Safin flreitigtcitcTt nudtictimdkn, so daß ^rrnnTrcid?, das zu gleicher Zeit von den ft'irfbenfricguimtticn nnb beit antimili tariftifdien Kundgebungen durch?,ittcrt wird, zur Zeit eine wenig beneidenswerte Lage im Innern bietet, zumal die Vorbereitungen für den Wahlkampf im Gange sind. Aus Lens wird freilich jetzt berichtet, daß die ausständigen Bergarbeiter entmutigt seien und die Arbeit voraussichtlich im Laufe dieser Woche wieder auf- nctimen werden. Die Zahl der Ausständigen ist auf 44 OOO herab- gegangen.
InRußland, über dessen Finanzen der Gießener Professor Drermer eine recht lehrreiche Broschüre soeben veröffentlicht hat (bei Emil Rvth in Gießens, fanden sensationelle Bankberaubungen statt, von denen die tollkühnste die in Moskau war. Am Samstag drangen 8 mit Revolvern bewaffnete Mäyner in das Gemeindeverwaltungsgebäude von Katlakaln in der Nähe von Riga ein, entwaffneten den Polizeibeamten und einen Schreiber und verbrannten die Bilder des Herrschers, die Gemeindeverzeichnisse und das dem Staate gehörige Inventar. Dem Bezirk K'atlakaln ist wegen dieses gegen das Gebäude der Bezirksverwaltung <rus- gesührten Angriffes eine -Strafe von 3000 Rubeln auferlegt rnrrben. In der Räbe von Tiflis wurde die Post angefallen. Ein Polizist, der sie begleitete.^ wurde getötet, ein Postillon verletzt. 10 000 Rubel wurden gestohlen. Vor dem Militärgericht zu Petersburg wurde der Prozeß wegen des' lleberfalles auf l>ie dortige Staatskaffe am 13. Februar verhandelt. Das Urteil lautete gegen einen Angeklagten auf zwanzigjährige Zwangsarbeit, gegen die fünf übrigen auf Tod durch den Strang. Die Angeklagten sind Bauern. Rach einer Meldung aus Moskau verüben die Revolutionäre unausgesetzt große Diebstähle, um sich die Mittel für die bevorstehende große Erhebung zu verschaffen. Täglich werden neue Uebcrfälle und OKwalttaten zu diesem Zwecke verübt. Innerhalb der letzten Monate haben Revolutionäre ea. 1 Millionen geraubt! Rach Privatmeldungen werden in Moskau schon zu Ostern große Unruhen und Aufstände von feiten der Gegen-Revolution befurchtet. Ferner beißt es, daß Anfang April in Finland ein Kvmvlott der revolutionären Partei stattfiuden werde, auf dem der Generalstreik beschlossen werden soll, um das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht von der Reichsduma zu erzwingen. Alle Gouverneure erteilten Befehl. Schutzmaßregeln zu treffen. Zur Bewaebunq der Eifenbahu sollen aus der Mandschurei zurückgekehrte Truppen verwendet werden. In den Gouvernements, wo Bauernunruben drohen, wird die Polizei und Gendarmerie auf das Doppelte^ verstärkt. Den Gutsbesitzern wurde geraten, aus entlassenen Soldaten Schutzwachen zu bilden. Petersburger Zeitungen bestätigten, daß unter den Matrosen in Sewastopol eine große Gäbrnng herrscht.
Deutscher Reichstag.
7 4. Sitzung v o rn 24. M ä r z 1906.
Die Beratung des Kolonialetats der Schutzgebiete Süd - w e st a f r i k a wird fortgesetzt.
Abg. S t o r z (h'tbb. 93p.) bemerkt, er könne mit Bezug auf die Zukunft Südwestasrikas nicht so pessimistifch urteilen, wie dies von manchen anderen geschah. Auch Wasser sei vielfach an Stellen erschlossen, ivo man es früher nicht vermutet habe. Zu Gunsten unserer Kolonien empfehle ich eine geeignete Fracht- und Tarif- Politik. Redner verbreitet fid) weiter über die Rechtslosicsteit bei* Schwarzen. Es bedürfe eines festen Eingeborenen-Rechtes, an welches jeder Schwarze sich halten könne.
