Ausgabe 
28.2.1906 Drittes Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 50

OrsthetrU MtzNch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

ÖXB-

156. Jahrgang

Kirche St. Thomas de la Goeche erhielten zugab, einen Polizei- Sttident sechs Monate gestern mehrere Ver­

bei be- die der

Rußland.

Der Zar.

Von dem Leben, das Zar Mkolaus im Palaste von Tsarskvje Sselo führt, entwirft ein Privatbrief von einem Offizier der kaiserlichen Leibgarde, der seit zwei Jahren zur Umgebung des Zaren gehört, eine ergreifende Schil­derung.Seit demRoten Sonntag", so heißt es in dem von einem Londoner Blatte veröffentlichten Schreiben,ist das Leben des Zaren eine imunterbrochene Kette von Be- a.ngstigunaen. Allein inmitten seiner Familie vergißt er anscheineno die Drohung der Revolution, deren Rachrichten ihn mit der erbarmungslosen Regelmäßigkeit des Tickens einer Uhr erreichen. Hier findet er seine einzigen glücklichen Augenblicke, in denen er von den quälenden Sorgen der Staatsgeschäfte Ablenkung findet. Bisweilen, in der letzten Zeit jedoch immer seltener, unternimmt er einen Spazier-

Mittwoch 28. Februar 1006

Rotationsdruck anb Verlag der Brühl'sch« jV UnroetfitätSbtudertL ÖL Bange, I Redaktion, Expedition ».Druckerei: SchuMr.U, r Tel. Nr. ÖL Tei«gr.-Adr.l ftneeiga ©tepca»

der Jnvent uraufnahme in der d'Aquin Verhafteten. d'Auboine und vier Monate, Cenne de Osmy, der agenten geschlagen zu haben, und ein Geiängnis. Auch in La st re 8 wurden

DieSietzener Lamilienblötter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegL Der hessische tanöSDlrt" erschemt monatlich einmal

besondere Rolle gespielt hat bei der Trübung, wie jetzt der Besserung. Hier sind zweifellos persönliche Momente stimmend gewesen, was schon daraus hervorgeht, daß Marokkofrage viel später erschien. Bei einem Mißerfolg

Ans uns Land.

Gießen, den 28. Februar.

" Ernannt wurde der Militäranwärter Iah. Lubw. Weigand in Mainz zum Kanzleigehilfcn bei der Staats­anwaltschaft am Landgericht der Provinz Rheinhesien.

Erledigt sind: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende 2. Lehrer stelle an der Gemeindcschule zu Geins­heim. Dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein steht das Präsen­tationsrecht zu ihr zu. Eine mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Unter- Flockenbach. Eine Lehrerstelle an der evangel. Schule 'zu Wald.Michelbach.

Der Direktor der Landwirtschaftlichen Haup kg cnoss en schäft für Oberhessen (in Friedberg) Oekonomierat Schiente, hat in der letzten Vorslandssitzung derGenosienschaftmitgeteilt, daß erbeabsichtige, am I.Maid.J. seine Stellung als Direktor aufzugeben.

Die erste Sendung geschlachteter Schwein ei aus Holland (50 Stück) ist am Montag hier eingetroffen. Ueber die Qualität des Fleisches äußern sich die Metzger lobend. Die nächste Sendung wird im Laufe der nächsten. Woche eintreffen.

Sortrag über Neuseeland»

(c.) Gi e ße U, 28. Februar.

