Ausgabe 
28.8.1906 Zweites Blatt
 
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Nv. 201

Zweites Blatt

156, Jahrgang

Dienstag 28, Angnst 1906

Giehener Anzeiger

Erscheint «glich mit Ausnahme deS Sonntags.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.sk, Tel. Nr. 61. Telegr.-Ddr.: Anzeiger Siehe»,

DieMetzener LamlNenblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich bcigelegt. Der Elfisch« taubwlrt*' erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche»

UnioersitätSdruckerei. R. Lang«, Siehe».

Genera'-Anzeiger, Amis- und Änzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Aer AiKtaior.

Bebel hat sich jüngst imVorwärts" gegen den Vor­wurf verteidigt, der ihm seitens der Gewerkschaften gemacht worden ist: daß er sich als Diktator der Partei fühile und benehme. Das sei keineswegs der Fall, sagt er, und gerade die Angelegenheit der Generalstreikfrage habe gezeigt, daß er durchaus nichts vom Diktator an sich habe. Denn gerade gegen seinen ausgesprochenen Willen sei das Protokoll in dieser Sache veröffentlicht worden.

Mit einigem Lächeln nimmt man in der polit. Welt Kenntnis von dieser Erklärung des alten Feuergeistes. Man hat sich längst daran gewöhnt, Bebel, denroten August", als den sozialdemokratischen ParteipaPst zu betrachten, und er selber hat es sich ruhig gefallen lassen, wird es sich auch weiter gefallen lassen, und findet lediglich vor Monn- Heim Veranlassung, die Vorwürfe, die man aus der Partei heraus gegen ihn schleudert, abzutun, soweit als dus mögk- lich ist.

Tatsächlich ist Bebel seit dem Tode Liebknechts der alleinige Führer- der sozialdemokratischen Partei, ausge­nommen vielleicht den bayerischen Flügel, der sich unter dem Aristosozialdemokraten v. Vollmar recht wohl befindet. Es ist keine größere 'Aktion von der Sozialdemokratie unter­nommen worden, die nicht auf Bebel zurückzuführen war. Er war der Führer der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion, und etwaige Opposition aus den Parteikreisen heraus wurde rasch genug gedämpft.

Bebel ist der beste Redner der Partei. Wenn es einer versteht, die Massen aufzupulvern, dann sind es nicht die Doktrinäre, deren die Partei ja mehr als genug hat, dann ist es Bebel, der einstige Drechslergeselle aus Leipzig, der heute ein tadelloses Französisch spricht. Er ist auch stets als das geistige Haupt der Partei anerkannt worden, die Partei hat einen förmlichen Kult mit ihm getrieben, und die Borwärtsdruckerei kann heute noch nicht genug Bebcl- vorträts produzieren, weil jederGenosse" sich eine Ehre daraus machte, dengroßen üttten" in seiner Stube hängen zu haben.

Es war für die Partei nicht immer gut, daß dieser Hitzkopf die Oberleitung besaß. Bebel ist ein Intransigent, ein Mann, der keine Kompromisse und keine Zugeständnisse kennt, der die Bourgeoisie wirklich aus vollem Herzen haßt. Und außerdem ein Mann, der an seine Mission glaubt. Mit welcher Ueberzeugung hat er nicht im Reichs­tag dengroßen Kladderadatsch" prophezeit! Und das zu einer Zeit, da eine große Anzahl von Parteigenossen bereits den Glauben an den Zukunstsstaat eingebüßt hatte, da gerade der Revisionismus am kühtrsten sein Haupt erhob! Ein Utilitätspolitiker hätte sich niemals der sozialen Gesetz­gebung widersetzt, hätte auch aus bürgerlichen Händen ge­nommen, was der !Arb eiter schäft geboten wurde. Vollmar denkt in dieser Beziehung ganz anders.

