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30.8.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 203

Srfcheint SLßNtz mit Ausnahme deS Sonntags.

Die ..Wietzener LamMenblStter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'fch« UnivcrfttLtSdruckerei. DL Lang», Vietze«.

Redaktion, Exvedttion u. Druckerei k Schukfkr.K, Tel. Nr. 5L Te1egr.-Adr.: Anzeiger Gieße».

Zweites Blatt 186. Jahrgang Donnerstag 30. August 1906

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«.

L. .....

In Bremen durch 18, in Hamburg durch 13, in Bayern und Baden durch je 12, in Rudolstadt, Württemberg, Hessen und Meiningen durch je 7, in Kodurg-Gotha durch 6, in Neuß j. 2. durch 5, in Oldenburg und Lübeck dllrch je 4, in Altenburg und Lippe durch je 3, in Weimar und Anhalt durch je 2, in Sachsen, Elsaß-Lothringcn und Reuß ä. L. durch je einen Genossen. In den Landtagen von Preußen, den beiden Mecklenburg, Braunschweig, Schwarzburg-Sonderö- hatisen, Waldeck und Schaunrburg-Lippe ist die Sozialdemo- kratie nicht vertreten. Der Jahresbericht klagt dann über die Höhe der Ausgaben, die um Mk. 385 000 ge­diegen sind. Unter anderem sind über Mk. 130 000 an Unterstützungen für die Opfer des russischen Befreiungs­kampfes und für die Maiausgesperrten gewährt worden. Auch die Part ei presse hat e r h ö hte Zuschüs s e verursacht und das Darlehenskonto hat die Höhe von Mk. 327 000 erreicht. Es befindet sich darunter ein großes Darlehen, welches einer durch wiederholte Aussperrungen in Bedrängnis geratenen Gewerkschaft gegeben worden ist. Ferner Beihilfe zur Errichtung und Unterhaltung von Gewerkschaftshäusern. Die Gesamteinnahmen von Mk. 810 000 samt dem vor­jährigen Restbestand von Mk. 23 000 haben nicht aus- gereicht, um die Ausgaben zu decken, Es mußten Mk. 60000 dem Reservefonds entnommen werden, in dem noch Mk. 13 000 vorhanden sind.

Kiel, 29. Aug. Auf ein anläßlich der Taufe und beS. Stapellaufes des Kreuzers »Nürnbergs von den Ver­tretern der Stadt Nürnberg abgesandtes Huldigungstelegramm antwortete der Kaiser:

Den Vertretern der Stadt Nürnberg sage ich meinen auf­richtigen Dank für den mir übersandten Gruß. Mit großer Freude habe ich den Kreuzer, der heute glücklich vom Stapel lief, den! Namen der altehrivürdigen ReichsstadtNürnbergs verliehen, und meine Marine wird stolz daraus sein, ein Schiff in ihrer Mitte zu haben, das diesen Namen führt, der in so enger Verbindung mit meinem Hause steht, und den ich mit hoher Befriedigung zu den meinen zähle. Unvergessen ist mir der herrliche Festtag mit seiner erhebenden Stimmung im vorigen Jahre in Nürnbergs Mauern.

Wilhelm I. B,

Prinzregent Luitp old beantwortete das an ihn ge­richtete Huldigungstelegramm wie folgt:

Mit aufrichtiger Genugtuung habe ich anläßlich der Taufe und des Stapellaufes des KreuzersNürnberg- die in lreuanhäng- licher Gesinnung mir dargebrachte Huldigung entgegengenommen. Meinen wärmsten Dank hierfür begleitet der Ausdruck herzlicher Freude über die der Stadt Nürnberg durch die Namengebung gewordene Ehrung. Möge dem schonen Schiffe eine glückliche und ruhmvolle Zukunft beschieden sein.

