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29.8.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 302

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brü h l'fchen Univers.-Buch-u. Stein- drucleret. R. Lange. Redaktion, Erpedttton und Druaerei:

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Erstes Blatt 15«. Jahrgang

Mittwoch 29. August 1906

Metzener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amtr- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen

DezngSpretSk monatlich 75 ißl., oterteU jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2.- viertel- jährl. ausschl. Bestellg« Anncchnie von Anzeigen ilir die TageSmunmer dis vormittags 10 Uhr, ZeilenoreuS: lokal 12Ps^ auSwärtS 20 Psg.

Verantwortlich für den volit. und allgem« Teil: P. Witt ko- für ,5tabi u.ld Land' und .Gerichtsfaal': Ernst Heb; sür den An­zeigenteil: Hans Beck,

Z>ie yeutige Hlummer umfaßt 8 Seiten.

Gießen, am 28. August 1906. Betr.: Die Feier des SedantageS.

Die Großh. Kreisschulkommisswn Giessen

an die Schulvorstände des Kreises.

Da der 2. September in diesem Jahre auf einen Sonntag fällt, bestimmen wir hierdurch, daß die vorge­schriebene Feier am Samstag, den 1. September l. Is. gehalten werden soll. Der Unterricht fällt an diesem Tage aus. Den durch unsere Verfügung vom 2. August I. I. an­geordneten Bericht erwarten wir nur, wenn besondere Verhältnisse den Ausfall der Feier veranlaßt haben.

I. V.: Dr. Merck.

Stolypins rettende Iat.

Bor drei Wochen antwortete der rusf. Ministerpräsident einem deutschen Journalisten, dem Petersburger Korrespon­denten derVoss. Ztg.", der chn fragte, wie er die land­hungrigen und aus Landhunger mordenden und sengenden Bauern zu befriedigen gedenke, er werdedie Agrarfrage weder konservativ noch liberal, son­dern real behandeln, in dem er die wirklich landarmen Bauern befriedige". Man lonnte gespannt sein, zu erfahren, was er unter dem Begriffe Realpolitißtzvcrstehe, wie er sich den Landhunger des Bauern vorstelle und welche Heil­mittel ihm zur Befriedigung dieses Hungers zur Verfügung ständen. Es fanden inzwischen am Aarenlager im Peter- hof lang dauernde und wie man sagt, dramatisch beivegte Beratungen statt, an denen unter des Kaisers Vorsitz sowohl der Ministerpräsident als auch Finanz-minister Ko­kowzow teilgenommen haben. Es handelte sich bei diesen Beratungen um die Frage, auf welche Weise die Negierung noch vor dem Zusammentritt der Zieichsduma ein neues Agrargesetz ausarbeiten und ins Leben rufen könnte. Das Ministerium verhehlt sich natürlicherweise nicht, daß auch in der kommenden Duma die Landfrage nicht nur für die parlam. Tätigkeit, sondern auch für die innerpolit. Geschicke des Reiches ausschlaggebend sein wird. Und diesen Trumpf mochte die Regierung vorweg für sich nehmen, anstatt ihn den kommenden Volksboten zu überlassen. Es heißt somit, die Bauern auf alle Fälle und unter allen Umständen befriedigen, ehe die Sitzungen der Duma wieder begonnen haben.

Dieser Gedanke wird das Kabinett Stolypin in erster Reihe bewogen haben, die Lösung der Landfrage anzu­streben, bevor noch das Gesamtkabinett über ein einheit­liches Regierungsprogramm schlüssig geworden ist. Bon dem gewaltigen Landbesitz des Zarenhauses (nicht zu ver­wechseln mit dem Privatlandbesitze des Zaren selbst) sollen, wie wir gestern schon kurz erwähnten, rund vier Millionen Dehjatincn an die Bauernagrarbank verkauft werden, die ihrerseits sowohl diese vier Millionen als weitere drei Mill. Deßjatinen, die der Ban kmittlerweile von angstgepeitsch­ten Gutsbesitzern zum Raufe angeboten worden sind, den landarmen Bauern zum Erwerb angeboten werden sollen. Ein verblüffend einfacher und ein verblüffend genialer Ge­danke dies! Da das Zarenhaus einen gewaltigen Ueber- slus; an dem aufweist, an dem es dem ausgehungerten Bauern ebenso gewaltig mangelt, so verkauft einfach das erstere an den letzteren so und so viel Millionen Morgen und der Muschik wird von nun ab täglich sein Huhn im Topfe haben.

