WttzAgeldzuschüsse fermen, so würben sie mit bet Erwiderung, e? sei fein Geld vorhanden, es nrü)ie gespart werden, angewiesen.
Nicht viel anders verhält es sich mit einer gänzen Zahl von langsährigen und lange spruchreifen Forderungen auf dem Gebiete der so,;ialpotitischen Gesetzgebung. Weshalb ist die Reform der Kran ken v er siche run g, die Witwen- und Waisen Versicherung noch immer nicht in Angriff genommen, weshalb ist auf die Forderung nach einer "Arbeitslosenversicherung in fünf Jahren nur eine dickleibige Denkschrift als Antwort erfolgt und damit diese brennende Frage wiederum au calendas graeeas vertagt worden? Doch immer nur, weil angeblich kein Geld vorhanden ist, nm diese Gesetzeserweiterungen dnrch- zufuhren. Die Millionen aber, die in der Kolonial- verwaltung Verschleub ert worden sind, hätten genügt, um die ganze Witwen- und Waisen Versicherung finanziell zu fundieren. Die Vorgänge in der Kolonialverwaltung führen jedenfalls den Beweis, daß die Finanznot, die ja "übrigens durch die jüngste Reichstagsfinanzreform behoben worden ist, nicht der Grund für die Stockung unserer sozialpolitischen Gesetzgebung ist. Wenn der ernste Wille vorhanden wäre, die notwendigen Reformen auszuführen, dann würden and) wie in der Stolo» nialverwaltung die erforderlichen Mittel vorhanden sein.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Ang. Der Kaiser begab sich gestern nachmittag im Automobil vom Neuen Palais nach Berlin, besuchte das Atelier des Prof. Breuer zur Besichtigung eines Denkmals für Memel, das Atelier des Prof. Banke zur Besichtigung eines Denkmals Wilhelm III. von Oranien und besichtigte im kgl. Schloß seine für Elberfeld bestimmte Porträtbüste von Bildhauer Götz. Heute hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des AdmiralstabeS der Marine. Im Neuen Palais trafen ein Prinz Heinrich, sowie die Prinzen Adalbert und Joachim.
— In des französischen Ministers des Innern, ClLmenceau, Begleitung befindet sich u. a. der dänische Schriftsteller Georg Brandes. Der hiesige Aufenthalt ElLmenceaus gilt einer Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt, insbesondere der Museen.
— Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge erhielt der kaiserliche Generalkonsul in New-Orleans, Frhr. v. Norden- flycht, die Weisung, sich nach Havanna zu begeben, um als Vertreter des beurlaubten Ministerresidenten den Schutz der deutschen Jnteresien zu übernehmen.
— Die in Ostasien befindlichen Reichstagsabgeordneten haben heute die Heimreise angetreten.
Kiel, 28. Aug. Der erste Bürgermeister von Nürnberg, von Schuh, vollzog heute die Taufe des neuen Kreuzers Ersatz Blitz auf der Reichswerft. Er taufte das Schiff auf den Namen Nürnberg. Der Stapellauf ging glatt von statten.
Straßburg, 28. Aug. Hier hat es lebhaftes Befremden erregt, daß der Amnestieerlaß des Kaisers Elsaß-Lothringen nicht berücksichtigt.
Zur Bürgermeifterwahl in Langsdorf
erhielten wir noch folgende Zuschrift aus Langsdorf:
Tie Bürgermeisterwahl ist vorüber, und Köhler ist unterlegen. Einen geschlagenen Gegner soll man in Ruhe lassen. Aber trotzdem müssen wir noch einmal das Won ergreifen zur Abwehr.
„Wir haben ja alle gesehen, daß er die Gemeinde nicht besser verwaltet hat, wie seine eigene Wirtschaft." Diesen Satz unserer „Antwort" bezeichnet Köhler in einer „Rückantwort" als einen „gemeinen Angriff", wir dagegen sind der Ansicht, daß es nur ein Seitenblick sei auf Köhlers wirtschaftliche Befähigung, der eher eine Entschuldigung als einen Angriff enthalte, und wie ihn jeder Wähler tun muß; denn wie jemand seine eigene Sachen verwaltet, so verwaltet er doch wohl auch die der Genwinde.
