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28.2.1906 Erstes Blatt
 
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jelm Lecher und bii ''mch DudenhöjerlV, -btr, nehmen unjere t Äußerungen über Leib und die Frau h Loder in Bieber druck des Bedauerns zurück. (01273

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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Gietzener Anzei

,jy General-Anzeiger **

Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

Pie verrttge Kummer umfaßt 10 Setten

der parla

Oldenburg durch

um

die Glück- zur Silber­statt. In

Ge-

Ko- vor

Fuhrherren erflär-en, baß sie cs nicht wagen, bcr Streikbeschluß aufgehoben ist.

25 Jahren an derselben Stelle vor dem Traualtar gestanden hätte, und wünschte dem Brautpaar, e5 möge das Haus

während die Allerhöchsten Herrschaften einen Halbkreis den Altar bildeten.

Oberhofprediger D. Dryander sprach nach den: meindegesang über den vorn Kaiser ausgewähltcn Text rinther 1,8; er erinnerte daran, daß das Kaiserpaar

Der Kuischcrstreik machte sich heute ganz besonders unangenehm fühlbar. Abgesehen von dem Publikum, das bei dem schlechten Wetter gewiß zum Teil gern sich einer Droschke bedient hätte, hatten hauptsächlich die zu der Trauungsfeicr ge­ladenen Gäste unter dein Mangel an Taxametern zu leiden. Man sah Damen in kostbaren Toiletten die Elektrische zur Fahrt nach dem Schlosse benütxm, und da der Verkehr bis auf größere Entfernung gesperrt war, so mußten die Damen, hoch­geschürzt mit bcir zierlichsten Lackstiefelchen durch die Wasser­lachen auf dem Schloßplatze waten. Biele Militärs kamen, bet Not gehorchend, in weißen Beinkleidern, die Mütze auf demt Kvpfe und den Helm mit dem Federbusche in der Hand, zu Fuß an, während zahlreiche andere RegimentÄvagen und Ktümper- wagen benutzten. Wie viel Verdienst ist heute den Droschken/ besitzern verloren gegangen!

Witzbolde. Mit der ruhigen Selbstverständlichkeit der echten Lacher, denen das ganze höhere und niedere Leben nur eine Farce, eine Kvmödie, ein Ulk ist. Die Welt sieht sich im Spiegel der Narrheit nur selbst und freut sich. Das ist das allerbeste dabei: freut sich Das kann natürlich ein Saure- gurkengesicht nicht verstehen, wie wir uns freuen können? Und auf dem Maskenball in der Stadthalle erst! Tanzen! Und ich verrat's nicht! Natürlich ist der Fassenachtbienstag auch ein großer Freßtag. Und Saustag! Denn dafür ist der Ascher­mittwoch da. Ohne das könnt der ja kein Kvtertag sein. Und das muß er sein. Warum sollt man sich sonst Asche aufs .Haupt streuen lassen? Nur die Portemonnaies am Rhein auswaschn, damit ist ihr- -nicht gedient. Denn bas ist der Brauch: Mittwoch werden die leeren Portemonnaies am Rhein ausgewaschen. Die Sachen, die auf dem Pfandhaus sind, die kommen freilich nicht davon zurück. Und wie gesagt, das halbe Daus ist auf dem Pfandhaus, und K'isten und Kasten sind leer. Na, schad nix, 's ist doch Fassenackt gefeiert worden. Das .Herz will auch einmal was im Jahr, und wenn noch einer so eingoldig Schnuckelcke" von J-rau daheim hat, die will doch auch einmal was fürs Gemüt, und die Kinder, die sollen doch auch einmal wissen, was Leben ist. Leben! Und dann frumm legen! Wer das nicht kann, ist ein Philister! Es geht nick)ts über die Fast­nacht! Nichts über Humor und gut Essen und Trinken! Mit einem sauren Hering dann den Schluß. Mer wirklich auch nicht zu vergessen, eS ist ein redlicher Aufwand von Phantasie intb Poesie, von Schönheit und Eigenart dabei, oo einen Fest­zug, das kann uns feiner nachmachen.Urfidel, heiter, fröh­lich und so weiter", das ist unser närrischer Wahlspruch und unser Lebensprinzip. Andere mögen Trübsal blasen, wir ge­nießen und freuen uns und feiern Feste, und wenn der Bettel­sack an der Wand verzweifelt.

