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29.6.1906 Erstes Blatt
 
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Aie heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.

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Wendung und Entschädigung von Beamten, auf Dcrivandt- schaftsverhältnisse usw in einem Maße hinüber, wie es der Zentrumsführcr Dr. Spahn fctbft als nicht zur parla­mentarischen Kritik geeignet bezeichnet hat. Es muß Herrn Erzberger nachgesagt werden, daß er sich mit staunens­wertem Fleiß ui die vielverschlungenen Einzelheiten des Etats hineingcarbcitet hat. Auf diesem Gebiet ist der jugend­liche Aentrumsmann aus Schwaben wohl schon jetzt einer der kenntnisreichsten Parlamentarier. Aber er solltenicht ohne großen Gegenstand sich regen", er sollte teils nicht sonderlich bedeutsame, teils bereits erledigte Fragen am wenigsten ausrollcn in einer Zeit, in der die schwere An­klage deS Vertraucnsbruches von Kolonialbeamten, und

Schulstratze 7.

Redaktion US

Verlag u.Exped.^dSl

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Deutfch-OstafriLa.

Berlin, 28. Juni. (Amtlich.) ^iach einem Telegramm des Gouvernements Deutsch-Ostafrua traf Oberleutnant Abel auf dem Marsche nach Jcaku den von dort nach Aruscha fliehenden regierungstreuen Häuptling Jsara. Jsara berichtete, es wurden ihm von Aufständischen m Jraku über 3000

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Meutereien in Rußland.

In leitenden Kreisen Petersburgs herrscht nach offi­ziösen Meldungen große Aufregung wegen der an Meute­rei streifenden Unruhen im 1. Bataillon des Preobra- schenski-Negiments. Auch das 2. und 3. Bataillon hatten sich zunächst dem ersten angeschlossen, bekundeten aber dann Reue über ihr Verhalten. Das erste Bataillon, welches dasBataillon Seiner Majestät" heißt und seine Kaserne im Winterpalast hat, verletzte die Disziplin in so hohem Grade, daß Grenadiere, Ulanen und Schützen sowie eine Artillcriebrigade aus Krassnoje Sselo nach Pcterhof be­rufen wurden, um die Entwaffnung des Bataillons vor- zunehmen. Tas Bataillon wurde dann nach Auslieferung der Rädelsführer nach Krassnoje Sselo geschafft.

Daß infolge dieser Unbotmäßigkeiten General De sch ko und mehrere andere hochgestellte Persönlichkeiten plötzlich verabschiedet, 6 Offiziere und 290 Mann verbannt wurden, meldete uns bereits eiij gestern veröffentlichtes Telegramm.

In Kasan ist neuerdings eine Militär-Emeute aus­gebrochen. In Rostow am Don haben zwei Kosaken- Regimenter gemeutert und wurden infolgedessen nach Stanitza v e r s ej3t

Politische Lagesschart.

Die Ehinasahrer.

Den Reichstagsabgeordneten, die Ende Juli die Ausreise nach Ostasien antreten werden, gibt decOslos. Lloyd' den zweifellos wohlgemeinten Rat, den Aufenthalt in Tsingtau und Shantung auf sieben Tage zu beschränken, dafür aber einordentliches Stück China', besonders Shang­hai, Peking und Tientsin, umso gründlicher zu durch­streifen, weil damit ein richtiger Maßstab gegeben und zugleich eine Forderung klugen Taktes erfüllt würde. Wir sind der Meinung, daß sich derrichtige Maßstab' im Großen erst durch mehrjährigen Aufenthalt in China gewinnen läßt, daß also die parlamentarische Studienkommission für die eingehende Besichtigung der deutschen Kolonie und ihres Hinterlandes den breitesten Raum geben soll, denn zu diesem Zweck gehen die Volksvertreter hinaus. Ein Besuch am Kaiserhofe in Peking muß natürlich in das Programm ausgenommen werden, »veil diese Unterlassung bei den die Form sehr hoch belvertenden Chinesen umjo übler vernwrkt werden würde, als die chinesische Studienkommission seinerzeit auch am Berliner Hofe sich vorstellen ließ. Politische Wirkungen wird die Chinafahrt der Reichstagsabgeordneten im übrigen schwerlich zeitigen.

weiterhin die Frage der Neubesetzung der gesamten Kolonial- amtsstellen zur Entscheidung steht. Dadurch wird die mit Recht angeregte und sehr nottvendige allgemeine Aufmerk­samkeit nur zersplittert und von der Hauptsache abgelenkt. Auch Erzbergcr dient der Kolouia.lkriuk am besten, ivemi er seine weiteren Pseile solange im Köcher zurückbehält, bis das Ergebnis der aus den Grund greisenden Unter­suchung vorliegt. Auch inEnthüllungen" ist nervöser Uebereiser vom Uebel.