Im letzten Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde dieses Jahres vermittelte Professor Dr. Albert Heini (Zürich) in äußerst fesselnder Weife die Bekanntschast mit R e u s e e l a nd , jenem intereffanten natürlichen biologischen Experimentiergebiet in der Südsee. Vermöge ihrer frühen Ab­trennung vorn Fcstlande hat diese Doppclinsel sich cme ganz altmodische" Fauna und Flora erhalten, deren Reste sich bei uns nur noch in spärlichen Fossilien vorfinden. So gab es vor der Invasion von autzen auf der ganzen Insel nicht cm einziges Säugetier, ein Beweis für die bereits vor der Entstehung dieser Tiere erfolgte Lostrennung vom amtralischen Kontmente. Die gut vertretene Vogelwelt fand fick mit der Tatsache, daß ihre Feinde fehlten, in der Weise ab, daß sie ihr Flugvermogen teilweise oder ganz einbüpie. Verschiedene Vogelarten, legten sogar den Flugapparat, Flügel und schwänz, als entbehrlich völlig ab, so vor allem der riesige Moa, dessen Enr einen Langen­durchmesser von 36 Zentimeter erreichten, und die fVitomrten. Da landete etwa vor 500-600 Jalnen em vertriebener Maori­häuptling, Rgahuc, an der Mste Neuseelands und da er nicht mir den zur Herstellung von Wasscu unentbchrlichen Grünsten: in Menge vorfaud, sondern auch in den zahlreich vorhandenen Moas lockende Fleischnahrung .erriet. io ferne er naa) feiner Heimat Haweiki (Samoa, Sawen) zuruck uw) siedelte den unter­legenen Teil seines Stammes indem entdeckten Gebiete an Die Ankömmlinge brachten außer ber Kümara oder sußei: Kartoffel die beiden ersten Säugetiere mit. die Ratte und den Hund, oalb jedoch erlagen die einheimischen iagbaren -rarere, m erster Linie der Moa, den Eindringlingen, und als auch die Hunde und Ratten immer spärlicher imirben, verfielen die Maori dem schändlichsten Kannibalismus. Ms daher der Entdecker James Cook am 6 Oktober 1769 an der Küste Neuseelands landete, er­schien er dem armen Volke als Retter in der Not. Durch E:n- sührung des Schweines versetzte er es in die -age, aus lerne kannibalischen Gewohnheiten zu verzichten. Cook wuroe von dem dankbaren Volke bei seinen späteren Besuchen sormlich^vergöttert. Zn Anfang beä 19. Jahrhunderts gründaterr ine eyten Werken

Vow der Mandschureiannee.

Die plötzliche Abberufung des Oberbefehlshabers int fernen Osten und seine Ersetzung durch den außerordentlich^ energischen General Grodekow gestattete schon einen Rück­schluß auf den Grad der Auflösung, die unter der Einwirk' ung der Vorgänge int europäischen Rußland in der M andsch urei-Armee Platz gegriffen l>aben mußte. Jetzt zeigt es sich, daß alle Nachrichten von den Ereignissen in der Heimat nicht so verheerend gewirkt haben wie oer Zustand völliger Isolierung der Armee, den di« Revolutionäre herbeizuführen und wochenlang aufrecht zul erhalten verstanden haben. Wie jetzt festgestellt ist, war der ferne Osten und damit die gesamte dortige Armee von Rußland über sechs Wochen abgeschnitken. Post wie Telegraph befanden sich in den Händen der Revo-k lutionäre, und so kam es, daß in der Armee Gerüchte: Glauben fanden, wonach die Zentralregierung ge^ stürzt und viele Würdenträger in Petersburg hingerichtet seien, während der Hof ins Ausland geflüchtet wäre. Jnsolgedesfen soll der Vtilitärgouvevi neur des Transbaikalgebietes General Eholschewnikow Be­fehl erteilt haben, die temporäre Regierung anzueriennen, und General Linewitsch empfing Deputationen der Strei­kenden, wobei einigen angeblich sogar OrdensdeFok rat ionen verliehen tvorden sein sollen!

General Cholschewnikow ist inzwischen wegen Unfähige keit von dem mit außerordentlichen Vollmachten ausg«' statteten General Rennenkampf kurzerhand entlassen tooix den, und der alte Linewitsch trifft am 5. März in Peters­burg ein, wo er sich wohl noch wegen seiner Mntsfichrung zu rechtfertigen haben wird.

Die Aojetzder Freundschaft zwischen Deutschland und Hnalcrnd

scheint nicht erblühen zu sollen, ohne daß nach den Dornen gespäht wird. Schon lassen sich Stimmen dahin vernehmen, das Schwinden der Spannung in den Beziehungen der beider­seitigen Herrscher sei darauf zurückzusühren, daß England die Ergebnislosigkeit der Marokkokonferenz als sicher und infolgedessen Deutschland mit Frankreich für ^hinreichend verfeindet" erachte, um für sich selbst die berühmten, der englischen Staatskunst unentbehrlichen groei Eisen inS Feuer" legen zu können.

