Ausgabe 
27.3.1906 Zweites Blatt
 
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Der Artikel schließt mit Glückwünschen an daZ rumänische Königspaar.

Neunkirchen (Reg.-Bez. Trier), 26. März. Aus Anlaß des 100jübrigen Jubiläums der Niederlassung der Frhr. von Stummschen Familie in Neunkirchen stiftete Freiherr Ferdinand von Stumm 100 000 Mark, deren Zinsen'Verwendung finden sollen zur Prämiierung der Elcmcntarschul-AbgangSzeugnisie für Knaben und Mädchen von Hüttcnangehörigen. Ferner stiftete Freiherr v. Stumm eine Gcnicindcturnhalle mit dem dazu gehörigen Grundstück. Der Generaldirektor der Stummschen Werke, Zilliken, Über­mächte aus Anlaß seiner Ernennung zum Kommerzienrat 70 Kriegsoetcranen anS Neunkirchen je ein Geldgeschenk von 100 Mk.

München, 26. März. Die Abgeordnetenkammer nahm Len Antrag Dr. Andreae (liberal), die Staatsrcgierung zu ersuchen, an den Universitäten der Frage der Errichtung von Professuren für Pädagogik mit Uebungsschulen näher zu treten, fast einstimmig an.

Ausland.

Kopenhagen, 26. März. (Folkething.) Der Finanzminister brachte einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Aufnahme einer Staatsanleihe. Durch den Gesetzentwurf soll der Finanzminister ermächtigt werden, inländische drei­prozentige Staatsobligationcn im Betrage von 20 Millionen Kronen auszugeben. Die Anleihe soll ausschließlich als Grund­kapital für eine zu errichtende Hypothekenbank dc§ KönigsrcichS verwendet werden.

Paris, 26. März. Die deutsch-französische Grenzkommission, die die Grenze von Kamerun fcst- setzen sollte, hat ihre Arbeiten beendet. Die Kommission hat erklärt, daß Missum, wo sich kürzlich ein Grenzzwischensall ereignete, zum deutschen Gebiet gehört und etwa 4 Km. von der französischen Grenze entfernt ist.

Der frühere Minister des Acnßeren, Hanotaux, ver­öffentlicht einen Artikel über die Konkurrenz zwischen Deutschland und England. Hanotaux konstatiert, daß ^Deutschland zum Nachteil Englands täglich fort- ichreitet, während England stehen bleibt oder gar zurückgeht. Hanotaux wirft die Frage auf, ob angesichts dieses Tatbestandes ein Konflikt zwischen beiden Mächten nicht als bevorstehend betrachtet werden muß.

Nirche und Schule.

Dresden, 26. März. Gegen die Stimmen der Frei­sinnigen und der Sozialdemokraten lehnte die Zweite Kammer die Aufhebung der Prügelstrafe in den Schulen a b.______________________________________

Aus Seadt uns Lund.

Gießen, den 27. März.

* * Personalien. Sc. Kgl. Hoh. der Großhcrzog Robert dem Pfarrvcrwaltcr Ludw. Weisel zu Groß-Eichen die evangel. Pfarrstelle zu Wallertheim und dem Pfarr­verwalter G. Hoch zu Wendelsheim die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen und den von Sämtlichen Niedcscl Frei- Herrn zu Eisenbach auf die 2. evang. Pfarrstelle zu Lauter- hoch präsentierten Pfarrer H. Schlösser zu Brauerschwcnd für diese Stelle bestätigt und den Ministerialsekrctär Gust. Balser zum ständigen Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung, unter Verleihung des AmtStitcls alsObersinanzassessor" ernannt.

* * Landcsuuivcrs ität. Der ordentk. Professor der klassischen Philologie Dr. Erich Bcthe hat einen Ruf mt die Universität Leipzig erhalten.

* * Die Hauptversammlung des Bürger­ve re ins am Donnerstag Abend beginnt mit Rücksicht auf die sich anschließende Bürgcrvcrsammlung pünktlich um 8l/2 Uhr, worauf die Mitglieder des Vereins besonders auf­merksam gemacht seien.

