Ausgabe 
26.2.1906 Erstes Blatt
 
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hervorragend^*^^^ i bewährt bei^S« y Darmkatarrh, B re Ch d urchfa iVetc?

Jubeltage En-. Maj. in uincr Befriedigung aufblickt zu dem Vorbllde cdit deutschen Familienlebens und Familiengluckes auf dem K>aiserthvone, vereinigen mir uns m dem Wunsche : Es möge Eueren Majestäten durch Crites Gnade vergönnt fein, in aber- mals 25 Jahren das I-est der Goldenen Hochz^t glücklich zu be­gehen, zum Heile Preußens, zum Heile unseres deutschen Vater­landes!"

Ter Kaiser erwiderte:

Ich sage meinen herzlichsten Dank für die Worte, die Euere Durchlaucht soeben im Namen des Staatsnnnlsterrums (in uns gerichtet haben. Das Staatsministerium hat rm Lause seiner Arbeiten wiederholt die Freude gehabt, EinwirUlNgen I M. der Kaiserin und Königin nachgchen und sie aussuhrcn zu können, imd so hoffe ich, daß die Herren auch in fernerer Zukunft ihre Arbeiten mit nur gemeinsam aussühren und stets *im Auge behalten werden und nicht vergessen, daß die erste Frau Deutschlands, die Königin von Preußen, wie alle deutschen Frauen mäßigend und leitend auch auf Ihre Gedanien ein­wirken soll. So hoffe ich, daß Gatt auch in den nächsten Jahren unsere Arbeit segnen möge!" .

Ter bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld brachte im Namen des Bundesrats die ehrfürchtigen Glückwünsche zur silbernen Hochzeit dar:

Die deutschen Fürsten, wie die gesamte deutsche Nation feiern diesen Tag mit ihrem Danke gegen die Vorsehung Dem Bundesrate sei es vergönnt gewesen, in besonderem Maße dem Wirken des Hohen .Herrscherpaares auf der höchsten und darum verairtwortungsvollsten Stelle rm Reiche zu folgen. Er sei Zeuge gewesen, mit welchem hoben Sinne und welcher Kraft e. Ma;, die Macht des Reiclws nach außen wahre und im Verein mit seinen hohen Verbündeten unter g e w i s s e n ha f t e r A ch t- itng ihrer Rechte im Innern des kaiserlichen Amtes walte und' überall fördernd wirke. Der Bundesrat wisse aber auch, daß S. Maj. eine erhabene Gattin zur Seite stehe, in Treue und Hingebung dein edelsten Beruf des Herrschers folge, Schmer­zen zu Bindern, Tränen zu trocknen. Möge es Gott gefallen, so wie bisher, auch ferner seine Hand über der Maiestäten Bund zu halten und ihnen auf dem festen Boden häuslichen Glückes viele Jahre eines gleich reichen und gesegneten Zusammenlebens zu schenken."

Ter Kaiser entgegnete:

Ich spreche dem Bundesräte von ganzem Herzen meinen wärmsten Dank aus für die Wünsche, die Euere Exz. soeben aus- gespiochen haben, und bitte Sie, Dolmetsch unseres Dankes zu sein bei Ihren Herren für das Interesse, das sie an dem Feste in unserem Hause genommen haben. Es ist mir eine Freude, ver­nommen zu haben, daß der Bundesrat in der Lage gewesen ist, sich zu überzeugen, mit welchem Fleiße und welcher Hin­gebung Arbeiten und Pflichten von Ihren Maj. aufgefaßt werden. Sie können versichert fein, daß wir unsere Arbeit auch fernerhin mit unermüdlichem Pflichteifer tun werden und vor allem in inniger Vereinbarung mit unseren Hohen Ver­bündeten wirken werden."

Graf Balle st rem überbrachte die Glückwünsche des Reichstages. Er dankte im Namen des deutschen Volkes den Majestäten dafür, daß diese während 25 Jahren dem deutschen Volke ein hehres Beispiel einer wahrhaft christ­lichen und glücklichen Ehe gegeben hätten. Das sei auch in den Familien des deutschen Volkes nicht spurlos vvr- übergegangen. Er wünsche, daß sein und seiner Kollegen Nachfolger nach 25 Jahren vor den Majestäten erscheinen könnten, um sie im goldenen Ehekranze zu begrüßen.