Run, der Leidtragende wäre dann Frankreich, das seine Marokkopolitik im Hinblick auf den englischen Freund inszenierte, nachdem es ihm die Einflußsphäre in Egypten hatte sichern helfen. WaS aber die Beziehungen der Herrscher anlangt, so kann als feststehend gelten, daß die Politik keine

eine Ansiedlung zu Kvrorareka, und im Jahre 1839 ergriffen die Engländer auf Drängen der New-Zealand-Compant) von der Inselgruppe Besitz. Nun folgte rasch eine Gründung auf die andere, von denen Dunedin, Christchurch, Wellington und Auck­land die bedeutendsten sind. Der eigentliche Grund, der eine Kultivierung des Landes cr't ermöglichte, besteht in der Genüg­samkeit der eingeführten Schafe, die sich überraschend gut an das einheimische starre braune Gras gewöhnten. Die Woll- pvobuktion bildet jetzt eine Hcmpterwerbsquelle des Landes. Außerdem werden jährlich eine 'Menge geschlachteter Schafe in gefrorenem Zustand nach England transportiert. Die nun fort- gefet-.t stattfindenden Einführungen fremder Tiere und Manzen brachten die einheimische Fauna und Flora völlig aus dem Gleichgewicht und führten zu einer Verminderung, ja ftellen- iveise völligen Ausrottung ihrer Bestände. Sv lebte in Neu­seeland eine unangenehme Stechmücke, die von unserer unab­sichtlich eingefüfrrten Stubenfliege ganz und gar auS den be­wohnten Gebieten vertrieben wurde. Die mit den Schiffen ge­landete norwegische graue Ratte rottete die vorhandene Rattenart völlig ans. Wo die Pferde hitckamen, da traten auch die in ihrem Fritter enthaltenen Unkräuter auf, wie Disteln, Königs­kerze u. a. Wo die verwilderten Schweine den Graswuchs auf» rissen, da drängten eingeführte Pflanzer:, deren Samen durch Vögel oder andere Tiere verschleppt wurde::, mit Kraft ein, den Platz an sich reißend. Und auch die Menschen mochten hierin keine Ausnahme. Die Maori, früher etwa 2300 000 Köpfe zählend, sind beute auf etwa 40 000 zurückgegangen. Die ein­gebürgerten Lebewesen, seit altersher im unbestrittenen Besitz ihres Gebietes, haben zum größten Teile die Fähigkeit verloren, sich den veränderten Formen des neu auftretenden Konkurrenz­kampfes anzupassen und unterliegen dem Ansturm anpassungs­fähigerer Elemente. Ein interessantes Beispiel dennoch ge­lungener Anpassung unter dem Zwang der VerhälMisse zeigt ein Papagei iMokeo. Dieser hat sich allmählich aus einem Pflanzen­fresser in einen Fleischfresser umgew.rndelt, der sogar den Schafen zu Leibe geht und deshalb abgeschossen werden muß. Auch ein Sumvfvogel, der sein Flugvcrnwgen eingebüßt und nun von eingeführten Schäferhunden öfter gejagt torrb, hat sich allmählich die Kunst des Fliegens wieder angeeignet. Allgemein bekannt

ist der Fall, daß der eingeführte Klee zwar prächtig gedieh, aber keinen Samen ansetzte. Erst als man auch die befruchtende Hummel importierte, Formte der Klee zu dem ^oamenreichtunr gelangen, daß Kleesamen heute einen Hauptgegenstand der Aus­fuhr bildet. Doch auch Felder wurden in der Einfuhr lebendes Tiere nicht vermieden. So führten unverständige Sportsmen das Kaninchen ein, das heute zur Landplage geworden und kaum noch auszurotten ist. Dem Reisenden fällt das harmlose Be­nehmen der Bewohner angenehm auf. In keinem Teile der Erde dürste man so finger vor Dieben und Räuden: sein, wie hier. Eine Bewafsi:ung kennt man gar nicht. Häuser und Zimmer sind selbst nachts unverschlossen. Die Briefe und Wertsachen werden von der Post an der Landstraße in offene ftaflcn nieder­gelegt und dort gelegentlich von bei: Eigentümern abgeholt. Bette­lei und Armut ist vollständig unbekannt. In schroffem Gegen­satz zu diesen erfreulichen Zuständen steht die Tatsache, daß nur ein verhältnismäßig geringer Teil des Landes kultiviert und große Strecken iwch der fleißigen Hand harren. ES ist dies eine Frucht der sozialistischen Prinzipien, nach denen bc§_ßanb regiert und in feiner freien Entwicklung gehemmt wird. Gesetzlich ist ber Achtstundentag eingeführt unb wöchentlich darf nur 40 Stunden gearbeitet werden bei einen: Minimal lohn von 1 M k. pro Stunde. Der Zuzug tüchtiger Arbeitskräfte wird aus Kon­kurrenzscheu von der Arbeiterpartei durch alle Mittel hintan­gehalten. Die Folge davon ist ein allgemeines Nachlassen des Fleißes und eine ungeheure Verteuerung aller Lebensbedürfnisse. Trvkdem z. B. Rohleder in ungeheuren Mengen im Lande Drobu« ziert wird, mußten die vorhanbenen Schuhfabriken ihren Betrieb einftellcn, um bie in Amerika aus bem dorthin exportierten: Leder hergestellten Schuhwaren wieder zu importieren. Daöe: schwillt die Staatsschuld in beängstigender Weise an, während man zur Steuerung der Finanznot einen hohen Einfuhrzoll» 25 Prozent des Wertes, eingeführt hat. Wundervolle, färben»1 frische Lichtbilder führten die Zuhörer durch die einzelnen Teile des Landes unb ließen die Schönheiten der mächtigen Alpenland- schasten mit ihren bis zu 600 Meter hohen Wasserfällen, bie, Eigenart des Pflanzen Wuchses unb bie stimmungsvolle Poesie, ber füblichen Fjorde aufö beste eriezmen. Alles in allem; Gin. dankenswerter Abend.

