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29.1.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 24

Vifchrin.' ßüAk'.ch mit DuSnahrne bec VormtagS.

Redaktton, Expedition u. Druckerei: ©drafTtrX Tel. Nr. öl. leleflu-älbt.: LU^etger (äuüco.

Notaticm-drnck und Verlag der Lrübl'sch« UnwerfttälSbrucfcreL 9L Lange. (Sieb«.

Diefließenet FamlllendlStlrr" werden bem ^Dnzemer otermal wöchentlich beigelegt. Der UubttUT «fchevtt monaUich einmal.

Zweites Blatt 156. Jahrgang Montag 29. Januar 1806

Gietzener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Ließen.

LililmntmMiiiig.

Sonntag, den 4. Februar l. I., nachmittag? 3 Nhr, ftnbd im Lenz'sähen Felsenkeller au Dietzen eine Hauptversammlung deS Oberhessischen Obstbauvereins statt, zu der alle Mitglieder und Freunde deS Verein? höflichst eingeladen werden.

Gegenstand der Tagesordnung:

1. Abänderung der Obstbaustatistik. Referent: Direktor Dr. von Peter.

L. Bericht über die Ausstellung in Mainz. Referent: Dr. Hoffmann.

8. Die Obstertragnisse m den Gemeinden des Kreises Gießen; statistisch zusammengestellt und erläutert. Referent: Obstbautechnikec WicSner.

Recht zahlreicher Besuch ist erwünscht.

Gießen, den 25. Januar 1906.

Der Vorsitzende deS VercinSbezirkS Gießen. Hechler, KreiSamtmann.

Kcllanntmachimg.

.Hetr.r Die Aufnahme von Zuchttieren in das Oberhessische Herdbuch; hier: die Einzelkörung.

Ich gebe hiermit den Viehzüchtern des VereinSgebieteS bekannt, daß die Ankörungen der Zuchttiere zwecks Aufnahme in die Herdbücher deS ProvinzialvereinS auch in diesem Jahre tviedec in den Monaten April, Mai und Juni stattfinden sverden. Es ist mir leider nicht möglich, wegen der ent- stehenden beträchtlichen Kosten, die Ankörungen zweimal, oder, roic baß vielfach gewünscht wird, sogar noch oster vornehmen gu lasten. Ebenso bin ich nicht in der Lage, infolge eines Beschlusses der Herdbuchkommissionen, Einzelkörungen vor- mehtnen zu lasten; selbst wenn die Besitzer sich bereit erklären, feie hierdurch entstehenden Kosten zu tragen. Die betr. Vieh, lbesitzer müsten sich daher zunächst so einrichten, daß sie mit Iber einmaligen Hauptkörung auSkommen.

Friedberg, den 19. Januar 1906.

Dec Prüsident

des landwtrtfchafll. Vereins für die Provinz Oberhesten.

S ch l e n k e.

poHHfcfye wochenschan.

.Ruhe ist die erste Dürgerpsticht" begann ein bekannter Berliner Polizeierlaß im Jahre 1818. In gleicher Tendenz waren auch zum .roten 6 o n n t a g in Preutzen, Sachsen, Vaden und nn Elsaß fliegen die <u erwartenden sozialdemokratischen Demonstrationen die rimsassendsten Maßnahmen getroffen worden, aber nirgends sind Ruhestörungen oder gar schwere Ausschreitungen zn verzeichnen pewesen. Aach den Ereigniffen in Hamburg mußte man zwar daraus gesatzt fein, daß nach Schluß der Versammlungen sich unbesonnene Elemente zu Demonstrationen binreißen taffen würden, indessen taten die sozialdemokr. Führer alles, nm vor derartigen Schritten zu warnen, und auch die Maßnahmen der Polizei und t-eS Militärs dürsten das ihrige dazu beigetragen haben. Dieser t usgang ist recht erfreulich. Straßendemonstrationen an sich haben .iiberbanpt keinen Zweck, denn die Volksstimmung kennt man zrtr Genüge und ein derartiges Auftreten kann das Gegenteil von dem bewirken, was erstrebt wird. Es hat fast den Anschein, als ob man in Preußen absichtlich die an sich überaus unbedeutende Sahire chtsvorlaqe, die lediglich in einer Teilung der großen Wahlkreise bestehen soll, verzögert, um zu zeigen, daß man r'icht nach der sozialdemokratischen Pfeife tanzen will. Eine L'isiziöse Notiz suchte zwar die Meldung abzufchwächen, mußte aber s«lbst zugeben, daßnoch Erwägungen schweben". Anders verhält man sich dagegen in S a ch s e n , wo der König sich nicht scheute, das Odium aufzunehmen, als wenn er infolge der Demonstration fine Abänderung deS Wahlrechts angeordnet habe, da Friedrich August eben davon überzeugt ist, daß das jetzige Wahlsystem s e h r st a r k r e f o r m b e d ü r s t i g ist.

