Ausgabe 
22.11.1906 Zweites Blatt
 
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Deutscher Reich.

r Berkin, 21. Nov. Der Kaiser machte gestern dem Fürsten Bülow im Reichskanzlerpalais einen Besuch.

Düsseldorf, 21. Nov. Die Versammlung des Ver­eins zurWahrung der Rheinschiffahrtsinteressen erhob in längerer Resolution von neuem entschieden Ein­spruch gegen die geplanten Schiffahrtsabgaben auf deutschen Strömen unter Berufung auf die Reichsverfassung und die Schiffahrtsakte, insbesondere im Interesse des Ober- rheines, da gerade Industrie und Handel Süddeutschlands in ungleich höherem Grade als die niederrheinisch-westfälischc Industrie unter den Abgaben zu leiden haben würden und durch die bisherige Behandlung der Frage das Zusammen­gehörigkeitsgefühl zwischen Nord und Süd bereits erheblich erschüttert worden sei.

Karlsruhe, 21. Nov. Das Justizministerium hat gegen den Zentrumsabg. Oberamtsrichter Wittemann in Donaueschingen wegen eines Briefes, den er an den kürzlich zu einem Jahre Zuchthaus verurteilten Pfarrer Geifert während der letzten Wahlbewegung gerichtet hatte, ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Russisches.

In Odessa wurde bei dem israelitischen Friedhof, als ein Leichenzug zurückkehrte, aus der Menge drei Re- volverschüffe abgegeben, deren einer den Adjutanten des Polizeikommissars tötete, welcher die Aufrechterhaltung der Ordnung überwachte. Drei junge Leute begannen darauf davonzulaufen und wurden von der Polizei ver« folgt. Die Flüchtlinge gaben etwa 60 Schüsse ab. Als sie an einer Kaserne vorbeiliefen, wurden sie durch Flinten­schüsse getötet. Ferner wurde in Odessa der Polizei- kommiffar L u ck e w i t s ch von Revolutionären erschossen.

In den Geschäftsräumen der russ. Dampfschiffahrts­gesellschaft zu Odeffa griffen drei bewaffnete Männer im Korridor den Kassierer an und entrissen ihm eine Geldtasche mit 40 00 Rubeln. Bei der Verfolgung der Räuber wurde ein Stadtsergeant verwundet. Ein Räuber wurde gleichfalls verwundet und verhaftet.

In Kungur (Gouvernement Perm), wurde der Polizeikommissar Pesechin während einer Haus­suchung durch drei Revolverschüsse getötet. Der Mörder wurde verhaftet.

In Moskau wurde die Kaffe einer Fabrik um 7 000 Rubel beraubt. Bei der Verhaftung der am Raube Beteiligten wurde ein Verzeichnis vorgefunden, aus dem ersichtlich ist, daß die Arbeiter in fast sämtlichen Fabriken in Lodz, darunter auch die des städtischen Gaswerks, monat­lich an die Kaffe der sozialdemokratischen Arbeiterpartei einen gewissen Prozentsatz ihrer Gehälter abführen muffen. Um die Vorschrift, nach welcher Regierungsbeamten die Beteiligung an den oppositionellen Parteien untersagt ist, zu umgehen^ führte die Partei der friedlichen Erneuerung eine Gruppe der Parteifteunde ein.

In Tiflis wurde auf den früheren Generalgouverneur von Jelissawetpol, General Gelostchapow, ein Anschlag verübt. Der General wurde tötlich verletzt. Dem Täter gelang eS, zu entkommen. Der Verbrecher schoß dem General Zwei Kugeln in den Kopf.

Der Militärgouverneur der Festung Kars meldet: In der Nacht zum 13. November griffen bewaffnete Kurden jezidische und armenische Reisende an und töteten sechs Jeziden und zwei Armenier. Der Bezirksvorstand Dostan- bekow, von dem man vermutete, daß er an der Organifation dieser Bande beteiligt sei, hielt sich im Dorfe Drgori ver­borgen 500 Jeziden umzingelten dieses Dorf und ver­langten die Auslieferung Dostanbekows. Ein blutiger Zusammenstoß zwischen Jeziden und Kurden wird er­wartet. Kosaken sind dorchin geschickt.

Adreßbuch 190?.

Am Freitag, dem 23. November liegt in unserer Ge­schäftsstelle das nach den Hauslisten abgeänderte alphabetische

Narnens-Berzeichnis derjenigen Bewohner und Firmen auf, deren Name oder Firmenbezeichnung mit den Buchstaben

L M N O P a

beginnen.

