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Nr. 175
Erscheint tL-ttch
außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien« blätter viermal in der
Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.btei»- druckerei. R. Bange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Anzeiger Gieße«. Wk^LLZMW»»>MMI
Erstes Blutt
156. Jahrgang
Samstag 28. Juli 1906
GietzenerAnzeiger
" General-Anzeiger ö ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis: monatlich 7b Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePostDtk.2.— viertel- jährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür dre TageLnuuuner bis vormittags 10 Uhr.
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Aie Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten.
Die Aeichstagsstichwahl in Kagen-Schwelm.
Amtliches Wahlresultat. Für Bürgermeister Cuno (freif. Dpt.) wurden 21 593 Stimmen abgegeben, für den Arbeitersekretär König (Soz.) 18 717. Luna ist somit gewählt.
Bei der Ersatzwahl am 19. Juli wurden insgesamt 39 425 giftige Stimmen abgegeben. Damals erhielten: Arbeitersekretär König (Soz.) 16 298, Bürgermeister Cuno (stets. Vpt.) 11189, Arbeitersekretär Becker (Ztr.) 5086, Professor Moldenhauer (natl.) 4545, Lizentiat Mumm (christlichsozial) 2158 Stimmen. Da§ Ergebnis der Hauptwahl im Jahre 1903 war folgendes: Es wurden 36 721 Stimmen abgegeben, davon erhielten Timm (Soz.) 13 870, Richter (fr. Vpt.) 10 572, Funcke (natl.) 5786, Fusangel (Ztr.) 4526, Mumm (chr.-soz.) 1855, Chociszewski (Pole) 101 Stimmen. Bei der Stichwahl wurde Richter mit 20 988 Stimmen gewählt, Timm erhielt 15 018 Stimmen.
Die bürgerlichen Parteien haben also den Sieg über die Sozialdemokratie mit 2876 Stimmen mehr davon getragen, und anstelle des unvergeßlichen Eugen Richter zieht ein freisinniger Neuling, der Hagener Bürgermeister (Suno in den Reichstag. 10400 Stimmen mehr als am 19. Juli hat Cuno am Stichwahltage erhalten. Freilich haben sich diesmal 1034 Wähler mehr als am 19. Juli an der Wahl beteiligt. Trotzdem geht aus diesen Zahlen hervor, daß außer den Nationalliberalen und Christlich-Sozialen, den Beschlüssen ihrer Parteileitungen zufolge, auch noch weit mehr als die Hälfte der Zentrumsmannen ihre Stimme dem Freisinnigen gegeben hat. Die Zentrumsleitung hatte bekanntlich ihren Wählern völlig freie Hand gelassen und über die Hälfte von ihnen hat getan, was man von ihnen erwarten durste, sie haben nicht sich in den Schmollwinkel zurückge«g^n, wie es die kleinere „Hälfte* aus einfältig kleinlicher Revanche* heraus tat. Ein Teil der Zentrumspresse des Wahlkreises hatte noch in den letzten Tagen davor zu warnen begonnen und aufgefordert, für den Freisinnigen einzutreten. Im Interesse der Zentrumspartei liege es, den Sieg der Sozialdemokraten zu verhindern. Die Person des Gegenkandidaten oder dessen Partei könne dabei keine maßgebende Rolle spielen.
