Ausgabe 
23.11.1906 Erstes Blatt
 
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Neinokdigememde in Dortmund abschlägig beschieden und die Entscheidung deS Konsistoriums zu Münster anerkannt baben.

Ausland.

London, 22. Nov. Die ,Exch. Tel.-Comp.^ meldet auS Washington, daß unverbindliche Besprechungen zwischen der englischen und der amerik. Regierung betreffs des Austausches der Philippinen für Neufundland und Jamaika stattfinden. Die englische Regierung machte den Vorschlag. Die amerikanische Regierung erklärte sich bereit, in unverbindliche Besprechungen darüber einzutreten. Die Bevölkerung von Jamaika dürfte einverstanden sein, während die Neufundländer dagegen sein dürften. Auch von Kanada erwartet man Opposition.

Paris, 22. Nov. Der Unterstaatssekretär des Kriegs­ministeriums Cheron überraschte gestern um 3 Uhr morgens die Nrtilleriekaserne in VincenneS mit seinem Besuch. Der diensttuende Unteroffizier der Torwache kannte offenbar die Geschichte deS »Hauptmanns von Köpenick' und unterzog den Untcrstaatssekretär einem scharfen Verhör, ehe er ihn einließ. Cheron muhte sich mit verschiedenen Papieren, die der Unteroffizier sorgfältig prüfte, ausweisen, ehe er in die Kaserne eindringen konnte. Er war übrigens mit dem Er­gebnis seiner Inspektionen recht unzufrieden und erklärte gründliche Aenderungen für unerläßlich.

Wie erwartet, haben die mit der Inventarisierung beauftragten Beamten besonderen Widerstand in der Bre­tagne gefunden. 2 000 Bauern belagerten die Kirche des Dorfes Pauguerneau seit 3 Uhr nachts. Als in der Frühe der Kommissar mit 6 berittenen Genbannen und einer Ab­teilung Kürassieren und Husaren anlam, wurden die Sturm- glocken geläutet. Nachdem die Truppen die verbarrikadierte Umzäunung frei gemacht hatten, trieben die Bauern die Soldaten mit Knüppeln zurück. Zwei Reiter­attacken blieben erfolglos. Viele Bauern und! Soldaten wurden schwer verletzt. Der Kommandant verlangte telegraphisch Kolonial-Jnfanteric aus Brest. In I Largeaffe wurde ein Holzblock gegen den Gendarmerieleutnant geschleudert. In Bohars wurde im Laufe des Krawalls der Vikar verhaftet.

Paris, 22. Nov. Kammer. Marineminister Thomson erklärte, man muffe zunächst an den Bau vonPanzer- schiffen und von zum Angriff geeigneten Untersee­booten gehen. Wenn die Gegner solcher Pläne im ver­gangenen März bei der Beratung über die Panzerschiffe nichts gesagt hätten, so liege das darin, daß sie das Gefühl einer Gefahr empfanden, das der Marokkofrage entsprang. Der Minister weist dann auf die Bestrebungen Englands und Deutschlands hin, ihre Flotte auf der Höhe 311 erhalten, und betont, daß nach den letzten Untersuchungen die Turbinen | günstige Ergebnisse gezeitigt hätten. Der Deputierte Drelon hat einen Antrag eingebracht, nach welchem die Kriegs­gerichte unbeschadet der militärischen Disziplin in Friedens­zeiten gänzlich aufgehoben werden sollen. Vergehen gegen das gemeine Recht sollen von der hierfür zuständigen Gerichtsbarkeit abgeurteilt werden. Rein militärische Ver­gehen sollen einem für jedes Armeekorps zu schaffenden Zncht- polizeigericht unterstehen, welches aus drei bürgerlichen Richtern und zwei von dem kommandierenden General zu bestimmenden, mindestens im Hauptmannsrange stehenden militärischen Beisitzern zusammengesetzt ist.

Ein Dementi des Ministeriums des Aeußeren ecklärt gegenüber der Meldung des heutigen »Gil Blas' für unrichtig, daß zwischen Frankreich und England seit längerer Zeit eine Marine- und Militärkonvention abgeschloffen worden sei, die die Unterschrift des Präsidenten, des Ministers des Aeußeren und des Admirals Fournier trage.

Der Senat nahm die Vorlage auf Erhöhung der Entschädigung für die Deputierten auf 15 0 0 0 Fr. an.

Wien, 22. Nov. Unter den Serben in Bosnien wurde eine umfangreiche Agitation entdeckt. Die Bewegung bezweckt eine Erhebung gegen Oesterreich im Früh­jahre 1907 herbeizuführen.

Ausstiches.

