr wertvolle Sachen gefunden, und zwar eine Flinte mit Goldeinlage am ganzen Lauf, sowie eine Jagdbildeinlage von Silber am Schloß, eine Donnerbüchse zum Auflegen mit Bock dazu, wie sie zur Zeit der Erfindung dcS Schießpulvers gebraucht wurden, und vier B lu me n - M o d e ll e au? den Jahren 1574 und 1640, die für Marzipangebäcke gebraucht wurden. Weiter wurden zwei sehr gut erhaltene urnenförmige Spörne rtrüge gefunden. Sämtliche Gegenstände befinden sich im Besitz des Uhrmachers Louis Burk hier.
— Hungen, 27. Mai. Die Hauptversammlung des Oberhessischen Ob st bau Vereins tagte heute im Saale zum „Solmser Hoft unter dem Vorsitz des Reichs- tagsabg. Grafen Oriola von Büdesheim. Ans allen Teilen Oberhessens waren die Obstbaumzüchter äußerst zahlreich erschienen. Als Vertreter der Regierung war Landesökonomie- rat Müller anwesend, der deutsche Pomologenverein hatte seinen Vorsitzenden Lorges-Eisenach entsandt. Die Tagesordnung war von größter Wichtigkeit, namentlich waren es die beiden Referate, die das Interesse der Versammlung sehr in Anspruch nahmen und lebhaften Beifall ernteten: 1. „Die Bedeutung des Waffers für das Leben deS Obstbaumes" von Dr. Hofmann-Friedberg und 2. „Der Obstbau nach der Feldbereinigung" von Obstbautechniker Wiesner-Friedberg. Näherer Bericht folgt.
vermischtes.
• Paris, 26. Mai. Das „Journal Ofsiciell" veröffentlicht die Vorschriften für den Ausschuß zur Hilfeleistung für die durch die Katastrophe von Courriöres betroffenen Familien. Die eingegangenen Beträge übersteigen sechs Millionen Franks. Die Unterstützung wird den Betroffenen in Form von unübertragbaren Sparkaffenbüchern mit spätem Auszahlungstermin überreicht. Minderjährige können den Betrag erst bei erreichter Volljährigkeit oder Verheiratung erheben.
* Königsberg i. Pr., 27. Mai. Aus Anlaß der Verhaftung eines Arbeiters, die gestern abend auf dem Sackheim vorgenommen wurde, entstand ein Tumult. Es wurde der Verftrch gemacht, den Verhafteten zu befreien. Allmählich sammelte sich eine etwa tausendköpsige Menge art, die johlte und pfiff. Die Schutzleute, welche Verstärkung requiriert hatten, wurden vom Pöbel mit Flaschen und anderen Gegenständen beworf en; mehrere Schutzleute erlitten leichte Verletzungen. Die Schutzleute zogen blank und verhafteten etwa 14 Personen zum Zwecke der Feststellung ihrer Namen; zwei Personen wurden in Hast behalten. Gegen 10 Uhr zerstreute sich die Menge.
* Ein teures Pferd. Der „Newyork Herold• berichtet, daß der argentinische Pferdezüchter Luro die Stute „Jardy" zum Preise von 750000 Frcs. dem französischen Pferdezüchter Blanc abgekauft hat.
* Kleine Tageschronik. In Magdeburg machte der Kaufmannslehrling Haase einen Mordversuch auf die Kaufmannsfrau Wiggerk. Er feuerte einen Nevolverschuß auf die Frau ab, der diese schwer im Genick verletzte. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Der Vater des Lehrlings hatte schon vor einigen Tagen gedroht, einen Mordversuch gegen den Kaufmann zu unter- nehmen, der zufällig verreist ist. — In Neumünster wurden die Arbeitereheleute Silberbach in ihrer Wohnung vergiftet aufgefunben. Tie Frau war bereits seit Stunden tot, der Mann nab noch schwache Lebenszeichen von sich. Der Beweggrund zur Tat ist unbekannt. — Dem Probst Freiherrn von L i l i c n c r o n in Schleswig ist die große goldene Medaille für Wissenschaft verliehen worden. — Der Bergmann Janetzko aus Bielschowitz (Ober- schlesienl wurde am Ameisenberg bei Antonienhütte tot aufgefunden. Von unbefannten Tätern war ihm ein Messerstich ins Herz beigebracht worden, bann wurde er an einen Baum geknüpft. — Eine G e w i tt e r f a t a st ro p h e, bei ber eine Person vom Blitz erschlagen würbe, währenb drei andere ernste Verletzungen erlitten, ereignete sich in ber Kolonie Müggelheim bei Friebrichshagen (Mark). — Bei Riesensbeck im Harz geriet ein Automobil in Bran b. Zweien der Insassen gelang es abzuspringen, währenb zwei andere mit dem Automobil in einen Straßei,graben geschleudert und schwer verletzt wurden. — Das Schloßgut des früheren braunschweigischen Gesändken Freiherrn von C r a m m - B u r g s d o r ff wurde in der Siibhastation von seinem Sohn erstanden. Das Gut ist mit einer Familienhyvothek voU 131 400 Mark belastet. — Die Gattin des am 15. b. Alls, ermordeten Privatiers Schneider aus Bilin (Böhinen) hat geftanben, ihren künftigen Schwiegersohn Gabelt gehangen zu haben, um ihren Ehemann meuchlings zu ermorden. Sie hatte Göbelt für die Mordtat 4000 Kronen versprochen. Das Morderpaar ist in das Gefängnis zu Brüx eingeliefert worben.
