Erstes Blatt
Freitag 27. Juli 1906
Are heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
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156. Jahrgang
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E. Francke.
Shaw über die deutschen Sozialdemokraten.
Die deutschen Sozialdemokraten sagen: Deutschland in
Welt voran! Damit meinen sie, in Deutschland sei
Aas Iugendfest.
Gießen, 27. Juli.
Wenn gestern nachmittag der eine oder andere Reisende nach Gießen kam, um hier Geschäfte zu machen, mag ec wohl verwundert gewesen sein über die fast menschenleeren Straßen. Noch weniger waren sie belebt als sonst an hübschen Sommersonntagen. Und wenn er dann auf die Frage nach dem verehrten Geschäftsfreund, von dem er einen größeren Auftrag zu ergattern hoffte, die Antwort bekam, den müsse er im
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Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HansBeck.
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tung, daß die Arbeiter der anderen Kulturländer in die Fußstapfen der deutschen Sozialisten ein treten; vor allem die englischen. Aber ach, sie erleben hierin Enttäuschung über Enttäuschung. Friedr. Engels hat so viel von den englischen Arbeitern erhofft — aber immer erst nach der Spanne Zeit, nach der sein mehr sanguiuischer Genosse schon den großen Kladderadatsch erwartete — und er hat seine ganze Hoffnung mit ins Gväb genommen. Noch vor jedem internationalen Bergarbeiterkongreß las man in deutschen Blättern, diesmal würden die englischen Kameraden wohl den direkten Nebergang ins sozialistische Lager vollziehen. Doch noch auf jedem Kongresse bewiesen die Engländer ihre intellektuelle und wirtschaftliche Ueber- legenheit und der erwartete Schritt blieb aus.
Seit 1884 besteht in England die Fabian soeiety. Es
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GietzenerAnzeiger
.w General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
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durch ihr wiederholtes Verweilen in Weilburg lieb geworden sind, viele Sympathie.
Mer es sind nicht nur rem menschliche Gefühle, welche die Aussichtslosigkeit der Königin aus einen Thronerben her- vorrust, sondern wir sind auch politisch in Holland interessiert, da der nächste Dhronagnat aus den niederländischen Königsthron der G r o ß h e r z o g vonSachsen- Weimar-Eisenach ist, der Enkel der verewigten Schwester weiland König Wilhelms III. In zweiter Linie stehen die Nachkommen der Prinzessin Marianne, also deren aus ihrer Ehe mit dem Prinzen Albrecht von Preußen stammenden drei Söhne: Friedrich Heinrich, Joachim Albrecht und Friedrich Wilhelm. Dann drittens die Nachkommen der beiden Töchter des Prinzen Friedrich der Niederlande, die verstorbene Königin Luise von -Schweden und die mit dem Fürsten von Wied verheiratete Prinzessin Maria. Falls alle diese Linien aussterben, gehen die Ansprüche auf den niederländischen Thron nach Artikel 15 der Verfassung über auf die männliche Linie der Nachkommen der Prinzessin Karo- line, Schwester des Prinzen Wilhelm V., die mit dem Prinzen von Nassau-Weilburg vermählt ist.
Königin Wilhelmine und ihr Gemahl sind allerdings noch jung, und die Möglichkeit, daß sich doch noch Kindev- segen einstellt, ist vorläufig noch nicht von der Hand zu weisen, aber wie es scheint, ist die Hoffnung hierauf äußerst gering, denn sonst würde sich wohl nicht des ganzen 'Landes eine so tiefgehende Erregung bemächtigt haben und der oben mitgeteilte Vorschlag erfolgt sein. Wir müssen also mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß der nächste König der Niederlande ein deutscher Fürst sein wird.
Besonders erfreulich ist diese Aussicht weder für uns noch für die Holländer. Die Engländer würden vielleicht diesen Dynastiewechsel zum Anlaß nehmen, auf die niederländischen Kolonien ihre Hand zu legen. Deshalb widerstrebten auch die Holländer bisher jedem engeren Anschluß an Deuftchland und sei es auch nur in Form einer Postunion. Für die auswärtige Politik Deutschlands aber heißt es, jetzt schon der niederländischen Thronfolgefrage ihr Augenmerk zuzulvenden.
