Ausgabe 
25.5.1906 Zweites Blatt
 
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Aus Sta-L und Land.

Gießen, den 25. Mai 1906.

* KreiZoeterinärrat Schmidt f. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag starb der in weiteren Kreisen bestens bekannte Vorstand des Großh. Kreisvcterinäramts Gießen, Veterinärrat Christian Schmidt. Der Verstorbene hatte hier im Jahre 1879 seine Staatsprüfung gemacht und wurde 1886 zum Kreisveterinärarzt ernannt. Am 12. Dez. 1900 kam er als solcher nach Gießen, nachdem er vorher in Nidda tätig gewesen war. Am 5. März 1901 wurde ihm von unserer Landcsuniversität mit Genehmigung S. K. H. des Großherzogs ein Lehrauftrag für Vcterinärpolizei erteilt. Außerdem war er noch als Vorstand der Hufbefchlagschule und der Körkommission tätig. Seine ersprießliche amtliche Wirksamkeit wurde gelegentlich des letzten Geburtstages des Landesherrn durch seine Ernennung zum Veterinärrat an­erkannt. Namentlich in landwirtschaftlichen Kreisen, für deren Interessen er allezeit eintrat, besaß der allzu früh verstorbene pflichteifrige und gewissenhafte Beamte große Sympathien, und ein ehrendes Andenken ist ihm bei allen, die ihn kannten, sicher.

Erledigt ist die Kanzleiwärtcrstelle bei der II. Justifikatur-Abteilung der Ob errcchnungska m ni er.

Hessen - Nassauische Baugewerksberufs­genossenschaft. Sonntag, 27. d. Mts., nachm. 3 Uhr, findet imNeuen Saalbau" hier die ordentliche Sektions­versammlung der Sektion Gießen der Hess.-Nass. Baugewerks-Berufsgenossenschaft statt.

Der Athleten - Klub Einigkeit hält nm Sonntag ein großes Sommerfest, verbunden mit Ehrcn- preisstemmen, Ringen und Steinstoßen in den schönen An­lagen der Pulvermühle ab.

* * Oberhessischer Obstbauverein. Am Sonntag, 27. Mai, nachm. 3V2 Uhr, wird im Gasthaus 5uni Solmser Hof in Hungen die Hauptversammlung des Oberh. Obstbauvereins abgehalten, in der Direktor Dr. v. Beter den Jahresbericht erstattet und über die Preisbewerbung der Baumwärter berichtet, Dr. Hoffmann über die Bedeutung des Waffcrs für das Leben des Obstbaumes und Obstbautechniker Wiesner über den Obstbau nach vollzogener Fcldbereinigung sprechen werden. Die Interessenten werden auf diese Ver­sammlung hingewicsen.

* Verhaftet wurde gestern hier ein von der Königl. Staatsanwaltschaft Berlin wegen Hehlerei steckbrieflich ver­folgter Hausbursche aus Alt-Reetz.

** Dieb stahl. Einem hiesigen Kaufmann wurde heute morgen aus der Ladenkasse ein Betrag von 15 Mk. gestohlen. Verdächtigt wird eine unbekannte alte Frau, welche einen kleinen Einkauf machte, und dabei kurze Zeit allein im Laden war.

? Schotten, 22. Mai. Am 5. Juni (3. Pfingst- feiertag) findet unser vielbesuchter Prämiierungsmarkt statt. Zur Verteilung kommen an Geldpräinien 325 Mk. für Vieh der Vogelsberger und Simmentaler Rasse nebst Ziegen. Der Nachmittag ist dem Tanz und sonstigen Lust­barkeiten gewidmet.

X Kirt orf (Oberhesscn), 24. Mai. In unserem Städtchen herrschte heute ein reges Treiben, aus allen Orten der Umgegend Alsfeld, Romrod, Leusel, Ober-Gleen, Arns- heim, Zell u. a. nt. waren zu Fuß und per Leiterwagen zahlreiche Leute eingetroffen, um an dem evangelischen Volksfest auf der Aue teilzunehmen. Außer dem Fest­redner, Pfarrer Hüttenrauch-Halle, sprachen noch mehrere Geistliche der Umgegend. Sehr verschönert wurde die Feier durch die Anwesenheit eines Posaunenchors und die Gesangs­vorträge der Kirchenchöre und Gesang-Vereine aus obigen Orten.

