Nr. 48 Zweites Blatt
150. Jahrgang
Montag 26. Februar 1906
C -scheint Ägfit) mit Ausnahme des Sonntags.
lute „Siehener LamMenblättrr- werden dem ^Bmeiaet tnermol wöchentlich beigelegt. Der taMtrF erfcheurl monaUtch einmal.
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lebe» UnwerstlätSdruckeret. R. Lang«, Grebe»,
Redaktion. Expedition u. Druckerei: Sdntfftr,^
Tel. 'Jlt. 5L Letegr.-Adr.i Anzeiger
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Kekannlmachmig.
Wegen Vornahme von Rohrlegungsarbeiten wird die KreiSstraßenortsdurchfahrt Annerod im Zuge der Kreis- straße l«ießen-Annerod-Steinbach vom 26. Februar bis zuni 17. März l. I. für den Fährverkehr gesperrt.
Fuhrwerke, welche während dieser Zeit in der vorgenannten Richtung verkehren, können die gesperrte Strecke durch Benutzung der unweit der Ganseburg von der Grünbergerstraße abzweigenden Straße nach Annerod umfahren.
Gießen, den 20. Februar 1906.
Großherzogliches Kveisamt Gießen. ___________________I. V.: Hechler.
Zur Aeichstagsway: in Darmstadt.
R. B. Darmstadt, 25. Februar.
Eine allgemeine Vertrauensmännerversammlung hatte die nationalliberal« Partei für den Reichstagswahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau für heute zusammenberufen, uni für die bevorstehende Reichstagsersatzwahl einen Kandidaten zu nominieren. Rechtsanwalt Dr. Osann II. führte den Vorsitz und sprach seine Freude über den außerordentlich zahlreichen Besuch von Stadt und Land aus, der als Beweis dafür gelten könne, daß wir diesmal mit allen Kräften und auch mit den besten Hoffnungen in den harten Wahlkampf ein- treten. Der Umstand, der Herrn Cramer zur Riedcrlegung seines Mandats veranlaßte, sei daS beste Werbemittel für die Sache der bürgerlichen Parteien. Die Erwartung, daß diesmal alle nichtsoz. Parteien gemeinsam vorgehen würden, sei leider von den Deutschfreisinnigen durchkreuzt und anscheinend sogar absichtlich durchkreuzt worden durch die schon vor der eigentlichen MandatSniederlegung erfolate Ausstellung einer national-sozialen Sonderkandidatur. (Diese Darstellung ist denn doch schief. Indem die Nationalliberalen mit ihrer Kandidatur später auftraten, geschah von ihrer Seite die Durchkreuzung, ohne Rücksicht darauf, daß die Freisinnigen 1903 in Gießen, Lauterbach und Offenbach bei der Hauptwahl mit anerkennenswerter Selbstüberwindung sofort für den nationalliberalen Kandidaten eintraten und diesem zum Siege verhalfen, während die National- liberalen in Bingen das Zentrum unterstützten!! D. Red.) aber er könne konstatieren, daß alle anderen bürgerlichen Parteien einmütig den nationalliberalen Kandidaten acceptiert hätten und gleich im ersten Wahlgang für ihn stimmen würden. Rechtsanwalt Dr. Stein, der vor drei Jahren 8659 Stimmen erhielt, habe sich wieder zur Annahme einer Kandidatur bereit erklärt. Wir wollen daher alles tun, sein Vertrauen zu der nationalen Gesinnung in unserem Wahlkreise zu rechtfertigen und dafür sorgen, daß die Sozialdemokratie in der hessischen Residenz in Zukunft keine Stätte mehr sindet. (Lebh. Beifall).
