selbst konstatiert, daß die Heereskostcn nicht eme Forderung des deutschen Bündnisses sind, wie dies em großer xcd der öffentlichen Meinung in Ungarn glaubt."
Soweit der Minister v. Burian. Wenn nun auch btc auswärtige Politik des Grasen GoluchowSky die Zustimmung der Delegation gefunden hat, so stehen dem Grafen doch noch böse Unannehmlichkeiten bevor. Die Minister haben mit vieler Mühe die Bewilligung des Budgets gesichert. GoluchowSky besitzt nach wie vor das volle Vertrauen seines greisen Kaisers.
'Deutsche Journalisten in England.
Cambridge, 27. Juni.
-Die deutschen Pressevertreter trafen vormittags hier ein und wurden am Bahnhof von Professoren der U n i v e r s i t ä t e m p f a n g e n und dann durch verschiedene Colleges geführt. Im Trrnity College hieß sie der Vorsteher willkommen, worauf beim Vorsteher des Peterhouse College ein Frühstück eingenommen wurde. Beim Frühstück 211 Ehren der Pressevertreter in der historischen Halle des Peterhouse College der Universität brachte der Gastgeber Dr. Ward, der Master vom Pcterhof-Collegc, einen Toast auf den deutschen Kaiser aus, bei dem er u. a. sagte: „Der Kaiser wird nie seine Pflicht vergessen oder der Verantwortung seiner Stellung nicht gewachsen sein. Wir denken ebenso über ihn wie über seine englische Mutter, die wir mit Liebe als unsere Prineeß Royal angesehen haben." Rach dem Toast auf den Kaiser hieß der Gastgeber die deutschen Pressevertreter herzlich willkommen. Von diesem antwortete Dr. Trefz-München mit einem Trink- sprach auf Dr. Ward, bei dem er ausführte: „Nichts hat auf uns einen tieferen Eindruck gemacht, als der überall Aum Ausdruck gebrachte Wunsch, daß England mit Deutschland in Frieden und Freundschaft lebe. Wir Deutsche schätzen die Freundschaft Englands um ihrer selbst willen, ohne irgend einen politischen Hintergedanken. Wir wünschen aber nicht nur Freundschaft mit England, sondern mit allen unseren Nachbarn, falls sic ebenfalls unsere Freundschaft wünschen und bereit sind. Vergangenes vergangen sein zu lassen."
Ganz im Sinne unserer Betrachtungen in der „Polit. Wochenschau" vom letzten Montag rotro uns heute aus Merlin geschrieben:
Es scheint dringend geboten, die politische Bedeutung des Besuches nicht zu überschätzen, den gegenwärtig eine sehr ungleichartig zusammengesetzte kleine Schar deut scher Redakteure in England abstattet. Nach Deutschland dringen nur die aus tafelfroher Feststimmung heraus ge .schriebenen Berichte der Teilnehmer der aus englischen Taschen bezahlten Fahrt. Ganz ebenso klangen die Tischweden, die vor Jahresfrist in Berlin getauscht wurden, als eine Abordnung von Vertretern britischer Munizipalbehörden nach der deutschen Reichshäuptstadt gekommen war — und unmittelbar darauf erreichte die Spannung zwischen Deutschland und England den stärksten Grad, den sie je bisher erfuhr. Es erscheint nützlich, sich dieser Tatsache zu erinnern. Ndin, der Gang der Weltgeschichte wird nicht durch Banketts beeinflußt.
Wie kühl in England manche, und nicht die am wenigsten einflußreichen Kreise dem deutschen Besuche gegen- iüberstehen, davon mögen a_: Probe folgende Zeilen eines .Blattes dienen. Der „Newyorr Herald" läßt sich aus London 'berichten:
„Der Besuch der deutschen Journalisten verläuft völlig bedeutungslos. Sie wurden von Anfang an von Männern vom Schlage der Herren Stead, Bytes und Genossen in die Hande genommen, die wir gewöhnt sind, „Little-En ginn der" (frei übersetzt Klein- Engländer) zu nennen. Ms Führer diente ein vormaliger Preßagcnt des Präsidenten Krüger. Selbst wenn König Eduard, wie es als sicher verlautet, die deutschen Journalisten empfangen wird, dürfte er ihnen in guter Laune ein paar freundliche Redensarten sagen, aber die Mission, ein besseres Einvernehmen zwischen England und Deutschland herbeizufiihren, ist auch dadurch in keiner Weise verwirklicht worden."
Ausland.
