Ausgabe 
27.9.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 227

Zweites Biart

156. Jahrgang

Donnerstag 27. September 1906

Eichener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener Zamllienbiätler" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühllchar Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Dießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigedlatt für den Ureis Gießen.

potttLsche Tagesschan.

Eine Univerfitätsrede des Großherzogs von Baden.

Die Einweihung des Instituts für Krebsforsch­ung in Heidelberg, sowie die Eröffnung deS Kongresses für internationale Krebsforschung hat in Gegenwart des Groß­herzogspaares von Baden stattgefunden. Dabei hielt nach Ansprachen des Geheimrats von Leyden-Berlin und Erzerny-Heidelberg der Großherzog eine längere Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:

Auch ich habe der Universität angehört und bin vielleicht einer der ältesten, bic an derselben studieren dursten, und ich sage aus­drücklich .dursten", denn es bedeutet einen Vorzug, wenn man einer hohen Schule angehören darf. Wir hatten in der langen Reihe von Jahren so ausgezeichnete Kräfte hier in Heidelberg, daß Heidel­berg uniner zil den ersten und größten wrffmfchaftlichen Anstalten in Deutschland zahlen wird. Ich erinnere an die Männer, die hier geivirkt haben, und nenne unter anderen Buns e n, und wem» ich an unfern alten, guten Bunsen denke, so wird wohl jeder den Wunsch haben, daß er jetzt unter uns weilen möchte. Ich er­wähne ferner Schlosser und Vangerow, und noch viele solcher berühmter Namen könnte ich nennen, aber das würde zu weit führen. Ihnen, meine Herren, verdanken wir den yeutiren Tag. Wenn ich Sie auch nicht aufsordern kanii, auf die Untozmiät ein Hoch auszubringen desm die meisten der Anwesenden gehören derselben an so sind vicle als Gäste hier anwesend, und ihnen rufe ich zu: Möchte die Ruperto-Earolina forlfahren in dieser schönen Entwicklung nicht allein zum Wohle unseres engeren Baler- landes, sondern des gesamten Reiches und darüber hinaus. Möchte es ihr gelingen, sich immer höher hmaufzuscHwtngen. Mit diesem Wunsche rufe ich Ihnen alle zu: Tie Ruperro-Earolina lebe hoch, hoch, hoch l*

DerFränkische Bauer", das Organ der bayrischen katholischen Bauernvereine, ver­öffentlicht einen Artikel aus der Feder eines Reichstags- und Landtagsabgeordneten des bayrischen Zentrums, der den Bauern dringend anS Herz legt, sie möchten doch nicht so viel Vieh überwintern, denn daS heurige Futter tauge nicht viel und reiche nicht aus, sie sollen also das verkäuf­liche Vieh sofort zu Markt bringen, im Frühjahr würden die Preise viel niedriger stehen. DaS »Gescyrei" würde immer stärker, das Zentrum könnte das Tor nicht länger halten, die Bauern seien nicht die Mehrheit in Land und Reich, sie müßten die notwendigen Lebensrnittel zu ent­sprechenden Preisen auf den Markt bringen.

Heer ritt- Flotte.

Der bisherige Kommandeur der 22. Division, Gen.- Leutnant Josias v. Heeringen, wurde mit der Führung des 2. Armeekorps beauftragt. Er wurde 1850 in Kastel geboren und, nachdem er daS Gymnasium in Kassel unb die kurfürstlich hessische Kriegsschule besucht hatte, 1866 in das preußische Kadettenkorps übernommen. Später war ec Bataillonskommandeur im Jnf.-Regt. Rr. 117 in Mainz. Seit Januar 1903 kommandierte er die 22. Division in Kastel.

DaS »Militärwochenblatt" meldet: Linde, General der Infanterie, kommandierender General des 11. Armeekorps, wurde unter Versetzung zu den Offizieren ä la suite der Armee zum Präsidenten des Reichs Militärgerichts ernannt; Herzog Albrecht von Württemberg, General der Kavallerie, bisher Kommandeur der 26. Division, wurde zum kommand. General des 11. Armeekorps ernannt; o. Oppeln-BronikowSki, Generalmajor, Kommandeur der 13. Jnfanterie-Brigade, wurde unter Beförderung zum Generalleutnant nach Württemberg kommandiert behufs Ver­wendung als Kommandeur der 26. Division; v. Wallen­berg, Generalmajor, wurde zum Kommandeur der 18. Inf.- Brigade ernannt; Frhr. v. Plettenberg, Generalleutnant, Inspekteur der Jäger und Schützen und beauftragt mit der

Führung deS Kommandos des Reitenden Feldjägerkorps, wurde zum Kommandeur der 22. Division ernannt.

lürcbc und Schule.

