gesetzlichen Haftbefehls verhaftet werden. Den Untertanen ist cs gestattet, Versammlungen abzuhalten, in denen keine regierungsfeindlichen Ziele verfolgt werden. Die Untertanen haben Religionsfreiheit, wobei jedoch die Einzelheiten des Uebertritts von einer Religion zu einer andern durch Gesetz bestimmt werden. Ausländer geniesten in Rußland den Schutz der Landesgesttze. Kein neues Gesetz ilt gültig ohne die Gen-Hmigung des Reichsrates und der Reichsduma und ohne Bestätigung durch den Zaren.
Im Kronrat unter Vorsitz des Zaren wurde am 23. trotz energischen Einspruchs Durnowos beschlossen, anläßlich der Eröffnung der Reichsduma ein umfassendes Manifest zu erlassen, durch welches über 6000 politische Gefangene in Freiheit gesetzt werden sollen.
Aus Warschau wird der „Voss. Zig." gemeldet: Revolutionäre, als Polizisten und Gendarmen gekleidet, erschienen nachts im Untersuchungsgefängnis, einen Befehl vorzeigend. Sie entführten iln Gefängniswagen zehn wichtige politische Häftlinge. Unterwegs betäubten sie den Kutscher, fuhren aus der Stadt heraus, ließen den Wagen stehen und verschwanden samt den Befreiten. — In der gestrigen Mittagszeit überfielen angeblich Anarchisten das Kontor der vierten gegenseitigen Kreditgesellschaft und raubten 5 200 Rubel. Einer der Räuber wurde ergriffen.
In Lodz haben Wahlexzessc stattgcfunden, wobei mehrere Arbeiter getötet und zahlreiche schwer verwundet wurden.
Auf dem Bahnhofe in Woronesch erschoß eine junge Dame einen Gendarmen, welcher gegen sie ein unsittliches Attentat versuchte. Die Dame wurde verhaftet und wird wegen Mordes unter Anklage gestellt. ________
Wie der Hailer reift.
Kaiser Wilhelm ist von alten lebenden Monarchen der beweglichste, obwohl viele Staotschefg ihm das Reisen nachgeahmt haben. Kvslspieliger noch als für den gewöhnlichen Sterblichen, selbst wenn er mit dem denkbarsten Kvmfort reist, werden die Wahrten im e igenen Extrazuge für den Kaiser. Der Diskus läßt sich gut bezahlen, das grv^e Gefolge, der Trost der Dienerschaft, Die Reihe hoher Beamten, das viele Drumunddran verteuern imb komplizieren die Ausflüge außerordentlich. Ein jedes Reise- Programm wird gemeinsam vom Hofmarschallamt und einem höheren Eisenbahnbcamten austzearbeitet, nacl>dem der Kaiser die allgemeinen Dispositionen getroffen hat. Da der kaiserliche Zug ohne anzuhalten durchfährt, ist cS nicht immer leicht, die in Frage kommenden Strecken freizulcgcn, ohne den gewöhnlichen Verkehr irgendwie zu beeinträchtigen. Um den Ver- kchr mit der RcgierungSzentralstelle Berlin noch Möglichkeit zu beschleunigen, werden an den Orten, die der Kaiser besucht, besondere Post- und Telegraphenämter eingerichtet, die nur für die Regierung nnd für den Hof arbeiten und stets reichlich zu tun haben, denn der Kaiser verlangt unterwegs genau so -unterrichtet zu sein wie in Berlin. Somit wird jcdcSmal, wenn Kaiser Wilhelm die Residenz verläßt, ein enormer Apparat ausgebotcu, den der Kaiser wohl kennt, von dessen kompliziertem Mechanismus er aber so gut wie nichts merkt. Tie Abfahrten werden so gelegt, daß die Nachtruhe deS Monarchen normal innegehalten wird, indem der Zug entweder morgens, wenn der Kaiser wie gewöhnlich aufgestanden ist, oder abends, einige Zeit bevor er sich zur Ruhe zu begeben pflegt, bestiegen Ivird. Der Zug selbst ist nach den Anordnungen und dem Geschmack des, Kaisers so komfortabel eingerichtet, daß sich