__ . Sbg. Mommsen freis. Vgg.)
ist mit der Kornmissionebcratung einverstanden, zumal da dann die Vcr.rbschicdung des Gesches sich verzögern wurde. (Hciker- Icif.) Der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit habe eine Generalversammlung einberufen, nm gegen den Entwurf Stellung zu nehmen. Die Vorlage könnte das Motto tragen: Gnh lastung des Landes, Belastung der großen Städte! Sei eö wirklich nötig, die Städte sckon wieder zu belasten? Das Gesetz sei von ungeheurer Tragweite, insbesondere auch für die Vorortgemeinden um Berlin und anderen Städten. Tic reichen Leute zögen in die westlichen Vororte und nähmen Berlin die Steucrkraft, während umgekehrt die armen östlichen und nördlichen Gemeinden Berlin große Lasten verursachen. Man sollte die Vororte, aus diesem Gesetz ganz herauslassen. Tic Vorlage würde zweifellos eine erficblidte Verschiebung der Armcnlastcn zu Gunsten des flachen Landes hcrbeiführcn. Eine solche Verschiebung aber sollte man nur dann vornehmen, wenn cs wirklich notwendig fei, und dann dürfe man nickt einseitig die Städte belasten, sondern die Lasten gleichmäßig auf das ganze Land verteilen.
Staatssekretär Graf PosadowSkh:
Es ist richtig, daß das platte Land durch die Vorlage entlastet werden soll, aber das ist nach Ansicht der verbündeten Regierungen eine unbedingte Notwendigkeit. Tas platte Land hat durch die fori, gesetzte Abwanderung arbeitsfähiger Elemente beider Geschlechter schwer zu leiden, und es ist nickt bloß der Grundbesitz, sondern noch viclmeyr der bäuerliche Besitz, der darunter zu leiden hat. (Sehr richtig! rechts.) Es ist notorisch, daß im Osten die Bauern, die früher an ihrer Scholle hingen, jetzt geneigt sind, ihre Scholle zu verkaufen aus dem einfachen Grunde, weil sie, wenn sie keine Kinder haben, die ihnen bei der Arbeit helfen, nicht mehr im standc sind, ihr Land zu bebauen. Aber auch, wenn sie Kinder haben, ziehen diese in die Stadt und der Mann ist gezwungen, seine Scholle brack liegen zu lassen ober Zu verkaufen. Wir haben die traurige Erscheinung zu verzeichnen, daß immer mehr Bauern von ihrer Scholle gehen, und das halte ick sozialpolitisch und wirtschaftlich für außerordentlich bedenklich. Wenn es sich um die Auswanderung über See nach Amerika handelt, dann ist alles einig, daß dabei viel Kapital für Deutschland verloren geht, für daS platte Land aber sind die Arbeiter, die in die Städte ziehen, ebenso ein Verlust, wie die Auswanderer über See für Deutschland; der Mann kommt niemals aus der Stadt zurück. sSehr richtig! rechts.) Dazu
kommt, daß auch die Leute, die zum Militär eingezogen werden, dauernd in den großen Städten bleiben, daß Stadtleben gefällt ihnen besser als daS Leben auf dcm Lande. Wir haben versucht, durch Vermittelung der Militärbehörden eine Art Auskunftsstelle zu schaffen für Leute, die vom Militär entlassen sind, damit sie möglichst in ländliche Bezirke zurückkehren, aber von dieser Auskunftsstelle ist ein minimaler Gebrauch gemacht.