Weiter sagt Köhler: „Ich betone noch besonders, daß unter Seihmg des Gemeinderatsmitglieds Heinrich Roth XI. am 11. Januar 1901 eine Gemeindeversammlung stattgefunden hat gegen mein Projekt der Erbauung einer Kreis st raße Nieder- Bessingen — Nonnenroth." Das stimmt, doch ist es so gegeben, daß es jeder Uneingeweihte falsch verstehen muß. Tatsächlich liegen die Verhältnisse so: Schon unter dem alten Bürgermeister Köhler war der Bau einer Kreisstraße nach Nonnenroth— Bessingen geplant und vom Kreisausschuß genehmigt, nur die Ausführung wurde zurückgestellt. Als man in Philipp Köhlers Wahlperiode dazu schritt, tauchte auf einmal daS Projekt auf, die Straße, statt über Nonnenroth nach Bessingen, über Bessingen nach Nonnenroth zu führen. Hiergegen erhob sich Oppofition, und mit dieser Frage befaßte sich jene Gemeindeversammlung. Kohler hat die Richtung durchgedrückt, aber daran, daß die Kreisstraße gekommen ist — wiederholen wir noch einmal — ist er unschuldig.
„2. Am 9. Februar 1897 habe ich im Landtag den Antrag gestellt, eine Güterverladestelle bei der Haltestelle Langsdorf zu errichten." Das glauben wir, aber es war auch schon von dem damaligen Bürgermeister und dem Gemeinderat ein derartiger Antrag bei dem Kreisamt gestellt, und Freiherr von Gagern hatte die Weiterführung der Verhandlungen übernommen. Wer nun die Haltestelle gebracht hat? 9B i r reellen K 3 hlers V e r d ien ste nicht schmälern! Aber so arg rückständig scheint man doch auch damals in Langsdorf nicht gewesen zu sein. Die Haltestelle hat 15—16 000 Mk. gekostet.
„Dahin ist die Remise gereandert. Tas sind die Sünden der Väter, die an Euch Söhnen nun gerächt reorden sind. Für 200 Klafter Mauersteine aus dem Nordstembruch hättet Ihr das alle? seinerzeit haben können. Wäre ich damals schon gewesen!!!" Hier herrscht wieder Begriffsverwirrung. Damals handelte es sich garnicht um eine Güteroerladestelle, sondern um den Platz der Haltestelle. 2(ber, wie nennt man wohl ein derartiges Verhalten, in einem Wahlaufruf Leute zu verdächtigen, die schon 30 Jahre unter der Erde liegen, und die damals sicher nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben?
Aus SfaM und Lund.
Abdruck unserer Originalmitteilungen ist nur unter der genauen Ouellenaugabe „Gieß. Anz." gestattet.
Gießen, den 29. Aug. 1906.
** Bei tele phonischen Gesprächen mit dem Gieß. Anz. bitten wir dringend zu beachten, daß alle Anzeigen sowie Drucksachen betreffende Mitteilungen den Anruf'der Nr. 51 (Expedition und Verlag) erfordern, während Mitteilungen für den textlichen Teil die Verbindung mit der Redaktton, Nr. 112, nötig machen.
- „Zur Genealogie von Werthers Lotte". Wir machen unsere litterarisch sich interessierenden Leser auf den diesen Titel Wagenden Aussatz in der heutigen Nummer des „Gieß. Fam.-Bl." aufmerksam.
•• Ernennung. Dr. phil. Hermann Kienzle in Darmstadt wurde zum Kustos am Großh. Lcmdcsmuseum ernannt.
Die Burg erge sc lischa ft Gießen machte am Sonntag einen Ausflug nach der Saalburg. In Hornburg wurde u. a. das neue Landgrasen-Tenknial besichtigt.
