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28.6.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 149

Erscheint täglich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesffschen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal In der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Univerf.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Redaktion 112

Verlag u.6$pet).e^51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Bietzen.

Erstes Blatt

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

___ 156. Jahrgang Donnerstag 28. Juni 1906

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Gretzener Anzeiger W

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WB

Tmimm-utnnnimmiiwi, _ __ zeigenteil: Hans Beck!.

Are heutige Dummer umfaßt 8 Seilen.

'politische Theoretiker.

Aus Frankfurt a. M. kommt die Kunde, daß eine Anzahl Großindustrieller deß Saarreviers, also Leute, die etwas zu sagen haben, sich von Dr. Alexander Tille, der schon auf der Leipziger Universität vor 15 bis 20 Jahren als eitler Streber sich hervortat und der sich später als Privatdozent für Germanistik (!) an der schottischen Uni­versität Glasgow wegen seines prononzierten Deutschprotzen- tums unmöglich machte, um dann ein erzreaktionärec Scharf­macher gegen die Arbeiterorganisationen zu werden, losgesagt hätten. Tas wird zwar heute wieder in Zuschriften an die Franks. Zig." zu bemänteln versucht. Man ist aber doch wohl endlich von dem Gedanken abgekommen, daß der fort­gesetzte Kampf dauernden Frieden schaffen könnte, und kündigte wenn nicht hellte, so doch morgen dem bisherigen Führer im Streit die Gefolgschaft.

Zu allen Zeiten hat es graue Theoretiker gegeben. Diese stellten ihre Theoreme auf, beschlvoren sie im Brustton der Ueberzeugung, und eine gewisse Menge lief ihnen nach, bis sie endlich zu der Einsicht gelangte, daß sie einen Irrweg ge­gangen war. Zu den lanteften Rufern im agrarischen Streit gehören bekanntlich die Agrarier ohne Ar und Halm, die Doktoren Rösicke, Ruhland, Hahn und Oertel. Tie wirklichen Landwirte hielten sich meist weit ruhiger, mit wenigen schreierischen Ausnahmen, und heute sind die Lehren der Bundeshäuptlinge, die sich vom JuS, von der Verwaltung, vom Katheder etc. weg plötzlich dem Agrariertum zuwandten, manchem kleinen Bauer längst mehr als zuwider geworden, weil die Erfolge deS Bundes der Landwirte in der Haupt- fache den großen Grundbesitzern zu gute kommen.

Aehnlich geht es allch in der Sozialdemokratie. Die gelehrten Sozialisten, mögen sie nun der ethisch-ästhetischen oder der historisch-ökonomischen Richtung angehören, mögen sie auf daS revisionistische oder auf das stramm dogmatische Programm eingeschworen fein, verlieren innerhalb dec wirk- lich prakt. Bewegung von Jahr zu Jahr mehr an Einfluß. Die Gewerkschaftsbewegung wendet sich besonders in letzter Zeit ab von den Utopisten und nimmt praktisch Stellung zu den Tagesfragen wirtschaftlicher Natur, mag nun das Zentral­organ darüber Zeter und Mordio schreien oder nicht. Wo die Gewerkschaften diesen Weg nicht gehen, da zweigen die besonnerercn Elemente sich sogar ab, wie man gesehen hat, und kümmern sich wenig um die Segenssprüche der über­zeugten Genossen.

Heute läßt sich niemand mehr in Zwangsjacken stecken, alles will Betvegungsfreiheit, freie Ellenbogen. Unser ganzes modernes Leben ist rein auf die Praxis zuge- schnitten: es herrscht die Materie.Grau, lieber Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum", sagt Mephisto zum Schüler. Mag der Baum des Lebens auch nicht allzu grün sein, aber die Freizügigkeit des Geistes und der Geister ist uns doch zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen, als daß wir immer und überall unsere Handlungen davon abhängig machten, ob sie zu dem Pro­gramm passen, das man uns als das heilsamste und beste angepriesen hat. Aus diesem Vorgang heraus, der sich durch die Zeit selbst erklärt, muß es auch begreiflich erscheinen, daß beispielsweise die Zeitungen, die sich streng an irgend ein politisches Parteiprogramm halten, immer mehr znrückgehen. Wäre das Bedürfnis für eine gemäßigte Presse, die konziliant gegen die g e m ä ßi gt en Parteien aller Rich­tungen ist, nicht vorhanden, dann hätte eben diese Presse nicht festen Fuß fassen können.