Abg. Erzberger (Zentrum) führt aus, der Kolonial- Direktor habe gegenüber seinen gestrigen Bemängelungen int allgemeinen eine sehr entgegenkommende Haltung eingenommen. Er erkenne dies mit Genugtuung an, aber gegenüber dem, was er, Redner, über die Verordnung wegen Einziehung des Stammes- Vermögens gesagt habe, habe der Kolonial-Direktor bestritten, daß es ein Stammes-Verniögen gebe. Er müsse da doch auf seiner Ansicht beharren. Weiter wendet sich Redner gegen den Ab- geordn. Bebel, um dessen gestrige Unterstellung zurückzuweisen, daß das Zentrum innerlich ganz anders denke, als es hier ans- soreche. Sodann erörtert Redner nochmals die Angelegenheit des Monopols der Firma Tippelskirch u. Eo., namentlich aber an das Land- und Betriebs-Monopol der Firma Wörmann. Das Reich werde dabei in ganz ungeheurer Weise „übernommen". Alan könne dem Reich nicht zumuten, außer seinen sonstigen hohen Opfern auch noch Opfer zu bringen zu gunsten einer potenten Firma.
Geheimerat Seitz legt dar, daß die Notwendigkeit schneller Lieferungen, das Erfordernis schneller Ausrüstung der Truppen bei Ausbruch des Aufftandes die Verwaltung zu dem Vertrage mit Tippelskirch bewogen und genötigt hätte. Mit Wörmann laufe der Vertrag, der aus ähnlichen Gründen erforderlich gewesen sei, Ende dieses Jahres ab. Noch ungewiß sei, ob und mit wem — es hätten sich schon eine Reihe anderer Firmen gemeldet — ein neuer Vertrag abgeschlossen werde. Für einzelne Fälle sei die Verwaltung schon mit anderen Firmen, Sem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika-stinie in Verbindung getreten. Dies habe aber nicht zu einer Verbilligung des Transports geführt. lHört, hört.) Was den Landungsvertrag, das Landungs-Monopol anlange, so habe die Firma Wörmann dabei hohe Anlagekosten gehabt. Trotzdem habe die Verwaltung diesen Vertrag nicht auf fünf Jahre, wie die Firma wünschte, sondern nur auf „Kriegsdauer"
geleiteten Theater Berlins errang gleichzeitig Shakespeares „Som- meruadststraum" die größten Erfolge. Als mühsamen Shakespeare- Schüler lernten wir hier im vergehenden Winter Beer-Hofmann mit feinem „Grasen v. CharolaiZ" kennen. Hugo v. Hofmannsthal schrieb eine neue Oedipus - Tragödie, Eulenberg ein Kassandra- Drama, Vollmöller versucht die Antigone und andere Dramen des Sophokles in neuer Verdeutschung aus die Bühne zu bringen, Paul Ernst dichtete einen neuen „ Demetrius", Wilbrandt eine „Timandra", der Franzose Gide einen neuen „König Candaules", der Schotte Shaw ein „Cäsar und Cleopatra"-Trarna, Wassermann schrieb einen Roman von Alerander bem Großen tc. re. Mau sieht, die Künstler von heute ivollen uns wieder, wie die Alten, auf einen hohen Berg führen, die einen, um uns die Schönheiten und Düsternisse des Lebens in erhabenen Symbolen zu zeigen, alle, um über den Niederungen der Wirklichkeit eine Höhenkunst zu errichten. Jedes hohe Streben ist gut und allseitiger Unterstützung wert. Und der Zug zu Shakespeare oder gar zur Antike bedeutet einen sehr wichtigen Umschwung der künstlerischen Denkart in unserer Tagen. So kommt denn auch die Hippolytos-Uebersetzung vom Gießener Gymnasialoberlehrer Otto Altendorf zur rechten Zeit, um empfänglidie Gemüter in ganz anderen als etwa nur Philologen kreisen zu finden. Der alte Euripides war der Realist des Altertums ; er schuf moderne Menschen oder, rid)tiger gesagt, was auck) der meisten eben genannten lebenden Dichter heißes Mühen ist, Menschen von Fleisch und Blut, wie sie zu allen Zeiten lebten und leben