Berliner Genoffen die ihm in Auftrag gegebene „Geschichte der Berliner Sozialdemokratie" fertig zu stellen.
Mso zum lokalen Geschichtsschreiber ist Bernstein nunmehr avanziert, nach dem „Schiffbruch" mit der von ihm gegründeten Montagszeitung und nach vergeblichen Bemühungen, beim Zentralorgan der Partei Unterkunft zu finden. Seine bitteren Klagen über Eristenzsorgen erregten damals einiges Aufsehen, und, es hat den unzweifelhaft begabten Mann wohl mitunter gereut, nicht in London im erträglichen Asyl geblieben zu sein. Mit Bebel, Kautsky, Tr. Mehring ist nicht „gut Kirschen essen", und hätte Bernstein nicht das Reichstagsmandat für Breslau, dann würde er vermutlich noch mehr ins .Hintertreffen geraten. Tie „schweiß- bctrieste Eile", mit der er im Auftrag der Berliner Parteifreunde das erwähnte Dokument fertigzusiellcn hat, ist auch nicht ganz unverdächtig. Es sieht so aus, als sollte der redefrohe .Herold des Revisionismus dem Parteitag ferngehalten werden, damit dort eine überwundene Bewegung nicht noch „toter geredet" wird.
Parteitag und Massenstreik.
Bebel und Legi en, die beid n Vertreter einer gegensätzlichen politischen Anschauung innerhalb der Sozialdemokratie, haben in Mannheim zu der Frage des politischen Massenstreiks sich geeinigt. Bebel befand sich seinen Gegnern gegenüber in der unangenehmen Lage des Angeklagten. Er ist aber ein Angreifer, für den Abwebrkamvf fehlen ihm die Waffen der ruhigen Sicherheit. Und seine Stellung zur Frage des politischen Massenstreiks war ja auch von Anfang an zweideutig. In Jena hat man aus die Veranlassung oder doch wenigstens unter ausdrücklicher Billigung Bebels den politischen Massenstreik als Kampfmittel der Partei anerkannt, in Köln hat Bebel sich das Wort „Generalstreik ist Unsinn" zu eigen gemacht. Und nun in Mannheim bat man die Jenaer Resolution sanktioniert, aber ihr jede praktische Bedeutung abgesprochen. Ter kurze Sinn der Ausführungen Bebels ist der: In Deutschland ist das Gelingen eines politischen Massenstreiks heute ausgeschlossen. Süddeutschland würde auf keinen f^all mitgehen, wenn des preußischen Wahlrechts wegen der Generalstreik proklamiert werden sollte: die Massen würden einfach nicht mittun. In der Theorie mag der Massenstreik als letztes Kampfmittel Geltung haben, und wenn man uns die Freiheit, wenn man uns das ReickstagÄvcchlrecht nehmen will, werden die Massen wohl auf diese Weise vorgehen müssen, aber — die Rede Bebels wimmelt von lauter „Aber" — so mir nichts dir nichts den Generalstreik proklamieren, das geht nicht an. Erfreulich war die Konstatierung, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht entfernt daran denkt, etwa im Falle eines Krieges in einen allgemeinen Streik zu treten. Bebel hat diesen Gedanken als^ volksverräterisch von sich gewiesen. Tie Angriffe auf Stampfer und Maurenbrecher waren sehr scharf, aber ihr Zweck war wohl lediglich, die sonst inhaltlich matten Ausführungen des Generalissimus zu würzen.
Legi en, der Führer der Gewerkschaften, brachte den guten Witz fertig, zur Bebelschen Resolution ein Amendement einzubringen, wonach die Partei keinen Gegensatz zwischen demJenaerProgramm und dem Beschluß in Köln erblicken könne. Und schließlich vereinten sich Bebel u.nd Legien zu einem ähnlichen Anträge, der mit erdrückender Mehrheit an- aenommen tpurbe! Das ist nicht Übel! In Jena hat man den Massenstreik in die Reihe der Kampfmittel ausgenommen, in,Köln erklärt man, Generalstreik sei Unsinn, und zwischen diesen beiden Beschlüssen soll kein Gegensatz bestehen! Dazu gehört ein gar seltsamer Köhlerglaube. Aber man muß zugeben, daß der Parteitag, indem er sich auf logische Kritik gar nicht erst einließ, wenigstens nach außen hin nicht schlecht abgeschnitten Hot, und damit scheinen heute die Führer der Partei schon zufrieden zu sein. Man hat die Gegensätze verklebt und verkleistert, und es bleibt dabei, daß der Generalstreik weiterhin den mumifizierten Ehrenwauwau gegenüber den bürgert. Parteien spielt.