der Kaiser tatsächlich wie „zu Hause" fühlt. Meist begibt sich der Kaiser sofort in das behaglich ausgestattete Arbeitszimmer feines Zuges und nimmt am Schreibtisch Platz, auf dem neben einer elektrischen ArbeitÄampe ein schön gerahmtes Bild der Kaiserin und der Kinder steht. Erfolgt die Fahrt am Tage, so hört der Kaiser erst die laufenden Vorträge, gibt Unterschriften, sieht Zeitungen durch, um dann einige Zeit der Lektüre zu widmen. Dann wird wohl der mitfahrende Sekretär gerufen, dem Briefe in verschiedenen Sprachen diktiert werden, an fremde Souveräne oder an persönliche Freunde usw. Diese Diktate dauern oft mehrere Stunden; der Kaiser verspricht sich dabei nie, nachträglich Änderungen an den fließend gesprochenen Sätzen werden nicht Vor genommen. Dem Kaiser ist die Gabe eigen, sich ganz auf den Gegenstand zu konzentrieren, den er behandelt, und in den fremden Sprachen, die er beherrscht, drückt er sich ebenso sicher aus wie in der Mutter spräche. Die Mahlzeiten worden in der üblichen kurzen Zeit — das Diner darf höchstens eine Stunde dauern — eingenommen. Nach dem Abendessen versammelt der Kaiser dann die Herren des Gefolges beim Glase Bier und bei der Zigarre zu zwanglosem Plaudern um sich Das Schlafzimmer des Kaisers ist einfach, aber doch elegant eingerichtet. Man iveiß, daß Kaiser Wilhelm nach seiner eigenen Aussage auf der Eisenbahn stets ganz besonders gut schläft. Morgens wird in dem a.nslvßenden Badezimmer das Bad genommen, dann läßt sich 'der Kaiser sogleich so ankleiden, wie er den Zug zu verlassen gedenkt, entweder in feierlichem Paradeanzuge, wenn großer Empfang bevorsteht, ober in der schlichten Hosjcgduniform, wenn er einen Freund besucht, bei dem er zu pirschen gedenkt. Kvmmt der Zug morgens in der Frühe zu einer Stunde am Bestimmungsort an, zu der der Kaiser sich nicht zu erheben pflegt, so wird er auf ein Nebengleis geschoben und hier das Wecken abgewartet; nur bei der Dienerschaft und in der Küche sieht man Licht. Wenn der Kaiser dann nach ruhiger, angenehmer Fahrt den Zug verläßt, so erblickt er festlich ge- schmü^te Bah ck"se und Strafen und eine seitlich gelleidete Menge.
Das Erdbeben in Kalifornien.
Rach Meldungen aus San Francisco dauert die Suche nach Leichen fort. Bisher hat man mehr als 600 hervorgezogen. 300 Häuser auf dem Telegraphenhügel, meist von Italienern bewohnt, blieben unversehrt, weil die Bewohner große Decken und Tücher in Rotwein eingetaucht und sie über Mauern und Dächer ausgebreitet hatten. Drei Banken haben ihre Tätigkeit wieder ausgenommen. Sie werden Tag und Nacht gegen Plünderer von Truppen beschützt. Nach der Meldung des „New-Pork-Iournal" erfolgten am 23. ds. eine große Reihe schwächerer Erdbeben. In der letzten Nacht wurde ein stärkerer Erdstoß verspürt, der die ganze Bevölkerung in Aufregung versetzte. Ein Mann sprang aus dem Fenster. Tausende werden mit der Aufräumung der Stadt beschäftigt. Viele Kaufleute treffen Maßnahmen zur Wegräumung der zertrümmerten Gebäude, um, sobald Arbeiter vorhanden sind, mit dem Wiederaufbau beginnen zu können. — Der deutsche Konsul Bopp in San
Francisco ist mit seiner Familie unversehrt geblieben. Dec Botschafter in Washington erhielt d-n Auftrag, baldmöglichst zu melden, was sich über die Lage der Deutschen in San Francisco, die Zahl der etwaigen deutschen Opfer der Katastrophe und die Vorkehrungen für bedürftige Deutsche cr- mittekn läßt.
