Ausgabe 
30.8.1906 Erstes Blatt
 
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Wetter

am 28.-29.

August = 4- 20,0 ° C.

28.-29. August = + 7,0 6 C*

liste für die am 24. September d. Js. Periode des Schwurgerichts für das folgende Hauptgeschworene ausgelost: Wetz in Münzenberg, 2. Kaufmann

beginnende Sitzung?- 3. Quartal wurden 1. Rentner Wilhelm August Gabriel in

Sonnenschein KlarerHimin^ Sonnenschein

28 in Marburg, 26 in Freiburg, 18 in Gießen, 10 in Rostock,' 7 in Greifswald und 4 in Würzburg.

Wie aus Marburg geschrieben wird, findet an der dortigen Universität vom 8.10. Oktober ein theologischer F e ri e nk u r sil s für Geistliche und Neligionslehrcr aus dem G r o ß h e r z o g t u m Hessen und den preußischen Konsistorial- bezirken Kassel, Nassaus und Frankfurt statt. Der erste Kursus dieser Art ivitrbc im Oktober 1904 in Frankfurt a. M. abgehalten. Dozenten waren damals die Professoren Drews und Holtz - m a n n aus Gießen und Jlckelis aus Marburg. Bei dem dies- jäbrigeu zweiten Kursus in Marburg werden lesen die Profestoren Herrmann überDie Aufgabe der evangelischen Dogmatik in der Gegenwart", Jülicher überNeue Linien in der Kritik der Ueber- lieferung der evangelischen Geschichte (Wrede, Wellhausen. Harnack)" und Weiß überDie Entstehung der neutestamentlichen Christologie im Lichte der neuen religioitsgeschichtlichen Forschung". Der, wie gemeldet, kürzlich von Berlin nach Marburg berufene außer­ordentliche Professor der Theologie Dr. Wobbermin wird auf die Einladung der Pale Universität in New-Haven im nächsten Jahre dort einen Vorlesungszyklus über dasdeutsche Geistesleben im 19. Jahrhundert" halten.

Die philosophische Fakultät der Universität Göttingen hat den Schriftsteller Benno Martiny in Groß-LichterfeLe zum Ehrendoktor ernannt, da er, wie es in dem Diplom heißt, die Natur der Milch und Butter, ihren Gebrauch und ihre Geschichte in einer Reihe ausgezeichneter wissenschaftlicher und zum praktischen Gebrauch trefflich geeigneter Schriften er­forscht und dargestellt hat, damit die deutschen Landwirte neue Wege zur Erhöhung ihres Wohlstandes auf der heimischen Scholle erschließen gelehrt und sich immer dem öffentlichen Wohle gewidmet hat, uneingedenk des eigenen Ge­winnes. Martiny, 1836 in Schlesien geboren, studierte in Eldena Landwirtschaft und in Berlin Chemie.

Höchste Temperatur

Niedrigste

Handel unö verkehr, Volkswirtschaft.

Reichsbank. Am 29. September wird in Tarnowitz eine von der Reichsbankstelle in Gleiwitz abhängige Reichsbank- nebenstelle nut Kafleneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

Don der Berliner Börse. Auf Gerüchte, daß die Kanada Pacrsrc-Bahn eine Dividende von 8 Prozent verteilen wird, erfuhren diese Aktien eine bedeutende Steigerung, trotz sonstigen flauen Tendenz, die aus Newyork infolge der Fallcssemente gemeldet wurde. Von den übrigen Mnerikaner- Aktlen stiegen Baltimore von 118,90 bis 119,60, Pennsylvania waren gut behauptet. Am Montanmarkt war die Tendenz ebenfalls recht fest und waren besonders Konsolidation bevor- zugt, die 4 Proz. in die Höhe gingen. Es wurde gewissermaßen die Parole ausgegeben, daß die Lohnbewegung als kein dauern­des Hemmnis des Geschäftsganges zu betrachten sei. Heimische Banken fliegen ebenfalls. Russenwerte waren etwas gebessert die Nachrichten, daß die Regierung entschlossen ist, die poli- tychen Reformbestrebungen fortzusetzen. Geld auf kurze Termine über Ultimo 4i/i41/2 Prozent.

