Ausgabe 
27.3.1906 Erstes Blatt
 
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Dbg. Bebel '(<Ao-.) führt aus: Darüber, bdb die Vorlage Ännahmc finden wird, haben die Kommiffionsberatungen feinen Zweifel gelassen. Sie -zeigen, das; die einzige ablehnende Partei die Sozialdemokratie ist. Die Agitation des Floltenvereins be­deutet eine Anklage der Marinebehördc allerärgster Slrt. Wenn in einem Flugblatt? dieses Vereins gesagt wird:Jin Kriegsfälle werden 9000 deutsche ^tefcufe wie bei Tsuschima nutzlos in den Tod getrieben: die jel-äge Vorlage verlange nur die Schale, nicht den Kern und&e die Stimmung des Volles nicht aus, sie bedeute eine Vernachlässigung des Lebensinteresses der ttertion", so lueift ich nicht, wie man staafsgefäh'rlichrr agitieren ffann. In der WienerPonttnimoit bemüht man sich, nm einige ^Millionen für den Reick^säckel zu gewinnen, hier aber liegt das Geld auf der Straße. Die Arbeite;; müßten wirtlich sehr dumme Kerle sein, wenn sie unsere Haltung nicht verstehen würden. Per Schutz deß S?aitb?l§ liegt auch in unserem Interesse. Die ^nternatwnalc Svsialdcmokrotie hat das höchste Interesse an der Entwickelung deS internationalen Verkehrs. Tie Steigerung des deutschen WelthandeV seit 1896 ist aber mit der Flotten- und Kiolonialpoliti!' nicht in Zusammenhang zu bringen. Unsere aus- iwärtige Politik hat unS das Mißtrauen des Auslandes ein- gebracht, fod"ß wie vollständig isoliert sind, Rußland, Frankreich und England geschlossen gegen uns haben und uns auf den Trei- Dund nicht verlassen können.

Staatssekretär v. Tirpitz: Die Zeiten und Bedingungen Huben sich für die Flotte geändert, deshalb haben sich auch die Anschauungen der früheren Flotteugegner. soweit sie auf natio­nalem Standpunkte stehen, geäzidert. Allerdings gehört Herr Bebel nickt lsterzn, und ich glaube auch, daß er mit seinen Partei­genossen nicht ganz einig dasteht. (Zuruf: Aber sehr!) 9?int, dann weise ich darauf hin, daß die sozialistischen Monatshefte lernen entgegengesetzten Standpunkt in einem Artikel einnehmen, in welchem darauf hingewiesen wird, daß man die Beschränkung des Flottenbaues nicht auf das eigene Land begrenzen soll. Diese Aeußcrung beweist, daß nicht die ganze Partei hinter ihrem Chef steht. (Heiterkeit.! Die Bezeichnungschwimmende Särge" für alte Kriegsschiffe, die tat mahl ich nur sür gewisse lokale Zwecke verwendet werden, ist als ein Schlagwort auszufassen, wenn auch meiner Ansicht nach als ein bedauerliches. Ter Hinweis auf dieSplendid Isolation" sollte dock für Herrn Bebel die Kon segnen.; bieten, daß nun erst recht die Flotte schleunigst aus­gebaut werde. (Lebhafter Beifall.)

Darauf wird ein von allen Parteien unterzeichneter schleuni­ger Antrag angenommen, wonach während der Erkrankung deS Vizepräsidenten Dr. Paasckc der Abg. Büsing mit diesem Amte betraut wird.

Hierauf vertagt sich das Haus auf Morgen. Dritte Lesung her Kamerunvorlage und Fortsetzung der heutigen Lesung.

Ausstände in der Provinz Sachsen.