"Die Anlage einer elektrischen Straßen­bahn wird in einer allgemeinen öffcntlichcnVürger- versammlung besprochen werden, die am Donnerstag Abend im Cafe Leib im Anschluß an die Hauptversammlung des Bürgcrvcere ins stattfindct. Als Referenten sind die Ingenieure Frerich aus Berlin und Fest von Frankfurt a. M. gewonnen worden. Beide weilen, wie wir erfahren, bereits hier und sind nach Prüfung aller einschlägigen Ver­hältnisse zu der Ansicht gekommen, daß die Anlage einer elektrischen Straßenbahn hier sehr gut ausführbar ist und auch eine entsprechende Rentabilität zu erwarten ist. Eine gestern abend abgehaltene Besprechung der Vorstände des Bürgervereins und des Verkehrsvcreins führte ebenfalls zu einem das Zustandekommen der Bahn befürwortenden Resultat. Da die Kosten der Bahnanlage sich natürlich wesentlich verringern würden, wenn die Schiencn- legung gleichzeitig mit der Neu Pflasterung der Straßen erfolgen könnte, ist eine baldige Entschließung der städtischen Behörden in dieser für die fernere gedeihliche Ent­wickelung der Stadt hochbedcutsamcn Frage zu erwarten und in weiteren Kreisen der Bürgerschaft würde man es freudig begrüßen, wenn diese Entschließung zu Gunsten des Projekts ausfallen würde.

** Frühjahrspserdcmarkt. Zu unserer gestrigen Notiz, den morgen, Mittwoch, vormittag auf den Markt­anlagen stattfindcnden Pferdcmarkt betreffend, toird uns von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß auch die Anmel­dungen für die A u s st e l l u n q von Wagen, Geschir­ren, landwirtschaftlichen Geräten, Stall- und Hausutensilien von hiesigen und auswärtigen Firmen zahlreich erfolgt sind; die Pramiierungskommission wird keinen leichten Standpunkt haben, die in Aussicht genommenen Auszeichnungen und Ehrendiplome in ge­rechter Weife zu verteilen. Besonders glänzend wird dies­mal die Vorführung der im Privatbesitz be­findlichen Pferde und Wagen ausfallen. Außer einem zweispännigen ungarischen 'Juckergespann mit Halb­verdeck, einem zweispännigen Ponuy-Viktoriawrmen (von Dome geleitet), einem englischen Gig und verschiedrnen Carossiers wird ein Vierspänner int Schritt und Trab dorgefahren werden. Während des Marktes konzertiert die hiesige NegimentSlapellle Ter Zutritt zum Pferdemarkt ist frei. Für Damen und eingeladene Gäste find.Tribünenkarten bei den Kommissionsmitgliedern er-

**Die W a"nd erer", Gießener Radfah"r«sr-Gc- fellscbaft batten für den letzten Samstag abend zu ihrem Winterfeste zahlreiche Einladungen ergehen lassen, denen all­seits Folge geleistet worden war. Ter große Saal vonSteins Garten" war von hiesigen und auswärtigen Sportfreunden mit Familien dickt besetzt und mit Spannung sah man dem reich­haltigen Progranim entgegen, das der bewährten Festleitung das beste Zeugnis ausstellte. Eröffnet iuurbc die Festlichkeit durch den von unserer Reminetskapelle zum Vortrag gebrachtenWan- derer"-Marsck timt Polster und andere Konzertstücke, und es schlossen sich daran in flotter Reihenfolge die anderen Dar­bietungen an, von denen die vortrefflichen Mannerchöre des Gießener Männergesangtiereins und die humoriftiscken Vorträge dcZ Mitgliedes Nauheimer hertiorgehvben seien. In sportlicher Beziehung erregten die biZ ins kleinste Detail exakt und tadel­los gefahrenen Eröfsnungs- und Kostümreigen der jüngeren Mannschaften derWanderer" unter Leitung des Fahr- Wortes Kaltwafser und das eine enorme Sicherheit und Technik ticrraicitbc geradezu stauneneiregende Kunstfahrer-Duett, Herren Lang und SckirmerS aus Wetzlar, besonderes Interesse. Reichster Beifall begleitete jede Nummer des Programms. Der Ball wurde durch eine timt Herrn Tanzlehrer Will angeführte Polonaise eröffnet, an der fast 100 Paare teilnahmen, und erst gegen die 6. Morgenstunde erreichte er sein Ende. Das wohl­gelungene Fest fand dann am Sonntage mit einem gutbesuckten und schön verlaufenen Ausflüge zum Windhose seinen Abschluß.