Auch innerhalb der politischen Parteien macht sich eine Bewegung geltend, nicht alle Dinge mit der Parteibrille zu betrachten und nicht alle Entschlüsse nach dem Parteiprogramm zu fassen. Wir finden Konzilianz bei den größten Parteien die Stockkonservativen und die extremen Sozialdemokraten nicht ausgenommen und es gibt Leute, die der Ansicht sind, daß die Parteipolitik überhaupt der nackten JUteressenpolitik immer mehr weichen wird, und da die Jnteressenpolitik sich nicht vorausbestlm- men läßt, weil man eben die Wechselfälle der Geschichte nicht int voraus kennt, wird den Theoretikern das Kon­zept von vornherein verdorben.

Was dem Herrn Dr. . Tille geschehen ist ober doch über kurz oder lang geschehen wird, das wird auch anderen poli­tischen Theorethikern geschehen, und es ist nicht schade. Tte Welt wird nicht mit mathematischen Formeln regiert, sondern vom Leben, das an die Stelle der Theorie die Praxis setzen Mill.

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Deutsches Reich.

Kiel 27 Juni. Die JachtMeteor" mit dem Kaiser an Bord, ist heute nachmittag nach Beendigung der Wett­fahrt Eckernförde-Kiel im hiesigen Hafen eingetroffen. Kriegsminister v. Einem, der Chef des Geh ZEabrnetts, v Lucanus, der neu ernannte Oberprastdent von Lchleswrg- Lolstein, v. Dewitz, und der neu ernannte Regterungs- präsident in Frankfurt a. d. Oder, o. Vatentini, wurden heute abend auf derHamburg" vom ftatjer empfangen und zur Abendtafel geladen.

Berlin, 27. Juni. Die Niederkunst der Kron­prinzessin dürfte, wie ärztlichersetts aus Potsdam mit- geteilt lvird, Anfang des nächsten Monats erfolgen. Die Kronprinzessin, die sich vor 14 Tagen erkaltet hatte, erfreut sich des besten Wohlseins.

Webel nimmt imVorwärts" zur Frage des Massenstreiks das Wort in einer Erklärung, in der es heißt:

Ich habe nicht das Recht, mich über unsere Ver­handlungen mit der Generalkommission, die streng ver­traulich waren, .auszulassen. Der Zweck derselben, für den Fall eines Massenstreiks inbezug auf die innezuhaltende Taktik zwischen der sozialdemokratischen Partei und dem Zentralverbande der Gewerkschaften die nötigen Grund­lagen zu einer Verständigung zu schaffen, wurde erreicht. Freund und Feind mögen sich getrosten, daß der Partei­vorstand einschließlich meiner"Person weiß, was ge­gebenenfalls die Situation ihm zu tun gebietet."

Tie re ich s l än d i s ch e R ai s s e i, e n Organi­sation befindet sich in Bedrängnis, da kürzlich nicht nur die Getreideverwertungsgenossenschaftver­krachte, sondern auch mit Sanierungsversuchen an die W i n z e r g e n o s s e n s ch a s t h.'rangegangen werden mußte. Nach Verlust von 73 000 M ar t beschloß nun­mehr auch die Hopfenverwcrtungsgcnossen- schaft die Liquidation.

Der Bundesrat hat in der Ausführung der am 1. Juli in Kraft tretenden gcs.glichen Vorschriften über die Pe­st e u e r u n g der Ertaubniskarten für Kraftfahrzeuge bestimmt, daß die Anmeldung der Kraftfahrzeuge, welche sich bis züm 1. Juli 1906 in Gebrauch befinden und die Lösung der Erlaubniskarten für diese Fahrzeuge bereits ab 26. Juni bei den zuständigen Steuerstellen erfolgen kann.