Weißenfels, 26. März. Für beit Beschluß, in den sofortigen Ausstand zu treten, stimuttcn in den gestrigen Versammlungen der Bergarbeiter des Mitteldeutschen Br aun kohlen g e b ietes der Arbeiter. Ter Beschluß erfolgte, weil die Grubenbesitzer üblehnten, über die Forderungen der Arbeiter in Ver­handlungen einzutreten. Tie Forderungen sind: Kürzung der Schicht, Abschaffung der Frauenarbeit und Ueberarbeit, Festsetzung eines Minoestlohues für (Gedingearbeiten von *,50 Mark für Verheiratete bis herab auf 3 Mark für Arbeiter unter 18 Jahren, Aenderung von zehn Para­graphen in der Arbeitsordnung, Aushebung der Afrbeitcr- aussperrungen, Anerkennung des sozialdemokratischen Berg- arbeiterverbandes als Vertreters der Belegschaften. Tie -Grubenbesitzer lehnten die Verhandlungen hauptsächlich des­halb ab, weil die bestehenden Arbeiterausschüsse umgangen worden seien und eine besondere Kommission mit der Ein­deichung der Forderungen betraut worden sei.

Zeitz, 26. März. Gestern nachmittag fanden in dem Braunkohlenrevier von Meuselwitz und Zeitz Bergarbeiter-- Versammlungen statt, welche sämtlich beschlossen,' heute in den Streik zu treten. Bis heute mittag streikten 8000 Mann.

Magdeburg, 26. März. Tie L o h n s u h r--An g e- stellten und Möbel-Transporteure sind zwecks Erzielung eines' Lohntarifes in den Streik getreten.

Die Feuerbestattung in Sachsen.

Tic erste sächs. Kammer nahm, wie gemeldet, fast ein­stimmig den die Feuerbestattung in Sachsen zulassenden (Gesetzentwurf der Regierung an, und zwar mit zwei nicht unwesentlichen Aenderungen der Gesetzgebungskommission, welche die Bestimmung:Krematorien dürfen nicht in der ylähc christlicher Friedhöfe angelegt werden", dahin abu geändert hatte, daß nur die Anlage auf solchen untersagt wird, und ferner das Einspruchsrecht fedes einzelnen der nächsten Angehörigen gegen die letztwilligc Verfügung des Verstorbenen hatte fallen lassen. Es soll sein Bewenden bei der Bestimmung haben:Antragsberechtigt ist jeder Beerdigungspflichtige". Tie Regierung sowohl wie die meisten Redner stellten sich auf den Standpunkt, daß die Feuerbestattung zwar nicht der christlichen Sitte entspreche, Paß aber nach der Entscheidung des Obervcrwaltungs- igerichts ein gesetzliches Verbot derselben nicht zu begründen sei. Ties erkannten auch die geistlichen Mitglieder der Kammer an; nur der Vertreter der katholischen Kirche be­tonte, daß diese die Feuerbestattung verbiete. Sb es nun den evangelischen Geistlichen Sachsens in Zukunft gestattet sein wird, bei dem VerbrennungSakt selbst zu fungieren, während sie jetzt nur bei der außerhalb des Krematoriums ivoraufgehendcn Tranerscier ihres Amtes walten dürfen, darüber hat die nächste Landessstnode zu entscheiden. Für die erweiterte Beteiligung der Geistlichen traten die Ober­bürgermeister von Chemnin und Zwickau ein, dagegen der Vertreter des Kirchenregiments und der Leipziger Theologie- Professor Geh. Krrchenrat D. Hofmann. Ter Gesetzentwurf hat noch die zweite Kammer zu passieren, seine Annahme gilt aber als sicher.

Ares Stabt imfc Land.

Gießen, den 27. März 1906.

L. U. Landesuniversität. Dem Assistenzarzt an der medizinischen Klinik Tr. Demeter 9iiltcc von Tabora wurde die venia legendi für das Fach der inneren Medizin erteilt. Seine Habilitationsschrift handeltUeber die Be­ziehungen zivischen Magensafksekretion und Darmfäulnis."

* Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben der JnstilulSvorsteherin Marie Ne in eck in Darmstadt die goldene Medaille deS LudwigSordens verliehen.

* * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Ministerialkanzlisten bei dem Ministerium der Finanzen Karl rtlinß zum Ministerialkanzlisten bei dem Etaats- ministerium ernannt.

Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Boss in gen, Kreis Gießen. Mit der Stelle ist Organisten- dwnst verbunden. Dem Fürsten zu SolmS-HohensolmS-Lich fte^t das PrnsentationSrecht zu.

* * Gewerbebank Gießen. Tie 47. ordentliche Generalversammlung der Gewerbebank Gießen, E. G. m. u. H., sand um Montag abend im Saale des Aotel Einhorn statt. Ter Vorsitzende des Aufsichtsrats,

L. Petri IL, wies in seiner Eröffnungsansprache aus die erfreuliche Tatsache hin, daß sich die Bank auch im abge- laufeuen Geschäftsjahr weiter entwickelt, der Rechnungs­abschluß einen höheren Reingewinn ergeben habe. Es sei dies ein Zeichen nicht nur des wirtschaftlichen Aufschwunges, sondern auch des Vertrauens, das das Institut beim Pu­blikum genieße, und besonders der guten Geschäftsführung der Beamten, denen er an dieser Stolle den verdienten Tank abstatte, ebenso dem Aufsichtsrate, dessen satzungs­gemäß ausscheidende Mitglieder er zur Wiederwahl em­pfehle. Tie Bücher und Bestände der Kasse seien bei mehr­fachen unvermuteten Revisionen in bester Ordnung be­funden worden. Direktor Loos berichtet darauf aus­führlich über die einzelnen Positionen des Rechnungs­abschlusses und bemerkt, daß die Bank den Ansprüchen, die die fortschreitende Entwicklung des Verkehrs in Be­ziehung auf Handel und Gewerbe in unserer Vaterstadt an sie gestellt, vollauf gerecht wurde. Tie Ausführungen, die Direktor Koos über die Aufgaben der Bank, die Grundsätze der Kreditgewährung, die Ausmessung der Vergütung für die Geschäftsführung bei Darlehen und Einlagen machte, erweckten das Interesse der zahlreich Erschienenen und fanden lebhaften Beifall. Tie Rechnung, die als besondere Bei­lage des Gießener Anzeigers den Mitgliedern zuoegangen war, wurde, genehmigt und damit dem Vorstande und Auf­sichtsrate Entlastung erteilt. Tie Verteilung des Reingewinnes im Betrage von 70 411,08 Mk. veranlaßt eine längere Debatte bei Punkt 4: Zuwendungen für gemeinnützige Zwecke. Während dem Vorschläge des Aufsichtsrates, 1000 Mk. dem Gcwerbeverein, 400 Mk. dem Kaufmännischen Verein für sein Lehrlingsheim und Biblio- ihek, 100 Mk. dem Lesehalle-Verein, 100 Mk. der Elisabeth- >iinderschule zuzuweisen zugestimmt wurde, wurde wegen der Zuwendung von 1100 Mk. an die Theaterbaugesellschaft von Stadtv. Schm'all beantragt, diesen Betrag zu teilen und von der Hälfte 350 Mk. dem Mgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege und 200 Mk. dem Verein für Krankcnpslege zuzuweisen. Justizrat Dr. 6su t fleisch ver­trat den .Standpunkt des AufsichtsratS; die EKwerbebank werde mit einem Beitrag von 1100 Mk. Mitglied der Theaterbaugesellschaft und sichere sich damit einen Einfluß auf das Unternehmen; er beantragt, die 1100 Mk. der Theaterbaugesellschaft zu überweisen und um den Betrag von 600 Mk. die Zuweisung zum Reservefonds II zn kürzen; davon sollen 350 Mk. dem Allgemeinen Verein sür Armcn- unb Krankenpflege und 250 Mk. dem Verein für Kranken­pflege überwiesen werden. Dieser Antrag wurde, nachdem sich Stadtv. Schmall damit einverstanden erklärt, angc- genommcn, desgleichen der Vorschlag 5 des Aufsichtsrates, den Mitgliedern 6V2 Proz. Dividende zu gewähren und zwar aus 561902 Mk. mit 36 523,63 Mk. Bei der nun folgenden Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern wurden die ausscheiden- den Herren Petri II., Karl Berg, Daniel Heil, Friedrich Helm, Karl Leib wieder-, Friedrich Krogmann neugewählt. Der Vorsitzende nahm hierauf Veranlassung, der Versamm­lung für das durch Wiederwahl der ausgeschiedcnen Auf­sichtsratsmitglieder belvndete Vertrauen zu dauken und schloß daraus die Versammlung.