Das ganze Land ist natürlich auf den Beinen nach Mainz. Aber in ein paar alttnainzischen Orten wird auch die Fastnacht gefeiert, mit Festzug und allem mänzerischen Klimbim. Fast-

Berlin, 27. Febr.

Durch das feierliche Geläute sämtlicher Kirchenglocken wurde da? heutige Doppelfest weihevoll eingeleitet. In den Kirchen wurden Feiern veranstaltet, in denen auf die Be­deutung be§ TageS hingewiesen wurde.

Der Empfang der parlamentarischen Prä­sidien beim Prinzen Eitel Friedrich und der Prinzessin Sophie Charlotte fand heute vormittag im Schlosse statt. Die Präsidenten und Vizepräsidenten deL Reichstages und beider Häuser deL Landtages waren vollzählig erschienen

diePosl Pik.2. oiertel- lährl. au§id)L Bestellg. Annahme von Anzeige» für bie Tagesmmuner biS vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal I2Pf* auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den poltt und öligem« Teil: P. Wittko: »üt .Stadt und Lanm und .Genchtsfaal*. Ernst Heß; für den An­zeigenteil: Han4 Beck.

sämtlichen Schulen Berlins und der Vororte wurden Festakte veranstaltet. Nach Schluß der Schulfeiern ergoß sich der Strom der Kinder, die jetzt einen schulfreien Tag vor sich hatten, in die Hauptstraßen der Neichshauptstadt, vor allem ober nach den Linden zu, wo die prachtvolle Ausschmücktrng um diese Stunde noch in unbeschränktem Umfange in Augen­schein genommen werden konnte. Um 12 Uhr setzte bas festliche Treiben stärker ein. Ein festliches Atif- und Ab- roogen der ins Riesengroße gewachsenen Menschenmenge gab dem Tag schon in den ersten Morgenstunden die Signatur eines nationalen Feiertages, zu dem die Bevölkerung aus allen Stadtteilen und namentlich den Vororten sich Unter den Linden ein Stelldichein gab. Daran vermochte auch das wenig freundliche Wetter nichts zu ändern.

Die Trauung.

Die Hoffnung auf ein besseres Wetter für den Nach­mittag erfüllte sich nicht. Kalt und regnerisch war es, als die Auffahrt zu den Trauungsfeierlichkeiten begann. Um ]/24 Uhr rollten die ersten Wagen heran, zuerst einzeln, dann folgte einer dem andern. In den Galawagen Famen die Fürstlichkeiten. Die Damen trugen glänzende Toiletten in lichten Farben. Die Großherzogin von Baden wurde durch lc;onber5 herzliche Zurufe begrüßt. Reichskanzler Fürst B ü l o w und das diplomatische Korps trugen goldstrotzende Uniformen und rollten in prächtigen Wagen dem Schlosse zu. Kurz vor 4 Uhr wurde eS ruhiger; erfolgte doch um diese Zeit der StandesamtSakt im Kurfürstenzimmer. Der Kaiser und der Großherzog von Olbenburg wohnten demselben bei. Haus- mintster v. Wedel vollzog die standesamtliche Trauung. Nach derselben formierte sich der Hochzeitszug, um sich in die Schloß­kapelle zu begeben. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Garde-Regiments zu Fuß, einen silbernen Myrthenzweig zwischen den Ordenssternen und daneben das neugestiftete Erinnerungszeichen mit der ,25*, die Kaiserin trug eine Robe von Silberbrokat, um das Diadem auf dem Haupte den Silberkranz. Am Eingang der Kapelle, wo sich das diplomatische Korps, die Minister, die Staatssekretäre, die Generalität und Admiralität versammelt hatten, empfingen Oberhofprediger Dryander und die Domgeistlichkeit das Braut­paar und das Jubelpaar, geleiteten das Brautpaar zum Altar, wo der Bräutigam rechts neben der Braut Platz nahm,

und sprachen dem Brautpaar die Glückwünsche anentarischen Körperschaften aus.