Einerseits verliert die Landwirtschaft ihre besten Arbeitskräfte, und daß die Landwirtschaft schwer darunter leidet, geht deutlich daraus hervor, daß jetzt tausende von Arbeitern über dic Grenze hereinziehen, die auf einem ganz anderen Kulturzustande stehen, nur damit die Landwirtschaft ihre notwendigsten Arbeiten verrichten kann. Auf der anderen Seite aber ist das platte Land verpflichtet, für die Arbeiter, dic nach den Städten ziehen, noch zwei Jahre und darüber hinaus, bevor sie einen Unterstützungswohnsitz haben, dic Armenlasten zu tragen. Der Fall kommt ja jeden Tag vor, daß eine Wirwc einen Mann heiratet in einer großen stadt, der noch einen Unterstützungswohnsitz in einer kleinen Gemeinde hat, und da die Witwe und dic Kinder den Untcrstützungs- wohnsitz deS Mannes rcsp. Vaters haben, so bekommt dic unglückliche Gemeinde oft eine Armenlast für fünf Personen aufgehalst, während die Personen, für die sie die Last zu zahlen ha:, niemals in dem Ort gewesen sind. Die Armcnlast ist für manche Gemeinde ganz kolossal. Eine kleine Gemeinde mit einem Staats- steuersoll von vielleicht 200 Mark bekommt manchmal aus den Industriebezirken Armenrechnungen von 600, 700 Mark. Stellen Sic sich vor, waS da? bedeutet! Auch taktisch sind die ländlichen Gemeinden in einer viel schlechteren Lage als die Vertreter der Städte, denn die Städte kennen die Entscheidungen des Bundesrats für das Heimatswesen und anderer Instanzen bis ins einzelne, die Gemeinden aus dem platten Lande dagegen stehen diesen Dingen in der Regel ratlos gegenüber.
Man darf also dem platten Lande nicht zu große Lasten aus- bürden. Wo die Arbeitskraft benutzt wird, da muß auch dic Armcnlast hinfallen. Und nun bedenken Sie dock, daß mit 16 Jahren der junge Mann und das junge Mädchen sich selbständig eine Existenz erwerben, dann müssen sie doch auch fähig fein, sich in diesem Alter schon den Unterstützun^swohnsitz zu erwerben. Noch ein Wort über die Vorortsgcemindcn. Ich bitte, die Veehältnissc doch nicht lediglich vom Berliner Standpunkte aus zu beurteilen. Draußen im Lande, namentlich im Westen, liegen die Tinge ganz anders. Da können Sic sehen, wie der Arbeiter unmittelbar nach
Arbeitsschluß nach seiner Vorortgemeinde zurückfährt. Es mufr also auch hier dafür gesorgt werden, daß nicht der Vorort, sondern der Mittelpunkt der flrbeitstätigkeit, dic Großstadt, zu den Armenlasten herangezogen wird. Ich halte es für 'das größte Unglück, wenn das platte Land sich entvölkert und die großen Ltädtc riesenhaft anwackscn, und Sic werden zugeben, daß dic Gesetzgebung keinen Anlaß hat, diese Bewegung zu begünstigen. Jeder, der beute: fein Domizil wechselt, ist ja so klug, sich zu fragen: wo ist die Kommunalsteuer am geringsten? Tahin zieht er dann. Und je! größer die Stadt ist, desto geringer ist im Verhältnis in der Regel' Die Kommnnalsteucr. Daher dieser große Zustrom ".i den großen: Städten! Ich kann da aus meiner eigenen Erfahrung erzählen. Ich habe unter meinen Bekannten sehr viele, die sämtlich später als pensionierte Beamte, oder wenn sie ihr Gut verkauft hatten,^ nach Berlin gezogen sind. Alle diese Tinge berücksichtigt der Ent- Wurf, und ich bitte Sic dringend, ihn unverändert anzunchmcn. (Beifall rechts.)
Abg. Barwinkcl (natl.):
Ich erlernte an, daß der Entwurf gewiße Härten beseitigt, rnöcht- abei bezweifln, ob er geeignet ist, der Landflucht voczu- beugen. Fraglich ist es mir auch, ob die bestehende Altersgrenze von 18 Jahren tickt doch richtiger ist, als die von 16 Jahren. Ebenso ist es mit fraglich, ob die Herabsetzung der Zeit für den Erwerb des Unterstützuitgswohnsitzes stets zu dcm gewünschten Ziele führen wird. Es kann Vorkommen, daß diese Herabsetzung von zwei auf ein Jahr unter Umständen gerade eine Belastung für die zu schützende Gemeinde zur Folge haben wird. Endlich ist es mir zweifelhaft, ob dic Bestimmungen über die Hilssbcdürftigkeit nicht eine zu große Belastung der Arbei'sgemcinden herbeiführen werden, da in ihnen eigentlich eine Art von Versicherung gegen Arbeitslosigkeit enthalten ist. Jedenfalls werden wir die Vorlage in der Kommission eingehend prüfen und den vorhandenen Mängeln abzuhelfen suchen. (Beifall.)