Wf dem Wege nach dem Schloß verließ eben der Kaiser die Erlöserkirche, sodaß die Bürgergesellfchaft schon hier Gelegenheit hatte, Se. Maj. zu sehen. In der Brauerei „Zur Stadt Friedberg" wurde zu Mittag gegessen. Am Nachmittag erfolgte dann der Besuch der Saalburg. Kurz nach Ankunft auf der Saalburg trafen auck) die in Gießen bekannten kaiserlichen Automobile ein. Bald darauf erschien auch zu Fuß mit Gefolge der Kaiser. Er trug die Uniform der reitenden Jäger und bewegte sich in ungezwungenster Weife, lebhafte Unterhaltung mit seiner Umgebung pflegend. Von den Gießenern wurde er mit kräf- ttgem Hurra begrüßt, das er mit freundlichem Dank ent- gegennähm. Natürlich arbeiteten „Amateurs" fieberhaft, S. M. auf ihre Platten zu bekommen; auch Ph^> ographen illustrierter Zeitschriften waren aus dem Platze. So bekam denn der 'Ausflug der B.-G. einen unvorhergesehenen Reiz und durfte durch die Anwesenheit des Kaisers allen Beteiligten unvergeßlich bleiben. — Zurück von der Saalburg gings dann nochmals nach Homburg und nach kurzer Erholung über Frankfurt dem heimatlichen Gießen zu. Dort wurde von einem Teil der Gesellschaft der schöne und ereignisreiche Tag nult ermein Schöppchen bei '’ömetib beischlossen. Alle aber werden gern zurückdenken an den schönen Kuraarten zu Homburg, im grünen Taunus, an die kleinen Abenteuer und Erlebnisse, die ja. jeder Ausflug mit sich bringt und nicht zuletzt an die ^Wesenheit des Kaisers auf der Saalburg.
** 60jährige Jubelfeier des Turnvereins 18 46. Am Mittwoch abend findet im Casö Amend eine Sitzung statt mit der Tagesordnung: 1. Bericht, 2. Rech- nungsablage.
** Ter Wetterau-Lahngau-Sängerbund wird am 23. September d. I. eine Sänger fahrt nach dem Wind- Hos veranstalten. Die ursprünglich geplante Sängerfahrt nach der Badenburg mußte Umstände halber aufgegeben werden. Ter junge Sängerbund, ^em eine stattliche Anzahl Vereine angeboren, wird also am 23. September auf dem Windhof zum erftenmal seine Mitglieder zusammenführen, um eine engere Sänaerbrüder- schaft anzubahnen.
k- Leihgestern, 28. Aug. Am 31. Mai dss. Js. stürzte bekanntlich unsere Kirche bei einem furchtbaren Gewittersturin zusammen, nur der Turnt blieb stehen. Gegenwärtig finden die Abbrttchsarbeiten statt. Dabei entdeckte man in der Nordwand zwei vermauerte gothische Fenster, ein Zeichen, daß das Schiff älter ist, als man annahm. Die beim Sturm, ebenfalls zerstörte Orgel war 215 Jahre alt. Der mächtige Turm, das Wahrzeichen des Dorfes, ist etwa 700—800 Jahre alt und hat in Berstadt sein Ebenbild. Der Bau der neuen Kirche wird in einigen Wochen begonnen, sie wird größer, breiter und höher als die alte, die sich für die stets wachsende Gemeinde als zu klein erwies. Die Pläne entwirft Kirchenbaumeister Hofmann aus Herborn, Angeblich sollen die Baukosten ca. 70 000 Mk. betragen.
? Rodheim a. d. Bieber, 28. Attg. Unter großer, Beteiligung wurde am Sonntag und Montag unser Kirchweihfest gefeiert. Die bekannten Kirmesplätze waren durchweg gut besucht und auch aus Gießen viele Gäste erschienen. — Lim Sonntag morgen hielt unsere Feuerwehr in ihren schmucken Uniformen ihre erste Uebungsstunde ab. Es hatten sich viele Neugierige auf dein „Scherplatz" eingefunden. Professor Nabenauer aus Idstein, Inspektor des Feuerlöschwesens für den Regierungsbezirk Wiesbaden, wird in den nächsten Tagen hier eintreffen, um die Mannschaften der jungen Wehr persönlich einzuexerzieren. — Die an der Straße nach Bieber aufgestellten beiden Dampfdreschmaschinen mußten auf behördliche Anordnung dort ihre Tätigkeit ein- ftellen.