werden, in gehobenen Milieus unter reidjem und reinem Gebankenaufwand und unter Anwendung einer edlen und veredelnden Sprachkunst. Euripides schleppte nicht nur personifizierte und kostümierte Ideen auf die Bretter, wie es die Epigonen taten. Darum kann er auch heute wieder sehr wohl die Rolle eines Vernuttlers übernehmen zwischen dem absterbeiiden Realismus und dem erwachenden Neoidealismus unserer Kunstepoche. — Die Hippolntos Tragödie, bereit Aufführung durch Schüler des Gießener Gymnasiuuls zu der für nächstes Jahr bevorstehenden Gyntuasial- Jubelfeier beabsichtigt war oder ist, gehört nicht zu den bekannteren 19 Tragödien des Enripides. Medea, Elektra, Orestes und die beiden Iphigenien werden auf unseren Gymnasien wohl öfter gelesen. Dagegen kennt man, schon durch die Sarah Bernhard- Reklame, Racines „Phädra", eine Nachbildung der Euripideischen Tragödie. Hippolytos, ein Sohu des TheseuS, tritt als orphischer Asket auf. Zum Verhängnis wird ihm die tötliche Liebe seiner Stiefmutter Phädra. Der antike Dichter, den ja selber als Gatten zweimal schmachvolle eheliche Untreue aufs tiefste verbittert haben soll, offenbart sich hier als ein berbdr und höhnender Verächter gewisser rätselvoller Tiefen des Frauenherzens. Wahnsinn und Liebesglut, Schwatzhaftigkeit und Neugier, Verrat ' und Untreue, falsche Anklage und Eigenliebe entnu'ckelt er in feinen Frauencharakteren hier mit meisterlicher Psychologie und pathologischer Kenntnis. Schwächen und Laster, die tragischen Folgen der vrüfungSlosen Leichtgläubigkeit und unerbittlichen'Daterstrenqe,
Not der Verbannun« schildert er grellfarbig und glühend mit
abgeschlossen. Da? habe die Landungskosten natürlich wieder erhöht und zwar auf 8 Alk. pro Tonne.
Abg. K o p s ck) lfrs. Vp.) erklärt, über den Wert Südwestasrikas die Meinung Bebels zu teilen. Unseren braven Truppen müsse er allerdings die wärmste Anerkennung aussprechen. Sie hätten dem Vaterlande Ehre gemacht. Wie stehe es aber damit, daß aus bem Fond für Unterstützungen der Krieger auch Beamte subventiouiert seien, die an den Kämpfen garnicht teil genommen hätten, wie z. B. expedierende Sekretäre. (Rufe links: Hört, hört.) Redner verbreitet sich ferner über das Monopol der Firma Tippelskirch u. Co.
Oberst Ohnesorg antwortet, daß e5 sich um einen Liebesgabenfonds handele, aus dem Beamte unter Zustimmung der Geber Remunerationen erhalten hätten.
Abg. K o p s ch erklärt, es sei also rick;tig, daß auck) Nichtkämpfer solche Remunerationen erhalten hätten. Es scheine auch, als ob die Firma Tippelskirch zu dem Fonds gespendet habe.
Oberst O h n e s o r g erwidert: Soviel er wisse, einmal tausend Mack. Nachweisungen über die Verwendung dieser Zuweisungen seien nidjt erfolgt.
Damit schließt diese Debatte.
Auf Antrag Müller-Sagau werden nunmehr die aus die Liefeningsfrage bezügliche Resolution GrafHompesd) und das dazu gestellte Amendement Arendt an die Budgetkommission zurückver- verwiesen. Bei einem weiteren Titel bemerkt
Oberst Deimling: In der Presse des Abg. Ledebonr ist einem Aussatze des Generalstabes über den Hereroaufstand uach- gesagt, er habe die Leistungen der Engländer und der Buren im Burenkrieqe schlecht gemacht, um unsere Leistungen gegen die Hereros herauszustreichen. Der Aussatz habe geflissentlich die Buren unterschätzt, um darzustellen, wie groß unsere Leistungen seien im Vergleich zu der Kriegführung der Engländer gegen die Buren. Diese ganze Verhetzung des Abg. Ledebonr beruhe ans ganz falscher Voraussetzung.
