Ausgabe 
25.4.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Wille der Völler und die Tätigkeit der Dtplormitic arbeiten gemeinsam dahin, die Streitpunkte auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der berechtigten internationalen Interessen zu lösen. Tiefe Politik, die von dem Bestreben nach einem gerechten Ausgleich erfüllt ist, bildet die un- Erläftlichc Bedingung für die wirtschaftliche Entwicklung und den Fortschritt der Zivilisation der Völker. Seien Sie überzeugt, daß Italien zu dieser Politik mit freimütiger Aufrichtigkeit und mit hohem Bewußtsein seiner Pflichten und seiner Rechte beitrügt. (Lebhafter Beifall.)

Te Martino erklärt sich sehr befriedigt und dankt dem Minister.

*

Tie Diskussion über Italien beginnt nun wohl aufs treue. Trotz den Erklärungen herrscht über so manchen Punkt Unklarheit. Italien steht der französischen Republik näher, als hier zu gegeben wird. Man hat den sehr berechtigten Wunsch, einiges über das neue ,besondere Ab- kommen" zu erfahren, das zwischen Italien und Frankreich perfekt geworden ist und das angeblich nur Mittelmeerfragen betreffen soll. Dahinter steckt noch etwas mehr. Wenn es sich nur darum gehandelt hätte, brauchte die Angelegenheit nicht mit so großer Heimlichkeit betrieben zu werden. Der PariserTempS", das Organ der französischen Regierung, schreibt, Deutschland kenne die italienisch-französischen Mittel­meer-Abmachungen und habe s. Zt., von ihrem Abschluß so­fort verständigt, geurteilt, daß sie sich mit dem Dreibund vollständig vertragen. Ganz recht, nur bezieht sich das Ein­verständnis Deutschlands auf die Mittelmeer-Vereinbarungen, die abgeschlossen wurden, bevor die internationale Lage durch den Marokko-Streit und die bekannten englischen und franzö­sischen Bestrebungen, Deutschland zu vereinsamen, einen so gefährlichen Charakter erhielt. Mochte Italien allenfalls so lange eine ,Extratour" mit Frankreich tanzen, als der Friede nicht bedroht schien, so hätte das verbündete Königreich in dem Augenblick eine Fortsetzung des ,Flirts" unterlaßen müssen, als die franz. Politik in einen offenen und scharfen Gegensatz zu Deutschland trat. Das aber geschah nicht, viel­mehr die Heimlichkeiten mehrten sich, und das Ergebnis war das bekannte, daß Italien in rücksichtsloser Weise die marokkanischen Ansprüche Frankreichs nicht nur unterstützte, sondern fast zu den {einigen machte.

Run behauptet Italien, der Dreibundsvertrag sei dadurch nicht verletzt worden. Allerdings nicht der Inhalt des Vertrages, aber sicherlich der Geist des Vertrages. Die Seele jedes Bündniffes, so führt das ofsiziöseWiener Fremdenblatt" aus, ist das Vertrauen. DasFremdenblatt" fügt hinzu, das Vertrauen werde gewiß nicht genährt, wenn man den Grund­satz befolge, sich jenseits des Bereichs der Paragraphen nicht zu kennen. Eine vortreffliche Ironisierung der mehr als naiven italienischen Auffassung, daß ein Verbündeter nur für den Kriegsfall gewiße, mehr oder minder lästig empfundene Verpflich- tungen hat. Als ob in schweren Zeiten von demjenigen viel Treue zu erwarten wäre, der nicht einmal in ruhigen Tagen sich als zuverlässig erweist. Die französische Presse stellt sich verwundert, daß in Deutschland die Neigung zu Italien ab­gekühlt ist. Nichts, so schreibt beispielsweise derFigaro", ist gegen die Ehrlichkeit und Tadellosigkeit Italiens zu sagen. Das französische Urteil ist nicht un.beeinflußt. In Oesterreich- llnqam findet man manches Triftige zu 'sagen. ________

Deutscher Reichstag.

86. Sitzung v o m 24. A p r i l 1906.

Am Bundesratstische Freiherr von Stengel.