A Butzbach, 28. Aug. In den frühen Morgenstunden des letzten Sonntags wurde an einem Wohnhaus am Wetzlarer Tor, dessen Bewohner zur Zeit auf Reisen sind, einzubrechen versucht, indem der Einbrecher mit einer großen schweren Feile die Fensterläden bearbeitete. Scheinbar ist er an der Arbeit gestört worden, denn er ließ daS Werkzeug zwischen den Fensterläden stecken. Der Tat dringend verdächtig ist ein ürnherziehender Korbmacher, der am Sonntag morgen gesehen worden ist, wie er in dem bei der Wohnung befindlichen Garten von einem Baume Obst schüttelte.
hc. Niedermörlen, 28. Aug. Heute nachmittag entwendeten in einer Wirtschaft zwei Handmerksburschen ein Kistchen Zigarren, das sie in einem nahen Steinbruch an Arbeiter zu Geld machten. Bei ihrer weiteren Wanderung kamen sie nach Rockenberg, wo sie etwa eine Stunde nach der Tat von der Gendarmerie festgenommen wurden.
[] Biedenkopf, 28. Aug. Der Glanzpunkt des gelegentlich der verschiedenen großen landwirtschaftlichen Versammlungen hier Ende dieser Woche beginnenden landwirtschaftlichen Festes dürfte der für den 4. Sept, projektierte Hinterland er Tr a ch t e n f'e ft'ju g sein. Nach dem Programm soll derselbe in vier großen Gruppen 62 Num- nrern umfassen. Wer die Mannigfaltigkeit der Hinterländer Trachten kennt, wird begreifen, daß dieser Zug demjenigen des Trachtenfestes in Butzbach wohl kaum nachstehcn kann. Man rechnet in Biedenkopf an diesem Tage des am Samstag beginnenden Festes aus er neu starken Fremden- verkehr.___________________________________
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 28. Aug. Der Tanz nach der Ziehharmonika.
Die Fortsetzung der Berufungsvcrhandlung gegen den Gastwirt und Metzger Heinrich R. von Utphe, der infolge Anfechtung eines Strafbescheids der Verwaltungsbehörde vom Schöffengericht freigesprochen worden ist, führte zur Verurteilung zu der im Sttasbescheid angesetzten Strafe. Die Strafkammer vermochte den Standpuntt des Schöffengerichts, der zwar die Erfordernisse für die Uebertretung der fraglichen Verordnung als gegeben erachtete, dagegen den Begriff der T a n z b e l u st i g u n g für ausgeschlossen hielt, weil der Wirt eine solche nicht veranstaltet habe, nicht zu teilen. Sie war der Ansicht, der Zweck des Zusammenkommens der Jugend müsse nicht lediglich das Tanzen sein, sondern es genüge, wenn dabei getanzt wird; auch komme es nicht darauf an, welcher Art die Musik ist — im vorliegenden Fall hatte der Geselle des Angeklagten Ziehharmonika gespielt —, weiter kam der Umstand in Betracht, daß R. bereits wegen der nämlichen Ueberttetung rechtskräftig bestraft worden ist, woraus fein Schuldbewußtsein geschlossen wurde.
Die nächtliche Diebin von der Liebigstratze.