London, 27. Juni. Meldungen aus Durban be- ffagen, daß Banden aufständiger Eingeborener durch die Kolonie .ziehen und überall, wo sie erscheinen, plündern, brennen und morden. In Noodsberg wurden die Geschäftsläden geplündert. Die Kolonisten auf dem stachen Lande flüchten in die Grenzorte.
Madrid, 27. Juni. Ein Telegramm aus Granada berichtet, daß gestern beim Abbrennen eines Feuerwerks eine Bombe zwischen den Zuschauern zur Explosion kam. Sechs Personen wurden hierdurch schwer verletzt; vier derselben -mußten sofort beide Beine amputiert werden. Die Panik unter den Zuschauern war ungeheuer.
Wien, 27. Juni. Als Jro heute im Abgeord- netenhause gegen die Beseitigung der Bismarckstatuen in Gablonz bei der Kaiserreise protestiert, kommt es zu langanhaltenden Sturmszen en. Schönerer nennt die Gablonzer Bewohner Hundeseelen, verdammtes niederträchtiges Hundegesindel und elende Bagasch. Schalt ruft: „Eine byzantinische Kuh säugte jte/ Als Resel protestiert, ruft Stein: „Roter Schuft, roter Gauner, rote und schwarzgelbe Kamarillen." Der Lärm dauert eine Viertelstunde.
Newyork, 27. Juni. Eine Meldung aus Wassington besagt, daß der Stand der deutsch-amerikanischen Tarif frage dem Staatsdepartement große Verlegenheit bereite. Es sei wenig Hoffnung vorhanden, daß -ber Kongreß einer Maßnahme zustimme, die es dem Staats- fefretär Root ermögliche, die Deutschland gegebenen 93er» sprechungen bezüglich Aenderungen im Zollverfahren einzulösen. -
Die Gärung in Rußland.
Nach einer Meldung des Daily Chroniele kommen Nachrichten über Judenverfolgungen in Besara- bien in großem Maaßstabe. Die Bauern strömen in Hunderten und Tausenden aus den Dörfern und ländlichen Bezirken in die Städte, um die Wohnungen der jüdischen Einwohner zu plündern und deren Eigentum ^u zerstören. Frauen werden vergewaltigt und Kinder tn der grausamsten Weise abgeschlachtet. In Slatzitza wurden 10 Juden ermordet und 40 schwer verwundet. 8 Personen wurden in Bolg getötet. Auch im Kischinew wurden viele Juden erschossen. Zu Tausenden flüchten die jüdischen Bewohner von Besarabien, da sie noch größere Verfolgungen befürchten. — Das Militär-
blatt „Russj Invalid" veröffentlicht die Erteilung eines ernsten Verweises an den Generalmajor Gadon, den Kommandeur des Leibgarde Breobraschenski-Negi- ments wegen Disziplinwidrigkeit im Regiment. Auf diesen Verweis, welcher die Folge der Weigerung des Regiments war, nach Peterhof zu maschieren, wird Gadon'mit dem Abschiedsgesuch antworten. Sämt- iche Bataillonskommandeure des Regiments sind verabschiedet worden.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 28. Juni 1906.
* * Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be- etzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Friedberg, Stadtteil Fauerbach. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Grafen zu Solms- Rödelheim in Assenheim stehl das Präsentationsrecht zu.
* * Der Tierschutzverein des Großherzogtums Hessen hat an 20 Gendarmen, 23 Schutzleute und 15 Dienstboten Diplome und Geldprämien verteilt. An die hessischen Volksschulen wurden 29 500 Ticrschutzkalcndcr verteilt.
* * Das Lahntalsängerfest rückt immer näher und cs wird Zeit, sich mit den nötigen Eintrittskarten zu versehen. Am vorteilhaftesten stellt sich für alle, die mehr als einmal das Fest besuchen wollen, die Erwerbung von Familicn- dauerkarten, die im Vorverkauf für drei Personen mir 2,75 Mk. kosten. Für größere Familien werden weitere Beikarten das Stück zu 50 Pfg. ausgegcbeu, sodaß sich z. B. für eine Familie von fünf Personen der Besuch des dreitägigen Festes, das neben hervorragenden Gesangs- und Konzertaufführungen turnerische Darbietungen, Festessen, Feuerwerk, Tanz und alle Freuden eines Volksfestes bieten wird, auf nur 3,75 Mk. oder 75 Pfg. für eine Person stellen wird.