Präsident Graf B a l l e st r e m eröffnet die Sitzung mit einem warmen Gedenken cm die beiden schweren Unglücksiällo, die durch beit Ausbruch des Vesuv und das Erdbeben bet San Fran­cisco zwei bcfrcmibcte Nationen ergriffen hat unb versichert sie der herzlichsten Teilnahme des deutschen Volkes. (Lebhafter Bei- sall. Tie Abgeordneten erheben sich von den Sitzen.)

Hierauf tritt das Hans in die Tagesordnung em. Ohne Er­örterung wird zunächst der Gesetzentwurf über die E n t l a st u n g des Reichs -Invalidität 2- Fonds in dritter Lesung a u- g e n o m m e n, ebenso der Gesetzentwurf auf Abänderung des Ge­setzes über die Bewilligung von W o h u u u g s - G e l d z u s ch u ß vom 30. Juni 1873; ferner ohne erhebliche Debatte der Gesetz­entwurf über öen Servistarif und Klaffen-Einteilung der Orte. Auch der Entwurf über die Abänderung des Gesetzes über die N a t u r a l l e i st u n g e n für die bewaffnete Macht wird in dritter Lesung ohne Debatte verabschiedet. Es folgen Bittschriften. Eine Petition um Abänderung des § 313 des B. G.-B., wonach Verträge wegen Eigentum s-lleber- t r a g u n g von G r u u d st ü ck e n der notariellen Form bedürfen, wird der Regierung als Material überwiesen, lieber eine Anzahl anderer Petitionen geht das Haus zur Tagesordnung über. Eine Bittschrift wegen Einschränkung der Vivi­sektion wird der Regierung als Material überwiesen. Eine Petition auf Verbot des sog. gewerblichen Schachtens in der Militär-Ko nserven-Fabrik Mainz wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Eine Bittschrift über die Reorganisation der Kolonial-Verwaltung wird der Regierung als Material überwiesen. Bittschriften auf Errich­tung von Handlungsgehilfen-Kammern und Ar­beit e r k a m rn e r n werden dem Kommissionsantrage gemäß der Regierung teils zur Berücksichtigung, teils als Material über­wiesen. Eine Bittschrift über V e r s i ch e r n n g g e g e n A r b e i ts- los i g k e i t und eine solche über Aenderung der Straf­prozeßordnung erledigt das Haus durch Ueberweisung als Material, lieber verschiedene andere Bittschriften geht das Haus zur Tagesordnung über. Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Nächste Sitzung Mittivoch. Tagesordnung: Rechnnngssacheil über Schutzgebiete, erste Verattmg der Schutztruvpen-Gesetznovellc, des Gesetzes über Hastung des Tierhalters, des Gesetzes über Haftung bei Automobilunfällen und des Vogelfchutzgesetzes.

K Berlin, 24. April. Kundgebungen internationaler Ten­denz erfolgen selten in ber deutschen Volksvertretung. Deshalb sind sie in den einzelnen Fällen umsomehr benterkenswert, und deshalb wird der feierlichen Erklärung Wert beigelegt werben, mit welcher Präsident Gras B a l l e st r e m die heutige erste Sitzung nach ben Osterferien eröffnete. Es waren Worte der herzlichsten Anteil­nahme, die Graf Ballestrem an die Adresse Italiens und der V e r e i n i g t c n Staaten richtete anläßlich der elementaren Katastrophen, die über die Vesuvlanbfchaft und die Stadt San Francisco hereingebrocheit sind. Gras Ballestrem verfuhr staats­männisch, als er bei Italien von denalten historischen Beziehungen" und bettsympatischen Gefühlen" der Deutschen für die Italiener sprach, bei Amerika von dem h e r z l i ch b c f r c u n d e t e n , st a m m v c r w a n d t e n" V o l k e, zu beiden Malen unter lebhafter Zustiminung der Abgeordneten. Nunmehr wird man sich in Italien wohl endgiltig beruhigen wegen der bundesgenoffenfchasrlichen Stimmung des deutschen Volkes. Wärmer und eindringlicher, als es heute im Reichstag geschah, kann nicht befimbet werden, daß Deutschland feinem Verbündeten d i e Tr eu e zu halten gesonnen ist, ungeachtet der wenig freundschaftlichen, stellenweise in Schmähungen ausartenben Artikel italienischer Blätter über ben beutschen Ver­bündeten.