Fürst zu Inn- und Knyphausen sprach im Namen des Herrenhausesin historischer Treue und Ehrerbietung den Wunsch aus, daß den Maj. die nächsten 25 Jahre so glücklich sein mögen, wie die vorhergegangenen".

Exz. v. Kroch er brachte die Glückwünsche des Abg.- Hauses zur silbernen Hochzeit und zur grünen Hochzeit des zweiten Sohnes der Maj. dar:Möge Euere Majestäten so wie jetzt die Silberne, einst die Goldene, die Eiserne, ja die Diamantene Krone schmücken." Der Kaiser dankte herzlich mit kurzen Worten auch namens der Kaiserin.

Beim Empfange der Generalfeldmarschälle, General­obersten und oes Großadmirals v. Köster bat Prinz Albrecht, daß die Generalfeldmarschülle und General obersten der Armee in ihrem Namen und zu­gleich im Namen der Armee ihre Glückwünsche zu Füßen legen dürsten zur silbernen Hochzeit und der Freude Ausdruck geben dürften, daß nun die zweite Schwiegertochter tu der Maj. Haus einziehe. Gott möge in den kommenden Dezennien seine Segnungen stets mehren, und in Erfüllung der Wünsche, die alle treu im Herzen trügen, möge der Maj. Wirken und Schaffen in der Armee auf allen ihren Gebieten zum Heile des Heeres sich weiter bewähren, zum Segen des Landes und des ruhmreichen und siegreichen Reiches.

Der Kaiser erwiderte:

Ich spreche meinen herzlichen Dank aus für die schönen Worte, die Ew. König!. Hoheit an uns' gerichtet haben. Ich bin non Herzen beglückt und dankbar, daß des Reiches wehrhafte Söhne, dar gestellt in den obersten Spitzen her Armee, uns heute hier gratulieren können, und daß dieselben von Ew. Königs. Hoheit geführt werden, die uns noch .die herrliche Zeit der Auf­erstehung des Reiches verkörpert. Ew. König!. Hoheit können versichert sein, daß mein erster und letzter Gedanke 'weine Streitkräfte zu Lande und zu Wasser sind, und daß Ihre Maj. stets bestrebt ist, für die Linderung von Not und Krankheit zu wirken und vorzusorgon. Geb e^G o11, daß ein Kriegsfall nicht eintreten möge. Sollte es aber dennoch geschehen, so bin ich fest Über­zeugt, daß dieArmee sichebensobewährenwerde, wie vor .35 Jahre n."

Der Präsident des evangelischen Oberkirchen rates Voigts führte aus, das ganze deutsche Volk hebe heute fürbittend die Hände empor zu Gottes Thron und vereinige sich in dem Erflehen des höchsten Segens Gottes auf die Majestäten und das ganze königl. Haus.

Der Kais er dankte und gab der Hoffnung Aus­druck, daß Gottes Segen ferner auf der Entwicklung der evangelischen Kirche ruhen möge.

Kardinal Kopp überbrachte die Segens- und Glück­wünsche des Episkopates:Möge das Reis, das in die Erde gesteckt wird, wachsen und sich entfalten zu einem mächtigen Baume, um die Hoffnung des Volkes, des Vater­landes und des Herrscherhauses zu erfüllen."

Der Kaiser sagte in seiner Erwiderung, er hoffe, daß es ihm auch ferner gelingen möge, im Verein mit dem Episkopat für d i e katholische Bevöl­kerung z u sorgen.

Dann folgten Abordnungen der Provinzen, Städte, Uni­versitäten, technischen Hochschulen, Akademien der Wissen­schaften und Künste, Korporationen und gemeinnütziger Vereine, welche von den Oberpräsidentcn, bezw. den Ressort­ministern vorgestellt wurden und Adresseu überreichten. Schließlich kamen die sremdherrlichen Militärabordnungen und zwar vom großbritannischen 1. Dragonerregi­ment, dem österreichisch-ungarischen Husarenregi­ment Kaiser Wilhelm I., dem österreichisch-ungarischen Hu­sarenregiment Kaiser Wilhelm II., dem russischen 85. Jnf.- Regt. Wyborg, dem russischen Petersburger Leibgarde-Regt. König Friedrich Wilhelm HI., dem russischen Drag.-Regt. Narwa und der russischen Marine. Der Kaiser und die Kaiserin reichten den Herren und Damen der Deputationen die Haud und nahmen eigenhändig die Adressen entgegen.

