Ausgabe 
28.8.1906 Zweites Blatt
 
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fort, versehen mit der Adresse deS hiesigen Pflegers. Einige Tage später erhielt dieser von dem Besitzer der Brieftaube aus der Gegend von Antwerpen eine Karte, in der sich der Besitzer für die Pflege der Taube bedankt und mitteilt, daß sie in Vendome aufgelassen worden sei.

k- Hungen, 27. Aug. Die ErmciterungSarbLiten an unserem Bahnhof gehen ihrer baldigen Vollendung ent­gegen. Es wird jetzt an der Schienenlegung auf dem er­weiterten Rangierbahnhof gearbeitet. Der Neubau der Ma­schinenhalle und die neue Zufahrtstraße zur Ausladestelle sind fast vollendet. Ferner ist in der Stadt eine Unterführung für den Personenverkehr geplant. Die bedeutende Erweiterung des Bahnhofs war bedingt durch die ungeahnte Ver­kehrszunahme, die sowohl die neue Wetterauer Bahn nach Friedberg als auch die Strecke HungenLaubachMücke brachten.

cb. Laubach, 26. August. Seit einiger Zeit sind hier zwei Maler aus Frankfurt a. M. tätig, die in der Umgebung des gräflichen Schlosses und an alten Häusern der Stadt dankbare Motive finden.

Offenbach, 27. August. Um älteren Schuloer- waltern die Eheschließung zu ermöglichen, zahlt unsere Stadt verheirateten Schulverwaltern eine Wohnungs­vergütung von 400 Mark, 150 Mark mehr als Lehrerinnen und ledige Lehrer in den ersten 15 Dienstjahren und 40 Mark mehr als ledige Lehrer und Lehrerinnen vom 16. Dienstjahr ab erhalten. Am 16. August hat nun die Stadtverwaltung beschlossen, die Schulverwalter mit eigenem Hausstand den verheirateten Schulverwaltern gleich zu achten und ihnen ebenfalls 400 Mark zu gewähren. Der Schulvcrwalter mit eigenem Hausstand ist in der Besoldungsgesctzgebung der Hess, und auch deutschen Lehrer ein ganz neuer Begriff, der dem Lehrer mit eigenem Hausstand nachgebildet ist. In Offenbach soll man unter ihm einen Schulverwalter verstehen, der mit seinen Eltern einen gemeinsamen Haushalt führt. Die Schaffung des neuen Begriffes ist auch deshalb wertvoll, weil er auch auf Lehrerinnen und Schulverwalterinnen ausgedehnt werden kann, die bekanntlich nicht heiraten dürfen, solange sie im Schuldienste verwendet sind.

[] Kirchhain, 27. Aug. In Allendorf wurde gestern nachmittag durch ein Groß feuer die Gebäulichkeiten der Einwohner Dautzenroth, Weitzel, G. Losekam und F. Losekam in Asche gelegt. Interessante Funde machten der Maurer Malkus aus Schwabcndorf und der Landwirt Gies in Neu­stadt. Der erstere fand im Walde einen Topf mit Münzen aus der Zeit des 30jährigen Krieges und der letztere in einer Lehmgrube einen Mammutzahn von 1% Meter Länge und 15 Zentimeter Durchmesser.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Ticfbauamt Bad-Nauheim wurde die Erlaubnis erteilt, das vom Bahnhof Dorheim der Neben­hahn FriedbergHungen nach dem Germaniabrunnen führende Anschlußgleise bis zum Schwalheimer Sauerbrunnen weiterzu­führen. In Schotten wurde der Steuerkommissariatsgehilfc Zinser zum Beigeordneten mit 172 Stimmen gewählt. In Battenberg wurde ein junger Mann verhaftet, den man für den von Metz aus steckbrieflich gesuchten Raubmörder An ton Rogis aus Klanas in Kroatien hält. Der Genannte erschlug und beraubte am 17. Februar d. I. in der Grube Kavingen bei Flinsch den Arbeiter Johann Salai. Für seine Ergreifung sind '300 Mark Belohnung ausgesetzt.

