Ausgabe 
26.4.1906 Zweites Blatt
 
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!Cir4>c unb Schule.

Aus dem Kreise Alsfeld, 25.April. Den Lehrern der Fortbildungsschulen unseres Kreises wird eine Nach­zahlung von 25 Pfg. für die Stunde bei weniger als 21 Schülern und bei mehr als 21 Schülern von 50 Pfg. zuteil. Im Kreise Gießen bezogen die Lehrer seither schon 1,25 Mk. für die Stunde. Die Vergütung für die Fortbildungsschule stand seither noch auf der Stufe, mit der sie vor 30 Jahren angefanqen. Nachdem alle Löhne, Vergütungen und Besoldung seit dieser Zeit in die Höhe gegangen, ivar es ein Akt des Ncchls und der Billigkeit eine nicht mehr zeitgemäße Vergütung etwas aufzubessern.

prall'* a l S Titel. Ten unverheirateten Lehrerinnen in Preußen ist das Recht verweigert worden, sich Frau zu nennen; ^dagegen ist die Anrede Fran den Leiterinnen der Schulen gestattet worden. So hat, wie jetzt aus Augustenburg gemeldet wird, der vreußische Kultusminister der neuen'Letterin des dortigen König!. Lehrcrinnen-Seminars, Fräulein W e n t s ch e r, der bisherigen Vorsteherin der Königin Luisen-Stiftung zu Berlin, den Amtstitel Frau Direktorin* verliehen. In Oesterreich ist dagegen auch den unverheirateten Lehreriimen der TitelFrau" verliehen worden.

Das 50jährige Jubiläum des Geh. Justizrats JöÜel in Friedberg.

(Original-Artikel desGießener Anzeigers".)

-Friedberg, 25. April.

Sein 50jähriges Berufsjubiläum beging heute der in weiteren Kreisen bekannte Rechtsanwalt und Notar, Geh. Justiz­rat Hermann Jöckel hier unter zahlreicher Anteilnahme von Vertretern der Behörden, Berufshenoffen von hier und außer­halb und der Einwohnerschaft. Der Jubilar, der sich noch großer geistiger unb (abgesehen von seiner Schwerhörigkeit) körperlicher Frische erfreut, lsatte seine reichen Gaben seit langen Jahren in den Dienst des öffentlichen Wohls gestellt und auf vielen Ge­bieten mit großem Erfolg gewirkt. Er war längere Zeit Bei­geordneter der Stadt Friedberg, seit 32 Jähren Mitglied des Meisausschusses und seit 21 Jahren Mitglied der Kreisschul- kommisiion des Meises Friedberg. Das Landtagsmandat der Stadt Friedberg, das er längere Zeit nute hatte, mußte er infolge seiner Stellungnahme zum direkten Wahlrecht bei der Wahl vor vier Jahren an den Freisinnigen Damm abtreten.

Zu der heutigen Jubelfeier erschienen schon am Vormittag die Herren Landgerichtspräsident Kullmann, Landgerichtsrat Geh. Justiz- rot Dr. Schäfer, Oberstaatsanwalt Theobald, Kreisrat Fey mit einer Anzahl Mitgliedern des Kreisausschusses und der Kreisschul­kommission. Ferner die Rechtsanwälte Justizrat Dr. Gutfleisch (als Vertreter der Anwaltskammer), Justizrat Metz (als Vertreter der Notarkammer) und Rechtsanwalt Römheld aus Gießen (als Vertreter des Notarvereins). Landgerichtspräsident K u l l m a n n überreichte dem Jubilar die Krone zum Philippsorden 1. Klasse. Namens der Staatsanwaltschaft beglückwünschte OberstaaiSanwalt Theobald den Jubilar, für die Oberbessischen Rechtsanwälte sprach der Rechtsanwalt Justizrat Dr. G u t s l e i s ch. Er über­reichte eine Blumenspende, welche Gabe er mit folgenden Worten begleitete:

Hochgeehrter Herr Kollege!

