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27.3.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 73 Zweites Blatt L56. Jahrgang Dienstag 37. März iS06

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tairdwtrt" erschemt monatlich einmal. XF ^5<V M W' V* Tel. Nr. 5L Telcgr.-2Idr.: SfftLelger L-eb«.

S«nera!-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Deutschland, Rußland und Marokko.

Tie Auseinandersetzung zwischen dem Organ der deut­schen Negierung, derNordd. Allg. Ztg." und dem Organ der französischen Regierung, dem PariserTcmp s", wird fortgesührt. Tie russische, vomTemps" nach Gut­dünken veränderte Note gibt noch immer den Anlaß dazu her. In Berlin scheint man diesmal ziemlich entschiedene Schritte hrgen der Unfreundlichkeit Rußlands getan zu haben. Ten- dieNordd. Allg. Ztg." schreibt heute:

DerT-mps" fährt fort, den Gang der Verhandlungen in Algeciras »u störcn und die V c r st ä n d i g u n g zu e r s ch w e - reu. Nack Pariser Privatdepesckren behauptet derTemps" jct>t, auf Weisung von Berlin hätten die kaiserlichen Ver­treter in Serben und Washington die Legende von einer Isolierung Frankreichs verbreitet. Richtig ist ledig­lich, daß die kaiserlichen Vertretungen unter dem 12. März von einem Bericht des Botschafters v. Radoivitz in Kenntnis gesetzt wurden, nach welchem derVorschlag d e s Gra f e n W c l s c r- heimb überwiegend günstige Aufnahme gefunden habe und di: Mehrheit der Delegierten ihrem französischen Kol­legen zu einer Verständigung geraten hätten. Die kaiserlichen Vertreter waren angewiesen worden, bicd_ den Kabinetten zur Kenntnis zu bringen und anszusühren, daß der Welserheimbsckc Vorschlag eine geeignete Basis bilde, nm die Konferenz 511 einem glücklichen Ende zu bringen und damit einer Periode der Beruhigung und Sicherheit und des w i r t s ch a f t l i ch c n Aufschwunges die Wege zu ebnen. Was dagegen der Temps" aus der Haltung und Sprache der kaiserlichen Vertreter zu machen versucht, stellt aus der Höhe seiner Behandlung der russischen Instruktion. Wir ftcHcn fest, daß der russische Mi­nister d e s A e u ß e r n und der r u s s i s ch e M i n i st e r - Präsident gegenüber dem deutschen Botschafter in Petersburg ihr Bedauern über die tendenziös entstellende Ver­öffentlichung desTemps" ausgedrückt haben. Wir stellen weiter fest, daß der r u s s i s ck e B o t s ch a f t c r in Paris dem Fürsten Radvlin gegenüber die Veröffentlichung als eine grobe Taktlosigkeit und Verdrehung der Wahrheit miß­billigt bat.

Also drei offizielle Entschuldigungscrklärungen. Aber keiner dieser Herren hat sein Bedauern ausgedrückt über die Veröffentlichung derauffälligen" Note durch den Temps", sondern nur über dietendenziös entstellende" Form, in der dies geschehen ist. Mithin hat in Peters­burg nicht in 2lbrede gestellt werden können, daß die russ. Negierung die gegen Deutschland gerichtete Note dein Temps" ausdrücklich zum Zweck der Veröffentlichung zu­gänglich gemacht hatte. Das ist es aber, worauf es an- fomnit. Die russisch eRegierungistderdeutschen Diplomatie in den Rücken gefallen, sie mußte damit rechnen, daß die Note als ein Insunrechtsetzen Deutschlands aufgcfaßt wurde. Wenn nun die Wucht dieser Veröffentlichung damit abzuschwächen gesucht wird von russischer Seite, daß es nicht so bös gemeint gewesen sei, und daß die ganze Schuld herTemps" trage, so ist das ein nicht sehr mutiges Abwälzen der Tat auf den Mittäter. Die Aeußerungen des Bedauerns ändern nichts daran, daß Rußland eine lange Reihe von Freundschafts dien st en durch einen Akt gröb­licher Undankbarkeit vergolten hat, und zwar zweifellos aus dem Grunde, durch den Kniefall vor Frank­reich die Milliardenanleihe ins Reine zu bringen. Als ob nicht auch Deutschland als Gläubiger Rußlands auf alle Höflichkeit Anspruch hätte! Zutreffend bemerkt eine Berliner Zeitung: Wenn Deutschland es hindern will, so bringt Rußland auch in Paris keine Anleihe zustande trotz der Allianz. Tas wäre so eine von den Antworten, die uns russischen Unfreundlichkeiten gegenüber zur Ver­fügung stehen.