Gegen Mittag nahm das Kaiserpaar wünsche der Mitglieder der königlichen Familie Hochzeit entgegen. Später fand Familientafel

Kiel, 27. Febr. DaS O ffizierkorps

Die Aopp^hochzeitsftiertlchüetten in Berlin.

IV.

seines inneren geiftigen Lebens so aufbauen, wie jene alten, reichen und festen Bauernhäuser Oldenburgs. Der Oberhofprediger vollzog dann die Trauung. In dem Augenblicke, in dem das Brautpaar die Ringe wechselte, wurden im Lustgarten 36 Kanonenschüße abgefeuert. Gebet, Segen und Gemeindegesang bildeten den Schluß der Feier. Der Kaiser und die Kaiserin traten zu dem Brautpaar, um es mit Kuß und Händedruck zu beglück­wünschen.

Der Hof verließ die Kapelle in der gleichen Ordnung, wie er eingezogen war, das Brautpaar voran, das Jubel­paar folgend, und begab sich nach dem Weißen Saal. Nach­dem das Brautpaar unter dem Thronhimmel die Cour ent­gegengenommen hatte, wobei die fremdherrlichen Militär- deputationen den Schluß machten, begaben sich die Herr­schaften wiederum im Zuge nach dem Rittersaal zur Zere­monientafel. Nachdem die Suppenschüsseln von der Tafel gehoben waren, brachte der Kaiser auf bie Braut folgenden Trinkspruch aus:

Des Kaisers Drantrede.

Meine liebe Tochter! Mu diesem Namen darf ich dich wohl heute nennen I Gestatte mir, dir im Namen meines Hauses den innigsten und herzlichsten Willkommen zu sagen und zu versichern, daß du nicht nur bochgehalten und geschätzt und geliebt von deinem Gatten werden wirst, sondern von uns allen. Tu trütft in unsere Milte herein als eine längst Bekannte, und vielfache Erinnerungen führst du uns herauf. Trägst du doch den Namen der ersten vreußischen Königin, die durch ihr Wesen, durch ihr Streben und ihr Leben sich einen festen Platz in der Erinnerung ihres Volkes bewahrt hat, führst du doch unsere Erinnerung zurück auf jenen großen Prinzen Feldrnarschall? So wie e5 schon am Altar gc* sch eh en, darf ich auch hier die Blicke zurückschivellen lasten und deiner teuren Mutter gedenken, ebenso der hohen Gestalten, die da­mals bei ihrer Hochzeit in der Kirche versammelt waren und zu denen wir nunmehr empotbliden. Tu hast dir einen Gemahl gekürt, ~ bestell ehrenfester: Charakter uub dessen feste Persönlichkeit dir bürgen werden, daß du das finden wirst, was du gesucht hast. Schon viele, benen noch das Bild meines hochseligen Großvaters gegenwärtig ist, meinen in ihm ähnliche Zi'ige mit dem großen Kaiser zu et« Een nen. Gott gebe, daß er ihm von Jahr zu Jahr mehr gleichen wird. Unseren innigsten und herzlichsten Segenswünschen wollen wir Ausdruck geben, indem wir die Gläser erheben und auf dein Wohl und deines Mannes Wohl triitfen I

Prinz Heinrich

brachte darauf folgenden Toast aus:

Innigst geliebter Bruder, Kaiser und Herr, teuere Schwägerin, Kaiserin und Herrin 1 Tie Segenswünsche, welche die Großeltern, welche die treuen Eltern, welche em Volk heut vor 25 Jahren Euch mit auf den Weg gegebeki, sie find in Erfüllung gegangen. Hand in Hand tratet Ihr den manchmal auch rauhen Lcbcuspfad an, uns allen ein leuchtend Beispiel treuester Pflichterfüllung! Ein herrlicher Kranz uon Kindern erwuchs Euch, Euch und uns allen zu Stolz und Freude, es fehlt kein teures Haupt! Wir und jene, denen es vergönnt war, Euch vom grünen Kranz bis zum silbernen zu folgen, mit Euch zu sein und Euch zu dienen, wir befestigen von neuem am heutigen Tage das Gelöbnis der Treue. Wir wollen Euch die Wege ebnen, wir wollen Euch auf Händen tragen, wir wollen Euch die Bahn folgen, die Ihr un§ weist. Mit dem Volke sind wir dankbar für alles, was an Euch geschehen ist in der Vergangenheit. Wir schauen in die Zukunft, erhoffen, daß Glück, reicher Segen und Friede und gutes Gelingen Euch ferner­hin bcschieden sein möge. Tas walte Gott! Mit Eurer Geneh­migung erheben wir bte Gläser und leeren sie auf Euer Wohl und bitten, daß Gottes reicher Segen über Euch bleiben möge.

Im Weißen Saale sand sodann Fackeltanz statt. Die Neuvermählten begaben sich nach Schluß der Feierlich­keiten ztmächst nach Jagdschloß HubertuLstock.

Unterdessen begann die allgemeine

Illumination, die ungemein glänzend und mannigfaltig ausfiel. Nur die Straße Unter den Linden und bereit Nebenstraßen hatten einheitlich Kerzen zur Illumination verwendet, was äußerst vornehm aussah. Be­leuchtungskörper in allen Farben und Formen waren verwendet, ein Helles Lichtmeer ergoß sich über die Stadt und die ungezählten Tausenden, die durch die Straßen sich schoben und geschoben wurden, und die trotz des im höchsten Grade unfreundlichen Wetters nicht ans Nachhausegehen dachten.

Die Droschken, die cm Montag nock hier und da vorhanden: waren, sind jetzt ganz aus dem Straßenbilbe verschwunden. Die onzuspannen, bis

bataillons, zu dem bcr Groß!) erzog von seine ä la suite Stellung in enger Beziehung steht, hat ben

Nr. 50 erf*et*l ILqNch außer Sonntags.

Dem Gteßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Familien- blätter viermal m der

Woche betflelegt Rotationsdruck n. Ver­lag der Brüh l'scheu Unwerf.-Buch-u.Stem- druckeret. R. Lange. Redaktion. Ervedtttoa und Trucferet:

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Anzeiger (Kietzen.

nachtnrontag ist der Betteltag. Ta geht's mit kleinen Säckchen von Hans zu Haus. Das Bettolliebchen wird gesungen. Dann gibt's Mehl, Eier, Wurst, Schinken und Geld.Das Liedche is gesnnge, bcr Steijer is verdient, int Wer mir noch en Kreizest gibt, dem sing ich noch e Lied." So geht's in Scharen von Tür zu Tür. Montag werben bie Kreppe! gebacken.Die Panch kracht, bie Pann kracht, bie K'revpele fern gebacke, heraus mit, heraus mit, mir stecke se in be Sack!" Natürlich arbeitet leim Mensch. MaSken laufen herum. Scköne unb häßliche. Betteln wohl auch. Mittags kommt bann ber Zug. Gerade wie in; Mainz, Gruppen,, bie nur humoristisch finb, cnberc, die örtliche,, andere, bie politische Ereignisse verhöhnen. Schöngebaute Wagens kostümierte Männer unb Frauen unb Nüber. Und Musik natur» lrch, viel Musik. Gffen und Trinken, bann der Ausllang. Und» ein leeres Portemormaie. Das gehört bazu und ist überall bie Folge. Aber ist ja itirr einmal Fassenacht im Fahre! Heu? ist heut, wer weiß, ob wir die nächste erleben!