Industrie und Bahnen im Vogelsberg.
Wir erhielten folgende Zuschrift:
# Mücke (Oberh.), 23. Mai.
Ersuche Höst, um gell, alsbaldige Erwiderung des Nachstchendeir auf die versuchte Richtigstellung bezugl. des in ber am heutigen erschienenen Auflage Ihrer geschätzten Zeitung enthaltenen Artikels Jnbustrie unb Bahnen im Vogelsberg.
Kurz sachlich erwähne ich: Wenn der Herr Centgegner meine? Artikel? einige Ruhe bei ber Kenntnisnahme meiner Ausführungen bewahrt hätte, so hätte er zu einem anberen Resultat gelangen müssen. Es war au§ meinem Artikel absolut nichts anberes heraus- zunehmen als Begrünbungsmaterial für einen von staatswegen aus- zilführenbeii Bahnbau nach Ulrichstein. Einige Zahlenangaben mären zur richtigen Beurteilung der Sache erforderlich unb war hiermit nicht im geringsten ein Angriff auf bic bestehenbe Eisensteinindustrie verbunden, im Gegenteil, erfreuliche Fortschritte im Vogelsberg sollten den besagten Bahnbau fördern Helfern Von anderer Seite ist dies auch so aufgefaßt worden, unb ich war bereits am Tage bc§ Erscheinens erwähnter Entgegnung gebeten worben, meine Ausführungen bezügl. Eisenerze näher zu betaittieren, was am selben Tage auch geschehen wäre. Nunmehr fühle ich mich einstweilen nur veranlaßt, meinen Artikel insoweit zu berichtigen, baß, wie mir mitgeteilt würbe, ganz bebeuteube Staatssteuern von den Gewerkschaften gezahlt werben; Kommunalsteuern waren ja bureb die für die Betriebe erforderlichen Grunbbesitz- ergreifungen selbstverständlich. Meine Bezeichnung Produktions- kosten hätte vielleicht besser Förberungskosten gelautet, ber verdeutschte Ausdruck wäre vielleicht, im richtigen Sinne zu verstehen^ leichter gesallen.
Mit koiistanteni Nachdruck silcht nun der Herr Entgegner meine Angaben zu terbeuteln. Wo habe ich denn etwas von 25 Meter Tecfgebirgc-Ueberlaaerung ober von 25 Meter Breite in meinem Artikel erwähnt? Ich habe wörtlich gesagt: , „Bei einer Siefen» ausbehnuiig bes Lagers oon 25 Meter unb einer Mächtigkeit bis zu 15 Meter", das zu verstehen, fällt doch wahrhaftig selbst bent Laien nicht schwer. Ferner statt Vrobilktions-Kosten setzt der Herr Entgegner die Bezeichnilirg Uiikosten ein, ja hier liegt ge- rabe ber Knalleffekt bezüglich meiner Bahnabsichten; hätte z. B. der Herr (Sntgegncr die Bahn bei seinem Betriebe in Groß-Eichen, so hätte er in der Hauptsache nur noch Produktions - Kosten, aber feine Unkosten durch Landtransport, Umladung auf der Station u. f. w. (Produktion f. lateinische Anfangsstufen rpro~ ducere“).
Einige andere Bemerkungen und Vorschläge des GegenartikelS übergebe ich mit Kühle, nur dürfte es mit den Milliönchen doch nicht so ohne sein, was ich aus mir von einem Fachmann gemachten Stenerangabeii entnehme, die darauf schließen lassen, daß keine Milliöiichen herein-, sondern doch hinauswandern. Immerhin ist es entfcbicbcn dankenswert anzuerkennen, baß es Leute gegeben hat, bie die Sache hier im Vogelsberg auf ben Schwung brachten.
Der Herr Entgegner wirft mir inbeß anbauemb in seinen Auslassungen Unkenntnis ber Sachlage, technische Unkenntnis u. s. ro. vor; ja fürs erste: ist beim vom kaufmännischen Stanbpunkte aus ber Herr Entgegner nicht selbst zu seiner Orientierung auf bie Presse ?c. angewiesen gerade so gut wie ich, ober ist ber Herr Entgegner etwa Autor ober biftiert er selbst bie Marktlage? und fürs zweite möchte ich ihm bemerken, baß meine geologischen Kenntnisse nicht allein nur seiner Eisensteine unb Eisensteingruben, sonbern aller uorfommenber Erzlagerungen unb Mineralien bie seinigen entschieben übertreffen.
Ich bemerke nochmals: meine Sache galt ber Bahn Mücke- Ulrichstein, aber nicht etwa ließ mich meine angeborene Kourtoisie gewisse Sonderinteresien kritisieren, die ich noch länger breitzutreten feine Zeit habe.
Dem Herrn Entgegner empfehle ich zum Schluß, bezüglich des für 50 000 Mf. angebotenen Objektes vielleicht Gießener Maklern näherzutreten. ____________Sandmann, Chemiker.
Spielpkan
des Großherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim.
Direktion Hermann S t e i n g o e t t e r.
Montag den 28. Mai: Gastspiel des Herrn William Büller aus Leipzig: „Der Herr Senator." Lustspiel in 3 Aufzügen von Schönthan und Kabelburg. Mittwoch ben 30. Mai: „Großstadt lüft." Schwank in 4 Akten von Blumenthal unb Kabelburg. Freitag ben 1. Juni: „Der Schwur der Treue." Lustspiel in drei