Wir bitten die Interessenten, die Richtigkeit des Ver­zeichnisses zu prüfen und inzwischen eingetretene Aenderungen

sorzunehmen.

Brühl'sche Druckerei

Adreßbrrch-Berlag.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. Nov. 1906.

** Dekanatssynode deS evangel. Dekanats Gießen. Im Konfirmandensaal der JohanneSkirche tagte am 21. November die Synode des Dekanats Gießen unter Leitung des Dekans Strack-Leihgestern. In dem Eröff­nungs-Gottesdienst predigte Pfarrer Weber- Langgöns. Den schriftlichen Bericht deS DekanatsausschusseS über das Jahr 1905 erstattete Pfarrer Glück-Heuchelheim. Neber die innere Mission berichteten Pfarrer Weber-Langgöns und Pfarrer Schwabe-Gießen, über die äußere Mission Pfarrer Gaß­mann-Kirchberg, über den Gustav Adolf-Verein und den Evangelischen Bund Pfarrer Euler-Gießen. Neber daS Hauptthemcr deS Tages Mert der inneren Mission für das £anb- sprach der Vereinsgeistliche Pfarrer Braß- Darmstadt. Dem Vortrag folgte eine anregende Besprechung. Zum Dekan- Stellvertreter wurde anstelle des in den Ruhestand versetzten Kirchenrats Dr. Naumann Pfarrer Euler gewählt.

** Die Betrügerin, die in lekter Zeit unter dem Namen einer Frau Schmidt hier mehrfache Schwindeleien verübte, wurde gestern in der Person der Ehesrau bcO Arbeiters Nabanus Nauheimer ans Winkel verhaftet. Der Ehemann, der seiner Frau bei den Betrügereien beihllse leistete, wurde ebenfalls verhaftet.

** Eine h5chst betrübende Kunde kam uns heute zu. In Pearadja auf Sumatra, im indischen Ar­chipel, ist am 18. d. M. Frau Missionsarzt Dr. Winkler, eine Tochter des Pfarrers D. Schlosser, vom Typhus dahiugerafft worden. Vor 3V2 Jahren war's, als Pfarrer Schlosser die Ehe seiner Tochter in London einsegnete und von chr Abschied nahm auf Nimmer­wiedersehen! Im jugendlichen Blütenalter, nachdem sie kaum die Mitte der 20er Jahre überschritten hatte, ist sie nun ihrem geliebten Gatten und den Ihren, auf ferner, remder Erde entrissen worden, nachdem im Frühling dss. Js. ihr einziges Kind, ein Töchterchen, ihr im Tode bereits voran- gegangen war. Die zahlreichen Verehrer und Freunde des Pfarrers D. Schlosser teilen in herzlicher Ergriffenheit der schwer geprüften Eltern tiefe Trauer..

* Bei den gestrigen Handelskammer-Er° gänzungswahlen wurden gewählt:

Im Wahlbezirk Gießen-Stadt: Fabrikant Adolf Klingspor mit 102 Stimmen, Kaufmann C. W. N owack mit 98 Stimmen, Fabrikant Emil S ch m a l l mit 97 Stimmen und Kaufmann C. Röhr mit 91 Stimmen.

Wahlbezirk Gießen-Land: Kaufmann Lorenz Wil­helm Rühl in Großen-Buscck mit 25 Stimmen.

Wahlbezirk Lich: Brauereibesitzer Heinrich Jhring in Lich mit 26 Stimmen.

Wahlbezirk Alsfeld: Wilhelm Wallach mit 44 Stimmen und Karl Grünewald II. mit 40 Stimmen.

Wahlbezirk Lauterbach: H. Dürbcck in Lauterbach mit 28 (Stimmen.