r. Paris, 29. Aug. Die Börse eröffnete heute mit erheb­lich b e s s e r e r T e n d e n z als gestern, da russische Fonds sich allgemein auf das Gerücht erholten, Graf Witte würde a n b i e Stelle Stolypins treten. Im weiteren Verlaufe des Börsenverkehrs herrschte Festigkeit bei beschränkten Umsätzen. In letzter Bürsenstunde wurden in russischen Fonds Realisierungen uorgenonnnen, doch schloß die Börse durchweg zu behaupteten Kursen.

Märkte.

th. Gießen, 30. Aug. Auf bem gestrigen Schweine­markt war ber Aiiftrieb wegen bes Ausschlußes von Waare aus Preußen wieber recht unbedeutend. Es mochten zwischen 200300 Tiere zum Verkauf stehen, nicht genug, um den Bedarf der zahlreich zu Markt gekommenen Kundschaft zu decken. Trotzdem war ein kleiner Preisrückgang der Ware bemerkbar, weshalb sich ein überaus flottes Geschäft entwickelte, sodaß der Markt bereits gegen 11 Uhr ausverkaust war. Es wurden gehandelt das Paar Ferkel 4 bis 6 Wochen alt 40 bis 50 Mk., 8 bis 12 Wochen alt 60 bis 72 Mk., Lärtfer 3 bis 5 Monate alt 100 bis 125 Mk., Einleg- schmeine je nach Güte bis zu 180 Mk. Nächste Markttage aus­nahmsweise Montag, den 10. und Dienstag, den 11. September d. Js. Am 11. Sept, findet der Pferde- markt statt.

Meteorologische Beobachtungen

_________der Station Gießen.

Israelitische Neligionsgeseltschast.

Gottesdienst.

Sabbat h feier am 1. September 1906:

Freitag abend 6.40 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.00 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 6.00 Uhr, abends 7.00 Uhr.

Israelitische Religionsgemeinde.

Kottesdienst in her Synagoge (Südanlage).

Samstag, den 1. September 1906:

Vorabend 7 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.

Nachmittags 4 Uhr.

Sabbathausgang 8.00 Uhr.

Verwalters Meiski stehende Schloß bau verein hat sich seit Jahren bemüht, die arg in Verfall geratene Ruine au dem Schloßberg bis auf die Grundmauern bloßzulegen und sie vor gänzlicher Vernichtung durch Ausbesserung schadhafter Stellen zu schützen. Der Aussicht wegen, die man von der Höhe de8 Schloßberges nach dem Taunus, dem Westerwald, den Höhen bei Gießen und der Rhön genießt, ist aus Mitteln deS BauvereinS und eines staatlichen Zuschusses ein aus Basalt aufgeführter Aussichtsturm errichtet worden, ber am 2. Sept, bei einem auf bem Schloßplatz abzuhaltenden Volksfeste ein- geweiht werden soll. Der älteste Teil der Ruine ist ber um 1200 erbaute Warttum; die rechts vom Eingang liegende Kapelle stammt aus bem Jahre 1360, ber von Johann von Eisenbach erbaute Pallas ist 1340 erstanden, ein anderer, 1484 errichteter, hat zum Bauherrn Thilemann von Sassen; ein Nebenbau wurde 1494 vom Landgrafen Wilhelm III. erbaut. Bei dem 1759 erfolgten Sturmangriff des Hess. Grenadier-Regiments fanden 20 Mann ein gemeinsames Grab, das sich rechts vom Eingangstor befindet. Eine Marmor- platte trägt die Inschrift:Dem Andenken der Stammtruppe gewidmet vom Offizierkorps des Füsilier-Regiments von Gersdorf (Kurh. Rr. 80).

Darmstadt, 29. Aug. Leider muß festgestellt werden, daß das diesjährige Bismarckfest mit einem Defizit von etwa 3000 Mk. abgeschloffen hat. Es ist dies lediglich auf den schlechten Besuch zurückzuführen. Gerade diejenigen Kreise, auf deren Erscheinen man mit Bestimmtheit gerechnet hatte, waren dem Feste fern geblieben. Am meisten hat wohl die Ungunst des Wetters der Veranstaltung geschadet. Daß unter diesen Umständen an den Bau der Säule in nächster Zeit nicht gedacht werden kann, dürfte wohl selbstverständlich sein.