Sonderbarerweise ist selbst dieser geniale Vorschlag in Peterhof anfänglich auf große Schwierigkeiten gestoßen. Wie man hört, war man dort nicht sonderlich über den Ge- *22

danken erfreut, einen Teil des Landbesitzes des Zaren­hauses, wenn auch auf dem Kaufwege,verbäuerlichen" zu lassen: andererseits glaubte der Vertreter des rechten Flü­gels im Stolypinschen Kabinett, der Finanzminister K'v- kowzotv, daß durch derlei Maßnahmen der petit des revo­lutionierenden Muschik nur noch mehr gesteigert werden könnte. Es gab, iv-ie gesagt, äußerst hitzige Debatten in Gegenwart des Monarchen, und nur dem Umstande, daß sowohl der Zar als auch Stolypin zäh an dem Gedanken festhielten, war es zuzuschreiben, daß dieser endlich zu einem Beschluß erhoben wurde, sodaß der gesetzeskräftige zarische Ukas vorgestern erscheinen konnte.

Seit 16 Jahren leidet der russische Bauer an chronischem Hunger. Seit vielen Jahren kann der ihm unausgesetzt bedrohende Hungertod nur dadurch von ihm abgewendet werden, daß die Fünanzverwaltung jahraus jahrein zahllose Millionen für seine Ernährung auswirft. 24 Jahre sind vergangen, seit dem von der Leibeigenschaft befreiten Bauern ebenfalls raufweise jämmerlich geringe Land setzen zugewiesen worden sind, und noch immer hat der Muschik die Loskaufsumme nicht einmal teilweise erlegen können, noch immer nimmt ihm der Gerichtsvollzieher Jahr für Jahr den letzten Pflug, das letzte Kalb weg. Und diesen h a l b v e r h u n g e r t e n , i m Aberglauben, Schmutz, Trunkenheit, Unzucht und epidemischen Krankheiten völlig verkommenen Bauern stellt sich Stolypin als einenKäufer" von Aarenländereien vor! Man kann sich denken, wie dieser Bauer das Stoly- pinsche Kaufangebot ausnehmen wird!

Einem Hungers Sterbenden den Kauf von Telikatessen anraten, heißt, Hessen Wut herausbeschwöreu. Es ist zu befürchten, daß der neueste Rettungsplan des leitenden Staatsmannes jedes russische Dorf zu einer Räuberhöhle machen wird. Es wird dazu nicht einmal der 'Imitatoren bedürfen, die jetzt, wo die Ernte zum größten Teil unter Dach und Fach gebracht und der Bauer somit für eine aktive Politik reif geworden ist, mehr denn je von Bauern- hütte zu Bauernhütte gehen.

politische Sagesscharr.

Bulow-Politik.

Von besonderer Seite wird uns ge­schrieben :

Wohl noch niemals hat in Preußen zwischen einem Ressortminister und dem Ministjerpräsidenten eine so pikierte Auseinandersetzung in der Oeffentlich- keit stattgefunden, toife jetzt zwischen dem Landwirt­schaftsminister und dem Fürsten v. Bülow. Mich der Streit B.ismarck-Stosch war bei Weitem nicht so heftig. Zwar treten die bleiben Kollegen nicht mit Narnensnnter- schrift hervor, aber jeder Unterrichtete weiß, daß bestimmte Erklärungen in derDtsch. Tagesztg." von dem Einen herrühren, die Gjegcnäußerungcn aber,in derKöln. Ztg." wir wollen uns ganz korrekt ausdrücken unter Billig­ung des Ministerpräsidenten an die Öffentlichkeit ge- tanaen. Am 24. Aug. hatte dieDtsch. Tagjesztg." ge­schrieben:. . . . hielt man es für nötig, davon öHtteihmg zu machen, daß der Landwirtschaftsminister in seinem Schreiben an den IiLichskanzler diesen ersucht hatte, seinen Wunsch nach Entlassung dem Kaiser zu unterbreiten, so konnte man mit der Veröffentlichung warten bis zum 20. August.Mitman" ist hier der Minifterpräsidlent gemeint. Nun wird in derKöln. Zig." darauf aufmerksam gemacht, daß Herr v. Podbielski gleichfalls in derDtsch. Tagesztg." am 19. Awgust bestritten hatte, den Wunsch nach seiner Entlassung auszudrücken. In derKöln. Ztg." wird hieraus gefolgert, daß Herr v. Podbielskieine irreführende Behauptung ausgestellt" und daß er geduldet hat, daß sich im Vertrauen auf feine Worte 'An-

Dor der Saison. sOriginal-Korrespondenz unseres Frankfurter Korrespondenten.) Frankfurt a. M., 28. Aug.

