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26.2.1906 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Montag 26. Februar 1906

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

156. Jahrgang

BczngSvrets: monatlich 7b "BL, viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost 2.viertel« jährL ausschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr» Zeilenvrcis: lokal 12'BU auswärts 20 Pfg.

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Nr. 48

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au hei Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wecviel mit dem hesfischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal bi der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu llnwers.-Buch-u. Stein- bruderet, m. Lange. Redaktion, Erveouto» und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Redaktion 113 vertag u.6gpcb.e^>51 Adresie für Deoefchen:

Anzeiger Gießen.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger **

Are Keutige Kummer umfaßt 10 Seiten. t._________ ...

Zur Silbernen Kockzeit des Kaiscrpaares.

(27. Februar 1906).

Gießen, 26. Februar.

(Nachdruck verboten.)

Unser Kaiscrpaar begeht morgen das Fest seiner silbernen Hochzeit. In allen Schichten der Bevölkerung beS Deutschen Reiches, in allen Gauen unseres Vaterlandes und wo jenseits der schwarz.weiß-roten Grenze Deutsche wohnen überall auf dem Erdenrund gedenkt man in diesen Tagen des deutschen Kaiserpaares. Liebe und Verehrung bringt seinem Herrscherpaare der ostelbische Gutsherr in seinem gastfreien Schlöffe, der grobindustrielle Multimillionär und der speku- lationSpfiffige Weltstadtbörsianer in seinem üppigen Palaste ebenso wie in seiner nackten, dunklen Hütte der von ferner fürsorglichen Landesmutter unlängst milde getröstete und nun von neuem LebenSmute beseelte darbende Heimarbeiter ent­gegen. Voller Stolz auf die Stärke beS beutschen Stammes neigt sich in zäher und aufopferungsvoller Hingabe an sein Volkstum der leibenSreiche Deutschruffe vor bem beutschen Kaiserthrone, und der mitunter kaum minder vom Slaven- tum angefeindete und geplagte Deutschösterreicher fühlt sich eins mit dem Reichsdeutschen und mit Tausenden von be- geisterungSstarken Ausländern in der Bewunderung der vielen großen und hohen Eigenschaften des deutschen Kaisers. DaS gesamte Ausland aber nimmt aufmerkend teil an dem deutsch- nationalen Toppelhochzeitsfeste. Denn heute, Montag, zieht die Braut deS zweiten Kaisersohnes, die oldenburgische Herzogin Sofie Charlotte, an der Seite ihres zum LebenSbunbe Auserwählten, beS-Prinzen Eitel Friebrich, in ber beutschen Reichshauptstabt ein.

Wir Deutsche sinb ein monarchisches Volk, nicht allein «us politischen Rützlichkeitsgründen ober nur auS historischen Erwägungen heraus, sondern die Monarchie ist und, trotz der Sozialdemokratie, von der ja mancher zu Hofe zu gehen sich nicht mehr scheut, eine innere Notwendigkeit. Zahlreiche deutsche Städte legen heute reiche Spenden zu Gunsten sozialer Bedürftiger vor dem beutschen Kaiserthrone nieder. Wie unter ihren Bewohnern diese Gedenktage herzlichen Widerhall finden, so war's zu allen Zeiten bei häuslichen festen deutscher Fürstenfamilien. Selten nur blieben diese Feste Akte rein höfischen Zeremoniells und ofsiziellen Gepränges, meist wuchsen sie in nahezu allgemeiner Teilnahme zu Angelegenheiten der ganzen staatlichen Gemeinschaft aus. So war's im Rosen- monat beS vorigen Jahres, als der deutsche Kronprinz, bc§ jetzigen Silberpaares ältester Sohn, seine Braut in des Reiches Hauptstadt an den Traualtar führte; so war's vor 25 Jahren, als an derselben Stätte des Kronprinzen Friedrich ältester Sohn und seine Auserkorene mit der Losung: .Die Liebe ist die größeste unter ihnen" den Bund ber Treue schloffen; so war's am 27. Januar 1859, als Kaiser Wil­helm II. bas Licht ber Welt erblickte.