Mademühlen, 22. Mai. Der Steinarbeitcr Will). Gräb von hier fand beim Steinbrechen in einer alten eisernen Büchse eine Anzahl Münzen mit den Jahreszahlen 1530 bis 1 580 und zwar sechs Stücke in der Größe unserer heutigen Fünfmarkstücke, fünf kleinere unseren heutigen Zwei- und Einmarkstücken entsprechend, sowie eine Menge Scheidemünzen. Die Münzen, besonders die größten, sind sehr gut erhalten. Sie wurden jedenfalls von einem Be­wohner des in der Nähe der Fundstelle einst vorhandenen Dorfes Kindschue (Königsschuh), das wahrscheinlich in den Stürmen des dreißigjährigen Krieges verschwunden ist, ver­graben. Drei der großen Silbermünzen tragen auf einer Seite das Bildnis des mit dem Drachen kämpfenden Ritter Georg. Eine ziert das Brustbild eines geharnischten Ritters, während wieder eine andere mit dem Brustbilde eines bar­häuptigen Ritters samt Edelknaben geschmückt ist.

Aus dem Kreise Wetzlar, 24. Mai. Bei dem heutigen herrlichen Himmelfahrtswetter fanden in unserem Kreise verschiedene christliche Waldfeste statt. Besonders stark besucht waren das Waldfest auf der Lützellindener Holz­burg und das Fest unter derdicken Eiche" im Waldgirmeser Walde.

fc. Weilburg (Lahn), 24. Mai. Die Räumlichkeiten in der Kaserne für die U ntero ffiz ie rv or schn le sind unzulänglich und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. DaS Kriegsministerium hat deshalb die Stadtverwaltung ersucht, daß sie die jetzige Kaserne vom Militärfiskus erwirbt und das Gelände für ein neuzuerrich­tendes Kasernement ohne Entgelt zur Verfügung stellt. Die neue Kaserne will die Militärverwaltung bauen. Sollte die städtische Verwaltung sich ablehnend verhalten, so wird die Nnterofsiziervorschule an einen anderen Ort verlegt. Magistrat und Stadtverordnete müssen sich bis zum 15. Juni darüber entscheiden.

Millionär" Pinkus vor Gericht.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.)

S. u. H. Frankfurt a. M., 23. Mai.

Peter Pinkus, 23 Jahre alt, Buchhalter mit 2000 Mk. Jahresgehalt, hat sich heute vor der Strafkammer wegen Unter­schlagung und Urkundenfälschung zu verantworten. Die Verhand­lung bildet den tragikomischen Mschluß eines Romans, in dem Peter Pinkus und eine Frankfurter Halbweltdame, die Brillantenkönigin, die Hauptrolle spielten, und der sensationeller und phantastischer von den kühnstenSchriftstellern" nicht aus- gedacht werden kann. Was Pinkus in kurzer Zeit geleistet hat. Übersteigt wirklich alles bisher Dagewesene. Es ist nicht zu glauben, wie es dieser Mensch fertig gebracht hat, sich und die Welt zu täuschen. Bei Altheimcr, Speyer u. Co. vom Lehrling zum Kassierer avanciert, lebte er bis vor kurzem in bescheidenen Verhältnissen. .Er war als' fleißig, bescheiden und zuverlässig I