" Sein fünfziqjähriqeS Jubiläum begeht morgen der in weiteren Kreisen bekannte und beliebte Han­delskammer-Bureauvorsteher Heinrich Brilchhäuser. Er trat am 28. März 1856 beim 2. Hess. Inf.-Regt. Nr. 116 ein, als dessen Angehöriger er auch die Feldzüge von 1866 und 1870/71 als Feldwebel mitmachte. Nach seinem Scheiden aus dem Militärdienst trat er in den Dienst der Handels­kammer, in bcni er es verstand, sich die Achtung und Sym­pathie weiterer Kreise durch sein bescheidenes und gefälliges Wesen zu erringen. Auch in den hessischen Kriegervereinen erfreut sich der Jubilar als Vorsitzender des Hassiabezirks Gießen einer großen Wertschätzung. An mancherlei Beweisen der Achtung und Liebe wird es Herrn Bruchhäuser an seinem Ehrentag nicht fehlen.

" Der Trauring im Ochsenmagen. Kürzlich hatte der Metzgermeister Rosenthal in Bad Nauheim in dem Magen eines geschlachteten Ochsens einen goldenen Trauring gefunden, der, abgesehen von einigen schartigen Stellen, die von vergeblichen Kauversuchen des Tieres her- rührten, noch tmbeschädigt war. Jetzt ist es ihm gelungen, den Eigentümer des Ringes, einen Einwohner in Lauterbach in Hessen, zu ermitteln, der den Ring beim Einsacken von Klee verloren hat und auf diesem nicht ganz ungewöhnlichen Wege wieder zu seinem Eigenttim gelangt ist.

Kinzenbach, 26. März. Der Krieger- und Militärverein hat in seiner gestrigen Generalversammlung den Beschluß gefaßt, demnächst eine Vereinsfahne an­zuschaffen. Dieselbe soll bei der bekannten Bonner Fahnen- sabrik in Auftrag gegeben werden.

Lollar, 26. März. Gestern hielt der Lahntal- Nadlerbund seine erste diesjährige Generalversamm­lung im Gasthaus Germania hier unter sehr starker Be­teiligung der Bundesmitglieder ab. Der Vorsitzende bewill­kommnete die Anwesenden und dankte für das zahlreiche Erscheinen, hierauf berichtete der Bundeszahlnteister über die Kassenverhältnisse, tvelche in Anbetracht der noch jungen Ver­einigung ein zufriedenstellendes Resultat ergaben. Bei der Vorstandswahl wurden als 1. Vorsitzender Schmidt-Lollar, 2. Vorsitzender Biercm-Lollar, 1. Schriftführer Jughard- Lollar, 2. Schriftführer Schaum-Kleinlinden, 1. Jahrwavt Pirr-Großen-Linden, 2. Fahrwart Kutscher-Lollar, Bundes­zahlmeister Becker-Kesselbach-Londorf, Beisitzer Dern-Großen- Linden, Weber-Londorf, Stern-Nordeck-Londorf und als Schiedsrichter Faber-Großen-Linden, Rosengarten-Londorf und Sommer-Kleiitlinden gewählt. Die Versammlung nahm einen schönen Verlauf. Die nächste Generalversatnmlung wird Anfang Mai d. I. in Londorf abgehalten.