Hierauf vertagt das Hai:S die weitere Beratung auf Montag 1 Uhr. (Außerdem Gesetz über die Aufhebung der freien Hilfskajsen und kleine Vorlagen.)
Schluß 5% Uhr.
Die Tabaksteuer vor der Slcu rkouimiiston.
Berlin, 26. Januar.
Die Steuerkommission bc§ Reichstages beriet heute die ^abaksteueroorlaqe. Referent Held (natl.) bespricht die vorliegenden Petitionen, von denen sich nur eine für die Tabakst euervorlage ausspricht, und erklärt unter Hinweis darauf, daß 20 000 Arbeiter in Deutschland Jtn der Tabakbranche beschäftigt sind, die Regierungsvorlage muffe au§ sozialen und wirtschaftlichen Gründen abgelehnt werben. Korreferent Geyer (Soz.) lehnt ebenfalls bie Vvr- Tage ob. Zu § 1 der Regierungsvorlage liegt ein Zentru in s- 'antrag Herold vor, der hinsichtlich der Zollsätze verschiedene Aenderungen will.
Schatzsekretär Freiherr von Stengel erklärt, er versiehe nicht, warum die Jnteresienten in Süddeutschland sich gegen die Vorlage wehrten, wenn in ihr die Gefahr liege, bie Zigarrenindustrie nach Süddeutschland zu drängen, ilnser Tabakzoll sei wesentlich niedriger, als in den übrigen Kultnr- länbcrn. Ans sozialen Rücksichten hätte die Regierung verbucht, Zigarren und Zigaretten mehr heranzuziehen als den gewöhnlichen Tabak. Der Widerspruch des Piiblikliins lasse -rach. Wenn der Zentrumsantrag die Importen stark mit Zoll belasten wolle, würden die Importen durch die Inlands- sabrikate verdrängt. Die Regierung fei bereit, wegen der Fabrikatssteuer in Verhandlungen zu treten.
Vorsitzender Buesing (natl.) tritt den Ausführungen des Staatssekretärs entgegen. Wenn er frage, wohin das führe, wenn die Kommission so weiter verfährt, so erkläre er, es fet nicht die Aufgabe der Kommission, aus dem Boden der Regierungsvorlage das Deckungsbedürfnis zu befriebigeu. Gegen ben Vorwurf nehme er die Kommission in Schutz. Herold (Ztr.) stimmt im großen und ganzen den Ausführungen des Referenten zu unb lehnt in ber Hauptsache die Erhöhung ab. Die Steigerung beim feingeschi'.ittencn Tabak sei begrünbet. Es handle sich nicht um einen Schutz-, sondern um einen Finanzzoll. Wenn die heimische Industrie dadurch geschützt werde, sei dies nur zu begrüßen. Dieser als feingeschnittener, als Fabrikat aus dem Auslände einge- sührte Tabak fei nicht für die Pfeife des armen Mannes, sondern der teuerste Tabak, den es gäbe. Ter vorgeschlagene Wertzoll auf aus dem Auslande eingeführte Zigarren fei praktisch leicht durchführbar. Molkenbuhr (Soz.) wendet sich gegen die Ausführungen des Reichsschatzsekretärs und bespricht eingehend die Arbeits'ohnverhältnisfe in der Tabakindustrie. Redner wirft dem Finanzminister vor, er habe sich gegen die Deszendenten in der Erbschaftssteuer ausgesprochen, trage aber kein Bedenken, tausende von Arbeitern brotlos zu machen.
Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben erwidert, er sei gegen die Deszendentensteuer eingetreten, weil dadurch der Mittelstand betroffen werde. Der Minister bestreitet den Rückgang im Konsiim infolge des Gesetzes von 1879; die Arbeiter- Zahl in der Tabakindustrie fei feit 1879 gewachsen. Die Befürchtung einer Verschiebung der Tabakindustrie nach Süddeutschland sei unbegründet. Der Vorschlag deS Zentrums, welcher alle Zölle herabfetzt, bringe dem Reichssäckel fast gainichts.