Karlsruhe, 29. Aug. Eine prächtige Ehrengabe in Gestalt einer in einer prunkvollen Kassette ruhenden Adresse wird dem Großherzogspaar im Namen der iu Amerika wohnenden Badenser zur goldenen Hochzeit über­reicht werden. Eine Delegation wird die amerik. Badenser bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Karlsruhe vertreten und die Ehrengabe überreichen. Die Adresse trägt die Unterschrift von 600 in Amerika lebenden Badensern. Die Kasiette ist- aus Mahagoniholz angefertigt. Die Beschläge sind aus Silber in antiker Legierung, die Adler aus Gold. Die Zeichnungen auf den Seiten der Kassette versinnbildlichen die Entwickelung und Erschließung der Vereinigten Staaten. Auf der Front­seite ist eine Gold-Plakette mit einer Darstellung des Kapitols und deS Weißen Hauses in Washington angebracht. Die Seitenstücke stellen den Zug nach dem Westen (seit 1849) bar; Szenen aus bem Leben der Pioniere, ein mit Ochsen be­spannter Wagen beförbert Emigranten durch daS Felsengebirge; der erste Bahnzug durchbraust die Prärie, Indianer sehem staunend daS Vordringen der Zivilisation. Indianer-Orna­mente aus Kupfer, Silber, Gold und Elfenbein dienen zur weiteren Verzierung der Kassette, die mit dem amerikanischen Wappen geschmückt ist. In der Kassette ruht die in Album­form gehaltene, in stahlblau°marmoriertes Kalbleber gebunbene Lidreffe. Der Deckel trägt bie Basrelief-Porträts bcs großh. PaareS. Der Inhalt bes AlbumS besteht aus Gedicht, Widmung und Aquarellbilb.

Gotha, 29. Aug. Die Einfuhr von Rinder,r nnb Schafen aus Oesterreich-Ungarn zur alsbalbigen Abschlachtung in den Schlachthäusern von Gotha und Koburg unter besonderen Vorsichtsmaßregeln ist durch eine Min'.sterial- verordnung freigegeben worden.

Aus der europäischen Kinderstube.

Die Kleinen an der unteren Donau und auf dein Balkan wollen nicht mehr Frieden halten. Zwischen Georgios, dem Griechenkönig, und Ferdinand dem Schönen von Bul­garien ist ein Zwist ausgebrochen, und bie Untertanen dieser beiden Fürsten schneiden einander die Hälse ab, schießen einander tot, rauben einander die Hämmel und die Weiber und stecken einander die Häuser über den Köpfen an. Der Großherr im Pildiz-Kiosk, der dem Namen nach noch immer der Souverän des Vasallen Ferdinand ist, hat mit drohend erhobenem Finger Ruhe geboten, aber Bul­garien streckt die Zunge heraus und ruft dem Großkhan zu: in Bezug auf unsere innere Politik hast du uns gar nichts vorzuschreiben. Innere Politik ist gut, wo es sich doch um sehr äußere Politik handelt.

Nun hat sich auch Rußland in bie Sache verwickelt mit bem Effekt, baß bie bipl. Beziehungen zwischen Väterchen und seinem lieben Vetter, dem Vater seines Patenkindes Boris, abgebrochen wurden. Der russische Vertreter hat dem bulgar. Ministerpräsidenten einige derbe Wahrheiten gesagt, der bulgarische Ministerpräsident wurde grob; also ist Bulgarien verzürnt einmal mit Griechenland, zum anderen mit der Türkei und zum dritten mit Rußland, das ihm bis jetzt in allen Fährlichkeiten beigestanden ist. Das ist ein bischen viel auf einmal, und man wird in Europa über diese Moritz- slreiche des Fürsten Ferdinand verwundert den Kopf schütteln. Wie kommt er dazu, mit seinem Großherrn, mit seinem Be­schützer, dem Zaren, und mit den Griechen zugleich so böse Händel anzufangen?

Die Witoort darauf drängt sich dem kundigeren The- baner von selber auf: Fürst Ferdinand von Bulgarien hat jemanden hinter sich, der ihm den breiten Rücken deckt. Dieser 'Duodezfürst, der immer nach einer Königskrone hungert, Härte niemals gewagt, fidj so sehr zu engagieren, wenn er nicht wüßte, daß ihm nichts passieren kann. Tie griechischen Heb erfülle du lieber Himmel! Da sind die Mazedonier vermutlich ebenso schuldig wie die (Griechen. Und was das türkische Joch betrifft: die Bulgaren haben in der letzten Zeit recht wenig von diesem verhaßten Joch empfunden. Denn es ist das Bestreben der hohen Pforte, gerade in den christlichen Landesteilen sich so wenig als möglich bemerkbar zu machen. Und von den Souveränitäts­rechten des Sultans hat man ja beinahe schon nichts mehr gewußt, so wenig sind sie zur Ankvendwtg gelangt.