Der Bundesrat hat ferner die Uebergangdabgabe für das in die norddeutsche Brausteuergemeinschaft aus Bayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen eingeführte Bier mit Wirkung vom 1. Juli 1906 ab vor­läufig auf 2,t.j Mk. für den Hektoliter festgesetzt. Bei dieser Regelung können auch die Uebergangssteuersätze der süddeutschen Staaten in ihrer bisherigen Höhe einstweilen bestehen bleiben. Diese Art der Ordnung der Angelegen­heit wurde gewählt, weil die von den Vertretern der ver­bündeten Regierungen im Reichstage zugesagte Regelung der Hebergang^fteucrfrage für sämtliche Bransteuergebicte auf einheitlicher Grundlage in der kurzen Zeit bis zu dem Inkrafttreten des Brausteuergesetzes nicht ausführbar war. Ter Bundesrat hat jedoch gleichzeitig eine ans Vertretern der norddeutschen Brausteuergemeinschaft und der süddeut­schen Brausteuergebiete gleichmäßig zusammengesetzte Kom­mission eingesetzt, lvelche die.Frage der künftigen Gkftattung der Uebergangsstcuer alsbald prüfen und dem Bundesrate entsprechende Vorschläge unterbreiten soll.

Altena, 27. Juni. Reichstagsersatz wähl im Wahlkreise Altena-Iserlohn- Bis jetzt wurden gezählt für: Haarmann (ntl.) 5641, Müller (fr. Vg.) 7122, Klocke (Ztr.) -5272, Haberland (Soz.) 9 936, Russer (Ehr.-soz.) 1500St. Stichwahl zwischen Haberland und Müller ist ziemlich sicher Tie Möglichkeit, daß nicht Müller, sondern der ZentrumS- tandidat in die Stichwahl kommt, ist nach den letzten ein­gehenden Resultaten nicht ausgeschlossen. (ES handelt sich in Altena-Iserlohn um die Ersatzwahl für den ver­de r st o r b e n e n Ab g. Len z m a nn , der bei der Haupt­wahl 1903 7737 Stimmen aus sich bereinigte, während auf den Sozialdemokraten 10146 und d«i Nationalliberalen 7440 Stimmen entfielen. Für Nölle (Ztr.) wurden damals 6604 und für Behrens (Ehr.-soz.) 1457 Stimmen abgegeben. In der Stichwahl siegte Lenzmann mit 19171 Stimmen gegen Gewehr (Soz.), auf den 10 029 Stimmen entfielen.)

Stuttgart, 27. Juni. In der Kammer der Ab­geordneter: wurde heute die Frage der Erhöhung der Po r t o s ä tze für den Orts- unb Nachbarortsverkehr in längerer Debatte verhandelt und schließlich zur eingehen­den Prüfung an die Steuerkommission verwiesen. Von. feiten der Regierung wurde habet betont, daß Württemberg in dieser Frage auf die Dauer nicht isoliert bleiben könne. Vorläufig werde man jedoch die Erfahrungen der Reichspost­verwaltung abtoarten müssen.