Dr. Stein, mit stürmischem Applaus begrüßt, führte zm§, daß er sich nur schwer zu einer neuen Kaiididatur entschloßen habe. Da eS seine Freunde aber einmütig gewollt, so wolle er auch heute wieder freudig mit in den Kampf marschieren. Er habe sich schon früher als ein aufrichtiger Nationalliberaler bekannt, aber nicht als ein Fanatiker, sondern als einer, der nach seiner eigenen Ueberzeugung urteile. Zu den hauptsächlichsten Fragen der Reichspolitik gehörten jetzt die Flottenvorlage und die Reichsfinanzreform. Bei der gegenwärtigen Lage der auswärtigen Politik halte er eS für seine Pflicht, der Flottenvorlage zuzustimmen; die Kehrseite sei die Aufbringung der Mittel und da sei eine gründliche Finanzreform nicht zu umgehen. Weil einer Reichseinkommensteuer zu viel Schwierigkeiten gegenüberstehen, müsse man den indirekten Steuern näher treten, um das Defizit von 156 Millionen und die notwendigen neuen Anforderungen an das Reich zu decken. Die Steuerkommission habe das Steuerbouquet der Negierung sehr zerpflückt und sich bemüht, die Konsumste-lern möglichst gerecht und wenig fühlbar zu gestalten. (?!) Diesem Bestreben würde auch er sich anschließen.
Stadtv. WolfSkehl drückte dem Redner den herzlichsten Dank für seine neue Aufopferungsbereitschaft auS und forderte zu energischster Mitarbeit aller Vaterlandsfreunde auf, ebenso Herr Graf-Büttelborn als Vertreter der ländlichen Bezirke.
Dann hielt, mit lebhafter Freude begrüßt, Reichstagsabg. Dr. Becker- Sprendlingen, der eigens aus Berlin hierher» gckommen war, eine längere, fesselnde Rede über die augenblickliche politische Situation. Er habe in der heutigen Versammlung dieselbe Ueberzeugung gewonnen, wie bei seiner ersten Rede im Wahlkreis Offenbach-Dieburg: Wenn alle diese Männer, wie sie hier beisammen sind, Bürger, Bauern, Handwerker, Beamte usw. ihre volle Schuldigkeit tun, dann muß der Sieg unser sein! Gegenüber dem einen Wunsch, den Wahlkreis wieder für die Sache der bürgerlichen Parteien zuaückzuerobern, müßten alle besonderen Wünsche der einzelnen Parteigruppen und -Schattierungen zurücktreten. Die Mandats-Niederlegung Cramers beweist, daß die Sozialdemokratie nicht davor zurückschreckt, dem Einzelnen auch in seinem Privatleben vorzuschreiben, was er zu tun und zu lassen hat, eine nette Probe für den Zukunftsstaat, der weiter nichts, als ein großer Zuchthausstaat sein wird. Auf diesen Terrorismus und diese Beschränkung der persönlichen Freiheit sollten besonders auch„ hier die Wähler aufmerksam gemacht werden. Der Redner führte weiter aus, daß der Wahlkreis jetzt nicht mehr einem revisionistischen, sondern einem radikalen Sozialdemokraten gegenüberstehe, einem Angehörigen derjenigen Partei, die in Jena -einen Mörder als einen Märtyrer hinstellte und die Arbertergroschen dazu benutzt, die russischen
Revolutionäre zu unterstützen. Die bürgerlichen Parteien stünden mehr auf sozialem Boden, als die Sozialdemokratie, deren Führer nicht das Los der Arbeiter verbessern, sondern nur Unzufriedenheit und Verhetzung säen wollten, weil sie ja nichts mehr zu vertreten hätten, wenn die Arbeiter zufrieden wären. Die ganze arbeitersreundliche und soziale Gesetzgebung sei nicht nur ohne, sondern sogar gegen die Sozialdemokratie durchgeführt worden und deshalb hätte sie auch kein Recht, sich als Vertreterin der Arbeiterintereffen aufzuspielen. Der Redner besprach dann noch die Kolonialpolitik und die gegen- wärtgen Verhandlungen über die Flottenvorlage und die Finanzreform und schloß unter stürmischem Beifall die Versammlung mit der Aufforderung zu gemeinsamer, energischer Arbeit, damit der Wahltag ein Sieges- und Segenstag für die gute Sache werde.
Von der Versammlung wurde darauf Dr. Stein noch einstimmig zum Reichstagskandidaten proklamiert. _______
Der Kultusetat vor dem Preutz. Abgeordnetenhause.
Berlin, 24. Febr.