Bom Vorstände der Anwaltskammer, der Sie bereits schriftlich begrüßt hat, und ganz besonders vom Oberhessischen Anwalts­verein ist mir der angenehme Auftrag geworden, Sie zu Ihrem heutigen Jubeltage zu beglückwünschen. Sie haben Ihr ganzes Leben in den Dienst der Rechtspflege gestellt, und da Sic spezial die Rechtsanwaltschaft zu Ihrem Berufe erwählt und die Auf­gaben dieses Berufes rühmlichst erfüllt haben, so ziemt es sich ganz besonders für uns Anwälte, daß wir Ihnen herzlichen Dank sagen für die hervvrragende Art, in der Sie das Llnsehen unseres Sürndes. bewahrt und gemehrt haben.

Es ist eine lange Reihe von Jahren, auf die Sie heute mit Genugtuung zurückblicken dürfen. Die Jahrzehnte seit Ihrer ersten Verpflichtung zum Jüstizdienste waren ausgefüllt mit vieler Arbeit imb Mühe, auch mit mancherlei Sorgen, und selbst per­sönlicher Kunrmer ist Ihnen nicht fern geblieben. Um so mehr wünschen wir, daß der Mutige Tag keinen Abschluß Ihrer Arbeit bedeute, sondern daß Sie in der Frösche, die Sie sich stets bewahrt haben, noch viele Jahre mit Swen Kvllegen die gemeinsamen Aufgaben unseres' Standes noch weiterhin erfüllen zur eigenen Ehre und zur Ehre des ganzen Standes. In diesem Sinne hoffen wir auch, daß eA sticht das letzte Jubiläum ist, das wir harte mit Ihnen feiern.

Im Namen aller Kollegen bitte ich'Sie um freundliche Auf­nahme der Mumenspende, die mich begleitet und lade Sie ein, einem Feste des oberhesfischen Anwaltsvereins, das wir für Sie auf Samstag bereitet haben, Ihre Teilnahme zu schenken.

Nochmals nehmen Sie die Versicherung unseres Dankes für Ihre stete Hvchhaltung der Standesehre und unsere herzlichsten Glückwünsche!

Die Rechtsanwälte Römheld und Justizrat M e tz beglück­wünschten im Namen der Notarkammer ihr Seniormitglied und überreichten ebenfalls eine Blumenspende, endlich ließ noch da? Amtsgericht Friedberg durch Oberamtsrichter Warthorst herzliche Glückwünsche aussprechen.

Für 'das Kreisamt beglückwünschte Kreisrat Fey den Jubilar mit folgenden Worten:

Mit herzlicher Freude nehmen die Mitglieder des Kreis-Ans- schusses und der Meisschulkommission, sowie des Kreisamtes an dem heutigen Tage Anteil. Unsere besten Glückwünsche bringen war Ihnen dar. Es ist uns eine besondere Ehre, daß wir Sie auch zu den Unsrigen in der Verwaltung rechnen dürfen. Sie haben Ihre Wirksamkeit nicht auf das Gebiet der Justiz beschränkt, Sie haben auf dem Gebiete der Verwaltungsrechtspflege, der Kveis- und Gemeindeverwaltung eine ganz hervorragende und gedeihliche Tätigkeit entwickelt. Ihre vorzüglichen juristischen Kenntnisse auch auf diesem Gebiete, Jl>r Scharfblick, Ihr ge­wissenhafter Fleiß und Ihr für die Wohlfahrt der Bevölkerung in Treue schlagendes Herz, haben Sie hierzu vorzugsweise be­fähigt. Dem Kreise haben Sie in 32 jähriger Wirksamkeit als Mit­glied des Kreisausschusses und in 21 jähriger Mitgliedschaft bei der Kreisschulkommiffion ausgezeichnete Dienste geleistet für die Ihnen nicht nur die heute erschienenen Vertreter des Meises, son­dern^ die gesamte Bevölkerung des Meises Dank schuldet. Heute vor 50 Jahren sind Sie in das öffentliche Leben getreten, dieser Tag ist auch sür die Verwälttmg, die dem öffentlichen Leben an­gehört und dient und in der die Wahrung des öffentlichen Interesses eine so ausschlaggebende Richtung einnimmt, von ganz besonderer Bedeutung. Mögen Sie uns noch recht lange erhalten bleiben! Mögen Sie, wie seither mit uns wirken und arbeiten auch ferner­hin in dem Sinne, dem ich im Hinblick auf Ihre Eigenschaften und Ihr Schaffen mit den Worten Ausdruck geben möchte:

Treue fest, stets dienstbereit. Für Wohlfahrt und Gerechtiakeit!