Die Katastrophe muß auf den Prinz-Gemahl erschütternd gewirkt haben, er brach in einen Wein krampf aus; der Prediger Lanrillard, der gerade in Apeldoorn weilt, wurde in den Palast gerufen und sein tröstender Zuspruch scheint den Prinzen beruhigt zu haben.
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risten, Mediziner und Philologen, die, durch so lockende Aussichten angezogen, das alte „Grypo" aufsuchten, haben sich in ihren Erwartungen gründlich enttäuscht gesehen. Die Zahl der Bewerber steht in gar keinem Verhältnis zu der Größe des vorhandenen Stipendienfonds, und über die Qualität der ziemlich reichlich gewährten sogen, „ganzen" und „halben Freitische" — bei 20 bezw. 10 Mark Nachzahlung, je nachdem man sich alltäglich oder jeden zweiten Tag ihrem kulinarischen Genüsse hingibt^- sind oder waren wenigstens vor zwanzig Jahren, als Schreiber dieses in der alten Boddenstadt hauste,. die Ansichten der (angehenden) Gelehrten geteilt. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an Exemplaren des echten, rechten, flotten Bruder Studio, der sich bei gefülltem Geldbeutel ohne allzu große Sorgen um die Zukunft seines mehr oder weniger harmlosen Daseins freut, ftöhlichen Sinnes die Gegenwart genießt und höchstens einmal durch die Angst vor des Examens Nöten sich die Stimmung trüben läßt. Den edlen Gerstensaft in beträchtlichen Quantitäten zu sich zu nehmen, fühlen sich zahlreiche eives academici GrYPhiowaldensis schon aus Gewissenhaftigkeit verpflichtet, da das am meisten konsumierte Naß dem der Universität gehörigen Gute Eldena — Sitz einer landwirtschaftlichen, 1837 auch von Bismarck besuchten Hochschule mit weithin berühnrter Klosterruine — seinen Ursprung verdankt. Letztere erfreut sich jedoch, trotzdem der beste Kenner Greifswalder Lokalgeschichte, der vor zwei Jahren verstorbene ehrwürdige Prof. Pyl, in jedem Sommer ein Kolleg darüber las, in studentischen Kreisen weit geringerer Beachtung als das Erzeugnis besagter zum Gutsinventar gehöriger Brauerei. Getrunken wird also auch in Greifswald ziemlich reichlich, zumal der oben erwähnte, manchmal in der Tat recht scharf wehende Küstenwind nicht selten die Kehlen auslrocknet und dadurch immer von neuem eine causa bibendi schafft. „Bemooste Häupter", die durch jahrelang fortgesetzten, allzu reichlichen Biergenuß alle Energie zum Studium und selbstverständlich auch zum Examen eingebüßt haben, fehlen daher an der Greifswalder alma mater ebensowenig wie an anderen Universitäten. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren sie im sogenannten „Heldenbildecklub" vereinigt, der in einer traulichen Ecke des architektonisch rocht sehenswerten Ratskellers der alten Hansastadt tagte bezw. nächtigte. Das bekannteste dieser Originale war ein inzwischen selig zu seinen Vätern versammelter Dr. K., der sich rühmte, aus seiner Vaterstadt, dem nahe gelegenen Anklam, noch mit der Post nach Greifswald gekommen zu sein, und abends auf der Kneipe als uralter Herr die ältesten Semester, die schon längst in Ehren ergraute Professoren waren, mitleidslos in die Kanne steigen ließ. Das Merkwürdigste war, daß es ihm kurz vor seinem Ende doch noch beschioden war, das mediztmsche Rigorosum glücklich zu absolvieren. Den
Krersswatdcr Erinnerungen.