Auf der Tagesordnung steht: Die zweite Beratung des Kultusetats. Es beginnt die allgemeine Besprechung beim Titel Mimstergehalt. Auf Wunsch des Abg. Dr. Porsch (3tr.), damit den Gerüchten cntgcgcngetrcten werde, als seien die höheren Lehranstalten Preußens durch die Kvnvenienz des preußischen Kultusministers mit einem Netz marianischer Ko^ngre- g a tion en überzogen worden, erklärt Kultusminister Dr. ©t u bt, bisher seien bei ihm nur 9 Anträge auf Gewährung mariani- schcr Kongregationen vorgelegt worden. Neue fielen nicht in Aussicht. Genehmigt lei keine einzige. Aba. Frhr. v. Zedlitz stellt Anträge in Aussicht, die dahin gehen, die Stellenzulagen der ^ernmar- lchrer pensionssähig zu machen und im nächsten Etat wiederum 2 Millionen zur Erhöhung der Dienstaltersuilagen bereit zu stellen. Abg. Ernst (fr. Bg.) unterstützt die Anträge des Abg. Zedlitz. Warum aber setze sich der Minister nicht wie seine Vorgänger mit den berufenen Vertretern der Lehrerschaft im preußischen und deutschen Lehrerverein in Verbindung? Die Lehrer haben sich keineswegs gegen die Beseitigung des Religionsunterrichts in der Volksschule ausge- sprvcheu, sondern nur ihre Befreiung aus demagogisch en Fesseln gefordert. Abg. Dr. Friedberg (nl.) erklärt, wenn seine Partei sich auch dcu Anträgen des Abg. v. Zedlitz anschließe, so sollten doch diese temporären Aushilfsmittel der schleunigen Vorlegung des Lehrerbesoldungsgesetzcs keinerlei, Abbruch tun. Weiter geht Redner noch auf die Frage der mariani- schen Kongregationen ein.
Abg. Stychel (Pole) erklärt, ur3 war Deutschtum nie Kultur, nie Freiheit, stets Drill. Die Freiheit der Muttersprache hat man uns genommen. Bezeichnend hieß es aus der Generalversammlung des evangelischen Bundes: Der Kampf gegen das Polcntum ist der Kampf gegen Nom. Abg. Tourneau (Ztr.) wendet sich gegen die Ausführungen, die neulich Abg. v. Campe beim Justizetat gegen die religiösen Genossenschaften und deren Umwandlung in Aktiengesellschaften gerichtet habe. Redner empfiehlt, durch ein besonderes Gesetz, das den geistlichen Genossenschaften die Rechtsfähigkeit verleiht, die Frage zu regeln. Abg. Dr. v. Campe (nl.) hält daran fest, daß die von Ordensgesellschaften, Ordensmitgliedern mit deren Hintermännern eingeschlagenen Wege, um die Rechtsfähigkeit zu erlangen, zum mindesten eine Abweichung von der geraden Linie darftellen. Kultusminister Dr. Stu d t bestreitet, daß, die Lehrervereine je offiziös angegriffen worden seien. Allerdings seien manchmal recht bedenkliche Aeußerungen auf Lehrcrtagen gefallen. Auf das entschiedenste weist der Minister die Angriffe des Abg. Stychel zurück. Die Frage der Bildung rechtsfähiger Genossenschaften durch Mitglieder geistiger Gesellschaften sei eine sehr zweifelhafte, die nur von F-all zü Fall durch die ordentlichen Gerichte entschieden werden könne. Abg. Heckenroth (kons.) beklagt den Rückgang der Zahl der Theologie studierenden. Abg. Glowa tzki (Ztr.) bezeichnet es als ungehörig, daß die polnische Sprache sogar aus dem Religionsunterricht ausgeschlossen werde. Redner geht ausführlich aus die Verhältnisse im polnischen Unterricht ein. Die schlesischen Zentrumsmänner ständen auf dem Standpunkt, daß jeder ein Recht darauf habe, den Religionsunterricht in seiner Muttersprache zu nehmen. _ Kultusminister Dr. Studt erklärt Nachgiebigkeit in der ^Lprachen- unb Schulfrage für unmöglich. Gegen die grvßpolnische Bewegung gelte es Kampf bis aufs Messer. Abg. Funck (fr. Vp.) erklärt, nur auf dem Boden voller Unabhängigkeit können die Lehrer ihrer hoben pädagogischen Aufgaben gerecht werden. Der Titel wird bewilligt.
Marokko.