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 26. April 1906.

* Die Schwurgerichtssitzungen der Provinz Ober- heffen für das zweite Vierteljahr 1906 beginnen Montag, 11. Juni l. I., vormittags 91/, Uhr, unter dem Vorsitz des Landrichters Brüel hier.

** 8-wolI-Messe. Wie wir dem in derKöln. Ztg.* mitgeteilten Programm für das Pfingsten in Aachen stattsindende 83. mittelrheinische Musikfest entnehmen, wird dort am ersten Tage die hohe Messe (8-moU-Messe) von Joh. Seb. Bach zur Aufführung gelangen. Es ist dies ein erneuter Beweis, wie sehr man in musikalischen Kreisen bestrebt ist, dies herrliche Werk des großen Komponisten, deffen Aufführung durch den hiesigen Konzertverein demnächst ja bevorsteht, ebenso populär zu machen, wie seine Matthäus- passion. Vielleicht genügt dieser Hinweis, um die Freunde des Konzert- und des akademischen Gesangvereins nochmals aus die bevorstehende Aufführung aufmerksam zu machen.

w Die Reinhardtsche Millionenerbschaft. Ueber den gegenwärtigen Stand dieser vielbesprochenen Erb­schaftsangelegenheit gehen uns von unterrichteter Seite nach­stehende Mitteilungen zu: In die Hand nahm die ganze An­gelegenheit vor ca. r/z Jahr ein Großkaufmann I. Lei­si erg in Verbindung mit dem Generalagenten A. Block, beide in Leipzig wohnbaft. Erstgenannter Herr riskiert das nötige Kapital gegen 25 Prozent Provision im Falle Erfolgs und hat mit Hilfe eines ersten Londoner An- walts bereits folgendes feststellen können: Das Erbe, das bis dato durch einen Nachlaßpfleger verwaltet wird, ist vor­handen und die englische Negierung auch bereit, es den sich legitimierenden richtigen Erben auSzuhändigen. E5 steht nur noch nicht mit unzweifelhafter Sicherheit ganz fest, welche Stämme die erbberechtigten sind, was aber in nächster Zeit festgestellt werden wird, sobald Herr Leiberg mit seinem Ur­kundenmaterial wieder nach London zu reisen im stände ist er war eine Zeit lang erkrankt. Das Resultat wird alsdann in den Zeitungen bekannt gemacht und die verschiedenen näher bezeichneten Stämme aufgefordert werden, ihre ErbeSlegitima- tionen, Stammbäume und dergl. Urkunden an die zu be­zeichnende Sammelstelle einzusenden, soweit das noch nicht geschehen. Streitig ist die Sache nur noch insofern, als zwei Linien da sind, welche den Erblaffer für sich in Anspruch nehmen, nämlich die sogen. .Odenwälder* Linie und eine Badische* Linie. Soviel man jedoch bis jetzt weiß, soll der Erblaffer der Odenwald-Linie angehören und auf den sogen. Neuehöfen bei Wald-Michelbach i. O. geboren sein. Urkund­lich genau steht dies aber noch nicht fest, doch wird voraus­sichtlich die nächste Zeit über diese Frage die Auskunft und damit die Endentscheidung bringen. Man darf also füglich gespannt fein, wer die Glücklichen fein werden, welche sich in die Millionen zu teilen haben werden.*