„Es kommt daraus an. dem Evangelischen Bunde und namentlich den befangenen Protestanten von Altena-Iserlohn zu zeigen, daß wir Katholiken und Zentrnmsleute bessere Bürger sind und trotz aller Reizung im Abwehrkampf gegen den Umsturz treu unseren Mann stehen. Tie Uederlegenheit des Zentrums in politischer Einsicht und Treue muß klar hervortreten, und zu dem Zwecke müßen alle besonnenen Parteigenossen mitwirken, damit der Sozialdemokrat beträchtlich überstimmt wird, so beträchtlich, daß memand behaupten kann, der Sieg der Ordnungssache sei ohne das Zentrum erfochten worden/
Ein anderes Zentrumsblatt aber schrieb:
Bei der uns genau bekannten Stimmung im Lager der Zen- trumswähler gegenüber dem Freisinn ist der weiße Zettel das A euß erste, was sich der berechtigten Entrüsttmg weiter Kreise abringen läßt. Daß es so ist, kann man beklagen; aber die Schuld liegt am Freisinn ganz allein. Mag er auch die Folgen tragen. Das Zentrum hat gewiß kein Interesse daran, daß der Wahlkreis Eugen Richters den Sozialdemokraten in die Hände fällt, und es wird am Stichwahltage sicher kein Zettel sür den Sozialdemokraten (??? Die Zahlen oben beweisen,waß an die 2000 Zentnnnswahler zur Sozialdemokratie übergegangen sind 1 D. R.) von einem unserer Parteigenossen abgegeben; aber es ist leider nach allem, was vorgekommen, unmöglich, das Gros unserer Partei sür den Herrn Ersten Bürgermeister Cuno eiuschweuken zu lassen. Alle' diesbezüglichen Versuche, die von hervorragenden Parteigenossen geistlichen und weltlichen Standes (!) gemacht wurden, sind erfolglos geblieben. Der Einfluß der Parteileitung hat gerade ausgereicht, unsere Gefinnnngsgenosien von der tatsächlichen Unterstützung der sozialdem. Kandidatur abzuhalten. Mehr erzwingen wollen, hätte das Gegenteil bewirkt.
Das war nicht gerade gar so sehr sammlungsfreundlich und antisozialistisch. Entschiedener zu Gunsten Cunos dagegen klang, was die »Germania* sagte:
»Auf die Zentrumswähler von Hagen-Schwelm sind jetzt die Augen aller gerichtet. Wir hoffen, daß dieselben vor aller Welt baö glanzende Zeugnis ablegen werden, daß sie klüger und besser sind, als die verbohrten Freisinnigen von ,Altena-Iserlohn, und zuverlassrger, als die Nationalliberalen von Essen. Tann wird die Ntederlage der Sozialdemokratie in Hagen zugleich einen Sieg nur der Ordnungssache, sondern auch des Zentrums bedeuten.
bie Wählermassen, wie 1903 in Mainz und 1906 in Darmsiabt, dem Rufe der Parteileitungen nur zum Teil folgen, hat sich hier also wieder einmal gezeigt, und wenn Zentrumsblätter, wie die „Köln. Vztg." neulich, gegen den „Bertrauensbruch" der Nationalliberalen in Mckknz u. a. O. ro?ttern, bann können sie sich an die eigene Nase fassen. Die ^äljTer lassen sich nicht blindlings von den Partei- leitungen lenken, die bekanntlich oft, wie z. B. in Darmstadt Lre dcr(L>oKialliberalen,in entschiedenem Gegensätze zur M'ehr- 1 XeT Wählerschaft ihre Paroleruse erschallen lassen, jedenfalls aber hat das Zentrum kein Recht, die „Disziplinlosigkeit" innerhalb der liberalen Parteien zu bespötteln, ■vu Zentrumswähler zeigen sich oft tveiser, rveitblickender und rveitherziger als ihre Leitung.
Hagen aber steht nach wie vor, trotz Richters Tode, Lls unerschütterliche Hochburg des „verbohrten" deutschen Freisinns da, an dessen Grundvesten der Geldgewaltige Zuncke wie der Zentrumskrieger vergeblich rütteln.
Und aitch das Häuflein der Christlich-Sozialen. Doch auch diese fomnien wohl allmählich, trotz dem von Hstof. Francke sofort gebührend erledigten Wahlvorschlags- Mumpitz des Herrn Lic. Mumm, zu besserer Ein
sicht. So machte soeben einen „Vorschlag zur Güte* der „Reichsbote*. Der Vorschlag selbst ist unS nicht neu, aber es ist neu, daß er von dieser Seite gemacht wird, von den Strengkonservativen und Orthodoxen. Denn der ,Reichsbote* ist ein Pastoren- und Junkerblatt; was er empfiehlt, ist einfach das Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie. Das haben wir schon oft, sehr oft selber gesagt. In der Begründung und in den Einzelheiten ist aber einiges enthalten, was zu beachten wäre. Der „Reichsbote* meint: Richt in die Hände der lokalen Verstände und Gelegenheitsmacher, die meist mehr oeriuirren, dürfe ein Ausgleichsoersuch der gegenseitigen Interessen auf dem Boden des Status qno gelegt werden, sondern er müßte in aller Aufrichtigkeit und Objektivität von den offiziellen Parteworständen vereinbart werden und dann auch den örtlichen Wählern zur ernsten Pflicht gemacht werden.