4- Aus dem Kreise Büdingen, 26. Sept. Dieser Tage sand in Ortenberg die K re i § le hrcr k onf c re n z unter Vorsitz deSSchulrats Scherer statt. Lehrer Vonderau» Gustavsburg hielt einen Vortrag überDer Gesangs­unterricht in der Volksschule". Referent fordert für die Schule das Singen nach Roten, dies werde viel zur Er­leichterung des Unterrichts beitragen, eS würde ein bewußtes, verständiges Singen erzielt. Rach den statistischen Mitteilungen des Schulrats Scherer bestehen im Kreise 72 Schulen, da­von sind 43 einklassig, 21 zwei-, 4 drei-, 1 vier-, 1 fünf* und 1 mehrklassige Schule; Büdingen hat 12 Klassen. Die Gesamtzahl der Schulklassen ist 118, daran wirken 114 Lehrer und 4 Lehrerinnen. Von den Fortbildrmgsschulcn sind 68 ein- und 2 zwciklassig. Ueberfülltc Klassen haben Alten­stadt, Hirzenhain und Einhartshausen. Reue Schulhäuser werden erbaut in Büdingen, Kalbach, Böß-Gesäß und Wallern­hausen. Kreisrat Bocckmann hob in einer Ansprache den hohen Wert der Volksschule hervor, der Segen einer guten Volksschulbildung mache sich auf allen Gebieten, selbst beim geringsten Arbeiter bemerkbar.

Aus s«asr uuo Luuo.

Gießen, den 27. Sept.

* Ruhestands Versetzung. S. K. H. der Groß­herzog haben den Oberlehrer Prof. Rud. Dieckmann an dec Oberrealschule zu Wocms auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste bis zur Wieder­herstellung seiner Geiundheit in den Ruhestand versetzt.

"Ordensverleihung. S. K. H. der Grobherzog haben dem Steuerkommissariatsgehilfen bei dem Steuer- kommistariat Honsberg, Karl Friedr. D e e g, aus Anlaß seines 50 jährigen Dienstjubiläums die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Zur Revision der Landgcmeindcordnung. Seitens der Referenten, der Abgg. Köhler und Uebel, wurden dem Ausschuß für Beratung der Verwaltungsgesctze folgende Vorschläge gemacht: Bei Artikel 48 der Regierungsvorlage wird Annahme des Absatzes 1 in folgender Fassung em­pfohlen: »Gemeinderatsmitglieder dürfen unter­einander nicht verwandt sein, weder in gerader, noch in der Seitenlinie bis einschließlich des vierten Grades (Geschwisterkinder). Auch dürfen sie untereinander nicht ver­schwägert sein, weder in gerader, noch in der Seitenlinie bis einschließlich deS zweiten Grades." Hierzu bemerken die Re­ferenten: Dem Umstand, daß es gestattet war, daß Schwieger­väter und Schwiegersöhne, Geschwisterkinder und Schwäger gleichzeitig dem Gemeinderat angchören dursten, sind bisher die größten Uebelstände entsprungen. Nur infolge dieses Umstandes gelang es numerisch starken Blutsverwandtschaften in kleineren oder mittleren Gemeinden, alle entgegenstehende Nichtverwandte von der Teilnahme an der öffentlichen Ver­waltung auszuschließen, zu unterdrücken und zu tyrannisieren. Damit auch in kleinen Gemeinden diese weitgehende Aus­schließung durchgeführt werden könne, schlugen die Referenten vor, in Gemeinden bis zu 1000 Seelen die Gemeinderäte nur mit 6 Mitgliedern zu besetzen. Zu dem letzten Vorschlag bemerken die Referenten noch weiter: Es kann übrigens kein Beweis dafür erbracht werden, daß in diesem Falle die Zahl (der Gemeinderatsmitgliedcr) 9 richtiger und angemessener sei, als die Zahl 6.

"Die Arbeiten an der Kreissammelwasen­meisterei bei Garbenteich sind seit einigen Wochen in u।1 > wm uxm -u iHnaaCTj u." xt* u Mwmaj

kleines Feuilleton.