Ein parlamentarisches Nachspiel hat derrote Sonntag" doch gezeitigt im preußischen Herrenhause, wo man in Gestalt einer Interpellation den Fürsten Bülow darüber befragte, ob es iher Regierung möglich erscheine,die vaterlandsfeindlichen Unter- mehmungen der Sozialdemokratie mit den Mitteln der [ estehenden Gesetzgebung erfolgreich zu bekämpfen". Das preußische Herren-Haus wird aber wohl kaum in der Lage sein, den Sang der Zeit aufzuhalten. Das hat Fürst Bülow denn auch den Herren in vorsichtigster Form beizubringen versucht. Seine Rede war ja zum Teil wider den Umsturz gerichtet, sie s. eilte aber nur unbestimmte Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie im Aussicht. Manche meinen nun, es werde im Sckiotz der Regie- i mgen ein neues Ausnahmegesetz erwogen. Wir glauben nicht daran. Gewiß hat Fürst Bülow nur dem Orte, an dem er gerade siprach, besonders Rechnung getragen und den Mitgliedern des preußischen Herrenhauses einige unverbindliche Zusagen gemacht, t arnit diese reaktionärste aller Kammern nicht zu sehr' sich ängstige. Wir meinen, es wird noch viel Master aus deutschen Flüssen sich ms Meer ergießen, ehe die Reichsregierung einen Reichstag findet, inet* ihr ein neues Sozialistengesetz genehmigt.

Die Konferenz in Algeciras hat ihren ersten Erfolg zm verzeichnen: In der Frage des WaffenschmuggelS ist man sich vollständig einig geworden und ist nun an die wirtschaftlichen r-lachen. Fragen herangegangen, die freilich etwas mehr Arbeil Dian befaßte sich bisher mit der Prüfung geeigneter Maß. nahmen, um die Berbeffernng der Steuereinqänge in Marokko »ui sichern und beriet die Frage der Einganqszölle. Die marokkanischen Delegierten legten einen allgemeinen Steuer-Reform° plan vor. Dieser Plan schlägt insbesondere vor, zu den Ergänzungs- ziöllen Zuschlagsabgaben zu erbeben. Ferner ist in dem Plan u. a. b ie Einführung eines T a b a k m o n o v o l s vorgesehen. Unter den Delegierten berrfebt das beste Einvernehmen. Finden doch neuer­dings oster besondere Zusammenkünfte zwischen den deutschen und sranzössichen Delegierten statt, die das beste erhoffen lasten, wenn n icht durch andere Mittel em Erfolg der Konferenz hintertrieben wird Namentlich die französischen Journalisten sind eifrig bei der Arbeit gegen Deutschland Stimmung zu machen. Dieses Treiben darf man durchaus nicht unterschätzen, denn es beeinflußt die Volks- st immung in Frankreich, mit der die Regierung doch trotz des bsksten Willens gegenüber Deutschland rechnen muß. So hat ganz ninierbinn§ der von uns auszugsweise mitgeteilte Artikel, den die "Nordd Atlg- Ztg." aus Anlaß des Geburtstags des Kaisers ver- ofrentHchte und worin von dem stets schlagfertigen Degen die Rede iss! den PariserTemps" veranlaßt zu einem lebhaften Protest nu/aen die Haltung der deutschen offiziösen Preste, deren Friedens- n.crsicherungen die Eigenschaft hätten, immer aggressiv zu fein, -t rankreich habe seine Friedensliebe bewiesen, darüber bestehe m Europa nur eine Meinung, und es sei zu bedauern, daß ein Teil

der deutschen Preste durch geschmacklose Mißbräuche, wie es die .9lorbö, Allg. Ztg/ tue, das Resultat der BersländigungSbemühungen I der demschen und französischen 9tegiernng kompromittiere. So ganz! unrecht hat u. E das Pariser Blatt leider nicht. Gleichzeitig wurde ans Rom gemeldet, die Regierungen von Deutschland, Oesterreich und I t a l i e n beraten augenblicklich über eine gemeinschaftliche Kundgebung, welche bezwecken soll, den Beweis zu liefern, daß der Dreibund nach wie vor u u e r f ch ü t t e r t dastehe.

