156, Jahrgang
Nr. 121 Zweites Blatt
Erscheint mit Auknahme deS Sonntags.
Die „Siebener Zamillendlätter" werden dem ,8nACtget viermal wöchentlich beigdcgL Der Eyesstich« Laidwtrt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Freitag 25. Mai 1906
Rotationsdruck und Verla- der Brühl'ich« UmversitälSdruckerei. 8L Lang«, Gtetz«.
Redaktion. Expedition u. Druckerei: Scbukstr.U, Tel. Nr. 6L Telegr^Sldr.r Anzeiger Ließ-».
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Ziehen.
UM das Zustandekommen großer schwieriger Gesetzentwürfe — es seien aus neuester Zeit die Flottenvorlage und die ReichSsinanzgesetze genannt — werden von niemandem rückhaltloser und freudiger anerkannt, als vom Reichs-- kanzler. Es ist kein Geheimnis, daß Fürst Bülow dieser seiner Dankbarkeit den vielen Parlamentariern gegenüber, die er in letzter Zeit empfing, lebhafte Worte verlieh."
— Die aktive Sch l ach t siko t t e, mit Ausnahme des zweiten Geschwaders, welches nach BrunSbüttel detachiert ist, ist vor Wilhelmshaven ein getroffen und rvird zur Fortsetzung der Hebungen am 28. Mai wieder auslaufen.
— Das preußische Abgeordnetenhaus fehle die zweite Beratung des Sch u lu n t e r ha l tu n as - Gesetzes beim 3. Abschnitt über die konfessionellen Verhält- nissc fort und nahm nach längerer Debatte die §§ 18 bis 23 in der Fassung der Kommission unter Ablehnung der An - träge der Freisinnigen und des Zentrums an. Freitag wird die Beratung fortgesetzt.
Norderney, 24. Mai. Reichskanzler Fürst Bülow und Gemahlin sind heute vormittag zum Sommeransent* halt eiugetroffcn.
Kaiserslautern, 23. Mai. Wie die „Pfälzische Presse" au§ Saargemünd meldet, wurde ein Ar- tillcriedcpotarbeiter in St. Arnold unter der Beschuldigung deS Landesverrats verhaftet.
K a r l s r u h e, 23. Mai. In der 2. Kammer begründete heute der Mgeordnete Kolb den sozialdemokratischen Antrag, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat gegen die vom Reichstage angenommene Fahr- kartenste ucr zu stimmen. Die Abgg. Gießler (Ztr.) und Binz (natl.) verlasen Erklärungen, in denen die Notwendigkeit der Finanzreform betont wurde, die vom Reichstage angenommen worden sei und die, wenn auch unerwünschte, Fahrkartensteuer enthalte. Ihre Parteien seien nicht in der Lage, dem Anträge zuzustimmen. Die Abgeordneten Heimburger (Demokrat) und Frühauf (freis.) erklärten sich für den Antrag, der schließlich gegen 17 Stimmen ab- geie hnt wurde.
Stuttgart, 23. Mai. Die Kammer der Stan-, desherren beschloß heute bei der Beratung der Berfa s s u n g s r e v i s i o n bezüglich der Budgetrechtsfrage entgegen der Auffassung des anderen Hauses einstimmig die Gleichberechtigung beider Kammern bei der Aufnahme von Anlehen und bei Kammergutsveräußerungen, sowie hinsichtlich der Abänderung der gesetzlich festgelegten ©teuex- sähe. Die Regierung erklärte sich zur Vermittlung zwischen beiden Kammern bereit.
München, 23. Mai. Die Kammer der Ab gevrd", ; neten stimmte dem Anträge auf Errichtung von Oberrealschulen, unter Ablehnung deS Antrages - Geiger-Fürth (Lib.) auf die Gleichberechtigung aller neunklassigen Mittelschulen, zu. Abgelehnt wurde auch ein ' Eventualantrag Casselmann (Lib.) auf Zulassung der Real- । gymnasialabsolventen zum juristischen Studium.