Aus S.aSt uns Laus.
Gießen, den 25. Apnl.
” Kaiserbesuch in Gießen. Wie un8 auf Anfrage drahtlich auS Homburg v. d. H. gemeldet wird, ist über den geplanten Besuch Sr. Maj. des Kaisers im Militarkabinctt folgendes bekannt:
„ES besteht die Absicht Sr. Majestät de8 Kapers. Gießen ;u besuchen; über den Tag des Besuches ist noch nichts bekannt." Weiter können wir mitteilen, das; gestern der Flügeladjutant des Kaisers, Hauptmann Graf von Soden, im Automobil aus Homburg hierher kam. Der Herr traf vormittags hier ein und fuhr direkt nach der neuen Kaserne, in der er; Erkundigungen über die Lage der militärischM Gebäude! und des Exerzierplatzes cinzog. Das Regiment befindet sich seit etwa acht Tagen in Bereitschaft, seinen Kaiserlichen Chef zu begrüßen. — Auch heute gaben die zum großen Teil unkontrollierbaren Gerüchte über den Kniserbesuch zahlreichen Leuten Veranlassung, zum Trieb! zu wandern, um sich dort durch den Augenschein Von der Anwesenheit des Kaisers zu Überzügen. Sie konnten aber nur sehen, daß die Soldaten ihren alltäglichen Hebungen oblagen. Auch das Geriicht, das; Oberst von Lindenau auf die telegr .Mitteilung von dem bevorstehenden Kaiserbcsuckf sofort hierher zurückgekehrt sei, entspricht nicht der Wirki lichkcit, denn der Oberst befindet sich Noch in Berlin. — Bei dieser Gelegenheit sei noch mitgeteilt, daß, die K v m p a g n i e b e's i ch t i g u u g, die schon anfangs April stattfinden sollte, nunmehr auf den 5 .Mai festgesetzt ist. Tas Jubiläum des 3. Bataillons, das iro- solgedefsen ebenfalls verschoben tonrbe, wird wenige Tage später begangen werden.
•• S. K. H. bei Großherzog hat, wie verlautet, bet seiner Italienreise auch die Absicht, dein Admiral der engli- ichen Flotte, Prinz Ludwig von Battenberg, einen Besuch abzustatten. TaS Geschwader des Prinzen kreuzt zur Zeit in den italienischen Gewässern.
** Geh. Iustizrat Dr. Iöckel in Friedberg! begeht, wie wir hören, heute sein 50jähriges Jubi-i läum als Rechtsanwalt. Von Gießen haben sich heute vormittag Landgerichtspräsident Kullmann, die Justiz- rate Dr. G u t f l e i s ch (im Auftrage der Anwaltskammer) und Metz (als Delegierter der Notarkammer) und die Rechtsanwälte Römheld (als Vertreter des Notarvereins) unb Rosenberg nach Friedberg zur Beglückwünschung des Jubilars begeben, der bekanntlich bis vor wenigen Jahren auch in der hessischen Landespolitik eine erhebliche Rolle gespielt hat unb viele Jahre Nationallib. Lcmdtags- abgeor'oneter für Friedberg gewesen ist. Der greise Jubilar erfreut sich noch voller Rüstigkeit, die nur durchs Schwerthörigkeit etwas getrübt ist. '
** 7 0. Geburtstag. Der in weiten Kreisen bekannte frühere LandtagSabgcordnete für Grünberg und Kreisrat des Kreises Schotten, Geh. Regierungsrat Schönfeld, der sich während seiner langjährigen Tätigkeit als Verwaltungsbeamter große Verdienste erworben hat, begeht am 29. d. M. seinen 70. Geburtstag. Es dürfte ihm dabei an Ehrungen nicht fehlen.
•• In den Ruhestand versetzt wurden Stationsvorsteher Hch. Bll rg zu Lich, Lokomotivführer Aug. Windisch zu Mainz und Schaffner Adam Pfeiffer zu Mainz.