Die älteste preußische Landesuniversität, die sich jetzt $ur Feier ihres 450jährigen Bestehens rüstet, ist eine von den stillen im Lande und verhältnismäßig selten genannt. Ueberschäurnende Lebensfteude in dem Maße, wie sie manche süddeutsche Müsenstadt, allen voran Heidelberg, aber auch die Perle des Breisgaus und nicht zuletzt das feucht-fröhliche München kennzeichnet, wird man hier vergebens suchen. In den Tagen, da einer ihrer berühmtesten Hörer, Ulrich von Hutten, an der Universität immatrikuliert war, war das allerdings anders. Damals gehörte es, wie alte Chroniken berichten, nicht zu den Seltenheiten, daß die Studenten den nach der Stadt kommenden Bauern den Hopfen von den Wagen nahmen und darob mit den Stadtpolizisten in eine ausgiebige Schlägerei verwickelt wurden. Jetzt ist die von den pornrnerschen Herzogen gegründete, später schwedische, aber in ihrem innersten Wesen immer kerndeutsche, durch den Wiener Frieden gleich dem übrigen Neuvorpommern mit Preußen bereinigte Hochschule eine Arbeitsuniversität im eigentlichen Sinne des Wortes; der durch päpstliches Reskript bei der Gründung ausdrücklich privilegierte Karzer spielt hier gar keine Rolle. Wohl fehlt es auch nicht an den üblichen studentischen Verbindungen, Korps und Burschenschaften, Landsmannschaften, srer'schlagenden Korporationen, wissenschaftlichen, Gesang- und Turnvereinen usw, motjl hat jede allgemeine studentische Bewegung auch am Ostsee- strande in Greifswald, wo, wie es in einem alten Stu- dentenlrede heißt, der Wind so kalt weht, ihre mehr oder minder starken Wellen geschlagen — man denke nur an den (natürlich karikierten) Greifswalder Studenten mit dem üppigen Haarwuchs in Heines „Harzreise" — aber allzu kräftigen Nachhall hat sie nie gefunden. Dafür sorgt schon die im ganzen recht bescheidene Lebensweise, zu der die Mehrzahl der Greifswalder Musensöhne infolge der von Haufe meist nicht allzu reichlich fließenden Mittel genötigt i|t. Greifswald als „Stipendienuniversität" erfreut sich ja bekanntermaßen eines weitverbreiteten, wenn auch nach unserer Kenntnis der Sachlage unverdienten Renommees. Nicht wenig zu diesem eigenartigen Ruf von „Grünwald", wie er es in seinen Romanen nicht übermäßig geschmackvoll nennt, hat, woran die „Boss. Ztg." erinnert, Friedrich Spielhagen beigetragen, der — im ersten Kapitel seiner „Problematischen Naturen" — jeden neu ein treffenden Studenten an den Toren der Stadt von den Universitätspedellen begrüßt und nach der Größe der Stipendien, die er zu beziehen wünsche, gefragt werden läßt. Manche überflüssige Illusion, manche vergebliche Hoffnung ist durch diese alte Sage — Spielhagen ist hier natürlich nur „Finder", nicht „EHmder" — erweckt worden, nicht wenige angehende Ju--
— Das Lottehaus in Wetzlar, das Geburtshaus der Charlotte Buff, das durch Goethes „Leiden des jungen Wcrther" so bedeutungsvoll geworden ist und jährlich von zahlreichen Verehrern des großen Dichters aus allen Ländern aufgesucht wird, hat, >vie uns ge- schrieben wird, einen wertvollen Besitz erhalten durch eine recht anschn- liche Sammlung von Or i g i n a l b r ie f e n . bildlichen Darstellungen und alten Drucken der Wertherlitcratur, die zur Besicht iaung auSgelegt sind. Unter den Original-Handschriften befindet sich als Seltenheit ersten Ranges ein sehr charakteristischer Brief von Carl Wilhelm Jerusalem, Goethes Werthcr, geschrieben in Wetzlar 1770 an seine Schwester. Ferner sehen wir Briefe von Lotte, von ihrem Bater, dem alten Amtmann, und von Kestner, ihrem Gatten. An bildlichen Darstellungen fesselt den Beschauer eine größere Anzahl vortrefflicher Silhouetten, die Geschwister und den Bräutigam der Lotte darstellend; desgleichen sind bemerkenswert Porträts des jungen Goethe sowie deutsche, englische und französische Darstellungen von Szenen auL WertherS Leiden. DaS lebhafte Interesse deS Kenners erregen die ersten Originalausgaben deS Romanes selbst, deutsche und französische Drucke, zum Teil mit reizenden Kupscrn von Chodowiecki, Meil, Ramberg und Johannol. Die so überaus reichhaltige Wertherlitcratur ist in einer ganzen Reihe seltener Exemplare vertreten, die eine Anschauung geben von der bedeutenden Einwirkung, die Goethes Roman auf die Gemüter der Zeitgenossen ausgeübt hat. Die Sammlung soll im Lause der Zeit werter auSgcstallcl werden zu einem reizvollen Museum der W e r t h e r z e i t in weiterem Umfange. Vielleicht finden sich Gönner, die durch geeignete Zuwendungen die Ber- wirklichung dieses Planes zu fördern geneigt find. Diesbezügliche Mitteilungen nimmt Oberlehrer Seher in Wetzlar gern entgegen.