Unsere Theater, die Oper und das Schauspiel, rüsten sich zur Tat. Dieses Rüsten aber nimmt einen seltsamen Anfang. Von der Oper wie vom Schauspiel ziehen altbekannte, alterprobte Kräfte von dannen. Rach Köln die eine, nach dem reichen Wies­baden der andere, nach Berlin der dritte. . . . Und so sott. Andere wieder haben des Lebens und Wirkens im Reiche der Pappe und Schminke genug, packen ihre Koffer und sagen für immer: Adieu Muse Thalia!" Haben wir neuen Ersatz bereits für die Scheidenden gesunden? Werden mir ih-u überhaupt finden? Fragen, deren Antwort im Schöße der Zeiten liegt und ... bei unseren beiden Intendanten Jenssen und Claar.

Die Oper sei zuerst in den Bereich der Betrachtungen ge­zogen. Da muß ich anerkennen, daß Jenssen eifrig bestrebt ist, irisches Leben in den Kunsttempel zu bringen. Jenssen hat den Münchener Hoskapellmeister Reichenbergcr nach der Main- mctropole gelockt, hat die Frankfurter Oper zu einem Wagner- Theater gestempelt. Können wir aber von Wagner allein leben? diene Ziele, neue Ausgaben sind zu stecken und zu lösen. Wieder steht als eine der nächsten Novitäten Verlioz'Bea­trice und Benedikt" auf dem Spielplan. So Ivar es auch genau vor einem Jahre. Da stand wie Heuer neben diejer in Vorbereitung sich befindenden Premiere auch Strauß'Sa­lome". Ein Jahr ist dahingegangen, wir haben beide Werke nicht gehört. Nun verspricht man sie von neuem. Uns bleibt nichts anderes Übrig, als... Hoffen und Harren.

Eine Premiere hat die Oper in der neuen Saison bereits gebrackst. Das war vorgestern abend M assen et sMa non". 1891 hatte mau hier zum letzten Male dieses reizende Werk gehört. Die Neueinstudierung nach 15 jährigem Verstäuben in der Biblio­thek ist also einer Premiere gleichzustellen. GeradeMauon" ruft Erinnerungen an große Sängertage wach. An die achtziger Jahre. An die Renard, an van Dyk. Massenet ist ja der Kom­ponist der Liebe, jenes Liebesliedes, das wir un# so recht von Herzen lossingen mit quellender Ueberschwänglichkeit, mit Liebcslust und -leid. So war denn derManou"-?lbend ein neuer Erfolg für den rastlos schaffenden Franzosen, war auch ^arck der prächtigen Wiedergabe ein Erfolg für unsere Oper.

Das Schauspielhaus hat bereits zweiPremieren- abende gehabt. Und beides Nieten.OcdipuS und die Sphinx"* *) ist ein Werk voller sprachlicher Schönheiten: was aber nützt die schönste Sprache, wenn der Jnl-alt fehlt! Es, ist darin ein Klingen nur, aber keine Musik. Hugo v. H o f f - mannsthal ist kein Gestalter, kein Schaffer von Gescheh- nissen. Und die zweite Premiere? Sie brachte Kadelburgs Weg zur Hölle" Ist keines Wortes wert. Schmarrn vom reinsten Wasser. Solche Enttäuschungen müßte Intendant Claar Publikum und Kritik füglich ersparen.

Nur der Wechsel iit beständig", die,es Wort güt gerade jetzt im Frankfurter Theaterleben. Die Oper hat sich vom 1. Mai 1907 den jungen Baritonisten Friedrich Braun (bisher Dortmund-Essen) gesichert. Die Opercttendiva Grete Mayer steht vor ihrer Verabschiedung und Frl. Hohen le itner vor ihrer Ehe. Ihr zukünftiger Gatte will, daß tue Künstlerin das Theaterleben mit Gürtel und Schleier vertauscht. Schade. Denn Frl. Hoheuleituer war eine stets hilfsbereite, vielseitige Kraft. Bitter aber ist, daß einer der beliebtesten Opernmitglieder, der Tenor Heinrich Hensel, von Frankfurt seinen Abschied nimmt und Wiesbaden sich weiterhin verpflichtet frat. Als Anfänger kam Hensel nach Frankfurt, 6'/- ^ame wirkte er hur Wirkte in der Operette, in der Spieloper, in llaNifchen Werken. Und immer steht er seinen Mann, so, daß er letzt den Sprung vom Spiel- zum Heldentenor wagen kann