Zur Bürgermeifterwahl in Langsdorf,

Lke bekanntlich mit der Niederlage Köhlers endete, sendet man uns heute von dort ein Flugblatt Köhlers, ausgegeben am 22. d. M. Atrch dieses Dokument ist so originell, so phrasenhaft schwulstig, so großwvrtig und phan­tastisch, daß wir uns nicht enthalten können, es im wesent­lichen hier wiederzugeben:

Wähler von Langsdorf!

_ In dieser Tage heftiger (So! D. Rd.) Gezanke und Geschreie ertönt als eine Malmung der Ewigkeit Donnerwort. Erschüttert steht für eine Weile, so Freund wie Feind, und ein herzzerreißendes Schicksal führt uns vor die Seele, ausgeprägter als sonst jeden Tag, wie sehr auf dieser Erden Alles eitel und für ein nichts sei!

Drum ist es so traurig, aber auch so lächerlich zugleich, wenn gewisse Leute bis in ihr hohes Alter hinein, nimmer davon lassen können, die Massen zu betören und zu verhetzen, ohne daß es sonst einen anderen Zweck hätte, als ihrem eignen Haß- und Rachebedürfnis ein Genüge zu tun, Unfrie­den zu säen und dies Leben dem Mitmenschen noch schwerer zu machen, als es schon ist. Sie bedenken nicht, daß dieses Lebens kurze Frist man mit edeleren Zwecken ausnützen könnte.

Langsdorfer! Neun Jahre bin ich Euer Bürgermeister ge­wesen. Aber schon am ersten Tage nach der Wahl begann die Hetze gegen mich. Zielbewußt setzte sic ein, zielbewußt führte man bis heute sic durch. Nur wenige sind es, die sie leiten. Und die Masse betören diese Wenigen bald durch dies, bald durch das: im Kleinkrieg und Hinterrücks führen sie ihre Truppen gegen mich, die sie nähren, die sie begeistern durch gleißnerische Worte, durch Lug und Trug, und die sie erfüllen mit demselben Haß und derselben Rachsucht, die den Inhalt ihrer eignen schwar­zen Seele darstellt.

Einsam und allein steh' ich dem gegenüber! Ein­sam und allein biete ich dem bösen Feinde Trutz! Wahr­heit und Gerechtigkeit waren und sind meine Waffen. Sie sind es, die die Welt überwinden: sie werden auch mir den Sieg verleihen und des bösen Feindes giftige Pfeile werden zu ihm selber zurückkehren! Denn Bosheit, Mißgunst und Neid, Lug, Trug. und Heuchelei können nur zeitweilige Siege erringen: beständig nur bleibt, was dem Himmel verwandt i st. Und des bösen Feindes Li st wird auch diesmal umsonst sein!

Wie kam es doch?---

Langsdorfer! Euere größten Schmerzen, das sind die Kvm- munalsteuern!

Im Jahre 1897/98 .... 1500 Mk.

Jetzt ......... 9000 ML

Was tat und tut man denn dafür:

Antwort:

Man brachte und bringt die unter der früheren Ver- w^tung miss äußerste verwahrlosten öffentlichen An- e1 91' . ufa- gehörige Ordnung und schaffte

des Fortschrittes und der Kultur, sodaß Langsdorf - tret) der heftigsten Widerstände, die man mir cntgegenbrachte, nun unter d e n f o r t g e s ch r i 11 e n st e n Dorfgemeinden u n- feres Landes mit in er.stcr Reihe rangiert.

Herr Kühler fuhrt dann 33 Dinge auf, zu denen er Langsdorf verholfen habe, und e§ wird ja nun allerdings auch von Einsichtigen unter seinen Gegnern anerkannt, daß er tatsächlich Ersprießliches als Langsdorfer Bürgeriueister geleistet hat, und daß sein phantastischer Uebcreifer, sein kantiges Draufgängertum und seine konfusen politischen An­schauungen undBetätigungen ihm auch diese Niederlage endlich bereiten mußten, wie sie ihnr den Verlust seines Ncichstags- mandates gekostet haben. Es kann ihm niemand absprechen daß er manchen vernünftigen Einfall im Landtage gehabt^

daß er als Langsdorfer Bürgermeister sich zum mindesten den Dank feiner Gemein.de verdient hat, wenn man ihr auch nicht verargen kann, daß sie fein Regiment nicht auf die. Dauer wünschte.