Nachdem der Pflicht internationaler (Soitrtomc genügt war, ging der Reichstag an seine burd) die Tagesordnung gegebene

Arbeit, die dritten Lesiingcn kleinerer Gesetzentwürfe unb die Be- schlußfaßung über 30 Petitionsberichte. Da man zum Debattieren wenig Anlaß fand, war sehr bald glatter Tisch gemacht. Gelegcut- lich luuvbc bereits der Diütenvor läge Erwähnung getan, die auf den Bestich der Sitzung eine gewisse vorgreifeiibe Wirktlng äußerte. Es ivareir heute ntehr Abgeordnete amvesend, als es sonst um diese Zeit der Fall zu sein pflegte. Das mtd die Aussicht auf noch besser besuchte Sitzungen versetzte den Präsibenteu, der ja den bisherigen schleppenden Fortgang der parlamentarischen Arbeit in erster Linie schmerzlich entvfaiid, tu eilte merklich frohe Stimiit- ung. Mit einem Tone der Genugtuung verkt'ntdete er heute die Ergeb,tisse der rasch aufeinanderfolgenden Abstimmungen.

*

Berlin, 24. April. J,t der heutigen Sitzung des Senioren- Konvents des Reichstages wttrde zunächst die Frage erörtert, ob inorgeit Schwerinstag abgehalteit werden soll ober nicht. Im Be­jahungsfälle würbe bet Toleranzantrag beS Zentrums auf die Tagesordnung kommen. Abg. R i n t e l e u (Ztr.) meinte, daß daS Zentrum Wert darauf lege, daß der Toleranzantrag bei möglichst voll besetztem Hause verhandelt werde. Nachdem Abg. S i n g c r erklärt hätte, daß seine Partei eventllett bereit sei, ihreir H eim- a r b e i t - A n t r a g mar-gen zur Erörterung zu bringen, einigten sich die Senioren dahin, daß morgen der Schwerinstag ausfällt. Gras Ballestrem machte baräut aufmerksam, daß bis zum 1. I u n i b e r E t a t in b r i t t e r L e s u n g c r I c b i g t werben müsse, wenn nicht ein neues Notgesetz notivenbig werden soll. Für Mittwoch unb Donnerstag der nächsten Woche sipb SchwerinStage geplant. Donnerstag oder Samstag sollen D i ä t e n v o r l a g e, sowie das Reichskassenscheingesetz aus die Tagesordnttng rammen. Der nächste Freitag wird für Koinmissionsberatungen freigelassen. Nach ben obigen beiben Vorlagen sollen bte Steuergesetze an die Reihe kommen.

Ans Käiselpaar in Komburg,

(Original-Artikel des Gießener Anzeigers.)

H v m b u r g , 24. April.

