Nr. 228 Zweites Blatt
156. Jahrgang
Freitag 28. September 1906
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener Famillenblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche« UnivcrsilätLdruckerei. R. Lange, Dießen.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Iie Kozta bemokratie und die Krauen.
Man schreibt unS:
Den Beratungen des sozialdclnokratischen Parteitages in Mannheim gingen voraus die Beratungen der sozialdemokr. Frauen — es war das viertemal, daß die Genossinnen sich mit den Genossen an einem Tagungsort zusammenfanden. Die Reden, die von Frauen in Mannheim gehalten wurden,- .mußten jeden, der etivas Besonderes erwartet hatte, enttäuschen. Nichts Neues ist vorgebracht worden, man hat Resolutionen und Beschlüsse gefaßt, die man schon kennt, und Bebel hat zur allgemeinen Wahlrechtsfrage o er Frauen gesprochen und dabei den lapidaren Satz aufge- slellt, die Frauen müßten hier so radikal als möglich vorgehen.
Man weiß, daß die Frauenbewegung der Sozialdemokratie nicht besonders angenehm ist, so ivie sie sich zeigt. Tie Frauen sind manchmal so obstinat, eigene Logik 511 besitzen. Auch das Vordrängen der Frauen innerhalb der Partei behagt ihnen nicht, und nur Fratlen von der Art der Rosa Luxemburg und der Klara Zetkin bringen es 511 einiger Beachtung,-weil sie diirch Dick und Dünn mit den unentwegten Vorkämpfern des Marxismus gehen und gegen den Revisionismus von Gift nnb Galle gefüllt sind. Der schallende Kuß, den Arthur Stadthagen der Kollegin Rosa auf die welken Lippen gedrückt hat, galt nicht der sozialdemokratischen Frauenbelvegung, sondern der revolutionären Milkänipferin, die keine Versöhnung und keine Koutpromisse kennt.
Die sozialdemokratische Frauenbewegung hat, seit sie das letztemal ihre Vertreterinnen zu einer Konferenz entsandte, ziemlich vergeblich gearbeitet. Daß Wenige, das erreicht wurde, die geringe Zahl von neuen Mitgliedern, die geringen Summen, die ihrer Kasse zugeströmt sind, liefern den Beweis, daß der sozialdemokratischen Frauenbewegung der richtige Boden fehlt. Was nützt es denn, wenn irgendwo in Hinterpommern ein paar Frauen gewonnen werden, während man in Ländern wie Hessen und Baden gar nicht Fuß zu fassen vermag? Den im Erwerbsleben stehenden Frauen fehlt das Gefühl für die Notwendigkeit des Zusammenschlusses zur Erreichung besierer Lebensbedingungcn. Dieses Gefühl hat die Gewerkschaften und durch diese die Sozialdemokratie großgemacht; der Mangel an diesem Gefühl verdammt die sozialdemokratische Frauenbewegung zu einem armseligen Vegetieren.
Die Schlagworte von der freien Liebe und dem Recht der Mutterschaft verfangen wohl bei einzelnen Frauen, aber im Grunde hat die deutsche Frau doch für die Ideale der Sozialdemokratie, für kasernierte Kindererzlchung und dergleichen nur sehr wenig übrig. Mit welcher Lauheit sind diese Fragen doch sogar in Mannheim behandelt worden! Die freie Frauenbewegung bietet den Frauen mehr als die Sozialdemokratie, und darum finden sich die Frauen lieber zusammen ohne sozialdemokratisches Grundprogramm, auf einem Felde, das der Individualität des Einzelnen mehr zusagt. DaS weiß man in sozialdem. Kreisen sehr wohl, und auch darum steht man den Frauen kühl gegenüber. Man läßt sie wohl mitlaufen, man hat nichts dagegen, wenn sie für die Partei flott agitieren, aber sonst hat man wenig Interesse an ihnen.