In einem Flugblatte sucht dann noch Köhler dieses und jenes zu berichtigen, was im Hungener Blatte gegen ihn gesagt wurde, und schließt mit dem Zitate des schönen alten Kirchenliedes:Der alte böse Feind mit Ernst er's jetzt meint" 2C. Doch alles dieses Posaunengeschmetter vermehrte, wohl auch mit infolge des gar zu seltsam geschraubten, gar zu volltönigen, gar zu Köhlerischoriginellen" Redeschwulstes die Zahl seiner Gegner.

* Kleine Tageschronik. Der Fabrikarbeiter Hepp aus Goldbach bei Aschaffenburg, welcher vor ca. 4 Wochen von einem Hunde gebissen und ins Krankenhaus gebracht wurde, ist an Tollwut gestorben. Er hinterläßt eine Witwe und drei Kinder. Zwei Kinder, welche von demselben Hunde gebissen wurden, sind in das Pasteurschc Institut nach Berlin gebracht worden. In St. Ingbert wird der Kaplan Avril, welcher mehrere schwere Sittlichkeitsvcrbrechen an flcinen Mädchen beging, steckbrieflich verfolgt. Bei dem gestern aus Lissabon gemeldeten Automobilunsall desHcrzogsvon Oporto wurde nicht nur der Ordonanzoffizier, sondern auch der Herzog selbst verletzt. Der Herzog verbrachte eine ziemlich gute Nacht, doch traten Symptome von Lungenstmgestion auf.

Universitäts-Nachrichten.

Der außerordentl. Professor Lic. vr. F i ck e r zu H a l l e a. S. ist zum ordentlichen Professor in der Theologischen Fakultät der Universität zu Kiel ernannt worden.

hc. Katholische und evangelische Theologen an den deutschen Hochschulen. Seit der Errichtung der Straßburger Fakultät ist die Zahl der katholisch-theologischen Fakultäten auf neun gewachsen; bisher bestanden katholische Fakul­täten neben den evangelischen an den Universitäten Bonn, Breslau und Tübingen, während die Universttälen Freiburg i. Br., München, Münster und Würzburg und das Lyceam Hosianum in Brauns­berg ausschließlich katholisch-theologische Fakultäten haben. Der Lehrkörper an diesen Fakultäten besteht insgesamt aus 98 Dozenten, welche Zahl sich zusammensetzt aus 63 Ordinarien, 4 ordentlichen Honorarprofessoren, 18 Extraordinarien und 13 Privatdozenten. Die Zahl der im Coinmersemester 1906 immatrikulierten Studenten beträgt insgesamt 1857, von denen Bonn mit 351 Studierenden die größte Zahl aufzuweisen hat. Daran reihen sich Münster (313), Breslau (300), Freiburg i. Br. (243), Tübingen (184), München (182), Straßburg (181), Würzburg (87) und Braunsberg (16). Dazu kommen die theologischen Sektionen an 6 bayerischen Lyceen (Frei­sing, Passau, Regensburg, Bamberg, Tillingeu und Eichstädt) mit 500 Studierenden. Die Gesamtzahl der Studierenden an den katholisch-theologischen Fakultäten beträgt also 2357. Den katholi- schen Lehrkräften an den Fakultäten stehe» gegenüber 193 Dozenten und 2594 Studierende der evangelischen Theologie itnb zwar sind von den Dozenten 111 ordentliche Professoren, 3 ordentliche Honorarprofessoren, 41 außerordentliche Professoren und 38 Privat­dozenten. Von den Universitäten hat Tübingen die stärkste Frequenz (324), es folgen Halle (318), Leipzig (312), Kiel (303), Berlin (286), Erlangen (148), Marburg (144), Göttingen (115), Greifswald (102), Bonn (83), Königsberg (74), Gießen (7 3), Heidelberg (71), Straßburg (63), Rostock (60), Breslau (61) und Jena (57).

Gericsitssncrl.