Mit Ausnahme deS Herrn Rühl, der an die Stelle des aus dem Kammerbezirk verzogenen Direktors Steinecke in Lollar trat, gehörten sämtliche Herren schon seither der Handelskammer an.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Im Be­urlaubtenstande wurden befördert zu Leutnants der Reserve die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeistcr Graf von Gers dorff (IV Berlin), des 1. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Garde-Drag.) Nr. 23; Au müller (Naumburg a. S.), des 1. Gr. Hess. Inf.- (Leibg.) Regts. Nr. 115; Buek (Coblenz), des 2. Gr. Hess. Drag.-Regts. (Leib-Drag.-Negt.) Nr. 24; Stollenwerk (Rheydt), des 1. Gr. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25 (Großh. Art.-Korps); Vogt (Friedberg), deS 1. Gr. Hess. Inf.-(Leibg.) NegtS. Nr. 115; Lechner (Mainz), des Inf. - Leib - Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117; May (Frankfurt a. M.), des 2. Großh. Hess. Feldart.-Negts. Nr. 61; Fähnrich Kremer (Oberlahnstein), deS Juf.-Leib- Negts. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117. Befördert zu Hauptleuten die Oberleutnants Trau (Worms), der Reserve des Jnf.-Leib-RegtS. Großherzogin (3. Gr. Hess.) Nr. 117; Schilling (WormS), der Landw.-Jnf. l.Aufg.; zu Obcr- leutnannts die Leutnants v. Jouanne (Schrimm), der Res. des 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibg.) Regts. Nr. 115; Willen­bücher (Mainz), der Landw.-Jnf. 2. Aufg. Der Abschied bewilligt: Morneweg (I Darmstadt), Hauptmann der Land­wehr-Kavallerie 2. Aufg., mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform; Zimmermann (Erbach), Ober­leutnant der Lundw.-Jnf. 2. Aufg.; Sch uz (Gießen), Leut­nant der Landw.-Jnf. 2. Aufg.; Weißheim er, Haupmann der Reserve der Feldart.-Schießschule.

* Der Verwaltungsrat deS Kunstvereins für das Großherzogtum Hessen hielt, denN. Hess. Volks­blättern" zufolge, am Dienstag eine Sitzung unter dem Vorsitze des Geheimen NatS Frhrn. v. Grancy ab. Es wurde ein­stimmig beschlossen, den angesammelten Fonds von 30 000Mk., der zur Herstellung von Kun st gegen ständen dienen soll, zur Anschaffung von Werken der Plastik für das Treppen­haus und Vestibüle des neuen Museums zu verwenden. Die Büste des Großherzogs soll von Prof. Habich in Mar­mor ausgeführt werden, von zwei Idealfiguren aus Bronze flankiert, die gleichfalls Habich schaffen wird, die Mittelhalle vor dem Treppenallfgang zieren, während die Treppcnpfosten im ersten Stockwerk durch zwei Putten in Kalkstein besetzt werden sollen, die der Bildhauer Robert Cauer-Darmstadt schaffen wird. Zwei Tierfiguren auS Bronze oder Terrakotta werden am Eingang des zweiten Stockwerks Aufstellung finden. Professor Gaul-Berlin soll sie Herstellen. Es wurde ferner beschlossen, daß bei künftigen Stiftungen deS Kunstvereins andere hessische Städie bedacht werden sollen.

Die Viehseuchen find in unserer Provinz fort­gesetzt in der Abnahme begriffen; die Schweineseuche, Schweine­pest und Milzbrand, die den Sommer über besonders in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach herrschten, sind dort ganz verschwunden. Die Schweinepest herrscht nur noch in Klein-Linden und Harbach, Milzbrand in Grüningen und Okarben. Etwas verbreiteter sind noch der weniger gefähr­liche Schweinerotlauf und der Rausch brand bei Schafen, letzterer im Kreise Gießen.

** Aus dem Kreis Alsfeld, 21. Nov. Da an der Kreisstraße Ober-Osleiden Homberg wiederholt Baumfrevel begangen wurde, wurde vom Kreisamt für Feststellung des Täters eine Belohnung von 20 Mark ausgesetzt. Landwirt Heinrich Schmidt II. von Reibertenrod wurde als Bürgermeister der Gemeinde Reibertenrod gewählt und bestätigt.

x Friedberg, 21. Bei den Ergäuzungswahlcn zur Handelskammer Friedberg wurden einstimmig wiedergewählt in Butzbach Brauereibesitzer Christoph Melchior und in Büdingen Fabrikant Otto Schäfer.

ft- Friedberg, 21. Nov. Wegen Fahrlässigkeit bei Angabe seiner Einkommen - und Vermögenssteuer- Erklärung wurde ein hiesiger Gewerbetreibender von der Gerichtsbehörde zu einer Geldstrafe von 20 Mk. ver­urteilt.