R. B. Darmstadt, 26. Sept. Die erste dramatische Dar­stellerin unseres Hoftheaters, ,Frl. Eichelsheim, ist bestem Vernehmen nach für das WiesbadenerHoftheater engagiert worden. Die Künstlerin hatte in den jüngsten Tagen in Wiesbaden mit großem Erfolg alsMaria Stuart",Iphi­genie" undGräfin Orsina" gastiert und außerordentlich ge­fallen. In den Darmstädter Kunstkreisen würde man das Scheiden der allgemein beliebten seit langer Zeit hier tätigen Künsilerin aufrichtig bedauern, wenn es nicht im letzten Moment noch gelingt, den Wiesbadener Engagementsantrag rückgängig zu machen.

Das neue Universitätsgebäude in Jena, von dem ein Teil bis auf die innere Einrichtung vollendet, der andere teilweise schon bis zum ersten Stockwerk aufgeführt ist, verspricht nicht allein das eigenartigste, sondern auch das s ch ö n st e Universitätsgebäude inDeutschland zu werden. Der Entwurf stammt von Prof. Theodor Fischer-Stuttgart. Der Ge­samtbau ist nach mittelalterlicher Art um zwei ungleich große Höfe gruppiert, die durch einen für die Aula bestimmten Zwischni- bau getrennt sind. Das Ganze wird beherrscht von einem 40 Meter hohen Treppenturm mit prächtig gestaltetem Turmhelm. Irr dem schon fertigen Teil zieht sich an der einen Hofseite eine Pseilerhatte hin, die als Aufenthaltsraum sür Studenten bei schlechtem Wetter gedacht ist. Die Außenfassaden, ganz aus Kalk­steinverblendung ausgeführt, mit schön geschwungenen Giebeln, zeigen deutsche Renaissance mit romanischen Anklängen. Das hohe Dach ist mit roten Ziegeln gedeckt. Eine breit angelegte Freitreppe, deren zwei Aufgänge eine Zierbrunnenanlage einschueßen, ist dem rhythmisch gegliederten Portal vorgelagert. Die Bildwerke des Portals hat Prof. Ludwig Habich-Darmstadt ausge­führt. Wir gelangen in das Vestibül, einen von einem flachen Tonnengewölbe überspannten dxaum, wo eine traulich behagliche Stimmung uns umfängt. Gehen wir durch den links angrenzenden kleinen Raum in den großen Sammlungsraum, so cinpfiudeu wir die schöne Steigerung, die der Baumeister geschaffen hat. Eine große Halle mit einem ganz neuen Gedanken für die Anlage von Museen. Ein hoher Mittelraum, der sein Licht durch seitlich herausragende Fenster eurpfängt, wird von zwei niedrigeren Sei­tenräumen begrenzt. Vier mächtige Rundbogen aus rotem Weser­sandstein tragen die weißgestrichene Decke. Der lange Korridor, der an einer Saite die Auditorien und Bibliotheken beherbergt, laßt schon jetzt die in dem ganzen Bau beabsiäsiigte Farbere- wirkung mit Deutlichleit erkennen. Die grau-vwlett-gestrichenen

Türen zeigen ein prächtiges Farbenspiel mit den bläulich-grünen Wandkacheln der Korridore und den roten Fußbodenplatten. Dieses Gebäude wird außer dem archäologischen Museum nebst Hörsälen noch das Staatswissenschaftliche Seminar und das Orientalische Münzkabinett beherbergen und außerdem für das Dau- und Kunstdenkmälerwerk von Thüringen einen Raum zur Verfügung stellen, an dessen Eingang eine mir No ko ko-Omamenten ge­schnitzte Tür vom Jahre 1748 aus dem frühem Ban, dem alten Schloß, Verwendung gefunden hat.

Zwei neue Tenore. Der frühere Offizier W. Kirchhoff wurde dem Berliner Opernhause nach er­folgreichem Gastspiel als Tenor verpflichtet. Mit un­gewöhnlich starkem Beifall wurde im Mainzer Stadt-- theater ein neu entdeckter Tenorist empfangen. Der junge aus Kreuznach stammende Sänger heißt K. Nößner. Er war bis vor kurzem Maurer. Als Debüt hatte er sich den Manrico (Troubadorrr") gewählt; er zeigte bei seinem Auftreten neben reichem Stimmaterial auch beachtenswerte darstellerische Fähigkeiten.