gang oder einen Ritt durch den Park. Fast den ganzen Tag und die Nacht verbringt der Kaiser in seinem Privat­kabinett, wo er entweder mit feinen Räten Anordnungen trifft oder an Reformmaßregeln arbeitet. Oft schreibt er stundenlang hintereinander ohne Unterbrechung, und er läßt seine Räte zu jeder Nachtzeit rufen, um ihren Rat zu hören. Bisweilen hören ihn die Schildwachen an den Türen bis zu den frühen Morgenstunden ruhelos im Zimmer auf und ab gehen, während er mit Spannung auf die Berichte seiner Vertreter in den Provinzen wartet. Manchmal öffnet er dann plötzlich die Fester und sieht schweigend in die Stille der Nacht hinaus. Er hat nie* Gesellschaft geliebt, aber jetzt scheint er alles, was Ge­sellschaft heißt, zu verabscheuen. Er scheint der einzige am Hofe zu sein, der die Gefahren der jetzigert Lage wirklich begreift, und darauf sind auch die. Mißverständnisse zwischen ihm und den Großfürsten zurück­zuführen. Er erkennt, daß Rußland von einer Revolution erschüttert wird, und je genauer er die Anzeichen beobachtet und mit denen der französischen Revolution vergleicht, umsomehr scheint feine Besorgnis zu wachsen und umso häufiger sieht man seine Augen von tiefen: Kummer ver­schleiert."

haftete verurteilt. Der Priester Lagasse erhielt fünf Tage Gefängnis und 50 FrcS. Geldstrafe. Bei ber gestrigen Inventaraufnahme in Maccmnet erhielt der Oberst BergeS einen Steinwurf ins Gesicht, wodurch ihm mehrere Zähne auSgebrochen wurden.

Zürich, 27. Febr. Die bnndeSgerichtliche Ver- Handlung in Lausanne in der Angelegenheit der Aus­lieferung deS früheren elsässischen Polizeikommissars Ste- phany beginnt am 2. März. Es finden keine Plaidoyers statt. Die Entscheidung erfolgt lediglich auf Grund der ein­gereichten NechtSschriften. Die Verteidigung holte bei dem Dekan der staatswissenschaftlichen Fakultät der Hochschule Zürich, Professor Zürcher, ein NechtSgntachten ein, da« sie bei der Verhandlung geltend machen wird. DaS Gut­achten erklärt, das Auslieferungsbegehren der deutschen Behörden sei zurückzuweisen, da das Vergehen StephanyS politischer Natur und die Auslieferung in der offenkundigen Absicht verlangt fei, Stepham; wegen eines Vergehens politischer Natur zu bestrafen. Eventuell will die Verteidigung den Einwand der Verjährung er­heben.

Washington, 27. Febr. Präsident Roosevelt hat, um die Notwendigkeit zu betonen, daS Personal der Armee und Marine in Friedenszeiten auf der höchsten Stufe ber Leistungsfähigkeit zu erhallen, um für den Fall des Krieges gerüstet zu fein, ein Schreiben an den Kriegssekretär gerichtet, in dem er die Heldentaten Togos aufzählt und zu Nutz und frommen der amerikanischen Sol­daten und Seeleute Togos Armeebefehl be: Beendigung des russisch-japanischen Krieges wiedergibt. Dieser Bries ist als allgemeiner Armeebefehl verbreitet worden.

Konferenz in Algeciras, trotz der Durchberatung des ganzen Programms, würde Deutschland nichts verlieren, England nichts gewinnen.