Und mui will es ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß dieser Mann der Unversöhnlichkeit in einer wichtigen Frage eine Stellung einnimmt, die einem sehr großen Teil seiner Parteigenossen als zu lau und deshalb als, verderblich er­scheint! Tas ist bitter für den Mann, der ans Komman­dieren gewöhnt ist wie ein alter Schlachtengeneral, und es ist begreiflich, daß er die Vorwürfe, die eine bisher uw­bedingt treue und verlässige 'Anhängerschar gegen ihn richtet, um so schwerer empfindet, als er sie in seinen alten Tagen wohl nicht erwartet hatte. Der ganze Streit um Theorien und Theoreme ist das, Papier nicht wert, auf das das Gewerkschaftsprotokoll gedruckt ist, aber er zeigt, daß ein Riß durch die Sozialdemokratie geht, den selbst diegeheiligte" Person des greisen Führers nicht zu überbrücken vermag.

In Mannheim wird man weiteres über die Ange­legenheit hören, und es wird den bürgerlichen Parteien interessant sein, den Führer der Partei als Angeklagten zu sehen. Wir zweifeln ja nicht daran, daß man eiben Modus zur Einigung nach außen hin finden wird, aber ein Stück von dem Mmbus, der denDiktator Bebel" bis jetzt umgab, ist verschwunden. Und es mag innerhalb der Partei ehrgeizige Leute geben, die darüber keine große Trauer hegen, die für sich selber einiges erhoffen, wenn Bebel sich über kurz oder lang auf sein 'Altenteil zurück­zieht. Man ist dem Führer wenigstens in seinem Streit mit den Gewerkschaften bisher von keiner Seite veige- sprungen, und das ist für die Leute, die innerhalb der Partei auch noch etwas zu sagen haben, charakteristisch. Die Sozialdemokratie ist zu groß, als daß sie sich auf die Dauer unter einer Führung zilsämmenhalten ließe.

politifd?c Sagesschar-.

Zn Alsfeld-Lauterbach-Schotten

wird das Mandat des nationalliberalen Reichstagsabg. Dr. W a l l a u, der bekanntlich als liberaler Kompromißkandidat den langjährigen antisemitischen Mandatsinhaber Bindewald bei der letzten Wahl allerdings nur mit geringer Mehrheit ver­drängte, möglicherweise vom Reichstagsplenum kassiert wer­den. Die Zentrumsprcsse bereitet wenigstens hierauf vor und erklärt gleichzeitig, dass bei der Neuwahl Dr. Wallau unter keinen Umständen mehr auf die Unterstützung der katholischen Stimmen rechnen dürfe, da er in einer Ver­sammlung des Evangelischen Bundes einer Resolution zugestimmt haben soll (!), durch die er sich verpflichtete,für alle Zeiten den Jntolleranzantrag" des Zentrums, jo oft er auch wieder eingebracht werde, abzulehnen." DieKöln. Volksztg." bemerkt hierzu:Wenn sich diese Nachricht bestätigen sollte, hat Dr. Wal­lau für alle Zeilen den Anspruch auf die Unterstützung des Zentrums verwirkt." Auch dieGermania" erklärte, daß Dr. Wallausich für alle Zukunft die Unterstützung der Zentrums­wähler im Monde suchen" könne. Nun ist ja die Zahl der Katholiken in jenem Wahlkreise nicht groß, nur der Distrikt Herbstein ist vorwiegend katholisch. Aber da die Mehrheit, mit der Dr. Wallau siegte, nur gering war, so sind die Stimmen der Katholiken immerhin recht wertvoll. Dr. Wallau selber, der bekanntlich zur Zeit auf der Reise nach Ostasien sich be­findet, ist leider nicht in der Lage, sofort dem von katholischer, ihm übelwollender Seite verbreiteten Gerüchte zu widersprechen, und man wird daher, was eben dieses Gerücht anbetrifst, bis zu seiner Rückkehr warten müssen, wenn nicht vorher ein zuver­lässiger Mann, der jener ominösen Versammlung des Evangcl. Bundes beigewohnt hat, das Wort hierzu ergreift. Jedenfalls - jetzt schon äußerste Rührigkeit der Liberalen im

ganzen Wahlkreise von Nöten, um das Mandat dem Liberalis­mus zu erhalten. Dr. Wallau hat übrigens, wie wir hervorheben wollen, in Sachen der Neichssinanzreform sich als guter Liberaler bewährt und z. B. gegen die Fahrkarte n- s! e u e r gestimmt.