Bad-Nauheim, 24. März. Ende voriger Woche wurde die Einwohnerschaft dadurch beunruhigt, daß man einen 17jährigen 2)2nun im Kurpark überfallen und gestochen haben sollte. Nach längerem Bemühen ist cs jetzt der Polizei gelungen, die Sache dahin anfzuklären, daß der angeblich Ueberfallene eingestand, den ganzen Ueberfall erdichtet zu haben. Den Stich in seine Kleidung hat er sich selbst beigebracht.

J-f Ulfa, 26. März. Trotzdem die Preise für die fetten Schweine in letzter Zeit etwas gesunken sind (54 bis 56 Pfg. Lebendgewicht), so wurden auf dem heutigen Schweinemarkt Ferkel und Einleger sehr hoch bezahlt; erstere kosteten, 6 bis 8 Wochen alt, 48 bis 70 Mk., letztere 125 bis 145 Mk. das Paar. Es waren etwa 200 Stück aufgetrieben, die sämtlich abgesetzt wurden.

1. Nidda, 25. März. Anläßlich des Scheidens der Beamten der seither hier stationierten Großh. Eisen bahn - bauabteilung fand am Samstag abend im Gambcinus ein AbschiedSkommerS statt.

)( 92 i b b a, 24. März. Unsere höhere Bürgerschule wird mit Ostern eine neue Lehrkraft erhalten, durch die cS möglich wird, die gemeinsamen Abteilungen der Unterklassen zu kennen und somit den gesetzlichen Unterbau einer nach oben erweiterungsfähigen Schule zu schaffen. Für Naurn ist gesorgt durch den neben dem alten Cchulhaus aufgeführten sJiciibQu, der im Frühjahr fertig gestellt werden wird. Heute fand hier, verbunden mit einer reichhaltigen 2111 § » stellung von Schülerarbeiten, die Schlnßfeicr der hies. Gewerbeschule statt. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Möbelfabrik Ningshauscn wurde unter Führung des Hauptlehrers Höhn zur Erläuterung deS Lehrgangs der Schule ein Rundgang durch die Aus­stellung angetretcn, worauf ZeugniSoerteilung und Oesfnung der Preisaufgabcn stattfanb. Hauptaufgabe war eine Frieb- hofskapelle für 92idba. Den 1. Preis erhielt Kaiser an5 Fauerbach. Die Ausstellung legt ein beredtes Zeugnis für die (Gewissenhaftigkeit der Lehrenden wie der Lernenden ab, und bei dem nachfolgenden gemütlichen Zusammensein durfte LaudtagSabg. Erk mit Recht sagen, die Gewerbeschule zu Nidda stehe in Hessen mit in erster Linie. Die Schute war von 30 Schülern, die SonntagSzeichcnschule von 148 Schülern und die 2lbendschule von 25 Schülern besucht. Tie Aus­stellung ist noch 8 Tage geöffnet. Heute fand im Saale Kraft eine Versammlung der Bürger m eister des Kreises Büdingen unter dem Vorsitze des KrciSrats Boekmann statt.