Mansardendiebe. Gestern morgen beobachtete eine in der Mansarde eines Hauses in der Nordanlage wohnende Dame, daß aus dem Zimmer eines Dienstmädchens ein Mann kam, der sich dann die Treppe hinab schlich und im Hofe durch schnelles Davonlaufen auffiel. Sie machte Lärm und der Dieb, dem sich auch bald ein anderer Mann anschloß, wurde schließlich eingeholt und beide verhaftet. Die Mädchenkammer war mit Nachschlüssel erschlaffen, alles war durchwühlt und ein kleiner Geldbetrag war verschwunden. Die beiden Festgenommenen entpuppten sich als die mehr­fach wegen Diebstahls vorbestraften Kellner Wilh. Funk aus Mainz und Monteur Hohs. Schmidt aus Wiesbaden. In ihrem Besitze befanden sich folgende Gegenstände, die aus Diebstählen herrühren dürften: eine silberne Damen- Rem.-Uhr mit Goldrand, in dem Nückdeckel der Name Martha Stoll*, daran feingliederige Stahlkette, eine schwarze Rem.-Herrenuhr mit kleingliederiger Stahlkette, eine schwere Double-Damen-Uhrkette, eine goldene Damen-Uhrkette (Hals­kette), eine goldenes Uhranhängsel (gold. Reif mit rundem rotem Stein, in der Mitte beider Seiten je eine blaue Perle und Silberverzierung), ein versilb. Zigaretten-Etui, zwei rot- lederne Darnen-Portemonnaies, das eine mit Nickelkette ver­sehen, ein kleines roteS Niechkifsen, neun Stück 10 Pfennig- Postanweisungen, ein Taschenmesser mit Perlmuttschale, eine Anzahl Schlüssel und ein künstliches Gebiß.

() Krofdorf, 25. April. Die Bürgermeisterei Atz- b<rch--Launsbach, welche zum großen Teil durch, andere preußische und hessische Gebietsteile vom Kreise Wetzlar getrennt liegt, wird fortgesetzt von Zigeunerbanden heimgesucht. So wurde auch heute wieder eine große Ge­sellschaft mit 7 Wagen und 38 Köpfen, meist erwachsene Personen, der hiesigen Polizeiverwaltung vor geführt. Unter ihnen fant> man eine alte, lange gesuchteMutter", die sofort in sicheren Gewahrsam genommen und nach Wetzlar gebracht wurde. Auch der Wagenzug mit seinen Insassen und vielen Mitläufern wurde am Nachmittag dorthin ge­leitet. Eine weitere Reisegesellschaft soll an der nahen Grenze bei Salzböden lagern.

p Klein-Rechtenbach, 25. April. Nach langem schweren Leiden verschied heute unser allseits hochgeachteter Lehrer Ludw. Rinn im Alter von 67 Jahren. Es war feine Absicht gewesen, diesen Herbst in Pension zu gehen. Die Ge­meinde wird den pflichttreuen Mann stets in ehrendem An­denken behalten.

w. Wetzlar, 24. April. Nach den in der General­versammlung des GeschichtSverein gemachten Angaben zählt der Verein zurzeit 194 Mitglieder. Unter der Führung des Vereinsvorsitzenden Pfarrer Allmenroder wurde das Weilburger Schloß eingehend besichtigt. Die Zahl der Gegen­stände im hiesigen Museum beläuft sich jetzt auf etwa 600. Das Museum ist fortan vom 15. April bis zum 15. Oktober geöffnet. Für dieses Jahr sind zwei Ausflüge vorgesehen und zwar einer nach Herborn, der andere nach Gießen zur Be­sichtigung des Altertumsmuseums des dortigen Geschichts­vereins. Es wurden dem Verein größere Zuwendungen ge­macht, sodaß die Jahresrechnung mit 806.21 Mk. Einnahmen und 614.68 Mk. Ausgaben abschloß und ein Bestand von 191.93 Mk. verbleibt.

Hungen, 25. April. Der Gemeinderat hat den Bau einer 4klassigen höheren Bürgerschule für die Stadt soweit beschloßen, und er soll im Sommer nächsten Jahres zur Ausführung gelangen. Mit der Ausarbeitung des Projektes und eines Herstellungsvoranschlags ist Baurat Diehm- Gießen beauftragt worden.

A Groß-Eichen, 25. April. Die diesjährige Ver­pachtung der Fischerei im Wasser unserer Gemeinde, die dieser Tage stattfand, ergab den mehr als dreifachen Betrag des seitherigen Pachterlöses. Während letzterer nur 33 Mk. jährlich betrug, kam er jetzt über 100 Mk. zu stehen. Der oberhalb unseres Dorfes befindliche Lauf der Bäche von Höckersdorf nnb Sellnrod ist forellenreich unb der unterhalb des Dorfes mehr besetzt mit Weißfischen. Ein forellen- reicheS Waffer führt der Bachlauf Ober-Ohmen. Die Ver­pachtung dieser Fischerei findet kommenden Herbst statt.