g Bad-Nauheim, 21. Nov. Seitens des hiesigen Vortragsvereins fand heilte Abend im Sprudelhotel ein Vortrag des Geh. Obcrforstratcs W a lth er aus Darmstadt überWaldschönheitspflege" statt. Der Redner schilderte zunächst die Wichtigkeit des Waldes in hygie­nischer Beziehung. Er mies nach, daß es in Großstädten, lvoselbst die Menschen von Jahr zu Jahr immer dichter zusammengepfercht würden, geradezu ein dringendes Be­dürfnis sei, an freien Tagen und Stunden unsere ozon­reichen Wälder aufzusuchen. Gerade in des Waldes Stille und Einsamkeit werden die abgearbeiteten Nerven am

ersten gestählt. Hierauf zeigte Oberforstrat Walther die Bedeutung des Waldes in wirtschafllicher Hinsicht auf. Welche hohe Summen werden z. B. durch Schälen und Abholzen unserer Eichenwälder erzielt. Hier in Bad- Nauheim allerdings müsse dieser materielle Vorteil zurück- treteii, da man mit Rücksicht auf die Fremden etwas mehr Gewicht darauf legen müsse, unsere schönen Wälder zu. erhalten. Nirgends wird der Wald mehr besungen und in Gedichten verherrlicht als in Deutschland. .Wie viele wunderbare Geistesschöpfungen unserer Dichter, wie Uhland, Schiller, Goethe 2C. haben wir, von wievielen Komponisten wurde schon der Wald besungen. Ungefähr 26 Proz. des Bodens ist in Deutschland in Wald angelegt und der Waldbestand wird sich noch vergrößern. Das Klima des Waldes ist um 0,3 bis l1/^ milder als das des freien Feldes. Einen besonderen Reiz hat der Wald, durch die vielen Waldbewohner, wie Hirsche, Rehe u. dgl. Am Schlüsse betonte der Redner, man solle jederzeit darauf bedacht sein, den Wald und seine Anlagen zu schonen und schloß mit den herrlichen Versen:O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald",

X Nonncnrod, 21. Novbr. Auch unsere Gemeinde bat sich ent­schlossen,der Gruppenwasserversorqung Bad-Nauheim beizutreten. Der Wa^crbezug unserer, im nächsten Jahre zu erbauenden Wasserleitung, erfolgt vom Wasserwerk Lauter aus. Ebenso hat sich unsere Nachbar- gemeinde Ober-Bessingen hierzu angcmeldet.

X S t o ck b e i m , 21. Nov. Die hiesige Aktien-Zockerfabrik, dos Schmerzenskind der meisten Aktionäre, hat seit vorigem SamStag bis Montag ihren Betrieb in einer Weise aufrecht zu erhalten verstanden, der wegen seiner Eigenart einzig dastchen dürfte. Die Fabrik benutzt znm Saturieren der Rübensäfte gebrannten Kalk, den sie in ihrem Kalk­ofen ans von auswärts bezogenen Kalksteinen selbst herstellt. Nun ging gegen Ende der vorigen Woche der Kalk aus, wodurch die Fabrik in eine höchst fatale Lage versetzt wurde, da das Ausbleiben der Kalksteine eine Betriebsstillegung im Gefolge haben mußte. Aber in der höchsten Not ist Gott am nächsten, sagt das Sprichwort, ein erleuchteter Kopf wußte auS dem Dilemma zu Helsen: Mit Pickel und Schiebkarren rächten Arbeiter- Abteilungen ans das der Fabrik gehörige Anschlußgeleisc, um den Un­terbau, sowie den Einfassungen des Bahndammes eine größere Menge Kalksteine zu entnehmen! Die Kalksteinzufuhr war also wieder gesichert, und der Fabrikbetrieb konnte nach vorausgegangene kurzer Unterbrechung in seinem vollen Umfange wieder anfgenommen werden.

g. Fronhausen, 20. Novbr. Nachdem erst kürzlich der Landwirt Mann in Stedebach in seinem Keller etwa 80 wertvolle Münzen fand, hatte auch der hiesige Landwirt Hoos, ähnliches Glück. Beim Zerkleinern eines Balkens fiel ein Beutel mit etwa 25 alten Goldstücken heraus.

sd. Darmstadt, 22. Nov. Auf der Station Gundern- () a u f c n (a. d. Nebenbahn Darmstadt - Großzimmern) ver­unglückte gestern der Bahnverwalter und Postagent S ch a cke r dadlirch, daß er beim Hochheben eines Güterwagens ausglitt und hinfiel. Die Näder gingen ihm über den Leib und er wurde so schwer verletzt, daß er schon nach einer halben Stulide st a r b.