[] Gladenbach, 25. März. Der junge Mann auL Oberscheld, der vor einigen Tagen aus Unvorsichtigkeit von seinem Freunde mit einem Tesching in den Kopf geschossen wurde, ist gestern früh gestorben.

ff Laasphe, 25. März. Vorgestern wurde in einer Eisengießerei in Weidenau der dort beschäftigte Former Weiß aus Netphen durch einen umstürzenden Maschinenteil auf der Stelle getötet. An demselben Tage ver­unglückte in der Grube Storch und Schöneberg der Berg­mann Schmidt aus Niederndorf durch herabfallenbes stein, baS ihn ebenfalls auf der Stelle tötete.______________

Eilt Mörderehepaar vor dem Schwurgericht.

(Unberoehtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Wien, 26. März.

Unter 'einem vußeroidcutlick großen Andrang dcZ Pnbli- kumZ wurde vor dem hiesigen Scknmrgcricht der Mvrdp-i'o^es; gegen das Eh-epaar Pru gl verhanoctt. Dem Angeklagten wird

vorgeioorfen, im August vorigen Jahres das Dienstmädchen Berta bin um gebracht zu haben, nm sich in den Besitz ihrer Barsckaft zu fetzen wobei ihm seine Frau Beihilfe geleistet haben soll.

Am 28. August v. I. entdeckte ein K'nabc Beim Spielen im Gebüsch des' Schönbrunner Parks die bis auf das Hemd ent­kleidete Leiche cin-S jungen Mädchens mit klaffender Wunde aw Kopfe und Str^ngulationszcicken am Halse. Dis Mädchen inus-te an einer anderen Stelle ermordet fein, da fick am Fund­ort keinerlei Blutspuren vorfandcn. Einige Zeit 'nach Bekannt- wcrd-n des rätselhaften Lcickenfundes erzählte eine Fran .Wanba, ihre Nackbarn hätten vor einiger Zeit den Besuch eines jungen Mädchens gehabt. Die Frau sei mit den Kindern auf mehrere. Stunden sortgcgang"n und von dein Mädchen selbst sei nichts mehr zu 'sehen gewesen. Vielmehr habe der Mann auf einem Schubkarren einen schweren Koffer weggeschnsit und leer zurück- gcbrocht. Die Polizei ging der Sache nach und konnte das Rätsel des Schönbrunner Leichenfundcs läsen.