In bürgerlichen Parteien hat jedoch darüber niemals ein Zweifel geherrscht, daß ein Massenstreik als politisches Kampfmittel nutzlos sein müßte, und nur die Scharfmacher malten uns das Gespenst grell an die Wand. Der Maffenstreik ist in der Tat Unsinn und tatsächlich würden zahllose Arbeiter der Ge- neralstreikparole nicht cotgett. An den einen Fall, den Bebel als Veranlassung zum Massenstreik genannt hat, an die Abänderung des Reichstagswahlrechts in reaktionärem Sinne, denkt in Deutschland, keine maßgebende Stelle, denn auch die bürgerlichen Parteien mit Ausnahme der Rechten haben allen Grund, mit dem freiheitlichen Wahlrecht zufrieden zu sein.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 29. Sept. 1906.
*• Gaunertrick. Bei einer hiesigen Witwe mietete vor einiger Zeit ein angebliches Ehepaar eine Wohnung unter der Angabe, hier ein Geschäft eröffnen zu wollen. Der Mann unternahm dann eine Geschäftsreise und schrieb seiner Frau um Geld, da er erkrankt sei; er betonte aber gleich in dem Briefe, daß die Hauswirtin das Geld vorschießen solle, was diese dann auch tat. Sodann reiste die Frau ab, um angeblich in Marburg ein Geschäft einzurichten. Der liebenswürdige Mieter schrieb dann nochmals der Hauswirtin einen sehr schmeichelhaften Brief und bat um nochmalige Zusendung eine? Geldbetrags. Er gab darin an, daß in Gießen auf der Post 1500 Mk. für ihn angekommen seien, daß er am nächsten Tage kommen, diesen Betrag abheben und das Doppelte für da? Darlehen bezahlen werde, und erhielt dann auch von der Hauswirtin nochmals telegraphisch Geld nach Göttingen geschickt. Von da ab blieb das Paar verschwunden und die vertrauensselige Wirtin entdeckte noch, daß ihr auch ein Hundertmarkschein gestohlen war.
-i- Butzbach, 28. Sept. Die Erinnerungsmedaille an die Veranstaltungen des Trachtenfestes wurden dieser Tage an eine Anzahl Teilnehmer und Teil- nehmerinnen am Festzng verteilt. Die Münzen haben die Größe eines TalerS und zeigen in recht geschmackvoller Form einerseits die Daten des Festes, andererseits ein tanzendes Paar in Hüttenberger Tracht. Das ganze ist in Altsilber hergestellt und von einer bunten Verzierung umrandet.
k- Bad-Nauheim, 28. Sept. Die Badesaison ist noch nicht zu Ende und schon beginnt in dem Bade eine lebhafte Bautätigkeit. Es handelt sich um den Abbruch der Badehäuser Nr. 3 und 7, an deren Stelle das neue BadehauS Nr. 9 errichtet werden soll. VadehauS Nr. 3 wurde 1865/66 erbaut, es versperrt gegenwärtig mit seinem Hauptflügel die Durchsicht und den Durchgang von der BahnhofSallee zwischen den Badehäusern Nr. 8 Süd und Nord nach den Sprudeln und dem Park. Ter Abbruch seines nördlichen Flügels ist fast beendet, mit dem Haupt- ffügel^ wird in den nächsten Tagen begonnen, dagegen bleibt der südliche Flügel noch ein Jahr stehen. Das Badehaus Nr. 7, das nur etwa 5 bis 6 Jahre und zwar nördlich vom Hauptsprudel steht, wird gegenwärtig ebenfalls niedergelegt. ES wird in Bad-Salzbansen sofort wieder aufgebaut und soll nächstes Frühjahr benutzt werden. Sämtliches Baumaterial wird per Bahn dorthin verfrachtet. In Salzhausen selbst sind die Ecdarbeiten zu dem Wiederaufbau im Gang. Mit den Erdarbeiten zum Badehaus 9 wird noch im Oktober begonnen. Der Erbauer ist Unternehmer Mörschel- Friedberg; die Bauzeit dauert cci. 1% bis 2 Jahre. Nach der Vollendung wird auch der Abbruch der Badehäuser 1 4- 2 erfolgen, um dem neuen BadehauS Nr. 10 Platz zu machen.