Es liegt also auf der Hand, daß Fürst Ferdinand nicht auf eigene Faust handelt, sondern in höherem Auftrag. Wer hinter ihm steckt, ist auch nicht schwer zu sagen. Man weiß, daß zwischen England und der Türkei in Bezug auf Egypten erhebliche Differenzen bestehen. Vielleicht hält man es in London jetzt an der Zeit, mit dem türkischen Ueberbleibsel ans dem Mittelalter in Europa auszuräumen und den Sohn des Propheten samt seinem Harem und seinen Heerscharen aus der Kulturwelt hinauszubefördern. Abdul Hamid, von dem man behauptet, er leide an einer unheilbaren Krankheit, wird dagegen wenig machen können.

Daß man in Rom schon lange ein Äuge auf Albanien und die ganze dalmat. Küste hat, ist bekannt. König Viktor Emanuel ist ehrgeizig. Und er besitzt einen Schwiegervater, der noch ehrgeiziger ist: den Beherrscher aller Hammel­diebe in der Eeruagora, den Fürsten Nikita von Monte­negro. Dieser ist auf Rußland nicht gut zu sprechen, weil es ihm eine Jahresrente entzogen hat, und er ist auf Oesterreich-Ungarn gleichfalls bitterböse, weil die Summe, diezur Erhaltung der Wege" alljährlich an ihn bezahlt wurde, gestrichen ist. Nikita befindet sich in fortgesetzter Geldnot, unb deshalb erhofft er von einer Umwälzung auf dem Balkan alles. Verlieren kann er selber ja auch nichts.

Wir hätten so die Konstellation England-Italien- Bulgarien-Moutenegro gegen Rußland- Türkei und vielleicht Oesterreich-Ungarn. Ob die Griechen sich dem Großherrn anschließen wollen, steht dahin; es machte auch weiter gar nichts aus. Tie Kon­stellation gewährt die nettesten Aussichten auf einen frisch- fröhlichen Weltkrieg um den Balkan. Denn die Wirtschaft kann doch nicht auf die Tauer geduldet werden. Es fragt sich, wann die maßgebenden Faktoren den Zeitpunkt zum Eingreifen für gegeben erachten. Das Tröstliche für uns ist, daß uns die ganze Geschichte nichts angeht möaen die Herrschaften also unter sich ausmachen, was sie wollen.

politifcbc Lasesschar-.

Nord und Süd.

In Kiel ist, wie wir meldeten, ein Kreuzer vom Stapel gelaufen, der den Namen der Stadt Nürnberg erhielt und mit dessen Taufe der Nürnberger Bürgermeister v. Schuh betraut war. Kaiser Wilhelm versteht es, durch solche Akte für seine Ziele Stimmung zu machen, und es war ein kluger Gedanke, einer Reihe von neuen Kreuzern die Namen deutscher Bundesstaaten, wie Hessen, oder

großer deutscher Städte bei£ulegen, und bezeichnenderweise widerfuhr diese Auszeichnung in erster Linie süddeutschen Städten, in der deutlichen Absicht, die Brücke zwischen Nord und Süd noch mehr zu- befestigen.