Berta Böhm, ein braves 21 jähriges Mädchen, hatte ihrer Herrschaft manches I-o.hr treu gedient. Mer sie sehnte sich darnach, selbst einen Hansstand zu gründen und da sie fick 1000 KVvnen gajpart hatte, glaubte sie, eine begehrenswerte Person zu sein. Als Mittel, 11m am schnellsten zum Ziele zu koimnen, wählte sie den Weg der Zeitungsannonce:Mädckicn dienenden Standes mit etwas Vermögen, iiicbt Bekanntschaft eines soliden Herrn in fester Stellung, am liebsten kleinen Beamten, zwecks Heirat!" Der Motorführer der städtischen Straßenbahn Johann Prugl hatte das Unglück gehabt, daß ihm seine Frau überfahren wurde, was ihm beiräcktlicke Kosten an Krankenhausbehandtung ver­ursachte. Als seine F-rau in der Klinik lag, geriet Prugl auf Abwege, knüpfte Liebesverhältnisse an, versprach einer Köchin die Ehe und entlockte ihr ihre Barschaft. Als seine Frau wieder heimgekommen war, verstand es der Unmensch, die nun körperlich gebrockene Frau zur Duldung eines planmäßigen Heiratsschwindels zn bewegen. Die ganz verzweifelte Frau billigte den teustischen Plan ihres Mannes. Berta Böhni wurde doS Opfer dieses Ehepaares. Prügl meldete sich auf die Annonce hin und knüpfte mit der Böhm unter falsckiem Namen ein Verhältnis an. Berta war stolz darauf, die Fran eines Bemnten zu werden. Sie weilte die letzten Rionate vor der bereits in Aussicht genommenen Hochzeit in Schlesien bei Verwandten, wohin ihr Prügl schrieb, er sei willens ein gut gehendes Milchgeschäft zn übernehmen und brauche dazu 100 Kronen. Er hatte gehofft, Berta werde ihm das 6)eld schicken. Mer sic schrieb, sie werde das Geld selbst bringen. Und daS wurde ihr zum Verhängnis. Mit Wissen feiner Frau lockte Prugl das Mädcken in seine Wohnung. Seine Frau gibt sich für seine Schlvestcr auS und läßt die Liebesleutc allein. Llls sie fort war, verstrick erst eine halbe Stunde voll zärtlichster Licbesbetenerungen und Bitten des Mädchens, sie zu heiraten, da sie bald Mutter werde. Prugl saß grübelnd neben ihr, ihren Worten kaum zuhörend;Wenn Du mich nicht heirytest, bist Du ein Schuft!" zischelt ihm Berta in die Ohren. Da packt ihii die Wut, und im. nächsten Augenblick würgt er dass Mädchen mit seinen knochigen Händen. Er hat dem Kriminalbeamten geschildert, wie die Unglückliche nach Luft rang und stöhnte, wie ihr das Bewußtsein schlvand und wie sie zu röcheln begann. Um dieses Mchcln zum Schweigen zu bringen, holte er eine Hacke und spaltete der Armen den Schädel. Dann eignete er sich die Bar­schaft des Mädchens an. Kürz nachher kehrte Frau Prügl mit ihren Kindern in die Wohnung zurück, in der Berta Bohm ernrordet lag. Nachmittags trat Prügl wie gewöhnlich seinen Dienst an, währenddem Fran Prügl allein mit der Leiche in dev Wobninig Blieb ! Am folgenden Tage hatte Prügl ftei und wollte! die Leiche^ svrtschaffen. Er und seine Fran packten die Leiche in einen Koffer und liehen sich für 80 Heller einen Handwagen. Den Koffer mit der Leiche half ihm seine Frau auf die Straße bringen und von hier fuhr der Mörder mit der grauenhaften Last fort. Planlos irrte er durch die Straßen. Er wollte den Leichnam im Walde von St. Veit verscharren. Mer soweit kam er nicht mehr. Im Schönbrunner Vvrpark sank er vor Ermattung nieder. Weit und breit fab er, obwohl es liälter Tag war, keinen Menschen. Und da beschloß er, den Käfter im Gebüsch Zn verstecken. Er nahm die Leiche aus dem Käfter, legte sie auf den Rasen und entfernte iick, die Ermordete zurücklassend. Dort fand dann der spielende Knabe die. Leiche.

Tie grausige Tat fand vor dem Säiwurgericht ihre Sühne. Prügl ist ein mittelgroßer, untersetzter Mann mit toettergebräun» tem Gesicht, das einen ziemlich gutmütigen Ausdruck hat. Wie in der Voruntersuchung, legte er auch vor Gericht ein mnfassendes Geständnis ab. Er habe die Hände durch den Hals des Mädchens bis in den Magen gestoßen und als es noch röchelte, ityr die töd­lichen Hiebe über beit Kopf versetzt. Auch 'Frau Prügl wav geständig. Als Zeuginnen wurden mehrere Mädcken vernommen, die Prugl ebenfalls in feine Falle zu locken suchte, die aber nock rechtzeitig dem. Schicksal Berta Böhms entkamen. Dann wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt be­antragte die Bciahung der Sckuldfragen gegen Johann Prügl wegen meuchlerischen Raubmordes und wegen Diebstahls, be­gangen an zwei als Zeuginnen vernommenen Mädcken, die von Prügl um einen Teil ihrer Barsckaft gebracht worden sind. Bezüglich Frau Prügl stellte er die Hauptfrage auf entfernte Mitschuld und,, falls diese verneint würde, eine Nebenfrage, ob sie unterlassen hat, den Mord zn verhindern. Eine dritte Frage betrifft die Teilnahme <mt Raube. Die Geschworenen bejahten gegen Johann Prügl die Hauptfrage wegen Raubmordes und gegen seine Frau die Frage auf entfernte Mitschuld. DaS Gericht verurteilte daraufhin. Johann Prugl zum Tode durch den Strang, Frau Prügl zu 3 Jahren sckweren Ker­kers unter Anwendung des äußersten Milderungsrechtes.