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He anoeboten; aber so, bann doch wollte, ward

i g nahm auf Veranlassung des deutichen Konsuls die Schwindlerpaar fest, welches durch Annonzierung an*

ZpislplM der vrrrinryten Frankfurter Stüdttheater.

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends unx 7 Uhr.

Oldenburg, 25. Febr. Der scheidenden Herzogin So­phie Charlotte wurde gestern abend von der Bürgerschaft ein Fackelzug dargebracht. Bürgermeister Tappenbeck hielt eine Ansprache an das Großh. Paar und die Herzogin, auf die der Großherzog mit herzlichen Worten dankte.

München, 25. Febr. Die Stadtgemeinde übersandte dem Kaiserpaar zur silbernen Hochzeit eine Glückwnnschadrefse mit kostbarem Geschenk.

der sozialdemokratischen Partei. Ich weise entschieden die Verdächtigung zurück, als ob der Justizminister widergesetz­lich vorgcgcrngen sei. Sie können daraus, m. H., den Schluß ziehen, wie begründet oder unbegründet alle weiteren Aus­führungen des Vorredners sind, wie unbegründet alle die weiteren Anklagen, wie unbegründet alle die weiteren Be­schuldigungen, die der Abgeordnete gegen die Gerichte ge­richtet hat. (Beifall rechts, Widerspruch bei den Sozialem.) Sächsischer Geheimrat Dr. Börner bemerkt noch, gegen das Urteil in dem Prozeß gegen die Leipziger Volkszeitung sei Revision eingelegt. Deshalb rede er aus den schon von dem Staatssekretär betonten Gründen über diesen Prozeß nichr. Der Vorredner habe sich auch mit dem Ober­staatsauwalt in diesem Prozeß beschäftigt. Namens der

gelegenbeiten serngehalien werden. Daß aber dieses Staatssekre­tariat über den Kopf des Kanzlers hinweg besetzt werden konnte, ist, als nettes Symptom, doch der Rede wert. Em paar Tage war hier denn auch der Teufe! los. Mühlberg (NnterstaatSsekretär im Auswärtigen Amte. D. Red.) war die Sache angeboten; aber so, daß er nicht gut Ja sagen konnte. Als er bann doch wollte, warS 5" spät: unb gute Menschen führen eine Kampagne gegen ihn, ber besser getnn hätte, in ber Handelsabteilung sitzen zu bleiben, wo er heimisch war, beren Enbe noch unsicher ist. Nicht sehr wahrschein­lich, baß er bleibt/

* Kleine Tageschronik. In Essen wurden in der Kruppschen Fabrik durch eine abstürzende Gießpfanne mit glühen­dem Stahl vier Arbeiter tödlich und vier andere minder schwer verbrannt. In einer Dachpappenfabrik in Altona wurden zwei Arbeiter durch einen herabstürzenden Fahrstuhl erschlagen. Sn Hamburg wurden bei dem Zusammenstoß zweier -Ätraßenbahnzüge sieben Personen schwer verletzt. Der telephonische Verkehr ist zwischen Hamburg, Bremen, Olden­burg, Emden und Holland durch starke Schneefälle tei(5 unterbrochen, teils sehr behindert. In Dieschen bei Dresden erhängte sich ein 14 jähriger Knabe aus Furcht bnr dcr Entdeckung kleiner Unvorsichtigkeiten, und in C he m- u i tz gab sich ein zwölfjähriges Mädchen auf gleiche Weise und aus ähnlichen Motiven den Tod. In Bromberg ßyd unter dem Verdacht, bei Munitionsdiebstählen beteiligt zu sein, vier Militärbüchsenmacher verhaftet »worben. In Vene di " " "" ' " ' - ' -- ~

politische Tage-schan.