§ Aus dem Vogelsberg, 25. April. Die Früh­jahrsbestellung un serer Felder hat nun überall ihren Anfang genommen. Die Hafersaat ist beendigt. Die Be­arbeitung des Ackerbodens wurde erschwert durch seine Nässe. Auch ist die Erde nicht ausgefroren, wie nach strengeren Wintern. Die Wintersaat steht recht gut, ebenso haben Klee und Raps vortrefflich überwintert. Auch der Wuchs des Grases wenngleich durch den Rückschlag der Temperatur zum Stillstand gebracht, ist vielversprechend. Somit sind zur

Zeit die landwirtschaftlichen Aussichten recht gut. Eine eigen­tümliche Erscheinung kann man bei den Obstbäumen be­obachten. Während seit einigen Lenzen immer erst die Blüten erschienen, dann die Blätter, sieht man jetzt schon die Bäume grünen, ehe sie blühen. 9hir unsere Vogelkirschen stehen be­reits in reizendem Blütenschmucke. Doch dürften diese Kirschen durch die beiden vorangegangenen Frostnächte gepflückt sein.

[] Marburg, 25. April. Wie aus dem Kreise Wittgen­stein und dem nördlichen Teile des Kreises Frankenberg, sowie dem angrenzenden Sauerland gemeldet wird, trat dort in vergangener Nacht bei ftrenger Kälte Schneefall ein. Schaden an Obsibäumen nsw. dürfte wohl kaum entstanden fein, da in diesen rauhen Gebirgslagen die Baumblüte noch nicht zur Entfaltung gekommen ist. Hier in unserer Gegend bedeckt heute früh starker Reif die Fluren.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau ist auf der Durchreise nach Bad-Nauheim an den Folgen einer plötzlich aufgetretenen Lungen­entzündung Kommerzienrat von W e i d e r t, langjähriger Präsident der Handels- unb Gewerbekammer von Cberbaiern, im Alter von 75 Jahren g e st o r b e n. Er war einer der bedeutendsten Kammer- ziellen Deutschlands.

Vermischtes.

* Klein Dor r it. Freunde der älteren englischen Literatur, welche die Werke Dickens' gelesen haben, werden mit Interesse er­fahren, daß das Original zu Dickens'Little Dorrit" heute noch lebt. Es ist dies eine Frau Cooper, welche seit 50 wahren in Southgate (England) w?hnt und trotz ihrer hohen Neun­ziger geistig wie körperlich vollkommen frisch ist. Dickens lernte sie als Mary Ann Mitton und Schwester eines Schulkameraden kennen und verwendete sie als Heldin seines RomansLittle Dorrit", der von Schönthan neuerdings dramatisiert auch in unserem Theaterverein zur Darstellung gefommen ist.

* Ne whork, 25. April. Ein Vertreter des Herald hatte eine Unterredung mit dem Forscher und Luftschiffer Well man, welcher erllärte, daß er nach Paris reifen werde, um das dort für ihn erbaute Luftschiff in Empfang zu nehmen, mit dem er den Nordpol zu erreichen hofft.

* Kleine Tageschrvnik. In Berlin hat sich Ober­leutnant von Gaudy vom 1. Garde-Ulanen-Regiment er­schossen. Ms er am Dienstag abend nach Hause kam, sand er einen Brief vor, der angeblich eine Absage seiner Braut ent­hielt. Von anderer Seite wird gemeldet, er sei durch den gegen­wärtig in Moabit verhandelten Spieler-Prozeß kompromittiert. Die Voruntersuchung toegen Unterschlagung von Eisen­bahn-Material in, der Glvg au er Eisenbahn-Nebenwerkstätte ist jetzt abgeschlossen. Der Materialienverwaller Wehnert und Werkmeister Klose werden sich ivegen Unterschlagung, der Meisen- Händler Anton Friedberg aus Breslau wegen Hehlerei zu verant­worten haben. Die beiden anderen in derselben Sache ver­hafteten Beamten Agten und Bierwagen haben sich int Gefängnis erhängt. Bon einem großen Verlust ist die F-irma Otto Bayrodt in Marienfelde bei Berlin, eine der größten Orchi- deen-Züchtereien Deutschlands, durch die Untreue ihres Geschäftsführers Steinert betroffen worden. Steinert genoß cm großes Vertrauen und benutzte dieses, um Unterschlag­ungen zu begehen, die sich nach den bisherigen Feststellungen auf 20 000 Mark belaufen. Nach der Entdeckung der Verimtreii- ungen beging Steinert Selbstmord durch Erschießen.