Brückenau (Rhön), 24. Mai. Der Staatssekretär des Reichsschatzamts v. Stengel trifft mit Familie morgen : zum Kurgebrauch hier ein.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Mai. Tie „Nordd. A5lg. Ztg." bringt folgende Mitteilung der „Süddeutschen Reichskorrespond^lz" zum Abdruck: „Tie letzten Jahre brachten uns wiederholt die erfreuliche Wahrnehmung, daß für die im nationalen Interesse liegende Lösung wichtiger Aufgaben eine geschlossene Mehrheit der Volksvertretung mit den verbündeten Regierungen bereitwilligst zusamLLnwtrkt. Die Verdienste des Reichstage»
Die Unruhen im Orient.
Konstantinopel, 23. Mai. Die Pforte hat in (5 et in je und bei dem hiesigen Geschäftsträger Vorstellungen wegen der letzten Grenzvorfälle erhoben. Die Pforte beschloß die Fortsetzung des Baues von Blockhäusern und wird Redifbataillone erster Klasie zur Unterstützung an Schemji Pascha entsenden, welcher bereits an der Grenze von Najkovac, 12 Kilometer südwestlich von Bjelepelje, steht. Es werden noch zwei Redifbataillone zweiter Klasse mobilisiert.
Eine Depesche an das ockumenische Patriarchat in Grevena meldet, daß der Metropolit-Stellvertreter Archimandrit Athanas verhaltet und nach Monastir geführt wurde und daß die Metropolie infolgedessen gesperrt worden sei. Das Patriarchat ist darüber sehr bestürzt und wird energisch Protest erheben.
Nach Angabe der Pforte ist von der aus etwa 1000 Mann bestehenden griechischen Bande, welche die Kutze- wallchen bei Grevena überfallen hat, bereits ein Teil vernichtet, ein anderer Teil gefangen oder zerstreut worden.
London, 24. Mai. Unterhaus. Im Verlaufe der kurzen Debatte in der gestrigen Abendsitzung über die An- gelegenheiten in Maeedonien zählte Staatssekretär Grei) die bereits dort zur Ausführung.gelangten Reformen auf, fügte aber hinzu, daß noch viel zu tun übrig bleibe. „Wir beabsichtigen, führte der Redner aus, die Politik Lord Lansdownes zu befolgen, wenn wir unö nicht von den anderen Mächten trennen wollen. Einige Machte haben wesentlichere und direktere Interessen als wir. Unsere Politik ist völlig selbstlos. Wenn andere Mächte ängstlich darauf bedacht sind, zu verhüten, daß sie auf eine Lösung der betreffenden Fragen gedrängt werden aus Furcht, ihr Interesse könne dadurch berührt werden, so sind wir verpflichtet, ihren Wünschen einige Rücksicht zu zollen. Wir werden die Politik Lord Lansdownes so eifrig wie möglich im Verein mit den anderen Mächten ausführen.*
einer derartigen unversöhnlichen Haltung der Anhänger der terroristischen Vereinigungen kann die Regierung nicht den friedlichen und wohlgesinnten Teil der Bevölkerung der Gefahr aussetzen, Hann nicht unterlassen, Terroristen und Bombenwerser gerichtlich zu verfolgen, und kann nicht von der gerichtlichen Bestrafung Leute befreien, die Verbrechen begangen haben und noch begehen. Was die Leute betrifft, die auf dem Verwaltungswege verhaftet wurden, so sind viele bereits freigelassen, andere werden nach sorgsamer Prüfung der Gründe, die die Verhaftung herbei- geführt haben, ebenfalls in Freiheit gefetzt werden. Eine vollständige Begnadigung aller Leute, die auf administrcr- tivem Wege verhaftet wurden, könnte eintreten, wenn es möglich würde, den gesetzlichen Kriegszustand und den Zustand deS außerordentlichen verstärkten Schutzes endgiltig abzuschaffen, wenn es ferner möglich wäre, die gerichtlichen Verfolgungen an den Orten auSzuüben, wo die revolutionäre Bewegung sich kundgibt. Die gerichtliche Ahndung ist gegenwärtig an diesen Orten infolge Einschüchterung und sogar Ermordung der vor Gericht geladenen Zeugen unmöglich. So ist der Zustand der Erregung der Geister namentlich in den Grenzgebieten einer Abänderung oder Aufhebung der Ausnahmegesetze keineswegs günstig. Dies ist die Ansicht hinsichtlich dec Unmöglichkeit und Unzweckmäßigkeit voller Amnestie, die diejenigen Schichten der russischen Gesellschaft hegen, die sich nicht von vorgefaßten Meinungen sortreißen lassen und die gegenwärtige Möglichkeit der Dinge in Rußland verständig ins Auge fassen."