Vizepräsident Graf Stolberg: Herr Oberst, Sie dürfen nicht einem Abgeordneten Verhetzung nachsagen. Wenn dies ein Aiitglied des Hauses tut, würde ich es rügen müssen.
Oberst Deimling: Der Generalstab hat stets die Leistungen der Engländer wie der Buren anerkannt. Der Generalstab bat in seinem Aufsatz nur hervorgehoben, daß die Buren lediglich defensiv waren und nicht ossensiv, dagegen die Hereros stets offensiv. Daß ein Deutscher unsere von der Welt anerkannte Leistungen in China so herabsetzend behandle statt mit Stolz, sei ihm unverständlich und ein betrübendes Bild, aber daß unsere Truppen in Südwestasrika Hervorragendes geleistet haben gegenüber einem barbarischen, ernsthaft zu nehmenden, tapferen und überlegenen Gegner, das sei eine Tatsache, die der Geschichte angehöre. Daran werden auch die Ausführungen des Artikelschreibers nichts ändern, ebensowenig wie wenn ein wütender Köter den Mond anbellt.
Abg. Ledebonr (Soz.): Mit jenem Artikel speziell habe id) nichts zu tun. Die Leistungen unserer Gruppen haben wir stets anerkannt. Der Artikel ist nur ein Versuch, dem Generalstabswerk entgegenzutreten, das die Leistungen Anderer unterschätze. Speziell ist der Darstellung in dem Generalstabswerk entgegengetreten, als ob unsere Truppen in China stets an der Spitze gewesen seien. Der Kern der Sache ist: Oberst Deimling hat uockunalS versucht, die Ausführungen des Generalstabes zu entsduildigen, es ist ihm dies aber mißglückt. Der Artikel des Generalstabes ist und bleibt eine Verunglimpfung der Buren.
Abg. v. Oldenburg (kons.): Von einer Verunglimpfung der Buren ist keine Rede, sondern nur davon, daß der Oberst vom Kriege etwas versteht unb Herr Ledebonr nicht. (Heiterkeit.)
Abg. Tr. Arendt (Rp.) weist ebenfalls die Annahme znrück, daß der Generalstab die Buren verunglimpft habe.
Damit schließt die Debatte.
Eine Anzahl Titel werden mit den von der Kommission be- chlossenen Abstrichen genehmigt.
Bei dem Titel: Für Mole und Landungsbrücke in Swakopmund hat die Kommission 50 000Mk. abgeftridien, um anberroeite Landungs-Verhältnisse zu schaffen und zwar besonders unter Heranziehung der Konkurrenz.
Aba. Dr. A r e n d t (Rp.) beantragt Rückverweisung an die Kommission, dock) wird der Eintrag abgelehnt. Es entsteht eine ehr ausgedehnte Debatte, in der u. a. auch
Erbprinz Hohenlohe um unverkürzte Bewilligung des Titels bittet, damit der Hafen gebrauchsfähig erhalten werde.
Von den Befürwortern des KommisfionsbeschlusseS wird bei der Debatte besonders geltend gemacht, es müsse, ehe mau für den Hafen Swakopmund weitere Aufwendungen mache, erst einmal durch Sachverständige volle Klarheit über die Verhältnisse bes Hafens geschaffen werden. Schließlich werden auf Antrag Basser- mann sowohl jener Titel, wie ein weiterer Titel für Baggerungs- arbeiten int Hasen von Swakopmund, bei dem die Kommission von den geforderten 550 000 Mk. 4 5 0 0 0 0 M k. abgestrichen hatte, an die Budgetkommission zurückvernüesen. Bei den Ausgaben ans Einlaß des Aufstandes hat die Kommission 15 Millionen gestrichen, tatt 93 nur 78 bewilligt.