*

Zum Gouverneur von Kamerun

soll der Legationsrat Dr. Seitz ausersehcn sein. Dessen Ab­reise nach der Kolonie für nächsten Monat angekündigt wird.

Unseres Erachtens ist die Neubesetzung des Kameruner Gou- verneurpostens keineswegs eilig. Die interimistische Verwaltung sollte und wird hoffentlich so lange andauern, bis Untersuchung und Disziplinarverfahren gegen Herrn v. Puttkamer zum Abschluß gelangt sind. Ter Untersuchungsrichter glaubt bekannt­lich, durch persönliche Ermittelungen in Kamerun die Angelegen- heit beschleunigen zu können. Von Dr. Seitz wird behauptet, daß er einerseits ein intimer Freund v. Puttkamers, an­dererseits in Kamerun nichts weniger als beliebt sei. Es heißt sogar, Dr. Seitz' Ernennung zum Gouverneur würde Unruhen unter den Eingeborenen möglich machen. Die Re­gierung kann diese Momente nicht unbeachtet lassen, will sie es vermeiden, sich neuen Vorwürfen auszusetzen. Deshalb wird man der Meldung von der bevorstehenden Berufung des Dr. Seitz nach Kamerun zweifelnd gegenüberstehen dürfen.

Zur Reform der hessischen Landgemeindeordnung teilt man uns folgendes mit:

Bei der Reform der Landgemeindeordnung wurde der Vor­schlag zur Einführung des Instituts der R a t s s ch r e i b e r ge­macht. lieber die Notwendigkeit und die Zweckmäßigkeit dieser vorgeschlagenen Einrichtung läk-t sich gar manches sagen. Das steht jedoch fest, daß durch die Einführung dieses Instituts die Gemeindeabgaben nicht geringer werden. Eine viel zweckmäßigere und dem sozialen Bedürfnisse entsprechendere Einrichtung wäre die Trennung der Ortsgerichte als staatliches Organ von den Bürgermeistereien als kommunales Organ und Besetzung der ersteren mit tüchtigen staatlich geprüften Leuten. Es wäre durch- auch nicht erforderlich, daß sich an jedem kleinen Orte ein Ortsgericht befände, es könnten vielmehr mehrere Orte zu einem Ortsgerichtsbezirk vereinigt und in den einzelnen Orten an bestimmten Tagen ein Amtstag abgehalten werden. Wenn die Zuständigkeit der Ortsgerichte erweitert würde, so könnte aus demselben ein staatliches Hilfsorgan gebildet werden, was es ja auch sein soll. Man könnte beispielsweise die Zuständigkeit auf die Führung der Straftegister, des Standesamts, öffentlicher Register, Mitwirkung bei dem Nechtshilfeverfahren usw. erstrecken. Außerdem könnten Gemeinde und Gewerbegerichte (§ 14 G. V. G.) sowie rechtliche Auskunftsstellen daselbst errichtet werden. Da­durch würden nicht nur Behörden, wie Staatsanwaltschaften, Gerichte, Bürgermeistereien und Gerichtsschreibereien entlastet, son­dern es würde einem von der Allgemeinheit anerkannten Be­dürfnisse abgeholsen. Die gründliche Ausführung der Rechts­pflege wäre zweifellos sicher. Das Publikum hätte nicht mehr nötig wegen jeder Kleinigkeit sich an die entfernt liegende Be­hörde zu wenden, was meist mit Zeitverlust und unersetzbarem Schaden verbunden ist. Diese Einrichtung wäre zweifelsohne weniger kostspieliger als das Institut der Ratsschreiber, da die für die Dienstgeschäste eingehende Gebühren die entstehenden Aus­lagen völlig decken würden, sich vielmehr eher ein Ueberschuß erwarten ließe. Vor allem aber wäre die Einrichtung äußerst zweckmäßig. An staatlich geprüften Leuten fehlt es der hessischen Regierung nicht, was die vorhandene llebersüllung im Gerichts­schreiberfach zur Genüge beweist.