Die bürgerlichen Parteien sollten sich daraus Lehren ziehen. Die deutsche Frau muß für das Parteileben erst erobert werden, und die deutsche Frau wird sich selbstverständlich der Partei zuwenden, die ihr am meisten bieten kann. Dr. Heim, der bekannte bayerische Zentrums abgeordnete, will sich für das aktive und passive Frauenwahlrecht einlegen. Damit ist bei den Frauen etwas zu gewinnen, nicht aber mit Versprechungen auf ferne Zukunft hinaus.
Daß für die Frauen etwas geschehen muß, um sie gleichberechtigt mit dem männlichen Geschlecht zu machen, wie sie es in unserer Zeit fordern kann, das haben sie oft genug betont. Die Sozialdemokratie tut nichts, um der Frau das aktive und passive Wahlrecht, diese erste Grundbedingung, zu sichern, also muß ihr' von anderer Seite der Wind aus den Segeln genommen werden. Unter den gegebenen Umständen ist das nicht schwer. Wenn heute im Parlament von einer bürgerlichen Partei die politische Gleichberechtigung der Frau verfochten wird, dann wird diese Partei einen sehr großen Teil der deutschen Frauenwelt hinter sich haben — auf Damen wie Frau Rosa Luxemburg kann nian ohne weiteres verzichten. Werden die bürgerlichen Parteien diese Konsequenzen aus der Mannheimer Tagung sozialdem 0 k r a t i s ch e r F r a u e n ziehen?___________________________________
Not-Heidelberg.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
8. u. H. Heidelberg, 27. Sept.
Alt-Heidelberg die Feine mag heute ein erstauntes Gesicht gemacht haben. Die engen Straßen der lieblichen Neckarstadt, wo sonst der frohgemute Bursch mit seiner Käte und seinem Köter zu flanieren pflegt, erdröhnten heute vom Schritte der aus Mannheim anrückenden Arbeiterbataillone und statt des „Gaudeamus igitur“ stieg die Marseillaise im „Perkeo*, im „datier* und wie die anderen ehrenfesten Trinkstätten Al^Heidelberg sonst noch heißen.
Der Parteitag hatte trotz, der großen Netirade Bebels vor dem' Massenstreik diesen in die Tat umgesetzt und „alle „Reder* standen still". Da glücklicherweise die Männer vom rollenden Rade sich der sozialistischen Massenstreikstheorie noch nicht zugewandt haben, so wurde der Ausflug nach Heidelberg nicht illusorisch gemacht durch den Stillstand der Eisenbahn, die heute dem Ansturm der „Generalstreikler" kaum gewachsen war.
Um */, 3 Uhr nachmittags setzte sich der Extrazug mit den „Genossen* vom Mannheimer Hauptbahnhof aus in Bewegung.
Echt demokratisch ließen sich alle, selbst die Parteimillionäre, in die bescheidenen Wagen dritter Güte pferchen, und seufzend mag mancher Geldsackhüter der weichen Polster seiner Chaise gedacht haben. Nur die ReichStagsabgenordneten hatten sich in bessere Wagen absentiert. 9htc die „bösen Buben* der Partei, Heinrich und Lily Braun, das Schmerzenskind Stampfer und manches andere enlant terrible waren fern geblieben. Eingepfercht wie die Heringe schäkerte und lachte man doch nach Herzenslust. Aller Parleihader war vergeßen und lächelnd schauten sich Genosse und Genossin ins Auge.
In einer verschwiegenen Ecke saßen Rosa Luxemburg und Genosse Stadt Hag eii in traulicher Abgeschiedenheit Hand in Hand, zärtliche Blicke tauschend. Lange schwere Monde der Trennung sind für die beiden nun vorüber, drum war niemand taktlos genug, diese Zwiesprache zu ftören.
Scherzend und plaudernd entstieg man dem Zuge und in willkürlich sich bildenden Gruppen stieg man zum Schloß hinan. Oben teilte man die Schar in Kompanien von 40 bis 50 Mann. Dabei ließ sich die Stimme eines Berliner Genossen vernehmen — e§ war wohl der Zehn-Gebote-Hosf- mnnrt—: „Ick habe Durscht, wo iS denn man blos die be- riehmte Restauration, von die man in die letzten Wochen so ville jehecrt hat?" — Aber ein würdiger Parteibudiker außer Dienst sagte mißbilligend: „Det kommt nach, ersc^'t wat vor die Bildung!"