Einem hier in der Liebigstraße wohnhaften jungen Ehepaar fiel es auf, daß der Geldvorrat sehr rasch abnahm. Der Mann hatte die Frau int Verdacht, sie verbrauche zu viel; dagegen glaubte die Frau, sie würde von ihrem Manu bintergangen, da sie eines Tages entdeckte, daß sich ein im 93 c r t i Fo w befindliches Zwanzigmarkstück in ein Zehn m ar k- st ü ck verwandelt hatte. Ms bald darauf außer anderem Gelde wieder 10 Mark fehlten, kam man auf den Gedanken, daß ein Hausbewohner der Dieb sein müsse. Der Be
stohlene gab nun an sich selbst eine Depesche auf, nach welche er umgehend mit seiner Frau zu der kranken Mutter kommen solle' die Hausbewohner wurden von der 9lbrcise verständigt und in allei Eile ging es nach dem Bahnhof. Auf dem Vorplatz der Wohnung war aber ein nachts zuvor heimlich eingelassener Wachmann in verdeckter Stellung so postiert, daß er alles übersehen konnte. Etwa 10 Minuten nach dem Weggang des Paares, kam schon die im nämlichen Hause wohnende Frau des Brauers Tr. und schloß den Korridor auf. Sie durchsuchte zuerst die Küche und machte sich dann in dem einen Zimmer an dem Vertikow, in welchen man Geld gelegt hatte, zu schaffen. Sie ließ das Geld unversehrt, nahm aber einen Pack Spitzen im Werte von 12 Mark, mit dem sie sich entfernen wollte. In demselben Augenblick trat der Wachmann auf die verblüffte Diebin ’u und befahl ihr, mit zur Polizei zu folgen. Sie war trotz des Schreckens sehr gefaßt und bat d e u W a ch m a ii n , ihr doch keine Ungelegenheit en zu bereiten, da ihr Mann, wenn er von dem Diebstahl Kenntnis erhielte, sie tot schlagen würde. Auf eine gute Belohnung im Falle der Gewährung ihrer Bitte, dürfe er rechnen; auch wolle, sie d>e Spitzen gleich wieder an Ort und Stelle bringen. Auf Anzeige fand man bei einer Haussuchung eine aus dem nämlichen Vertikow ablmnden gekommene Schürze. Die Angeklagte behauptete, sie habe die Wohnung nur betreten, um der Frau Wäsche ?nm Trocknen aufzuhängen; die Spitzen wollt, sie nur mitnehmen, um das Muster abzuhäkeln und die bei ihr gefundene Schürze sei ihr Eigentum. Sie bezeichnete das Geschäft, in welchem sie die Schürze gekauft haben will, worauf dessen Inhaber telefonisch herbeigerufen wurde, der aber die Angaben der Angeklagten als unwahr bezeichnen mußte. Das Gericht diktierte ihr für den einen schweren Diebstahl 6 Monate Gefängnis zu. Bezüglich des Diebstahls der .Schürze wurde mangels Beweises einfacher Diebstahl angenommen, da es nicht ausgeschlossen erschien, das; sie die Schürze gelegentlich eines Besuches mitgenommen haben kann. Hierfür wurden 14 Tag« Gefängnis angesetzt, die mit einer Woche in Anrechnung kamen
Ei» Scricnlos-Schwindler.
Der Agent Valentin G5r. aus Lambrecht (Pfalz) bereist seit längerer Zeit den Vogelsberg, um bei geschäftsunkundigen Leuten sogenannte Serienlose holländischer Firmen an den Mann zu bringen. Ta der Hausierhandel mit solchen Losen verboten ist, zog er sich schon mehrfach Strafen zu. In der letzten Zeit brachte er eilten Bürger von Herchenhain dazu, ihm ein solches Los abzunchmen; aber nur unter der Bedingung wurde darauf eingegangen, daß nicht mehr als 3 Mark bezahlt und nur einmal gespielt wird. Hierüber wurde eine Bescheinigung verlangt, die der Angeklagte auch ausstellte, aber mit einem falschen Namen unterschrieb, was ihn wegen U r k u n- denfälschung auf die Anklagebank brachte. Der Staatsanwalt bezeichnete die Tätigkeit des Angeklagten als ein gemeingefährliches Schwindelgebahren, eine Land' plage für den Vogelsberg, denn er war nicht in der Sage während seiner langen Tätigkeit auch nur einen einzigen anzugeben, der ie einmal gewonnen, oder wie in den Prospekten angegeben, den Einsatz wieder zurückerhalten hat. Da der ausländische Serienlosschwindel sehr^mberhand genommen hat, haben schon verschiedene Bundesstaaten gesetzgeberische Maßnahmen ergriffen, uir diesem zu steuern. Auch das hessische Ministerium hat durch die Kreisämter die Gendarmerie anweisen lassen, diesem Schwindel energisch zu Leibe zu rücken. Das Gericht verurteilte den An- gellagten zu 3 Monaten Gefängnis, worauf eine WockiL. Untersuchungshaft in Anrechnung kommt.
Der Radfahrer und die Sänger.