Ter zuweilen auch vom Auswärtigen Amt inspirierte Berl.Lok.-Anz." hält eine Erklärung der französi­schen Regierung für erforderlich, daß sie den tendenziösen, von der Wahrheit meist abweichenden Aus- lassungen ldesTenrps" fernsteht. Das ist wohl etwas zu viel verlangt von der französischen Regierung; sie kann nicht einem offiziösen Blatt den Stempel der Unglaub­würdigkeit aufdrücken. Dagegen hätte die französische Re­gierung in dem Falle, um den es sich handelt, der deutschen Regierung ihr Bedauern über die unrichtige Wiedergabe der russischen Note ausdrücken können. Damit hätte die französische Negierung ihrer Würde nichts vergeben, es war eine einfache Anstandspflicht, diegrobe Taktlosigkeit" zu korrigieren.

Wer weiß, was sich noch an diese Unterlassung knüpfen wird! Nur zu sehr Recht behalten leider diejenigen, die von Anfang an die Marokkokonferenz als eine Unglücks- konferenz bezeichneten. DieNordd. Allg. Ztg." macht über den österreichischen Vermittlungsvorschlag ein paar schöne Worte. Wir besorgen, daß nach demglücklichen Ende" der Konferenz die Periode der Beunruhigung und Unsicherheit anhebt, und daß das Wirtschafts­leben darunter zuerst zu leiden haben wird.

Aus Algeciras liegen vom 26. d. M. wieder einige mehr oder minder amtliche und viele private Meldungen vor. W. T.-B. verbreitet im wesentlichen folgendes:

Ter österr.-ung. Delegierte Graf Weliersheimb brachte in der heutigen Plenarsitzung der .Konferenz seinen ncuformu- lierten Vorschlag zur Lösung der Polizeifrage ein. Die neue Form unterscheidet fick von dem früheren Vorschlag im wesentlichen dadurch, daß einerseits die Kontrolle des di­plomatischen Korps und des neutralen Gcneral--Jn- spektors vcrstärki, andererseits die Errichtung einer n c u- tralen P o l i z c i st a t i o n w c g g e l a s s e n ist. Die Verteil­ung der spanisch-französischen Instrukteure auf die Hafen soll von der Konferenz sanktioniert toerben. Die Bankfrage ist barin nicht aufgenommen worden. Jedoch scheint cs', daß der heu­tig en Einbringung des Polizeiprojektes bestimmte Zugeständ­nisse der französischen Delegierten in der Bankfrage in einer vertraulichen Besprechung vorangcgangen sind. . ... Der deutsche Delegierte betonte nachdrücklichst, daß er nur in der Voraussetzung an der Diskussion teilnchmen könne, daß ernstliche und wirksame Garantien für die Po - l i z e i k o n 1 r o l l e und für die Tätigkeit eines General-In­spekteurs geschaffen würden. Gegen die in dem Amendement vorgcscklagene Art der Kontrolle bureb das diplomatische Korps wurden von spanischer, e n g l i s ch c r u n d französischer Seite praktische Bedenken vorgebracht. Auf Antrag des russischen Delegierten Grafen Cassini wurde die Frage einer Kommission überwiesen. Ebenso soll die Kommission die Krage der Verteilung der Pvlizeiinstrukteure prüfen. Trotz der

sachlichen Differenzen, die noco bestehen, ließ die Sitzung den Ein­druck zurück, daß a llerseits auf eine Verständigung hingcwirkt wird.

Ein längeres amtliches Kommunique aus Algeciras teilt die Ergebnisse der Montagssitzung der Kvnferenz im einzelnen mit. «Das Polizeiprofekt in 9 Artikeln, redigiert von den österreichischen Delegierten und dem Redaktionskomitee, gelangte danach zur Beratung. Dieses Projekt ist das Ergebnis einer Verschmelzung der öster­reichischen und französ. Vorschläge. Tie Meinuugs- unterschied e, welche noch über die rückständigen Punkte bestehen, beschränken sich auf Einzelheiten gering­fügiger Natur. Die Artikel 1, 2, 4, 5, 8 und 9 wurden angenommen. Diese bestimmen, daß die Polizei aus marokkanischen Truppen gebildet und die Ausbildung französ. und span. Offizieren und Unteroffizieren an­vertraut wird. Die Effektivstärke der Polizeitruppe soll höchstens 2500 Mann, die der Offiziere höchstens 20, die der Unteroffiziere höchstens 40 betragen. Das Budget der Polizei wird auf 21/» Mill. Frcs, das Ge­halt des Inspekteurs auf 25 000 Frcs. festgesetzt. Ferner heißt es in dem Kommunique:

Die Redaktion des A r t i kc ls 3, der die Art der Ausbildung, die Befugnis der Instrukteure, sonne die Vorbereitung des Regle­ments für die Organisation der Polizei betrifft, gab zu ver- sckiedencn Ausstellungen Anlaß, welche die Teilnahme des In­spektors uu.d des diplomatischen Korps bei der Ausarbeitung dieses Reglements berühren. Ter Artikel wurde an den Reda k- tionsaussckuß zurückvcrwiesen. Artikel 6 und 7, die sich auf die Schaffung einer Inspektion der Tätigkeit der Polizei und auf die Funktionen des Inspekteurs, der ans der sckweiz. oder niederländischen Armee gewählt werden soll, beziehen, gaben Veranlassung zu einer Erörterung, im Lauf derer der österr.-ung. Delegierte eine Anzahl Amende­ments cinbrackte, die die Intervention des diplomat. Korps in der Kontrolle der Tätigkeit der Polizei und die Beziehungen des diplomatischen Korps zu dem Inspekteur vorsehen. Nach Er­örterung dieser Amendements wurden diese dem R e da k t i o n s- komitec überwiesen mit dem Auftrage, eine neue Fassung vvrzubereiten.

Weiter erfährt man, daß in dieser wichtigen Sitzung der österreichische Delegierte seinen Vorschlag betreffend den Hafen von Casablanca zurückzog und der deutsche Delegierte erklärte sich damit einver­standen. Nach Schluß der Sitzung schilderte der Herzog von Almodovar den Vertretern der Presse den Eindruck, den die Sitzung auf ihn gemacht habe. Der Eindruck sei ein guter. Er halte die Schwierigkeiten für nicht unüber­windlich. Der .Herzog bestätigte, daß die russischen Delegierten bezüglich der Verteilung der Häfen und der Polizei unter die Franzosen und Spanier vermit­telnd eingegriffen und versprochen haben, einen ver­söhnlichen Vorschlag v orzulcgen.

Bu Hamara ante portas.

Während die Diplomaten in Algeciras bemüht sind, die letzten Gegensätze auszugleichen, hat sich in Marokko, an den Usern des Mu laja, ein anscheinend sehr hef­tiger Kampf zwischen den Truppen des Sultans und den Heerscharen 93it Hamaras, des kühnen Kronprätendenten, ent- sponnen. Es kann jetzt so kommen, wie so oft in der Welt­geschichte, daß das d i p l o m a t i s ch c G e s p i n n st, mit welchem die europäischen Mächte die scherisische Majestät cinfangcn wollen, durch das Schwert brutal zerrissen wird; denn wenn das Waffenglück Bu Hamara günstig sein sollte, dann ist die ganze Marokkokonferenzfür die Katz" gewesen, bann bleibt den Mächten nichts übrig, als entweder mit ge­panzerter Faust dreinzufahren und den Kronräuber in die Sahara zurückzutrciben, oder sich mit ihm, als dem neuen Herrn, abzusinden. So muß denn mit der Möglichkeit ge­rechnet werden, daß Bu Hamara die Konferenz ebenso auseinander sprengt, wie seiner Zeit Napoleon den Wiener Kongreß durch seine Flucht von Elba. Vielleicht kommt die Armee Bu HamaraS dieser oder jener Macht aber nicht so ungelegen, und wer weiß, welche Machen­schaften dahinter stecken, daß am Mulaja die Kanonen gerade in dem Augenblick loSdonncrn, wo die Diplomaten die Feder in das Tintenfaß tauchen wollen, um den Einigungsvertrag zu unterzeichnen. Bereits sind von Frank­reich und England so viele Jntriguen in der Marokko- Affäre gesponnen worden, daß der Angriff Bu Hamaras als Schlußeffekt mir als logische Folge aller der Um­triebe betrachtet werden kann. Es ist ja auch kaum eine Woche her, da berichtete ein rheinisches offiziöses Blatt, daß französische Unteroffiziere die Leute deS marokkanischen Kronprätendenten in der Be­dienung der Geschütze unterrichteten, und diese Nachricht wurde von feiner Seite dementiert. Warum sollen da nicht die Kanonen auf ein Zeichen aus Paris los ge­gangen sein? Ein Vorgehen gegen Bu Hamara von feiten der Mächte könnte nur gemeinsam geschehen, und was dabei herauszükommen pflegt, das haben wir in China gesehen . ..

politische Lagcskchan.