Jäger (Ztr.) weist daraus hin, daß feine der Vorlagen soviel Widersprurh im Volke gefunden habe, wie die Tabak st euer Vorlage. Er lehnt die Regierungsvorlage ab und stimmt dem Zentrumsantrag zu. Ter Redner weist ferner auf die Besteuerung des sogenannten „unverdienten Wertzuwachses^ hin, der leicht 40 Millionen jährlich für das Reich bringen könne und keine Belastuna Des Al-beitereinkommens oarftelle. Sielermann (kons.) befürwortet den Antrag des Zentrums. Tie norddeutschen Fabrikanten würden die Konkurrenz mit den süddeutschen Llushalten, wenn zukünftig die 5 Pfennig-Zigarre nicht mehr pus ausländischen, sondern aus inländischen Tabakrn her- igeftent werden mußte, v. Elm (Soz.) wendet sich aus Grund eigener Erfahrungen gegen die Vorlage. Müller-Fulda '(Ztr.) ertlärt, die teueren ^mportzigarren könnten wohl den höheren Zoll ertragen. Tic Regierung weise er darauf hin, daß sich manches noch besteuern las'e: das Licht des armen Mannes, das Petroleum, sei längst besteuert, nicht aber das Licht des reichen, Gas und elektrisches Licht.
Nächste Sitzung: T'enstag. Fortsetzung der Beratung Über die Tabatstenervorlage.
parlamentarifctycs»
Berlin, 26. Ian. Die Budget-51 omMission des Reichstages setzte die Debatte über die Kamerun-Bahn
fort. Geheimerat Helfferich erhebt Widerspruch gegen die Bemerkung von Müller-Fulba, baß bie Vorkonzcsston bes Kamerun-Synbikates wegen ber hohen Stellung einzelner Mitglieber erzielt worben sei; die Konzession wurde erst gegeben, nachdem bas Syndikat zur sofortigen Aussendung einer Traisierungskommsision sich bereit erklärt hatte, bie auch sofort abging. Erbprinz zu Hohenlohe teilt mit, bie Ansprüche ber Rorbwest-Kamer'.m-Gesellschaft aus Lanb seien von ber Kolonialverwaltling nicht anerkannt worben. Die Sache liege einem Schiebsgerichte vor Hierauf wirb bie Vorlage mit geringen Blenderungen Angenommen. Ferner ivied ein Antrag Semler angenommen, nach welchem die Prüfung der Rechte unb Pflichten ber Lanb- unb Bergwerks- Gesellschaften in Kamerun, sowie bie Frage, wie bie Nachteile ber Konzessionen zu beseitigen seien, ber für Sübwest- afrika berufenen Prüfungskommifion überwiesen werben; ebenso ein Antrag Erzberger, nach welcheru die in dein Bezirke ber zu erbauenben Eisenbahn tätigen Laub-Gesellschaften unb Plantagenbesitzer, soweit sie ein Interesse an bem Bahn bau haben, zu einer entsprechenden Leistung zu Gunsten des Fiskus des Schutzgebietes heranzusieben sind._______
politische Tagesschau.
Reichstagödiäten.
Gestern vormittag nnirbe un§ gedrahtet, daß nach Gesprächen in Berliner parlamentarischen Kreisen der Reichskanzler die Diätenfrage in einer den Wünschen der bürgcrl. Parteien bes Reichstages entwrechenben Richtung ihrer Entscheidung entgegenführen wolle. Heute sagt die halboffiziöse „Köln. 3tg.' in einem Artikel über die Reichstaasdiäten, daß diese Frckhe in der Tat grundsätzlich entschieden sei. Es handle sich bei ben weiteren Vorverhanblungen nur um bie Form der Entschädigung. Das Blatt hält bie Form ber Anwesenheitsgelder für die aussichtsvollste.