Ueberraschendenveise findet der vom „ReichSboten* aufgewärmte Vorschlag Zustimmung im Zentrum. Im „Wests. Merk.* sehen wir einen Leitartikel, der sich mit ihm beschäftigt. Darin heißt es:
„Die Geschichte der Zentrumspartei zeigt, daß sie sich der Idee eines Zusammengehens der bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie immer freundlich gegenübergestellt hat (Was die „Köln. Volkztg.* neulich von dem hessischen Reichstagswahlen 1908 prophezeite, klang wesentlich anders!) Wenn in .einzelnen Zentrumsblättern in der letzten Zeit dieser Gedanke weniger zu>n Durchbruch gekommen ist, so hegt das daran, daß das Zentrum üble Erfahrungen gemacht hat, dse seinen prinzipiellen Standpunkt nicht verrücken, aber doch im Herzen der Wähler, die auch (?) nur Menschen sind, einen gewißen stachel zurücklaslen.*
Organe des Zentrums und der Rechten sind für ein Zusammengehen aller bürgerlichen Parteien! Sollten sie sich die Sache so gedacht haben, daß sie dabei den Löwenanteil für sich einstecken ? Das Zusammengehen wird aber doch in vielen Kreisen erst in der Stichwahl zu empfehlen sein. Es ist auch bedenklich, daß die Verständigung auf der Grundlage des Status quo, also des vorhandenen Besitzstandes erfolgen soll. Damit verzichtet jede Partei auf Eroberung, auf Werbung, auf Propaganda. Wir möchten daher die Ausführungen gerade dieser beiden Blätter doch lieber zu den Artikeln rechnen, die im Hochsommer in abgelagertem Zustande an den Mann gebracht werden und nicht beabsichtigen, über den Tag hinaus Erwägung zu finden. Wir glauben, trotz Hagen, nicht recht an die Aufrichtigkeit dieser Ausführungen.
Aas englische I.'ottenprogramm.
London, 27. Juli.
Das Unterhaus setzte heute die Beratung der Marinebudgets fort. Heim Kapitel „Neubauten" macht des Unter» staatSsekretär Robertson eine Mitteilung über die Absichten der Regierung hinsichtlich des neuen Flottenbau- Programms. Er erinnert daran, daß das ursprüngliche Programm 4 Panzerschiffe, 5 Hochsee-Torpedobootszerstörer, 12 Küsten-Torpedobootszerstörer unb 12 Unterseeboote vorsah und daß beabsichtigt war, 4 Panzerschiffe nach dem Dreadnought-Typ zu bauen. Es sei einstimmige Ueberzeugung der Admiralität, daß es in folgender Weise einzuschränken ist: statt 4 Panzerschiffen der Dreadnought-Klasse sollten nur 3 gebaut werden, anstatt 5 Hochfee-Torpedobootszerstörern nur 2 und anstatt 12 Unterseebooten nur 8. Die Zahl der Küsten-Torpedobootszerstörer solle unverändert bleiben. Die Gesamtausgabe hätte nach dem früheren Programm 9 340000 Pfund Sterling betragen, während sie nach dem neuen Programm sich auf 6 800000 stelle. (Beifall bei den Ministeriellen.) Der Voranschlag werde im nächsten Jahre um etwa l1/, Millionen Pfund Sterling verringert werden.
