Ausgabe 
28.2.1906 Erstes Blatt
 
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Lottttsche Tcrgesscharr.

Eine angebliche Aeuherung Kaiser Wilhelm».

Die »Rowoje Wremja" will folgenden Ausspruch Kaiser Wilhelms zur russischen Agrarfrage erfahren haben: Man erzählt sich so schreibt daS erwähnte Blatt daß der Staatssekretär Kokowzew bei seiner letzten vergeblichen Jagd nach dem goldenen Vließ u. a. auch von Kaiser Wil­helm empfangen worden sei und ungefähr folgendes Gespräch mit ihm gehabt haben soll: Der Kaiser fragte Kokowzew, ob eS wahr sei, daß in Rußland ein beachtenswerter Ent­wurf über eine Zwangsenteignung des Bodens ans- gearbeitet werde, woraus Kokowzew dem Kaiser die wichtigsten Züge auS dem Entwurf mit dem Zusatz mitteilte, daß der Entwurf bereits durchgefallen wäre. Hierauf hat der Kaiser geantwortet: »Schade daS hätte mir die Hände freigegeben. Sie in Rußland vergeßen, daß eS Maß­nahmen von internationaler Bedeutung gibt." DaS Blatt .fügt hinzu, daß eS nid)i für den Wortlaut, wohl aber für den Sinn der vom Kaiser gesprochenen Worte einstehe. Daran anknüpfend bemerkt das Blatt, daß Rußland über seinen inneren Unruhen und seiner internationalen Schwäche tatsäch­lich vergessen zu haben scheine, daß aus der Welt ein Gesetz des Kampfes umS Dasein vorhanden sei.

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Z« dem Aufruf einiger Studenten, die Professoren und Studenten zum allgemeinen Austritt .aus der Kirche auffordern, schreibt der nationallib. »Schwäb. Merkur":

»Es ist ein Zeichen der Zeit, daß eine noch nicht flügge ge­wordene Jugend, die den Drang in sich iühlt, »vorzeitig zu Männern au werden', aus dem Gebiet der Weltanschauung anfängt, den Diktator zu spielen. Bisher war man der Auffassung, daß erst eine auf langjährige und auSgebreitete Kenntnis des wirtlichen Lebens gegründete Erfahrung das Anrecht verleihe, sich unfee die »führenden Geister" zu zählen. Jetzt aber scheint die Weisheit der Jugend über die WeiShert des Alters triumphieren zu sollen. Nicht ausgeschlossen ist, daß auch dieser 9lufruf unter der studierenden Jugend Anklang findet und Jünger wirbt; denn welche Vereins- grundung eine solche ist beabsichtigt fände nicht in Deutsch­land einen fruchtbaren Boden? Die Professoren werden es aber jedenfalls ablchnen, sich ihre Haltung gegenüber den religiösen Problemen von ihren Schülern vorschretben zu lassen.-

Selbstverständlich muß cS in unserer gestrigen kurzen Besprechung deS Briefes von sind. phil. Dieterich auS Berlin heißen: »wie daS auS GießenerProfesforenkreisen geschehen ist" (statt »geschrieben").

DaS Diätengesetz

für den Reichstag erhält nur unter großen Schwierigkeiten sseine endgültige Fonn. Man zerbricht sieh in den Reichsämtern den Kopf über die Kontrollbestimmungen, die eingesügt werden müssen, lüenn man sich für Anwesenheitsgelder und nicht ständige Diäten entscheidet. Run sind inzwischen in Parla­ment und Preße von verschiedenen Abgeordneten zahlreiche brauchbare Vorschläge gemacht. Empfohlen wurde u. a. auch Lie Praxis deS LandeSanSschusses von Elsaß-Lothringcn.