Die Ernennung des Herrn v. Tschrrschky

zum S taatssekretär des Auswärtigen Amtes soll, wie Harden behauptet, ohne Wissen des Reichskanzlers erfolgt fein. Harden schreibt darüber in seinerZukunft", nachdem er die Reise des Kaisers nach Kopenhagen er« wähnt hat:

Ueberraftfnmgcn waren, ohne ministerielle Bekleidungsstücke, auch dort (in Kopenhagen. D. Red.) ja möglich. Lewer stets heut­zutage. Beispiel: die Ernennung Tschirschkys, die den Ches so überraschte, baß er sein Portefeuille zur Verfügung ft eilte; mar freilich leicht z u beschwichtigen unb ist wieder aus ber Höhe. Gegen Tschirschky eigentlich nichts zu sagen: auch nicht, wie manche behaupteten, baß er Kanbibat Holsteins war. Ruhiger Mann, bem weder besonbere Meriten, noch grobe Versehen nachzurechnen. Fatal nur, baß wieber einReisebegleiter" in bie Sonne gebracht ist. Nach Wolff-Metternich unb Schön nicht gerabe Empfehlung. Wirb neben bem Ches wohl kaum eine größere Rolle spielen als ber arme Nichthofen unb sämtliche Applaus-

Deritscher Reistag.

52. Sitzung vom 24. Februar.

Bei fast leeren Bänken setzt das Hans die Beratung Etats der Reichs-Justizverwaltung fort.

konferenz, unb wolle gern seine Hanb daz neten, eine intimere deutsch-französische Annäherung, die, wie er wisse, auch vom Kaiser gewünscht werde, her- beiführen.

die dann der Kronprinz, der Fürst M Solms oder Freiherr von Mirbach auf den Tisch niederlegten. Die Vertreter der russischen Regimenter hielten kurze A n - sprachen; jedes Regiment überreichte der Kaiserin wunder­volle Blumensträuße. Ter Empfang endete nach 1 Uhr; daran schloß sich die Frühstückstafest

Prinz Christian von Schleswig-Holstein, bn als! Vertreter König Eduards in Berlin eütraf, soll der Ueberbringer eines Handschreibens des K nigs _ .. den Kaiser sein, in dem ersterer betont, er rechi sicher auf einen alle Teile befriedigenden Ausgang der '? ; . _ t

sächsischen Justizverwaltung sehe er sich genötigt, gegen diese Beschuldigung eines Beamten, der iveiter nichts als seine Pflicht getan habe, entschieden Verwahrung einzulegen.

Abg. Müller-Meiningen (frs. Vp.) plädiert für Gewährung von Diäten an Schöffen und Geschwo-, rene. Weiter empfiehlt er die Herabsetzung der Strafe für kleine Diebstähle unter Bezugnahme auf Einzelfälle. Diese Einzelreform sei dringender als sAes andere. Weiter wendet sich Redner gegen den Abg. Roeren. Unwahr sei es, daß Deutschland in der Unsittlichkeit, in der Pornographie in der Welt voran sei. Das sei keines­wegs der Fall.

Abg. v. Ger l ach (frs. Vg.) plädiert für Aufhebung des Zeugniszwanges der Presse. Zum allermindesten sollte der Staatssekretär dazu mitteilen, daß auf dem Wege einer Vereinbarung zwischen allen deutschen Justizverwaltungen den Zeugniszwangs-Gefangenen eine von der Behandlung der anderen Gefangenen abweichende Behandlung gewähr­leistet würde. Weiter plädiert er für den Antrag Ablaß, für Diäten an Schöffen und Geschworene, wodurch mehr als bisher Personen der unteren Stände zur Rechtsprechung herangezogen werden könnten.

Staatssekretär Nieberding gibt zu, aus neuerlichen Fällen den Eindruck gewonnen zu haben, als würde zu­weilen von dem Zeugniszwang gegenüber ber Presse ein Gebrauch gemacht, wie er durch das staatliche Interesse nicht u nbedingt geboten erscheine. Erwägungen seien be­reits darüber gepflogen, ob nicht Einschränkungen des Zeugs- niszwanges dahin möglich seien, daß dieser Zwang wirklich nur insoweit ausgeübt wird, als er durch das staatliche Interesse erforderlich wäre. Tiefe Erwägungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Ueber die Behandlung der Zeug­niszwangs-Verhafteten bestünden auch in Preußen schon» die eingehendsten Vorschriften.