.Herzogin Sophie Charlotte eine prächtige silberne F ordiniere als Hochzeitsgeschenk überreichen lassen, wozu sich eine aus sieden Offizieren besteheirde Abordnung unter Fühc- i;itg des Bas.-.i lvnskommandeurs Major von Scheliha nach Olden­burg begeben hatte.

Treiben, 27. Febr. Der König stattete heute nachmittag anläßlich der Silber-Hochzeit des Kaüervaares und der Hochzeit des Prinzen Eitel-Jriedrich dem preußischen Gesandten Grat von Toenhoff einen Bestich ab. Aus dem gleichen Anlaß ließen die Königin-Witwe, Prinz Johann Georg und die Prinzessin Mathilds ihre Glückwünsche aussprechen.

M ü n ch e n, 26. Febr. Beim Prinzregenteu Luitpold sand zur Feier der silbernen Hochzeit des Kcnserpaares Tafel statt, in deren Verläufe er einen Trinkspruch aus die kaiserlicken Majestäten und das neuverniählte Paar ausbrachte. Ter Ministerpräsident von Podewtlls, die übrigen Minister, das diplomarifche Koros, der Oberbürgermeister und anbere statteten dem preußischen Gesandten Graieit Pourtales Gratulationsbesuche ab, der gestern abend einen Ball veranstaltete.

Wien, 27. ^cbr. TieWiener Abendp." schreibt: I. Dl. Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria feiern heute das schöne Fest der Silbernen Hochzeit, und mit den ii'.i -gsteu Glück- wünschen des deutschen Volkes vereinen sich die Segetiswünfche au3 unserer Monarchie. S. M. der Kaiser imd König Franz Josef L bat seinem erl. Freunde und Bundesgenosien mit einem Glück­wunschschreiben ein wertvolles, sinnigesGeschenk überandt unb badurch seiner warmen Anteilnahme an dem hohen Familienfeste dos deutschen .Kaiserpaares Ausdruck gegeben. Ter glückl. Ehebund des erlauchten Paares scheint vorbildlich für das deutsche Volk und vor allem air bie Sprossen I. M. be5 deutschen Kaisers und der Kaiserin, bereit zweiter Sohn, S. K. H. Prinz Ettel Friedrich, den Bund der Liebe und Treue mit I. H. der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg schließt. So reiht sich neben das schon durch 25 ereignisreiche Jahre so bewährte Eheglück des deutschen Kaiserpaares das neue Glück eines hoffnungsvollen jungen Paares. Weithin erklingt heute ber Herzenswunsch, daß GotteS Segen auf dem deulichen Kaiserpaare unb ber Kaiserlichen Familie ruhen möge zu ihrem Heile und zum Heile der Völker."

Christiania, 27. Febr. Anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiservaares tragen hier und m vielen anderen Städten des Landes öffentliche und vrivate Gebäude Flaggenschmuck. Die Zeitungen bringen Bilder der Majestäten mit sympathische« Artikeln.

Glasgow, 27. Febr. Zum Andenken an die silberne Hoch­zeit des deutschen KaiserpaareS beabsichtigt der hiesige deutsche Konsul Johannes Kiep für verschiedene deutsche Institute hier.bie Summe von 1OOOOO Mk. zu stiften, darunter 20 000 Mk. für bie Errichtung eines deutschen Lehrstuhles an der Glas­gower Universität, 40 000 Mk. zum Bau einer deutschen Kirche in Glasgow und 10 000 Mk. für den hiesigen deutsche« Klub.

Haag, 27. Febr. Heute sand anläßlich der silbernen Hochzeit des deutschen Kaiserpaares ein Gottesdienst statt, dem Prinz Heinrich der Niederlande, eine Vertretung dos Ministeriums des Auswär- tigeu, das diplomatische Korps, die deiitsche Gesandschast und An­gehörige der deutschen Kolonie beiwohnten. In der Festpredigt wurde auf die Segnung des Bestrebens des Kaisers hin» gewiesen, den Frieden in Europa zu bewahren.