Kirche rrnd Schule.

Fulda, 27. Aug. Zur Konferenz der preußischen Bischöfe sind hier eingetroffen: Kardinal-Erzbischof Dr. Fischer-Köln, Kardinal-Fürstbischof Dr. Kvpp-Breslau, Erzbischof Dr. Nörber-Freiburg i. Baden, die Bischöfe v. Likowskc-Posen, Dr. Kirstein-Mainz, Dr. Willi-Limburg a. d. L., Dr. Dingelstaö- Münster i. W., Dr. Voß-Osnabrück, Bertram-Hildesheim, Korum- Trier, Dr. Rosentreter-Kulm, Dr. Thieb-Ermland und der Feld- Probst der Armee Vollmar-Berlin.

Aus SLaöt uno Luus.

Gießen, den 28. August.

" Der Großherzog und die Mainzer Sänger. Seit Jahren ist es üblich, daß unser Groß Herzog bei seiner Anwesenheit in Mainz von sämtlichen Mainzer Ge- sangoereinen durch ein im Schloßhof abgehaltenes Ständchen begrüßt wird. Und zwar wird immer ausschließlich ein Lied, und zwar dasDeutsche Lied", gemeinsam gesungen. Dieses Lied hat nun S. K. Hoheit schon bis zum Ueberdruß gehört, und da er ein feinsinniger Musikkenner ist (er hat ja bekanntlich selbst einige zarte, duftige, religiöse Lieder kom­poniert, die bei Schott in Mainz erschienen sind), und ver­schiedene Vereinsherren bei dem Deutschen Lied öftersüber- geknaxt" sind, so bat der Großherzog durch den Ober- bürgermeister Göttclmann die Mainzer Sänger, daß sie dies­mal ein anderes Lied sängen. Dafür sollten sie nicht unten im Hof singen, sondern im Schlosse. Göttelmann läßt sich die Delegierten der Vereine kommen. Alle zusammen singen. Aber das geht nicht. Es wird gelost und der MainzerMännergesangoerein" gewinnt. Als aber der Dele­gierte desLiederkranzes" 3U feinem Vorstand kommt, da wird er böse empfangen und die vorstandlichen Sangesbrüder telegraphieren an den Großherzog, daß auch sie singen wollten. Die Folge davon war, daß der Groß Herzog auch den ausgelostenMännergesangverein'' nicht singen ließ und dieser wieder abziehcn mußte.

Die wohlverdiente Belohnung fand die wackere Tat der beiden Musketiere der 11. Komp. Sterner und Rühl unseres 116. Regiments, welche, wie wir kürzlich berichteten, mit eigener Lebensgefahr eine Frau von dem Tode des Ertrinkens retteten. Als unser Regiment sich am vorigen Samstag bei der Truppenschau in Mainz zum Parademarsch formierte, kam (so erzählten wir schon gestern kurz), ganz unerwartet S. M. der Kaiser mit seiner ganzen Suite vor die Front des Regiments geritten und ließ die beiden wackeren Lebensretter vor die Front des Regiments rufen Mit huldvollen, gnädigen Worten der Anerkennung für die brave, mutige Tat übergab Seine Majestät den beiden Musketieren diepreußischeRettungsmedaille und reichte beiden d.e Hand. Der ergreifende Akt, der sich unter den Augen zahlreicher anderer Truppen vor der Front unseres 116. Re­

giments abspielte, wird nicht nur den so ausgezeichneten beiden Musketieren unvergeßlich sein, sondern dem ganzen Regiment, und mit Stolz und Freude wird das Regiment sich stets der begleitenden Worte erinnern:Ich freue Mich ganz besonders, daß gerade Ihr es seid von Meinem Regiment".