"Die Fahnenweihe ohne Fahne. In Dorheim wollte am vergangenen Sonntag der Gesangverein „Frohsinn" eine neue Vereinsfahne weihen. 14 auswärtige Vereine erschienen zu der Feier, der Festzug u. s. w. ging programmäßig vor sich, auf dem Festplatze saugen die Vereine ihre Lieder, aber die Weihe der Fahne konnte leider nicht stattfinden, da die Fahne noch nicht ein getroffen war. Erst nachdem das Fest einige Zeit im Gange war, kam sie halb vollendet an. Tie Vergnügungen erlitten dadurch keine Einbuße.
•* Zwei Militärkonzerte veranstaltet die Kapelle des 2. Untere ls. Feldartillerie-Regiments Nr. 67 (Dirigent Stabstrompeter Pünzcl) morgen, Freitag, im Cafe Ebel. Von 11—1 Uhr findet Frühschoppenkonzert und um 81/i Uhr abends beginnt das Abendkonzert, mit dem Italien. Nacht verbunden ist.
"Preußische K l a s s e n - L c> t t e r i e. Die Ziehung der 1. Klasse der 215. Lotterie findet am 9. und 10. Juli statt. Es empfiehlt sich, die Erneuerung nicht bis zum letzten Termin am» znschieben, sondern in den e r st e n Tagen des Juli spätestens zu bewirken. Bekanntlich ist die Hessisch-Thüringische Lotterie nach ihrer Beendigung im Mai in der Kgl. Preuß. Klasscn-Lotterie anfgegangen. Das ausschließliche Recht des Verkauis preußischer Klassen- Lose haben in Gießen lediglich die Kgl. Preuß. Lotterie-Einnehmer Legler (Inhaber der I. Nickerschen Universitäts-Buchhandlung), B n ch a cf e r und Flim tn. Wiederverkäuscr sind nicht zugelassen. Der Bezug der Lose von auswärtigen Kollekteuren dürste nicht im Interesse der Spieler liegen, weil diese verpflichtet sind, die Lose der zuletzt gezogenen Klasse bei der Erneuerung st e t s vorzulegen, woraus für sie die Mühe der Ilebersendung und Porto-Unkosten erwachsen. Die Preise der Lose sind aus den Inseraten ersichtlich, welche die oben Genannten mehrfach erlassen haben.
(X) Klein-Linden, 27. Juni. Bei dem Preisausschreiben der de titsch en Gesellschaft für Volksbäder hatte Ingenieur Volk aus Klein-Linden, der Leiter der Schaffstaedtschcn Filiale zu Berlin, einen Entwurf eiugesandt. Es liefen 39 Arbeiten ein, wovon 8 auf engere Wahl kamen. Davon wurde der Entwurf des Ingenieurs Volk angekauft. Der Verfasser erhielt 100 Mark.
A Leih gestern, 27. Juni. Die Feldbereinigung uitserer Gemarkung ist nunmehr beschlossene Sache. Die Gemarkung umfaßt 750,4405 Hektar Land. Von den 714 Eigentümern haben 240 Besitzer mit 406,3570 Hektar Grundeigentum die Feldbereinigung beantragt. Nicht eingeschlossen ist das Gelände des Gutes Neuhof.
r. Londorf, 27. Juni. Nächsten Sonntag feiert der Lahntal-Nadler-Bund in unserem Orte sein zweites Bun des fest, verbunden mit Bannerweihe des hiesigen Radfahrvereins Rabenau. Die Vorbereitungen hierzu sind in regstem Gange. Der Nadfahrverein läßt es sich sehr angelegen fein, um den am nächsten Sonntag anwesenden Sportsbrüdern und Festgästen einige angenehme Stunden zu bereiten. Der Festplatz befindet sich auf der schön gelegenen Neuen Wiese, am Ausgange nach Allendorf. Die Wirtschaft und Restauration miirbe Gastwirt Boeger übertragen. Ein gutbesetzter Juxplatz tuirb dafür sorgen, daß keine Langeweile aufkommt. Samstag nacht 1 Uhr beginnt das Vereins- d au erfahren über 100 Kilometer. Die Vereine treffen voraussichtlich zwischen 8 und 10 Uhr morgens hier ein, wo sie durch Konzert auf dem Festplatz begrüßt werden. Mittags 12 Uhr findet im Saale der „Stadt Gießen" gemeinschaftliches Mittageffen der Bundesvereine statt, worauf um 2 Uhr ein Preis-Korso-Fahren durch den Ort ftattfinbet. Auf bem Festplatz angelangt, finbet nach der Begrüßung, Festrede usw., die Weihe des neuen Vereinsbanners statt, worauf Konzert, Tanz und Gesangsvorträge des Gesangvereins Frosiun geboten werden.