bekannt. Niemand hätte sich in Franffurt um dieses Pflänzchen gekümmert, wenn sich nicht plötzlich die Mär in der Stadt ver­breitet hätte, Pinkus hätte mit einem Freund in Paris in Kupfer spekuliert und dabei in wenigen Tagen über 2 Millionen ge­wonnen. Ktzin Mensch kam auf den Gedanken, daß das Geld, mit dem Pinkus spekuliert haben wollte, aus unlauterer Quelle stammen könnte, zumal der Vater auf die Seite seines Sohnes trat und Pinkus' wiederholt versicherte, er habe klein angefangen und sei dann immer wagehalsiger geworden. Ms diese Gerüchte auch den Chefs des jungen Mannes zu Ohren kamen, fragten sic ihn,- ob es richtig sei, was die Stadt erzähle und als er es bestätigte, beglückwünschten und entließen sie ihn, weil sie es mit den Geschästsprinzipicn nicht für vereinbar hielten, wenn ein Angestellter in so wüster Weise spekuliere. Pinkus nalM die Kündigung an, bat aber bis zum Quartalsschluß bleiben zu dürfen, damit es nicht aussehe, als sei er aus dem Hause gejagt. Die Chefs willfahrten dem Wunsckre, ließen aber, wohl doch etwas mißtrauisch geworden, eine gründliche Revision der Bücher- vornehmen. Und da ergab sich, daß der reiche junge Mann Unterschlagungen in Höhe von 200 000 Mark und zahlreiche Ur­kundenfälschungen dadurch begangen hatte, daß er die Namen seiner Chefs auf den Cheks fälschte und die Beträge auf der Rcichsbank abhob. Wer glaubt, daß diese Entdeckung denMillio­när" auS der Ruhe gebracht hätte, irrt. Er leugnete seinen Chefs gegenüber nicht und versprach sofort volle Deckung für das fehlende Geld zu schaffen. Und das gelang ihm beinahe! Er gab seinen Barbestand heraus, zedierte ein sehr bedeutendes Guthaben, das ihm durch Spekulationsgeschäft'' bei einer Gruppe Pariser Geldleure zur Verfügung stand in Höh? von 20 000 Fr., nahm seiner Brillantenkönigin einen Chek in Höhe von 10 000 Mark ab, den er ihr verehrt hatte, ja er nötigte ihr die Brillanten ab und suchte sonst noch zusammen, was zu be-- kommen war. Aber es fehlten immer noch 65000 Mark. Da entschloß sich Peter Pinkus zu einem Letzten. Mit einem Berliner Börsenmann hatte er ein Geschäft entriert, das günstig aus­zugehen schien. Von diesem Geschäft zedierte er die fehlenden 65 000 Mark an seine Chefs. Die letzte Sache batte jedoch einen Haken. Der Berliner Börsenmann httte nämlich an die Cession die Bedingung geknüpft, daß sein Name in der ganzen Affäre nicht genannt werden dürfe. Ob sich das wird durchführen lassen, wird die Zukunft lehren. Zunächst wurde Pinkus verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Von der Höhe seines Triumphes war der jähe Absturz erfolgt und der Mann, der gestern noch bei seiner Geliebten weilen konnte, der er eine Wohnungseinrichtung für 20 000 Mark, 2 Automobile und eine fürstliche Garderobe gekauft hatte, der ein Grundstücksgeschäft, das ihm 20 000 Mk. eingebracht hätte, abgelehnt hatte, weil er mit solchen Kleinigkeiten sich nicht abgebe, der Aussicht hatte, einen ruh'. Orden zu bekommen und dessen Millionenoperationcn ihn mit dem Finanzminister von Venezuela und dem Präsidenten Castro in Verbindung gebracht hatten, saß in Hast und konnte sich ein ihm gestattetes 60 Pfg.-Mittagessen leisten, lieber fein Vermögen wurde der Kvnkurs verhängt und das Schicksal feiner Gläubiger hängt davon ab. ob der Berliner die 65 000 Mark herauÄückt und die von Pinkus feinen früheren Chefs zur Deckung über­gebenen 218000 Mk. nicht auch mit zur Masse geworfen werden. Es dreht sich darum, ob die Firma sich mit der Beanspruchung dieses Geldes nicht der Schädigung der anderen Gläubiger schuldig gemacht hat.

Der Angeklagte gesteht seine Verfehlungen zu. In Zwischenräumen von fünf Tagen bis zu vier Wochen füllte er 11 Schecks auf die Reichsbank mit Beträgen von 10 000 bis 40 000 Mark ans und setzte schließlich die Unterschrift eines Proku­risten unter den Prokurasteinpel seiner Firma. Die Reichsbank zahlte anstandslos die Summen aus. Um die Geldentnahine zu verdecken, fälschte Pinkus das Hauptbuch, indem er den auf der Habenseite stehenden Ziffern nod> eine Zahl vorletzte und zum Beispiel aus 100 Mark 1100 Mark machte. Der Vater bekundete, daß fein Sohn verschiedentlich krankhafte Zustände gehabt habe, die auf Größenwahn hindeuten. So habe er ge­äußert, daß sich sein Vermögen auf mehrere Millionen beziffere, daß er für Anleihen, die er für den Zaren zu vermitteln habe, einen Orden erhalten werde nsw. Direktor Milch ist der Mein­ung, daß dem Pinkus die Spekulationen zu Kopf gestiegen seien. Er habe einen unsteten Eindruck gemacht und behauvtet, daß er Millionen auf der Bank habe. Kvnkursverwalter Dr. Lion bekundet, daß, wenn Pinkus bis zum 31. März ordnungsmäßig hätte liauibiercn können, für ihn ein Ueberschuß von 60 000 bis 70 000 Mark sich ergeben haben würde: wegen der schleunigen Liauidation sei dos' nicht möglich gewesen. Nach dem Gutachten des Gerichtsarztes Dr. Roth und des Nervenarztes Dr. L aa u cr ist Pinkus geistig normal. Der Staatsanwalt Dr. Bluhme beantragt unter Zubilligung mildernder Umstände -wei Jahre Gefängnis. Die Verteidiger. Richard Bruck und Dr. Wurzmann, treten für Milderung der Strafe ein, weil Pinkus mit seinem Geld nicht verschwunden fei, sondern, fick bemüht habe, seinen Verpflickcknngen nachzukommen. Das' Gericht verurteilte, Pinkus wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruas zu zwei Jah­ren Zuchthaus' und zehn Jahren Ehrverlust. Bei der Strasabmessung waren mildernde Umstände zu verweigern, weil Pinkus aus verwerflichen Motiven handelte, weil er das Vertrauen seines Chefs gröblich mißbrauchte, ans großer Geld­gier handelte und über das Vermögen seiner Firma in einer Weise verfügte, die sehr unangenehm für sie ausfallen konnte.