Ter Chef des Generalstabes der Marine, Admiral Roschdjestwenskr, ist mit Rücksicht auf feine durch erlittene Verwundungen geschwächte Gesundheit der erbetene Abschied bewilligt worden.
Kiew, 24. Mai. Von der Partei der äußersten Rechten wird eine lebhafte Agitation für die Beibehaltung der Todesstrafe und gegen eine Amnestie betreiben. In dien von ihr veranstalteten Versammlungen wurde die Auflösung der Duma, die Diktatur und Schutz der nationalen Interessen gefordert.
Wahlen als gütig anerkannt. Einzelne Wahlen in den Gouvernements Tambow, Nishnij. Nowgorod und Poltawa sind beanstandet worden. Für das Gouvernement Mohilew werden voraussichtlich die Wahlen für ungiftig erklärt werden, lieber die Wahl des zweiten Dumapräsidenten Gredeseul sind Zweifel entstanden. — Der „Nowoje Wremja" zufolge wird der Ministerpräsident in der für Freitag mittag 12 Uhr anberaumten nächsten Sitzung der Duma in Gegenwart aller Minister die Antwort des Kabinetts auf die Adresse der Duma erteilen.
— Die Petersburger Telegraphenagentur metbet: „Die Frage einer vollständigen politischen Amnestie, die von der Reichsduma aufgeworfen, von ihr in die Antwort auf die am 10. Mai im Winterpalais gehaltene Begrüßungsansprache des Kaisers ausgenommen, und von mef)» reren Organen der mss. Presse unterstützt wurde, ist, soweit entfernt, einem sympatlsischen Echo in allen Schichten der russischen Gesellschaft zu begegnen, daß cs nicht unmöglich ist, daß sich nicht eine starke Strömung gegen eine vollkommene Am n estie in den verschicoenen Bevölkerungsklassen einstellt. Verschiedene und ansehnliche Gruppen der Gesellschaft stellen fest, daß die politischen Morde nicht nachlassen. Der Telegraph bringt nach wie vor täglich aus der Provinz Nachrichten über Anschläge gegen das Leben von Beamten oder deren Ermordung. Angesichts
Ausland.
Stockholm, 23. Mai. Die 1. Kämmer nahvt den Handelsvertrag mit Deutschland mit 101 gegen 34 St. an, die 2. Kämmer mit 126 gegen 84 Stimmen.
London, 24. Mai. Prinzessin Ena von Battenberg ist heute vormittag, vom Publikum lebhaft begrüßt, nach Madrid abgereist. Der König und zahlreiche Mitglieder der königlichen Familie waren zur Verabschiedung auf dem Bahnhof erschienen.
Paris, 24. Mai. Der heute im Elysee abgehaltene Ministerrat setzte die Ausarbeitung des Budgets für 1907 fort. Am Nachmittag traten die Minister zu dem gleichen Zweck abermals zusammen.
— Es ist wahrscheinlich, daß die R e g i e r u n g in der Kämmer eine Erklärung verlesen wird, welche die Politik, die sie cinzuschlagcn gedenkt, kennzeichnet und das Programm der Arbeiten, die sie dem Parlament Vorschlägen wird, enthält. Dem Vernehmen nach bildet die Lrage des Kriegsgerichts den Gegenstand eines bereits fertiggestellten Gesetzentwurfs, der den Kammern alsbald nach ihrem Zusammenttitt wird zugehen können.
Madrid, 24. Mai. Ter König ist heute nachmittag um 2 Uhr nach Irun abgereist.
Rom, 23. Mai. Es bestätigt sich, daß Giolittr den! Auftrag erhielt ein Kabinett zu bilden. Man glaubt, daß in einigen Tagen die Bildung des Käbinetts erfolgt sein wird. __
— Der Weltpost koiigreß hielt heute leine letzte Satzung ab. Zum Sitz des nächsten Kongresses wurde Madrid gewählt. Tie Unterzeichnung der Kongreßakte wird am 26. d. M. erfolgen. Mehrere Delegierte nahnien die Einladung der italienischen Regierung zum Besuche von Florenz und Venedig an.