Nach einer Petersburger Meldung ift zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm drahtloser tele- graphischer Dienst installiert worden.

Der Ministerrat genehmigte die Vorlage des Finanz­ministers betreffend die Mittel zur Ausführung der Amur- eisenbahn, deren Erbauung durch die Notwendigkeit ge­fordert wird, Chabarowsk mit der Hauptlinie der trans-1 sibirischen Bahn durch eine über russisches Gebiet führende Linie zu verbinden.

Am 21. November wurden in der Odessaer Uni­versitätsklinik zahlreiche Ueb'erfälle auf Studenten verübt. Einige von ihnen wurden verletzt. Am 22. traten infolgedessen die Professoren zusammen, um Maßregeln zur persönlichen Sicherheit der Studenten zu schaffen. Eine Ab­ordnung des Profefforenkollegiums ersuchte sodann den Truppenkommandanten des Bezirks, Maßregeln zur Sicher- heit der Studenten zu treffen. Der Kommandant sagte zu, daß er alles Erforderliche sofort veranlassen werde. Auf ®rttnb von Gerüchten über ein demnächstiges Progrom wurden in Odessa Plü n d erun gsv ersu ch e in Läden in bei Nähe be§ Marktes gemacht. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her.

Aus Stcrdt und Land.

Gießen, 23. Nov. 1906.

** Großherzogs Geburtstag feiert unser Regiment in der herkömmlichen Weise. Eingeleitet wird die Feier heute abend 8 Uhr durch einen großen Zapfen­streich, während morgen früh 7 Uhr großes Wecken statt­findet. Um 8 Uhr wird die Regimentsmusik vom Turm der Stadtkirche einen Choral spielen und um 10 Uhr beginnt der Festgottesdienst in der Stadtkirche. Hieran schließt sich um 11 Uhr Regimentsappell im Hof der Zcughauskaserne. Das Festessen im Casino ist auf 3 Uhr angesetzt und um 7 Uhr abends beginnen die Manuschaftsfcicrn, die mit Rücksicht aus den Totensonntag bis 12 Uhr beendigt sein müssen. 1

Das Großh. Kreisamt ist morgen aus Anlaß des Geburtstages S. K. H. des Großherzogs, der wegen des Totenfestes schon am SamStag gefeiert wird, geschlossen.

** V 0 m Kun ft verein wird uns mitgeteilt: Die gegenwärtige Ausstellung hat sich täglich eines regen Be­suches zu erfreuen. Bon Sonntag ab sind neu ausgestellt W. Thielmann- WillingshausenMein Enkel", von M. Loose-BerlinHolländische Mühle". Es sei ferner noch darauf hingewiesen, daß die Kollektionen des Bildhauers M. Sch au ß, und des Malers R. Esch k e- Berlin nur noch drei Wochen, bis zum 9. Dezember, ausgestellt bleiben.

** D e r Vor st and des Vereins deutscher Zeitungsverleger trat am 22. d. M. in Berlin zu einer Sitzung zusammen, in welcher nach ausführlicher Er­örterung der Verhältnisse der Zeitungsverlagsgeschäfte auf Grund der allgemeineu wirtschaftlichen Entwickelung folgende Resolution angenommen wurde: Der Vorstand des Ver­eins deutscher Zeitungsverleger stellt fest, daß infolge der am 1. Jänuar 1907 in Kraft tretenden bedeutenden tarif­mäßigen Erhöhungen der Arbeitslöhne, der fort­gesetzt bedeutenden Steigerung der Preise für alle Materialien und der unausgesetzt erhöhten Anforderungen an redaktionelle Ausgestaltung der Zeitungen die große Mehrzahl der deut­schen Verleger vor die Notwendigkeit gestellt ist, eine Er­höhung der Preise für Abonnements und In­serate eintreten zu lassen.