Bürgermeister u n b Rechtsanwalt. Der Rechts­anwalt Tr. Straub aus Bingen hatte sich wegen Beleidigung des Bürgermeisters Böhm von Grolsheim vor der Strafkammer in Mainz zu verantworten. In einer Privatklage, die der Bürger­meister gegen eine Frau aus Grolsheim angeftrengt hatte, be­hauptete der Rechtsanwalt als Verteidiger der Verklagten, daß der Bürgermeister die armen Leute, die bei ihm arbeiteten, unterdrücke, mit ihnen öfters in Lohnstreitigkeiten gerate usw. und k e i n H err g o t t sei. Durch diese Bemerkungen fühlte sich der Bürgermeister beleidigt. Der Staatsanwalt beantragte jedoch selbst die Freisprechung des Rechtsanwalts, der zur Wahrung be­rechtigter Interessen gehandelt habe. Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte brauchten häufig kräftige Ausfälle, ohne daß die Absicht vorliege, zu beleidigen. Der Verteidiger, Dr. Loeb, bemerkte noch, daß ein Bürgermeister im Gerichtssaal nicht mehr Recht besitze als jeder andere. Wenn ein anderer Gebrauch bei Gericht eingesührt werde, könnte kein Verteidiger mehr tätig sein, da er fast jeden Tag Anklagen 'zu erwarten hätte. Das Gericht erklärte in seinem Urteil, daß eine Beamtenbeleidigung nicht vor­liege, und erkannte aut Freisprechung.

Wechselfälschung. Der Fabrikant Wilhelm Sohn aus Mühlheim bei Offenbach hatte sich am 27. b. M. vor ber Darm- ftäbter Sttafkammer zu verantworten. Er fabrizierte in Gemein­schaft mit seinen Brüdern Militärausrüstungsgegenftände, geriet aber durch den russisch-japanischen Krieg in Zahlungsschwierig­keiten. Er veranlaßte einen seiner Arbeiter namens Bahr, ihm Blankoakzepte auszustellen, die er bann aus füllte, um sich auf diese Weise zu Geld zu verhelfen. Ein Bruder Sohns suchte f&ätyr zu einer falschen Aussage zu veranlassen. W. Sohn erhielt von der Strafkammer wegen Wechselfälschung 10 Monate Gefängnis, sein mitangeflagter Bruder H. Sohu wurde fteigesprochen, da man annahm, daß er von der Vereidigung Bährs nichts gewußt habe.

Handel und Verkehr», Volkswirtschaft.

Von der Berliner Börse. Zwei Attentate innerhalb zwei Tagen, das eine auf den Ministerpräsidenten Stolypin, das andere auf den General Minn waren nicht imstande, die Börse in Aufregung zu versetzen. Selbst die Kurse der russischen Werte haben darunter nur sehr wenig gelitten, ja, sic befestigten sich später sogar auf Interventionen am hiesigen Platz und weil Petersburg behauptete Tendenz meldete. Die Börse war auch sonst fest, hauptsächlich infolge der Geldflüssigkeit und Gewähr­ung reichlichen langfristigen Geldes seitens der Seehandlung.

'Infolge dieser günM'eren Gestaltung Der Verhältnis)e auf letzx» genanntem Gebiete entfaltete die Spekulation mehr Tätigkeit als in der ganzen vergangenen Woche. Es fanden Meinungs­käufe in Eisenwerten statt, zumal auch keine weiteren Streiknach­richten kamen. Dann regte die Meldung, englische Händler hätten eine Anfrage nach Eisen für Amerika erhalten, an. Bochumer und Laurahütte waren besonders bevorzugt; letztere stiegen 2461/^ während Dortmunder Union Lit. C. bis 86,25 zurückgingen.

Märkte.

(du) Ulfa, 27. Aug. Der heute hier stattgehabte Schwei­ne m a r k t am zweiten Kirmestag war mit über 300 Ferkeln und Einlegern befahren. Letztere waren sehr augriffliche Ware, sodaß der Bestand bei 140 bis 150 Mark pro Paar sehw schnell geräumt war. Dagegen ging der Handel mit jungen 812 Wochen alten Ferkeln äußerst flau. Die Verkäufer sind die seitherigen hohen Preise noch gewöhnt und hielten daran fest, während die Käufer bei der voraussichtlich sehr mäßig ausfallenden Kartoffelernte äußerst geringe Kauflust zeigen. Es wurden 32 bis 52 Mark pro Paar bezahlt, dagegen bieten die Händler für die fetten Schweine 60 Mennig für das Pfund lebend Gewicht.