Ein Berliner Blatt, das gern in Sensationen macht, bringt einen heftigen Artikel gegen einen Mann, von dem man selten etwas hört, der trotzdem aber eine bedeutende Rolle in unserer ausw.Politik spielt, gegen Herrn v.Holstein, Exzellenz und speziellen Berater des Kaisers. Der Name ist genannt worden, als jüngst Herr de Courcel in Berlin nach der Audienz beim Kaiser mit dem Reichskanzler und eben Herrn v .Holstein konferierte. Herr v. Holstein soll die ganze Marokkoaffäre auf dem Gewissen haben. Er sei eine eiserne Politikernatur, die mit den äußersten Konsequenzen rechne. Herr v. Holstein bewog den Kaiser, sich in die Marokkoaffäre zu stürzen, Herr v. Holstein habe den Rat gegeben, Tanger anzulaufen, und Herr v. Holstein sei noch jetzt die treibende Kraft, die den deutschen Delegierten in Algeciras den Rücken steift.
Der Einfluß des Herrn v. Holstein wird wohl recht überschätzt. Gewiß wird er ab und zu vom Kaiser empfangen, und nach dem Ableben des Herrn v. Nichthofen war er die treibende Kraft im auswärtigen Amt, bis der neue Mann seinen Einzug hielt. Seither ist er wieder zurückgedrängt. Das Gerede von der Kriegslust dieses Mannes hinter den Kulissen ist lächerlich. Doch selbst wenn es im auswärtigen Amt einen Mann gäbe, der einen Weltkrieg wünschte, würde dieser Wunsch nicht erfüllt, solange Fürst Bülow noch etwas zu sagen hat.
Es irrar schon einmal eine Treiberei gegen gewisse Persönlichkeiten in auswärtigen Blättern im Gang und auch damals war es Herr v. Holstein, gegen den sich dos Treiben wandte. Fürst Bülow war eben Reichskanzler geworden, und in Wien saß ein DLann, der damit nicht zufrieden war. Da wurde das Stichwort von dem Kerl mit d en H y ä n en o. u g e n geprägt. Jetzt ist wieder eine hohe Stelle im Reich neu besetzt worden, und gekränkter Ehrgeiz scheint sich regen und ein wenig verleumden zu
wollen. Man weiß, daß die Marokkokonferenz auf des Messers Schneide balanzicrt. Was soll das Ausland davon halren, wenn man ibm sagt: ein einziger Mann im deutschen Reich ist verantwortlich für die ganze Geschichte? Man wird fieber in Paris davon Notiz nehmen, und bis deutsche Marokkopolitik wird durch diese Machenschaften diskreditiert. Tos ist das Bedauerliche an der Geschichte. Daß man aber die deutsche Politik, die ohnehin keinen! leichten Stand hat, dem Ausland gegenüber herabwürdigt, das macht die Treiberei im höchsten Maße verwerflich. Wir glauben an keine Nebenregierung im auswärtigen Amt.
In einer Berliner offiziösen Meldung versichert die „K. Ztg", der bisherige Verlauf in der Bankfrage lasse» die Hoffnung auf eine Einigung in dieser Materie nicht aufgeben. Nachdem zu erwarten ist, daß weder das! französische noch das deutsche Programm Aussicht auf glatte Annahme bei den übrigen Mächten habe, sei man der Lösung der Frage in einzelnen Punkten bereits nähergekommen und namentlich französischerseits, im Gegensatz zu einem großen Teil der französischen Presse, in eine ruhigeErörterung der gemachten Vorschlags eingetreten. Man darf erwarten, daß Frankreich auch den Wünschen der übrigen Mächte gegenüber nachgeben werde., Ter Ausschuß, der mit der Vorberatung des Entwurfs über die Vanksrage betreut ist, hat jetzt drei von einander, unabhängige Entwürfe zu beraten. Er beschloß, zu dieser Beratung die technischen Beiräte, Dupafseur-Frankreiich, v. Glasenapp-Teutschland und Moralös-Spanien, hinzu-« zuziehen. Die Vorberatungen werden längere Zeit in Anspruch nehmen. Es wird auch von ftanzösischer Seite biet Ueberzeugung ausgesprochen, daß das der Konferenz vm> liegende Pr o gram m von ihr bis zu Ende durchs beraten wird.
politische Tagesschatt.