Belgrad, 23. Mai. Von amtlicher Seite wird mitgeteilt, daß die Meldung der „Neuen Freien Presse", der hiesige deutsche Gesandte habe mehrercmale die serbische Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß Deutschland großen Wert auf das Zustandekommen des östreichisch -ungarischen Handelsvertrages lege, imwahr ist und demnach alle auf dieser unwahren Meldung pißenden Kombinationen unbegründet sind.
Bukarest, 23. Mai. Unter zahlreicher Beteiligung und mit glänzendem Gepränge wurde heute hier das Nationalfest gefeiert. König Carol ritt durch die von der Kathedrale zum Boulevard siüpenden Straßen. Auf dem Boulevard defilierten vor dem König zunächst die Schuler sämtlicher Völks- und Mittelschulen, woraus der Parademarsch der Truppen erfolgte, die unter dem Kommando des Prinzen-Thrvnfolgers ausgerückt waren Fürst Wilhelm von Hobenzvlleni führte, dem König das Infanterieregiment Torobantzi sttr. 22 vor, dessen Chef er ist. Dem König und der königlichen Familie wurden herzliche Ovationen bereitet. Um 3 Uhr nachmittags empfing der König die Mitglieder des diplomatischen Kvrvs in feierlicher Audienz. Sämtliche Gesandten überreichten ihm Handschreiben ihrer Souveräne, in' denen diese ihre Glückwünsche zum Ausdruck bringen.
Washington, 24. Mai. Staatssekretär Rovt wohnte heute den Verhandlungen der Senatskommissron für auswärtige Angelegenheiten bei, die sich mit der Anregung des Staatssekretärs einverstanden erklärte, Verhandlungen einzuleiten, um die Fischereigrenze und andere Streitfragen mit ®ng- and zu regeln. Rott teilte ferner mit, daß in China und Kvrea die Errichtung von Konsulaten notwendig fei, und schlug vor, die Kosten für den Bau der Konsulatsgebäude aus der chine- sischen Kriegsenffchädigung zu bezahlen.
SoUtische Tagesschau.
Die Trennung von Kirche und Schule fordert folgende an die 2. hessische Kammer gerichtete Vo r- , stellun g von 37 hessischen Staatsbürgern und Mitgliedern des Aeltestenrates der freien christlichen (deutsch katholisch enl Gemeinde Mainz, sowie der deutschkatholischen Okmeinben zu Essenheim, Ober- Ingelheim und Osthofen:
Zu den grundlegenden Lehren der modernen Rechtsgesellschaft gehört die Anerkennung der Freiheit der Entwicklung aller Geisteskräfte, wie auch die Freiheit der individuellen Selbstbestimmung in allen Fragen des religiösen Lebens. Jeder Zwang in geistiger Beziehung ist daher zu verwerfen, somit auch jeder Zwang auf Religiösem Gebiete. Darum muß auch das geistige Leben eines jeden geschützt werden gegen die Zwangseingriffe der offiziellen Organe der kirchlichen Gesellschaft. Solche Zwangseingriffe sind u. a. der obligatorische Religionsunterricht und die damit verbundenen Kultusübungen. Aus diesen Gründen ersucht man ergebens!, die hohe Kammer wolle in der Form eines Initiativantrages folgende Forderungen geltend machen: Beseitigung des obligatorisch en konfessionellen Religionsunterrichtes in der Schule, nachdem derselbe, wie die Tatsachen lehren, nur geeignet ist, die konfessionellen Gegensätze hervorzuheben, da die Religionslehrcr meistens gerade auf die die Konfessionen trennenden Urterscheidiingslehren das Hauptgewicht zu legen pflegen; ferner endgültige Aushebung der Privilegien aller Geistlichen und der bevorrechteten Stellung der Kirche innerhalb der Schulverwaltung. Ter bisherige Religionsunterricht ist durch einen vernünftigen und den Tiaturr anlagen entsprechenden Moralunterricht mit besonderer Berücksichtigung der Ethik des realen Lebens zu ersetzen. Bei der Erteilung des Geschichtsunterrichtes sollen Religion- und Ktrchengeschichte,. sowie die historische Entwicklung der einzelnen Religionssyfteme lediglich als Ofeschichtsstoff objektiv behandelt werden. Die Erteilung des konfessionellen Religionsunterrichtes bleibt den Religion? uud Kirchengemeindcn Vorbehalten und hat auf deren Kosten zu erfolgen. Auch stellt der Staat hierzu keine Zwangsmittel zur Verfügung. Es ist eine Tatsache, daß pädagogische Autoritäten von einwandfreier Bedeutung in immer größerer Anzahl sich für die Beseitigung des obligatorischen Religionsunterrichtes in den Schulen und für Trennung von Kirche und Schule aussprechen. Hierzu rechnen wir die Lehrerschaft der Freien und Hansestädte Bremen und Siamburg, die Lehrer der Stadt Leipzig nsw. Der Kurator der Bonner Universität, Dr. von Rottenburg, tat in einer Rede in Bonn folgende Aeußerung: „Geradezu zweckwidrig erscheint es mir, wenn man den Lehrplan auf diejenigen Dogmen aus dehnt, welche die verschiedenen Konfessionen von einander trennen.....Wolle man, aber, daß mit
der Bildung für eine bestimmte Konfession schon bei dem Kinde begonnen werde, dann sei der Religionsunterricht aus der Schule auszuschalten, da selbst Fürst Bismarck gesagthat: „Ich rechne auf den Fortschritt, auf die Entwicklung, auf die Schärfung des Urteils durch die Schule" und hinzu- fügte „nach ihrer vollständigen Emanzipation."