Grinst unb Wissenschaft.

Die Wunder des Kokains. Als Koller seinerzeit bae>_ Kvkain in die Augenheilkunde einführte, so baß man die größten Angenoperativnen mit demselben auMhren konnte, wurde die Wunderkraft des Kvkains allgemein angestaunt. Seither hat das Kvkain in der gesamten übrigen Medizin Anwendung gefunden, speziell als lokales Anästhetikum. In derWiener Klin. Wochenschrift" wird über die neueste wunderbare Wirkung dieses Mittels berichtet. An der zweiten geburtshilflichen Klinik wurden nämlich in letzter Zeit Versuche gemacht, durch Avkal- nifierung der Nase die Geburten schmerzlos zu macken. Schon vor Jahren hatte em deutscher Gelehrter, Fließ, Vor­arbeiten in dieser Richttmg gemacht. Seit dieser Zeit wurden diese Versuche, von der Nase aus Schmerzen zu beseitigen, von zahlreichen Forschern mit Erfolg wiederholt. Nun ging man daran, dasselbe bei Geburten zu tun, und siehe da, mit sehr gutem Erfolge. Nach KPkai'nifterung bestimmter Punkte in der Aase verlief die Geburt in zahlreichen Fällen vollkommen schmerz­los, m anderen wesentlich schmerzloser als sonst ohne Kokain.

Aus Wien wird uns geschrieben: Eine Novität, die uiis das Deutsche Volkstheater bescherte, barg unfreiwillige Hei­terkeit. Ms Verfasser bekennt sich Anton Ohorn, der mit einem herzlich 'schwachen, aber in ganz Oesterreich unb Deutschland lauch in Gieyen) vielgespielten KlosterstückDie Brüder von St. Bernhard" schon einen populären Namen besitzt. Sein letztes Opus ging unter dem TitelUnlösbar" in Szene und ist wobl das platteste Schauspiel der letzten Jahre. Auch hier sollte die Tendenz die Gedankenleere und dramatische Hilflosig­keit ersetzen Diese Tendenz läuft Sturm gegen den Eölibat der katholischen Priester und ist zugleich ein Plaidvher für die Trenn­ung katholischer Ehen. Zu diesem Zweck läßt Ohorn sein Stück in Mitteldeutschland im Jahre 1124 spielen. Da ist der wackere Pfarrer Frohwalt, der mit feinem Weibe in schönster Harmonie lebt: plötzlich erscheint der Legat des Papstes Gregor und ver- kündet, daß sich die,Gatten trennen müssen. Natürlich werden bei Gelegenheit K'raftstellen gesprochen; z. B.Die Kirche bnt guten Grund, die Ehen der Priester zu verbieten!" worauf der Eimourf erfolgt:Mer noch einen besseren, sie zu gestatten." Diesem,Paar, das sich nicht trennen will und doch auseinander­gehen fall,- wird ein anderes gegenübergestellt, das gerne aus­einander möchte, aber bei der Untrennbar feit katlwlischer Ehen nicht auseinander kann. Was hier an unmöglichen Figuren unb lächerlichen Redensarten, erschütternden Szenen aufmarfänert, wirkt geradezu unbeabsichtigt komistli. Dem Stück ist «ruck' rasch das verdiente Schicksal geworden. L, I,

Schwaches dünnes Slnt bedeutet Siech- tunt b(nf,c§ Aussehen, Müdigkeit, 23er-

UUll vr** fthnntung, Mangel an Appetit,

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