Tod eines Veteranen. Am Sonntag starb unser Mitbürger Wilhelm Friedel. Der Verstorbene batte in der! 10. Kompagnie des 2. thüringischen Infanterie-Regiments Rr. 32 den Krieg gegen Frankreich mitgemacht und an den Schlachten von Weißenburg, Wörth und Sedan teilgenommen, er war auch mit den 32ern dabei, als Orleans am 18. Oktober 1870 durch die Bayern und die 22. Division unter General von der Tann zum erstenmale genommen wurde. An den. großen und schweren Kämpfen am 2., 3. und 4. Dezember 1870 um Cravant und Poupri und der erbitterten Schlacht um Orleans am 8., 9. und 10. Dezember 1870 ist er eben­falls Mitkämpfer gewesen. Auch an der dreitägigen Schlacht um le Mans am 10., 11. und 12. Januar 1871 und den Gefechten um Alenyon war er beteiligt. Er hatte in diesem Feldzuge viele Strapazen, Kälte und Mühsale ertragen nun ist er abberufen worden zur großen Armee. Wir aber wollen ihm eine ehrende Erinnerung und ein dankbares An­denken bewahren. Das Häuflein der alten Kämpfer schmilzt immer mehr zusammen und die Reihen dieser Veteranen lichten sich.

** Geographische Unterrichtsreise. Am 25.. abends trat Prof. Sievers mit einer aus 13 Teilnehmern bestehenden Schaar von Herren der Universität eine geograph.^ Unterrichtsreise nach dem Böhmischen Becken und seinen Randgebirgen an. Wie wir hören, wird diese Exkursion^ 14 Tage in Anspruch nehmen und am 9. September in Dresden aufgelöst werden.

*' S t. A u g u stinu s. Der 28. August ist in der katholischen Kirche dem heiligen Augustinus gewidmet. Er war 353 zu Tagaste, in Afrika von einer christlichen Mutter, Monica, geboren, während sein Vater Patricinus ein Heide war. In seiner Jugend war Augustinus sehr weltlich gesinnt und verschmähte es nicht, die Freuden deS Lebens gründlich durchzukosten. Dann wandte er sich dem Studium der Philosophie zu, trat dann in die Sekte der Mani­chäer, die ihn aber unbefriedigt ließ, und ging 384 nadj Rom und im folgenden Jahre nach Mailand, um dort Lehrer der Beredsam­keit zu werden. Hier gewann der Bischof Ambrosius so großen Einfluß auf ihn, daß er sich 387 taufen ließ, seine Güter verkaufte und den Erlös den Armen schenkte. Nach Afrika zurückgekehrt, wurde er Begründer und Haupt eines asketischen Vereins, aus dem der Bettelorden der Augustiner hervorging. 391 trat er in den geistlichen Stand und wurde vier Jahre später Mitbischof von Hippo. Hier starb er am 28. August 430, während die Stadt von den Vandalen belagert wurde. Seine Gebeine fanden in der Peterskirche zu Patua ihre Ruhestätte, wurden aber von dort 1842, nach den Ruinen von Hippo überführt, wo man dem Heiligen ein1 Standbild errichtet hatte.