In der Zw 'chenzeit arrangierte Dreesbach photograpische Aufnahmen vor dem Otto-Heiurich-Bau.
ES war ein gelungener Ausflug, daran ist nicht zu ziveifeln. Um die Mitternachtsstunde war bei dem Festkommers in der Stadthalle keinerlei Differenz zu spüren. Es war alles eitel Freude und Wonne — und morgen wird der Massenstreik begraben.
Iie rujstjche Revolution beginnt eine Landplage für Westeuropa zu werden. Dies zeigt sich vor allem in der Ueberschwemmung Deutschlands, Oesterreich-Ungarns usw. mit zweifelhaften Elementen, die sich aus Rußland flüchten und uns keine besondere Achtung vor jenen Leuten einflößen können, welche in Rußland die Revolution machen. Andererseits beweisen auch der Mord in Interlaken (die Mörderin ist übrigens einer schweizerischen Irrenanstalt Angeführt worden), der versuchte Vantenraub in Stockholm und andere Vorfälle, mit welchen Gefahren das mörderische Ringen der Revolution uns bedroht.
Am schlimmsten scheint aber die habsburgische Monarchie daran zu sein, wo sich in Galizien ganze Banden aus Rußland geflüchteter Revolutionäre aufhalten, die das Land unsicher machen und RaubanfäLe ausführen. In Biala wurden kürzlich ein Polizist und ein Holzhändler von Flüchtlingen erschossen. In Krakau vergeht seit zwei Monaten fast kein Tag, ohne daß von russischen Revolutionären irgend ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt wird. Der Bevölkerung, insbesondere der Kaufmannschaft, hat sich dort eine förmliche Panik bemächtigt, denn in wenigen Tagen wurden außer vielen Läden nicht weniger als drei Kasten erbrochen und ausgeplünoert. Im österreichischen Abgeordnetenhause sind diese Vorfälle in Form von Jnterpellcv- ttonen der Regierung zur Kenntnis gebracht worden, aber es scheint, daß die staatlichen Behörden in Galizien aus Furcht, das österreichische Polentum zu beleidigen, nicht die nötige Energie in der Unschädlichmachung dieses Gesindels in Rußland entfalten. Die scheußlichen Attentate, die Brutalitäten und Grausamkeiten der lettischen Revolutionäre gegen unsere Stammesgenossen in den Ostsee- provrnzen haben in Deutschland die anfänglichen Sympathien für die russische Revolution schon ohnehin bei allen Einsichtsvollen längst vollkommen vernichtet.
Geheimnisvolle Gerüchte, die etwas Beunruhigendes an sich haben, gehen übrigens wieder einmal um und werden von gewisser Seite leider von Darmstadt aus genährt. Es heißt, unser Gro ßherzog habe die Absicht, mit dem Zarenpaare irgendwo zusammenzutreffen. „Manche", so wird uns heute aus Darmstadt wörtlich geschrieben, „wollen sogar wissen, daß der Kaiser von Rominten ebenfalls inkognito sich zum Zaren begeben und gleichzeitig mit dem Groß Herzog dort (Wo? D. Rd.) sein werde. Was daran richtig und imvieweit es Kom- bination (ist, läßt sich jetzt noch nicht sagen, das kann erst in einiger Zeit definitiv milgeteitt werden." Dem zweiten Satz stimmen wir aber gern bei, der erste Satz aber scheint uns wieder einmal wilder Reporterphantasie entsprungen zu sein, ohne daß sich sagen ließe, wer denn „Manche" sind. Die Gesellschaft des Zaren ist zurzeit ihres Lebens leider weniger sicher denn je. Schon darum möchten wir an die Wahrheit derartiger Gerüchte nicht glauben.