lv. Wetzlar, 26. März. Die Gen cralver s am'm- lung des Vorschuß -und Kredit Vereins übte dies­mal große Anziehungskraft aus. War man doch gespannt auf das in Aussicht stehende Referat über den Stand der Prozeßangelegenheiten aus Anlaß der vorjährigen m äu­ge lh ast en Geschäftsführung. Nach den Aussühr- ungeit des Rechtsanwalts Dr. Hertz steht die Angelegenheit für den Verein recht gut. Nach den Mitteilungen des Auf­sichtsrates zählt der Verein zurzeit 466 Mitglieder und die Ucbersicht über den Kassenverkehr weist einen Umschlag von 1 204 787 Mk. nach. Leider ist aber, wie der Berichterstatter hervorhebt, bei den Spareinlagen ein Rückgang zu verzeichnen, ein Beweis, daß das Vertrauen noch immer nicht ganz zurückgekehrt ist.

Bad-Nauheim, 26. März. Gestern Mittag machten sich sechs Knaben im Alter von 1012 Jahren einen vergnügten Tag, indem einer derselben zu Hause 120 Mk. entwendete und dann nut seinen Genossen per Bahn (zweiter Klasse) nach Friedberg fuhr. Dort verpraßten sie einen Teil des Geldes und gingen dann zu Fuß nach Haus. (B.N. G. A.)

§ Friedberg, 26. März. Urtier Sonntag ist die ganze Mirabellenernte des Anstaltsg artens der Obstbauschule vernichtet worden, indem die Vögel, von Hunger infolge zurückgebliebener Vegetation tmd des Ausbleibens der Jnsektemvelt getrieben, sämtliche Blüten­knospen ausgepickt und abgeworfen haben. Staare, Finken und Sperlinge wurden bei der Arbeit beobachtet. Wo die Bäume noch zurück oder noch nicht befallen sind, gebe man acht und verscheuche die Vögel, um sich vor Schaden zu schützen. Die Gefahr droht sämtlichem Steinobst. Es em­pfiehlt sich, Futterkästen aufzustellen.

R.-B. Darmstadt, 27. März. (Drahtbericht.) Das Mitglied der Künstlerkolonie, Maler I. V. Cissarz, hat einen Nuf nach Stuttgart erhalten, dem er im Herbste Folge zu leisten gedenkt. Nach demD. Tgbl." hat sich dort ein Verein Württemberger Kunstfreunde gebildet, der den von ihm berufenen Künstlern ein bestimmtes Jahres­einkommen garantiert und Aufträge für sie vermittelt.

sd. Darm st a d t, 26. März. Der Pfungstädter Raubmörder 9( b a m Steinmetz fühlt sich in der Unter­suchungshaft sehr wohl und hat bisher Reue über seine Tat nicht gezeigt. ES scheint, als ob ihm, dem geistig wenig aufgeweckten, daS Verständnis für die Tragweite seiner Hand­lung völlig gefehlt hat und er sich auch heute noch nicht bewußt ist, welche Strafe er zu erwarten hat. Vielfach ist die Ansicht verbreitet, daß Steinmetz geistig abnorm sein muffe, weil er im anderen Falle wegen solcher geringen Wertgegenstände einen Acord nicht hätte begehen können. Bisher tonnte aber weder von einer erblichen Belastung noch

von einer Abnormität des Verbrechers irgend etwas fest­gestellt werden. Am meisten zu bedauern sind die Eltern des Mörders; besonders die Mutter soll seit seiner Ver­haftung völlig zusammengebrochen sein.

(] Marburg, 26. März. Vergangene Nacht wurde hier ein junger Mann durch Messerstiche so zu- gerichtet, daß man das schlimmste befürchtet. Tie Täter sollen zwei hier studierende Ausländer fein.