Der Bildhauer Geheimrat Professor Dr. Schilling in Dresden erhielt den TitelExzellenz".

Für das Stadttheater in Bromberg ist aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds eine Subvention Von 10 000 Mark für das nächste Jahr bewilligt worden.

Wien, 25. Sept. Heute wurde in der hiesigen Universität die Hauptversammlung des Gesamtvereins der deutschen Geschick)ts- und Altertumsvereine er­öffnet, deren Dauer auf drei Tage bemessen ist. Anwesend waren zahlreiche Delegierte aus Oesterreich und Deutschland, Vertreter der oscreichischen und deutschen Universitäten, Leiter der Staats­archive der deutschen Bundesregierungen und viele deutsche Ge­schichtsforscher.

W enndunoch eine Mutter ha st." Aus Neu­stadt i. Sa. wird geschrieben: Am 15. d. M. waren seit dem Tode des hiesigen Lehrers Friedrich Wilhelm Kau- lisch, des Dichcers des allbekannten LiedesWenn du noch eine Mutter hast", 25 Jahre vergangen. Bei der Be­liebtheit, der sich diese (vielfach Albert Träger fälschlich zugeschrieoene 2. 9t) Dichtung allgemein erfreut, dürste es interessant sein, zu erfahren, wie sie entstanden ist. Mitten im Winter wollte oer Lehrer Kaulisch von einem

Angriff genommen. Die Gebäulichkeiten sollen zum Teil noch unter Dach gebracht werden. Im Sommer 1907 wird die Eröffnung deS Betriebes stattfinden. Sowohl in hygienischer, als auch in finanzieller Beziehung wird das neue Institut eine bedeutende Besserung gegen das bisherige Gemeindewasen­wesen sein. Aud dem gesamten Kreise Gießen roirb das ge­fallene Vieh in die Kreiswasenmeisterei gebracht. Zum Trans­port der Tierkadavcr sollen Kraftwagen angeschafft werden. Die gesamte Anlage des Werkes ist zu 120 000 Mk. ver­anschlagt. Die neue KreiS st raße Garb enteich -Lich, an der das Werk liegt, ist teilweise schon vollendet.

** Einheitliche Regelung der Einrichtung^ und des Betriebes Von Bäckereien. Wie die Darmst. Ztg. hört, sind die Verwaltungsbehörden ange­wiesen worden, auf den Erlaß von Polizeiverordnungen binzuwirken, welche die Einrichtung uni) den Betrieb von Bäckereien und solchen Konditoreien regeln, in denen neben Konditorwaren auch Väckerwaren hergestellt werden. Ein Entwurf, der für die fragliche Polizeiverordnung vorbild­lich sein soll und die zu stellenden Mindestforderungen ent­hält, ist im Bundesrat auSaearbeitet worden. Der Ent--, Wurf enthält teilweist Vorschriften zum Schutze der Ge­sundheit und Sittlichkeit der Arbeiter, teils solche, die im Interesse der Nahrungsmittelhygiene die bei der Betriebsführung alter Bäckereien gebotene Reinlich­keit sichern. Da aua) die übrigen Bundesstaaten entsprechend vorgehen, wird eine im wesentliche einheitliche Regelung für das ganze Deutsche Reich zu erwarten sein.

" Blindenkonzert. Hiermit sei auf das Konzert deS erblindeten Pianisten Max Becker hingewiesen, daS am 8. Oktober er. unter Mitwirkung der Konzertsängerin Fraulein Elsa SchNeider-Fcankfurt und der Pianistin Frl. Frieda Schneider-Frankfurt im Neuen Saalbau stattfindet. Der Würzb. Gen.-Anz." schreibt im Juli d. I. folgendes über ein Konzert BeckerS:

Wenn Künstler zu einem gewissen Grad innerlicher Reife ge­langt sind, dann erst dürfen sie Klavierabende veranstalten; wenn diese Abende aber so tiefe und nachhaltige Wirkung erzielen wie der gestrige, so mag dies der beste Beweis sein, daß der Künstler eine hohe Stufe der Vollendung in seiner Ausbildung erreicht hat. Dies ist zweifelsohne bei Max Becker, dem hohes musikalisches Empfinden und technische Fertigkeiten über das Fehlen des Augen­lichts hinweghelfen müssen, der Fall. Er verfügt über eine be­achtenswerte Fingergewandtheit, spielt korrekt, musikalisch, ruhig, ohne Unarten und für einen armen Sonnenlosen einzigartig seelen­voll. Das entzückende Menuetts Beethovens, ein reizendes Scherzo Schuberts und das mit feiner Delikatesse vorgetragene Noktumo Chopins, dessen mächtige Wirkung tiefen Eindruck hervorrief, seien aus dem reichhaltigen Programm herausgejchäll.