Welch eine Zeitenfolge! Bei ber Geburt beS britten deutschen Kaiser? unb neunten Preußenkönigs war ber Staat beS großen Friebrich bie jüngste unb kleinste ber maßgeben­den europäischen Mächte. Was galt damals Deutschland! Dichter nur sangen unb träumten von ber beutschen Herrlich­keit, ber beutschen Einheit. Dann aber kam enblich die große Zeit, in ber sich bte Umgestaltung Mitteleuropas durch bie

bereitung. Das rechte innere Erleben sollte für ben freilich mit großem LebenSmute, zäher AuSbauer, außerorbentlicher Willenskraft unb ungewöhnlich stark ausgeprägter, viel weniger burch Menschen als burch Einsichten unb Stimmungen beeinflußbarer Jnbividualität von ber Natur auSgestatteten Prinzen erst jetzt beginnen.

Zwei junge Menschenkinder, die von kluger Sorgfalt für einander bestimmt, vielleicht schon im ersten Augenblicke lichterloh in Leidenschaft entbrannten, aber sicher im Jahre deS Brautstandes sie hatten sich am 14. Februar 1880 verlobt sich herzlich lieb gewannen, machten Hochzeit. Beide strahlten in Gesundheit unb Kraft. Sicherlich waltete ja bei ben prinzlichen Eltern auch ber Wunsch ob, baß bieser Bund bazu beitrage, jede bittere Erinnerung ber Augusten- durgischen Familie an bie Enttäuschungen, bie ihnen die ge­schichtliche Notwendigkeit auferlegte, auSzuwischen. Dieser Wunsch ist auch in Erfüllung gegangen. Aber auch der innigere unb höhere Wunsch beiber Elternpaare erfüllte sich: es grünbete sich auf ber Ehe ber jungen beutschen Fürsten- finber das rechte häusliche Glück. Mehr und mehr drängten stch zwar dem Prinzen nun auch die Pflichten auf, die ihm dereinst obliegen sollten. Bisher ein Sproß unter elterlicher Fürsorge, warb er jetzt bie Seele bes eigenen Heims, das er nach seinem Willen gestaltete. Das schöne Dichterwort Wil­helm Jordans, baß bas höchste Seelenglück in ber Familie wurzelt, empfanden Prinz und Prinzessin Wilhelm gar bald, und Herrn. Müllcr-Bohn erinnert in seiner zu diesen Fest­tagen erschienenen hübschen Festschrift .Deutschlands Kaiser­paar" (Berlin SW., Paul Kittel) an Wilhelms II. Worte: .Ich liebe baS Familienleben über alles und bin nie glück­licher, als wenn ich wie ein Berliner Bürgersmann ruhig mit meiner Frau sprechen unb ihr ein Kapitel au5 einem Buche vorlesen kann."

Ein auf inniger Hingabe basierendes Familienleben be­reitete die aus bem meerumschlungenen norbischen Länbchen fotnmenbe Prinzessin bem preußischen Prinzen. In der Um­friedung des Hauses, im Heiligtum der Familie, in der Selbstverantwortlichkeit de? Lebens regten sich bei beiden bie tiefsten schaffenben Kräfte, prägten sich bie Charaktere, kam der innere Mensch zur vollen Entfaltung. Die selbständige, ungemein vielseitige Veranlagung seines Geistes, das oft geradezu dichterische Empfinden seines einbildungsreichen Herzens, bas Faszinierende seiner temperamentvollen Natur, die ernste Selbstzucht, ber aufrechte Hochsinn seines Wesens unb bie unbewußte Anmut unb herzerobernbe Güte, die rührende Anspruchslosigkeit und schlichte Einfachheit, bie sanfte Heiterkeit und ber klare Geistesblick ber holsteinischen Prin­zessin biese vollkommene Ergänzung führte zur schönsten Eheharmonie. Seit ber Stunbe, wo sie ben LebenSbunb schloffen, hat Auguste Viktoria ihres Gatten Leben mit bicncnber Liebe umgeben und geschmückt, durch bie so manche beutsche Fran zur leuchtenden und wärmenden Sonne ihres Hauses ward.