X Klein-Linden, 22. Nov. Bei einer von den hiesigen Lehrern einberufenen Versammlung auf derBurg" wurde gestern abend eineVereinigung für Volks­bildung, Heimatspflege und verwandte Be­strebungen" gegründet. Tie Versanunlung war sehr zahl­reich besticht und die Erörterungen zeigten, daß der neuen Bestrebung lebhaftes Interesse entgegen gebracht wird. Lehrer ^Boßler schildert den Unterschied zwischen Stadt und Land bezüglich deffen, waS den Einwohnern an Unterhaltung und Belehrung geboten wird. Was in der Stadt jedem zu Ge­bote steht, muß der Landbewohner bitter entbehren. Hierin mag gewiß auch ein Grund der allgemeinen Landstucht liegen. Auch auf dem Land herrscht ein Streben nach mehr Bildung, nach Kenntnis von dem, was Gelehrte und Künstler erreicht haben. Diesem Bildungsbedürfnis kommen die Volksbildungsvereine entgegen. Der Mam-Rhein- Verband für Volksbildung und verwandte Bestrebungen will die Vereine zu einem Ganzen zusammenschließen. Er unter» stützt auch die Vereine durch Ueberlassting von Wander­bibliotheken und durch event. gewünschte Vorträge, bezw. Redner. Der Volksbildungsverein soll ober kein eigentlicher Verein sein, er schließt sich nur an bas Bestehenbe an nnb wünscht, daß die Vereine die gute Sache unterstützen, z. B, durch gesangliche, turnerische und ähnliche Vorführungen. Ein Jahresbeitrag wirb nicht erhoben. Es soll der Be­völkerung Gelegenheit geboten werben, über manches Wissen s- werte aus ben Gebieten beS Wirtschaftslebens, des Gewerbes, der Gesundheitspflege, Wohlfahrtseinrichtungen, der Ent­deckungen, Erfindungen ustv. Aufschluß zu erhalten. Auch ioll eine Volksbibliothek ins Leben gerufen werden. Lehrer fuhrt aus, daß der Verein weder eine politische, noch eine religiöse Richtung verfolge. Den Jahresbeitrag an ben Verbanb gedenke man aus freiwilligen Sammlungen zu decken. Die Vorsitzenden der hiesigen Vereine erklärten sich zur Unterstützung und Mithilfe der Vereinigung bereit, und so konnte zur Konstituierung geschritten werden. Auf Vor­schlag des Lehrers Keil wurden Lehrer Boßler, der eigen!» I liche Urheber des Werkes, zum 1. Vorsitzenden und weiter in den Vorstand Pfarrer Schulte und Bürgermeister Schaum gewählt. Ferner wurde beschlossen, daß von jedem hiesigen Verein der Vorsitzende dem Vorstand angehören soll. Zum Bibliothekar wurde Lehrer bestimmt. Tie Vereinigung wird in aller Kürze ihre Vortragsabende beginnen.

Großen-Buseck, 22. Nov. Auf Anregung des Vorsitzenden des Kriegervercins, Bürgermeisters Schwalbe, wird am Samstag abend im Verein Dr. Geng nagel einen Vortrag überTub erku lose" halten, zu dem auch Nichtmitglieder Eintritt haben.

-s-Bad-Nauheim, 21. Nov. Auch der hiesige Bahnhof soll einen Um- und Erweiterungsbau I erfahren und zwar sollen im Laufe des Winters schon die iBahnsteighallen verlängert, Schutzwände errichtet und Bahnsteighäuschen hergestellt werden. Bis Frühjahr sollen diese Arbeiten schon vollendet sein. Außerdem soll zwecks Vergrößerung der Warteräume ein Anbau an das Stationsgebäude erfolgen. Dieser wird voraussichtlich Herbst 1907 beginnen.

Bad -Nauheim, 22. Nov. Bei der heutigen Han­delskammerwahl wurde das seitherige Mitglied Philipp Müller wiedergewählt. Tas Haus des Konrad May, Karlstraße 30, ging heute zum Preise von 54 500 Mark in den Besitz von Frl. Schäffer über.

? Schlitz, 22. Nov. Tas Haus des Spenglers I. A. Habicht wurde von Uhrmacher Gg. Franke, für 9000 Mark erworben, Sattlermeister Schrön kaufte das Vauverwalter Kreiß'sche Haus und verkaufte das seinige an den Barbier G. Heil. Der von einigen Bürgern Hutzdorfs gegen die Wahl des Beigeordnet en Wink eingelegte Protest wurde von der zuständieen Behörde wegen mangelnder Begründung abgewiesen. Bei der gestern abgehaltenen Wahl zur Handelskammer für den hiesigen wurde Bezirk Herr H. Dürbeck, Lauterbach, mit 28 Stimmen gewählt, Fabrikant Friedrich Zöller, hier, erhielt 26 Stinimen.