, Zum Ersatz für einen Konflikt mit Deutschland hat Frank­reich nun wenigstens Differenzen mit einem überseeischen Staate intb ist in der Zwangslage, einen Teil seiner Flotte für eine kriegerische Aktion mobil zu machen, sodaß möglicherweise der Durst der französischen Marineofsiziere nach Heldentaten einiger­maßen Befriedigung finden wird oder auch nicht. J-edensallS nber Hot der Kriegs Hafen von Lorkient den Auftrag erholten, in raschester Zeit der atlantischen Kreuzerdivision einen großen Dorrot von Artilleriemunition zu liefern. Diese Maßnahme kann doch nur mit dem venezolanischen Konflikt zusammen- langen. Castro pflegt indes zuerst den Mund recht weit aufzumachen, wird aber, wenn er eins drauf bekommen hat, recht kleinlaut und gibt tarnt doch nach. So wird es wohl auch bei dem jüngsten Ktonslikt werden, nachdem Castro sich aus Rachsucht höchst pöbelhaft und im Widerspruch zu allen diplomatischen Gepflogenheiten benommen hat.

Roch ein anderer diplomatischer Konflikt ist auSgebrochcu i zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien hat ein Zoll­krieg begonnen, der leicht nxitere Folgen heraiisbeschwören kann. Die österr. Regierung hatte Serbien bei den Hand"lsver- tragsverhandsimgen ein Ultimatum gestellt mit dem Verlangen, daß dieses Vor; iigsr echte, die man Bulgarien bewilligt hatte, zurücknrhme, worauf sich die serbische Regierung nicht einlietz. Daraufhin bat Oesterreich-Ungarn sofort feine Grenze gesperrt. Selbst der Trenslwrt bereits abgesandter serb'scher Diehsend'.mgen wurde von Ungarn nicht gestattet. Alle Verhandlungen sind zur Zeit eingestellt, ja man rechnet sogar damit, daß die diplo­matischen Beziehungen abgebrochen werden. Eine LandeSversamm- lung ferbitorr Kaufleute und Industriellen nahm nach sehr hefti­gen Ausfällen gegen Oesterreich doch eine maßvoll gehaltene Reso­lution cm, in weläwr die Haltung der ftrb. Regierung gebilligt und bar Zolluniousvertrog mit Bulgarren als eine die Rechte -nbem nickt schädigende gemeinsame Maßnahme zweier Dalkan- fttmten zur Wahrung eigener Interefsen gutgeheißen wird. Weiter wird in der Resolution der Wunsch der Erhaltung freundschaft­licher Deziehlmgen zur Rochbarmouarchie ausg''sprochen. Die Grew,sperre wird jedoch alS Vertragsbruch erklärt und weiter an den Patriotismus der serbischen Bürger appelliert, im auf- grbrungenen Kampfe miszuharren. In Belgrad behauptet man sogar, daß zwischen Serbien, Bulgarien und Montenegro ein Schutz- und Trutzbündnis abge­schlossen sei. Zwischen Serbien und Bulgarien soll es auch zu einer Verständigimg bezüglich Mazedoniens, das bisher ein Streits psel znsischen ©erbat und Bulgaren war, gekommen sein. Der Einmarsch einer anderen Macht in dieses Gebiet soll von dem Dalkaitbund mit den Waffen verhindert werden, fiebrigen3 soll der König v o n S e r b i e n ein Gefangener in seinem eigenen Palaste sein. Die Königsmörder sind noch immer die wirklichen Regenten dos nnglücklicheti Landes uni) König Peter mir ein Schatten-Monarch.

Auch im Inneren verschärft sich die Lage Oesterreichs erneut, die Wahlrechtsvorlage stößt auf schwere Hinder­nisse und auch die Bemühungen des Freiherrn v. Gautsch, eine parlamentarische Umgestaltung seines Kabinetts Vvrzuuehmen, sind gescheitert.