Ein Jubeltag war jener 6. Mai 1882, da bie Kantate- Glocken bie Kunbe vom Marmorpalais bei PotSbam hinaus- trügen in bie Lande:Dem prinzlichen Paare ist ber erste Sohn, bem Hohenzollcrnstamm ein neues Reis, Preußen unb dem Reiche der Erde geschenkt," unb in allen beutschen Gauen erscholl ber Wiberhall von Wilhelms des Alten Freubenwort: Hurra, vier Kaiser!"

2Ute mit bem von ihm föderativ geeinten unb geführter

hatten. Unb bei ber Einweihung beS Saalburg-Mnseums

22 jährig war ber

Regionen noch nicht zum

diesem Alter reift man in

unb ihnen blieb von den Elternsorgen nichts vor­enthalten. Die kleinste Erkrankung eines Kinbes genügte, ,»'m bie Mutter mitten in ber Nacht zu einer Reise von

Schöpfung bes Deutschen Reiches und des italienischen Nationalstaates vollzog. Am 18. Januar 1871 schrieb des Prinzen herrlicher Vater in sein Tagebuch, er fühle wohl, baß es ihm an frischem Mut nicht fehle,furchtlos unb be­harrlich einst bie Arbeit zu übernehmen". Und in unaus­gesprochenem Zusammenhänge mit biesen Worten steht, wa? er acht Tage später, am 27. Januar, mitten in FeinbeSlanb, nieberschrieb:Heute Wilhelms 13. Geburtstag. Möchte er ein tüchtiger unb wahrer Mensch werden, ein echter deutscher Mann, ber baS Angebahnte vorurteilsfrei weiterführt."

Zur vollen Würdigung ber Tragweite jener gewaltigen Ereignisse unb bieser schönen väterlichen Worte war ber junge Prinz damals noch nicht imstande, doch bie unvergänglichen nationalen Taten seines HauseS gaben feiner Jugend ihr geistiges Gepräge. Und als er 10 Jal,.- später, im 50. Lebensjahre seines unvergeßlichen Vaters, nut -der am

Trauer an; es trauerte aus tiefbefümmertem Herzen so auf­richtig, wie nur je ein Vater und Bruder von seinen Kindern und Geschwistern betrauert worden ist. Manche Hoffnung wurde mit ihm zu Grabe getragen. Ader wer seines Geiste? einen Hauch verspürt hatte, wußte auch, daß er in des Toten Sinne handelte, wenn er sich nicht lange ber Trauer, nicht tatlos dem Kummer überließ, sondern sich mit erneuter Kraft in den Dienst de? Vaterlandes stellte.

Und wer das zuerst und mit höchstem Ernste tat, baS war ber junge Kaiser.

Nur eine lOOtägige Kronprinzenzeit hatte er hinter sich. Kronprinzenleben ist ja mitunter Martyrerleben. Wir wissen

Manne. Am wenigsten, wenn man auf ber Menschheit Höhen steht unb ein Dutzend Erzieher unb Gouverneure einen bis­lang vor ber Berührung mit bem wirklichen Leben möglichst bewahrten. So hob benn eigentlich mit feiner jungen Ehe ber Lebensfrühling für ben Prinzen Wilhelm an. Die Gym- nasialzeit in Kassel mit ihrem fest begrenzten Maße an Ar­beit unb Freube, bie paar Semester in Bonn unb bie Pots­damer Garnisonzeit, bas waren boch nur Zeitläufte ber Vor-

Jm Jahre barauf, am 7. Juli 1883, würbe Prinz Eitel Friebrich geboren. Im Oftobrr v. I. hat er sich mit ber einzigen Tochter bes Großherzogs von Oldenburg verlobt, unb morgen, am SilberhochzeitStage ber kaiserlichen Eltern, findet die Hochzeit des jungen Paares statt. Es ist bekannt, daß ber Prinz wegen der frischen und raschen Art, sich zu geben, wegen seines offenen unb herzlichen Wesens ich einer besonderen Volkstümlichkeit erfreut. Mit seiner Braut hat ihn die gemeinsame Liebe zum Wassersport zu- ammengeführt.