A 2lus dem Ohmtal, 22. Oov. Alljährlich, wenn die Herbstzeit naht, beginnen im Ohmtal die lieber- schwemmungen, die fast ununterbrochen bis zum Früh­jahr hinein dauern und vielsach hemmend wirken. Auch im Sommer, wenn starke Gewitterregen niedergehen, ist in kurzer Zeit das Ohmtal unter Wasser gesetzt. Da man behördlicher­seits der Ohmregulierung immer noch nicht näher tritt, hat man int vorigen Jahre in S ch w e i n s b e rg eine Wiesen- entw ässe rungs-Gcnossen schäft gegründet und diese hat den Plan zur Entwäfferung eines großen Wiesengeländes zwischen SchweinSberg und Rüdigheim so eingerichtet, daß er sich einer späteren Ohmregulierimg anpaßt. Um die Arbeit durchgreifend zu machen, sind in den letzten Tagen auch die Grundbesitzer der jenseits der preußischen Grenze auf hessi­schem Gebiet liegenden Ortschaften Ober-Ofleiden,

Gontershausen, Nieder-Ofleiden und Haar- Hausen zusanimengetreten und haben gleichfalls eine Ent- wässerung § - Genossenschaft ins Leben gerufen. Zwischen Ober-Ofleiden und Schweinsberg soll zunächst eine Wiesenfläche von 280 Morgen Größe entwässert werden.

sd. Darmstadt, 22. Nov. Der Festk 0 mmers des Studenten-Verbandes zu Ehren des Geburtstages S. K. H. des Groß Herzogs nahm bei sehr lebhafter Be­teiligung im Orpheum einen flotten Verlauf. Ten Vorsitz führte sind. Kern (Scizze), der auch die Festansprache hielt. Auf S. M. den Kaiser sprach stud. Holzweiler (Fran- coniae), auf ben Rektor ber Professoren stud. Uehring (Thuringiac). Die Rede des Letzteren enthielt einige in­teressante Anspielungen auf das Verhalten des Rektorates, das bekanntlich das gesamte Aktenmaterial, sowie den Wichs des seitherigen, jetzt aufgelösten Studenten-Ausschusses in Verwahr hält. Er führte dabei aus, daß es ungerecht sei, sich die Sympathie und das Vertrauen durch Hinderung ihrer freiheitlichen Bestrebungen zu verscherzen. Die Rede wurde vielfach von Beifall unterbrochen. Rektor Prof. Guter­in uth gedachte des Zusammenhaltes zwischen der Studenten- schast und des Lehrkörpers, der in seiner hohen Aufgabe durch vorübergehende kleinliche Mißverständnisse und Bedenken in dem Bestreben nach ehrlichem aufrichtigem Deutsch­tum nicht gehindert werden dürfe. Schon den größten Ge­lehrten seien im Verkehr mit der Studentenschaft Irrtümer vorgekommen, doch solle man sich an dem Optimismus des Kaisers ein Muster nehmen, nur dann sei eine fortschrittliche Tätigkeit möglich. Die einseitige Standeswiffenschaft müsse dem Bestreben nach ethischen Idealen weichen und man müsse die Gesamtwissenschaft hochhalten. Der Aufgabe, sich in frei­heitlicher Arbeit zn entwickeln, müsse man die sonstigen kleinen Kämpfe des Tages unterordnen, denn heute will man Männer der Tat, die im nationalen Interesse zusammen- wirken, sodaß kleine Zwiespalten beseitigt werden. Unfrucht­bare Resolutionen haben keinen Wert. (Zischen der Studentenschaft.) Sein dreifaches Hoch galt der Darmstädter Studentenschaft und deren gemeinsamer Arbeit in geistiger Hinsicht. Einen beifällig aufgenommenen Toast auf die Gäste der Stadt Darmstadt brachte stud. Krug (Germania) aus. Pros. Guthermnth (Magnifizenz) teilte noch mit, daß heute der 2 000. Student als Hörer eingeschrieben sei. Bau­rat Jäger dankte im Namen der Stadt Darmstadt, und der 2000. Student H 0 hm leerte einen Ganzen auf das Gedeihen der Technischen Hochschule.

Frankfurt, 22. Nov. Bei den heutigen Stadt­verordnetenwahlen waren 21 Neuwahlen und eine Ersatzwahl vorzunehincn. Gewählt wurden im ersten Bezirk lOstcnb): Prof. Sittig (fortschr.), Trauner (bem), im fünften Bezirk (Nordwest): Dr. de Bary (fortschr.), Dr. Hertz (dem), Ladenburg (natl.-lib.), im sechsten Bezirk (Nordend): Funk (fortschr.), Lönholdt (natl.-lib.), Rühl (bem.), Ries (fortschr.), im achten Bezirk (Bockenheim): Dr. Quarck (soz.). In ben übrigen Bezirken finben Stichwahlen statt, an benen je brei Nationalliberale, Fortschrittler und Demokraten, 10 Mittelständler und 5 Sozialdemokraten beteiligt sind. Zu ersetzen waren 4 Nationalliberale, 5 Fortschrittler, 5 Demokraten, 7 Mittelständler und 1 Sozial­demokrat. Unter den im 1. Wahlgang unterlegenen Kan­didaten befindet sich der sozialdem. Neichstagsabgeordnete W.Schmidt, der in Sachsenhausen aufgestellt war, und ber Führer des Frankfurter Zentrums Dr. Hey der.