Ter Finanzausschuß der 1. Hess. Kammer (Berichterstatter Frhr. Hcyl zu Herrnsheim) hat, wie uns heute aus Darmstadt geschrieben wird, die Regierungs­vorlage betr. die Verlängerung der Geltungsdauer des Ge­setzes über die Gemeindcumlagen vom 30. März 1901 einer Beratung unterzogen und beantragt, dem Beschluß der 2. Kammer entsprechend die Regierungsvorlage auf Ver­längerung der Geltungsdauer bis zum 1. April 1909 anzu­nehmen, dagegen dem zweiten Absatz des Beschlusses der 2. Kammer,die Negierung zu ersuchen, daß sie mit Be­schleunigung eine Ausgestaltung der steuerlichen Auto­nomie der Gemeinden in Bezug auf Gemeindeumlagen und Gemeindeabgaben, insbesondere hinsichtlich der Abgaben bei Jmmobilienveräußerungen in die Wege leite" nicht beizutreten. (Frhr. v. Heyl nennt sich trotzdem liberal"! Mit welchem Recht? D. Red.)

Zu der Regierungsvorlage betreffend den Anschluß

der Stadt Bad-Nauheim an das staatliche Elek- tri zitäts werk Bad-Nauheim, beantragt der Ausschuß (Berichterstatter Geh. Kommerzienrat Lauteren), dem Be­schluß der 2. Kammer auf Genehmigung der Regierungs­vorlage beizutreten und die Negierung zu ermächtigen, zur Ausgestaltung der zu errichtenden Maschinenzentrale und zum Anschluß der Stadt Bad-Nauhesm an das staatliche Elektrizi­tätswerk außer den bereits bewilligten 924 000 Mk. weitere 75 600 Mk. im Wege des Staatskredits flüssig zu machen. Der Ausschuß erachtet diese Nachforderung als durchaus be­gründet. Er äußerte nur Bedenken gegen den Ausdruck einer elektrischen Bahn" im Schlußsatz deS § 10 des Ver­trages. Nachdem Großh. Regierung und Großh. Bürger­meisterei Bad-Nauheim die Erklärung abgegeben, daß die Worteeiner elektrischen Bahn" gleichbedeutend sein sollen mit der Mehrzahlelektrischer Bahnen", hat der Ausschuß, sein Bedenken nunmehr als beseitigt erachtet.

Die Abgg. Dr. Wallau und .Hagemann Und in diesen Tagen in Lauterbach und Darmstadt als 23er- sammlungSredner ausgetreten. Uns liegen heute folgende Berichte vor!

-o- Lauterbach, 26. März. Der nationallibe- rale Wahlausschuß hatte für gestern abend zu einem ! Referat des Reichstagsabg. Dr. Wal lau über die Reichs­finanzreform mit anschließendem Vortrag des Reichs- tagsabg. Hagemann aus Erfurt eingclaben. Leider blieb der Besuch der Veranstaltung hinter den Erwartungen zurück, was besonders in Anbetracht der Beliebtheit, deren sich Kreis­rat Wallau in allen Kreisen hier erfreute, ausgefallen ist. Dr. Wallau legte seinen und seiner Partei Standpunkt über die verschiedenen ReichSsteuern dar und sprach sich im beson­deren aus für die Brausteuer, die Automobil-, Tantiemen- und NeichSerbschaftSsteuer, jedoch gegen die Ausdehnung derselben auf die direkten Nach­kommen, dagegen lehnte er die Tabaksteuer ab. Der allseitige Beifall am Schluffe der Ausführungen des Dr. Wallau ließ erkennen, daß die Anwesenden mit dem Standpunkt des Redners einverstanden waren. Sodann hielt Herr Hagemann einen Vortrag über seine Erlebnisse auf der parlamentarischen Studienfahrt nach Togo und Kamerun und die wirtschaftliche Entwickelung der Kolonien, der vieles Interessante bot.