Michelstadt, 28. Aug. Hier ist das seltene Ereignis eines Rechtsanwalts-Konkurses zu konstatieren. Die verfügbare Masse im Konkurse des hiesigen Rechtsanwalts Men de beträgt nur 1882 Mk., die Summe ber teilnahme- berechtigten Forderungen dagegen rund 12 000 Mk., so daß auf jede Mark nur 15,7 Pfennig entfallen.

** Kleine Mitteilungen a u s Hessen und den N a ch b a r st a a 1 e n. Der Kirchweibwirt von O b e r - B e s s i u g e u chreibt uns, daß dort entgegen anderer Meldung im Kirchweihsaal niemand gefallen sei.

In Audienz empfangen wurde am Mittwoch von S. K. H. dem Großherzog u. a. Oberlehrer Weiß- harth von Laubach.

** Personalien. D. K. H. der Großherzog haben den Regierungsbaumeister Albert Sprengel aus Reichels­heim i. d. W. zum Bauaffeffor ernannt; bem Eisenbahn-Bau- mspektor Hch. Aug. Stieler in Darmstadt sowie bem Eisen- Lahn-Bauinspektor Henry Jordan in Mainz den Charakter ol§ Regierungs- und Baurat verliehen; den Assistenten bei der BezirkZkaffe WormS Leop. Eifert zu WormS zum Be­zirkskassier der Bezirkskasse Altenstadt und den ersten Buch­haltungsbeamten der Hessischen Landes-Hypothekenbank, Arnim Loos auS Guntersblum, zum Vorstand der Buchhaltung^ ernannt.

Pfarrpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den durch die evang. Dekanatssynode des Dekanats Friedberg für den Rest der im Jahre 1908 ablaufenden Wahlperiode vollzogenen Wahlen des evangelischen Pfarrers Val. Schrimpf zu Butzbach zum Dekan und des evang. Pfarrers Wilh. Wahl zu Beienheim zum Stellvertreter des Dekans deS Dekanats Friedberg die Bestätigung erteilt.

* 3. Internationaler Kongreß zur Be­kämpfung des Mädchenhandels. In Paris soll in der Zeit vom 22. bis 25. Oktober ds. Js. der 3. inter­nationale Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels unter dem Schutze des Präsidenten der französischen Republik statt- finden. Rach dem an daS Reich gelangten Einladungs­schreiben ist erwünscht, daß an dem Kongreß abgesehen von amtlicher Beteiligung auch Persönlichkeiten und Ver­einigungen in Deutschland, die sich menschenfreundlichen und sozialen Fragen widmen, sich beteiligen. Der Beitrag beträgt für jeden Teilnehmer 20 Franken. Das Reich wird auf dem Kongreß vertreten fein; auch sind bereits eine Reihe deutscher nichtamtlicher Teilnehmer angemeldet.

* Geschworenenliste. Behufs Bildung der Spruch-

GerSchtssaal.

R. B. Darmstadt, 29. Aug. Wegen Diebstahls wurden ycut von der hiesigen Strafkammer mehrere schwere Strafen ausgesprochen. Der Kaufmann Jakob Seligmann Mayer aus ^ranksurt war in erster Instanz wegen Diebstahls von ca. 500 q 1«n $e9fll}9Cn beim Kaufmann Stein in Neu-Isenburg, zu ? Wochen Gefängnis verurteilt worden. Die heutige Berufs- mstanz erhöhte die Strafe auf 4 Monate Gefängnis. Die Fabrikarbeiterin Marie Depp aus Gießen, 23 Jahre alt, vorbestraft, hatte m Offenbach verschiedene Kleider usw. gestohlen Das Urteil lautete auf 10 Monate Gefängnis. Der Tagelöhner Fobert Albert Sprenger aus Konnewitz, der trotz seines Alters von kaum 20 Jahren schon vielfach vorbestraft ist, hatte dem Maurer Anton zu Offenbach ein Paar Zugstiefel im Werte von 9 Mark gestohlen. Urteil: 1 Jahr Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust.