Das S ch a u s P1 e l h a u s hat am 1. Sept. Em- und Auszug. Vor allem scheidet der Oberregisseur Quincke Ze^r Jahre hat er in dieser Eigenicha t in Frank,urt gewirkt. Nun hat man ihm den blauen Brief gesandt und an feine Stelle den Hsmburger Dramaturgen Dr Heine berbetgerufen. Quincke gebt nach Berlin, um dort der Bühnentheorie weiter zu. eben. Mit Quincke scheiden tue Herren Fricke und Alexis D^üllcr. Ein Jalwzehnt war Fricke in Frankfurt, ein halbes isafutum Müller ituö Frl. Harnischfeger geht (nach Köln) und Frl. SRnhitnro Neu sind Frl. Genien und Herr Hellmer. Noch eins' zwei Lieblinge, Frl. Garda Jrmen und Frl. Bloch sind nach langer Rankheit wieder gen e, en.

Ihrem Ende gehen die O p e r e t l e n f e st s p 1 e I e entgegen. Das; ich es ehrlich sage: Aus dem Operetten-Bayreuth, das man in kühner Begeisterung erträumt hat, ist nichts geworden. Cm

Buchverlas von S. Fischer in Berlin.

sch au un gen sestsetzten, die, leie er wußte, den tatsäch « lichen Vorgängen nicht entspräche n".

Materiell kann man diesem in derKöln. Ztg." ge-» äußerten Urteile nur zustimmen. Ms dieDtsch. Tages-» ztg." den zitierten Artikel brachte, der in einem von einem Bedingungssatz abhängigen Nebensatz die wichtigste Tat­sache zu verstecken suchte, aber sachlich-dvch zugab, da war! der Tatbestand gegeben, der in derKöln. Ztg." jetzt fest- gestellt wird.

Die ganze Situation ist für den Landwirt-, schaftsmini st e r die denkbar unerquicklichste.» Er ist ein Minister in Untersuchung, nur von dem, Ergebnis der Untersuchung hängt sein Verbleiben im Amts ab. In einer so peinlichen Lage hat sich noch nie eiw preußischer Minister befunden. In dieser Lage schneit nuro diese Auscinanderrsetzung ein, in der dem Minister v. Pod-i bielski andauernder Widerspruch mit den Tatsachen be-, gegnen wird und zwar in ein!em Blatte, das dem Reichst kanzler nahesteht. Um das Ansehen eines Ministers, dep so behandelt wird, gleichviel ob mit feiner Schuld odey ganz ohne Schuld, ist es geschehen.

Tie Berliner Atilvefenheit des Oberpräfidenten bed Rheinprovinz, Frhr. v. Schor lern er, soll zwar mit der Frage seiner Nachfolgerschaft für Herrn v. Podbielski nicht! zusammenhangen, seltsam ist aber, daß sie in die Zeit fällt,« da Kaiser und Kanzler in Berlin weilen. Frhr. v. Schorf feiner steht in hoher Gunst beim Kaiser und ist gründ-, licher Kenner der Landwirtschaft. Sogar biel Herrn v. Podbielski ergebeneDtsch. Tagesztg." nimmt an,. Frhr. v. Schorlemer werde zu den politischen Erörterungen.! zugezogen werden. Msoman soll nichts verschwören.";

Zu den Kolonialafsareu.

In welchem Umfange die Nachrichten, baß rwch an b er$ Offiziere bes Oberkommanbos ber Schutz truppe sich bei/ Herrn v. Tippelskirch Gelb geborgt haben, zu- treffen, ist noch nicht zu übersetzen. Einige, vereinzeltes 5'älle scheinen, wie einer unserer Berliner Mitarbeiter er*- fährt, tatsächlich vor gekommen zu sein. Wenn es nun? naturgemäß im jetzigen Augenblick für jeden Offizier der Schutzttuppe peinlick) sein muß, .Herrn v. Tippelskirch zunö Gläubiger zu haben, ober gehabt zu haben, so kann boch schon baranf hin gewiesen werben, baß die Firmavon Tippelskirch" dabei ganz aus dem Spiele bleiben dürfte.. Tie Offiziere, um die es sich jetzt handelt, haben mit deu- Lieferungsverttägen ober ber Abnahme ber Lieferungen nid bas Geringste zu tun gehabt. Wohl aber find sie privatimk eng befreundet gewesen mit Herrn v. Tippelskirch; zums Teil haben fie gemeinsam mit itzan in Afrika schwere Zeiten« durchgemacht. Es ist also kaum zu befürchten, batz fick; demFall Fischer" neueFälle" anreihew könnten. Tas Einzige, was den Herren zum Vorwurf zuj machen wäre, ist bas Gelbborgen als solches.