Ober-Kriegsgericht des 18. Armee-Korps.

)( Gießen, 25. Mai.

Am Dienstag verhandelte das Ober-K'rieasgericht in der Zeughaus-Kaserne gegen den Musketier Wild. Böcker von der 11. Kompagnie des 116. Jnf.-Regts. wegen Unterschlagung und Betrugs. Der Gerichtshof mar zusammengesetzt aus Ober- Kriegsgerichtsrat Kail, als Perhandliingsleiter, Kriegsgericktsrat Cellarius, Bezirks-Kommandeur Oberstleutnant v. Mosch, Major v. Dewitz, Major Heuer, Hauptmann Giese und Oberleutnant Sckwendv. Die Anklage vertrat Oberkriegsgericktsrat Bergmann, während Recktsanwalt Mendelsohn den Angeklagten verteidigte. DaS Kriegsgericht hatte den Angeklagten menen Unterschlag­ung su 3 Wochen strengen Arrest verurteilt, ihn dagegen von der Anklage des Betrugs freigesprochen. Der Gerichts­herr hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt und zwar wegen des ergangenen Freispruches und weil der Gerichtshof wegen der begangenen Unterschlagung nicht die Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes ausgesprochen hatte. Der An­geklagte bestreitet auf das bestimmteste, sich überhaupt einer strafbaren Handlung schuldig gemacht zu haben, und erklärte, in seinem Zivilverhältnis nickt bestraft zu fein. Die Beweisaufnahme ergibt das Folgende: Wahrend ein Einjähriger der 116 er eine Arreststrafe zu verbüßen hatte, kam ein Soldat in dessen Wohnung, wandte sich an das Diensttnädchen der Wirtin und erklärte, der Einjährige wolle sich einen guten Tag machen, er sei von ihm in die Wohnung geschickt worden, nm 15 Mark zu holen. Die Magd gab dem Mann auch das Geld. Es stellte sich später heraus, daß die Sache Schwindel war. Der Verdacht fiel sofort auf Böcher, der die örtlichen Verhältnisse in der Wohnung konnte, weil er einige Monate vor Verübung der Tat Putzer bei dem Einjährigen war. Das Dienstmädchen Irt vor dem Kriegsgericht den Angeklagten bestimmt als den Mann regoknosziert. der den Schwindel ausgeübt hat und bleibt auch vor dem Ober­kriegsgericht bei dieser Erklärung, allerdings soll nach des Mädchens Erklärung der betreffende Soldat mit dem Waffenrock bekleidet gewesen sein, während u. a. Kaufmann Hengst erklärt, daß der Angeklagte fast um die gleiche Zeit, mittags zwischen 2*/? und 3 Ubr mit einer Litewke bekleidet in seinem Laden ge­wesen sei. Ein Kamerad bestätigt weiter, daß Böcker an dem betreffenden Tage nach dem Mittagessen ihm in der Kaserne begegnet ist, ohne einen Waffenrock angehabt zu haben und ihm gesagt habe, er sei bei Hengst gewesen. Das Oberkriegsgericht glaubte den Angaben der Belastungszeugin imb erkannte gegen den Angeklagten, unter Einbeziehung der wegen Unterschlagung ausgesprockeneri dreiwöchentlichen Arreststrafe auf eine 0>esamt- strafe von 2 M 0 n a t c 11 Gefängnis und versetzte den Mann wegen des Betrugsfalles in,ote 2. Klasse des Soldatenstandcs.