Dieses wird dann westlich an Park und Ufa angrenzen. Die drei neuen Badehäuser 8, 9 und 10 werden sich nach ihrer Fertigstellung mit ihren etwa 300 Badezellen in Hufeisenform um die drei Sprudel gruppieren. An der Innenseite nach den Sprudeln zu werden zwei Wandelgänqe entlang führen, die an der Parkseite in je einem Pavillon enden. Die Sprudel selbst werden einen neuen Aufbau und eine neue Einfaffung erhalten und von einem kleinen Svrudelpark eingefaßt werden. Es werden wenigstens 6 Jahre vergehen, bis alle diese Neuerungen und Verschönerungen hergestellt sind. Jedenfalls wird das Bad durch die Neubauten bedeutend gewinnen.
lung statt. Ein sozialdemokratischer Redner hatte in einer Versammlung den Eltern empfohlen, sie sollten ihre Söhne erzieherisch so beeinflussen, daß diese, wenn sie zum Militär kämen und ihnen befohlen würde, auf Vater und Mutter zu schießen, dem Befehle nicht Folge leisteten. Wegen dieser Aeußerung wurde Anklage^ erhoben auf Grund des § 110 des Strameserrbuches, der den mit Strafe bedroht, der öffentlich vor einer Menschenmenge zum Ungehorsam gcr?n Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen ober gegen bie von ber Obrigkeit innerhalb ihrer Zustänbigkeit getroffenen Anordnungen auffordert. Es erfolgte Freisprechung: bie Tatsache aber, baß überhaupt Anklage erhoben werben konnte, scheint uns ein interessanter Beitrag zur Psychologie bcs Staatsanwalts zu sein.
Der Bachstcin-Prozeß in 8. Auflage.
vermischte».
• Erdbeben und Cyklon. Profeffor Rizzo, Direktor deS Observatoriums in Rom, besuchte verschiedene Ortschaften, die vom jüngsten Erdbeben in Sizilien heimgesiicht wurden. Tie Bevölkerung ist ruhig und kehrt in ihre Wohnungen zurück. Den Beobachtungen des Professors zufolge ist vorläufig keine Gefahr mehr vorhanden. Die Vermehrung der Mineralquellen ist auf die Erweiterung der Quellöffnungen zurückzuführen. — Die Stadt San Juan auf Portorico hatte, wie wir schon meldeten, dieser Tage unter mehreren schweren Erdstößen zu leiden, die immer heftiger wurden. Tie Bewohner flohen aus den Häusern ins Fr.'ie. Sämtliche ReqierungSgebäude waren von den Beamten geräumt. Ter Schaden ist beträchtlich. Unter den Einwohnern herrsch große Aufregung. — In der span. Stadt Alicante ist ein neues Unwetter eingetreten. Der Sturm auf bem Meere ist so heftig, daß die Schiffe in den Hafen flüchten. Eine große Badeanstalt wurde von den Wellen weggerissen und ein großer Teil der Hafenarbeiten von den Wellen hinweggespült. — Dienstag nacht wütete ein heftiges Unwetter auf dem Schwarzen Meere. Zahlreiche Segelschiffe sind verunglückt, darunter eins, auf dem sich neun Personen befanden. — Ein heftiger Cyklon ist verffoffene Nacht über Nemours (Algier) und Umgegend niedergegangen. Während zweier Stunden fiel ein Schlammregen, der alle Kulturen vernichtete. — Durch Sturm sind in der Stadt Pensacola im nordamerikanischen Staate Florida alle Häuser beschädigt worden; vielfach wurden die Dächer fort» gerissen. Die Küste ist besät mit Trümmern der Landungsdämme und Schiffe. Mehrere Dampfer und zahlreiche Segelschiffe wurden von der Flut weit aufs Land getrieben und liegen jetzt auf dem Trockenen in den Straßen. Der in Pensacola und Umgegend angerichtete Schaden beträgt über 2 Millionen Dollars. Der Getreideelevator und der Land- ungSdamm der Louisoille and Nashville-Eisenbahn wurden stark beschädigt. — In Mobile (Alabama) wurden durch einen Orkan üie(e Menschen getötet. Ter Materialschaden wird aitf 3 Mill. Doll, beziffert. Viele Schiffe sollen gesunken sein. Tie Mannschaften mehrerer Schiffe sind ertrunken. Die bei Diebstählen betroffenen Schwarzen wurden niedergeschlagen. Die Stadt ist von Truppen besetzt worden.
