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27.4.1906 Zweites Blatt
 
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Freitag 27. April 1906

Nr. 9S

Zweites Blatt

156. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Q

Rotationsdruck und Verlag der BrLhl'icb« UntversitätSdruckeret. 81 Lang».

Redaktion.Expedition «.Druckerei! VchuMr.K, Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. t Anzeiger

Erscheint EgNch mit Ausnahme deS Sonntags.

Eie ..Siebener Lamlllenblatler- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der taibwirt" erscheint monatlich einmal.

Bei den im Herbst stattfindenden Landtagswahlcn werden in vielen Wahlkreisen Nationalliberale und Freisinnige gemeinsam oorgehen. Auch für die ReichZtagSwahlcn 1908 hofft man zwischen den Freisinnigen und Nationallibcralen des Groß- Herzogtums eiue Verständigung zu erzielen.

Straßburg. 26. April. Bei Beratung der Nachtrags- orderung für die Hohkönigsburg von 42 5 000 Mark im Landcsausschuß erklärten sich zwei Abgeordnete gegen die Vorlage. Abg. Emmel meinte, das Neichsland brauche kein Denkmal der Dankbarkeit dafür zu bauen, daß eS gegen seinen Willen annektiert worden sei. Der Abg. Wetterlß stimmte dagegen, weil weitere Nachforderungen in Aussicht stehen und die bisher bewilligten Summen fast völlig aufgebraucht seien.

Aachen, 26. April. Die Teilung des neutralen Gebietes Moresnet steht bevor. Morgen findet eine diesbezügliche Konferenz von Kommissaren der einzelnen Sühnt- ftcricn statt, worauf eine Besichtigung des neutralen Gebietes statt fi ndet.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. April. Der Bevollmächtigte zum Bundes­rat, Geh. Staatsrat Krug von Nidda hat sich von hier nach Darmstadt zurückbegeben.

Zu den Ausweisungen russischer Staats­angehöriger aus Berlin wird mitgeteilt, daß ein aus Berlin ausgewiesener Rigaer Kaufmann für sich und seine Familie in Berlin eine Wohnung zum Preise von 2400 Mk jährlich bis Oktober 1909 gemietet hatte und daß ihm behufs zollfreier Einfuhr seines Mobiliars von demselben Polizei- Präsidenten, der ihn jetzt ausweist, zugesagt wurde, daß er sich hier zu dauerndem Aufenthalt niederlassen könne. Einige wettere besonders kennzeichnenden Fälle sind die folgenden: Die Frau eines Kaufmannes au§ Kiew ist, trotzdem sie der Schöneberger Polizei em bei der Diskonto-Gesellschaft depo­niertes Vermögen von 80 000 Mk. Nachweisen konnte, aus­gewiesen worden, ebenso em Ingenieur, der sich zu technischer Ausbildung hier aufhielt und bet der Deutschen Bank ein Guthaben von 20 000 Mk. besaß, ferner cm Kaufmann aus Mariapol, der ein Bankdepot von 10 000 Mk. hatte. Wie dasB. 2/ erfährt, sollen die Ausiveisungen im Abgeord. netenhause wie im Reichstage zur Sprache gebracht werden.

__ Zn einer Unterredung in Sachen der Ausweisung russischer Staatsangehöriger betonte der Unterslaatsjekretär im

Hause als Gattin und Mutter entzogen und das müßte so kommen, wenn die radikalen Frauenrechtlerinnen mit ihren Forderungen durchdrängen so bedeutet das eine Zer­trümmerung der Familie und die Verwirklichung der Träume von freier Liebe rc. In weiterer Folge würde aber auch dem weiblichen Geschlechte seine Eigenart genommen werden, mit der es die Männer an sich fesselt, und cm ,drittes Geschlecht' herangebildet, dessen Vorläufer wir in den Straßen der Großstädte erblicken mit bebrilltem Auge, kurz geschnittenen Haaren, männlich zugestutzter Kleidung und eckigen Bewegungen. Brr! Jeder Mann wird es heute chon als eine Störung der allgemeinen Behaglichkeit em­pfinden, wenn die Frau mitverdienen muß, weil seine Ein­künfte nicht ausreichen zur Unterhaltung der Familie, aber was soll erst werden, wenn überall Mann und Frau ihrem Berufe nachgehen und sich nur höchstens Sonntags einander und den Kindern widmen können? Eine solche Frauen­emanzipation wäre der Ruin der Sittlichkeit und selbst der Kultur.

Amtlicher Heil.