Zlir Beachtung für Eltern und Erzieher. DaZ Großb. Polizeiamt Gießen warnt (s. amtl. Teil) eindringlich vor dem durch Kinder verübten Beschmieren der Gebäude und Einfriedigungen und weist darauf hin, daß im Falle der Strafunmündigkeit der Schuldigen, deren Eltern, Vormünder rc. zur Verantwortung gezogen werden.
**DcrDentsche Verband Kauf männischerVcr- eine, dem 114 Vereine mit 94 661 Mitgliedern, darunter 23 325 Prinzipale angehören, versendet seinen Geschäftsbericht für 1905/06, das 16. Jahr seines Bestehens. Der Verband bat auch im Berichtsjahre wieder eine hervorragende Tätigkeit auf sozialpolitischem Miete entwickelt. 'So hat er u. a. an die' ReichS- regterung und gesetzgebenden Körperschaften Eingaben gerichtet in Sachen Sonntagsruhe, bezüglich deren er die reichsgesetzliche Einführung völliger Ruhe befürwortet, der Arbeits;eiten in den Kontoren des Großhandels, wo er für eine 12 stündige ununterbrochene Ruhepause, und eine HöÄstarbejtHeit von 9 Stunden mit Zulassung einiger weniger Ausnahmen eintritt, der Änderung deS 8 63 des Handelsgesetzbuches dahin, daß die Verpflichtung zur Gehaltsvergütung bis zu sechs Wochen int Krankheitsfälle zwingendes Recht wird, und gegen verschärfte gesetzgeberische Maßnahmen in Sachen des sogenannten Besteckungsunwesns, weil er hier die bestehenden Geseke für ausreichend hält. Er tritt ferner ein für die regelmäßige Gewährung von Sommerurlaub für, die Angestellten, für den Achtuhr-Ladnschluß, für die Jn- validitäts- und Mtersversicherung auf günstigerer Grundlage als das bestehende Jnvaliditötsversicherimgsgesetz sie den Handlungsgehilfen aewährt, für die Anstellung von Handels-Inspektoren zur Neberwachung der richtigen Ausführung der zum Schutze der Angestellten erlassenen gesetzlichen Bestimmungen. Ter Verband vertritt übrigens bei seinen Bestrebungen immer den Standpunkt der Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Prinzipal und Gehilfe und unterscheidet sich dadurch ton einigen neueren Verbänden, die lediglich Geh Isen Interessen vertreten. Die nächste ordentliche Hauptversammlung des Verbandes, deren Tagesord- nung wieder eine Reihe wichtiger Punkte umfaßt, findet am 21. und 22. Mai d. I. zu Chemnitz statt. Der hiesige Kaufmännische Verein nimmt seit Jahren an den Verhand- lungen des Verbandes teil und wird auch in Chemnitz durch den Vorsitzenden vertreten sein.
** Im Interesse ber Sicherheit desEtsenbahn- b etriebes, insbesondere auch des reisenden Publikums hat sich der Kgl. Preußische Minister der öffentlichen Arbeiten veranlaßt gesehen, schon vor längerer Zeit den im gesamten Betriebsdienst bcschästiglen Beamten, Hit'sbeamten nnd Arbeitern den Genuß alkohothaluger Getränke tuübrenb bes Dienstes 5" verbieten und ernste Maßnahmen gegen Zuwiderhandelnde anzudrohen. Tre hiermit angestrebte Beschränkung des Alkohol-
fglodcn
0.05
Bla9
a a a
2.60
o
?50
1.-
0.60
«N-OELlMFARß 'WEN® antirtbiei-u.giftfri «ter Fussbodenanstrici bar, hochglänzond, elejr'. über Nacht trocknend, leinverkauf bei Ad»ü>1 II. Drogerie. BaW-fr. 5|
2105 & dk. 5 V
Lösung '«rkchn
**■ Fr. Schaaf ’*Qb's,*nW(t
? Stoßen aus uni) ‘ aus, W)t: ctia»e, tat
Au--mit *****
K- Mim a
a
Bs
issb
)e jeUt üaMitu, hechtt i4r,5d)CÜ^ä)C,ÄflbüG: :v, Imitzeu ujw. jiü MTcHLspreijen. Ttz fuhren jrijd) vom?jc ctzenn Kschhir 30 LouncuOrape 30-
pochglanz, mich ijjg lenb, eleganter, Anstrich w 8Äe< eljarbeu, Lacke, W’1 .ssboüeip^e 33» mfiesltrnW« „ ...