Oesterreich-Ungarn.
Wien, 23. Mai. Dem „Fremdenblalri' zufolge sprach der Kaiser gelegentlich der Audienz des Ministerpräsidenten Wekerle den Wunsch aus, daß die Verhandlungen, die zwischen dem österreichischen und ungarischen Ministerpräsidenten hinsichtlich des autonomen Zolltarifs geführt wurden, und die bisher zu keinem Resultat geführt haben, neuerdings aufgenommen werden. Zu diesem Zivecke begibt sich Wekerle in den nächsten Tagen wahrscheinlich am Sonntag nach Wien, um mit dem Prinzen zu Hohenlohe abermals in Berührung zu treten. Wie es heißt, soll den Gegenstand der neuerlichen Beratungen ein Kompromißvorschlag bilden, der sowohl dem Standpunkt der ungarischen, wie dem der österreichischen Regierung näher kommt. — Zu der Meldung mehrerer Blätter, daß das Kabinett Wekerle seine Demission gegeben oder angeboten habe, stellt das Blatt fest, daß von einer Demission keine Rede war, sondern daß die Regierung, lediglich um ihren Standpunkt auf da§ äußerste zu vertreten, die Kabinettsfrage aufzuwerfen sich entschloß. Man halte es jedoch für völlig ausgeschlossen, daß die Regierung wegen der Zolltarifkontroverse ihre Demission geben werde, sondern glaube, daß es gelingen werde, schon in den nächsten Tagen einen Kompromiß zu erzielen.
— Heute Nachmittag fand ein von dem General stabschef Baron Beck zu Ehren des preußischen Generalstabschefs von Moltke gegebenes Diner statt, an dem die Herren, denen Moltke am Vormittag Besuche abgestattet hatte, sowie mehrere hohe Militärs teilnahmen. Während der Tafel brachte Beck einen Toast auf Kaiser Wilhelm II. aus, Moltke hielt einen Trinkspruch auf Kaiser Franz Josef. Vor der Tafel hatten sich Beck und Moltke im Wintergarten des Hotels gemeinsam photographieren lassen. , _
— Generalleutnant v. Moltke wird aus Einladung des Kaisers Franz Josef in Bruck am 25. und 26. Mai den Truppenbesichtigungen beiwohnen. Der Kaiser, der am 24. Mai aus Budapest in Bruck eintrifft, wird bald nachher den General empfangen. Letzterer wird am 26 Mai wieder in Wien eintreffen, am nachmittag an einem -tmer bei dem deutschen Botschafter teilnehmen und abends voraussichtlich die Rückreise nach Berlin antreten.
— In militärischen Kreisen zirkuliert das Gerücht, datz der italienische Gen er a l st a bsch ef «aleta demnächst ebenfallS in Wien eintreffen werde. ___
Nußland.
Petersburg, 24. Mai. Der Präsident des Ministerrats Goremhkin, legte gestern dem Kaiser ba§ Regvn> ungsprogramm zur Bestätigung Dor ba» er rn der Reich.' durna als Antwort auf deren Adresse entwickeln wird. Die WahlprüfungAkommission hat dre meisten