Alber die Enthüllungen über die Mißwirtschaft in der! Kolonialverwaltung regen zu sozialpolitischen Erwägungen! an. Bei der Vergebung von Lieferungen an Tippelskirch u. Co., bei den Transporten an die Firma Wörmann! spielten die Millionen keine Rolle. Obwohl andere Firmen weit niedrigere Angebote stellten, behielt! Wörmann, ber für einen Transport rund eine halbe Miuioip Mark berechnete, während der 2Vs Jahre, die ber jubwestafr-, Felbzug nun bauert, allein bas Transportmonopol. Mttlio-^ nen wurden hier verschleudert, niemals aber mürbe bert von ber Kolonialverwaltung gestellten Forderungen gegen« über ber Einwanb, es fei kein Gelb vorhanden, erhoben. Wenn dagegen die Beamten der Post ober ber Eisen­bahn, bie Arbeiter ber Heer- und Mar ine Verwaltung mit bescheidenen Gehattsausbe,serungen angesichts ber steigens ben Fleischpresse ober mit Erhöhungen ihrer Wohn«

großes Defizit wird übrig bleiben. Das in demselben Theater, in dein im Sommer in sechs Wochen der Zirkus Albert: Schumann rein 240 000 Mk. eingenommen hat. Am 30. August wird in dem monumentalen Bane am Bahnhof zum letztemnall Offenbach erklingen, am CamStag drauf wird schon wieder bie leichtgeschürzte Muse in diesem Theater sich tummeln. Chacun ason gout ...

Derweilen amüsieren sich die Franksurter im Orpheum und lachen über das H e r r n f e l d t - T h e a t e r aus Berlin. Lachen kann man allabendlich wieder. Selbst bei 30 Grad im Schatten^ So wirken jüdische Schwänke ... _r

Sonst ist es noch still im Frank,urler Kunstlerleben. Ob Stille vor dein Sturme ist? Hosientlich, denn ein gewalliges Auf- rütteln braucht endlich die Frankfurter 5kunst, jene, die vor brer Jahrzehnten noch leuchtend und nachahmenswert dastand ist denkschen Landen. Und heute? . . . Kein Baum mehr mit weit- verzweigtem Geäst, nein em dürrer Stamm nur noch mit spär­lichem Laub . . . Dazu wenig Hoffnung, daß es beffer werden faitn<

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Frankfurt a. M., 28. Aug. In der gestrigen Mignon- V 0 r st e l l u n g verabschiedete sich der Tenor Heinrich Hensel vom Franksurter Publikum, um sein Engagement am Hostheatev in Wiesbaden aiijutrclen. Der Aufsichtsrat der Neuen Theater- gesellschast hat nut Bewilligung der städtischen Behörden dem lang­jährigen verdienstvollen Mitgliede, Herrn Alexis Müller, der nach 50jähriaer hiesiger Tätigkeit nunmehr von der Bühne zurück tritt, eine Ehrenpension neben seiner Normalpension aus den Mitteln der Gesellschaft bewilligt. Der Generalversammlimg wird dieser Beschluß zur Bestätigung unterbreitet.

Mis neue Stadtthealer in Nürnberg hat sein erstes Spieljahr mit einem u n g ü n ft i g e n finanziellen Resultat abgeschlossen. DaS Theater muß jährlich 10 Prozent der Brutto­einnahme, mindestens aber 30 000 Mk., an die Stadt zahlen. Die Tirektton will diese Abgabe ermäßigt wissen.

Ulm, 28. Ang. Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung, namentlich aus allen technischen Kreisen Deutschlands, fand heule nachmittag die B e e r d i g u n g des Geh. Hofrats Dr. Max v. E y t h statt. Im Llnitrage des Ehrenprasidentcil der Teutschen Land- wirtjchafis-Gesellschaft, des deutschen Kronprinzen, legte Graf Arnnn einen prachtvollen Kranz am Grabe nieder.