*KleineTagesckronik. In Erkner bei Berlin wurde am Morgen ihres goldenen Hockzeitstages die Gattin des Kanzleirates Kachel von einem Schlaganfall bettoffen, als sie im Begriff war, sich anzukleiden. Zu ber Feier waren bereits zahlreiche Angehörige. eingettoffsn und große Veranstaltungen vorbereitet. — In Halle ersoi; ein 16 iähriger Arbeitsbursche beim Spielen mit einem Terzerol s e i n e M u t t e r. — In Zeitz hat sich bas Tischlermeister Burkhardtsche Ehepaar aus Nahrungssorgen das Leben genommen. Tie Frau wurde erhängt, der Mann mit durchschnittenen Pulsadern im brennenden Bett aufgesnnden. — In Mannheim erschoß sich eine 39 Jahre alte von ihrem Manne getrennt lebende Professorsgattin aus Freiburg i. B.
Uttiversitäts-Nachrlchtcn.
„Zukunftsaufgaben der Korps". Unter dieser Ueberschrist fordert in den „Mab. Monatsh." lOrgan der deutschen Korpsstudenten> ein ehemaliger Korpsbursche, Tr. jur. Walter Blo em -Berlin, der auch als Dramatiker bekannt ist, eine gründliche Reform ber stnbentischen Erziehung. Zu einer energischen Reform ber Trinksitten, fo führt er aus, zwingen gerabezu bie Tatsachen, welche bie moderne Kriminalstatistik wie die Psychiatrie zusammengetragen haben. Das Leben unsererStu- denten trägt, wie insbesondere Pros. Dr. Aschaffenburg gezeigt hat, den Typus einer „k ünstlichen Kriminalitä t", deren Zusammenhang mit dem Alkoholgenuß durch eine Neber- fülle von Tatsachen nachgewiesen ist. Daneben ist der Atkohol- genuß lvgl. Forel, Die sexuelle Frage) die Hauptwurzel aller sexuellen Entartung, der Hauptträger der Prostitution und eine Quelle zahlloser Gefahren für die Nachkommenschaft — all das eine gebieterische Aufforderung an jeden alten Herrn, eine Wandlung im Korpsleben in dieser Richtung nach Kräften lierbeiführen zu helfen. „Die Erkenntnisse, welche die wissenschaftliche Arbeit gerade,bn§ letzte Jahrzehnt gebracht hat, sind geeignet, auch ben Schläfrigsten unb Zufriebensten aus seiner Zuversicht ain- z.nschrecken. . . . Also, meine werten A. H. A. H., es heißt triebet einmal: Burschen heraus! . . ."
— Wie wir hören, wirb Professor Dr. Rubens sein Lehramt an ber Berliner Universität und bie Direktion bes Physikalischen Instituts, bas bisher Pros. Drude geleitet hat, zum bevorstehenden Wintersemester übernehmen. — Als Nachfolger des Straireckts- und ZiviffrozestlehrerZ Prof. Dr E. Kohlrausch, der an Stelle Güterbocks zum Ordinarius vorrückt", wurde der Privatdozent an der Universität Halle a. S. Dr. jur. Alexander Burggraf it nb Graf zu Dohna als a. o. Professor in bie juristische Fakultät ber Universität Königsberg i. Pr. berufen.
Gevlchtssaal.
Darmstadt, 28. Sept. In bem Beleih igungs Prozeß gegen die Redakteure Hannemann und Bandlow hat Recktsauwalt Dr. Fultw. her Vertreter bes Nebenklägers R-ncks- tagsabg. B e r t b y l d , bie R e v i s i o n gegen bas Urteil ber Strafkammer beim Reichsgericht eingeleat.
Wiesbaben, 28. Sept. E'n Heiratsschwinbler stanb heute in ber Person des 33 Jahre alt"n Kaufmanns Otto Brenner aus Mainz vor der hiesigen Sttaskammer. Der Angeklagte gründete ein Likörgeschäst, hatte aber nichts als ein Päckchen Dr"cksachen und Briefbogen mit einer großen Firma, in der er als Likör la brisant und als Erfinder des berühmten Kräuter- chnapses „Salus" bezeichnet war. Er wollte die Fabrikation beginnen, dock fehlte es ibm an Geld, d^s er durch Verheiratung zu erlangen suchte, sand eine Köck in, die sich Geld erspart hatte. 1200 Mark i wn wußte sich Brenner in die Tasche zu spielen. Er verwendete die Summe aber nickt für Likörfabrikat'on, sondern verschleuderte sie auf andere Weise. Dos Mädchen heiratete er nicht. Er wird wegen Betrugs -u sechs Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet.