Gießen, den 21. April 1906.

Betr.: Die Ausführung der Reichsgewerbeordnung; hier die Ausstellung von Duplikatsarbeitsbüchern.

Das Mroßherzogliche Kreisamt QBidien an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des .Kreises.

Wir erinnern die Rückständigen unter Ihnen an Er­ledigung unserer Verfügung vom 15. März 1906, Kreisblatt Nr. 32.

Slinifterium deS Innern Bischoffshau,en ausdrücklich, daß weder politische noch konfessionelle Gründe maßgebend eien, sondern daß die AuswelsungSbefchle lediglich nur dann erfolgen sollen, wenn zu befürchten sei, daß die Ausländer der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen, daß sie sich irgendwie lästig machen oder politisch betätigen. (Wie stimmt das nut dem vorher Gemeldeten zusammen? D. R.)

Der .StaatSanz." veröffentlicht die infolge der Er- 'etzung der Vorprüfung und der ersten Hauptprüfung für den Staatsbaudienst durch die Diplomprüfung einer Umarbeitung unterzogenen Vorschriften über die Ausbildung und Pr ü- ung für den Staatsdienst im Baufache.

Eisenach, 26. April. Ein Zusammengehen aller iberalen wird nun auch in Sachsen-Weimar angebahnt.

Ausland.

London, 26. Apru. <t-ie dasReuter-Bureau" erfährt, besteht die Absicht, die englischen Streitkräfte tu Egypten durch etwa 2000 Mann zu vermehren, womit dann die englische Bcsatzungsurmee 5000 Mann stark sein wurde. Soib Cromer wünscht mit Rüastä't aus die in Egypten herrschende Un­ruhe, die in gewisser Weise mit dem Verhalten der Pforte, m der Grenz streitig leit zusammenhänge, die Wiederverstark- ung der Besatzung. u ...

Eine Batterie englrjcher reitender Artille- r i e erhielt Befehl, sofort nach Egypten abzugehen, ebenso drei Kompagnien der jetzt in Kreta stehenden Jnnislilliiigfufiliere, die dort durch aus Matta kommende Truppen ersetzt werden

Das Kriegsantt gibt bekannt, daß das Gerücht von dem Erlaß eines Mobilmachungsbefehls für die 1. Division des Mderslwt-Armeekorps gänzlich unbegründet ist.

Paris, 26. April. In einem Leitartikel des der Regierung nahcsteheiiden Petit Parisien, welckzer die auswärtige Politik bisher mit großer Mäßigkeit behandelte, ivird em auffallend scharfer Ton gegen Deutschland angeschlagen. Das Blatt führt aus, daß die gegenwärtigen Staatsmänner I t a - l i e n s noch rechtzeitig an die Tradition des ruhmreichen Machia- velli angeknüpft haben und mit bemerkenswerter Geschicklichkeit das l ä ft i g e B a n d z u l ö s e n bemüht sind, welches das Italien des K ö n i g s U m b e r t o a l l z u l a n g e seiner B e w e g u n g s - frei he it beraubte.

Paris, 26. April. DieAgence Havas" meldet aus Me­li l l a: Ter marolkanischeTampferTurki" beschlag- n a h m t c an der Küste von Benibujafar eine Bark, die Han­delsartikel transportierte. DerTurki" fuhr daun mit dem weggeiwmmenen Schiss auf hohe See.Turki" hatte die Barl zuvor beschossen. Dabei hatte eine Granate ein Haus an der Küste getroffen und in Br and gesetzt und ferner eine pwau sowie ein kleines Mädchen getötet.

R o m, 26. April. Ten überaus i r e u n d l i ch e n E i n d r u ck, den die B e i l e i d s w o r t e des Grafen B a l l e st r e m für Italien und die Haltung des Reichstages hierbei gemacht haben, hebt die Tribuna hervor und schreibt: Es waren nicht alle in die Organe der öffentlichen Meinung, die oft von einseitigen Leidenschaften be­herrscht werden, es waren die höchsten und angesehensten nationalen Vertretungen, die mit ihrer Kundgebung darlaten, daß nichts in den Beziehungen zwischen den Alliierten sich geändert hat.