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise

___ am 27. August 1906.

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8588 Mk.

'/, Kg.Schlachtgew.98-102 Pf.

'/? 79-00

7, Kg. 80-86 Pfg.

7, , 8084 , V, 86-90 ,

Getreibepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 18.75-00.00 Mk.

Rogaen (neuer) 100 Kg. 16.2600.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.

Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.

Landwirtschaft.

Um den Landwirten Gelegenheit zu geben, sich bestes Saat­gut unserer ertragsreichsten Wintergetreidesorten zu beschaffen, wird auf Veranlassung des Direktors des landwirtschaftl. Bezirks- Vereins Schotten, Herrn Geh. Regierungsrat Schoenfeld durch beit Hessischen Landwirtschaftsrat gelegentlich der Generalversamm­lung des Landw. Bezirksvereins in Schotten im Rathaussaak, Donnerstag, den 30. August, ein Saatgutmarkt abgehalten, mit welchem eine Ausstellung von Saatguiproben aus den Saatbau­stellen des Hessischen Landwirtschaftsrats verbunden ist. Die Landwirte seien auf diese Gelegenheit, sich Saatgut auf Grund ausgelt elfter Proben zu beschaffen, Tnermit besonders aufmerksani gemacht. _________________________________

Spielplmc der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch bett 29. August *):Der Ring bes Nibelungen.* Vorabend.Das Rheingold." Donnerstag den 30. August:Die Einführung aus bem Serail." Freitag den 31. August, abenbs 6 Uhr:Der Ring bes Nibelungen." 1. Tag.Die Walküre." Samstag ben 1. September:Manon." Sonntag den 2. Sept.: Der fliegenbe Holländer." Montag ben 3. September, abends halb 8 Uhr:Der Bettelstubent."

Schauspielhaus.

Mittwoch ben 29. August*):Der Weg zur Hölle.* Donnerstag ben 30. August: Zur Abschiebsfeier bes Herrn Alexis Müller:! Erste Attinghausen-Verwanblung ausWilhelm 2eII/ Hierauf Neu einstubiert:Das Versprechen hinterm Herb.' Zum Schluß r Neu einstubiert:Kurmärker unb Picarbe." Freitag ben 31. 9Iug. Abschieds-Vorstellung des Herrn Otto Fricke 'Romeo und Julia." Samstag den 1. September:Der Helfer.* Sonntag beit 2 September, nachmittags halb 4 Uhr:Mamsell Nitouche." Abenbs 7 Uhr:Der Helfer.' Montag den 3. September:Derr Weg zur Hölle.*

*) Anfang, wenn nicht anbers bemerkt, abenbs um 7 Uhr.

Sport.

m. Fußball. Am Sonntag spielte die zweite Mannschaft des ersten Gießener Fußballklubs von 1900 in Bad-Nauheim gegen die erste Mannschaft des dortigen Vereins. Das von Gießen be-; sonders vornehm gezeigte Spiel endete unentschieden mit 4:4 Toren. Halbzeit 3:2 für Nauheim. Gießen spielte öfters zu leichtsinnig. >

LamMen-Nachrichten.

Gestorbene. Frau Oberrechnungsrat Backs Wwe., geb. Sieger Darmstadt. Frau Minna Roßbach, geb. Hüthwohl, Frieb- berg. Frau Marie Zmsheiiner, geb. Nürck, Friedberg. j

Mrchliche Nachrichte«.

Evangelische Gemeinde.

Mittwoch, den 29. August, 12 Uhr 29 Min. Ausflug der konfirmierten Mädchen der L n k a s g c m e i n d c nach Dutenhofen- Wetzlar. Treffpunkt: Bahnhof.Pfarrer Euler.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Höchste Temperatur am 26.-27. August 20,1 C.

Niedrigste 26.-27. August = + 12,8 C.

D

uguft 1906

Barometer auf 0° rebuziert

Temperatur ber Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Winbrichtung

Winbstärke

Wetter

27.

2»

749.4

19,5

11,0

65

NW

6

Bew. Himmel

27.

9"

753,4

13.3

9,2

81

N

2

KlarerHimmel

28.

7"

757,9

9,1

7,6

89

NNW

2

Beb. Himnrel

Kleines Feuilleton.