Seit Ende voriger Woche weilt das> Kafferpaar mit seinem Töchterchen in dem schönen Taunusbad Hornburg v. d. H., um dort Erholung zu suchen. In Hamburg ist die eigentliche Saison nod; nicht im Gange, auf den Straßen und Plätzen herrscht noch die winterliche Stille, obwohl die Anlagen und die prächtigen Gärten bereits im frischen Grün und int Blüten­schmucke prangen. Das Kaiserpaar kann also völlig ungestört seiner Erholung leben. Schon einige Tage vor -ihrer Ankunft sind der Marstall und die Aubomobile des Kaisers in Homburg eingetroffen. Ter Marstall ftclyt seit kurzem unter der Leitung von Erz. v. Rorschach, der früher in Diensten der Kaiserin Fried­rich stand und erst iteuerdings in kaiserliche Dienste übergetreten ist. Die Reitpferde hat der bekannte Herrenreiter Major Holtzing unter sich, der auch diesen Teil des Marstalls nach verschiedenen Richtungen hin ergänzt und verbessert hat. Zur Ausfahrt werden in erster Linie die Automobile benützt. Es wäre dies in den letzten Tagen vielleicht noch häufiger geschehen, locnn sich nicht tzer Kaiser einen starken Schnupfen zugezogen hätte, infolgedeffru er die Ausfahrten tunlichst vermied. Sein Befinden ist aber bereits wieder bedeutend besser. Gewöhnlich unternehmen die Majestäten schon in den frühen Morgenstunden einen längeren Spaziergang im Sclloßpark, der bekanntlich einen reizenden Ausblick bietet. Später, gewöhnlich gegen 11 Uhr macht dann der Kaiser eine Ausfahrt im Automobil, während die Kaise­rin mit der Prinzessin im geschlossenen Wagen zum Kaiser Wilhelmsbad fahrt, wo die beiden kohlensaure Bäder nehmen. Der Kaiser kehrt gewöhnlich gegen 1 Uhr ins Schloß zurück, während die Kaiserin und ihre Tochter nach dem Bad zu Fuß durch die Kuranlageu nach dein Schloß znrückgehen. Heute vor­mittag machte der Kaiser eine Ausfahrt uach der Saalburg, mit ihm fuhr der Baurat Jacobi, der Wiedererbauer der Saal­burg. Tie Saalburgwiederh-'rstellung hat auch int abgelaufenen Winter wieder bedeutende Fortschritte gemacht. Als besonders bemerkenswert ist die Wiederherstellung der Hhpokausten (römi­schen Heizung) in dem wiederaufgebauten .Horreum «Magazin) hervorzuhebm. Diese rönii'jkftc Hebung liegt in den. bohlen Wan­delt und gibt dem gwßen Raum eine angenehme Wärme. In dent Horreum soll vom Herbst dieses Jahres ab ein Museum der Saalburgsunde entstehen, das bisher im Homburger Kür­haus untergebracht war. Seit seinem Aufenthalt in Hombnrg hat der Kaiser sein Hauptinteresse der int Ban begriffenen Er­lös e r k i r ch c zugewendet, die in nächster Nähe des Schlosses von t'Pch. Vanrat Schwechten aus Berlin errichtet wird. (Heftern ließ sich der Kaiser einen Vortrag über die für die Msschmücknng der Kirche in Aussicht genommenen Mosaiken halten und man legte ihm Zeichnungen von dem Kaiserpvrtal der Kirche vor. Ueber diesem Portal ist der preußische Mler mit der K°rone vor- gesehirn. Ter Kaiser besah die Zeichnungen lange unb erklärte schließlich, ber Adler gefalle ihm nicht. Er nahm einen Bleistift und zeichnete einen Adler auf, wie er ihn ausgeführt zu sehen Wünscht. Tie Kirche ist im Rohbau vollendet, bis zu ihrer völligen Fertigstellung dürfte aber noch längere Zeit vergeben. Die poli­zeilichen Absperrungen und Ueberwachungeu, die teils Von Frank- furter, teils von Berliner Volizeibeamten gehandhabt werden, sind auf Befehl des Kaisers sehr geringfügig. Noch gestern ließ der Kaiser dem Aufsicht führenden Polizeibeamten durch einen Flügelodjutauten sagen, er wünsche nicht, daß bie Kinder seinet­wegen verscheucht würden. Selbstverständlich ist diese Aeußerung des Kvisers nicht unbekannt geblieben unb so kommt es benn, daß vor den beiden Schloßtoren die Homburger Jugend oft stundenlang wartet, um den Kaiser oder die Kaiserin 511 sehen. Besonderen Interesses erfreut sich die kleine Prinzessin, die häufig mit einem niedlichen Ponhgcspann, das sie selbst kutschiert, Ausfahrten unternimmt. Oft geht sie auch in Begleit­ung einer Gesellschafterin im Homburger Park spazieren. Bei erneut solchen Spaziergang sah sie gestern von weitem ben Kaiser kommen. Mit eiligen Sprüngen eilte, sie über ben Rasen hinweg dem kaiserlichen Vater entgegen, ungeachtet der warnen­den Rufe der Gesellschafterin. Dieser kleine Vorgang aus dem Familienleben des Monarchen tuar auf die Zuschauer von un­vergeßlichem Eindruck. Besonders bei den Kindern Homburgs erfreut sich die kleine Prinzessin sich immer steigernder Beliebt­heit. Ueber die Pläne des Kaisers für die nächsten Tage ver­lautet, daß außer einer Anzahl kleiner Ausflüge in Homburgs Umgebung, eine Antvmobilsahrt nach Wiesbaden, wohl zum,Be­such einer Theatervorstellung geplant ist. Die Abreise des Kaisers von Homburg erfolgt am 1. Mai abends: er begibt sich nach Berlin zurück. Die Kaiserin und die Prinzessin werden voraus­sichtlich bis 11. Mai in Homburg bleiben.