Vtittö-l und Verkehr, Vslkswirtsehaft.

Die Berliner Großbanken und die Teuerung. Nachdem die Deutsche Bank ihren Angestellten eine Zulage in der tform einer Erhöhung des Jahresgehalts um ein Monatsgehalt gewährt hat, hat sich nun die Darmstädter Bank zu gleichem Schritt entschlossen. Tie Direktion der Diskonto-Gesellschaft sagte einer Deputation ihrer Beamten -u, daß ihre Wünsche zu Weihnachten Beri'icksichtigung finden werden und die Direktion des A. Schaafs« hansenschen Bankvereins wird die Weihnachtsgratifikation ihrer Angestellten erhöhen. Tie unverheirateten erhallen 5°o des Jahres­gehalts, die Verheirateten 10%. Die Firma Mendelsohn & Co. wird, wie man hört, sich auch nobel zeigen und ihren Angestellten eine Teuerungszulage in Höhe eines doppelten Monatsgehaltes zu legen. Ferner ivirb Kommerz- und Tiskonto-Bank, wie es heißt, etwas besonders für ihre Beamten tun. Die Berliner Handelsge- sellschast und die Nationalbcmk für Deutschland haben erst in diesem Jahr aus Anlaß ihres 50jährigen bezw. 25jährigen Bestehens ihren Angestellten Extra = Gratifikationen Zukommen lassen. Wo aber bleibt die Dresdener Bank: auch sie hatte in diesem Jahr ein Jubiläum, das 25jährige Bestehen der Berliner Niederlassung. Herr Konsul Gutmann folgte jedoch nicht dem guten Beispiel seiner Kollegen, er hielt die Taschen zu. Vor 8 Tagen wurde der Tirektion der Dresdener Bank eine eingehend begründete Petition um die Gewährung einer Teuerungszulage überreicht, aber diese wurde nach Ablauf der Kündigungsfrist abschlägig beschieden. Wir sind der Meinung, daß die Aktionäre der Dresdener Bank sicher keinen Einspruch erhoben hätten, wenn die Leiter des Instituts ihren Beamten gegenüber etwas entgegenkommender gewesen wären.

Die Dl i t g lieber des Vereins derZigarrenfab- rikanten von Unterbaben, der Pfalz, Hessen unb Württem­berg mit dem Sitze in Mannheim beschlossen infolge der bis zu 20 Prozent und noch höher gestiegenen Herstellimgskosten eine Preiserhöhung für sämtliche Zig arrenfabrikate eiutreten zu lassen. Wegen der Höhe, der Aufschläge für die ein­zelnen Sorten soll noch im besonderen verhandelt werden.

Märkte.

+ Friedberg, 21. Novbr. Ter heutige Schweine­markt zeigte einen erneuten R ü cf g a n g der Schweine- preise. Ter Markt war sehr stark befahren, namentlich mit Ferkeln, das Angebot übertraf die Nachfrage. Das Paar Ferkeln kostete kleinere- 2030 Mk., größere 3035 Mk., Springer das Stück 3540 Mk., Einzelschwei ne 5060 Mk., Schlachtschweine kosteten Lebendgewicht 46-48 Pfg., Schlachtgewicht 66-67 P'g. Ter Preisrückgang der Jungtiere hat großenteils seinen Grund in der Ueberproduktion, sowie in der Höhe der Kartoffelpreise.

vermrschtes.

* Schiffs Unfälle. Bei Jii.m Zusammenstöße des Lloyddampf ersKaiser. Wilhelm der Große" mit dem Royal Mail-DampferCrinccco" bei Cherbourg find beide beschädigt worden. 5 Mann von der Besatzung derOrinocco" werden vermißt. An Bord desKaiser Wilhelm" wurden vier Personen getötet und zwei verletzt. Der Kapitän derCrinucco" erklärte, der Nebel! sei so dicht gewesen, daß nicht einmal das Ncflektorlicht des PanzersJules Ferry" wahrgenommcn wurde, ge­schweige denn ein Nakctensignal. Die Toten und Verwun­deten des LloyddampsersKaiser Wilhelm" sind russische und ungarische Auswanderer. Von den Schwerverwundcten ftt ein elfjähriges Mädchen Namens Stevir gestorben, lieber die GelöUt.m ist folgendes emittelt: Croissant und Mühlbauer kamen aus Worms, Zimbelmann aus Forbach, Anna Krucelik aus Böhmen. Leicht verwundet,