Was aus der u nga r is ch e n Kr i se werden soll, das weist kein Mensch diesseits und jenseits d?r Leitha. Graf An dr a ssv ist in Wien gewesen und vom Kaiser empfangen worden. Bald darauf wurde offiziell ein (Eomnruniquö ausgegeben, in dem mitgeteilt wird, daß die Forderungen, die Graf Alrdrassh über­bracht hat, von der Krone nicht angenommen werden könnten. So ist Gerat die Mission des Grasen vollkommen ^ge­scheitert. In ungrrr. politischen Kreisen herrscht die Ansicht, daß dies den Mbruch der Friedensverhandlungen und die An­kündigung der energischsten Maßregeln bedeutet.

England ist immer troeb mit den Parlamenlswakilen be­schäftigt und hat augenblicklich für nichts anderes Interesse. Der Sieg der Liberalen ist eklatant, er ist in dieser Ausdehnung em Novum in der alten parlamentarischen Geschichte Eng­lands. Bisher sind gewählt 373 Liberale, al Arbeiter, 83 Natio­nalisten, 143 Unionisten und 10 unionistische Freihändler.

In Rußland ist der gefürchtete 22. Januar, der Jahres­tag der schändlichen Metzelei in Petersburg, ohne leidenschaft liche Ausbrüche vorübergegangeu. Dagegen überfielen neuerdings revolutionäre Bauern die Stadt Kdmrad, nahmen die Behörden gefangen, plünderten die Geschäfte, ermordeten verschiedene Kauf­leute'und steckten schließlich die Stadt in Brand. In den baltt- schen Provinzen werden unausgesetzt DodeSstrafen vollzogen, jso wurden in drei Ortschaften bei Riga dieser Tage 39 Aufständische erschossen. In Riga selbst wurden gegen 800 Personen ins Ok> fängnis genwrfen: es mußten sogar Krongüter zu Gefängnissen eingerichtet werden, weil mm keinen Platz mehr hatte! In Wladiwostok sind neue Unruhen ausgebrochen, die dadurch verursacht wurden, daß die ruffischen Behörden die Kriegs­gefangenen, welche nach Japan zurückkehren, noch immer als Gefangene behandeln und einsperren. Es kam zu heftigen Straßenkämpfen, wobei die Truppen wiederholt auf die Aus­ständigen schossen. Etwa 350 P e rs o n e n wurden g e t ö t c t unb verwundet Am 22. Januar drangen dort Matrosen in das Waffendepot ein und bemächtigten sich zahlreicher Gewehre sowie der Munition. Der kommandierende General Slivouor forderte sie auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Dabei wurde eine Salve auf ihn abgegeben und er schwer verwundet. So nimmt denn das Riesenreich immer mehr daS Aussehen eines Lazaretts und zugleich eines Zuchthauses an.

PoNNsche Sagesschan.

Bülow und die deutsch-englischen Beziehungen.

Reichskanzler Fürst Bülow hat an Air. Fox, Ehren- Sekretäc deS anglo-deutschen Freundschafts-Komitees, der kürzlich im Auftrage des Komitees in Berlin war, einen Brief gerichtet, worin es heißt!

Ich benutze mit Vergnügen die durch Ihren freundlichen Besnch in Berlin gebotene Geleaenheit, um zu wiedeccholen, daß die bcutirhe Regierung mit der l>erzlichsten Befriedigung alle Bemühungen will- koiumen heißt und fördern wird, welche dazu dienen, eine bessere Stimmung zwischen unfern Ländern zu erzielen. Lierdnrch bestätigt sich nur die Ueberzengung, die ich schon bei »evfduebenen Gelegenheiten geäußert Habe und zwar nickst nur m iünaster Zeit Ich möchte Sie an meine Rede irn Reichstage vorn 5 Dezember 1904 erinnern, welche, wie ich damals erklärte, die Richtfchrnrr der kaiserlicheir Politik darstelle. Sendern Hat sich meine uSraeugunq nich, gem.berl und bie Bildung Ihrer Der- "n m.no bat basu beigehagen. sie bestätige». I» bet Hoffnung, datz das auqlo-deutfche D-reundschafls-Kouutee forlfahren werde zu gedeihen, bin ich Ihr sehr ergebener Bülow.

parlamcntarifcbcs,

Berlin, 27. Jan: JnS Herrenhaus sind neu be­rufen: Botschafter a. D. v. $oHeben, Negierunqspräsident z. T. v. Colm ar-Meyenburg, Prosesior Dr. v. Berg­mann-Berlin und der Geh. Llommerzienrat Heinrich Lu eg aus Düsseldorf.