Nächste Sitzung: Mittwoch. Schwer ins tag: Antrag Nißler betr. Veteranen-Fürsorge, Antrag Basser* tnann betr. Gehaktsansprüche erkrankter Hand­lungsgehilfen.

s, »Prinz Friedrich von Hom*

^tttrood) ben 28. ?yebruav, nachmittags halb 4 Uhr: fRrtrftnn.mn>W'sh-l. Tel!/ Abends 7 Uhr:Das fi\ Donnerstag ben 1. März, abenbä halb 8 Uhr: bnrn den 2. Marz:Prinz Friedrich von Hom-

x g\ ^m5tQ3 den 3. Marz:Das graue Haus/ Sonntag nachmittags halb 4 Uhr :Der alte Bnrqerkapitän.b rote schornstemieger/ Zum Schluß:Dodge-chosse/ Jlbe b^ 7 Uhr:Prmr Friedrich von Homburg/ Akontag dey o. Marz:Das graue Haus/ a a w

als ob gegen die Angeklagten in diesem Prozesse ungerecht , vorgegangen worden sei unter dem Einfluß einer hohe^-'Mttags halb 4^lhr:

Abg. Dove (frs. Vg.) drückt seine Freude darüber aus, daß auch Bassermcmn, der bisher so sehr für Sondergerichte eingetreten sei, nunmehr doch der Errichtung auch von Handwerksgerichten widersprochen habe. Er müsse aber doch dem Vorschläge Basscrmanns entgegentreten, neben ben Hanbelskammern noch Abteilungen dieser Kammern für Haudwerkssachen zu errichten. Weiter bezweifelt Red­ner, daß bie bischerigen Maßnahmen zur Entlastung bes Reichsgerichtes etwas geholfen hätten. Der Resolution wegen Ausdehnung ber Schwurgerichts- Kompetenz auf bie P reßsach en werbe er zustimmen.

Staatssekretär Nieberding führt aus, ber Vorrebner irre, wenn er glaube, baß ber bestehende Zustanb einfach fortbestehen würbe bei Ablehnung bes Antrages Ablaß auf Ausbehuung ber Kompetenz ber Schwurgerichte auf Preß­sachen. Tie Strafpr o z e ß-K o m rn is si o u habe boch beschlossen, daß die Strafkammern in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden. An ihre Stelle treten Gerichte, an denen auch Laieu Mitwirken. Bei der Beurteilung von Preßsachen würden also künftig auch Laien mitwirken. Der Zustand sei also künftig nicht derselbe wie bisher, sondern wesentlich verändert. Er könne nur bedauern, daß die freisinnige Partei beabsichtige, der Resolution Ablaß zuzustimmen. Er selbst würde, falls das Haus bei ber Revision bes Strafprozesses einen Beschluß im Sinne bes Antrags Slblaß fassen würde, jedenfalls ben verbünbeten Regierungen empfehlen, von einer Revision bes Strafprozesses überhaupt abzusehen. Ter Staatssekretär erklärt weiter auf eine Frage bes Vorrebners, daß eine Vorlage über die Sicherstellung der Bauhand- werkersorderrmgen ja nun in absehbarer Zeit wohl kommen werde, aber mit besonderer Freude werde sie von den ver­bündeten Regierungen nicht eingebracht werden, denn die Regierungen seien noch immer nicht ohne Zweifel, ob nicht der gegenwärtige Zustand doch noch besser sei, als der Zustand, wie er sich infolge des geplanten Gesetzes heraus­bilden könnte. Die Frage, wie es mit der Entlastung des Reichsgerichtes stehe und ob sich die im Vorjahre beschlosse­nen en Gesetze bewährt hätteü, sei dahin zu beantworten, daß zurzeit ein abschließendes Urteil noch nicht möglich sei. Immerhin seien schon erhebliche Fortschritte wahr- zunehmen. Ter Vorredner habe die Errichtung neuer Zivilsenate beim Reichsgerichte empfohlen; einer solchen Maßnahme aber wurde er sich selbst mit allen Kräften widersetzen.