.Dresden, 28. Sept. Die Strafkammer verurteilte den hiesigen Rechtsanwalt Klöckner wegen Zweikampfes zu sechs Monaten Festung. Als strafverschärffnd wurde berücksichtig l. daß er dis Eheglück s e i n e s l ci n g j ü h r i g e n Freundes und Kompagnons zerstört hat.
Vor der zweiten Strafkammer des Land-Gerichts 2 Berlin fand kürzlich eine bemerkenswerte Verhand-
Münster i. W., 29. Sept.
Zum 8. Male kam gestern der Prozeß gegen den Tivi- sionsvfarrer Bach st ein wegen Beschimpfung der katbolischenKirckezurVerhandlung: dos Oberkriegs- oer'ckt, vor dem d> Verhandlung stattfand, hatte sich damit zum 4. Male mit der Anklage zu befassen.
Ter Gerichtshof erkannte noch längerer Berotung auf Freisprechung. Das Vorhandensein ber Oeffentlickkeit, bas nochmals geprüft worden war, wurde abermals beiaht. Dagegen hat das Oberkriegsaericht nickt angenommen, daß die unter Anklage gestellten Aenßerungen das Papsttum treuen sollten: das Vorliegen einer Vesckimvfung wurde daher in objettiver und subjektiver Hinsicht verneint.
Arbeiterbewegung.
Stettin, 28. Sept. Ein großer Teil der Hafenarbeiter steht seit heute morgen wieder im Ausstand. Auf sämtlichen Schiffen ber neuen Dampfer-Kompagnie wurde die Arbeit von den organisierten Arbeitern eingestellt, weil die Direktion die Arbeitswilligen nicht entlassen will.
Mannheim, 28. Seot. Tie Vereinigung der Arbeitgeber als Abwehrmittel bei Streiks kommt gegenwärtig bei dem Metzgergehilfenstreik praktisch zur Anwendung. In der Wurstsabrik von A. Inchoff sind die Gehilfen im Ausstand. Die Fleischer-Innung erklärt mm in den Blättern, daß die Firma Imhoff die Forderung der Gehilken, insbesondere Wohnung außerhalb des Hauses und Verringerung der Arbeitszeit nicht bewilligen können und die Innungen Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, Worms sich mit der Firma Imhoff solidarisch erklären.
M a n n h e i m, 28. Sept. Tie F u h r l e u t e der Güterbestellerei der Badischen und Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen finb in den Ausstand getreten. Tie Firma weigert sich, mit der Or- aanisatioil der Transportarbeiter zu verhandeln. Ter Eilgüterverkehr wird zur Not aufrecht erhalten.
Märkte.
Gießen, 29. Sept. Marktbericht. Aill heutigem Wochenmarkte kosteten: Butter pr.Psd. 1.00—1.05 Mk., Hübnereierl St. 8—9Pfg. 2 Stck. 00—00 Psg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 0 Psg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Psg. Erbsen v. Pfund 22Pfg., Linsen v. Pfund 32Psg., Tauben vr.Paar0,80— 1,00Mk., Hühner pr St 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00-00 Pfg., Ochseufleisch „r. Md. 82—88 Psg., Kuh-und Rindfleisch vr. Pfund 80—82 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 90—100 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 104 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 84—86 Pfg., Hammelfleisch pr. Pnmd 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,50—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aeviel per Zentner 10 bis 18 Mk., in Körben oo Pfd., Nüsse 100 Stück 30 Psg., Birnen per Psd. Mk. 0.00—0.00, per Ztr. 9—15 Mk., Zwetschen per Ztr. 2,00—3 Mk., Weißkraut ver Stück 10—15 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 8—2 Uhr.
Auszug aus den Stgo-esgmfürellistkrv der A!adt Eießev.
-lnfqebotc.
September: 24. Johann Reinhardt, Kaufmann dahier, mit
Minna Valentin Hierselbst. — Otto Feldner, vraktischer Arzt hi
Göttingen, mit Elisabeths Schmidt dahier. — Anton Betz, Messer- schmied, dahier, mit Karoline Haas in Hofgüll. 25. Wilhelm Rink, Schneider dahier, mit Luise Laval hierselbst. 27. Karl Quast, Telegrphist in Bruche mit Margarete Grämlich dahier.
Eheschließungen.