Aer 80. Keburtsiag von Ar. Jerd.'tz.

Wie in ganz Deutschland, wurde auch bei uns der 80jährige Geburtstag des verdienstvollen Vorsitzenden der deutschen Turnerschaft in würdiger Weise gefeiert, und zwar durch eine gemeinsame Feier auf dem Gleiberg. Man be­richtet uns darüber:

Am Himmelfahrttage nachmittags fanden sich zirka 400 Turner vom 2. Bezirk des Gaues Hessen auf der Burg Gleiberg ein, um den 80jährigen Geburtstag des Veteranen der Deutschen Turnerschast, Dr. Ferd. Götz in Leipzig-Lindenau, zu feiern. Nach dem gemeinschaftlichen GesangO Deutsch­land hoch in Ehren" rc. eröffnete Gauturnwart Will, in Verhinderung der beiden Gauausschuß-Vorsitzenden, die Feier, indem er in längerer, ausführlicher Weise die Verdienste des. Geburtstagskindes, sowie die Bestrebungen der Deutschen Turnerschaft hervorhob. Er schloß seine Rede mit einem kräftigenGut Heil" auf Dr. Götz.

Nach dem Absingen des LiedesEin Ruf ist erklungen durch Berg und durch Tal" rc. wurde nach einstimmiger Genehmigung der anwesenden Turner folgendes Telegramm an den Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft abgesandt:

Die aut der Burg Gleiberg bei Gießen Derfammetten Turner des Gaues Hessen senden bem allverebrten Vorsitzenden der Deutschen Turnerschast, dem rastlosen Förderer deutschen Turnens und deutscher Einheit zum 80. Geburtstage die herzlichsten Gluck- und Segens- tvünscke. Möge es der deutschen Turnerschast vergönnt sein. Sie noch lange an der Spitze in ungetrübter körverlichen und geistigen Frische zu sehen. Dem Turnveteran ein kräftigesGut Heil!"

I. A.: Will, Gauturnwart.

Nachdem der 1. Sprecher des Turnvereins Gießen, Herr 2. Althosf, der Verdienste des Turnveteranett gedachte und Turner Gerlach-Wetzlar verschiedene heilere Anekdoten, welche sich bei Anwesenheit des Dr. Götz auf Turnfesten ab* spielten zur Kenntni s der anwesenden Turner gebracht hatte, schloß Gautttrnwart Will, indem er nochmals auf den Zweck und die Ziele der Deutschen Turnerschaft hinwies, mit einem kräftigenGut Heil" die offizielle Feier.

Die Fidclitas hielt die anwesenden Turner noch längere Zeit gemütlich beisammen.

Leipzig, 24. Mai. Zu. Ehren des Vorsitzenden, der deutschen Turner schäft, Dr. Goetz, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, versammelten sich gestern abend im Festraum des Leipziger Zentraltheaters eine größere Anzahl Leipziger Turner, zu dem sich ein Teil der Mitglieder des Ausschusses der deutschen Turnerschaft, sowie viele Vertreter auswärtiger Turnvereine gesellten, zu einem F e st k 0 m m e r s , der sich zu einer großartigen Kundgebung gestaltete.. Der stellvertretende Vorsitzende, Professor 5) ahn-Hamburg, hielt die Festrede, in toelcher er dem Dank der deutschen Turnerschaft beredten Ausdruck gab. Professor R u e h l-Stettin verlas alsdann den Wort­laut einer künstlerisch ausgestatteten Glückwnnschadresse, worauf Dr. Goetz für die zahlreichen Ehrungen, die ihm zuteil geworden waren, seinen Dank aussprach. Heute vormittag fand im Hause der Familie Goetz eine Feier statt. Nachdem die Familie und die Freunde des Hauses ihre Glückwünsche dargebracht hatten, versammelten sich um 11 Uhr die Ausschußmitglieder der deutschen Turnerschaft und die Abgeordneten der Gaue und Vereine. Im Nanten des' Ausschusses übermittelte der Schatzmeister der deutschen Turnerschaft, Kanzleircrt Atz r o t t-Berlin, Dr. Goetz die Wünsche der deutschen Turnerschast. Er teilte dem Geburtstagskinde mit, daß die Turnerschast eine Samm­lung von 18 000 Mk. zusammengebracht habe als Grundstock zu einerDr. Ferdinand Goetz-Stiftung", deren Zweck der Gefeierte bestimmen möge. Außerdem über­mittelte der Redne^ im Auftrage des preußischen Kultus­ministers den von S. M. dem Kaiser dem Jubilar wegen seiner großen Verdienste um das deutsche Turnwesen ver­liehenen Kronenorden 3. Klasse, wofür der Gefeierte stinen herzlichsten Dank aussprach. Am Nachmittag fand im HotelPalmbaum" ein Festessen im kleinen Kreise statt, wobei Professor Ru eckl-Stettin auf Dr. Goetz einen Trinkspruch ausbrachte.