(W.) Homburg v. d. H., 24. April. Heute nachmittag unternahmen beide Majestäten mit den Damen.und Herren des Gefolges eine Ausfahrt im Automobil und gingen dann vom Gotischen Haus aus zu Fuß beit König Wilhelm-Weg auf die Saalburg. Bon hier aus kehrten sie im Automobil zum Schloß Homburg zurück.

Nachmittags um 5 Uhr 20 Miu. ist der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. T s cb i r s ck> k y und B ö g c n d 0 r f f ein- getrossen und hat im könial. Schloß Wohnung genommen.

Der zweite deutsche Konürcsi

für experimentelle Psychologie zu Würzburg.

Im April 1904 würbe bekanntlich ber erste Kongreß btefer Art hier in Gieße n abgehalten, hoffen betriebigenber Verlaut nicht zum iDenigften bem Vertreter ber Psychiatrie an unserer Uni­versität, Pro? S 0 m m e r, zu banken war. Damals würbe eine Deutsche Gesellschaft für experimentelle Psychologie gegrünbet, bte sich u. a. bte Aufgabe stellte, alle 31001 Jahre einen solchen Kon­greß zu veranstalten.

Ter diesjährige (zweite) Kongreß fanb in Würzburg statt. Einige 30 Vorträge würben gehalten. Die bebeutsamston Referate waren bas von Prof. K ü l p e erstattete über ben gegenwärtigen Staub ber experimentellen Aesthetik unb bas von Prof. S 0 m m e r über Fnbivibualpsychologie unb Psychiatrie.

Külpe gab eine klare Uebcrficbt über bie ForschnngSmethoben und über bie wichtigsten Ergebnisse unb Theorien ber experi­

mentellen Aesthetik ber Gegenwart. Sie zeigte, baß biese von Fechner bcgrüiibete Teildisziplin in hoffnungsreicher Weise sich entwickelt. Hatte Fechner unb seine unmittelbaren Nachfolger vor- wicgenb ihr Augenmerk auf bie Beschaffenheit ber ^ästhetisch ge- sallenbon Objekte gelenkt, so hat sich bie neueste Forschung mit fast noch größerer bem ästhetischen Verhalten bes Subjekts zu- gewanbt. Külpe sielst eine Hauptbebingung einer fruchtbaren Weiterentwicklung ber Forschung barm, baß ber gegenständliche (objektive) unb i)cr zustänbliche /subjektive) Faktor in gleichem Maße berücksichtigt tuerbe, unb er ist ber Ansicht, baß gcrabc bas experimentelle Vorfahren bazu bosonbers be­fähigt unb berufen sei. Die einseitige Bevorzugung motorischer Komponenten in Beschreibung unb Erklärung bes ästhetischen Verhaltens, bie sich bosonbers bei ben neueren amerikanischen Forschern zeigt, bekämpft er ontschioben. Auch will er ber nicht experimentell versahrenben "Aesthetik burchaus nicht ihren Wort absprechen; freilich zeigt die letzte Entwickolungsphaje ber Forschung, baß ba§ oft erhobene Bebenken, bem experimentellen Verfahren seien nur ganz elementare Erscheinungen zugänglich, gegenwärtig nicht mehr zutrifft.