München, 27. Juni. Die Kantmer der Reichsräte verhandelte heute über die Regierungsforderung betreffend den Grunderwerb zur Einrichtung eines Umschlag- ha f erts in Asch af feitb ur g. Prinz Ludwig führte aus, er teile nicht die Befürchtungen, daß die Land­wirte von der Mainkanalisierung Nachteile haben würden. Die Sozialdemokraten Härten in der Kärn­tner der Abgeordneten der Vorlage wegen der Schiff­fahrtsabgaben nicht beitreten wollen. Schiffahrts­abgaben auf offenen Flüssen seien auch ihm nicht sym­pathisch, nachdem es große Mühe gekostet hätte, die früher bestehenden zu beseitigen. Die Kanalisation sei auch nicht in erster Linie für die Schiffahr', sondern zum Schutze der Uferbewohner durchgeffihrt worden. Tie Weiterführung der Kanalisation bis Aschaffenburg sei wünschenswert, auch die Schiffahrtsabgaben .wenn sie nur nicht gar zu hoch seien. Es wäre ihm zwar Lieber, wenn gar feine Schiffahrtsabgaben erhoben würden. Es handle sich hier aber um das große preußische Kanalprojekt, zu dessen Durchführung eine Milderung der Reichsverfassung und der internationalen Verträge notwendig sei. Redner empfiehlt die Annahme der Vorlage, die darauf auch cuiftimmig erfolgt. Es gelangte weiter zur Erörterung die Frage der B e rech ti g n n g d e r O b er r e a ls ch ule n. Universitäts­professor v. Bechmann sprach sich gegen die Zulassung der Zlbiturienlen der Lberrealschulen zum juristischen Studium aus. Oberkonsistorialpräsid'ent v. Schneider schloß sich der Auffassung des Vorredner? an. Ter Errichtung von £ber» realschulen wird zugestimmt.

Airche rind Schule.

Remscheid, 27. Juni. Die heutige Pfarrwahl ergab die abermalige Wahl des Lic. Römer mit 67 gegen 5 Stimmen. 14 Repräsentanten fehlten.

politische Lagesschau.

Heber die Zusammenkunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm wird uns aus Berlin von einer Seite geschrieben, deren vor­zügliche Verbindungen außer Frage steht:

In der Privalkorresponoenz zwischen Kaiser und Zar ist tat­sächlich von beiden Seilen der Wunsch zum Ausdruck flclaiifli, in absehbarer Zeit ein Z u s a in in c n t r c s s e n zu er­möglichen. Ort und Zeil stehen allerdings noch nicht sest. Man haue ursprünglich als Ort Darmstadt bestimmt, aber dann Hal man wieder an das Wasser gewollt.

Was die Interessen des deutschen Volkes an dieser Zusammen­kunft betrifft, so ist nachdrücklich scstzustellen, daß bei der vorigen, Begegnung Kaiser W11 h e l in dem Zaren eindringlichst zu iv e i l g e h e n d e n Konzessionen an das russische Volt geraten hat; mit dem Hinweis, daß die Zeiten auto- kratischcr Herrschast vorüber und die Völker, auch das russische, reif genug seien, an der Regierung mitzuivirken und damit ihr Schicksal selbst 511 bestimmen. Bekanntlich sind die blutigen Vor­gänge, die Schwierigkeiten der Abänderung der Staatssorm und die damit verbundenen Verzögerungen von den deutschfeindlichen russischen Eleinenlen dem Einflüsse Kaiser Wilhelms zugejchoben worden. Wenn der deutsche Kaiser, ohne seinen Rat 011(311- drängen, abermals Gelegenheit haben sollte, seine Meinung zu äußern, so ist unzweiielhasl damit zu rechnen, daß sie im Sinne liberalen Fortschritts aussallen wird. Gewiße russische Hoskreise suchen jcyt schon die Begegnung zu hintertreiben. Tas darf als gutes Zeichen für Kaiser Wilhelms Meinungsäußerungen aufgefaßt werden. Denn diese Kreise fürchten sehr, der Zar werde auf diese Weise ausgeklärt »verden, wem die jüngsten blutigen Vorgänge zu danken sind. Diese Besürchtungeil dürsten freilich nicht mibegrüiidet sein.

Es will uns scheinen, daß unser Herr Mitarbeiter dies- mal wieder allzusehr seiner Phantasie' die Zügel hat schießen laßen. Woher wohl will er Kenntnis haben von der Privat - korrespondenz der beiden Kaiser, und wie soll er zu der Kenntnis gelangt sein dessen, was Kaiser Wilhelm dem Zaren geraten* haben soll!!