Kolonialpoft.

Paris, 27. Jan. In einer auS Dakar datierten De­pesche desMatin" wird für die Unruhen in Fran­zos i f ch - W e st a f r i k a, denen zwei französische Offi­ziere zum Opfer fielen, der Scheit Maelainin, Adjutant deS Statthalters von Süd-Marokko, verantwortlich ge­macht. Zugleich wird ein Deutscher, Dr. Hözmann, den man als Sekretär des Statthalters bezeichnet, mit dieser Bewegung in Verbindung gebracht. Diese tendenziöse Dar­stellung dcS Delcasiäschen Organs findet in Regierungskreisen keinen Glauben.

2. Sitzung der Grosih. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, LlLsfcld und Lauterbach,

Protokoll-Auszug.

G i e ß e n, 23. Januar 1906.

Anwesend sind die Herren: fcvmmerzienrat Heichelheim, 'tellv. Vorsitzender, Dürbeck, Friebbcrger, 3bring, Klings^ir, No- wack. Rinn, Röhr, fi'omnirr-ienrat Sck'rnrer, Schmall, Wallach, Zurduch, sowie der Syndikus Dr. Knipper.

1. Reich sfinanzresorm. Die .Handelskammer hat thon früher zu einem Deil der Gesetzesvorlagen zur Beflening der Reickssinmzen Stellung genommen und besck-äftigte sich in der heutigen Sitzung h.iriptsächlich mit den vorgeschlagenen 'Stern* Mobgaben. Tie Kammer er farmte die Notwendigkeit einer Re­form der Reichssinenzen an und war der Uebrneugung, daß dem Reiche neue (Simtafmien zugeführt werden müssen. Sie erklärte sich auch damit einverstanden, daß ihr Bezirk nach Maizgube seiner Steuerkraft zur Ausbrmgamg der ersordettichen Mittel hiN^rrgezogeu werden solle, sie tonnte es ober nicht für richtig halten, daß die geplante Vermehrung der Reichseinnahmen vorwiegend auf Kosten einzelner Gruppen der Gmi>erb5tfreife und der Maste der minderbemittelten Bevölkerung erfolgen solle. Die Handels­kammer hielt es zwar nicht für ihre Aufgabe, andere Steuerarten in Vorschlag zu bringen; sie bezeichnete es aber als eine un­gerechte Maßnahme, daß einzelnen Erwerbsgruppen und Gegen­den im Interesse des Reiches neue Lasten aufgebürdet we^xn, sollen, bevor durch eine Reform der Branntwein-Be- steuernng dem Reiche diejenigen Mittel zugeführt werden, die jetzt infolge einer steuerlichen Begünstigung einem Teil der Brennereien als Nnterstützamg zufließen. Zu beanstanden hatte die Handelskammer unter den vorgeschlagenen Steuergesetzen ine Tabak- und Brausteuervorlage und die Stempel- nbgaben auf Frachturkunden, Fahrkarten und» Quittungen. Die Tabak- und Brausteuervorlagen enthalte# eine Son derbe steuenrng der betreffenden Eiewerbe, von denen irrt ersteren Falle der hiesige Bezirk besonders schwer getrosten,wird, ober sie belasten im Falle der lleberw-älzwng m erster Lime den Konsum der minderbemittelten Bevvllerung. Auch die Stempel- ebgaben lassen die Forderung einer gerechten und gleichmäßigen Verteilung der Steuern auf alle leistungsfähigen Teile der Be­völkerung zum großen Teile unberücksichtigt. Die FrachturkuTr- denftenrpel belastet die mittleren und kleineren Geschäfte mit ver­hältnismäßig zahlreichem Paket- und Stückgutverkehr ungebühr­lich hoch und artet für Versandgeschäfte geradezu zu einer 'Lwndev- beftcucning ihres Umsatzes aus. Der Falwkartenstempel bringt eine fühlbare Verteuerung des Nahverkehrs und eine Venach- teiligirng des Verkehrs von kleinen Platzen aus., Die Abstu^ img der Sätze nach den einzelnen Klassen entspricht nicht dev Steuerkraft der Reisenden in den verschiedenen Klassen. Der Outttimgsstempel ist für das Geschaftslebeu ebenso belastend, wie belästigend. Die Durchftühiung der betreffenden Vorschriften ist in vielen Fallen kaum möglich. Sie steigert die Verantwort­lichleit der Geschäftsinhaber über jedes Maß und fördert die UnficberIjeit im geschäftlichen Verkehr. Die Handelskammer beschloß deshalb, den Reichstag zu bitten, die geplanten Fracht­urkunden-, Fahrkarten- und ^lUitttme.sstempel, ebenso wie die Tabak- und Braufteuervorlagen, abzulehmm.