Dort tagt, wie zumeist auch bei unS in Hessen, daS Plenum nur am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Wer eine dieser vier Sitzungen versäumt, verliert die Tage­gelder für die ganze Woche. Im deutschen Reichstage könnte nun die Präsenz täglich am Schlüsse durch namentliche Ab­stimmung über die Tagesordnung festgestellt werden, ein Ver- sahren, daS nach dem während der Zollkämpfe eingeführten abge­kürzten Modus nicht mehralS eine Viertelstunde in Anspruch nimmt; ibie Feststellung deS Ergebnisses kann ja nach Schluß der «Sitzung stattfindcn. Mag aber die Form des DiätengeseheS sein, wie sie wolle: daß daß Gesetz selbst bald kommt, er- (warten alle Abgeordneten und bringen dies auch deutlich zum Ausdruck. Der ReichSschatzsekretär Freiherr von Stengel bat Lieser Tage herzbeweglich eine Anzahl Parlamentarier, dafür zu sorgen, daß wenigstens die zweite Lesung des Etats jum I. April beendet sei. »Sehr gern," erwiderte ein ZentrumS- abgeordneter» »sorgen Sie nur dafür, daß wir umgehend die Diätenvorlage erhalten; ohne das Fann der Redeschwall der Sozialdemokraten nicht durch Schlußanträge abgeschnitten werden." NebrigenL ist ein Druck der Abgeordneten auf die Regierung gar nicht nötig, daß Diatengesetz kommt bestimmt. Wenn der Reichskanzler einem bekannten nationalliberalen Parlamentarier gesagt hat:Die Diäten bekommen Sie erst dann, wenn Sie im8 die Steuern bewilligt haben," so ist das nur ein Scherz. Die Reichsregierung steht hoffentlich nicht auf dem Standpunkt, daß in einem westeuropäischen Kulturstaate die Erfüllung selbstverständlicher Pflichten nur mit Backschisch erreicht würde.

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Eine interessante Stellungnahme Süddeutscher gur Polen frage ist durch den Vorschlag derNationallib. Korresp." angeregt, den n ä ch st e n u a t i o n a l l i b e r a l e n Parteitagin dcrOstmark abzuhalten. Hierfür zeigt sich in der süddeutschen Parteipresse fürs erste wenig Ge­neigtheit. Man sagt einen schlechten Besuch des Kongresses voraus, was der Sache des Deutschtums abträglich sein würde. Merdings, wer in den ©anen der Lahn, des Meins und Mains und Neckars zu.Hause ist, trägt kein sonderliches Verlangen, den äußersten Osten anfzusuchen, dessen eigen- tümliche landschaftliche Reize heute noch immer nicht ge­nügend entdeckt sind und beachtet werden. Es fehlt noch »immer ein Fontane der Ostmark. Mso auch das land­schaftliche Moment könnte für den im Westen und Süden zu wenig bekannten äußersten Osten Deutschlands sprechen. Mehr aber ist der nationale Gesichtspunkt zu beachten. Die Pvlenfrage hat eine über den Nahmen staatlicher Zuständig­keit hinausgreifende Bedeutung gewonnen. Es handelt sich um die Germanisierung Westpreußens und Posens, deren Erfolg fraglich erscheint, solange die Belebung des natio­nalen Empfindens v-on der preuß. Landratspolitik und den preußischen Konservativen ausgeht. Es gilt, in der Ost­mark moralische Eroberungen zu machen, und hierbei ist die Mitarbeit der West- und Süddeutschen von großem Wert. Preußischer Bur eau trat ism u s und Deutschtum werden im Osten nicht selten identifiziert und erzeugen Unlust zur nation-alpoli tisch en Arbeit. Wenn hier eine be­lebende Welle vom Süden heraufflutete, wenn den Pio­nieren des ostmärkischen Deutschtums unmittelbar zum Steirnifrlfein käme, daß sie in ihrem Knmpf für die nationale Kulturausgabe auf Anteilnahme und Unterstützung der Brüder im Reiche rechnen können, dann würden Mut und Schaffenskraft dieser Pioniere gefördert tverden. Auf dem platten Lande haben die preußischen Kvnjervativen Wacht zu halten gegen den polu. Feind. Da sie ihrer Aufgabe nicht immer in erwünschtem Maße gerecht werden, müssen

sich die oümärkischen Städte umsomehr als Hochburgen des Deutschtums erweisen. Sie werden es können, wenn der lib. Gedanke von Zeit zu Zeit einen kräftigen Impuls erfährt, und ein nationalliberaler Parteitag in Dromberg, Thorn oder Marienburg, Städte freilich, die in ziemlich trostloser platter Gegend liegen, würde zweifellos derart als germanisierender Faktor wirken, daß auch andere Par­teien, z. B. die Freisinnigen, in Zukunft bei ihren (yc^erat^ Versammlungen die Ostmark mehr berücksichtigen würden.

Heer und Flotte.