** Die Zeit der Weintrauben ist nun wieder er­schienen Die wohlschmeckende, saftige Weintraube erfreut sich mit Recht großer Beliebtheit, bietet sie doch außer dem Vorzüge, ein angenehmes Genußmittel zu fein, auch nicht zu unterschätzende Wirkungen zur Hebung der Gesundheit. Ta sie einen starken Zucker­gehalt besitzt, hat sie als Nahrungsstoff hohen Wert. Noch mehr aber helfen die mineralischen Salze zum Aufbau des Körpers. Denn durch die Arbeit der Verdauung werden fortwährend Salze verbraucht, die durch die Weintraube leicht wieder zu ersetzen sind. Namentlich auf die Neroenspannkrasl wirkt der Genuß der Trauben! heilsam ein. Man empfiehlt deshalb häufig gegen allerhand nervöse Störungen, wie sie meistens von einer unrichtigen Mischung der Säite herrühren, eine sogenannte Traubenkur. Sie ist sehr einfach, und besteht in der Hauptsache in einem mehrere Wochen fort­gesetzten reichlichen Genuß von Weintrauben, wogegen sich wohl iiiemanb sträuben wird. Zu vermeiden hat man während dieser Zeit nur fette und mehlige Speisen, welche die Wirkung beein­trächtigen würden. Auch bei Blutarmut und Bleichsucht tut eine ähnliche Kur gute Dienste. Außer den Zucker- und Salzteilen ent-, hält nämlich die Traube noch Kali, Phosphor, Natron und Kälk^ alles Stoffe, die in natürlicher Zusammensetzung, wie sie diese Obstart bietet, von großem Vorteil für alle mit solchen Schwäche­zuständen verbundenen Störungen sind. Ebenso übt die Traube gegen Gicht und Hypochondrie, in größeren Mengen genoffen, ihre Heilkraft aus. Aber selbst bann, wenn man sich einer dauernden Gesundheit rühmen darf, soll man sich der wohltuenden Wirkung der Weintraube nicht entziehen. Daß sie erfrischt und den Durst besser löscht als alle alkoholartigen Getränke, hat wohl jeder an­der eigenen Person erfahren, wenn ihm an heißen Tagen die süße Frucht Erguickung gebracht hat.

k. Großen-Linden, 27. Aug. Eine für Altertums­freunde wichtige Entdeckung wurde bei den Nachforsch­ungen innerhalb des Schiffes unserer tausendjährigen Kirche gemacht, deren Renovierung in Angriff genommen ist. Der Fußboden wurde bis zu etwa 1 Meter Tiefe nach Grüften, Altertümern und Urkunden untersucht. Dabei stieß man nahe dem Hauptportal und dessen beiden Ecktürmen in einer Tiefe von etwa einem halben Meter auf eine viereckige,, ca. 60 Zentimeter starke Maner, die mit ihrer einen Seite hinaus auf den Friedhof zu führen scheint. Man will hieraus schließen, daß vor der jetzigen im Kreuz- oder Basilikastit erbauten Kirche dort schon em kleineres Gotteshaus gestanden habe. Um die neu entdeckte Anlage genau feststellen zu können, mußte noch außerhalb der Kirche nachgegraben werden.

X. Griedel, 26. Aug. Heute nachmittag veranstaltete der hiesige Turnverein em öffentliches Wett- und Preis- turnen im Freien in der Nähe der Christ'schen Kunstmühle. Die Vorführungen im Stemmen, Weilsprung und Dauerlauf zeigten beachtenswerte Leistungen, ebenso die von Einzelnen auSgeführten Hebungen an Barren und Reck. Die Veran­staltung im Freien, bei schönstem Wetter und bei reichlicher Versorgung Durstiger durch Gastwirt Straßheim, war auch von vielen Auswärtigen besucht und nahm einen schönen Verlaus. Am Abend fanden gesangliche und humoristische Aufführungeri, sowie eine Tanzbelustigung im Gasthause ,Zum grünen Baum" statt.

-i- Grünberg, 27. Aug. Einem hiesigen Einwohner flog dieser Tage eine ermattete Brieftaube zu, die dieser fütterte. Als sie sich wieder stark genug fühlte, setzte sie ihre Reise