Die Regierung wolle in 1907/08, anstatt mit dem Ban von vier Panzerschiffen zu beginnen, wie ursprünglich beabsichtigt war, nur zwei auf ben Voranschlag setzen, sich babei aber Vorbehalten, baß ein brittes erbaut werden solle, wenn die Haager Konferenz bezüglich der Einschränkung der Rüstungen zu keinem Resultate führen sollte. Außerdem werbe die Anfangsbaurate der Schiffe so niebrig bemessen, baß erst gegen bas Enbe bes Finanzjahres zum Bau geschritten werden könnte; auf diese Weise betone die englische Regierung, daß sie von aufrichtigen Absichten beseelt sei und wünsche, die Rüstungen zu vermindern. (Beifall.) Die Marine- sachverständigen, erklärt der Unterstaatssekretar, empfahlen die Llusführung des revidierten Programms. (Beifall bei den Ministeriellen.) Die Prüfung der allgemeinen internationalen Flottenverhaftnisse überzeugte sie, daß das Gleichgewicht der Machtverhältnisse zur See durch eine Reduktion nicht werbe erschüttert werben. Es sei Grunb vorhanben, zu glauben, daß jener Fortschritt in bem neuen Flottenprogramm ber fremben Mächte nicht eingetreten sei, ben bic Slbmiralität voraussetzte, als sie das ursprüngliche Programm aufstellte.
Im weiteren Verlaufe der Sitzung spricht sich Lee(kons.) gegen die Einschränkung ber Rüstungen aus. Seit dem ursprünglichen Programm sei eine Besserung in ben internationalen Beziehungen Englanbs nicht eingetreten. Die Frage ber Abrüstung sei vom Programm ber Haager Konferenz ausgeschlossen.
Balfour ist ber Meinung, baß ber Weg, ben bie Re- gierung eingefchlagen habe, nicht ber Weg sei, ber zum Frieden führen werde. Er stellt die Erklärungen ber Regierung über bie Vermehrung der Leistungsfähigkeit und Stärke der Flotte
unb ber Armee unb bie Erklärungen ber Regierung über bi Einschränkung ber Rüstungen einanber gegenüber.
Premierminister Campbell-Bannerman führt aus, auf bie Angehörigen ber Marine fei kein Druck ausgeübt worben, biefe hätten vielmehr -nter Berücksichtigung ber Lage ber Regierung erklärt, daß bas, was jetzt in Vorschlag gebracht worben fei, zur Aufrechterhaltung ber erforberlichen Stärke ber Flotte genüge. Er bekämpfe nicht ben Zwei- machte-Stanbard, er frage sich aber, ob bei der Berechnung dessen, maS von Frankreich und Deutschland gebaut werde, nicht vielleicht auch eine Kombination mitspiele. England werde bis 1909 bie einzige Macht sein, bie Schiffe von der Dreadnought-Klasse habe, unb zwar werbe Englanb in bem genannten Jahre deren vier besitzen, während andere Mächte erst mit dem Bau solcher Schiffe beschäftigt seien. Weder Frankreich noch Deutschland noch irgend eine andere Dl acht ständen England gleich, was Schnelligkeit und Billigkeit der Schiffsbauten an belange. Niemand hier wünscht, sagt ber Rebner, daß bie Flotte schwach sei. Wir alle finb so bestrebt wie nur irgend jemcmb, die Leistungsfähigkeit derFlotte aufrecht zu erhalten, die Leistungsfähigkeit wird aber nicht durch lieb ertr'eibung gesichert. Der Premierminister gibt' dann nochmals dem Wunsche ber Regierung Ausdruck, bem Wettkampfe in ben Rüstungen ein Enbe zu machen, unb tritt bann bafür ein, daß Englanb feine Bereilwilligkeit dazu zeige.
Hierauf werben bie Voranschläge vom Hause einstimmig angenommen.
Es verlautet, baß Abmiral Lorb Charles Beresford demnächst von dem Oberkommando der Mittelmeerflotte zurücktreten werde, um gegen das verminderte Flotten- bauprogramm zu protestieren.______________________________
Rußland am Scheidewege.