Berlin, 27. Febr. Die Untersuchung wegen des Verkaufs von Waffen und Munition aus den Beständen der deutschen Heeresverwaltung hat jetzt wieder z w e i V e r h a f t u n g e n zur Folge gehabt. Zu den Gar- nisonstädten, auf welche sich die von der Staatsanwaltschaft in Posen angestellten Ermittelungen von Beginn an er­streckten, gehört auch Spandau, wo .Haussuchungen nach Gewehren, Patronen und Schriftstücken vorgenommen wur­den. Namentlich kommen in Betracht der Privatbüchsen­macher Gun fiel und der in einem königl. Institut beschäf­tigte Schlosser Groß. Ersterer betreibt seit Jahren einen Handel mit alten Waffen. Groß war an Geschäften zeitweise beteiligt. Es soll nun der Verdacht bestehen, daß ein Teil der in Verkehr gebrachten alten Waffen von Militär-Per­sonen verkauft worden seien, die nicht berechtigt waren, darüber zu verfügen. Es handelt sich um rechtswidrige Aneignung militärisch fiskalischen Eigentums. Verrat mili­tärischer Geheimnisse liegt nicht vor, da die Konstruktion der verkauften Waffen allgemein bekannt war.

ALolonralpost.

Die Uutersuchunggegen den Gouverneur von Kamerun, v. Putt kam er, ist im wesentlichen beendet. Es steht, einer parl. Korr. zufolge, fest, daß er auf seinen Pollen nicht zurückkehrt. Auch dürfte er für den Rcichsoienst sonst keine Verwendung mehr finden. In einigen Punkten ist es dem Gouverneur gelungen, die Anlage abzuschwüchen, zum größten Teil aber hat man feine Erklärung als nicht ausreichend erachtet. In den Hauptpunkten ist es dem Gouverneur nicht gelungen, sich mit Ausreden von den schweren Anklagen zu reinigen.

Aus Ktudt und Land.

Gießen, den 28. Februar 1906.

** Aschermittwoch ist heute! Mit ihm beginnt das eigentliche vierzigtägige Fasten vor dem Charfreitag. Der ernsten Einkehr und dem redlichen Vorsatz endlicher Besserung soll er geweiht fein, so will es die Kirche. Seit nahezu 14 Jahrhunderten sind nun die (Tfyrifteit Zeuge dieses schroffen Kontrastes im Wandel der Zeiten: Gestern noch übermütiger Faflnachtstrubet, Weingelage, Tanz und eitel Lustbarkeit und heute klösterliches Schweigen am stillen, ernsten Aschermittwoch! Uebermüdet, verkatert, der Appetit nach allerlei Taseb- und anderen Freuden merklich herab­gestimmt, der Mammon bis auf dürftige Reste hinweg- gefchmolzen und vielleicht noch die dunkle Rückerinnerung, daß man irgendwo irgendwen um irgendwas an gepumpt hat. Für jede genauere Angabe ist man vorläufig un­fähig. So steigt der müde Geist aus trüben Nebelfchleiern allmählich empor zu der Erkenntnis: der Fasching ist aus. Zerdrückter Maskenballstaat liegt im Zimmer umher. Die Fratze mit der Bananennase hat einen Knax bekommen. Aber sie lacht zu den Kopfschmerzen und dem Riesenkater! Ter Besitzer dieses Prachtexemplares vonFelis lamenta- tionis" (gefährlichste schartMoralischer Kater") ist viel­leicht ein Mann, ocr seinen Mitmenschen gegenüber auch heute strenge Alltagspflichten zu erfüllen hat. Aschermitt­woch spannt ja auch den verkaterten Patienten unbarmherzig ins Joch. Die innere Stadt, namentlich der Seltersweg, bot gestern ein dichtes Ekwimmcl fröhlicher Vtenschen, die sich selbst Von bem berühmten Gießener Straßenschmutz nicht abhalten ließen, durch Pcitschenschlagen, Kvnfettiwerfen und ähnliche Llrbeit Karneval zu feiern. 'Viel kostümiertes Volk schob sich zwischen das schwarze Gelvimmelgewöhnlicher" Menschen, womit nicht gesagt sein soll, daß unter den Kostümierten keinegewöhnlichen" Menschen gewesen seien. Unter all den vielen Lumpen, Dominos, männlichen Damen uflo. bewegte sich auch ein sehr netter, gravitätischer Storch, der an der Sette seines exotischen Begleiters das unver­nünftige Treiben interessiert betrachtete." Tie Restaurationen waren den ganzen Tag über gut besetzt und überall konnte man die neueste NationalhymneTrinke mer noch e Tröppche" in den verschiedensten Variationen hören.