Frankfurt a. M., 26. März. Auch der zweite Abend des großen Reitersestes bot ein prächtiges gesellschaftliches Bild, und die Veranstaltungen nahmen bei starkem Besuch einen guten Verlauf. Anwesend waren die lcmdgräsliche Familie und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen; ferner der Groß Herzog und die Groß- herzoginvon Hessen, Prinzessin Viktoria zu Schaum­burg-Lippe und Prinzessin Ludwig von Battenberg. Tie Reitcrfeste sanden gestern im Beisein des Statt­halters der Reichslande bet starkem Besuch ifyxn Ab­schluß. Infolge des Wlebens der Herzogin Wilhelm zu Mecklenburg wohnte der Hof den Ver­anstaltungen gestern nicht bei. Nach der letzten Vorstellung war in der großen Rotunde gesellige Feier der Mtt- wirkenden. Tie Stimmung war so animiert, daß man aufs Reden verzichtete; der Tank soll später, bei einer beson­deren Feier, abgestattet werden. Ter Ueberschuß des Festes wird recht erheblich sein. Zwar sind die Unkosten nicht unbedeutend, die Einnahmen waren indes^höh-er, als man erwartete. Tie Frkf. Ztg. hört, daß an den drei Abenden 140 000 Mk. eingenommen wurden.

Bingerbrück, 26. März. Bei der Einfahrt des Schnellzuges Nr. 113 a von Bad Münster a. Stein in den Bahnhof Bingerbrück entgleisten heute abend die Loko­motive und zwei Wagen aus bisher unbekannter Ursache. Der Heiz er und eine Dame wurden leicht verletzt. Beide Hauptgleise auf der Nahe-S.ite sind gesperrt. Die Reisenden mußten umsteigen.

Wiesbaden, 26. März. Unter dem Verdacht des Gattenmordes steht, demWiest). Tagebl." zufolge der Dienstmann Heß. Seine Frau wurde am Samstag bei Griesheim aus einem Wassergraben als Leiche gelandet. Heß gab an, mit der Frau, von der er in letzter Zeit getrennt gelebt hatte, nach Höchst gefahren zu sein, wo beide beschlossen hatten, genieinsam in den Tod zu gehen. Er selbst ist nur bis zum Leib im Wasser gewesen und am Freitag abend hierher zurückgekehrt. Am Samstag vormittag lief er, nur mit einem Hemd bekleidet, von seiner Wohnung zum nächsten Polizeirevier. Seiner konfusen Reden wegen wurde er zu­nächst dem Krankenhause überwiesen. Es ist aber festgestellt daß er nicht geisteskrank ist. (Frkf. Ztg.)

** kleine Mitteilungen aus Hesse n und den Nachbarstaaten. In Wisselsheim wurde Wagnermeister Wilh. K ö h l e r mit 18 Stimmen zum Bürgermeister ge=» wählt. Der Gegenkandidit Lndnstg .fintier erhielt 15 Stimmen.> vermischtes.

* Ein Damenduell mit rötlichem Ausgange hat, wie aus Middlesborg in den Vereinigten Staaten ge­meldet wird, dort am Mittwoch stattgefunden. Das Opfer war aber keine der beiden Duellantinnen, sondern ein gänz­lich unbeteiligter junger Mann. Vor der Tür eines Restau­rants trafen sich zufällig Mrs. Aliec Moore und Mrs. Lucy Tucker, seit längerer Zeit Feindinnen. Sic beschloßen, ihren Streit durch einen Zweikampf an Ort und Stelle zum Aus­trag zu bringen, trugen sie doch beide einen geladenen Revolver bei sich. Mr§. Tucker eröffnete das Feuer; aber ihre Gegnerin ergriff nun das Hasenpanier und rannte die Straße hinab. Mrs. Tucker schoß noch zweimal nach der Fliehenden, durchbohrte jedoch nur ihre Kleider. Eine dritte Kugel verirrte sich durch das Fenster des Restaurants und traf hier einen jungen Mann, der friedlich beim Kartenspiel saß. Das Geschoß traf ihn an der Stirn und tötete ihn sofort. Soweit der Bericht, nach dem die Zustände in jener amerikanischen Stadt ja recht erbaulich sein müssen.