Auösng m dkn AtMessmisreWero der Siebt Gießen.

Aufgebote.

Ain 17. März. Wilhelm Brciunsdorh Buchbinder dahier mit Elise 92au bierselbst. Wilhelm Bender, Taglöhiwr dahier mit Katharina Schwalb bierselbst. Ludwig Rährich, Stadtkafsegehilfe und Untcrcrbebcv dahier mit Elisabcthe Wilhelmine Born in Hom­berg. Am 19. März. Wilhelm Becker, Gerber dahier mit Elisa- bclb Weeg Hierselbst. Am 20. März. Ludwig Volvert, Bureau- gehilie dahier mit Katharine Brücket Hierselbst. 2lrn 21. März, ltzoorg Seivv, G5nftu)irt dahier mit Marie Musch Hierselbst. Philivo Mootz, Maurer dahier mit Karoline Stroh in Wieseck. Am 22. März. Georg Müller, Spengler dahier mit Anna Katharine Beycnbach in Lingclbach.

Chcschließuuacn.

Am 17. März. Ernst Petri, Weißbindermeister dahier mit Marie Haubach Hierselbst. Prost Dr. Wilhelm Höpsuer, Privat- dozent in Güttingeii mit Karoline Zoevvritz dahier. Friedrich Sommerlad, Pierdebursche dahier mit Eüsabethe Munker hiersclbst. Heinrich Beiienbacb, Schreiner dahier mit Marie Keiltzer in Mcrkemritz. Friedrich Keßler, Kaiserl. Buchhaltorei-Ajsistent in Hannover mit Emma Schuchard dahier.

Geborene.

Arn 8. März. Dem Fuhrmann Heinrich Ortmüller ein Sahn, Heinrich. 9lm 12. März. Dem Anstreicher und Lackierer Emil Ludwig Schweitzer eine Tochter, Emmy Anna Elisabeth. Am 13. März. Dem Händler Wilhelm 6;erstenbcrg ein Sohn, Karl Wilhelm. Dem Maurer Heinrich Schmidt eine Tochter, Margarete. Am 14. März. Dem Kaufmann Louis Schußler ein Sohu, Karl Kurt. Am 15. Marz. Dem Schneider Heinrich Heinze ein Sohn, Adolf. Dem Kutscher Friedrich Rück eine Tochter, Margarete. Am 16. März. Dem Taglöhner Nikolaus Jßley eine Tochter, Otlilie Nlarie. 9lnt 18. März. Dem Lehrer August Wehr­heim eine Tochter, Margarete Katharine Aeuuchen. Am 20. März. Dem Maurer Ludwig Frey ein Sohu, Ferdinand. Dem Schreiner Heinrich Freihöfer eine Tochter. Elisabethe. Am 22. März, Dem Fabrikarbeiter Ludwig KaL eine Tochter, Anna Emilie.

Gestorbene.

9(m 19. März. Theodor Wilhelm ülugust Heyer, 74. Jahre alt, Geheinier Farstrat i. P. dahier. Am 20. März. Eugeuie Letsch, 9 Jahre alt, Tochter des verstorbcueu Buchhalters Eugen Hermann Letsch dahier. Am 23. März. Dietrich Nehme, 70 Jahre alt, Handschuhmacher dahier.