* Kleine Tageschronik. Aus dem r he rutschen Industriegebiet tvnrden sechs Nenerkrankungen an Ge­nickstarre gemeldet. In Raurel erkrankte ein 20 jäh-rigeS Dienstmädchen, in Marten zwei Kinder eines Bergmannes und in Annen ebenfalls zwei Kinder, von beneit eins starb. In Kaserial brach Gr 0 ßfeuer aus. Die Preßyeftnfabrik von Gebrüder Sinner siebt in Flammen. Vier Feuerwehren mären am Platz, um den Brand auf seinen Herd zu beschranken. Ein Wirbelsturm ricktete gestern auf dem nördlichen Teil der Insel Mallorch (Balearen) großen Schaden an. In der Georgen grübe der Sosnoviee Aktien-Gesellsckaft Jit Niffka an der russisch-preußischen Grenze ereignete sich eine. G a s e x plvii 0 n , durch tvelche 19 Arbeiter schwer Verletzt wurden, von denen einer inzwischen gestorben ist. Unbekannte Täter versuchten durch Zerstörung der kleinen Bahnbrücken auf der Strecke Budapeft-Klansenburg einen Schnellzug zur Entgleisung zu bringen. Dank der Aufmerksamkeit des Bahn­wärters gelang es, den Zug noch rechtzeitig zum Halten zu bringen. Bei einem in der Nacht im Bolkssckulgebäude in Lätze n aiisgebrockmett Brande ist der Le hr e r M r ö tz e k mtt seiner ISiäbriofn T achter verbrannt.

Teliefiomscihe ^umsbeipichte

des Giessener Anzeigers, mitge und Industr Frankfurter R<i 3>$e/0 Reichsanleihe . . 100.10

3% do. . 88.05

3^°/0 Konsols . . 100.00

3% do. .... 8805 3^% Hessen 99.20 3%°/n Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 100.55 4t/s% Oesterr. Silberrente 101.70 4% TJmrar. Goldrente . . 96.60 4% Italien. Rente . . . 105.40 3% Portugiesen Serie I . 69.40 3% Portugiesen v III 70.50 4%°/'o rnss.Staatsanl. 1905 91.70 4%°'n Japan. Staatsanleihe 95.25 4 % Conv. Türken von 1903 95.00 Türkenlose 146.20 4% Griech. Monopol-Anl. 54.25 4% äussere Argentinier . 90.70 3°/0 Mexikaner . . . . 69 80 4>$0/0 Chinesen . . . . 97.60

Aktien:

Bochum Guss 253.90 Buderus E. W . . . . 133.40 Tendenz : befestigt.

Berliner Börse,

Canada E: B 159.60 Darmstädter Bank . . . 142.40 Deutsche Bank .... 237.90 Dortmunder-Union C. . . 89.20 Dresdner Bank . . . 160.90 Tendenz: fest.

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

rso. 25. Mai, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . . . 154.80

Elektriz. Schuckert . . .136.25 Eschweiler Bergwerk . . 266.90 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.90 Hamburg-Amerik. Paketf. 163.20 Harpener Bergwerk. . .218 30 Lanrahütte 249.00 Nordd. Lloyd 129.80 Oberschics. Eisen-Industrie 132.25 Berliner Handelsges . . 172.00

Darmstädter Bank . . . 142.30 Deutsche Bank . . . 238.30

Deutsch-Asiat. Bank . . 184.80 Diskonto-Kommandit. . . 186.00 Dresdner Bank . . . 161.00 Kreditaktien 211.50 Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 107.80

Gotthard bahn 108.50

Lombard. Eisenbahn . . 24 60 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.00 Prince-Henri-Eisenbahu . 252.50

!5 Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 218.50 Lanrahütte.

Lombarden E. B. ... 24.70 Nordd. Lloyd. Türkenlose . .... 146.50