Ein Kopenhagener Blatt verbreitet heute die Mitteilung, wonach Zar Nikolaus nebst Familie noch vor Mitte Oktober dem dänischen Königshofe einen Besuch aus Schloß F redens borg abstatten werde. Die Mitteilung wird, wie es heißt, von dem dänischen Hofe nahestehender Seite bestätigt mit dem Hinzufügen, daß die russische Kaiserin-Witwe anläßlich der bevorstehenden Ankunft des Zaren ihre Abreise von Kopenhagen aufgeschoben habe. Wenn dem so ist, dann wäre die angeblich mysteriöse Reise unseres Großh-erzogs doch erst zum Oktober zu erwarten. Uns scheinen aber alle diese Meldungen der Beachtung kaum wert, und wir geben sie nur wieder, weil zahlreiche andere Blätter ohne Kommentar sie wiedergeben werden.
In Peterho f wurde eine Dame arretiert, die sich als gefährliche Anarchistin erwies. Sie wurde unter starker Eskorte in der Petersburger Festung interniert. Zehn Gendarmen zu Pferde begleiteten den Wagen. Zn Kronstadt gelang es ebenfalls, 14 Revolutionäre zu verhaften, die eine Haustypograpyie zur Verbreitung auf
rührerischer Schriften besaßen. Auf der Batterie 4 in Kronstadt liegen 100 Mairojen in Ketten, die ihre Abfertigung zur Zwangsarbeit in Sibirien erwarten.
In Budbahren (Livland) drangen Revolutionäre in das Gemeindehaus ein, stahlen dort die Paß- Blanketts und das Am tS siegel. — Wegen des Som* ben-Anschlages auf der Rigaer Straßenbahn wurde der polnische Kleinbürger Adamus vom Feldgericht zum Tode verurteilt. Die Fabrikarbeiter Rigas boyko.tieren unter dem Druck der Terror sten die Straßenbahn. Sonntag Nacht wurde wieder ein Leitungsmast der Straßenbahn durch eine Bombe zerstört.
Im Kreise Jamburg (Gouvernement Petersburg) sucht eine Bande bon etwa 20 Esthen die Bevölkerung dadurch zu terrorisieren, daß sie Brandstiftungen auf großen Gütern verübt, und hat das in bereits acht Fällen getan. Zu den geschädigten Gutsbesitzern gehören Varon Mttler-Lakomalsu, Fürst Obolenski und Frau von Giers. Ter Aufenthaltsort der Bande ist noch nicht ermittelt.
In Seszakowa (Galizien) überfielen neuerdings ruf]". Räuber die Bahnpost des Lemberg—Seszakowaer Zuges und raubten gegen 6000 Kronen, 18 Wertbriefe und über 200 gewöhnliche Briefe.
Politische Lagesscharr.
Lie Sterblichkeit der Landbevölkerung.