Tiflis, 26. April. Tas Schatzamt von Duschet in der Nähe von Tiflis ist heute ausgeplüiidert worden. 20 Mi­nuten vor der Zeit, in welcher die militärischen Schildwachen ab­gelöst werden, kamen sechs Männer, die die Uniform des dortigen in Garnison stehenden Bataillons lengen, gaben das Losungs­wort und drangen, mit den örtlichen Verhältnissen anscheinend gut bekannt, in die Depotabteilung ein. Nachdem sie den Posten geknebelt und dem Wächter einen Eid angenommen hatten, be­mächtigten sie sich 315 000 Rubel in Bargeld. Es gelang ihnen dann, " in ihrer Verkleidung zu entkommen und das Bureau des Schatzamtes zu verlassen, bevor die Schildwachen zur Ablösung

Ier tzrfolg der russischen Anleihe. (

An dem Erfolg der neuen russischen Milliardenanlcihc i tann nach den Meldungen von den Zeichnungsplätzen nicht gezweifelt werden. Wenn es wahr ist, daß die russische j Finanzverwaltung die selbst für russische Verhältnisse er- J staunliche Summe von 6 oder 7 Mill. Francs nur für : Stimmungsmache bewilligt haben soll, wobei auf Frankreich der Löwenanteil entfiel, so hätte diese Extraausgabe gespart werden können. Der Magnet des Profits zieht so stark . wie der Magnet des Wal-ns. Fünf Prozent Zinsen, oder Zinsversprcchung, locken immer ein großes Publikum an. Viele sagen sich: Es wird doch wohl eine Weile dauern bis zum russischen Staatsbankerott; bis dahin nehme ich die Zinsen mit und verkaufe die Papiere eines Tages mit Vorteil. Dabei wurde von allen Seiden gewarnt und wieder gewarnt, selbst aus dem sozialdemokr. Lager. Hat doch noch letzthin der sozialdemokr Herausgeber desPlutus" eine Broschürezur Warnung" l)erausgeschleudert, in der er alle die Aufsätze über Rußlands Bankerott vereinte, die in seiner Finanzzeitschrist erschienen smd. Und eine Anzahl hervorragender Persönlichkeiten Wiens aus allen Berufskreisen, darunter mehrere Universitätsprofessoren, er­ließen einen Aufruf, worin das österreickfische Publikum vor dem Ankauf der neuen russischen Rente gewarnt wird. Der Aufruf schließt mit den Worten: ....

Sollte trotz unseres ehrlichen Warnrufes kurzsichtige Ge- winnsnckst über'bessere sittli^e Einsicht siegen, machen wir alle, die zu diesem Abenteuer beitragen, vor dem Gewissen verant­wortlich sür das U n g l ü ck, das hieraus für die wirtschaft- lichc Lage des Mittelstandes und für den Staat eines Tages hervorbrechen muß. .

Doch alle diese Warnungen sind in den Wmd geredet. Es gibt eben gar viel moralisch stumpfen Wagemut in der Wett. Die russische Regierung hat die Sperrung des deutschen Marktes für die2lnleihe nicht übel genommen, bemerkt der Petersburger Korrespondent eines deutschen Blattes. Sehr großmütig. Wer es ist ein offenes Geheimnis, daß von den 500 Millionen, die angeblich russische Banken übernehmen sollten, die deutsche Hochfinanz das Meiste abgenommen hat. Die Beziehungen bleiben also ungetrübt, und bei der nächsten russischen Anleihe sie kommt eher, als man denkt wird vermutlich Deutschland in erster Reiheberücksichtigt" werden. Bis dahin besinnt man sich in Petersburg auf die alte traditionelle" Freundschaft mit Deutschland, und die Mißverständnisse sind behoben.

Der Petersburger Korrespondent derKöln. Ztg. er­klärt gegenüber der immer mehr um sich greifenden Miß­stimmung in Rußland gegen Deutschland, die durch die Sperrung des beutf^u Marktes für die russischen Anleihen veranlaßt ist: , ..... .

Die russische Regierung hatte sich von solch deutsch-semd- lichen Gesinnungen fern. Witte l>abe letzthin noch au,s be­stimmteste Dniidjcrt, daß die Beziehungen zwychen den bewen befreundeten Monarchen und ihren Regierungen nichts zu wün­schen übrig lasten. Er sei über ine Beweggründe ,nr bie Stellung- nafcme der deutschen Neicbsregierung in der rustischen frage vollkommen unterrichtet.

politische Tagesschau.

Rieder mit den Männern!