Die ReichStagswahl in Altena-Iserlohn.

lieber den Ausgang der ReichStagswahl in Altena- Iserlohn liegen heute zwei verschiedene, einander sehr erheb­lich widersprechende Dieldungen vor. Dem offiziösen W. T.-B. zufolge wiirden nach vorläufiger Feststellung des Gesamtergebniffcs 34 188 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Haberland (Soz.) 10 5 4 7, Klocke (Zentr.) 7 7 74, Müller (frs. Vpt.) 7673, Haarmann (nat.) 6552, Rueffcr (christl. - soz.) 1637 Stimmen. Zersplittert sind 5 Stimmen. Es wäre somit eine Stichwahl zwischen Habcrland und Klocke erforderlich. Das Bureau Herold aber meldet, die Wahl hätte folgendes Ergebnis: Muller (frs. Vpt.) 7 886, Haarmann (natl.) 6706, Klocke (Zentr.) 7804, Haberland (Soz.) 10885, Rueffer (christl.-soz.) 1642 Stimmen. Es sei somit Stichwahl zivischeu Müller und Haberland erforderlich.

Zunächst also müssen die amtlichen Feststellungen ab­gewartet werden. Jedenfalls haben sich die antiklerikalen bürgerlichen Parteien für die Zukunft zu merken, daß sie vereint gegen Sozialdemokratie und Zentrum zu marschieren haben.

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ZerIall Korell".

R.B. Darmstadt, 28. Jmni.

Korell" beschäftigte heute abend im großen ^urnhallensaal am Woogplatz eine sehr zahlreich besuchte Versammlung, in welcher Pfarrer a. D. Nau­mann aus Berlin als Hauptredner hcrbeigezogen worden war. Während die Versammlung vor der Reichstagswahl, in welcher derselbe Redner zu Worte kam, von denBer­einigten Liberalen" etnberufen worden war, ging die Ein­ladung zur heutigen Versammlung wieder von dem alten Vorstand desFreisinnigen Vereins zu Darm­stadt" aus. Namens desselben begrüßte der Vorsitzende, Justizrat Gallus, die Versammlung und erklärte, daß der Sturm der Entrüstung, der über denFall Korell" durch ganz Deutschland gehe, Herrn D. Naumann veranlaßt habe, heute über dieses Thema zu sprechen.