Der bayrische Partikularismus ist ja leider, wie aus vielen Umständen hervorg'ht, noch immer nicht erloschen, und er hat auch bei der Mehrheit der bayrischen Kammer noch immer Platz. Ist doch auch am Widerstande Bayerns die in 'Aussicht genommene Eisenbahngemeiiischaft gescheitert und auch bei dem noch schwebenden Plan einer Giiterwagengemeinschast dürste nicht viel herauskommen. Während alle übrigen Staaten bereit waren, verhielt man sich in München ziemlich ablehnend, obwohl gerade Bayern alle Veranlassung hätte, eine derartige Maßnahme zu be­grüßen. Die Ueberschüsse der bayrischen Bahn sind gering, das Wagenmaterial und sonstige Einrichtungen, sogar die Sicherheitsmaßnahmen lassen, wie bayr. Blatter selber be­klagen, vieles zu wünschen übrig, und wenn man an ernst­hafte Reformen Herangehen würde, so würde die bayrische Bahn ein erhebliches Defizit bringen. Das weiß man im bayrischer: Eisenbahnminifterium, aber man darf nicht auf die Vorschläge ein gehen, weil die Kamm er Mehrheit dagegen ist; bei dieser sind aber keine tatsächlichen Gründe für ihre Haltung maßgebend, sondern es ist die Miß­stimmung gegen Preußen, indem man glaubt, daß Reservatrechte geopfert werden. Dabei bleibt die Eisen­bahnoberhoheit der Emzelstaaten unberührt, es handelt sich nur um gegenseitige Verträge, durch welche für eine bessere Ausnutzung und damit höhere Rentabilität der bestehenden Einrichtungen gesorgt werden soll. Bayern schneidet sich also damit ins eigene Fleisch und die Angriffe, ivelche aus diesem Grunde im bayrischen Reichsrate gegen das Eisen- bahuministerium gerichtet wurden, hatten durchaus ihre Be­rechtigung. Es scheint fast, als "ob dieses bayrische Ober­haus ein feineres Gefühl für die Bedürfnisse der Zett habe, wie die zweite Kammer, deren Mehrheit unbedingt herrschen will und gegen die berechtigten Forderungen ihr Ohr verschließt, wenn sie ihr nicht in den Kram passen. Es muß daher umsomehr erfreuen, daß der Nürnberger Oberbürgermeister eine glänzende Rede in Kiel hielt, zumal ein großer Teil der Bevölkerung aus parteitakttschen Grün­den in seiner Abneigung gegen» Preußen beftärft wird. Gewiß sind manche Maßnahmen der preußischen Regierung nicht geeignet gewesen, im Süden moralische Eroberungen zu machen, gleichwol/l aber sollten die Zeiten vorüber fein, loo man sich in Bayern gegen Verbesserung bringende neue Einrichtungen sträubt, nur weil sie aus Berlin kommen. Man sollte doch bedenken, daß auch Bayern aus dem großen wirtschaftlichen Aufschwung, den Deutschland durch seine Einigung gewonnen hat, viel profitiert hat, wie andern­falls, wenn Bayern abseits geblieben märe, es niemals hätte möglich fein können. Niemand will Bayerns Reservattechte antasten und darum sollte endlich auch in Bayern bei ge­wissen Leuten eine bessere Einsicht Platz greifen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 29. Ang. Der Kaiser und die Kaiserin werden zum Jubiläurnstag desBadischenGroßherzogs- paareS am 20, September in Karlsruhe eintreffen.

Reichskanzler Fürst Bülow wird den Kaiser- Ma n ö v e r n nicht beiwohnen.

Wie alljährlich während der Tage, an denen der Reichskanzler Fürst Bülow feinen Urlaub unterbricht, wird morgen oder übermorgen unter dem Vorsitz des Fürsten Bülow ein Minister rat stattsinden. Es wäre falsch, an­zunehmen, daß auf die Tagesordnung dieses Ministerrates die Angelegenheit des Ministers v. Podbielski gesetzt wird. Die Entscheidung hierüber liegt in den Händen des Kaisers, sodaß über sie nicht entscheidend beraten zu werden braucht. Etwas anderes ist es, ob in außerdienstlicher Unter­haltung der Fall Podbielski bei der Verhandlung der preußischen Minister berührt werden wird. Der Reichskanzler wird voraussichtlich sich in den ersten Tagen des September nach Norderney zurückbegeben. Von dort geht er zu kurzem Kur­gebrauch nach Homburg.

Der englische Kriegsminister Haldane ist heute in Berlin eingetroffen. Er ist bereits im Juni zur Teilnahme an den deutschen Kaisennanövecn eingeladen worden, be­dankte sich damals sehr für die ihn auszeichnende Einladung und bat gleichzeitig, ihm lieber das Studium der deutschen militärischen Institute und Organisation zu gestatten. Als Zivilist möchte er nicht gern bei den Manöver» erscheinen; auch würde ihm als Laien das Ersaffen der großen Exer­zitien und Operationen sehr schwer fallen. Größeren Nutzen für sich verspräche er sich daher von den erwähnten Studien. Dem Wunsche des Kriegsministers wurde entsprochen.

Nach dem Jahresberichte des sozialdemo­kratischen Parteivorstandes war die Partei am Schluffe des Berichtsjahres in folgenden Landtagen vertreten:

Rolonialpoft.

Der .Deutschen Kolonialztg." wird aus Dar- eS-salam telegraphiert, daß dort am 27. August eine schwere Feuersbrunst die Magazine der Firma Phil. Holzmann zerstörte, wobei nicht nur Eisenbahnmaterialien,, sondern auch Vorräte für das neugegründete »Hotel Kaiser- hofE ein Raub der Flammen wurden.

Aleines Feuilleton.