Gestern mittag erhielten wir folgende Drahtnachricht, die wir leider infolge erheblichen Platzmangels für die heutige Nunlmer zurückstellen mußten:

London, 25. April. In der heutigen A b e n b ) 113 u n g des Unterhauses kam es zu einer stürmischem Szene. Im ersten Teile der Sitzung wurde die Frage der Zwangsimpsmig erörtert und daraus brachte um 9Ve Uhr Keir Hcrrdy einen Antrag zugunsten des Frauen-- stimmrechts ein. Da nach der neuen Geschäftsordnung di-°tt" um 11 111)1 jchU-tzt, s° b-staud k-m- Aussicht, daß über den Antrag abgestiimnt werden wurde. Cme An­zahl von eifrigen ülnhunger innen des Stimmrechts für Frauen, die fick) auf der Damentribune besmiden, wurde ungeduldig über bie Verlängerung ber ^i^rupion, uno alo Evans (lib.) gegen 10 Uhr 40 Min. gegen ben Antrag zu sprechen begann, stießen einige ber rzwauen auf ber ^.ribune Xante Protestru.se aus. Sie riefen: Stimmrecht. Stimm­recht! Gerechtigkeit für die Frauen! Geben ^ie uns das Stimmrecht! Sie verursachten dadurch einen solchen Darm, daß die Debatte unterbrochen wurde. Der Sprecher ließ darauf die Tribüne räumen. Während ber Storung hatte eine von den Demonstrantinnen ein kleines Banner an der Tribüne angebracht mit der Inschrift: '^as ^timmrechi für die Frauen! Nach der Räumung der Tribüne wurde die Tebaite wieder ausgenommen und schließlich bis auf unbestimmte Zeit vertagt. . , <

Dieser Vorgang steht nicht nur m der Geschichte des Londoner Parlamentes einzig da, sondern er dürfte wohl auch in ber ganzen Frauenbewegung eine bcbeulfamc Rolle einnehmen. Wird bie Frau gänzlich dem Wirkungskreise im

Dernächste" ruffisch-japanische Krieg.

In der Presse findet eine dem rujsisck-en GencralstabÄLes eingereichte Denkschrift, die von dem rustischen Patrioten Basche­now stammt, besondere Berücksichtigung. Der Verfasser, der den Ausgang des ostasiatischen Krieges oorauLgejagt haben soll, wem daraus hin, daß sich Rußland aus eine Fvrtse tz un g des Kampfes in Ostasien in 56 Jahren getaut machen und dementsprechend ganz besondere Vorkehrungen treffen müsse. Tie Forderungen, die Basckstnow stellt, werden in müi» tärischen Ärejsin, die die russischen Verhältnisse in Ostasien kennen, ür nidjt durchführbar gehalten, wie man denn überhaupt den Inhalt des Sckstiststückes in der vorliegenden Form nickt ernst nimmt. Zunächst sollen etwa zwei Drittel der Armee, die im Osten stationiert ioar, stets in voller K r i egs- bereitschast gehalten werden. Tann verlangt Bttsckenow den Ausbau zwetter Gleise auf allen strategisch wichtigen Bahnen, den Bau der Amurbahn und schließlich and) eine umfaßende Be­seitigung von Wladiwostok, wo ausländisch Wersten so famell als möglich mit dem Dau der neuen Flotte beginnen sollen. Dies alles soll Land in Hand mit der Ansiedlung von Kolo­nisten, die als Rekruten gute Dienste leisten können, gehen und Rußlands Kriegsbereitschaft in fünf bis sechs Jahren auf eine Höhe gebracht werden, die eine Wiederaufnahme des Kampfes unter günstigen Bedingungen gegen Japan gestattet. 2ln und ür sich würden sich die Vorschläge, ivenn man über Riesenmittel verfügte und alles in der Armee in Ordnung wäre, mit Aus­nahme des Ausbaues der Flotte in Wladiwostok und einer zweckmäßigen Kolonisation in so kurzer Zeit, wohl in der Haupt- adye mit besonderen Anstrengungen verwirklichen lauen. Es i|t iber gerade vom russisckstm Standpunkte ans ein Unding, der­artige Theorien aufzustellen, die ganz unerfüllbar find infolge der miserablen Finanzlage, in der fich das russische Reich befindet. Sobald man die Mittel für derartige Zwecke verlangen würde und dies ließe fich kaum verheimlichen würden sie auch wolfl von Frankreich beriveigert werden, und man könnte damit reck/nen, datz Japan, womöglich im Verein mit dem verbündeten England eher losschlagt, als man annimmt. Die Idee, daß in Wladiwvftok felbft sich bet Bau russischer Kriegsschiffe von ausländischen Werften voll­ziehen könnte, erscheint natürlich in der Praris nicht auchtchrbar, da es an den notwendigsten Anlagen dort gebricht und die Heran- schassung des Materials, wie Personals, abgesehen von den Kosten, ganz außerordentliche Schwierigkeiten machen würde. Auch Kolo­nisten, besonders geeignete, lassen sich in größerer Zahl unmög­lich so schnell heranziehen. Man kann deswlv über die Denk­schrift Basclienows zur Tagesordnung übergehen und fict» einem wichtigeren Thema zuwenden, bad die Allianz Japans mit China zum Gegenstände hat. Ein in Eharbin erscheinendes russisches Fachblatt hat nämlich einen Geheimvertrag verölten^ licht, der, mag er dem Wortlaut nad> richtig sein oder nicht, doch nnzweifelhast den Kern ber Sache trifft und bestätigt, was man lange vvtaussah. Es geht aus dem Vertrage hervor, daß China nickst nur bie Verpflichtung übernommen hat, feine Armee völlig nach japanischem Muster zu gestalten, nur japanische Instrukteure in das Heer auszunehmen und seinen Ausrüf tungsbedars in ^apan iu becken, sondern vor allem auch seinen Willen dahin bekundet, im Kriegsfälle mit Japan verbündet vorzugehen. Auch die Konzessionen zum Bau wichtiger Bahnen werden erwähnt. Hier­aus geht unzweifelhaft hervor, daß Rußland in einem nächsten Kriege auch mit der chinesischen Armee zu rechnen hat, die sttzt vielleicht noch nickst große Bedeutung besitzt, aber in Jahren gewiß zu einer unter japanischer Führung stehenden Macht heranaewachsen ist, die eine ganz wesentliche Verstärkung der iapa- nisckwn Armee darstellt. Man kann hieraus ermessen, baß die Lage Rußlands im fernen Osten recht prekär ift und vorläufig auch bleiben wird, so lange nickt vor allem cme wesentliche Ver­besserung der Qualität des Heeres, die ja jetzt so zu wünschen übrig läßt, erfolgt ist. Wann wird sich dies aber konstatieren Iaffen9 Mit dem Ausbau der Flotte scheint es gute Wege zu haven Man bat Abstriche vom Marineetat gemacht und will die Schisse im Jnlande bauen, und da werden nickst fünf, sondern vielleicht zehn Jahre vergehen, ehe man eine Kviegsmarme bo sitzt, die an Umfang «n die einstige heranreichr.