Interessante Beobachtungen über die Sterblichkeit in den land- und forstwirtschaftlichen Berufen finden sich in einer Abhandlung von Dr. Andrae. Man hat sich daran gewöhnt, die Sterblichkeit der Landwirte im allgemeinen als relativ nichtig anzusehen. Deshalb überrascht es, daß hier aus den Erfahrungen der Gothaer LebenSoersicherungsbank, die sich auf einen Zeitrauin von 75 Jahren, von 1829 bis 1903, erstrecken, andere Schlüsse gezogen werden. Die landwirtsch. Bevölkerung weist in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung eine so verschiedene Struktur auf, daß zu einem Einblick in die wirkl. Verhältnisse eine genaue Klassifikation nach Berufen gehört. Man muß Großgrundbesitzer und landwirtschaftliche Beamte einerseits von dem Mittelstand (Hofbesitzer, Bauerngutsbesitzer, Hufner, Ackerbauer rc.) scharf scheiden, und da zeigte sich, daß der Mittelstand, der doch eigentlich als Repräsentant der landwirtschaftlichen Berufe anzusehen ist, eine die normale Sterblichkeit um 4,6 Proz. überschreitende Mortalität aufweist. Der Landwirt muß sich jederzeit auf freiem Felde, bei Wind und Wetter, den schwersten körperlichen Anstrengungen unterziehen, und e3 scheint, daß hierdurch die Vorteile des Landlebens, die naturgenläßere Lebensweise mehr als wett gemacht werden. Ein noch ungünstigeres Bild zeigt sich, wenn man die Brenner und Landwirte, welche Brennereien, Brauereien und Gastwirtschaften betreiben, zu einer besonderen Gruppe zusammenfaßt. Hier ergab sich eine Uebersterb- lichkeit von bis zu 22,5 Proz. Auf der anderen Seite deckt sich die Sterblichkeit her Großgrundbesitzer und Beamten im Durchschnitt mit der allgem. Sterblichkeit. Als gesundheitlich besonders günstige Berufe erweisen sich diejenigen der Gärtner und Forstbeamten, wobei allerdings nicht außer Acht gelassen werden darf, daß sich dem Berufe des Försters nur besonders kräftige Personen widmen, unter denen noch z. T. von Seiten des Staates eine Auslese stattsindet. Auffallend erscheint auch, daß die Sterblichkeit der Landbevölkerung im Süden Deutschlands wesentlich ungünstiger ist und um etwa 13 Proz. die Durchschnittssterblichkeit in sämtlichen Gebieten überschreitet. Diese Mehrsterblichkeit in S üddeutschland, welche sich übrigens auch auf die Geistlichen und Lehrer, die auf hem Lanhe wohnen, erstreckt, wirb auf häufigere Erkrankungen her AtmungS0rgane, sowie aus Einflüsse hes Klimas unb her Lebensweise zurückgeführt.
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6in „reichsverdroffener" Tourist.
R. Berlin, 27. Sepü Man schreibt uns von geschätzter Seite: , Der als Spezialist für englische Philologie internationalen Ruf genießende Professor Brandl von der Berliner Universität — beiläufig ein Schweizer von Geburt — macht in der Presse Mitteilung von einem Vorkommnis in Tirol, das über die akademischen Kreise hinaus interessieren durfte. Es handelt sich um die drastische Bekundung der „Reich s- v e r d-r 0 s s e n 5) e i t" eines deutschen Touristen gegenüber einem tirolischen Pfarrer. Ersterer soll gelegentlich einer politischen Plauderei dem Geistlichen auseinandergesetzt haben: die Art, wie in Berlin regiert luerbe, habe viele für die Süddeutschen verdrießliche Begleiterscheinungen, und im Ern st fall sei auf die Reichseinheit kein Verlaß. Professor Brandl meint, diese unüberlegten Worte, gesprochen in einer Gegend, in der ohnehin das Deutschtum gegen welsche Einflüsse im Kampfe steht, würden nun den ganzen Winter hindurch von Pfarrhaus zu Pfarrhaus getragen, und eine Menge Be rtrauen, das sich seit Jahrzehnten auf das deutsche Reich angesammelt hatte, zernagen.
Ob es nrotjl eines politisch erzogenen Volkes würdig sei, wesentlich durch formelle Dinge erzeugten Acrger im Auslande an die gro ße Glocke zu hängen? Die Frage stellen heißt fie beantworten. Leider dürfte jeder, der häufiger im Auslände gereift ist, bestätigen, daß die deutschen Landsleute draußen nicht immer mit der wünschenswerten Hochachtung von ihrem Vnterlande sprechen. In kritikloser Bewunderung der Einrichtungen und Gebräuche fremder Staaten leisten die Deutschen auch jetzt noch Besonderes. Aber eine so anfechtbare Aeußerung, wie die Professor Brandl von dem tirolischen Pfarrer wiedererzählte, präsentiert sich denn doch als Ausnahme. Solange in Tirol 'Reichsdeutsche Zeitungen gelesen werden, solange wird man fiu; hort auf Grund eigener Kenntnisnahme der politischen BVgehenhet-ten ein Urteil