Oberst Deimling führt aus, mau könne nodi nicht über- ehen, ob und wann e§ möglich fein wird, die Schutztruppe zu verringern, deshalb habe der Abstrich keine praktische Bedeutung, wohl aber eine moralische, die er aufs tiefste bedauern müsse.
Abg. Schrader (srs. Vg.) meint, daß auch nackt dem Ab
strich von 15 Millionen die verbleibende Summe in diesem Jahre nicht aufgebraucht werde, die Sache habe also keine Eile.
Abg. Sä bekam (Soz.) verbreitet sich über den großen Beamtentroß bei den Truppen in Südwestafrika.
Erbprinz Hohenlohe führt au§, daß die Verwaltung die Truppen und Beamten dort vermindern werde, sobald dies möglich sei. Jetzt sei dies nodj nicht zu übersehen.
Das Haus stintmt einmütig den Beschlüssen der Kommission zu. Ebenso wird gemäß einem Anträge der Kommission die For- dernng für eine Eisenbahn Windhuk — Rehoboth gelt r i ch e n. Angenommen wird schließlich die Resolution der Kommission betr. Vorarbeiten für eine Bahn von Kubub nach KetmanShop.
Montag Weiterberatung de? Kolonialetats.
verinsschtes.
* Star Pc Schneefälle werden nicht nur von der Lahn, sondern aus fast ganz Deutschland gemeldet, aus Holstein und Tl)üringen, von Rhein und Ruhr, von der Werra und Weser, von Spree und Elbe, aus dem Elsaß und Bayern. Selbst aus Frankreich und Spanien kommen Meldungen von riesenhaften Schneefällen. Ein Postzug der span. Zentralbahn blieb in 3 Meter hohem Tchnee stecken. Tie Reisenden waren etwa 40 Stunden ohne Lebensmittel. Viele Bahnlinien sind dort unterbrochen. Tie niederländische Provinz Seeland ist von gefährlicher U c b e r s ch w e m m u n g heimgesucht, sodaß Geldsummen zur Unterstützung der Notleidenden gesammelt werden.
* Tie neuesten Eisenbahnunfälle. Ein Personenzug der Linie KurSk-Charkow-Sewastopol (Rußland) entgleiste bei der Station Alexandrowsk. Etwa 2Q Reisende mürben verletzt und fünf Wagen beschädigt. — Ter Rcichstagsa.bg. Mittermeier, Vertreter des Kreises 2 Ricderbavern, ist bei dem Eisenbahnunglück bei P ass au verunglück t.
* Berlin, 24. März. Bei der heutigen Vernehmung des Raubmörders Hennig fand im Moabiter Untersuchungsgefängnis die Gegenüberstellung des Verbrechers mit dem Kamm er Herrn v. Zitze Witz statt, da nach einigen Aeußerungen Hennigs der Verdacht bestärkt wurde, daß er für das bekannte Attentat auf den Kammerherrn im Eisenbahncoupe als Täter in Frage komme. 'Dieser Verdacht ist jedoch durch die heutige Aussage des Herrn v. Zitzewitz hinfällig geworden.
* Plauen i. V., 24. März. Heute früh drang der Ziegler Thoß in die Wohnung seiner Frau ein, die er nach einem heftigen Wortwechsel erschoß. Sodann verletz t e er mit dem Revolver die Mutter der F r ä u. Die Schwester der Erschossenen sprang durch das Fenster auf die Straße. Sodann stellte sich der Mörder an das geöffnete Fenster und gab auf die untenstehende Menge etwa 300 Schüsse aus 5 Revolvern ab, wobei zwei Personen verwundet wurden. Tas jüngste Kind ließ er an einem Strick auf die Straße hinunter und steckte die Möbel des Zimmers in Brand, die größtenteils vernichtet worden sind. Tie Feuerwehr wurde alarmiert und Thoß durch einen Schutzmann unschädlich gemacht. Man nimmt an, daß er die Tat in einem Anfall von Wahnsinn verübt hat. Bei dem Mörder wurden noch etwa 200 Patronen vorgefunden. Tie aus dem Fenster gesprungene Schwägerin hat schwere Verletzungen erlitten. Die Feuerwehr wurde durch Thoß, der auch auf die Feuerwehrleute Schüsse abgab, an den Löscharbeiten verhindert,, bis er durch einen Schuß uw schädlich gemacht worden war.