Der Redner des Abends führte, mit lebhaftem Beifall begrüßt, aus, die heutige Versammlung beweise, daß die Vereinigten Liberalen die Wahlstrapazen gut überstanden hätten, und sie würden sich auch in Zukunft damit be­freunden. Das Zusammenschließen der verschiedenen Ele­mente des Liberalismus fei ja hier ganz von selber ge­gangen. Die Auslassung des Oberkonsistoriums im Falle Korell sei ein neuer Beweis für die Notwendigkeit dieser Zu- sammerrschließung. Ter Redner, auf sein Thema eingehend, unterzog besonders die Begründung der Disziplinierung Korells einer langen Kritik. Das Oberkonsistorium habe das Eintreten des Geistlichen in die aktive Politik über­haupt nicht verurteilen können. Tie Frage, ob der Geistliche nicht ähnlich wie der Offizier, dem politischen Streit ent­rückt sein sollte, lasse sich ja verschieden beantworten; aber auch Luther, Zwingli und Calvin nxtren nicht gerade un­politische Persönlichkeiten. Man hatte auch Korell bis zur Hauptwahl nichts oorzuwerfen, aber dann kam die Stich­wahlparole, und da wird ihm nicht etwa eine strafbare Tat, sondern die Unterlassung derselben, etwas Nichtge­schehenes zum Vorwurf gemacht. Der Sozialdemokrat dürfe trotz seiner revolutionären Gesinnung in der Kirche bleiben, man suche ihn sogar solange als möglich darin zu halten, aber dem Geistlichen verbiete man, für ihn einzutreten. Dieses besondere kirchliche Mönchgelübde werde dem Geist­lichen auserlegt, weit die Sozialdemokratie eine revolutio­näre Partei sei. Gegen diesen revolutionären Charakter könne man wohl als Staatsbürger aus politischen Gründen, aber kaum als Geistlicher in religiösem Sinne protestieren. Der Oberkonsistorialpräsident müsse in der Amtsstube sein parteipolitisches Mäntelchen abwerfen und sich seiner Stell­ung als Vertreter einer durch Jahrhunderte entwickelten idealen Macht bewußt bleiben. Man könne nicht im Ernste sagen, daß die Sozialdemokratie den Staat ernstlich in Gefahr bringen könnte, wir stehen trotz ihrer großen Worte und ihrer revolutionären Tendenzen nicht an, sie als ein wichtiges Element im ruhigen Gang der Dinge cmzu- criennen. Man sollte ihre Reden mit dem Sinn einer seelsorgenden Institution betrachten und sie auf ihren wahren Wert zurückführen. Diejenigen Elemente, die am Reichstagswahlrecht rütteln wollten, seien ebenso gefährliche Revolutionäre; sie wollten eine Umwälzung der Staats­grundlagen, wie die Sozialdemokraten eine solche der monarchischen Grundlagen. Feinde der Kirche säßen in allen Parteien, auch in der nationalliberalen. Das Oberkonsi­storium bettachte die Verhältnisse aus der Belle-Etage und habe keine Fühlung mehr mit den geistigen (Strömungen unseres Volkslebens, sonst könnte es keinen so eminenten Unterschied herausfinden zwischen hüben und drüben und die Sozialdemokratie einfach als religionsfeindlich, die Nationalliberalen aber als kirchenfreundlich bezeichnen. Man hätte sich doch erinnern sollen, daß selbst Fürst Bis­marck unter Umständen ein Zusammengehen mit den So­zialdemokraten für angezeigt hielt und wenn das der größte Staatsmann des deutschen Reiches tat, dann sollte cm Staatskirchenmann in Hessen nicht strenger sein und em Zusammengehen unter allen Umständen verurteilen. Auch seien ja im Rheinland nationalliberale und noch vor­nehmere Herren auf sozialdemokratischen Krücken in den Reichstag gekommen, und in Baden hätten doch vor nicht langer Zeit die Nationalliberalen für die Sozialdemo­kraten gestimmt, ohne daß deshalb Baden in die Brüche gegangen wäre. Das jirristisch Merkwürdigste an dem ganzen Erlaß des Oberkonsistoriums sei, daß Pfarrer Korell be- sttaft werde, nicht weil er etwas getan habe, sondern :veU er nichts getan habe. Das sei eine Konstruktton, dre dem Dolus eventualis sehr ähnlich sehe und die für eine Be­hörde mit juristischem Kopf bedenklich fei. Ter Redner schloß seine etwa ziveistundigen Ausführungen unter sehr lebhaftem Beifall der Versammlung mit sympathischen Worten für Pfarrer Korell. .

Qn der bis nach Mitternacht ausgedehnten Diskustion beleuchtete bann u. ». Prof. ®r. Standinger denFall Korell" noch in einer längeren Betrachtung t>om Standpunkt des Ethikers and. Ein Beschluß wurde in der Versammlung nicht gefaßt. #

Bon anderer Seite wird uns über die Diskussion noch fol^^Agerber ergriff als Kollege des Ge­maßregelten Korell das Won. Viele Pfarrer bedauerten aufs Tiefste die Maßregelung und durften nach der sachuchen Seite mit den Ausführungen Naumanns wohl durchaus einverstanden sein, aber sie empfänden auch einen tiefe Schmerz darum, daß cs möglich, ja notwendig war, jjeg tr­über der kirchlichen Oberbehörde so ^uszutreten, wi, diesem Abend. Schmerz auch empfänden die Geistlichen ub

Nr. 150

Erscheint täglich außer SonntagS.

Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Eichener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh loschen Univ ers.-Buch-u. Stein­druckerei. R. Lange.

sla ^chhbigung, welche der evangelischen Kirche durch Tie Sache greift auf das persönliche Gebiet, auf die Der das Oberkonsistorium zugefugt wird. (Zusttmmung.) - "" " L

Amtsrichter Dr. Mahr hält als politischer Gegner Kv- rells dessen Maßregelung für un gerecht.

Staatsschuldbuchführer Henrich iniberlcgte eine Reihe von dem Vorredner vorgebrachte Unrichtigkeiten. Im Land­tag fei man nicht gegen politische Tätigkeit der Richter aufgetreten, sondern gegen das Verhalten eines gewissen Herrn im letzten Wahlkampf.

In feinem Schlußwort erinnert Naumann an die Ausführungen des Prof. 9inbe in derChristlichen Welt", worin die Abdankung des Präsidenten des Oberkonsistoriums gefordert wird.

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J»14. 3um 1906. iy- Litsgericht Gießen.

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«tag, bett 5. Zull 1906, 3 N wird aus hiesigem die vor dem Namen oh. Richard UrmerSbadj u geb. Babenheim stehende e der Gemarkung Gießen >79 = 139 qm Hosraike au' dem Herweg ch meistbietend versteigert ien, den 30. Mai 1906, )ßh. Orlsgerichl Gießen,

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Schwere Anschuldigungen gegen Beamte des Kolonialamts.

DieNordd. Allg. Ztg." schretbt: Auf Grund einer Ver­öffentlichung desDeutschen VolkLblattes" in Stuttgart gehen eine Reihe schwerer Anschuldigungen gegen mehrere Beamte der Kolonialabteilung durch die Tag«spresse. Wir stellen folgendes fest:

1. Die Kolonialverwaltung schloß am 30. Dezember 1895 mit der Transatlantischen Güterversicherungsgejellschast Berlin einen allgemeinen Seeversicherungsvertrag, der jeweils am 1. September zum 31. Dezember kündbar Jem soll. Mit Rücksicht am die Höhe des Risikos bei den Verschiffungen anläßlich des südweslasrikanischen Ausstandes wurde für die Zeit vom 1. Juni bis 31. Dezember 1906 ffir Südweslasrika ein neuer Vertrag abgejchloffen, der von» 31. Dezember 1906 ab jeweils um ein weiteres Jahr verlängert gilt, sosern nicht vier SDlonate vorher gekündigt wird. Tie Präinte beträgt im allgemeinen 6 pro Mitte. An dteser Versicherung sind neben der transatlantischen Güterversichernngsgesellschait beteiligt die Norddeutsche VersichernngSgesellschait mit 25 Prozent, die Oberrheinische Versicherlingsgesellschast Marntheirn, die Deutsche TrallSportversicherungsgesesischasl Berlin mit je 10 Prozent, die Mannheimer Persicherungsgesellschaft 'lUaimljemt nut ö Prozent der Polize. Eine Reihe anderer Geselljchailen lehnten die Aus- forbernng zur Teilnahme ab. Tie Sfolcmalabteilung legte Werl daraus, das; die Abwickelung der Geschäfte in den Händen der Transatlantischen Gesellschaft blieb, wett diese sich seit Jahren bei Erledigung der in den Schutzgebieten besonders schwierigen Ersatz­ansprüche stets entgegenkommend zeigte. Daß der Sohn des G e h. H o s r a t s Krüger bei bereit Kölner Agentur tätig ist, hatte aus den Vertragsabschluß nicht den m i n d e st e n E i n ° s l U ß: die Versicherung der ^oul-ernementsdampser und der hinaus- gesandten Pferde erfolgte jeweils v.,anders.

2. Die Pension ssähige Zulage von 600 Mark ivurde deut Hosrat T a s ch belassen, weil von der Ansicht aus- gegattgett wurde, daß einem etatsmäßtgen Beamten eine einmal gewährte Zulage, die im Etat ausdrücklich als pensionsfähig be­zeichnet war, nur mit seiner Zusttmmung, oder bei Uebectragung einer anderen etatsmäßigen Stelle entzogen werden kann. Tasch befindet sich aber heute noch wie seinerzeit als Kalkulatorvorftand in der etatsmäßigen Stelle eines Expedienten. Von der A tt s- st e l l u n g s a l s ch e r Q tt i 11 u n g e n kann n i ch t d i e R e d e sein. Die Aitgelegenheit ivurde bereits in der Budgetkommission nm 22. März eingehend behandelt. In das Finanzreforat der Kolonialabteilung ist der Geh. Legationsrat Seitz erst Ende Oktober 1901 übergetreten, also erst nach dem Zeitpunkt, zu welchem Hosrai Tasch die Geschälte des Kalkillationsvorstandes abgegeben hatte und im Finanzreserat Verwendung fand.