Französische Blatter lassen sich aus Budapest melden^ daß der russische Hof bei einer dortigen Fabrik ein Automobil anfertigen lassen, das für ben persönlichen Ge-, brauch des Zaren bestimmt und in so riesigen Dimensionen gehalten sei, w-ie sie bisher in der Automobil-Industrie kaum vorgekommen sein dürften. Das Fahrzeug kostet ungefähr 100000 Mk. unb die Wände sind samtlich mit starken Metallplattenbelegt. Das Auto^ mobil enthalt in der Form eines Eisenbahnwagens mehrerei an einander stoßende Räume, ein Kärpee für die kaiserliche Familie, eine Abteilung zum Schlafen unb anbere für bad’ Gefolge, Küche unb Dienerschaft, sowie auch reichlich Platz^ für das Gepäck.
Der Zar beauftragte die Tomänenverwaltung, die Liste derjenigen Kronländereien vorzulegen, welche: zur Verteilung an landarme Bauern geeignet seien.
Der Minister des Innern fährt fort, im Einvernehmen! mit ber Regierungspartei gegen bie Revolutionäre zu arbeiten. Revolutionäre werden massenhaft verhaftet unbi beportiert. Gegen bie ehemaligen Dumaabgeorbneten richtet sich ein Manifest bes^ Ministers, ber die Indemnität unbeachtet läßt und die Betreffenden wegen ihrer Reden in ber Duma zur gerichtlichen Verantwortung heranziehen will. Stolypin gewährte übrigens einem englischen Zeitungs- korresponbenten ein längeres Interview: worin er sagte: „Wir haben in Rußland mit zwei verschiedenen Bewegungen zu kämpfen, erstens mit ber sozialistischen Bewegung! betr. bie Arbeiter- unb Agrarfrage, zweitens ber politischen Bewegung. Ich habe es wiederholt gesagt, daß wir bie Reaktion aus unserem Programm aus geschaltet haben und unsereReformen werden durchgefilhrtwerden, sobald bie Vorbereitungen dazu getroffen sind."
Ein engt. Berichterstatter meldet aus Petersburg, daß etwa 30 Personen, darunter ach t Dumamitglieder, drei Professoren, fünf Rechtsanwälte im Hause des Professors Borestens verhaftet wurden, als sie Mitteilungen über die Vorgänge in Wiborg erhielten. Auf VorsteNung ber britischen Botschaft wurde ber Berichterstatter ber „Tribüne", der ebenfalls verhaftet würbe, nach einftünbiger Haft fteigelassen. Die anberen sind noch in Haft.
Der Anfruf bes A'iborger Rumpf-Parlaments ruft unter ber Bevölkerung keinerlei Aufsehen hervor, veranlaßte aber Proklamationen ber Bauern, des Post- und Bahnverbandes unb ber sozialistischen Partei, bie zur Steuer- unb Rekruten-Berweigerung, zum Kaiser- mord, zum bewaffneten A u f ft a n b unb zum Generalstreik aufrufen, sobalb bie richtige Zeit dafür geEommen sei.
In Woronesch verübten ausstänbische Bauern viele Schreckenstaten, inbem sie von Gut zu Gub zogen, plündernd, brennend und morbenb. Das Schloß be5 bekannten konservativen Schriftstellers Fürsten Met- sch er ski wurde von Bauern angegriffen. Das Menst- personal des Fürsten verteidigte das Schloß mit großem! Mut unb hielt die Angriffe bret Tage lang zurück. Schließlich würben die Verteidiger überwältigt unb getötet, bas Schloß nieberge6rannt. Ter Fürst selbst weilt in Petersburg.
In Lobz steckten streikende Arbeiter bie Fabrik Wojbys- lawski in Branb. Der Schaben beträgt 75 000 Iftlbel. Auch das Rittergut des reichen Besitzers Palkowski wurde über fallen unb taufenb Rubel Papier gelb unb Wertsachen geraubt.__
Deutscher Reich.
Berlin, 27. Juli. An die verivitwete Freifrau o. der Goltz ist aus Anlaß des Ablebens ihres Gemahls, des