Südwefiafrita.

Windhuk, 26. April. (Amtlich.) Am 20. April im Gefecht bei Wltmund gefallen: Oberleutnant o. Bähr, früher Dragoner-Regiment Nr. 10, Kopf- und Rückenschuß. Schwer venvundet: Reiter Josef Schlegel, Leutnt. Friedrich Schlüter, geborener Hannoveraner, früher Infanterie-Regiment Nr. 42, Knochenschuß in den linken Unterarm; Unteroffizier Anton Diichalik, Gefreiter Arthur Franke, Reiter Robert Hoffmann, Reiter Hermann Gnamm; leicht verwundet: Sanitäts-Unteroffizier Johann Graf, Ge- reiter Gustav Jastrewski.

Hamburg, 26. April. Am 30. werden die Dampfer Gertrud Wörmann" und .Eleonore Wörmann^ mit zehn Offizieren, etwa 200 Mann und 1000 Pferden nach Südwest- afrika abgehen.

Kolonialpoft»

In Duala (Kamerun) lanb eine neue Gerichtsverhandlung bezüglich der Beschwerdejchri't ber Atwahäuptlinge stall. Die Häuptlinge erklärten, keine Aussagen machen zu wollen. Der Richter juchte sie zu Aussagen zu bewegen, indem er ihnen er- flärte, das Gericht fei völlig unparteiisch und das Urteil würde in Berlin gewllt werden. King Akwa und bie Häuptlinge erklärten sich nunmehr bereit, Aussagen zu machen, um nicht dem Aus­wärtigen Amte ungehorsam zu fein. Prinz Akwa ließ, als er von ber Weigerung feines Balers und der Häuptlinge hörte, sofort nach Tuala telegraphieren, die Angeklagten möchten offen und ehrlich ausjagen. Ganz Deuljchlanb folge dem Gerechtigkeitssinn des Kaisers und des Kanzlers und ganz Deiuschland blicke nach Duala.

3. 53.: Dr. Wagner.

Keliannlmachung.

Die unterm 18. April 1905, angeoidnete Sperre der Roon st raße zwischen Moltkestraße und Großer Steinweg wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 25. April 1906.

Großh. Potizeiamt Gießert.

Herberg.