Die kaiserlichen Eltern, deren Kinderstube einst sich chnell füllte, ließen es sich angelegen fein, ihre Kinder clber nach bestem Wissen zu erziehen. Beide haben die Pflege, den Bildungsgang ihrer Kinder selbst überwacht

konnte Kaiser Wilhelm II. mit Recht sagen, daß der Deutsche mit Stolz es auSfpricht, ein civis fein.

22 jährig war ber Prinz, siT er sich vermählte. In

22. Oktober 1858 geborenen Prinzessin Auguste Viktoria tio^- , .........

CchleSwig-Holstein-Sonberburg-Augustenburg sich vermähltgVe^ Ain nach Plön zu veranlassen. Unb so liebevoll als streng

ba ftanb sein schwärmerisch verehrter Großvater Wilhelm de war der Vater.

Alte mit bem von ihm föderativ geeinten unb geführtes am Juni 1888 Kaiser Friedrich heimging, da

Deutschen Reiche an ber Spitze bes Weltteils, unb bie jung fcfyien ./für gar viele Deutsche ber Aufstieg bes jungen Prinzen, Generation erfreut sich bes gesicherten Besitzes beffen, wa^von^ bem weitere Kreise nur blutwenig wußten, auf ben Idealismus, Tatkraft, Staatskunst unb Solbatenmul errungen ^'rhmvollen beutschen Kaiserthron ein in hohem Grade ge­fährliches Ereignis. Und das Volk legte nicht nur äußerlich

jetzt wohl alle, wie Kaiser Friedrich gelitten hat, da er bie Kraft seiner ManneSjahre in ber Tatenlosigkeit und in bloß dekorativer Stellung verrinnen sah, daß seinem Dasein der rechte Inhalt mangelte. Aber ba§ Volk hatte ihn doch in seiner langen Kronprinzenzeit von Grund aus kennen gelernt. Neben all ben Prüfungen unb Enttäuschungen unb bem herben, tragischen Los, seinem Beruf fast in demselben Augen­blick entrissen zu werden, wo er die Möglichkeit gewonnen hatte, seine Gedanken zu verwirklichen unb seiner Zeit den Stempel aufzudrücken, war ihm doch auch viel Glück be­lieben, in der Familie, in ber Oeffentlichkeit, im Krieg und im Frieden, besonders das seltene Glück, bie Herzen zu gewinnen.

Würbe biese? Glück auch Wilhelm II. sich erringen ? So fragte man sich barnalS.

Seit 18 Jahren ziert jetzt Wilhelm II. ben Hohen« zollernthron. Heute hat bie Erfahrung längst biese Frage bejaht. Währenb bieser 18 Jahre hat ber britte Kaiser eS verstanden, seine ganze Persönlichkeit kräftig und unermüdlich für den ReichSgedanken einzusetzen. Nach Naturell und Er­ziehung schien er zu einem kriegerischen Fürsten bestimmt, und die intimen Berichte vom Berliner Schlosse aus ben letzten Jahren vor seiner Thronbesteigung sagten ihm biese Wirksamkeit voraus. Desto höher ist baS Verbienst ber Selbstüberwindung, mit der er dem Reiche den Frieden er­halten hat und wohl dauernd zu erhalten wissen wird. Davon reden auch die Kaiserworte deS gestrigen Tages. (Siehe unten.) Denn ein Krieg, in ben Deutschlanb verwickelt wäre, würde, ganz gleichgiltig wie er auch ausginge, bem Welt­getriebe unberechenbare Schädigungen zufügen.

In schier jugendlicher Kraft und Frische noch dürfen Kaiser Wilhelm II. unb feine Gemahlin, bie er in hoch­gestimmter Stunbe am Verlobungstage seines ältesten Sohnes als ben Edelstein gepriesen hat, der an seiner Seite glänzt, ihren Silberhochzeitstag begehen, der sonst wohl eine erste leise Mahnung an bie Tage zu bringen pflegt, bie ba? eigene Geben abwärts führen. Das frohe Grünen unb Blühen, das bem Kaiserhause im vollen Glanze bes prächtigen Sieben­gestirns seiner jüngeren Mitglieber auf lange hinaus gewähr- (eiftet scheint, auch burch ben morgigen grünen Hochzeitstag, möge ein Sinnbilb sein wie für die Hohenzollernbynastie überhaupt, so auch für bie nationale Zukunft bes beutschen Volkes, die mit bem preußischen Königshause untrennbar verknüpft ist. p. W-

Die Doppel Hochzeitsfeierlichkeiten in Berlin.