Allerdings würbe burch bie enbliche Lösung ber Tiaten- frage im Sinne ber ReichstagSforberung ein Streitobjekt ans ber Welt geschafft, unb Arbeitslust wie Arbeitsfähigkeit ber bürgert. Parteien gesteigert werben. Fürst Bülow wirb sich gesagt haben, baß es um bie Möglichkeit bes Zu» stanbekommens ber ben Reichstag beschäftigenden großen Gesetzesvorlagen schlecht bestellt ist, so lange die Diätensragc in der Schwebe bleibt. Das Zentrum ist auss äußerste verstimmt, unb selbst ber zurückgekehrte „Gut Wettermacher" Dr. Spahn bürste diesmal um eine Zauberformel verlegen sein. DaS Militärpensionsgesetz, beffen Verabschiedung die Regierung bringend wünscht, ist durch Ueberrocifung an bie Bubgctkommnsion auf eine sehr lange Bank geschoben. Der Reichstag hübet znbem eine bcfonbcrc Kommission nach ber anberen, unb ba bie KommissionSmitglieber m ber Regel auch bei den Plenarsitzungen bie Arbeit leisten, kann bie Regierung von diesen fleißigen Volksvertretern unmöglich ein noch größeres Maß von Selbstverleugnung, etwa einen Arbeitstag von mindestens zwölf Stunden, verlangen, damit die Gesetze bis zu dem der Regierung erwünschten Termin fertiggestellt werben. Im Sinne ber HerrenhauSrebe Bülows müffen alle Mitglieber ber bürgerlichen Parteien in ben Stanb gefetzt werben, sich an ben parlamentarischen Arbeiten bmtcrnb zu beteiligen, waS nur geschehen kann burch Gewährung von Anwesenheit?- gelbem. Fällt bie offizielle Verkünbignng bieser Entschließung heute, am Geburtstag bes Kaiser?, so bebentete baS nicht ein Geschenk der Regierung an bie Volksvertrctnng, sonbern bie Beseitigung eines unhaltbar geworbenen ZustanbeS, bie Herbeiführung der Gesunbnng bes parlamentarischen Lebens unb die Förbcrung ber Nationa(en Intereffen.
Heer uttö Flotte.
— Generalmajor z. D. v. Brcbow ließ eine »Historische Rang- unb Stammliste bes 18. Armee- korps* bei Ang. Scherl in Berlin erscheinen. Generalmajor Kenn hat ein kurzes Geleitwort bazu geschrieben. Die Liste enthält auch bie 'jtorträlg bes Kaisers unb bc? Großherzogs.
Oermilchte».
* Selb ft mord eines hessischen Studenten in Berlin. Der 20 Jahre alte stub. jur. Bendheim aus Darmstadt, der seit einem Vierteljahr in Berlin war, hat sich am Donnerstag erschossen. Der junge Mann, dem es an nichts fehlte, war hochgradig nervös und scheint in einem Anfall von Geistesgestörtheit zur Waffe gegriffen zu haben. Dm Donnerstag abend hörten ferne Wirtin und zwei andere Studenten, die noch bei ihr wohnen, einen SchuH fallen und fanden B. in seinem
Zimmer mit zcri.l".tern Sawdcl tot auf dcm Fußboden liegen. Er hatte sich brr/' c jrn Rcvo-rcri'ckuß in den Tiurb das Leben genommen. Sein 5'*ter, ein Weinhändlcr in Darmstadt, dem er seinen unseligen Schritt angclürdigt hatte, traf am Freitag in Berlin ein.
* T c r neueste E i s e n b a hn u n f a l l. Am 26. Januar stieß ein Perscmcnng ruf ben Schluß eines im Bahnhofe Dieben Hosen stehenden Güterzuges. Drei Reisende wurden leicht verletzt. Von dem Güterzuge wurden drei Wagen zertrümmert.
Gerichts?aal.
Glogau, 26. Jan Tie Strafkammer verurteilte den Kammerdiener unb Leibjäger des Herzogs von Schleswig-Holstein, Bäumel, der am 28. November v. I. nach Beendigung ber Hos- jagd in Primkcnau den Hmsjägcr Müller aus Fahrlässig- leit erschoß, zu 4 Monaten Gefängnis.
Algier. 25. Jan. DaS Berufungsgericht verwarf den E h e s ck e i d u n g s a n t r a g eines Professors, welcher die Scheidung beantragte, wegen ber deutschfreundlich c n G e f ü h l e seinerFrau. Tiefe ist eine junge Deutsche, dic der Professor auf einer Rcisc nach dcm Großherzogtum Baden kennen gelernt hatte.
ttgriverlitäts-Nachrichten.
Gö t t i n g e n , 26. Jan. Unter ber Hiejigcn Studenten- s_ck a f t Herrscht groücr Z w ie spalt. Die nicht-konfessionellen Korporationen verweigern den kathoilfcken Verbindungen unb ber Finken schäft das Recht, als geschlossc.ic Korporation am K a isc r> Ko m me-rs teilzunehmen. Die Finlenschaft legte beim Prorektor Protest gegen die Bezeichnung des Kommerses als ein allgemeiner Stubcutcn-Kommers ein. Die Katholiken werben einen eigenen Kommers nbbnUen.