* München, 24. März. An den Folgen eines Duells starb gestern tnt Krankenhause ein 19jähriger Kandidat der Medizin. Dieser hatte auf einer Best iinmungsmensur einen .Hieb am Kopfe erhalten. Infolge Zutritts von Blutvergiftung ist er nun gestorben Tie gerichtliche Untersuchung gegen den Duellgegner ist eingeleitet._________________________________________________________'
Universitäts-Nachrichten.
— Dor a. o. Professor von Drygalski in Berlin, der Führer der deutschen Südpolar-Expedition, ist für die neugeschaffene ordentl. Geographieprofessur an der Universität München berufen worden.
schonungsloser Lcbenstreue. In seiner eigenen Brust mag er, der Makellose, manche der Qualen durchgekämpft haben, die er in grauenvoller Wahrheit dichterisch darstellt. Der Sage nach soll der Unglückliche fern der hellenischen Heimat von Hunden zerrissen worden sein. Scheint es nicht eine entsetzliche Vorahnung seines eigenen gräßlichen LebenSeudes, indem er seinem Hippolytos den Tod aus ähnliche fürchterliche Weise bereitet ? — Altendors hat nicht eigentlich eine Neubearbeitung, sondern eine möglichst getreue Verdeutschung des Dramas liefern wollen. Darum ließ er auch den Prolog dem Drama, durch den der Dichter auf die Erregung der Spannung im Zuschauer verzichtet, indem die ihn sprechende Göttin den Abschluß int Voraus kündet. Auch die künstlerisch höchst bedenkliche dca ex machina zum Schluß, die in diesem Drama durchaus überflüssig ist, im Gegensatz zu manchen anderen des Euripides, wo die Gottheit den Knoten des Konfliktes einfach befehlend zerhaut, ist natür(id) nicht ausgemerzt. Das und manches andere noch hätte ein etwa für das moderne Theater die antike Dichtung einrichtender Verdeutscher fallen lassen müssen, hier eine andere Szenenfolge, da vielleicht eine Verwandlung der Szenerie eintreten lassen. Doch Derartiges war ja keineswegs Ziltendorfs Absicht. Was er wollte, hat er gegeben: eine gute, sehr lesbare Verdeutschung in gehobener, klang- und kraftvoller Sprache. Gefährlich war das Experiment der häufigen Anwendlmg des Reimes. Es ist ihm zum großen Teil über alles Erwarten geglückt, so namentlich in dem Ehorlied „Wär ich dock) tief in der Erde Schluchten" und auck) in „Liegt mir int Herzen das feste Verlangen". Dock, gerade die ersten Chor- lieder leiden unter dem Zwange des kurzen ReimverseS. Der Reickitum der Dichtung nn klugen und wertvollen Sentenzen und Lebensregeln kommt auch der Altendockschen llebertragunq zu gute und bildet in schöner detttscher Fasscmg einen der Hauptretze deS Gattzeu. Ick) Emm cs mir nicht versagen, einige zum Teil gar sehr moderne Verse zum Schlüsse hier wiederzugeben:
„DaS ist es, was der Mensckieit Staaten, Häuser zugrunde richtet, sei'n sie noch so gut verwaltet: diese allzttschönen Reden.
Denn nicht, was in den Obren lieblich klingt, — was Ruhm und Ehre sckmfft, das soll man reden."
„Tie Welt beurteilt den Verstand nach dem Erfolg." „Ganz und gar verkehrt ist dessen Sinn, Den es gelüstet nach Alleinherrschaft."
Und deit Befürwortern der Todesstrafe schreibt Euripides ins Stmnmbud):
„Ein schneller Tod ist eine leichte Strafe
für einen schuldbeladenen Bösewicht." P. W.