. . efälschte Mil ch. Nicht nur teuer bezahlen die Städter die Milch, sondern häufig bezahlen sie auch noch viel Wasser mit. Die Darmstadter Strafkammer verhandelte ivieder einnmt einen eklatanten Milchsälschungssall. Die Fran des Peter Stüber aus Nieder-Beerbach wurde von der Polizei erwischt, als sie 18 Liter stark gewässerte Milch in Eberstadt verkaufen wollte. Der Händler bringt sie dann nach Darmstadt. Die Untersuchung ergab, bau von den 18 Litern zwei Liter Brunnenwasser waren. Tie Strafkammer verurteilte die Fälscherin zu 60 Mark Geldstrafe.

Osnabrück, 29. Aug. Das Kriegsgericht der 19. Division verurteilte den Hauptmann Lattemann wegen Miß- b and Jung Untergebener zu 14 Tagen Stubenarrest. Wegen Gefährdung dienstlicher Interessen wurde die Oeffentlichkeit aus­geschlossen.

Uttiversitäts-Nachrrchtem.

Fr a u e n ft u d i u m. DenAkad. Monatsblättern" zufolge waren an sämtlichen deutschen Universitäten in diesem Sommer- emefter insgesamt 1452 Frauen zum Studium zugelassen. Da­von waren an den sechs süddeutschen Universitäten 184 imma­trikuliert, und zwar im einzelnen 58 in Freiburg, 57 in Heidel­berg, 55 in München, 8 in Würzburg, 5 in Tübingen und 1 in Erlangen. Von diesen studierten 97 Medizin (nämlich 34 in Freiburg, 28 in Heidelberg, 26 in München, 6 in Würzburg und 3 in Tübingen), 53 gehörten der philosophischen Fakultät an (nämlich 22 in Heidelberg, 16 in München, 14 in Freiburg und 1, in Tübingen), 21 waren in der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fakultät eingeschrieben /nämlich 7 in Mün­chen, 6 in Freiburg, 4 in Heidelberg, 2 in Würzburg' und je 1 in Tübingen und Erlangen), 10 studierten Staatswissenschaften (5 in München, 4 in Freiburg und 1 in Heidelberg, endlich studierten 3 Jurisprudenz (2 in Heidelberg und 1 in Mützchen). Au der Universität Gießen waren6 zu gelassene Hospi­tantinnen", von denen ungefähr das Gleiche an Vorbildung verlangt wird, wie an den süddeutschen Universitäten von den zur Immatrikulation zugelassenen Frauen. Endlich waren noch als Hospitantinnen eingeschrieben im einzelnen: 387 in Berlin, 123 in Bonn, 111 in Breslau, 115 in Göttingen, 71 in Leipzig, 60 in Jena, 55 in Straßburg, 49 in Königsberg, 47 in Tübingen, 45 in Halle, je 34 in München unb Heidellierg, 38 in Kiel,

Gießen, 3. Gemeindeeinnehmer Joh. Heinrich Michel in Burg- Lracht, 4. Beigeordneter Heinrich Eifert in Wenings, 5. Bürger- rneister August Schneider in Utphe, 6. Landwirt Karl Stiebeling in Ranstadt, 7. Revierförster Emil Marx in Schlitz, 8. Land­wirt Joh. Heinr. Weitzel in Kaichen, 9. Landwirt Johannes Weiß II. in Liederbach, 10. Oekonom Hermann Reitz in Butzbach, 11. Oekonomierat Richard Westernacher in Lind­heim, 12. Buchhändler Alfred Töpelmann in Gießen, 12. Rentner Heinrich Huber in Ostheim, 14. Kirchenrechner Wilhelm Greif in BiffeS, 15. Müller Heinrich Rahrgang in Ruppertenrod, 16. Landwirt Heinrich Lamp in Langsdorf, 17. Fabrikant Phil. Karl Frank in Schlitz, 18. Pachter Adolf Güngerich in Hof Engelthal, 19. Kaufmann Georg Hill /in Alsfeld, 20. Rechner Wilhelm Lindenstruth in Keffelbach, 21. Fabrikant Alfons Kübel in Herbstein, 22. Landwirt Ludwig Weiß in Rieder-Gemünden, 24. Landwirt Wilhelm LaupuS in Rieder-Erlenbach, 24. Rentner Balthaser Konrad Wetz in Griedel, 25. Zigarrenfabrikant Salomon Heß in Schotten, 26. Bürgermeister Johannes Holl VII. in Rod­heim b. Vilbel, 27. Landwirt Otto Schneider in Unter- Widdersheim, 28. Bürgermeister Georg Heinrich Lehr in .Eckartshausen, 29. Landwirt Wilhelm Pauli I. in Betten­hausen, 30. Fabrikant Oskar Gutinann in Gießen.