Tie Erbfolge in Badea
ist durch em Ereignis gesichert, das der Draht aus Karlsruhe meldete: Prinzessin Max, die Tochter deS Herzogs von Enmberland, ist von einem Sohne entbunden worden, nachdem auS ihrer vor bald sechs Jahren mit dem Neffen deS Großherzogs geschloffenen Ehe bisher eine Tochter hervorgegangen war. Bekanntlich bestand ohne diese Sicherung die Aussicht, daß bei der Kinderlosigkeit der Ehe des Erbgroß- herzogS die großherzogliche Würde dermaleinst in die Hände entfernter katholischer Agnaten übergehen könnte, und de» gleiche Uebergang steht in Württemberg bereits für den nächsten Regierungswechsel bevor. In Baden war bereits davon die Rede, daß für daS Großherzogtum die Ehe deS jüngsten Bruders des Großherzogs, Prinzen Karl, mit der zur Grasir v. Rhena erhobenen Freiin v. Beust für ebenbürtig erklärt werden sollte, um dem auS dieser Ehe hervorgegangenev Sohn, dem jungen Grafen Rhena, die Thronfolge nach dem Prinzen Max zu verschaffen. Vielleicht kommt eS trotz bei nun eingetretenen Befestigung dynastischer Hoffnungen doch noch zu dieser Maßnahme, so lange jene Hoffnungen immer noch auf den zwei Augen deS eben geborenen Prinzen stehen- zumal das Haus Zähringen in seinem gegenwärtigen Beilande ebenfalls auf der Legitimierung der unebenbürtigev zweiten Ehe des Großherzogs Karl Friedrich mit der späterer» Gräfin von Hochberg beruht.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Febr. Gestern wohnte der Kaiser iw der Militärturnanstalt der Schlußbesichtigung deS LehrkursuS bei. Im Schlosse empfing er dann eine Abordnung deS russischen 85. Infanterie-Regiments Wyborg.
— Zur Fleischteuerung will die ,Allg. Fleischer- jeitung' erfahren haben, daß die Regierung Maßnahmen vorbereitet, die den Wünschen der Bevölkerung Rechnung tragen und geeignet sind, eine Milderung der Notlage herbeizusühren; ehe vier Wochen inS Land gehen, würden diese Maßnahmen unbedingt ausgeführt werden.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung^ wonach das Verbot der Einfuhr von Schafen aus Oesterreich-Ungarn ab 1. März nach Maßgabe deS am 1. März in Kraft tretenden Viehseuchen-Uebereinkommens zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich.Ungarn in^ soweit aufgehoben wird, als die Einfuhr von österreichisch- ungarischen Schafen zur alsbaldigen Abschlachtung unter den für Rindvieh dieser Herkunft geltenden Bedingungen und in die für die Einfuhr von Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn geöffneten Schlachthäuser zugelassen wird. Der .Reichsanz." veröffentlicht ferner das Gesetz über die Abänderung zweier badischer und des 7. hessischen ReichstagS-Wahl- kreises WormS-Heppenheim.
— Der Hauptvorstand deS rheinischen Bauernvereins, der auf dem Boden der Zentrumspartei steht, hat entschieden gegen die Erbschaftssteuerpläne besj Abg. am Zehnhoff Stellung genommen und beschlossen, eine ausführliche Eingabe mit der Bitte um Ablehnung des Antrages an den Reichstag zu richten.
— Zwischen dem badischen Bauernvereine und den 21 Fleischer in nungen Badens ist eine Vereinbarung getroffen worden, die den unmittelbaren Verkehr zwischen Landwirten und Fleischern herbeiführen soll. Die Mitglieder des Bauernvereins sollen daS Schlachtvieh durch die Ortsoorstande den Innungen an* melden.
— Der Gemeinderat von Stuttgart hat anläßlich deS 50. Todestages deS Dichters Heine einer neuen Straße den Namen Heine-Sttaße gegeben,
Dresden, 24. Febr. In den Kreisen von Jndustrte und Handel ist mau entrüstet über den jetzigen Beschluß der Ersten Kammer. Die Erwerbsverbäude wollen erneut gegen ihre Behandlung in oer Ersten Kammer Protest er» heben. Es wird gehofft, daß in der Zwesten Kammer die