Pros. Sommer gab zunächst einen historisch-kritischen Ueber- blick über bie Entwickelung bes Verhältnisses zwischen Jnbimbual- psychologie unb Psychiatrie, ber zu bem Ergebnis führte, baß in ber Gegenwart eine prinzipielle Klärung über bieses Verhältnis noch burchaus nicht in tvünschonswertem Maße Gemeingut bet Forscher geworben ist. Nach seiner Einsicht ist bas Problem in btet Unterfragen zu zerlegen: 1. Wie verhalten sich bestimmte geistige Funktionen (vor allem solche elementarer Art) einerseits beim normalen, anberseits beim geistig kranken Jnbivibuum, und tvo läßt sich auf Grund vergleichender Untersuchungen die Grenze zwischen bem Gesunben unb dem Pathologischen ziehen? 2. In­wieweit lassen sich im einzelnen Falle in den Symptomen einer beftimmten Psychose die Grunbzüge bes früheren normalen Zu- stanbcs wiebererkenneii? 3. Inwieweit sinb bie für normale Jnbivibnen charakteristi chen Eigenschaften, bczrn. pathologischen Zustäiibe geringeren Grabes? Die Fruchtbarkeit bieser Frage« Heilung legte ber fßortragenbe an einer Reihe von geistigen Er­krankungen bar.

Allgemeiner interessant war auch, wie ber Vortrag von Prof. W i t a s e k (Graz) unb bie an ihn sich anschließenbe Diskussion zum klaren Ausbruck brachte, wie selbst bte gegenwärtig ver- wonbeten anßerorbentlich verfeinerten Methoben ber Gebächtnis- forschung boch gegenüber ber gerabezn staunenswerten Kompliziert­heit unb Mannigfaltigkeit bes psychischen Geschehens von einer wirklichenExaktheit" noch weit entfernt sind. Daß man mit betn experimentellen Verfahren allmählich auch ben komplexeren seelischen Vorgängen, bie man auch alsgeistige" int eigentlichen Sinne zn bezeichnen pflegt, beizukommen sucht, bewiesen bosonbers bie Vor­träge von Dr. Dürr (Würzburg) unb Tr. A ch (Marburg) über ben Misten unb von Prof. Messer (Gießen) unb Dr. Bühler (Wiipzmirg) über bas Denken.

Die Hauptversammlung des Allgemeinen Vereins für 2lrmen° und Krankenpflege zu Gießen.