R. B. Darmstadt, 21. Nov. Die heutige Wahl zur Handelskammer Darmstadt vollzog sich unter zahlrreicher Beteiligung der Wahlberechtigten. Während bei früheren Wahlen mitunter nur 30 bis 40 Wähler erschienen, beteiligten sich heute von 802 Wahlberechtigten 214 an der Wahl. Gewählt wurden die Herren Bankdirektor C. ParcuS, Kommerzienrat Schlager, Kaufmann L. Trier, Kommer­zienrat L. Röder, Zivilingenieur v. Voß, Kaufmann C. Bosselmann, Kaufmann B. Vodenbeim und Kauf­mann Wilhelm Kolb. Die ersten fünf Kandidaten waren gleichzeitig vom Kaufmännischen Verein und dem Handelk­verein, sowie dem Verein der Detaillisten aufgestellt; von den anderen Drei waren zwei weitere Kandidaten des Kaufm. Vereins.

Mülheim a. M., 21. Nov. Da der Wahl des sozialdemokratischen Arbeitersekretärs Peter Zahn III zum Beigeordneten die Bestätigung vom Großh. Ministerium des Innern versagt wurde, muß demnächst zu einer Neu­wahl geschritten werden. Dazu hat der sozialdemokratische Arbeiterunterstützungsverein in Mühlheim bereits Stellung, genommen und einstimmig beschlossen, den nichtbestätigten Arbcitersekretär Peter Zahn III wieder als Kandidat aufzustellen. Da nun die Wiederwahl wie auch die Wieder- Nichtbestätigung Zahns außer Frage stehen dürste, würde dann der Absatz 3 des Artikels 34 der Landgemeindeordnung Anwendung finden, der lautet:Wird die Bestätigung der Wahl rechtskräftig versagt, so ist eine zweite Wahl anzu­ordnen. Wird auch diese Wahl nicht bestätigt, oder wird' der nach der ersten Wahl Nichtbestätigte wieder gewählt, so ist das Ministerium des Innern berechtigt, nach Anhörung des Kreisausschusses die erledigte Stelle durch Ernennung auf drei Jahre zu besetzen." Der Termin zur zweiten Wahl ist n. d. Off. Ztg. noch nicht festgesetzt.

sd Auerbach, 21. Nov. Verschwunden ist seit einigen Tagen der ledige ca. 36 Jahre alte Besitzer des Restauration zurTraube" Bester. Er hat das gut­gehende Etablissement vor ca. 2 Jahren erworben und eine ziemlich hohe Anzahlung gemacht, doch ist die erhoffte Ren­tabilität nicht eingetreten. Er geriet in Zahlungsschwierig­keiten und ein Teil des Inventars wurde schon auf dem Zwangswege verkauft. B. stammt aus Biebrich, er genoß den Ruf eines tüchtigen und soliden Geschäftsmannes.

Worms, 21.'Nov. Der Personenzug Gund­heim-Worms, der abends 7% Uhr in Worms eintrifft,, fuhr gestern Abend bei der Abfahrt aus Gundheim infolge falscher Weichenstellung auf einen Prellbock. Der 40 Jahre alte, ledige Lokomotivführer Philipp Wen gl ein. aus Worms wurde dabei getötet. Ein Heizer und ein Postschaffner wurden ziemlich schwer verletzt und mußten ins Wormser Krankenhaus gebracht werden. Der Material­schaden ist gering. Der Familie des so plötzlich ums Leben gekommenen Lokomotivführers Wenglem bringt man herz­liche Teilnahme entgegen, da sie vor nicht langer Zeit einen Angehörigen ebenfalls auf tragische Weise verloren hat. Die Leiche des Verunglückten wurde nach dem Rhein- gewannfn'edhof gebracht. (Worms. Ztg.)

ü Frankfurt a. M., 21. Nov. Heute Morgen wurde ein Schutzmann, der in der Franken-Allee Ein­brecher bei der Tat überraschte, von diesen durch drei Revolverschüsse schwer verletzt. Die Einbrecher entkamen. 26 russische Landarbeiter, die von einem Agenten am Sonntag abend aus der Schweiz hierher gebracht wurden, sind von ihm hier im Stich gelassen worden. Bis Dienstag warteten sie vergeblich auf dem Hauplbahnhof auf den Agenten, der sie in die Heimat zurückbefördern sollte. Das russische Konsulat sorgte^ schließlich für die Weiterfahrt der Leute.