* * Rach dem Entwurf des Winterfahrplans wird vom 1. Oktober ab auf der Strecke Gießen Koblenz ein neuer Zug eingelegt, welcher um 7.18 Uhr morgens von Gießen abgeht, um 7.34 in Wetzlar und um 9.09 auf seiner Endstation Limburg eintreffen wird. Mit der Einlegung dieses Zuges ist einem Wunsche entsprochen, Welchen die Wetzlarer Handelskammer zur Kenntnis der Eisenbahndirektion gebracht hat.

In dem Mühlheimer Bericht unserer Montags­nummer über die dort abgehaltene sozialdemokratische Konferenz findet sich ein krasser Druckfehler. Das Amendement Adelung, welches den Strich des Satzes, jeder Kompromiß soll ver- jjnieden werden, beantragt, wurde nicht angenommen, sondern (abgelehnt. Die unveränderte Resolution Ulrich also ^angenommen.

- 0- Langgöns, 29. Aug. DaS schöne Geschichtchen wom Käsehändler Walter ist erfunden. In ganz Langgöns heißt niemand Walter. Die Dienstmagd des Landwirts Eonr. A. Wagner stürzte vom Scheunegerüst herunter und zog sich Verletzungen zu.

Krofdorf, 29. Aug. Große Vorbereitungen werden in diesen Tagen in sämtlichen Gemeinden der Bürgermeisterei Atzbach-Braunsbach für nächsten Sonntag getroffen. Findet doch alljährlich am 1. Septembersonntag in den 12 Ort­schaften der Bürgermeisterei das Kirchweihfest statt. Be­züglich der Wahl eines Kirmesortes fommt man demnach für nächsten Sonntag nicht in Verlegenheit, wenn man bedenkt, daß von den Grenzen des Kreises Marburg (Salzböden) bis vor die Tore der Stadt Wetzlar (Garbenheim) zum Tanze aufgespielt wird.

P. Schlitz, 28. Aug. Im vergangenen Jahre wurde von der Gräflich Görtzischen Forstverwaltung im Walde an , 'der Lauterbacherstraße ein großer Fischteich angelegt. Die Anlage sowie die Besetzung mit einer beträchtlichen Anzahl Karpfen hat erhebliche Kosten verursacht. In der vergangenen Rächt hat sich dec Teich auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weife einen Weg durch den Damm gesucht, sodaß heute morgen 'die Wasser der Schlitz trüb gefärbt waren. An Stelle der : 'schönen Wasserfläche sieht man jetzt nur eine große Schlamm- 1 grübe. Die Fischer an der Schlitz und Fulda freuen sich ob des unerwarteten Zuwachses an Karpfen, diese sollen nämlich schon eine Schwere bis zu vier Pfund erreicht haben. . Es werden wohl auch Ansprüche für Entschädigung dec : überschwemmten Wiesen erhoben werden.

-i- Stockheim, 28. Aug. Ein Umbau der Gleis- ' an läge auf der Bahnstrecke StockheimGedern ist geplant s und zwar handelt es sich um die Teilstrecken Stockheim i Selters und HirzenhainGedern von ca. lP/2 Kilometer 1 i£änge. Der Umbau ist dadurch erforderlich geworden, daß \ ffeit Vollendung ber Vogelsbergbahn bis Lauterbach ein be- ; ^deutend größerer Güterverkehr, besonders mit Holz, ein- -getreten ist.

slj Ulrichstein, 28. Aug. Der unter Vorsitz des Post- .

vermischtes.