Der angekündigle Besuch von 600 Franzosen in Herne stellt sich, nach einer Darstellung derRhein.-Wests. Ztg.*, als ein aus nicht recht verständlichen Motiven unternommener, durchaus privater Versuch desHopfenhändlerS Theodor Weil aus Speyer heraus, der in Herne eine deutsch-franzö­sische Annäherung herbeizuführen sucht. Weil lud die Fran­zosen ein ohne Zustimmung der Stadt und trotz AbratenS des Bürgermeisters. 9(uf die französische Anregung, die Ein­ladung offiziell ergehen 311 lassen, antwortete die Bergwerks­gesellschaftHiberuia" und der Erste Bürgermeister, daß Weil keine Vollmacht zur Einladung gehabt habe. Der Bürger­meister erklärte nunmehr, daß, wenn der Besuch der Franzosen dennoch stattfinde, die einladenden Bürger die Folgen ihrer Handlungsweise selbst übernehmen möchten; aus dem Fern­bleiben der städtischen Behörden dürfe keine Unfreundlichkeit hergeleitet werden, die den liebenswürdigen Vertretern des großen Nachbarvolkes gegenüber durchaus fernliegen.

Trotzdem wird aber wohl der Besuch der französischen Berg­leute stattfinden und zwar im August. Nach der ablehnenden Haltung des Magistrats hat sich ein Bürger-Komitee ge­bildet, das die Arrangements in die Hand nehmen will. Weil fühlt sich durch die Darstellung des Herner Bürger­meisters beleidigt und will Klage erheben.

Heber den Dreibund

hat sich vor der ungarischen Delegation der Reichs- Finanzminister Frhr. v. B uria n ausgesprochen.

Wenn auch die Diskussion über den Dreibund keine allzu erfreuliche war, könnte man, so führte er aus, doch kon­statieren, daß daS Bündnis als Basis unserer Politik in der Delegation nicht mehr angegriffen wurde. Möglich, daß die Zeit für die Lobpreisung dieses Vertrages bereits vorbei ist, doch ist dies ein solches Ding wie mit der Ehe. Wenn die Flitterwochen vorbei sind, so wird der auf wahre Neigung gegründete Bund dennoch auch ferner stark und dauernd bleiben. Die wahre Bedeutung deS Dreibundes besteht auch heute wie von Anfang an darin, daß er die Monarchie sichert. Ta der Kern des Dreibundes in dieser Versicherung besteht, kann man nicht verlangen, daß auch die Förderung komuierzieller oder sonstiger volkswirtschaftlicher Vorteile in diesen JnteressenkreiS einbezogen wird. Nicht nur, daß dies nicht ausbedungen ist, im Gegenteil, jedes Mitglied des Bündnisses hat sich volle Freiheit für seine volkswirt­schaftlichen und Exportbestrebungen Vorbehalten. Diese Frei­heit besteht nicht nur für Deutschland, sondern auch für uns, und, wenn vielleicht, was für uns nicht erfreulich sein kann, gegenwärtig die deutschen Handelsbestrebungen ein gewisses Uebergewicht erlangt haben, kann man hieraus keinen Vor­wurf machen. Auch kann der Minister nicht den Vorwurf annehmen, daß die Prämisien des Bündnisses nicht mehr bestehen. Seiner Ueberzeugung nach bestehen diese Prämissen auch heute noch, wenn für den einen oder für den anderen Teil die Grundgefahren auch nicht so nahe stehen wie da­mals. Wenn nun der eine ober der andere Delegierte sich gegen irgend ein Mitglied des Bündnisses feindlich geäußert habe, so kann dies nur ein weiterer Grund sein, auch ferner­hin in dem Bündnis zu verharren. Wenn ich auf jemand einen Verdacht habe, so ist es doch zweckmäßiger, wenn ich mit dem Verdächtigen unter einem Zeltdache verbleibe, (große Heiterkeit) damit ich sehen kann, was er tut. In schweren Augenblicken ist es dann auch leichter, Mißverständ­nisse zu zerstreuen. (Bewegung.) Die Delegierten haben