Abg. Stadthagen (Soz.) übt scharfe Kritik an der herrschenden Klasseuiustiz. Diese mache bie Behörden blinb, was bie öffentliche Sicherheit gefährde. Das zeige sich wohl auch im Falle des Raubmörders Hennig. Die Polizei könne diesen nicht fassen, weil sie immer auf der Jagd nach Redakteuren von Arbeiterblättern und nach Strei^osten sei. Die Schreckensprozesse in Leipzig und Breslau seien aus­schließlich politische Tendenzprozesse gewesen. Der Ober- .staatsauwalt Böhme iu Leipzig habe sogar außerhalb der Verhandlung stehende Redakteure beschimpft. (Vizepräsident Graf Stolberg ruft den Redner dieser Aeußerung wegen zur Ordnung.) Ter Zeugniszwang gegenüber der Presse sei ruppig, gemein, unanständig. Iu Forst bei dem neuesten Prozesse gegen einen dortigen sozialdemokratischen Redak­teur habe man sogar vier Setzern zu gemutet, Zeugnis über den Verfasser eines Artikels ab Zulagen. Matt hätte ihnen angesonueu, Geschäftsgeheimnisse zu verraten, also eine un­erlaubte Handlung zu begehen. Die Setzer haben diese ehr­lose Handlung, diese Lumpenhandlung zurückgewiesen. Des­halb seien sie verhaftet worden. Tas sei unerhört. (Ge­lächter rechts.) Sie lachen darüber! Ta zeigt sich, welchen Begriff Sie über Ehre haben, welchen abgrundtiefen Be­griff von Ehre, wenn Sie solche ehrlose .Handlung billigen. (Unruhe rechts. Vizepräsident Graf Stolberg ruft den Redner auch wegen dieser gegen die Rechte des Hauses gerichteten Aeußernng zur Ordnung.) Redner streift dann den bekannten Prozeß gegen die Kammerfrau Milewska, auch hierbei Vorlvürfe gegen die Gerichte schleudernd. Ebenso wie bei den Richtern, ebenso wolle man auch bei den Rechtsanwälten die Unabhängigkeit auslöschen.

Staatssekretär Nieberding erwidert: Ter Vor­redner hat über einen schwebenden Prozeß gesprochen und dabei, wenn auch iu vorsichtiger Weise, Durchblicken lassen.

Polizei ein Schwindlerpaar fest, welches durch Annonzierung an­geblicher Millioneup^rtien eine groß: Zahl H c i ra ts lu st i g e r ans den besten Kreisen Deutschlands geschädigt hatte. Aus Newyork wird heute gemeldet: Eine Fran Mlen hat auf einer kurzen Seereise ihre drei Kinder ins Meer ge- worfen und sich dann selbst bineingestürzt. Der Kapitän bemerkte den Zwischenfall erst, als bas Schiff sich schon zu weit pon dcr Stelle entfernt hatte, sodaß an Rettung nicht mehr zu denken war.Die Kenyvn -Militär-Akademie in Gam­bier (Ohiv> ist durch Feuer völlig zerstört worden; drei Kadetten- werden vermißt, acht sind verletzt, drei von ihnen Sn,^'cucr zerstörte in der japanischen Stadt Taira 600 Wohnhäuser. 37 Personen sind in den Flammen umge­kommen. In Gen f fiel ein Frankfurter Geschäftsreisender namens Gottlieb Enders von der Firma Friedrich Scheuermann in Offenbach tont List in der Höhe von vier Stockwerken herab; er war sofort tot. ______________

Opernhaus

Dienstag den 27. Februar*): Fest-Vorstellung zur Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares: Jubel-Oupertnre von C. M-v. Weber. Hierum.Fidelio/ Mittwoch den 28. Februar flcfchiofiem Donnerstag den I.März:Die Schutzenliesel.« Freitag - Marz geschloffen. Samstag den 3. Marz, abends 6 Uhr: Sie -Miuueriuiger von Nürnberg." Sonntag den 4. März, nach-

.. - . .. , . 4 Uhr:Tie Geisha/ Abends 7 Uhr: Neu ein-

Persönlichkeit. Ter Prozeß schwebt noch, und über eir l-4^ studiert.Ser <soangelimann." Montag den b. Atärz geschloffen, schwebenden Prozeß rede ich nicht. Sobald der Prozeß ' öefj Schauspielhaus.

nitiv entschieden ist, bin ich bereit, Stadthagen zu * 1*'- r^'rsUQX : Slw Feier der

Worten &=r »ä ber ^rrebnet «ngebeUt, § °8 "...... -

preußische Justizmiuister bemüht gewesen sei, cnd. Schuler-Vorstcllima: , Wilhelm Dell

Richter einen Einfluß bei An Nagen gegen Sozialdemokraten graue Haus." zu üben, einen Einfluß zu Ungunsten vvn Mitgliedes»7