X Aus dem Kreise Lauterbach, 27. Juni. Wie sehr die Behörden unseres Kreises bestrebt sind, die zahlreichen abgelegenen Orte des Kreises dem Verkehr mehr an» zugliederu, geht aus einigen 'höchst wichtigen Beschlüssen des Kreistags hervor. So würbe der Beschluß gefaßt, das Telephonnetz des Kreises allmählich auszubauen und sämtliche Gemeinden an zu sch ließen. Die Post verlangt von den Gemeinden, daß sie fünfjährige Garantie von 10 Prozent der Anlagekosten übernehmen. Der Kreistag beschloß, diese Garantie selbst zu leisten. — Ferner würbe die Erbauung mehrerer Kreis st raßen beschlossen: 1. Schlechtenwegen-Steinfurth mit späterer Fortführung bis Nösberts, 2. Pfordt-Fraurombach im Schlitzerland mit Fortsetzung bis Ullershausen; projektiert sind noch die Straßenbauten Weidmoos-HeisterS und Fleschenbach-Holzmühl.
** Au s dem Vogelsberg, 27. Juni. Die Bahndirektion hat sich endlich veranlaßt gesehen, den viel- begehrten Abendzug von Grebenhain nach Lauterbach vom nächsten .Sonntag ab durchzuführen —
wenigstens für die Sonntage. Die Forderung des östlichen Vogelsbergs ist aber nach wie vor die tägliche Einschaltung dieses Zuges; ein dahin gehender Beschluß wird der Regierung zu Darmstadt wie der Eisenbahndirektion in Kürze aufs neue überreicht werden.
sd. Darm stadt, 27. Juni. Der Unteroffizier K. ans Mainz von der 2. Kompagnie des Infa nterie-Rg ts. Nr. 116 hat Alimentationspflichten gegenüber einer früheren Bekanntschaft. Um sich ihrer zu entledigen, beschloß Ketschau, sich das Leben zu nehmen. Er wollte aber zunächst seine neue Flamme besuchen und fuhr deshalb am 16. Mai abends ohne Urlaub nach Bad-Nauheim und später zu Verwandten nach Frankfurt. Diese schrieben an den Vater des Ketschau, der Gendarmeriewaehtmeister ist, der die Verhaftung seines Sohnes am 30. Mai veranlaßte. Das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte Ketschau wegen unerlaubter Entfernung zu 2 Monaten Gefängnis und zur Degradation.
fc. Rüdesl;eim, 27. Juni. In vergangener Nacht lüurben 3 Strolche feftgenommen, als sie in das Postamt einbrachen, von wo aus sie in die Spar- und Leihkasse, die neben de;u Postamt liegt, zu gelangen gedachten.
fc. Kassel, 27. Juni. Spaziergänger sanden gestern nachmittag die Leiche der seit Sonntag verschwundenen 13jährigen Marie Ebenau, Tochter des in der Kruggasse wohnenden Pflasterers Georg Ebenau, am Ufer der Fulda im Schlamm steckend, und zwar mit dem Kopf nach unten, während die Beine in die Luft ragten. Das Gesicht bei» Kindes war verkratzt, der Hals verschwollen, und der Unterleib wies furchtbare Verletzungen auf, sodaß der Verdacht eines Lustmords nahe liegt. Als der, Tat dringend verdächtig wurde der 36 jährige Gelegenheitsarbeiter August May verhaftet.
Vermischtes.
* Dortmund, 26. Juni. Die „Dortm. Ztg." schreibt über Kaliborungen an der Ostarenze Westfalens: Nachdem die bisherige rege Tätigkeit durch die „lex Garnp" auf diejenige der Provinz beschränkt war, auf welche die preuß. allgemeinen Berggesetze keine Anwendung finden, werden nunmehr neue Bohrungen im Osten vorgenommcn. Auf diese Weise werden der nördliche und östliche Teil der Provinz im Laufe der nächsten Jahre mit einem Ring von Bohrlöchern und Kalifeldern umgeben werdelt. Die Ergebnisse, welche diese Bohrversuche zeitigen, wird mit großer Spannung entgegensehen, denn doit diesen wird es abhängen, ob nach der Aufhebung der lex Gamp die Bautätigkeit auf die angrenzenden Gebiete erstrecken wird, wobei vor allem der Regierungsbezirk Minden in Frage kommt. In den neuen Bezirken, in denen Bohrungen vorgenommen wurden, haben diese an mehreren Stellen zu günstigen Ergebnissen geführt. Auch im Fürstentum Lippe steht, ixaä)bcni der Landtag die diesbezügliche Regierungsvorlage angenommen hat die Inangriffnahme von Kalibohrungen nahe bevor. Man sieht also in demselben Maße wie der Kohlenbergbau nach Nordwesten vordringt, nimmt der Kalibergbau von Südosten nach Nordwesten einen Vorstoß, und die Zeit wirb nicht mehr fern seiir, in der sich Kohlenbergbau und Kalibergbau im Nord- westen die Hand reichen tverdett.