Berlin, 25. Febr.

Tie Feierlichkeiten anläßlich der Silberhochzeit deS Kaiserpaares uno der Vermählung des Prinzen Eitel Fried­rich begannen gestern mit einer Festvorstellung im Opern hause, das überaus reich geschmückt war. Die Bühne deckte ein Vorhang, der die Wappen des Kaisers und der Kaiserin im Silberkranze, sowie die Schlösser von Ber­lin und Primkenau zeigte. Anwesend tvaren unter anderen auch die Offiziere der Abordnungen von fremdländischen Regimentern, ferner die in Berlin anwesenden Fürstlich­keiten, der Reichskanzler mit Gemahlin, das diplomatisch« Korps und die Minister. Das Kaiserpaar verneigte sich bei seinem Erscheinen vor der Gesellschaft, die dies ehr­erbietig erwiderte. Gespielt wurde der zweite Teil von GlucksOrpheus und Eurydice".

Heute vormittag traf in Berlin die Groß Herzogin v o n B a d e n ein. Die Kaiserin stattete der Großherzogin einen Besuch ab und begab sich sodann zum Gottesdienste; nach dem Dom. Der Kaiser ging mit dem Kronprinzen und dessen Brüdern vom Schlosse zum Dom. Nach dem Gottesdienste empfingen die Majestäten im Schlosse die Botschafter v. Szoegyeny, Graf Lanza, Bihourd, Tewfik und Jnouye, den niederländischen Gesandten Baron Gevers, den englischen General SWayne, der ein Geschenk des englischen Königspaares überreichte, Ad­miral Buechsel, der die Ehrengabe des Zentralverbandes der deutschen Veteranen- und Kriegerbünde von Nordamerika übergab, und den russischen Generalmajor Militärattachee Tatitscheff. Sodann empfing das Kaiserpaar im Kapitelsaale die zur Silberhochzeit eingetroffenen Glückwunschdeputa­tionen aus Deutschland und die fremdherrlichen Militär­abordnungen. Die Majestäten nahmen auf den historischen Thronsesseln aus der Zeit Friedrichs I. Platz, die unter einem Thronbaldachin ausgestellt waren. Der Kaiser trug die Uniform des 1. Garderegiments, in der Hand den Feld» marschallstab, die Kaiserin trug eine blaßblaue Seidenrobe. Rechts vom Kaiser stand der Kronprinz in der Uniform der Pasewalker Kürassiere, neben ihm seine Brüder in der Uniform des 1. l^arderegiments. Zuerst erschien das Staats­ministerium mit dem Fürsten B ü l o w an der Spitze. Der Fürst hielt folgende Ansprache:

Ew. Kais, und König!. Majestäten wollen mir' gestatten, im Namen des Staatsministeriums herzliche und treue Glüc^ wünsche Au dem Tage dazubringen, an dem vor e.inem Vierteljahr- Hundert Euere Majestäten ein reich gesegnetes Ehebündnis geschlossen haben. Die Minister der ruhmvollen preußischen Krone, ind wir stolz darauf, daß wir unsere Aemter aus könig­lichem Vertrauen fuhren, und daß uns mit unserem <herm und König ein persönliches Band verknüpft. So nehmen wir auch persönlichen Anteil an allem, was das Wohl und Wehe des König!. Dauses berührt. Wenn eine Dynastie, die über einem großen Volke herrscht, wahrhaft volkstümlich sein soll o muß sie diejenigen Eigenschaften besitzen, die typisch sind ur die von ihr geleitete Nation. Der Deutsche hat es mit dem Familiensinn und dem Familienleben immer ernst genom­men, seit den enteil Anfängen unserer Geschichte. Mit dem preußischen und dem deutschen Volke, das an dem heutigen