— Unter den Architekten Prof. MartinDülfer in München, Regierungsbaumeister 9)1 o r i tz in Köln und Heinrich S e e l i n g in Berlin wurde ein engerer Wettbewerb um Entwürfe für ein Stadttheater in ßü t»ausgeschrieben.
— Witten bau rs „F i 1 i a h o s p i t al i s“, ein erfolgreiches Studentenstück, ist in Marburg lSteiermark) verboten worden. Allerdings traf das Verbot der Statthalterei in Graz nicht mehr so rechtzeitig ein, um die Erstaufführung zu vereiteln, welckic unter stürmischem Beifall stattfand. Die Benulhnugen der Direktion zur Freigabe für fernere Vorstellungen verliefen jedoch refultatlos. Eine Szene in der Aula und eine sttidentenfreundliche Rede des des Prof. Engel wurde als zu „gefährlich" erachtet und es mußte bei dem Verbot bleiben. Bezeichnend für die österreichischen Zustände ist die Tatsache, daß eben dieses Stück in Wien seit anfang Februar den Spielplan des Bürgertheaters Woche für Woche beherrscht.
— Von Peter Rosegger? S d) r i f t e n , Volksausgabe, 3. Serie in 80 Lieferungen i 35 Psg. (L. Staackinann, Leipzig) gingen uns die Lieferungen 24—30 zu. Diese Lieferungen enthalten neue Geschichten aus Berg unb Tal, die unter dem Titel „Der Waldvogel" zusammengesaßt sind. Gerade zur rechten Zeit, zu FrühlingS-Anfang, fliegt dieser Waldvogel hinaus, und wer sich und) des Tages Einerlei einen besonderen Genuß verschaffen will, der lausckic dem Gesänge dieses Waldvogels, um sich an den mannigfaltigen sinnigen Weisen zu ergötzen. Einen eigenartigen Zauber übt dieser Gesang auf den Lauscher aus. Da türmt sich das Gebirge empor, Bäche und sturmbewegte Wälder rauschen, Menschen verschiedenster Art und in wechselnder Beleuchtung kommen von den Höhen herabgestiegen und in bunten Episoden spielt sich das Leben der Gebirgsbewohner ab, die fest und zähe sich an die Erde klammern unb trotzbem einen Auslug nach dem Himmel habem Unb zwisd)enburch wie Sonnenlichter spielt oft ein warmer, belebender Humor. Dieses Lächeln des Herzens läßt Rosegger immer zur rechten Zeit hervortreten.
— AlbertKohl, Gedichte. (Verlag für Literatur, Kunst und Musik, Leipzig.) Geh. Mk. 1.50. Diese Gedichte des Feuilletonredakteurs der „Nordh. Ztg." sind die Gabe eines starken Talente? voll feinen Formgefühls und lyrischer Gestaltungskraft. Der Verfasser hat bald in Klängen sonniger, trunkener Daseinsfreude, bald in ergreifenden Tönen heißer Sehnsucht und tiefen Weh's seins Lebensgänge zu zeichnen gewußt.
— Ein Führer durch die Deutsche Jahrhrrndertaus- st c l l u n g in Bcrli n, herausgegeben von Woldemar von Scidlitz, bet F. Vruckmann in München (zum Preise von 1 Mk.) erschienen, bringt eine Uebersicht über den ganzen Bestand der Ausstellung. Zugleich ist das Bücksscin ein Leitfaden für jeden, den die Entwickeltmg der deutschen Kttnst während des Jahr- hunderts von 1775 bis 1875 interessiert.
M ü nche n, 24. März. Wie die „M. N. N." erfahren, ist die feierliche Eröffnung des provisorischen „DeutschenMufeum s" für den 6. Oktober festgesetzt. Anschließend daran findet die feierliche ©runbfteinlcgung für den Neubau des „Deutschen Museums" statt. Beide Feierlichkeiten wird der P r i n z r e g e n t vollziehen. Der dettlsche Kaiser habe gleichfalls sein Erscheinen in Aussicht gestellt, ebenso der Reichskanzler Fürst Bülow.