Als ein Radfahrer von Nieder-Erlenbach an dem von einem Ausflug zurückkehrenden Gesangverein von Holzhausen vorbeifuhr, kollidierte er mit einem Vereinsmitglied. Beide kamen zu Fall und als der Radfahrer auf sein am Boden liegendes zerbrochenes Rad deutend fragte, wer die Reparaturkosten bezahle/ rief das Vereinsmitglied den übrigen zu: „Hier ist einer, dev will Reparatur haben!" woraus 6—8 Mann mit Stöcken u n d Schirmen auf den Radfahrer einschlugen, sodaß er erhebliche Verletzungen davontrug. Seine hinzueilende Schwester, die Ruhe stiften wollte, wurde dermaßen mißhandelt, daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und einige Zeit das Bett hüten mußte. Keines der Verletzten war in der Lage, die Täter namhaft zu machen. Man erinnerte sich nur an einen kleinen Dicken, der später als der Schlosser Heinrich Ludwig I. von Holzhausen ermittelt wurde und sich vor dem Schöffengericht Vilbel wegen Körperverletzung zu verantworten hatte. Es erfolgte aber seine Freisprechung, da man angesichts seiner Trunkenheit ihn nicht mehr fähig hielt, die Tat ausgeführt haben zu können. Die Verletzten als Nebenkläger und die Staatsanwaltschaft fochten das Urteil an, was zur Folge hatte, daß der Angeklagte wegen der dem Radfahrer zugefügten Körperverletzung zu 40 Mark Geldstrafe und in eine an den Verletzten zu zahlende Geldbuße von 8 Mark verurteilt tourte. Das Gericht hielt nicht für erwiesen, daß er auch der Schwester des Radfahrers die Verletzungen beigebracht hat, weshalb es in dieser Beziehung beim Freispruch blieb.
Vermischtes.
* Ueberschmemmungen. Telegramme aus Mal - z ata d berichten über Ueberschmemmungen in Mexiko. Die Wasserleitung der Stadt ist teilweise zerstört, Hunderte von Einwohnern obdachlos. Die Zuckerrohr-Pflanzer erleiden für mehrere Millionen Schaden. — Von den senegambischen Ueberschmemmungen, die wir bereits kurz erwähnten, ist es noch immer unmöglich, den Umfang der Verheerungen in Kayes zu schätzen, da die telegraphische Verbindung seit 14 Tagen unterbrochen ist und die ersten zuverlässigen Nachrichten- am 25. August hierhergelangten. Das Telegraphenamt in Matam meldet eine weitere Zunahme der Ueberschmemmungen- in KapeS.
Eingesandt.
(Für den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Ncdaltwn dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Die Vergebung der Schrcinerarbeit der höheren Mädchenschule.
Aus Ihrer Notiz vom 27. d. Mts. geht hervor, daß man bei einem Betrag von 1524 Mk., das ist Los VI, eine Differenz von J90 Mk. — 12,4 Prozent nicht angesehen hat, um die Arbeiten in der Stadt zu lasten. Nun bestand bei Los III zwischen dem Homburger Meister und mir eine Differenz von 280 Mk. bet einem Betrage von 8032 Mk., das sind 3,5 Prozent. Es erübrigt sich nach vorstehenden Zahlen über die Verteilung der Arbeit ein Wort zu verlieren. Ich überlasse es vielmehr der Bürgerschaft, sich ihr Urteil über solche Art von Arbeitsvergebung selbst zu bilden.
E. H. Mulle r.
Jinge, Hnge! U to nicht einfach herrlich?
daß man in der Westentasche tragen fann, was die glt- H berühmten Sodener Heilquellen wirksam macht? Hier bad ich eine Fays ächte Sodener Pastille, darin stecken die SÄ wesentlichsten Bestandteile der wertvollsten Sodener Mineral- ä Quellen und wenn so eine Schachtel Pastillen natürlich auch nicht eine Brunnenkur ersetzen kann, so wirken die Pastilletr darum doch brillant bei allen chronischen Erkrankungen ""d augenblicklichen katarrbaltschen Verstimmungen, gegen welche die Quellen selbst gebraucht werden. Ich schwärme geradezu für die Pastillen und ich kann ohne sie gar nicht mehr auskommen. Man kaitn sie hi jeder Apotheke, Drogen- und Mineralwasserbandlung für 85Psg. die Schachtel haben.
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