Zu dem Fall des Obersten a. D. Fleck wiederholt die Nordd. Allg. Jtg." die Erklärung des Vertreters der Kolonial- verroaltung in der Budgetkommission des Reichstags voin 10. Mai 1896, sagt:dieser Erklärung ist nichts hinzuzuiügen," und fährt dann fort: Es wird bemerkt, daß bei der Verfügung, durch welche die Dienstauiwandsentschädigung dem Obersten Fleck bewilligt ivurde, der Geh. Legationsrat von König nicht mitgewirkt hat. Der Geh. Legationsrat von König ist mit dem Obersten Fleck insofern verwandt, als seine Großmutter eine Halbschwester des Vaters der Obersten Fleck war.

Die bisher von nn§ nicht wiedergegebenen, von dem Stuttgarter Zentrumsblatt gegen die Rolonialabteilung er­hobenen Anschuldigungen, welche das vorstehende Dementi derNordd. Allg. Ztg." entkräftet, besagt folgendes:

1. Die gesamte Seeversicherung wurde von der Kolonilabtcilung alS Monopol der Transatlantischen Bersichernngsgesillschaft übertragen, irotzdem leistungsfähigere Gesellschaften niedrigere Angebote machten. Eine Ausschreibung habe lange nicht stattgefunden, auch als endlich eine solche auf Drängen über Versicherungen des schwinnuenden Materials erging, habe man ohne Rücksicht auf vorteilhaftere Offerten stets die Monopolfirma beauftragt. Auf diese Weise seien große Summen von Rcichsgcldern verausgabt worben, weil die bevorzugte Firma Söhue maßgebender Herren der Kolonialabtcilnng beschäftige!

2. Der Kolonialbeamte Hosrat Tasch bezog fünf Jahre lang eine pcnsionsfähige Zulage von Mk. 600, die, laut Etat, mit einer Tätigkeit verknüpft ward, die der betreffende Beamte schon seit fünf Jahren tatsäch­lich nicht mehr ausübr.Hosrat Tasch hat also mit Wissen des Personal- refcrcnlen v. König und des Finanzreferenteu Dr. Seitz eine ungesetz­liche Zulage bezogen und falsche Quittungen ausgestellt."

3. Ein Verwandter des Geheimrats v. Köntg, Oberst Fleck, wurde im Kolonialamt angcstellt und sollte einen Gehalt von 4000 Mark er­halten; da jedoch Gehalt und Pension zusammen daS Dienstcinkommen eines aktiven Obersten überschritten hätte, wären die gesetzlichen KürzungS- bestiminungen in Kraft getreten, wonach das Einkommen auf dasjenige eines Obersten im Dienst zu reduzieren gewesen wäre. Ties wußte man nun dadurch schlau zu verhindern, daß man das Gehalt in zwei ^.eile zerlegte und den einen alsDienstauswands-Entschädigung" be- zeichnete, die natürlich für die Kürzungsbestimmungen nicht in Rechnung gezogen wird. Diese Tatsache, daß der betreffende Oberst unter Um­gehung der gesetzlichen Bestimmungen finanziert wurde, konnte in der Budgetkommission vom Regicrungsvertreter nicht in Abrede gezogen n)?rbTische. Bolksblatt" in Stuttgart steht, dem sattsam bekannten Wg. Erzberger nahe. Nach der offiziösen Dar- ftelhmg erscheinen dieseEnthüllungen" Erzbergers j>enn doch bedenklich herausgcputzt. Das Wesentliche an der Lache ist nämlich schon im März und Mai d. I. in der Budget- kommission erörtert und, wie man wohl sagen darf, von ber Regierung hinreichend klargestellt worden. Ta genaue Berichte über die Verhandlungen der Budgetkommission nicht erscheinen, waren dre Mittellungen des Stuttgarter Zen- trumsblllltes natürlich überraschend für die Oefsentllchkell.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MV ____zeigenteil: Hans Beck.