Hittgesandt.
(Für Form unb In last aller unter bi cf": :"...brlk stehenden Artikek übernimmt die Redaktwu dem P'MFum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
K i n ö e n b a ch , obgleich in politischer Beziehung zum Kreise Wetzlar gehörig, liegt nur etwa 1 Kilometer von Heuchelheim unb etwa 3 Kilometer von Gießen entfernt. Wohl schon Jahrhunderte wird von den vielen Arbeitern und sonstigen Interessenten als nächster Weg nach ber Stadt Gießen ein Fußpfad benutzt, welcher durch die'Gemarkung Heuchelheim direkt nach ber Heuchelheimer Mühle führt. Bei letzterer lag schon seit alter Zeit ein Steg über den Biebcrbach „ dessen Erneuerung resp. Ausbesserung der Besitzer ber Mühle stets vornahm. Nun hat man im Sommer v. I. ben oteg abgebrochen und somit den Bewohnern von Kinzenbach ihren direkten Weg nach ber Stadt genommen. ES wäre baher von Interesse zu erfahren, auf welchem Wege sie die Abhilfe dieses Mißstände? resp. bie Wiederherstellung des Steges erlangen könnten.
Zvbrnß evs öni 71 ßirrslinüsrrpislkkv err L 1b
Aufgebote.
Am 22. Januar Karl Reinschnndt, Hilssmafchincnwärtcr dahier mit Erna Hnblitz Hierselbst. — Heinrich Ernst Pullmann, Re- gierungSassessor bäht er mit Christina Boßler in Mainz. Ain 26. Jan. Konrad Ruhl, beritt. Genbann dahier mit Elisabeche Eckhardt liier- selbst. — Dr. Weorg Mönckeberg, Privatdozent dahier mit Clothilbp Riegel Hierselbst.
Geborene.
Am 17. Ian. bem Kaufmann Joseph Seelor eine Tochter, Elsbeth Anna. 9lm 18. Ian. bem Taglöhner Heinrich Arnold IV ein 2ohn, Heinrich Johann Liibmig. Arn 19. Ian. dcm Bnreaugehilfer. Ludwig Stroh em Sohn. — bem Schutzmann Hermann Beiiber ein Sohn, Kurt Hermann Friedrich Novcrt. Am 20. Jan. bem Metzgermekster Johannes Keitzer ein Sohn. — bem Kanzlergchil'en Peter Drodt eine Tochter, Elsa. — bem Zugführer August Tüller ein Sohn. Am 21. Jan. dem Zigarrenfabrikanten Jacob Abt ein 2ohn, Hans. — bem Ober-Posiaffistenlen Friedrich Pabst eme Tochter. Am 22. Jan. bem Kaufmann Mar Nrißvaiint eine Tochter, s?llice. Am 25. Jan. bem Installateur unb'Spcnglermeij'tcr Ludwig Mootz ein Sohn, Philipp Otto Hellmut.
Gestorbene.
Am 20. Jan. Heinrich Martin Ruckstuhl I, 75 Jahre alt.Ziminer- meister dahier. — Abraham Baer, 76 Jahre alt, Rentner ballier. — Julius Egid Ebel, 63 Jahre alt, Wildhrcthänblcr bahter. Am 21. Jan. Wilhelmine Zirbus, 3 Jahre alt, Tochter des Formers Anton Zirbus dahier. Am 22. Ian. Elisabeth Griebel, 77 Jahre alt, Näherin dahier. — August Crbig, 55 Jahre alt, Univerfitäts» guäftor r. P. dahier. — Rarolme Pflüger geb. Depp, 29 Jahre alt, Ehefrau des Kutschers Karl Pflüger dahier. Am 2 L Jan. Alfred Böcker, 26 Jahre alt, Maurer dahier. Am 24. Jan. Ludwig Klemnt- rath, 1 Jahr alt, Sohn bes Küfers August Klemmt ach bahier. Am 25. Jatt. Bertha Stein, 7 Jahre alt, Tochter bes Metzgers Joseph S tciub a hier.
Sojintng 4—9 Uhr 206
Nur EngeMjpotheke offen.