Dr. Wachter, der frühere Redakteur derStaatsb. Zrg." in Berlin, ein sympathischer nationaler Schriftsteller, der dem genannten Blatte während seiner nur kurzen Redattions- Periode einen vornehmen Anstrich gab, will das W o r m serFest - Hans seiner ursprünglichen Bestimmung wiedergeben und Worms zu einemBayreuth des Schauspiels" entwickeln. Er hat der Stadt Worms den Vorschlag gemacht, sie möge eine Schauspielbühne in eignem Betrieb einrichten und ihn als Intendanten mit unbeschränkter Vollmacht, besonders in betreff der Llnstellnng der Schauspieler und der Aufstellung des Spielplans berufen. Er wolle für die Stadt das erforderliche Personal auf drei Jahre engagieren, jedoch mit der Berechtigung, die Verträge per 15. April 1907 zu kündigen, so daß das Risiko der Stadt nur eine Spielzeit laufe. Zur Sicherstellung seiner Geschäftsführung beansprucht Tr. Wachter, daß ihm die Stadt für das erste Jahr ein Betriebskapital von 60 000 Mark zur Verfügung stelle. Außerdem müßten im Festspielhause bauliche Veränderungen vorgenommen werden, dahingehend, daß ein Ti- retttons-, ein Sekretariats- und ein Regisseurzimmer neu ge­schaffen würden. Die 60 000 Mark, die Dr. Wachter als Aus- Laben, des. Theaterbetriebs bei einer sechsmonatlichen Spielzeit

vorsieht, gedenkt er wieder einzubringen, indem er die gleiche Summe in einem spezifizierten Voranschläge als Einnahme em- stellt Ms Theaterleiter ist Dr. Wachler indes bisher iwch nicht erprobt nnb ob ihm die nötige Erfahrung und praktischen Kennt­nisse zur Seite stehen, weiß man nicht. In Hinsicht auf die finan­ziellen Anforderungen, die der Stadt voraussichtlich bei der Verwirklichung dieses Planes erwachsen würden, beschloß daher die Wormser Stadtverordnetenversammlung in Uebereinstimmung mit der Theaterkommifsion das Älnerbieten abzulehnen.

Das Marburger hygienische Universitäts­institut macht betreffs des neuesten Behr ingschen Tu­be r k u l o s eb e k ä m p f u n g s m i t t e l s folgende Mitteilung: Das Tu läse genannte Tuoerlulofebetämpfungsrnittel wird nur an bestimmte Kliniken zu Versuchszwecken abgegeben, und zwar unentgeltlich. Alle brieflichen und mündlichen an Exzellenz v Behring gelangenden Bitten um ausnahmsweise lleberlasiung eines Schwindsuchtsmittels können daher nicht berücksichtigt werden. Exzellenz v. Behring wird über den Kreis derjenigen Tuberkulose­forscher, die schon jetzt mit dem Gange seiner tuberkulose-thera- peutifchen Arbeiten vertraut sind, zunächst nicht hinausgehen.

Frankfurt a. M., 29. Aug. Der Charalterspicler des Frankfurter Stadtll-eaters Max Bayer Hammer ist an das Hamburger Sta d.lthea ter engagiert.worden. Um bie

HansThoma-Ausstellung auch minder bemittelten Kreise» zugänglich zu machen, hat der Ausschuß für Volksvorlesungen sich mit dem Kunstverein ins Einvernehmen gesetzt. Dieser hat dem Wunsche entsprochen und den Eintrittspreis für die Sonn­tage am 2. und 9. September Nachmittags von 1 bis 6 Uhr auf 20 Pf. festgesetzt. Gleichzeitig wird jedem Besucher eine gemeinverständliche Einführung in die AusstellungHans Thoma und sein Lebenswerst' verabreicht. Tie Einttittskarten sind Donnerstag, Freitag und Samstag erhältlich im Bureau des Ausschusses, Schmidtstube 7, im Bureau des Gewerkschaftskattells am Schwimmbad 810, in der Bolksbibliothek Zeil 53, in der Freien Bibliothek Stoltzestraße 2024 und, soweit der Vorrat noch reicht, Sonntags an der Kasse des Knnstvereins, Junghvst ftrafje 8.

Kassel, 28. Aug. Die vielumstrittene Frage des Neu­baues des hiesigen H o s t h e a t e r s ist nunmehr definitiv dahin entschieden, daß der Neubau an der Stelle des jetzigen Auetors errichtet wird. Nach einer Verfügung des Hausministe- riums und der beteiligten Staatsministerien sollen alle Vorbereit­ungen so beschleunigt werden, daß mit Den Ausschachtungsarbeiten für das neue Thcatergcbäude noch in diesem Herbste oegonnerx werden kann-