Wie aus Petersburg berichtet wird, bat dvrt Gerhard' H auvtrnairns neueste BühnonbichirntgU n b P i v V a t a nz ihre Uraufführung in russischer Sprach? erlebt Man gab bie Märchendichtung am bärtigen Neuen Theater unb zw<w ohne Erfolg, woran zum Teil eine sehr mangelhafte russische Uebersctzung bie Schulb trug. Origmellorwcise las man zu Be­ginn ber Borslesiung einen Könrnrentar bos Stückes vor, in bent man bieRätsel" bes Werkes zu crgrünben unb bem Pnblikum einige Aufklärung zu verschaffen glaubte. Das einzige Resultat dieses päbagogischen Versahreiis war, baß das Publikum hierbei schon ungeduldig nmrde unb ein Teil ber Zuhörer während beti l-naatnttgen Vorlesung ostentativ Zeitungen zur Hanb nahm, den Vortrag durch allerlei Gorausch-e störend Tie mangellmsie Dar-, stellung gab bcr Hanpttnannschen Novität den Rest unb eine eigene Musik verstimmte, statt Stimmung zu schaffen.

bes 2. See

IsastnaHt in Mainz.

Man ist schon nach den ersten konstituiercnbcn Versamm­lungen, bie im Dezember stattffnben, offiziell verrückt. Die Ver­rücktheit ist Lebensprinzip. Alles wirb ihr nun geopfert, selbst bie Hose am Leibe. Erst bie närrischen Sitzungen, Damen-, Herren- unb Frembensitzungen. Unb die Maskenbälle. Wenn möglich in ein paar Kamevalsvereinen, in der großen Karnc- valsgesellschaft, bcr Ranzengarbe, bcr Prinzengarbe, den ffbelen 23tübern, den Urschoten usw. Unb dann wachsen bie Dichter mir so aus ber Erbe wie Die Pilze. Und burchgchcchelt wirb! Witz, garrze Mketenkisten voll. Unb Uebelnehmcn? I, Gott bewahre. Nit für bie Kränk! Dann kommt bieFossenacht". Prinz und Prinzessin Karneval Samstag werben bie Karnevalsrekruten abgeholt unb bezieltcn bas Lager am Gutenbergplatz. Die mili­tärische, bic staatliche unb bie städtische Behörde machen den Klimbim mit. Kanonen, Musik, Proviantwagen, Feldküche und Marketenderinnen. Der General bcr Prinzengarbe. Hoch zu ssioß mit Stab und Sporn. Das ganze Gefolge, bas viel Gelb kostet. Prinz unb Prinzessin Karneval. Hoch rn prinzlich-närri- schen Staatswagen. Ter 5?off!aat, ber viel Gelb kostet. Unb bic ganze narrische Rcgiernngsmaschinerie, bic viel Gelb kostet. Unb bmn bie Cinzugsvorbercitungcn, bie viel ©elb kosten. Triunrph- bogerr, Tribüneii, Girlanbett unb brennenbe Laternen am hell­lichten Tage. Und bann ber närrische Einzug, den bas Volk Seiner Narrischkeit bereitet und ber viel Gelb kostet. Der gatrzc gewaltige Autwanb. Bebuinen und Römer, Germanen und Indianer alle Völker ber Welt finb dabei vertreten. Und noch viel mehr was man sich nur cinbilben kann. Minister imb Hofnarren und fremde närrische Fürstlichkeiten aus Gott Jokus Reichen.

Alles, was bi um und bran hängt und so verrückt ist. Das Zeremoniell, bic Titel, bic Orb en, die Uniformen, bic Einbild­ungen, die Eitelkeiten, na ja, alles, was drum und bran hängt, ins Närrische übertragen. Mit bcr Ernsthaftigkeit der echten

Mittwoch 88. Februar 1906

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