Adolf Bieter «
v* 16, P«“'
•«**£» «*** *’*$***?
Ws t nebst.
Äst»,
lrt sa^'
Ernsral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt fflr den Kreis Sichen
Rotationsdruck nnd Verlag ber vrübl'fcbs» UnwersilätSdruckeret. R. Bangt, Giefeen,
Nr. 96 Zweites Matt 156. Jahrgang Mittwoch 25. April 1906
scheint «gllch mit Ausnahme deS Sonntags. Q A. A X
«te .eitMntr gamilienblätlcf werden dem E ßz ff »T J 3 X ß flt ,Anzelgec viermal wöchentlich beigelegt. Der wkk*' H Ä 1" * W r* L-* K Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schukstr.^.
EHrsslfch« Laa-wtrt" erschemt monolllch einmal. V ÖS S V Ei V SZ W Tel. Nr. bl. Telegr.. Adr. r Aa-eiger -Stetze«.
AmHicher Icit.
Amtliche Nachrichten über Viebseuchen.
Im Gehöft des I. Naumann zu Ockershausen (Kreis Marburg) ist eine Kuh an Milzbrand gefallen.
In einem Gehöft zu Burg-Gemünden (Kreis Alsfeld) ist die Schweinescuche ausgebrochcn. Die Sperre über dieses Gehöft ist verhängt.
Deutsches Rereh.
Berlin, 24. April. Kaiser Wilhelm dürfte noch im Laufe dieses Jahres dem Fürsten zu Lippe, der wie erinnerlich der silbernen Hochzeit des KaiserpaareS int Februar als Gast am Berliner Hose beiwohnte, in Dctiuold einen Gegenbeslich abstattcn.
— Der Kaiser wird Ende des Monats auS Homburg zurückkehren und sich einige Tage in Berlin aufhalten, ehe er sich nach Donaueschingen begibt. Ain 3. Mai, dem G e - burtstage des Fürsten Bülow, wird Kaiser Wilhelui bei der persönlichen Gratulation die Gelegenheit finden, auch seine Glückwünsche zur völligen Wiederherstellung des Reichskanzlers auszusprechen. Wie von Persönlichkeiten berichtet ivird, die den Fürsten Bülow jüngst sprachen, ist dessen Aussehen frischer als in den Tagen vor dem Ohnmachtsanfalle im Reichstage.
— Professor Dr. v. RenverS äußerte, er hoffe, am 3. Mai den Fürsten Bülow in der Paradeuniform des Bonner Husaren-Rcgiments dem Kaiser vorstellen zu können.
— Abendblättern zufolge reisen der Oberbürgermeister Kirschner-Berlin mit acht Magistratsmitgliedern, ferner die Oberbürgermeister A d i ck e S - Frankfurt, Becker- Köln, B c u t- ler-Dresden, v. Borscht-München, Bender-Breslau und andere Mitte Mai auf die Einladung Londons und anderer englischer Städte nach England. Sie werden am 18. Mai in London empfangen. Die Berliner Delegierten besichtigen danach die neuesten Verkehrseinrichtungen von London, Paris und anderen Großstädten.