September: 22. Oswald Steuer, Haushosmeister in Langenselbold, mit Johanna Wigandt dahier. — Christian Weisbeck, Installateur dahier, mit Katharine Ctückrath hier'elbst. — Karl Schmalz, Fabrbursche dahier, mit Wilhelmine Pfeiffer hierselbst. — Wilhelm Zimmer, Bäckerineister dahier, mit Lina Meinhardt hierselbst. — Leonhard Schäker, Killer dahier, mit Lisa Carl hierselbst. — Konrad Richter, Lehramtsassessor in Alzey, mit Anna Becker dahier. 25. Friedrich Grimm, Kaufmann in Driedorf, mit Luise Dickors dahier.
Geborene.
September: 17. dem Lackierer Adam Dürr eine Tochter, Eleonore Emma Katharine. — dem Kanalarbeiter Johannes Folling ein Sohn. Wilhelm Ludwig. — 20. bem Schlosser Karl Reuter ein Sohn. — 21. dem Schriftsetzer Wilhelm Lenz eine Tochter, Anna Margarete. 25. dem Tienstknecht Friedrich Keller eine Tochter. 27. dem Kommerzienrat Heinrich Schirmer ein Sohn, Emanuel Theodor Lndwig.
Gestorbene.
September: 21. Wilhelm Hoos, 23 Jahre alt, Schuhmacher. — Tr. Friedrich Wilhelm Möbius, 64 Fahre alt, Großh. Land- aerichtsrat i. P. — Heinrich Schmidt, 10 Jahre alt, Sohn des Eisenbahnassistenten Heinrich Schmidt. 22. Karl Bode, 61 Jahre alt, Gütervorsteber. 24. Karl Wilhelm Schmahl, 1 Jahr alt, Sohn des Hilssbremsers Wilhelm Schmahl. — Emilie Bosold, 7 Jahre alt. Tochter des Schneiders Friedrich Bosold. 26. Margarete Gümblein geb. Menges, 61 Jahre alt, Witwe des Amtsgerichtsdieners Heinrkch Gümblein.
TeJefomsch® Kursberichte
des Giessener Anzeigers, niite-eteüt von der Bank fllr Handel und Industrie C'esson.
Frankfurter Störs#* 3%e/0 Peicbsanleihe . . 98.50 3% do. . . 86.55 3%°/o Konsols .... 98.55 3% do 86 55 3i^°/n Hessen ....
3%°/o Oberhessen . . . —.— V>(, Oestcrr. Goldrente. . 99 45 4Vk e" Oestcrr. Silberrente 100.00 4°i< Tbrnar. Goldrente . . 94.70 4% Italien. Pente . . . —.— 3°o Portngiesen Serie T . 69.60 3^ Portocriesen „ JTI 70.60 4 mss.Stnatsanl. 1905 85.60 VA0',, japan. Staatsanleihe 93.50 4°< Conv. Türken von 1903 94.80 Türkenlose .... . 145.50
4% Grieeh. Monopol-Anl. —■ — 4% äussere Argentinier . 88 30 3°/n Mexikaner .... —.— 4>6% Chinesen .... 96.75
Aktien:
Bochum Guss 243.00 Bilderns E. W .... 131.50 Tendenz : sehr still.
Berliner Börse, 29.
Can ad a E. B 184.50 narmst.'(dter Bank . . . 139.70 Deutsche Bank .... 239.40 Dortmunder-Union C. . .--
Dresdner Bank .... 159.00 Tendenz: sehr still.
29 September, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmever . . . 141.00 Elektriz. Sebnckert . . . 129.00 Bschweiler Bergwerk . . 252.50 Delsenkircben Bergwerk . —.— Hamburg*- Amerik. Paketf. 159 00 Harnener Bergwerk. . . 215 50 Lanrahfltte 248.50 Nordd. Lloyd 127.60 Obeischles. Eisen-Indnstrie 132 60 Berliner FTandelstres . . 173.40 Darmstadter Bank . . . 13995 Dentsche Bank . . . 239.00
Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskonto-Kommandit. . . 184.00 Dresdner Bank . . . 159.30 Kreditaktien 212.30 Baltimore- und Ohio-
Eisenl ahn . . . 125.00
Gotthardbahn —.— Lombard Eisenbahn . . 37 40 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.50 Prince-Henri-Eisenbahn . 145.00
September. Anfan^skurse.
Harpener Bergwerk. . . 215.00
Lanrahütte 248.90
f ombarden E. B. ... 37.40
Nordd. Lloyd 127.50
Türkenlose . .... —.—