Aus Algeciras wird vom 27. Febr. gemeldet: Gestern nachmittag begab sich der französische Delegierte R e v o i l zu Herrn von Radowitz und hatte mit diesem eine viertel­stündige Unterredung. Reooil teilte mit, daß die Erklärung, welche Frankreich in seinem Memorandum vom 16. Februar mache, keineswegs die Rechte anderer Staaten beeinträchtigen könne, wie Deutschland in seinem Memorandum vom 19. zu befürchten scheine, Revoü füpte hinzu, daß nach Auffassung der französischen Regienmg eS beffer sei, wenn die Polize:srage vor der Konferenz selbst zur Beratung gelange. Er überreichte Herrn von Raoowitz ein Memorandum, roartn d:ese Erklärung zujammengewßt war.

Der Wortlaut der französischen Note rotro noch nicht ver­öffentlicht, weil die deutsche Regierung noch nicht in deren Besitz ist. Jndeffen behauptet der ,Ttatme, daß die französische Regierung in ber Rote die Uebet^eugung auSdrücke, daß die Lösung, welche von Frankreich in ferner Note vom 16. Februar vorgeschlagen werde, keineswegs die wirlschaftltche Gleichberechtigung in Frage stelle und daß die frw:zösische Regierung die Ansicht äußere, eS sei gemäß dem Abkommen vom 8. Jul: 1905 notwendig, daß alle yragen von der Konierenz beraten würben. Da die deutsche Re­gierung erklärt habe, daß sie bereit sei, jeden Vorschlag zu prüfen, welcher als Ausgangspunkt die Gleichberechtigung aller Staaten onnehme. so glaube die französische Regierung überzeugt sein zu dürfen, daß ehre Polizei unter der Kontrolle französischer und spanischer Offiziere die wirtschaftlichen Bezieh:mgen der Mächte nicht deeinträchtioe.

Deutsches Reich.

Berlitt, 27. Febr. In Pofen verlautet, der Kaiser toerbe den diesjährigen Hebungen der KcüxrllerieHivisivn des 6. Armeekorps aus dem Trruppenübungsplatze in Posen beiwohnen und bei der Gelegenheit den Grundstein zu dem hiesigen Residenzschloß legen.

Ter preuß.Staatsanz." veröffentlicht eine am 3. März in Kraft tretende Bekanntmachung des Landwirt- schastSministers, in der ungeordnet wird, daß die Ein­fuhr von Schweinefleisch aus Rußland ver­boten ^st, mit Ausnahme des Fleisches, das nach dem Fleischbeschaugesetz vom 3. Juni alszubereitet" anzusehen ist. Solches Fleisch darf unter den im Reichsviehseucheu- ge etz vom 1. Mai 1904 und dem Preußischen Ausführungs- ge etz vom 22. Juli 1905 vorgesehenen Bedingungen ein- geführt werden. Ausnahmen iwn dem obigen Verbote können zugunsten des im kleinen Grenzvevkehr eingehenden, sowie zum Reisegebrauch mitgefichrten Schweinefleisches durch Anordnungen des Regierungspräsidenten zugelassen werden. Bereits bestehende derartige Bestimmungen bleiben in Kraft. Alle sonstigen, obigem Verbote entgegensdehende lAnoodnungen werden aufgehoben.

DerReichsanz." veröffentlicht das Gesetz betr. die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika und die Bekanntmachung des Bundes­rates dazu.

Stuttgart, 27. Febr. Die Kammer ber Standes- herren hat heute bei der Beratung der Gemeindeordnung die Abschaffung der Lebenslänglichkeit der Ortsvorfteher einstimmtg beschlossen und festgesetzt, daß

die Ortsvorsteher ans den Zeitraum von je 10 Jahren gewählt werden. Die lebettslanaliche Amlsoauer bleibt für die vor dem Tage der Verkündigung des neuen Gesetzes gewählten Ortsvorsteber unberührt.______________________

Ausland.

Paris, 27. Febr. In ber Kammer erklärte ber Kriegsminister, bie Deputierten unb Senatoren, welche der Reserve ober ber Territorialarmee angehorten, würden in: Falle eines''Kriege? am achten Tage nach ber Mobilmachung zu ihrem Truppenteil zu stoßen haben. UebrigenS bereite bie Regierung einen Gesetzentwurf vor, durch welchen eine Organisation der öffentlichen Gewalten in Kriegszeiten erfolgen solle.

König Eduard, ber unter bem Namen eines Grafen von Lancaster reift, trifft am 5. Marz in Biarritz ein. Er beabsichtigt, längeren Aufenthalt zu nehmen unb will ein Touristenleben führen. Der Vermählung seiner Nichte, ber Prinzessin Ena von Battenberg, wird er nicht bei­wohnen.

Paris, 27. Febr. Die Strafkammer verurteilte die bet