— Ein Berliner Kunstmäcen hat die Absicht, in Oer fommenben Wintersaison dort im „Neuen Theater" eine Reihe erstklassig geleiteter Vorstellungen zu geben, und zwar mtereisiert er sich in der Hauptsache für Werke spanischer und italienischer Autoren. Es sollen in dem ganzen Zyklus nur Uraufführungen stattsinden.
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politische Lczge-scharr.
Zur Stichwahl in Hagen - Schwelm.
Professor Dr. E. Francke in Berlin, Generalsekretär der Gesellschaft für soziale Reform, richtete, wie die klerikale jftöln. Volksztg/ (!) mitteilt, an den Ersten Bürgermeister Cuno in Hagen folgendes Schreiben:
Verehrter Herr Erster Bürgermeister! Die Episode im Wahlkampfe Hagen-Schwelm, die sich an meinen Namen knüpft, veranlaßt mich zu folgender Aufklärung: Völlig überraschend, ohne jede Vorbereitung erhielt ich am Samstag dem 14. Juli, nachts zwischen 11 und 12 Uhr — ich war nachmittags und abends nicht zu Hause gewesen — die Anfrage des Lic. Mumm, die Ihnen aus den Zeitungen bekannt geworden ist. Mir war keinen Augenblick zweifelhaft, was ich zu antworten hatte: Sonntag vormittag halb 9 Uhr lehnte ich telegraphisch dankend ab. In einem Brieic an Mumm, den er verspätet bekam, legte ich meine Gründe wie folgt dar: Seit 30 Jahren stehe ich im öffemlichen Leben politisch aus liberaler Seite. Auf sozialpolltischem Gebiete aber ist es meine Ausgabe, das Einigende zu betonen, das Trennende auszuschalten. So arbeiten auch in der Gesellschaft für soziale Reform Vertreter fast aller bürgerlichen Parteien zusammen. Schon aus diesem Grunde sei es mir tlnmöglich, eine Kandidatur anzunehmen, die sich gegen einen Freisinnigen wende. Außerdem aber befürchtete ich von dem Plane eine Verwirrung im Wahlkreise, die dem Sozialdemokraten zugute käme. Es bedarf wohl keiner weiteren Versicherung, daß es mir nie in den S i n n gekommen ist, gegen einen von mir so hochgeschätzten Sozialpolitiker rote Sie, der das Mandat Eugen Richters verteidigt, aufzutreten. 9?l e i n e ganzen Wünsche gehen dahin, daß Sie am 27. d. M. als Sieger hervorgehen unb daß die bürgerlicher! Wähler ohne Ausnahme das tun, was ihre Pflicht ist: Sie zu wählen. Mit größter Hochachtung Ihr sehr ergebener Prosessor
Die Thronfolge in Holland.
Die „N. Hamb. Ztg." meldet aus Amsterdam, eine Konferenz von 112 Abgeordneten des niederländischen Parlaments beschloß, der Staatsregiermng die Thronfolge des weimarischen Hauses zur gesetzlichen Festlegung vorzuschlagen.