Bevölkerungsdichte im Deutschen Reiche. Nach der letzten Volkszählung wohnen im Deutschen Reiche 112 Einwohner auf einen Quadratkilometer gegen 76 im Jahre 1871. In 16 Bundesstaaten steht die Bevölkerungs­dichte über dein Reichsmittel. Es sind: Hamburg mit 2107 Einwohnern auf einen Quadratkilometer (817 im Jahre 1871), Bremen mit 1027 (477), Lübeck mit 356 (175), Sachsen mit 300 (170), Reuß ältere Linie mit 223 (142), Neuß jüngere Linie mit 175 (108), Hessen mit 15 7 (111), Sachsen-Altenburg mit 156 (107), Pfalz 149, Anhalt mit 143 (89), Baden mit 133 (97), Braunschweig und Schaum­burg-Lippe mit 132 (84 bezw. 94), Elsaß-Lothringen mit 125 (107), Sachsen-Koburg-Gotha mit 122 (89), Lippe-Det- molb mit 120 (91), Württemberg mit 118 (93) Einwohnern auf den Quadratkilometer. Unter dem Neichsdurchschnitt folgen in abnehmender Bevölkerungsdichte: Sachsen-Meiningen mit 109 (76), Sachsen-Weimar mit 107 (79), Preußen mit 107 (71), Schwarzburg-Rudolstadt mit 103 (80), Schwarzburg- SonderShausen mit 99 (78), Bayern mit 80 (64), Oldenburg mit 68 (49), Waldeck 53 (50), Mecklenburg-Schwerin 48 (42), Mecklenburg - Strelitz 35 (33) Bewohnern pro Quadratkilo­meter. Von den preußischen Gebieten ist das Rheinland am dichtesten bevölkert; eS zählt auf den Quadratkilometer 238 (132) Einwohner. In Westfalen ist die Ziffer der Be­völkerungsdichte 179 (88), in Hessen-Nassau 132 (89), in Schlesien 122 (92), in Sachsen 118 (83), in Brandenburg 87 (51), in Schleswig-Holstein 79 (55), in Hannover 72 (51), in Posen 69 (55), in Westpreußen 64 (51), in Hohenzollern 60 (57), in Pommern 56 (47), in Ostpreußen 55 (49). In Berlin entfallen auf den Quadratkilometer 32 180 Einwohner gegen 13 951 im Jahre 1871.

* Eine Frau Landgerichtsrat als Mörderin i h r e S M a n n e s. Ein Aufsehen erregender Strafprozeß wird demnächst die Gerichte in Innsbruck beschäftigen. Die An­klage richtet sich gegen Frau Landgerichtsrat Rutthofer, die beschuldigt wird, ihren Ehemann durch sieben Messerstiche getötet zu haben. Die Hauptverhandlung, zu ber etwa 50 Zeugen geladen sind, wird am 17. September beginnen unb vier Tage in Anspruch nehmen; sie dürfte wegen Erörterung intimer Familien-Angelegenheiten voraussichtlich §um größten Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt werden.

* Erdbeben in Abessinien. Rach einer Meldung des Reuterschen Bureaus wurden am 27. August in Addis Abeba mehrere leichtere Erderschütterungen verspürt.

* Kleine Tageschronik. In Leipzig brach am 29. August im neuen MeßpalastReichshofs, der zur gegen­wärtigen Michaelismesse als Lagerraum für Meßmuster benutzt wird, Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff. Dank der vorzüglichen Eisenkonftruktion des Baues gelang es der Feuerwehr, die weitere Ausdehnung des Brandes zu ver­hindern. Das dritte Stockwerk brannte vollständig aus. Auf dem Fernpaß stieß das Automobil des Herzogs von Genua mit einem Postwagen zusammen. Der Herzog und seine Gattin blieben unverletzt.

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ugust 1906

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