** Ein Verzeichnis der Fern spre ch st eklen in Gießen hat wieder in der bekannten übersichtlichen Anordnung die Firma Ernst Balser herausgegeben. Die Einrichtung des Verzeichnisses ermöglicht ein sehr leichtes Auffinden der betr. Telephonnummern, da in allen Fällen, die zu Zweifel Anlaß geben können, die betr. Anschlüsse unter verschiedenen Schlagworten zu finden sind; so findet man z. B. die verschiedenen Anschlüsse des Gießener An­zeigers unterBrühlsche Druckerei (Gießener Anzeiger)", Expedition",Gießener Anzeiger" undRedaktion".

"Ein neuer Verein. In den letzten Tagen fand eine größere Versammlung von Freunden und Anhängern des Radfahrsports statt, nm einen Verein zu gründen. Die Anwesenden entschieden sich, dem neuen Verein den Namen Nadlerverein Diana" Gießen, beizulegen. Ferner wurde beschlossen, anfangs Oktober größere Rennen, verbunden mit einer Vereinsfestlichkeit, abzuhalten.

Klein-Linden, 26. Sept. Bei der kürzlich Versteigerung des Gemeindeobstes wurden für die edleren Aepfel- und Birnensorten ziemlich hohe Preise er­zielt, so daß die Gemeinde wieder eine ansehnliche Summe einnimmt. Der Korb Golqparmäne und Rosenäpfel kostete

I Nachbarorte zu seiner Mutter zurückkehren. Rechtzeitig hatte

I er den Heimweg angetreten, er geriet aber in ein derartiges Schneewetter, daß er aus einer Schneewehe in die ander« versank. Als er endlich in der finsteren Nacht nach langem Umherirren ganz ermattet das Haus seiner Mutter erreichte, sah er durch das Fenster her erleuchteten Stube die Mutter betend am Tische sitzen. Dieser Anblick prägte sich tief in die Seele des glücklich Heimkehrenden ein und gab ihm Veranlassung, seine innigen Gefühle des Dankes m dem Ergreifenden Gedichte zum Ausdruck zu bringen.

Heinrich Stümcke, Die Frau als Schaum spiele rin. Friedrich Rothbarth, Leipzig. Mk. 1,50.- Auf seinen 114 Seiten enthält das zierliche und gut ge­druckte Buch eine Fülle unterhaltsamen Inhalts, der so ziemlich jede Frage erörtert, die mit dem Leben der Bühnen­künstlerin in Beziehung steht. In fesselnder Darstellung sehen wir, welche Rolle die Frau in der Kunst der Antike und des Mttelatters gespielt, welche hervorragende Stell­ung die ernst Ausgestvßene in der Gesellschaft erlangt hat und wie die Schauspielerin zuerst von allen die Selvst- ständigkeit erreichte, Oie die moderne Frauenbewegung auch für die übrigen Geschlechtsgenossinnen erkämpfen will Aber auch jede praktische Seite des Bnufs, die Kostümsiage usw., nicht minder das Seelen- und Gefühlsleben der Künstlerin ist in Betrachtung gezogen und beharcdelt. Im Schlußkapitel finden wir eine Untersuchung, ob und inwiefern im eigensten Wesen der Schaubühne und der theatralischen Kunst eine Gefahr für die Sittlichkeit begründet ist, wobei inter­essante subjektive Bekennrniise großer Bühnenkünstlerinnen erngestreut werden. Jedes Mädchen, das zur Bühne gehen will, sollte vorher dies Buch lesen, das auch der schon im Beruf 'stehenden Schauspielerin noch manches zu sagen weiß. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Band mit einem Bilde der vatikanischen Melpomene und 16 Porträts geschmückt ist, die uns u. a. Sarah Bernhard, Eleonore Düse, Agnes Sorma, Helene Odilon, Jenny Groß und Else Lehmann in charakteristischen Aufnahmen vorfüyren. Ver- ucißt wird ein Register und die Kapitel hätten besser Ueber- schriften er hatten.