Das herbe Schicksal, von dem die Königin Wilhelmine betroffen mürbe, hat auch in Deutschland aufrichtige Teilnahme erweckt, denn die junge Herrscherin genießt bei uns Deutschen, und ganz besonders in Hessen, wo sie sich so häufig und gern bei ihren Odenwälder fürstlichen Verwandten aufhält, und an den Ufern der Lahn, die ihr
Doktortitel hatte ihm Jüng und Alt schon Jahrzehnte zuvor honoris causa verliehen. Gegenüber einem wirklich' „alten Herrn", der aber immer noch bei seinem Korps aktiv war, glaubte man freigebiger Weise mit diesem Titel nicht kargen zu dürfen. Die vorstehend gegebenen flüchtigen Augenblicksbilder aus dem alten lieben Greifswald beziehen sich, wie bereits erwähnt, auf eine Zeit, die etwa -zwanzig Jahre zurüekliegt. Allzu viel dürfte sich inzwischen nicht geändert haben, wenn auch die Zahl der Studierenden neuerdings, hauptsächlich wohl infolge der Anziehungskraft, die das ziemlich nahe gelegene Berlin ausübt, nicht unerheblich zurückgegangen ist. Hoffen wir, daß sie sich in Anbetracht der guten gesunden Lage, des woylfsilen Lebens und nicht zuletzt der vielen ausgezeichneten Lehrkräfte und Lehrmittel, über die die pommersche Hochschule jetzt mehr als je verfügt, bald wieder hebt; hoffen wir auch, daß die laut Personalverzeichnis jetzt in Greifswald immatrikulierten (vorläufig) acht Damen — wer hatte das noch vor zehn Jahren für möglich gehalten! — dem akademischen Leben nichts von seiner schönen Ungezwungenheit und Eigenart zu rauben beflissen sein werden.
sind dies Leute mit einem sozialistischen, aber keineswegs sozialdemo irakischen, am wenigsten anarchistischen End- zrel. In der Methode verachten sie den KlassenLampf und vor allem jeden Terrorismus (der ja in Deutschland bei den freien Gewerkschaften ein H-ouptkampfmittel ist). Sie appelieren an die Logik, an die Gerechtigkeit. Sie stützen sich folglich auf alle Klaffen und schließen ebenso folgerichtig Kompromisse — es ist schrecklich zu sagen: mit allen bürgerlichen Parteien.
Ein Hauptstreiter der Fabier ist Bernhard Shaw, ein irischer Dramatiker, der auch auf deutschen Bühnen schon manche erhebliche Erfolge erzielt hat, namentlich mit seinem Einakter „Der Schlachtenlenker", einer Persiflage Napoleons, mehr aber noch unb mit größerem Rechte mit seiner außero^entlich geistreichen Dichtung „Cäsar und Cleopatra", die uns diese beiden historischen Persönlichkeiten Wunderbar vermenschlicht. Beide Dichtungen sind in deutschen Ausgaben bei S. Fischer in Berlin erschienen. Dieser Poet hat jetzt durch seine Charakteristik der deutschen Sozialdemokratie diese schwer gekrankt, vor allem aber ihre Führer. Er nennt sie anarchistisch und reaktionär ineinemAtemzuge und die scharfe Begründung dieser Kritik mag diejenigen, die bisher die bürgerliche Gesellschaft anarchisch und die Anarchisten Philister gescholten haben, schwer ärgern. Mit treffendem Sarkasmus fügt er hinzu: „Nennten die deutschen Sozialisten mich einen Philister, so würde es ihnen niemand glauben; wenn aber ich es tue, dann steht's wohl sonders." Denn Shaw ist als Komödiendichter, der die Schwächen des modernen englischen Charakters mit Witz und Geist wiederholt in seinen Schriften kritisiert hat und als Mann von freiestem Standpunkt über die Kennzeichnung als Philister — die der „Vorwärts" unlängst fertig gebracht hat — erhaben.
Shaw erwähnt in seinem Briefe auch einen englischen Sozialdemokraten, der ein Hallunke gewesen sei unb als ein einziger englischer Vertrauensmann der deutschen Parteiführer diese schmählich getäuscht habe. Als Verkommener habe er natürlich die englischen Arbeiterführer, bis gegen ihn Stellung nahmen, Verräter gescholten. Gemeint ist Edward Aveling, der die sympathische Eleonore Marx in den Tod getrieben hat. Aber mit dem alten singulären Vorfälle kann man nichts beweisen.
erL f Löweugasse 20, Ul- _ .gen L-erheiratung meines cdcns jnche für Lnde vept. itiifj Mädchen
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sozialdemokratische Partei am stärksten und am fortgeschrittensten gegenüber allen anderen Ländern. An den Ausdruck des Stolzes hierüber knüpfen sie aber die Erwar-
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Erscheint täglich aitner Sonntag?.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt , die Lietzener Familien« blätter viermal in der \ Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'sehen Unwers.-Buch-u.Stem- bruderet. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
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