Dcr 28. August müßte uns immer eine Art Feiertag sein. Schenkte er uns doch heute sind es 157 Jahre ben Mann, der wie fein zweiter befruchtend auf unser geistiges Leben, auf alle Zweige unserer Kultur gewirkt hat. Welche Fülle von liefen, oft weit vorausahneuden Gedanken, von edler Bild­ung und reiner Gesinnung, von wahrhafter Harmonie zwischen Körper und Seele, von Lauterkeit und durchgeistigter Frömmig­keit liegt in dem einen WortGoeth e", wieviel Anregungen, Anfeuerungen und schöne Erinnerungen weckt der Klang seines Namens in unserer Brust. Und doch wie wenig ist es jedem einzelnen von uns noch möglich gewesen, in das große Wunder dieses Genies einzudringen, die Fäden, die wir überall von seinem Geiste ausgehend unsere Kultur durchziehen sehen, bis zu ihrem Ursprünge zurückzuversolgcn! Mag dieser Tag dadurch die rechte hohe Weihe für uns erhalten, daß wir wieder einmal recht be­denken, wieviel wir dem Toten schuldig sind und wieviel wir noch von ihm gewinnen können. Feiern wir diesen Tag, indem wir wieder einmal vor den Altar geothescher Kunst und Schönheit treten und in ihrem Genuß anbeten!

D i e englische Orthographie. Man mag dem Engländer bestätigen, baß er im allgemeinen praktisch sei, in Dingen ber Sprache ist verrottet konservativ itnb jebes praktischen Sinnes bar. Die Amerikaner haben ihn jetzt ge­schlagen bnrch bie Einführung einer ausgezeichneten Rechts- s ch r e i b u n g s r e f o r m für bie englische Sprache. Präsibent Roosevelt hak sie zunächst nur für bie Präsibcntcukanzlei vorge- chrieben. Aber die anderen Kabinette unb die ersten Schriftsteller (auch Mark Twain) machen mit. Tie Englänber hingegen sinb über bas Wagnis entrüstet, ihre Blätter reben von einer barbarischen Absurdität, und finden, daß das nach der neuen Ortographie ge­

schriebene ober gebrückte Englisch überhaupt kein Englisch mehr sei. Man barf also einen Gegensatz bes nationalen Urteils zwischen Englanb unb Amerika in dieser Frage feststellen. Wenn man die 300 gemeingebräuchlichen Wörter durchsieht, für welche Roosevelt eine neue Schreibweise verfügt, so muß man zu bem unbefangenen Urteil gelangen: Besser, zweckmäßiger, einleuchtenber hätte er gar nicht verfahren können. Der Raum eines politischen Tageblattes steht für eingehende sprachliche Untersuchungen nicht zu Gebote. Glücklicherweise läßt sich aber ber Vorteil ber Reform, dank ihrer Einfachheit, schon an einigen Stichwörtern barlegen. Wir wählens wisht anstatt wished, gild statt gnild; thru, tho unb altho statt through, though unb although; domicil statt domicile ; rime statt rhyme; program statt programe; hiccnp anstatt hiccouph. Jebem, der einigermaßen englisch kann, sinb biefe Wörter bekannt unb ist ohne weiteres klar, daß bie neue Schreibung ben bisherigen Unter­schieb zwischen Laut unb Schrift aufhebt. Sie ist phonetisch. In Europa hat es auch schon öfters Bewegungen für eine vereinfachte phonetische Schreibweise gegeben. In Frankreich sogar schon im 16. Jahrhundert. Es hat aber fast ben Anschein, als hätten wir auf unserem alten Kontinent zu einer großzügigen Reform ber Schrift nicht mehr bie nötige Kraft. Der Unterricht in unseren Vorschulen würbe baburch sehr entlastet, bas Erlernen ber Sprache durch Ausländer wesentlich gefördert werben unb ein Nachteil steht diesen großen Vorteilen nicht gegenüber wer glaubt bei uns »wch an einen solchen Fortschritt?

Professor Hermann Kipper, seit 1872 Theater- rezensent derKöln. Völksztg.", Nestor ber Musikreferenlen Deutsch- lanbs, feierte am 27. b. Mts. in seltener körperlicher unb geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar würben mannigfache Ehrungen zuteil.