— Der prcuß. „StaaiScmz." veröffentlicht die Ausführungsbestimmungen zur allerhöchsten Verordnung vom 2. April betreffend die Errichtung von Ka na l ba ud ire k- tionen für die Herstellung deS Schiffahrtkanals vom Rhein zur Weser und deS Hauptbauamts für die Herstellung bcS GroßschiffahrtSwegeS Berlin-Stettin, wonach Essen a. b. Ruhr als Sitz der Kanalbaudirektion (Oberreg.-Rat Ihnen) sür die Herstellung be§ SchiffahrtSkcmalS vom Rhein bis Dortmund und des EmSkanalS mit den Ncbenanlagen ferner Hannover als Sitz der Kanalbaudirektion für die Herstellung deS Schiff- fahrtSkanalo von Bevergern zur Weser in der Gegend von Bückeburg mit Zwetgkanälen und Nebenanlagen und Potsdam als Sig des Haiiptbauamts für die Herstellung des Groß- fchiffahrtSweges Berlin-Stettin bestimmt wird.
Heer itnfc Flotte.
Antwerpen, 24. April. Unter den Geretteten d es b e l g. Sch u l schrffe S, bereit Namen heute veröffentlicht wurden, befinden sich zwei Untcrleutirants, zwei Lehrer, ein Arzt, zwölf Kadetten und neun Matrosen. Das Schiff fant am 19. 2lpril aus ungefähr 47. Grad 12 Min. nördlicher Breite und 4. .Grad 30 Min. westlicher Länge.
Zlerstcend.
Wien, 24. April. In der heutigen ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses nach den Osterferien gab Präsident Vetter zunächst dem Mitgefühl des Hauses für die Opfer der Katastrophen des Vesuv und von San Francis co Ausdruck. Das Haus lehnte dann die Dringlichkeit des Antrages betteffcnb b.ic Gestattung ber Lcichenverbte u n u n g im Betorbnungswege ab, nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, baß eine Aenberung der gegenwärtigen Leichenbestattung nur auf gesetzlichem Wege möglich fei. Abg. Zuleger begründet hieraus die Tring- lichkeil des Antrages, nach welchem die Regierung mit Serbien keinerlei V i e h ü b e rc i n k omme n abschließen möge. Redner greift im Laufe seiner Rede die serbische Armee au. Nachdem der Ackerbaummister Graf Bouquoy wiederholt hat, baß mit Serbien eine Betcrinärkonventicm nicht abgeschlossen sei und die bisherigen Grenzbegünstig- ungen nicht erneut werden würben unb nachdem mehrere Wgeordnete für den Antrag cingetteten sind, wird dem Anträge die Dringlichkeit zuerkannt. Der Antrag selbst wird in feinen Hauptpunkten angenommen.
Newyork, 24. April. Einer Meldung des „Heralb" zufolge hat Präsident Castro einen Schlaganfall erlitten und aus diesem Grunde Gomez zu seinem Stellvertreter ernannt. Er beauftragte Gomez, bic bi^Ionia» tischen Beziehungen zu Frankreichwiederheezustellen. ~
Außkand.
Das neue Reichsgrundgesetz, das augenblicklich dem Reichsrat vorlicgt und 'deninächst veröffentlicht werden wird, enthält in seinen Hauptteilen nachstehende Grundsätze: 1. Tas Reich ist einheitlich und unteilbar. 2. Das Großfürstentum Finnland stellt einen unteilbaren Teil dieses Reiches dar, ber seine inneren Angelegenheiten durch besondere Verordnungen auf der Basis besonderer Gerichtsbarkeit regelt. 3. Die rnss. Sprache ist die allgemeine Sprache und muß von allen Re- flierungs- und Verwaltungsstellen, sowie in der Armee und Flotte angewendct werden. Der Gebrauch örtlicher Sprachen uiird durch besondere Gesetze geregelt werden. Der Zar ist Selbstherrscher; er ernennt den Präsidenten des Mini- sieriums, die Minister und die Leiter -der einzelnen Abteilungen. Ebenso steht ihm das Entlassungsrecht, sowie die Zitierung der Gehälter, Pensionen und Unterstützungen zu. Bezüglich bei? Reckte und Pflichten der Untertanen bestimmt I>aS Gest6, jeder Untertan hat daS Recht, sich frei seinen Wohnort zu wählen. Wegen Vergehen kann er nur auf dem Rechtswege verfolgt, mithin auch nur auf Grund eines