** Theaterverein. In unserer Nr. 47 wurde der Verfasser der BurleskkomödieDer Bär" Anton Tschektor genannt. Alle Literaturfreunde wissen, daß der Autor dieses Einakters der bekannte vortreffliche russische Novellist Anton Tschechow ist, der vor einigen Jahren im besten Mannes­alter in einem Kurorte des bad. Schwarzwaldes gestorben ist. Ein Berliner Leser unseres Blattes teilt uns übrigens heute mit, daß dieser Einakter in Stuttgart bei guter Darstellung vergangenes Jahr in Szene ging und einige Wiederholungen erlebte.

** Turnerisches. Am nächsten Sonntag, 4. März, morgens 9 Uhr, findet der 74. Gau turn tag des Gaues Hessen im Neuen Saalbau hier statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Bericht des Gauvertreters sowie der Gauturnwarte; Genehmigung des 73. Gauvertreter- Berichts; Rechnungsabläge und Entlastung des Rechners; Festsetzung der Gausteuer für 1906; Ersatzwahl des 1. Schrift­führers; Gauzeitung; Anträge von verschiedenen Vereinen: Festsetzung des diesjährigen Gauturnfestes in Schotten; Wahl der Orte für die Gauturnfahrt 1906 und für das Gaufest 1907; das Dünsbergturnen und Wahl der Kampf­richter für das Kreisturnfest 1906 in Hanau.

** Ueberschwemmung. Infolge des anhaltenden Regenwetters sind Lahn, Wicscck und Bieber über ihre Ufer getreten und überschwemmen das Lahutal ztoischen Gießen, Klein-Linden, Heuchelheim bis Dorlar und 39etz lar 1)111. Auch Nidda, Wetter und Nidder fiihren Hochwasser und beginnen ihre Ufer zu überschwemmen. Stellenweise bilden die Wiesentäler förmliche Seen, z. B. bei Assenheim und Heldenbergen. Auch im Dill t al sind die Ufer überschwemmt. Der Pegelftand der Dill betrügt an manchen SteNen zwei Meter.

() Steinberg, 26. Febr. Vor nahezu 200 Frauen und Männern sprach gestern abend im Saaleznm Einhorn" Kreisasfistenzarzt T-r. Bötticher über ansteckende Krankheiten. Durch zahlreiche Abbildungen unterstützt, belehrte der Redner seine Zuhörer über Wesen der Krank- heitSerrcgcr, über die Weise, wie sie in den Körper ge­langen und über die Mittel, welche zur wirksamen Ve- kämpsung dieser kleinen Feinde von dem Einzelnen und von den Behörden aitgcivenbet werden müssen. Herrn Dr. Bötticher, der durch fehlen lehrreichen Vortrag die Bestrebungen der Vereinigung für Volksbildung in un­eigennütziger Weise unterstützt und einen zweiten ^Vortrag,

in welchem er auf die hier am häufigsten auftretende« Krankheiten näher einzugehen gedenkt, in Aussicht geftettt hat, sei auch an dieser Stelle s >r sein ^re-.'.'dliches End- gegenkommen herzlicher Dank r 2 . angverein Sün g er kr an z" hatte es übe iinnen, b:: ^bend durch Liedervorträge nach Kräften zu verschönen.

vermischter.

Groß-PittSburg. Die Spezialsession der Legis­latur des Staates Pennsylvania hat durch die beschloffene Verschmelzung der Städte Pittsburg und Allegheny die Schaffung eines Groß-Pittsburg gewährleistet, welche neue Stadt mit einer Bevölkerung von 496 000 Einwohnern an die sechste Stelle in die Reihe der amerik. Großstädte treten wird, dies auch betreffs der Area, welche 5 Quadratmeilen beträgt, der Schätzung des Grundeigentuins, welches 547 335 280 Dollars beträgt nach der Statistik des Jahres 1904. Die von Pittsburg abhängige Bevölkerung umfaßt 8 000 000 Köpfe. Groß-Pittsburg wird 104 Banken und Trustgesellschaften besitzen. Pittsburg ist der Sitz einer ganz neuen Reihe von Multimillionären, welche durchweg der Eisen- und Stahlbranche entsprungen sind. Die Zahl der Pittsburger Millionäre wird auf dreihund ert ge­schätzt, wovon y8 zu den Multimillionären gezählt werden kann. Die Namen Carnegie, Frick, Phipps, Schwab und andere sind weltbekannt.