R. B. Darmstadt, 26. Mär;. In einer großen öffent- licken Wählcrversammlung hielt heute abend Reichstagsabg. Ha- gewann einen hochinteressanten Vortrag über politische Rückblicke und Ausblicke. Der Redner besprach zuerst die vom alten Kaiser Wilhelm inaugurierte Versick>erungsgesetz- gebung, für welche bereits Über 4 Milliarden Mark verausgabt wurden. Die Heimarbeitsausstellung i:r Berlin sei agitatorisch.zu­gestutzt gewesen, eS würde bald eine den Tatsachen in der Heim­arbeit entsprechende Darstellung der wirklichen Verhältnisse er­folgen. Der im Hinblick auf die Heimarbeit emgebrachte sozial­demokratische Gesetzentwurf Albrecht beweis? nur wieder, daß daS Bestreben dieser Partei dahingeht, iedeJndi- v i du a li t ä t i m M e n s ch e n zu ertöten. Redner bewies bann in treffenden Worten die absolute Notwendigkeit von Heer und Marine, wobei er auch in schlagfertigster Weise die einzelnen Einwendungen zahlreich anwesenden Sozialdemokraten unter stür­mischem Beifall widerlegte. Nachdem der Redner dann die gegen­wärtige R e i chZst e u e r r e form in klarer Weise näher dar­gelegt, gab er noch eine fesselnde Schilderung der Verhältnisse in unseren Kolonien, die er gelegentlich der parlamentarischen Studienreise nach dort aus eigener ?lnschmmng kennen lernte. Nack einer kurzen Ansprache des Kandidaten Rechtsanwalt Dr. Stein kam es noch zu einer lebhaften Debatte mit mehreren Sozialdemokraten.

Auch hier in Gießen beabsichtigt bekanntlich der Abg. Hagemann zu sprechen und zwar nach neueren Abmachungen zu Anfang nächsten Nkonats.

Deutsches Aeich.

Berlin, 26. März. Sicheren^ Vernehmen nach treffen der Kaiser und die Kaiserin sowie Prinzessin Viktoria Louise am 17. April zu längerem Aufenthalte auf dem Schlöffe zu Homburg v. d. H. ein.

Der erkrankte zweite Vizepräsident des Reichs­tages Dr. Paasche war Ende voriger Woche einer Ein­ladung zur kaiserlichen Tafel gefolgt. Bald darauf er­krankte er und fuhr zur Schonung nach seinem Gute, wo der 2lrzt Nierenblutnn gen konstatierte.

Die nationalliberale Fraktion des Reichstags hat beantragt, die Regierungsvorlage wegen Errichtung eines selbständigen Kolonialamtes n,it einem Staats­sekretär an der Spitze wieder herzustellen.

Die Kommission des pr e. Abgeordnetenhauses für die Wahlrechtsvorlagen hat die Entwürfe der Ne­gierung unverändert angenommen. Morgen sollen noch einige freisinnige Resolutionen beraten werden.

In der gestrigen Sitzung des Z e n t r a l - A u s s ch u s s e u der freis. Volkspartei beantragte, Abg. Träger unter ein­mütiger begeisterter Zustimmung, den geschästsfuhrenden Ausschuß ui beail'tragen, die einleitenden Schritte zur Errichtung eines D e il k m a l s für Eugen Richter zu tun durch Bildung eines provisorischen Komitees. Der Antrag würbe debattelos und mit lautem Bravo einstimmig angenommen. Es wurden sofort namhafte Beträge gezeichnet.

Die »Nordd. Allg. Ztg." schreibt:

Am heutigen Montag sind 25 Jahre verflossen, seitdem Rumänien, das bis dahin ein Fürstentum gewesen war, zmn Königreiche erhoben worden ist. Mit warmem Interesse hat man in Deutschland wahrgeuvmmen, wie Rumänieir unter der Führung seines weitblickenden und pflichttreuen Oberhauptes sich mehr und mehr zu einem wertvollen Elemente der europäischen Völkerfamilie entfaltete. Nachdem Rumänien drei Jahre vor seiner Erhebung jiun Königreiche dank den Bemühungen seines Fürsten Karl imstande gewesen war, sich seine Unabhängigkeit zu erkämpfen, hat es nun den Beweis erbracht, daß es durch sein ernstes Streben fick eine hock>geachtete Stellung zu erringen vermochte. In den mannigfachsten Krisen hat sich das Königreich an der unteren Donau als einen wichtigen Friedensfaktor bewähr: und durch seine besonnene Haltung wesentlich dazu beigetragen, daß aus den östlichen Krisen fein großer Brand entstand.