*EinBcrarutsck beiKoblcnz. In dem Tongruben- fclb des Ortes Mülheim erfolgte ein gewaltiger Erd- und Berg- rutsck. Wege und Zäune wurden zerstört und fünf Häuser sind eingestürzt. Zahlreiche andere Häuser wurden schwer beschädigt, lieber 50 Familie n sind obdachlos. Die Rutschungen halten an. Die Katastrophe ist größer und bedrohlicher als 1897. Ver­anlaßt ist der Bergrutsch durch das Eindringen gewaltiger Wasser­mengen zwiscken den Tonschichten. Tie Wasserleitungen sind zerstört.

Am 25. März landete in einem Walde drei Meilen von Karlskrona (Schweden) ein mit zwei Soldaten bemannter Ballon der 1. Kompagnie des LuftsckifferbataillonÄ in Berlin. Als der Ballon sick über der Ostsee, 10 Meilen von der K ü st c befand, ging er nieder. Ein Soldat kappte den Ballonkorb, ivorauf der Ballon wieder in die Höhe ging, während sich die Soldaten an den Tauen festhielten. Die Besatzung Tarn in gutem Zustande an. Am Samstag kenterte plöhlich das SchissFanny" in der Eidermündung. Fünf Insassen des Schisses ertranken. Das Schiff war mit Äus- Icgcn von Tonnen beschäftigt. Taucher sind bemüht, das Schiff zu beben. Bisy?r ist noch keine Leiche geborgen.

HerndeL nird Oerkehr, Volkswirtschaft.

Der R e i ch § b a n k - A u s w e i § für den 23. d. Mts. hat gleich wie i. V. eine Kräftigung erfahren. Wie iceit dazu die um­fangreichen 6)oldübermeisungen aus Rustland beigetragen haben, läßt sich nicht so leicht erkennen. Nach Ansicht der ,F. Z/ dürfte ein Teil davon aus Deutschland wieder abftießen. Der Metall­bestand der Reichsbank ist in der Berichtswoche um 29,41 Millionen Mark anaewachfeu, das ist etwas mehr als in den beiden Vor­jahren. 'Jüiacnoimncii wird, daß auch Rücksluß aus dem Innern eingetreten ist, in Reaktion auf die umfangreichen Bedürfnisse, die im Hinblick auf das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge zu befriedigen waren. Der Metalloorrat ist gegenwärtig um 110 Mil­lionen Mark geringer als vor einem, jedoch um 57 Millionen Mark größer als vor zivei Jahren. Der Wechselbestand hat sich nur wenig geändert; er beträgt 822,834 Millionen Mark. Tie Noten­reserve hat sich um 2,51 Millionen Mark auf 300,59 Millionen Mark erhöht. In der vorjährigen Parallelwoche war sie auf 461,77 Millionen angewachsen. Die Notendeckung stieg von 84,10 auf 84,25 Prozent.

D i e B e r l i n er Börse war bei Eröffnung ruhig, aber die Gesamltendenz nimmt wieder einen recht festen Charakter an, der darauf schließen läßt, daß man stark geneigt ist, wieder zur Hanffe überzugehen, falls reelle Anregung vorliegt. Besonders verriet der Bankenmarkt innere Festigkeit. Handelsanteile und Deutsche Bank sind bevoru'.gt. Am Montanmarkt werden noch starke Schwan­kungen beobachtet.. Kohlenaktien wurden realisiert, da der Streik nachläßt; sie sind zu stark favorisiert worden, als er begann. Eifenakuen hielten sich fest; Schiffahrtswerte verkehrten lebhaft auf Hamburger Mitteilungen über ungeschwächte Dersrachtungsgelegen- heit. Auch im lveiteren Verlauf und bis zu Schluß konnte inan die Haltung als recht fest bezeichnen. Ulliinogeld rückgängig. Privaldiskoiit 41,8 Prozent.

MärNc.

Gießen, 27.Marz. Marktbericht. Auf beutigelUWochenmarkte kosteten: Buller pr. Pfb. 1.051.10 Mk., Hühnereier 1 St. 67 Pfg^ 2 Stck. 0000 Pfg., Gänsecicr 0000 Psg., Enteneier 00 Pfg., Käse