fanb gestern, Dienstag, in gewohnter Weise im Gemembesaol ber Matthäusgemeinbe statt. In feiner einlcttenben Ansprache wies ber Vorfitzcnbe, Pfarrer D. Schlosser, auf bie großen Wandlungen hin, die in der Beurteilung der Armut und int Betrieb der Wohltätigkeit im Lauf der letzten Jahrzehnte ein- getreten seien. Heute genügten nicht mehr daS gute Herz und das nötige Geld die Armenpflege fei eine wcitperzweigtc Wissenschaft unb eine zu erlernende Kim st geworden, in die groß angelegte Kurse, wie der gegenwärtig in Jrauksurt a. M. von der Zentrale für private Fürsorge veranstaltete für Jugend­fürsorge der auf 14 Tage berechnet sei, planmäßig einrühron wollen. Gewachsen unb verfeinert sei auch daS soziale Gefühl, das es mit dem Armen empfindet, wie schmerzlich es sei, auf Almosen angewiesen zu sein, und darum verhindert, ohne Rucl- sickst auf dieS Empfinden mehr so zur eigenen Befriedigung wvhlzntun. Aus dem nun erstatteten Jahresbericht sei, da er demnächst veröffentlicht wird, kurz nur siegendes nub geteilt: Die Helferabteilung unter dem Vorsitz von Pfarrer Euler unterstützte 171 Personen und Familien in 945 Wllen mit insgesamt 3768 Mark. Darunter befinden fick" die Kvstci, für die Badekuren von 26 Kindern mit 960 Mark, tvozu aus bem stäbtischen Dispositionsfonds 800 Mark zngeschossen wurden Die Schwestern pflegten in 628 Familien mit 22 756 Pflege­besuchen, 38 ganzen Tagpflegen und 601 Nachtwachen. Diese ganz außerordentliche Leistung ist nur durch eine aufopfernde Hingabe der Schwestern möglich gewesen, die des höchsten Lvbes wert ist. Im Schwesternhaus selbst wurden 343 Kranke mit 4126 Ver- pslegungstagen und 43 Nachtwachen verpflegt. Die Abteilung für WaisenPflege unter dem Vorsitz des Beigeordneten Cur schm nun waltete mit ihren Waisenpflegerinneu ihres Amtes in stiller Treue. Das M i c t s p a t r on a t wurde ent­sprechend dem wriälrrigen Beschluß durch Kündigung der von ber Stadt gemieteten Häuser eingeschränkt, und zur Veräußerung der noch übrigen drei Häuser Schritte getan. Die neugegründete Abteilung für Säuglingsfürsorge unter. dem Vor­sitz von Pfarrer Schwabe hatte zunächst die Erweiterung^der Ktippe, die Einrichtung einer Milchkückte, sowie die eines Säug­lingsheims ins Auge gefaßt. Die weitereu Schritte fallen erst in ' das Jahr 1906. Pfarrer Schwabe berichtete darüber spater der Versammlung, daß, nachdenr der ^Vorstand um der großen Schwierigkeiten willen, und weil die Sache noch nicht genügend geklärt erscherne, beschlossen hatte, daS Säuglingsheim zunächst zurückzilstellen, ein einstweilig für die MilMüche passendes Lokal gesucht, aber nicht gesunden vwrben sei. ES werde, daher nichts übrig bleiben, als zu bauen. Ein Teil der dazu nötigen Mittel sei von einigen Menschenfreunden bereits zur Verfügung gestellt. Man hoffe auf den Beistand des Stadtvorstandes, namenthdi auch für die Lösung der Platzsrage. Die von Rendant Dormg geprüfte Rechnung deS Vereins schloß mit 51 213,54 Mk. in Ein­nahme und 49 459,95 Mk. in AuSgabe ab. Dem verdienten Rechner, RechuungSrat W i l k e r, wurde mit herzlichem Dank Ent­lastung erteilt. Endlich genehmigte die Versammlung den Ver­kauf deS Hauses Katharineugasse 11 au Georg .Kinkel.

* Kleine Tageschronik. In Göttingen herrschte am Dienstag starkes Schneetreiben. Das Thermometer zeigte 2 Grad Kälte. Wie verlautet, erkrankten in Torre Quirrco bei Florenz 150 Personen unter schweren VergiHt u n gs- e r s ch e i n it n g c h nach bem Genuß von Brot. Die unter- siichling ist int Gange. Es scheint, baß Bleiweiß bem Brot bcige- rnischt würbe. In San bau wurde die zehnjährige Tochter bes Bier-Expcbienten Gilb überfafien, in ben Walb geschleppt unb ver­gewaltigt. Das K'inb würbe schwerverletzt auigefunben. Zwei Hatzenbühler Burschen würben als ber Tat verbächtig festgenommen

X

X

X X

Still ruht der See, die Vöglein schlafen

ich aber liege ruhelos in ben Febern unb quäle mich mit bem miserabelsten Katarrh von ber Welt ab. Unb nun steht es fest: morgen werben Fay's ächte Sobener Mineral- Pastillen gekauft I Ich höre überall, baß bie Dinger wahre Wunber tun sollen unb ich will's einmal bannt versuchen, uachbem all bie Süßigkeiten unb Tränkchen mir ben Magen verborben unb boch nicht geholfen haben. Für 85Psg. die Schachtel in allen Apotheken. Drogen- unb Mineralwasser- hmibhmgeit erhältlich. V' '

Für Blutarme, ^erwöse 1984

Bf f' rti 1/1 (Welzen-Lecithin-EIWEISS).

BUopter-CrZztZz/? Tägliche Ausgabe ca. 25 Pfg. In Apotheken, Drog-. Wissenschaft!. Literatur kostenfrei.

Dr. Volkmar Klopfer, Dresden-Leubnitz.

IlirmWttt MWrik. Deutschlands. 300 Zimmercinrichtungen stets lieferf. vorrätig. Man verlange Preisliste und Abbildungen, [b18^,