2. Benachteiligung obe r he s s i sch er Holzhaud- ler bei Holzverkäufen! aus hessischen Staats- T °T Dcr^' Handelskammer ist von oberhessischen .Holzlmndleni und Sägewerksbesitzcm eine Beschwerde über die Bevorzugung der außerhalb des Groscherzognims domizilierten Firmen bet' Holzverkäufen aus Großh. Hessischen Staatsforsten znge gang en. In der Eingabe wird nachgewiesen, daß eine Reihe von Holz- vosten hessischen Sägewerksbesitzem gegenüber der nichthessischen Konkurrenz entzogen wurde, obwohl bei oblekttver Be­handlung des Verkaufs biefc Posten an hestisa)e Firmen Mt.teit; fallen müssen. Durch solche MaßnolMen sind emzelne hesf,,che Sägewerke in eine Notlage gekommen, da sie auf Holz aus hessischen Forsten angewiesen sind,, daS ihnen aber durch Verkauf an auswärtige entzogen worden ist. Die Handelskammer hat sich nach eingehender Prüfung von der Berechtigung der Beschwerde der oberhessischen Holzhäudler überzeugt und beschloß deshalb, die vorgesetzte Behörde unter Vorlegung des Deweismateraals bitten, schleunigst Abhilfe zu treffen, insbesondere durch Ausbiet­ung des Holzes nach festgesetzten Dimensionen und unter Nicht- bwücksichtigum aller Angebote, die Hm Ausschreibungsbcdmgunge« nicht entsprechen. ,

3. Entwurf einer Maß- und Gewicht so r d nun g. Dem Reichstag ist der ©irttourf eiltet Maß- und Gewicotsorvnung ziigegangen, der zwar gegenüber dem Vorentwurf einige Iwmwv» iingen enthält, aber im übrigen an der Verstaatlichung des Eich- wesens festhält. Wenn auch die früher geäußerten Wünsche der Haiidesskarnrncr nicht alle berücksichtigt worden sind, so beschloß sie doch, von ihrer weiteren Verfolgung afaufepen, dagegen zu befürworten, daß auch an tVrnercn Orten Eichämter eingerichtet wterden möchten und daß insbesondere den Brauereien moglichlt weitgehende Erleichtenmgen zur Vornahme der Eichung zugestanden

4. Abänderung der Zoll- und Steuerstreifen, für Schaumwein. Die HandelFImmer zu ?>-r<mfTurt a. M. schlägt eine Aenderung der Zoll- uub Dteuerstaeifen für -Lvchaum- n>ein" vor Sie emvsiehlt als Ersatz bie)er etreifen Stempelung b-r Etiketts unter Wegfall der To.tsinmg, oder Verwendung einer Steuemwrke nach Art her Wechselstempelmatke. Die Kammer ist der Ansicht, daß die Angelegenheit für ihren Bezirk kein wesent­liches I-iteresse bcsi^, hat eher gegen die vorgeschlageneul Aenberuugen keine Einwendungen zu erheben.

5 Der Hcmbclsvertragsverein, her vor einiger Zeit auf die Notwendigkeit d.w Bereitstellung einer genügenden Zahl von Eisenbahnwagen in der Zeit vor Inkrafttreten der neuen Handelsverträge aufmerksam gemacht bat ersucht um eine Mitteilung, für welche Warengattungen dg