* Mordtaten.Daily Telegraph" meldet aus Ncw-i York, daß ein Individuum Namens Orchard ein sensatio­nelles Geständnis abgelegt hat. Er wurde wegen des Mor­des des Gouverneurs Steuenberg von Idaho verhaftet und gestand, nicht nur den Gouverneur, fonbent auch 25 andere Personen ermordet zu haben. Orchard litt unter einer Mordmanie. Er sagte, er müsse von Zett zu Zeit Menschenblut vergießen. Im Zuchthaus in Untermarkfeld (Reuy j. L.) hat der Strafgefangene Geist das Geständnis abgelegt, 1902 den Zimmermettter Pfeil ermordet und beraubt zu hccken. Er war zur Zeit der Tat noch nicht großjährig.

* Dynamitattentate. Nach einer Meldung aus! Newyork erregen dort Dyncunitexplosionen große Beun­ruhigung. Während der letzten acht Tage wurden einige Gebäude in die Luft gesprengt. Am 26. wurden drei Per­sonen verhaftet, als sie versuchtlm, 20 Pfund Dynamit zur Explosion zu bringen. Mmi ist nicht darüber im Klaren, welchen Zweck diese Dynamitattentate verfolgen, und glaubt an die Tätigkeit einer Anarchiftenbande.

"Teures Reugeld mußte der Gemeindevorsteher eines pommerschen Dorfes dieser Tage bezahlen. Der Herr verkaufte seinen Bauernhof für 36 000 Mk. Kaum aber hatte er den Kaufvertrag unterzeichnet, als ihn so große Reue erfaßte, daß er umkehrte und um Rückgängigmachung des Kaufes bat. Der neue Besitzer ging darauf erst ein, nach­dem er statt der gezahlten 36 000 Mk. 47 000 Mk. er­halten hatte.

* Auch ein Beruf. Herr: »Mir scheint, Ihr Sohn besucht alle Semester eine andere Universität." Brauerei­direktor: »Das bringt das Geschäft mal so mit sich!" Herr: »WaS studiert er denn?" Brauereidirektor: »Studieren? Gar nichts! Er führt nur unser Bier ein!"

Arbeiterbewegung.

Berlin, 27. Febr. Die Straßenbahner haben in ein« heute Nacht abaehaltenen Vefiammlung beschloflen, von einem Streik vorläufig abzusehen.

Leipzig, 27. Febr. Die ausständigen Arbeiter der Baum­wollspinnerei nahmen die Arbeit beute unter den bisherigen Bedingungen wiederauf. Vom 1. April ab wird die Arbeits­zeit auf IO1/., Stunde eingeschränkt, der Lohn wird nicht erhöht.

Der Bergarbeiter streik in der Ober! ausitz dauert fort, da die Beisitzer des von den Stteikenden angerufenen Bergschiedsgerichts die Schlichtung abgelelmt haben.

Newyork, 27. Febr. Präsident Roosevelt schrieb an den Präsidenten der Bergarbeitervereinigung, Mitchell, der A u s- stand der Bergarbeiter, wie er angekündigt sei, würde den Frieden und die Wohlfahrt des Landes bedrohen. Es wäre notwendig, Anstrengungen zu machen, um ein solches Nebel zu verhüten. Jnfolgedesseil ist eine neue nationale Versammlung der vereinigten Minenarbeiter auf den 15. März einberufen, um die Herbeiführung einer Einigung mit den Arbeitern der bituminöfc Kohle produzierenden Bergwerke zu versuchen. ___________

tzan-el rrnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Märkte.

A Friedberg, 27. Febr. Leute fand der Frühjahrs- Pferdemarkt statt. Trotz der Ungunst des Wetters hatte sich eine große Zahl Kauflustiger eingefunden; die Zahl der aus- getriebenen P'erde und Fohlen war größer als bei früheren Märkten. Es herrschte ein reger Geschäftsgang und zahlreiche Käufe wurden abgeschlossen. Allgemein rourbe das schöne Pferdematerial bewundert.

Meteorolo^isilie Beol»achtnngen

der Stnt on Gießen.

Wetter

8

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5

Höchste Temperatur am 26.-27. Februar = + 9 9° c

Niedrigste , » 26.-27. =4. 5'4» q

Februar

1906

WO inierKUF rur nm sadabhang dea Taunus. Bebak ^nAe,pgHnC.htet0^ kleine Anstalt (bis 80 Patienten). Centrale Heizung OB und Beleuchtung, geheizte Liog£ Conid°xo

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6,7

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WSW

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Bed. Simmel

28.

735,9

3,6

5,5

93

SW

4

Sprühregen

Zichimg IV. Klasse der 7. und letzten Hesfisch- Thüringrschen Staatslotterie findet am 6. März d. I. statt. Aas die Notwendigkeit rechtzeitiger Loserneuerung wird aufmerksam gemacht. ss24/u

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