* Eisenbahnunfälle. Ein Personenzug der Privatbahn Königsberg-Cranz (Dftpr.) ist auf dem Bahnhof Cranz auf einen Prellbock aufgefahren und entgleist. Zwei Wagen wurden zertrümmert. Eine Frau würbe getötet. Fünf Personen würben schwer, sechs leicht verletzt. Die Verunglückten stammen sämtlich aus Königsberg bezw. Cranz. In der Nähe von Lindenberg (Bayern) über fuhr ein Bahnzug ein Fuhrwerk. Der Fuhrmann und ein Pferd wurden getötet, der Lokomotivheizer verletzt. Das Fuhrwerk wurde zertrümmert. Die Maschine und zwei Wagen sind entgleist.
* Auch ein Opfer des Duells. Selbstmord verübte in Tübingen der hoffnungsvolle 22jährige Student der Medizin Hahn aus Berlin, indem er sich eine Revolver- kngel in den Kopf jagte. Der Tod trat sofort ein. Uebcr die Ursache zu dem unseligen Schritt verlautet, daß der junge Mann in einen Ehrenhandel verwickelt war, der demnächst zum Austrag gebracht werden sollte. Hierüber soll er sich derart aufgeregt haben, daß er wenige Tage vorher zur Waffe griff. Der Verstorbene gehörte einer Korporation an, die Satisfaktion gibt.
Gerlchtssaal.
— Eine eigenartige Duellgeschichte beschäftigte die 4. Strafkammer des Landgerichts I zu Berli n. Wegen Herausforderung zum Zweikampf war der Landmesser-Kandidat Wilhelm H u t m acher aus Posen angeklagt. Dieser befand sich in der Nacht vom 9. zum 10. März gegen 2 Uhr mit anderen Herren in animierter Stimmung im Cafe Ster»!. Ain Nebentisch saßen einige junge Leute, von denen einer sich darüber aufhielt, daß die Unterhaltung am Tische des Angeklagten etwas zu laut geführt würde; er machte seinem Unmut in Worten wie „pro- letenhaftes Beneh m e n", Benehmen „wie die Lause- j n n g e n" u- s. w. Luft. Der Angeklagte verbat sich dies, ersuchte den Beschwerbesührer, mit zur Toilette zu kommen, verlangte dort von ihm, die Beleidigung zurückzunebmen, und als dies verweigert würbe, erfolgte die Bemerkung: „Wenn Sie dies nicht tun, sind Sie erst red)t ein Prolet!" Eine Ohrfeige war die Antwort darauf, der Angeklagte schlug seinen Gegner ins Gesicht und es ,'and der Kartenanstausch statt, wobei der Gegner des Angeklagten auf seiner Karte sich als „Müller, stud. phil.'', answies. Am nächsten Tage schickte bieiem ber Angeklagte einen Kartellträger mit einer tjorberung auf „Säbel ohneBinb e unb Banbage 3[0 Minute n" zu. Stud. phil. Müller nahm btc Forderung n i d) t an, der Kartellträger gab ihm infolgedessen seine Karte zurück, erhielt aber die Karte des Angeklagten nicht wieder. Wie dieser später ersah, benutzte sie stud. phil. Müller zu einer Strafanzeige, zu der er sich, wie er sagte, als ein Gegner des Zweikampfes für verpflichtet sah. Nun ergab sich die eigenartige Erscheinung, daß der Anzeigende nicht zu ermitteln war. In der Strafanzeige hatte er sich nur mit „Müller, stud. phil., Ackerstraße", unterzeichnet, der Kartellträger hatte inzwischen Müllers Haus- nummer vergessen unb es gelang nicht, ihn zu ermitteln. Ter Angeklagte gab ohne weiteres bett Tatbestcmb zu. Der Staats- anwalt beantragte 3 Tage, ber Gerichtshof erkannte auf 1 Tag Festungshaft.
Natibor, 27. Juni. Das Schwurgertcht verurteilte geftern ben Slrafanstalts - Renbanlen Nenbzig , ber seit zehn Jahren ans der Strafanstaltslasse Beträge tu Höhe von 12000 M k. untersch lagen hat unb Bücher gefälscht hatte, ztt v i e r Ia h reit Gefängnis.


